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Johannes Evangelium – Kapitel 10

Joh 10,1-30: Der gute Hirte

Ich allein bin die Tür. Joh 10:9‭

Die enge Tür ist Jesus selbst, eng, weil ich ein persönliches Verhältnis zu ihm brauche, eine Eins-zu-Eins-Beziehung. Theresa von Avila sagt: wir können mit Jesus reden wie mit einem Freund, obwohl er der Herr ist. Sie ist eng: persönliches Gepäck muss ich zurück lassen (eigenes Ego, Stolz, Besitz etc.), um eintreten zu können. Das ist nicht immer leicht. Doch wir können uns darauf verlassen, dass Gott uns hilft. Jeden Tag neu. Darum: Gewöhnt Euch daran, Jesus immer bei Euch zu haben. Theresa von Avila

Ich aber bringe Leben und dies im Überfluss. Joh 10:10

Das Leben ist eine Chance, nutze sie.
Das Leben ist Schönheit, bewundere sie.
Das Leben ist Herausforderung, stelle dich ihr.
Das Leben ist kostbar, gehe sorgfältig damit um.
Das Leben ist Liebe, erfreue dich an ihr.
Das Leben ist Traurigkeit, überwinde sie.
Das Leben ist eine Hymne, singe sie.
Das Leben ist dein Kampf, akzeptiere ihn.
Das Leben ist ein Abenteuer, wage es.
(Teresa von Kalkutta)

Ich bin der gute Hirte. Joh 10:11

Das Bild des Hirten ist tief im Alten Testament verwurzelt. Dort besitzt der Titel Hirte Israels messianische Bedeutung. Für die Christen wurde diese Figur des Hirten Bild für den, der aufgebrochen ist, das verlorene Schaf, d.h. die Menschheit zu suchen. Jesus ist der wahre Hirte, der die Natur der Menschen annehmen wollte, um ihnen das neue Leben zu schenken und sie zum Heil zu führen, zum Leben: Ich aber bringe Leben und dies im Überfluss. (Joh 10:10). So ist das Bild des Hirten ein tiefes Bild, das unserer Seele Ruhe und Frieden geben kann. Unser Hirte ist ein Meister darin, unserer Seele immer wieder neue Hoffnung zu geben.

Ein Hirte hat nicht nur ein Schaf, er hat eine Herde. Als Kirche sind wir eine Gemeinschaft, die in Jesus Christus lebt. Beim Hirten-Bild denke ich meist ganz konkret an andere Menschen, v.a. an jene, mit denen ich hin und wieder meine Probleme hab und dann geht es mir im Herzen auf: Auch diese Menschen, sind seine Schafe, die er weidet. In Jesus Christus sind wir ein Leib, eine Herde, die auf seine Stimme hört.

Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Joh 10:11

Dreimal steht in Joh 10, dass der Hirte sein Leben für die Schafe hingibt. Das Geheimnis des Kreuzes steht im Mittelpunkt von Jesu Hirtendienst. „Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe.“ (Joh 10:18) Jesus gibt sich selber, und das nicht nur in einer fernen Vergangenheit damals, sondern in jeder heiligen Eucharistie wird es neu Wirklichkeit, seine Hingabe an uns. Folgen wir ihm. Streben wir nach dem Geist vollständiger Hingabe an ihn und des Gleichmuts gegen die Dinge der Welt, damit wir bereit sind, seinem Ruf zu folgen.

Ich muss auch ein guter Hirt und darf kein Söldner sein (in meiner Ehe, im geweihten Leben, in meiner Arbeit). Wir alle wollen diese echten, unauflöslichen Beziehungen. Es gibt einen, der nicht flieht, wenn der Wolf kommt: Er setzt sein Leben aufs Spiel. Das ist Liebe: ohne Hingabe des Lebens gibt es keine Liebe. In unserer Gesellschaft und in unseren Häusern herrscht oft Traurigkeit und Angst…, weil wir wissen, dass es niemanden gibt, der uns verteidigt, wenn der Wolf kommt. Wir können nicht leben, ohne füreinander gute Hirten zu sein, so wie Jesus unser guter Hirt ist. So wird sich in uns die Freude der Liebe einstellen und wir werden den Entschluss fassen, unser Leben hinzugeben und Hüter des Lebens unserer Brüder zu sein. Br. Ignacio Maria Rubio LC

Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Joh 10,12

In diesem Leben tun wir viele Dinge „gegen Bezahlung“: Wir wollen Anerkennung, und arbeiten, um etwas zu verdienen. Die Überraschung ist, dass dieser gute Hirt sein Leben gratis, kostenlos, gibt. Er gibt es, weil er will, nicht weil wir uns gut benommen hätten oder es verdienten. Denn er kümmert sich um seine Schafe. Weil er dich liebt. Es gibt so viele Dinge, die wir tun, weil wir unter dem Gesetz der Bezahlung stehen, aus Verpflichtung und ohne Liebe. Aber wir fliehen vor der Prüfung. Andererseits müssen wir als Schafe dieses guten Hirten nichts verdienen, sondern das Werk Gottes in uns annehmen, uns lieben lassen und mit dem Vertrauen derer leben, die wissen, dass sie geliebt und beschützt sind. Br. Ignacio Maria Rubio LC

Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich. Joh 10:14

Das „Kennen“ bedeutet hier nicht nur, zu wissen wer jemand ist. „Kennen“ ist hier der Ausdruck einer Beziehung zwischen dir und dem Hirten Jesus. Wir müssen zuinnerst in der Beziehung mit Christus stehen. Er selber wird dich halten und bewahren. Der glaubende Mensch weiß sich sicher in Gottes Hand. Er braucht sich nicht zu fürchten. Denn Gott kennt ihn. Dieses Kennen spiegelt sich auch in unserer Beziehung zum Nächsten. Wirkliches Kennen ohne Liebe, ohne innere Beziehung, ohne inneres Annehmen des anderen gibt es nicht. Das Kennen des anderen muß immer ein Kennen mit dem Herzen sein. Das geht letztlich nur, wenn der Herr unser Herz öffnet. Bitten wir ihn immer neu darum!!!

