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Johannes Evangelium – Kapitel 15

Joh 15,1-8: Weinstock und Reben

Bleibt fest mit mir verbunden, und ich werde ebenso mit euch verbunden bleiben! Denn eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Früchte tragen, sondern nur, wenn sie am Weinstock hängt. Ebenso werdet auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir verbunden bleibt. Joh 15:4

Mit Jesus verbunden. Wie Jesus sagt, kann unser Leben nur fruchtbar sein, wenn wir am Weinstock bleiben. Je mehr wir mit Jesus verbunden sind, desto mehr Frucht bringen wir. Nicht unsere Aktivität oder unsere Taten entscheiden in erster Instanz über die Frucht unseres Lebens, sondern zuerst kommt es darauf an, wie sehr wir mit Jesus verbunden sind, ihm nahe sind. Dabei ist es nicht einfach, diese Nähe immer zu suchen, denn unser Vater reinigt uns, erlaubt verschiedene Prüfungen in unserem Leben, die uns oft viel kosten. Er poliert uns wie einen kostbaren Edelstein, aber nur damit der wahre Glanz unserer Seele hervorbricht und wir noch reichere Frucht bringen. Br. Mario Ciaston

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Joh 15,5

Gott hat dich erlöst und dich mit ihm versöhnt, damit du ein Teil seiner Familie bist: Du bist berufen zur Gemeinschaft. Du wurdest als Teil von Gottes Familie erschaffen. Gemeinsam bilden wir allen den Leib Christi. (Röm 12,5). Gemeinschaft – ohne sie geht es nicht: Wir werden erst durch Begegnung mit anderen Menschen, die Person, die wir sind. Ich brauche andere Menschen in meinem Leben. Die Gemeinschaft mit andern Menschen verlangt persönlichen Einsatz. Wenn wir Gemeinschaft fördern wollen, erfordert das Ehrlichkeit, Demut, Freundlichkeit und Vertrauen. Vor allem die Demut ist für mich da sehr wichtig. Demut bedeutet nicht, gering von sich zu denken – es bedeutet einfach, weniger an sich selbst zu denken. Jedes mal, wenn du dich ernsthaft darum bemühst, die Gefühle des anderen zu verstehen, baust du Gemeinschaft auf. Im Leben dreht sich alles um Liebe in der Gemeinschaft, das habe ich nach diesem Hochzeits-Wochenende mit tiefstem Herzen wieder begriffen.

Hast du nicht aus dem Munde des Meisters das Gleichnis vom Weinstock und den Reben vernommen? – Sei getrost: Er fordert viel von dir, weil du eine Rebe bist und Frucht bringst … Er beschneidet dich, »ut fructum plus afferas«, damit du mehr Frucht bringst. Natürlich schmerzt dieses Beschneiden und Herausreißen! Aber wie köstlich sind hernach die Früchte und wie ausgereift die Werke! Josefmaria

Getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Joh 15:5

Die Bildrede vom Weinstock verdeutlicht unser In-Christus-Sein und das Sein Christi in uns in seinem tiefen Zusammenhang. Ohne Christus kann ich nicht leben und wachsen, wie auch kein Rebzweig ohne lebendige Verbindung zum Rebstock. Und ohne Rebzweige wird der Rebstock durch die Jahre hindurch nicht die Früchte bringen können, die er bringen will. Es ist ein gemeinsames Leben und Engagement

Jesus, ich will alles mit dir tun. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich nicht verstehe, wieso ich streckenweise immer wieder ohne dich lebe, obwohl ich das gar nicht will. Jeden morgen nehme ich mir vor, den Tag ganz mit dir zu leben. Aber dann verliere ich dich doch wieder so schnell aus den Augen, und die Momente mit dir sind punktuell, nicht durchgängig. Hilf mir dabei, dass ich heute ganz mit dir lebe.

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch geschehen. Joh 15,7

«Wenn ihr in mir bleibt …» Damit meint Er ein Leben in bewusster und ständiger Abhängigkeit von Ihm. Es geht darum, dass wir einen regelmässigen Gebetskontakt zu Ihm pflegen und Ihn fragen, was Er von uns möchte. Diese Nähe zum Herrn Jesus im Alltag erfordert, dass wir alle Auswüchse der alten Natur verurteilen, damit unsere Beziehung zu Ihm nicht durch Sünden getrübt wird. Wenn wir uns nahe beim Herrn aufhalten und von Ihm abhängig leben, wird Er unsere Gedanken und Zuneigungen prägen. Als Folge davon werden wir in seinem Sinn bitten. Solche Gebete, die dem Willen des Herrn Jesus entsprechen, wird Gott erhören.

