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Johannes Evangelium – Kapitel 6

Joh 6,1-15: Fünftausend Menschen werden satt

Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17

Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf einen Berg und dort setzten sie sich. Das jüdische Passahfest stand kurz bevor. Joh 6:3-4

Das Brotwunder und die Brotrede ist ein Wendepunkt im Evangelium des Johannes (Kap.6). Um dieses zentrale Kapitel soll es die nächsten zwei Wochen gehen. Das Brotwunder ist das einzigste Wunder, von dem in allen vier Evangelien berichtet wird. Kein Wunder war so öffentlich und geschah vor so vielen Menschen. Es ist der Höhepunkt der öffentlichen Beliebtheit Jesu. Die Menschenmenge wollen ihn als König nach Jerusalem führen. Doch als Jesus nach dem Wunder die so entscheidende Brotrede hält, wenden sich viele Jünger von ihm ab, weil er sich das Brot nennt, das sich den Menschen gibt, damit sie durch ihn leben. Dieses Brot sollen sie essen. Das ist für viele eine Zumutung! Das können viele damals und heute nicht!

Der Hinweis auf das Passahfest unterstreicht diese Bedeutung des sich gebenden Brotes und verweist auf seine Ganzhingabe am Kreuz.

Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen? Er fragte dies, um zu sehen, ob Philippus ihm vertraute. Denn er wusste schon, wie er die Menschen versorgen würde. Joh 6:5-6

Jesus wusste, dass er die Menschen durch die Vermehrung des Brotes versorgen würde. Die Formulierung „Jesus wusste“ kommt im Evangelium des Johannes oft vor. Allein im sechsten Kapitel vier mal! Er wusste immer, was er tun wollte (V.6). Er wusste alles, was geschehen würde, dass seine Jünger murrten (V. 61) und wer ihn verraten würde (V. 64). Dies alles wusste er aus sich selbst heraus und nicht, weil es ihm jemand gesagt hätte. Johannes gibt uns durch dieses häufige „Jesus wusste“ einen Hinweis von Jesus absoluter und unumschränkten Gottheit. Jesus weiß auch über alles Bescheid, was dich angeht und was zu tun ist. Er kennt dich besser, als du selbst und leitet dich in seiner göttlichen Vorsehung. Was für ein Trost, gerade dann, wenn wir uns mal wieder selbst nicht verstehen und nicht wissen, was zu tun ist.

Philippus überlegte: Wir müssten über 200 Silberstücke ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein wenig Brot kaufen wollten. Joh 6:7

Zweihundert Silberstücke war so viel wie etwa das Jahresgehalt eines Tagelöhner. Doch auch so eine große Summe reichte nicht aus. Beim Brotwunder waren sicher weit mehr als 5000 da, weil damals nur die Männer gezählt wurden. Es ist davon auszugehen, dass es bestimmt 10 Tausend waren. Dies ist das Bild für uns: Unsere Aufgabe sind oft riesig und überwältigend, überfordernd. Dies gilt es einzugestehen. Der Herr selbst muss handeln. Bevor er handelt, will er uns aber zuerst zeigen, dass wir hilflos und ganz auf ihn angewiesen sind. Bevor er handelt, verlangt er nach unserem Vertrauen. Er offenbart damals wie heute nicht, wie er uns helfen wird. Wir allein wissen, dass er es tun wird.

Am Morgen frage nicht, was du tun sollst, sondern öffne staunend dein Auge, um zu erkennen, was Gott an dir und mit dir tun wird!