Sobald du entdeckst, dass Gott dich liebt, und dass es so ist, einfach weil er es will, weil du eine schöne und geliebte Kreatur bist, ändert sich dein Leben. Der Herr ist dein guter Hirt, der dich verteidigt und dir Sicherheit gibt. Der gute Hirt verlangt nichts von dir: Du darfst einfach an ihn glauben. Deine größte Stärke ist es, an diesen Hirten zu glauben, ihm zu vertrauen und ihn zu lieben, ihn, der dich zuerst geliebt hat und der von dir für seine Liebe nichts als Gegenleistung verlangt. Unser Leben beginnt mit seiner Liebe.

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Niemand wird sie meiner Hand entreißen Joh 10: 27-28

Vor allem durch das Hören auf sein Wort wächst und nährt sich unser Glaube. Wer aufmerksam auf die Stimme des Herrn hört, wird im Großen wie im Kleinen die richtigen Entscheidungen treffen, Gottes Willen entsprechend zu handeln. Hören wir auf die Stimme des guten Hirten Christus. Jesus ist und bleibt der Gute Hirt, und wer ihm vertraut, wird nicht enttäuscht. Das gibt Zuversicht! Folgen wir seinen Spuren.

Wir sind vielleicht nicht alle zu großen Dingen aufgerufen, die Schlagzeilen machen, aber wir sind alle dazu aufgerufen, zu lieben und geliebt zu werden, wo immer wir auch sind. Jean Vanier

Erkennen auf Hebräisch hat eine sehr tiefe Bedeutung: Ich weiß nicht nur, wie du heißt, oder wie du lebst… Es ist das Verb der Intimität, der intimen Beziehung. Es ist nicht etwas Intellektuelles, sondern eher etwas, was man erlebt. Von Christus erkannt zu werden, bedeutet, eins mit ihm zu sein, von ihm eine intime Erfahrung zu machen. Unsere Beziehung zu Jesus beginnt damit, dass wir ihn erkennen. Sie beginnt mit seiner Vertrautheit mit uns. Wie sehr hilft es und tröstet es uns, dass uns jemand gründlich und gut kennt, uns versteht und Mitleid mit uns hat. Liebe beinhaltet all das: Liebe ist keine Frage der Befriedigung, sondern der Beziehung. Sie ist eine Beziehung mit jemandem, der bis in die Tiefe deines Herzens hinabreicht und dich kennt. Du kennst dich nicht so gut, wie er dich kennt. Deshalb folgen wir ihm, deshalb sind wir Christen: weil er uns kennt! Br. Ignacio Maria Rubio

Christus selbst führt uns durch seinen Heiligen Geist auf unserem Weg heraus aus der Gefangenschaft in uns selbst, in unserer Sünde. Er leitet uns durch die Wüste des irdischen Weges hin zum himmlischen Hochzeitsmahl. Schon auf dem Weg durch die Wüste ist Gott da und führt uns, ja er umgibt uns von allen Seiten. Aber: Erst wenn wir bereit sind, alle alten Bindungen zurückzulassen und uns ganz zu geben in Liebe, kann der Geliebte uns eine neue Heimat geben und uns einführen in sein königliches Reich. Auf dem geistlichen Weg sind wir ständig bedroht von den Mächten des Bösen. Christus will uns vor diesen Gefahren in Sicherheit bringen. Wenn wir alles zurücklassen und uns ihm ganz anvertrauen, sind wir vor allen Gefahren sicher. Wenn wir auf die Stimme des Guten Hirten hören und ihr folgen, kann uns nichts mehr etwas anhaben.

Ihnen gebe ich das ewige Leben. Joh 10:28

Was ist das Wesen dieser Beziehung, was ist ihr Geheimnis? Es ist unauslöschlich: Wenn du eine tiefe Erfahrung von Christus gemacht hast, weißt du, dass sie deine tiefe Wahrheit berührt und dass sich das nicht mehr ändern kann. Du kannst diese Schönheit, Zärtlichkeit und Intimität, die du gekannt hast, nicht leugnen. Sie hat dich für immer geprägt. Wir müssen uns an die Momente erinnern, in denen wir uns erkannt gefühlt haben und wussten, dass wir besucht worden sind. Erkennt die Schönheit und süße Zärtlichkeit dieses Hirten! Wir feiern diese Erfahrung in den Sakramenten und wir erkennen ihren Widerschein in allen Umständen des Lebens. Sie ist die Quelle unserer Freude: Ich bin von meinem Hirten geliebt und erkannt. Br. Ignacio Maria Rubio

Joh 10,31-42: Unglaube gegen den Sohn Gottes