«Wenn meine Worte in euch bleiben …» Die Worte des Herrn Jesus finden wir in der Bibel. Durch das Lesen oder Hören des Wortes Gottes erfahren wir, was Er uns zu sagen hat. Doch das genügt noch nicht. Unser Herr fordert uns auch auf, seine Worte zu bejahen, ins Herz aufzunehmen und im Leben zu befolgen. Wenn das Wort Gottes auf diese Weise in uns bleibt, beeinflusst es unser Denken, Reden und Verhalten. Die Auswirkung davon ist, dass unsere Bitten mit Gottes Willen übereinstimmen und Er sie erhören kann.

Joh 15,9-17: Ihr seid meine Freunde

Bleibt in meiner Liebe! Joh 15:9

Die Tugend der Liebe bedeutet dem anderen zu sagen: Gut, dass es dich gibt! Wahre Liebe besteht darin, die Fehler des Nächsten zu ertragen. Liebe ist der Entschluss das Ganze eines Menschen zu bejahen, die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen. Gerade bei Menschen, die uns nicht so liegen, hat diese Tugend ihren großen Stellenwert. Dies tun wir nicht aus eigener Kraft: „Alle Bewegung, durch die wir zur Liebe bewegt werden, in der bewegt uns nichts anderes als der Heilige Geist.“ (Meister Eckhart). Wie wichtig ist daher das Wort des Herrn, in seiner Liebe zu bleiben. Der Herr sieht nicht so sehr auf die Größe der Werke als auf die Liebe, mit der sie getan werden. Bleibe in der Liebe des Herrn, lass dich vom heiligen Geist bewegen.

Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben…. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Joh 15,10-11

Einer der Schlüssel zu deiner Freude, ist in Gehorsam zu Gott zu leben. Seine Freude ist dann in uns, wenn wir in seiner Liebe bleiben und seine Gebote halten. Ähnlich steht es im Psalm 73: Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun (Ps 73,28). Der Ursprung der Freude ist dabei die Beziehung zu Christus, denn „Christus ist die Freude“ (Papst Paul VI). Wenn ich sagen kann: »Herr, ich will, wie Du willst«, dann ist der Weg für Gottes Freude frei (Guardini). Dient dem Herrn mit Freude. (Ps 100:2)Ja: „Ins Herz, das den Willen Gottes liebt, kehrt Traurigkeit nicht ein.“ (Faustina TB 886)

Ich sage euch das, damit meine Freude euch erfüllt und eure Freude vollkommen ist. Joh 15:11

Die vollkommene Freude besteht darin, die Gemeinschaft mit Gott zu genießen. Nun ist Gott Liebe. Eine vollkommene Freude kann also nur derjenige haben, der in der Liebe ist, denn darin ist er in Gott. Christus möchte, dass diese Freude uns erfüllt. Jesus weiß aber auch um die Gefahr, denn der tiefste Grund der Freude des „Gott-mit-uns“ steht Zeit unseres Lebens in Gefahr verschüttet zu werden, weil wir den weltlichen Hindernissen zu viel Macht einräumen oder das, was diese Freude stützt und fördert zu wenig pflegen. Über diese Stützen und Hindernisse der Freude soll es nun im Folgenden gehen.

Freude ist für uns ein Bedürfnis und eine Stärke, auch körperlich. Eine Schwester, die den Geist der Freude gepflegt hat, spürt die Müdigkeit weniger und ist stets bereit, Gutes zu tun. Eine von Freude erfüllte Schwester predigt ohne zu predigen. Eine fröhliche Schwester ist wie der Sonnenstrahl der göttlichen Liebe, die Hoffnung auf ewige Freude, die Flamme einer brennenden Liebe. Freude ist eine der besten Garantien gegen Versuchungen. Der Teufel führt Staub und Schlamm mit sich und ihm ist jede Gelegenheit recht, uns damit zu bewerfen. Ein fröhliches Herz weiß sich davor zu schützen.

Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Joh 15:12

Jesus hat diese Hingabe gelebt bis zum Letzten. Doch womit fängt diese Hingabe im Kleinen bei uns an? Mit Aufmerksamkeit! Schauen auf den anderen. Sich in ihm hinein versetzen. Überlegen, was er braucht. Ein Mensch, der mich versteht, ohne mich zu beurteilen oder gar zu verurteilen, hat eine heilende und befreiende Wirkung auf mich. Liebe sucht, was für den anderen gut ist. Sie verschenkt sich, ohne gleich zu fragen: Was habe ich davon? In diesem Sichverschenken liegt für uns das größte Glück. Ohne Hingabe kann man nicht lieben und ohne Hingabe nicht leben. Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe. Um mich zu finden, muss ich aus mir herausgehen. Wer geliebt wird und Liebe erwidern kann, ist der glücklichste Mensch auf der Welt.