Der Achtlose fragt sich am Morgen: Was werde ich tun? Der Vernünftige schaut: Was wird Gott mit mir tun? Ibn ‘Ata Allah

Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie an die Menschen austeilen. Ebenso machte er es mit den Fischen. Joh 6:11

Jeder bekam so viel, wie er wollte. Joh 6:11

Jesus dankte schon für die fünf Brote und nicht erst für das vermehrte Brot. Wenn wir mit Glauben im Gebet für etwas beten, so können wir bereits danken, als hätten wir das Erbetene schon empfangen. Im Gegensatz zu den anderen Evangelisten berichtet Johannes, dass Jesus selbst das Brot austeilte, um uns deutlich darauf hin zu weisen, dass alles vom Herrn kommt. Obwohl die Brote durch die Hände der Jünger gingen, war es eben doch der Herr, der sie austeilte. Ebenso ist’s bei uns. Geben wir uns in welcher Weise auch immer dem Nächsten, so gibt sich Jesus durch uns dem Gegenüber. Und dieses Geben Jesus ist uneingeschränkt. Sie bekamen alle, so viel sie wollten. Von Jesus und von seinem Segen bekommt jeder, so viel er will, denn Gott hat ihm mit Christus alles gegeben.

Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Sammelt die Reste ein, damit nichts verdirbt! Joh 6:12

Das taten sie und füllten noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben. Joh 6:13

Für die Reste steht hier wörtlich „die gebrochenen Dinge“, ein Wort, das ausschließlich in den Berichten der Brotmehrung vorkommt. Die Reste sind also jene Brote, die Jesus gebrochen und ausgeteilt hat, die aber nicht gegessen worden waren. Nichts was Jesus gibt ist wertlos. Darum darf davon nichts verderben. Der Herr ist einerseits verschwenderisch mit seinen Gaben, auf der anderen Seite sollen wir lernen, nichts zu vergeuden von dem, was er uns gibt. Denn es ist ein großes Geschenk und eine große Gnade!

Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll, so wie Mose es angekündigt hat! Joh 6:14

Jesus merkte, dass die Leute kurz davor standen, ihn festzuhalten und zu ihrem König auszurufen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, er ganz allein. Joh 6:15

Als das Volk Jesus zum König machen wollte, machte es dem Herrn das gleiche Angebot, das der Versucher ihm zu Beginn seines Dienstes gemacht hatte. Der Versucher hatte damals Jesus die Herrschaft über alle Reiche der Welt angeboten, wenn er sich nur vor ihm verneigen wollte. Damals hatte der Herr ihn mit dem Wort Gottes abgewiesen, dass man Gott allein dienen und nur ihn anbeten dürfe. Diesmal weist er die Versuchung zurück, indem er sich dem Volk entzieht. Auch wir können Versuchungen widerstehen, indem wir uns aus dem Wort Gottes Hilfe holen oder indem wir uns räumlich der Versuchung entziehen.

Joh 6,16-21: Jesus geht auf dem Wasser

Mt 14,22-33; Mk 6,45-52

Sie stiegen in ein Boot, um nach Kapernaum überzusetzen. Die Nacht brach herein, und Jesus war nicht bei ihnen. Johannes Ein heftiger Sturm kam auf und schlug hohe Wellen. Joh 6:17-18

Die Stillung des Sturms ist ein gewaltiges Wunder des Herrn. Über das Wunder hinaus beinhaltet es viel Hilfe für unser Seelenheil. Der Abend steht für unsere Bedrängnis in dieser Welt, wo es um uns herum und in uns dunkel wird und wo Hoffnungslosigkeit unser Herz überfällt. Jeder von uns kennt diese Situationen. Der Sturm steht für die inneren und äußeren Stürme unseres Lebens. Das Boot selbst steht als Sinnbild für die Kirche. Es geht also um eine existentielle Grundsituation unseres Lebens.

Er ging über das Wasser auf ihr Boot zu. Da packte sie die Angst. Joh 6:19

Der Glaube an die bergende Nähe Gottes muss sich immer tiefer verwurzeln. Nur wenn diese Wurzeln tief reichen, bleiben wir in stürmischen Schicksalsschlägen unseres Lebens im Glauben standhaft. Schwere Zeiten haben so auch ihre guten Seiten. Denn sie zeigen einem deutlich dass man sich bedingungslos auf Jesus verlassen kann. So sollte man während dieses wechselvollen Lebens einen unerschütterlichen Gleichmut bewahren. Auch wenn sich auch alles um uns ändert, die Stürme um uns herum toben, immerfort den ruhigen Blick der Seele hingewendet haben zu Gott