Ihr aber seid meine Freunde. Joh 15:15

Bedenkt, wenn ihr vor den Herrn tretet, wer der ist, zu dem ihr sprechen wollt oder zu dem ihr sprecht. Meine Liebe und mein Vertrauen zum Herrn begannen sehr zu wachsen, als er sich mir zu erkennen gab als jemand, der jederzeit zu sprechen ist. Ich sah, daß Gott auch wahrhaft Mensch ist und sich über unsere Schwächen nicht entsetzt, sondern unsere elende, der Erbsünde unterworfene Verfassung von innen her versteht. Darum war er ja zu unserer Erlösung in die Welt gekommen. Man kann mit ihm umgehen wie mit einem Freunde, wie sehr er auch der Herr bleibt. O Du mein Herr und Gott! Wir stehen fassungslos vor Deiner majestätischen Herrlichkeit, aber noch viel fassungsloser macht uns Deine Demut, mein Herr, und die Liebe, mit der Du jemandem wir mir begegnest. Man kann sich mit Dir einfach über alles unterhalten. Teresa von Ávila

Beten ist ein Herzensgespräch mit Gott in der Gewissheit, dass er uns liebt. Teresa von Ávila

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. Joh 15:16

Wieviel Zeit geht verloren, wieviel Arbeit wird aufgeschoben, weil dieser Punkt nicht beachtet wird! Was den Ursprung und die Wirksamkeit der Mission angeht, wird alles von Christus her bestimmt: Die Sendung empfangen wir immer von Christus, der uns das bekannt gemacht hat, was er von seinem Vater gehört hat, und wir sind mit ihr betraut durch den Heiligen Geist, in der Kirche. Wie die Kirche selbst, ein Werk Christi und seines Geistes, so muss das Angesicht der Erde von Gott her erneuert werden, immer und allein von Gott her! Benedikt XVI

Ich habe euch dazu bestimmt, zu gehen und Frucht zu tragen – Frucht, die Bestand hat. Joh 15:16

Der erste Auftrag an die Jünger – an die Freunde – ist das Aufbrechen, das Herausgehen aus dem Eigenen zu den anderen hin. Wir können hier das Wort des Auferstandenen an die Seinigen mithören, mit dem Matthäus sein Evangelium beschließt: „Geht hin und lehrt alle Völker …“ (Mt 28, 19f). Der Herr fordert uns auf, unseren eigenen Lebensbereich zu überschreiten, das Evangelium in die Welt der anderen hineinzutragen, damit es das Ganze durchdringe und so die Welt sich für das Reich Gottes öffne. Dies mag uns daran erinnern, daß Gott selber aus sich herausgetreten ist, seine Herrlichkeit verlassen hat, um uns zu suchen, um uns sein Licht und seine Liebe zu bringen. Dem aufbrechenden Gott wollen wir folgen, die Trägheit des Bei-sich-Bleibens überwinden, damit er selber hineintreten kann in die Welt. Benedikt XVI

Nach dem Wort vom Aufbrechen fährt Jesus fort: Bringt Frucht, Frucht, die bleibt. Welche Frucht erwartet er von uns? Welche Frucht bleibt? Nun – die Frucht des Weinstocks ist die Traube, aus der dann der Wein bereitet wird. Bleiben wir zunächst bei diesem Bild. Damit gute Trauben reifen können, bedarf es der Sonne, aber auch des Regens. Ist das nicht schon ein Bild des menschlichen Lebens, unseres Lebens als Priester ganz besonders? Wir brauchen Sonne und Regen, das Heitere und das Schwere, die Phasen der Reinigung und der Prüfung wie auch die Zeiten des freudigen Unterwegsseins mit dem Evangelium. In der Rückschau können wir Gott für beides danken: für das Schwere und für das Frohe, für die dunklen und für die glücklichen Stunden. In beidem erkennen wir die immerwährende Gegenwart seiner Liebe, die uns stets neu trägt und erträgt. Benedikt XVI

Was ist das für eine Frucht, die der Herr von uns erwartet? Der Wein ist Bild für die Liebe: Sie ist die eigentliche, die bleibende Frucht, die Gott von uns will. Der wahre Inhalt des Gesetzes, seine Summe, ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Aber diese doppelte Liebe ist nichts bloß Süßes. Sie trägt in sich die Fracht der Geduld, der Demut, des Reifwerdens in der Einformung unseres Willens in den Willen Gottes, in den Willen Jesu Christi, des Freundes. Nur so, in dem Wahrwerden und Rechtwerden unseres ganzen Seins ist auch die Liebe wahr, nur so ist sie reife Frucht. Ihr innerer Anspruch, die Treue zu Christus und seiner Kirche will immer auch erlitten sein. Gerade so wächst die wahre Freude. Zutiefst deckt sich das Wesen der Liebe, der wahren Frucht mit dem Wort vom Aufbrechen, vom Hingehen: Sie bedeutet das Sichverlassen, das Sichhingeben; sie trägt in sich das Zeichen des Kreuzes. Gregor der Große hat in diesem Zusammenhang einmal gesagt: Wenn ihr zu Gott strebt, sorgt dafür, nicht allein zu ihm zu gelangen. Benedikt XVI