Doch Jesus rief ihnen zu: Habt keine Angst! Ich bin es! Joh 6:20

Vor dem Sturmerlebnis steht in den Evangelien das Wunder Brotvermehrung. Gerade noch waren die Jünger voller Freude und Verwunderung, nun im Sturm voller Angst. Wenn dies zusammen gedacht wird, ist es ein Bild für unser Glaubensleben. Eben haben wir z.B. eine überwältigende Glaubenserfahrung gemacht, sind voller Freude und Begeisterung, spüren Gott ganz nah, da vergeht nur kurze Zeit und wir stehen mitten im Sturm und geraten in die Dunkelheit schwieriger Situationen und Gottes Nähe scheint ganz fern. Und doch klingen in den Worten Jesu „Ich bin es“ die gewaltigen Worte Gottes aus dem brennenden Dornbusch im Buch Exodus denken. Beten wir daher, daß wir inmitten so vieler Sorgen, Probleme und Schwierigkeiten, die das Meer unseres Lebens aufwühlen, im Herzen das beruhigende Wort Jesu erklinge, der auch uns zuruft: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!, damit unser Glaube an ihn wachse.

Joh 6,22-40: Jesus ist das wahre Brot

Ich weiß, weshalb ihr mich sucht: doch nur, weil ihr von mir Brot bekommen habt und satt geworden seid. Joh 6:26

Setzt alles dafür ein, die Nahrung zu bekommen, die bis ins ewige Leben reicht. Diese wird der Menschensohn euch geben. Joh 6:27

Die ganze Rede handelt von Jesus als das Brot, das Leben schenkt. Jesus mahnt uns, das Falsche zu suchen: das irdische Brot steht bildlich für jegliches irdisches Wünschen und Begehren. So bald werden wir in der Ewigkeit sein und dann erkennen, wie wenig alle Dinge dieser Welt bedeuten. Aber jetzt hetzen wir uns ab, als ob es sich um ganz große Dinge handelte. Also: Was suchst du bei Jesus? Allein das irdische Brot?Möchtest du allein, dass es dir besser geht? Oder möchtest du allein bei ihm sein und von ihm dein Leben ändern lassen nach seinem Willen. Das ist ein gewichtiger Unterschied, denn Jesus will uns mehr geben als ein etwas besseres Leben. Er will sich selbst geben. Er will uns ewiges Leben schenken.

Was sollen wir tun, um Gottes Willen zu erfüllen? Joh 6:28

Nicht durch ein Tun, nachdem hier die Menschenmenge fragt, empfangen wir das Brot des Lebens in Jesus Christus, sondern allein durch den Glauben. Jesus lenkt nun im weiteren Verlauf der Brotrede die Aufmerksamkeit ganz auf sich selbst und darin vom jeglichem Tun auf den Glauben an ihn. Das ist der Kern unseres Glaubens, ihm zu folgen, indem wir auf ihn hören. Dieses Hören ist das Tun, das zum ewigen Leben in ihm führt. So spricht er im Vers 29 klar und direkt: Ihr sollt an den glauben, den er gesandt hat. Beten und bitten wir eben darum:

Verleihe mir einen Geist, der dich erkennt, ein Herz, das dich liebt, eine Seele, die an dich denkt, ein Tun, das dich verherrlicht, Ohren, die dich hören, Augen, die dich sehen, eine Zunge, die dich preist. Benedikt von Nursia

Was tust du denn für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Joh 6:30

Das wahre Brot vom Himmel gibt euch jetzt mein Vater. Nur dieses Brot, das vom Himmel herabkommt, schenkt den Menschen das Leben. Joh 6:32-33

Gerade hatte Jesus das Brotwunder vollbracht. War das nicht genug? Wir sehen daran: Kein Zeichen kann Glauben erzeugen. Sie verlangen von ihm, dass er ihnen wie damals bei Moses das Manna vom Himmel gibt. Und wieder lenkt Jesus die Aufmerksamkeit auf sich. Gott gibt seinen Sohn als Speise, damit jeder, der an ihn glaubt, ewig lebt. Das Manna war ein Etwas, das Brot Gottes hingegen ist eine Person. Er ist der, der aus dem Himmel herabkommt. Die Hostie, das verwandelte Brot, ist unser wahres Manna, mit dem der Herr uns speist. Sie ist wahrhaft das Brot vom Himmel, durch das er sich selbst schenkt.

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben. Joh 6:35

Diese Verse sind das Herzstück des sechsten Kapitels. Schon die Psalmen weisen immer wieder prophetisch auf dieses Brot hin z.B. Ps 132,15: Den Armen dort gebe ich genügend Brot! Oh Herr lass uns erkennen, dass du das genügende Brot bist, wir nichts anderes zu unserem Heil benötigen. Man empfängt dieses Brot, wenn man zu ihm kommt. Zu ihm kommen heißt, an ihn glauben. Lasst uns jeden Tag im Glauben neu zu Jesus kommen im Gebet, in der Bibel, der Eucharistie und der Begegnung mit dem Nächsten. In diesem gläubigen Kommen treten wir schon jetzt ein in das ewige Leben. Mehrmals spricht Jesus daher hier von der Auferweckung. Wer an den Sohn Gottes glaubt, empfängt das ewige Leben. Wer glaubt, wird errettet. Diese so wichtige Wahrheit wiederholt er drei mal: Joh 6,39, 40 und 44

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben. Joh 6:35

Kein Einziger von denen, die er mir anvertraut hat, soll verloren gehen. Ich werde sie alle am letzten Tag vom Tod auferwecken. Joh 6:39

Die Leute bitten Jesus ihnen jeden Tag dieses Brot zu geben. Sie dachten weiterhin an das Lebensmittel, weshalb Jesus es nun deutlich sagt: Ich bin das Brot! Man empfängt dieses Brot, wenn man zu ihm kommt, d.h. wenn man an ihn glaubt. Zu ihm kommen heißt, an ihn glauben. Wer an ihn glaubt, kommt zu ihm. Und er wird keinen abweisen (Joh 6,37)! Keiner soll verloren gehen. Das ist der Wille des Vaters, den Jesus erfüllen will. Mehrmals spricht Jesus von der Auferweckung. Wer an den Sohn Gottes glaubt, empfängt das ewige Leben. Wer glaubt, wird errettet. Diese so wichtige Wahrheit wiederholt er drei mal.

Nach dem Willen meines Vaters hat jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben. Ich werde ihn am letzten Tag zum Leben erwecken. Joh 6:40

Betrachten wir doch hundertmal des Tages diesen liebenden Willen Gottes. Verschmelzen wir unseren Willen mit dem seinen und rufen wir voll Innigkeit aus: O unendlich beglückende Güte! Wie liebenswert ist doch Dein Wille! Du hast uns für das ewige Leben geschaffen und Dein von unvergleichlicher Liebe glühendes Herz strömt über von Erbarmen. Wir müssen unser Heil wollen, wie Gott es will. Er will aber unser Heil, indem er danach Verlangen trägt. Dieses Verlangen ist ein echtes Verlangen. Deutlich drückt er dies im Gleichnis vom König aus, der zum Festmahl einlädt (Mt 22,2-10) und durch Bitten, Mahnen und Auffordern drängt und fast zwingt zu kommen, sich an den Tisch zu setzen und zu essen.

Joh 6,41-59: Murren über Jesus

Da murrten die Juden über ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot. Joh 6:41

Aus dem Fragen und dem Bitten ist Murren geworden. Jesus fordert sie auf, das Murren zu unterlassen und lenkt die Wichtigkeit auf das richtige Hören: Wer auf den Vater hört und von ihm lernt, der kommt zu Jesus. Wer richtig hört, lernt aus dem Wort, wer Gott ist und wer er selbst ist. Er lernt, dass er in der Sünde gefangen ist und dass Jesus der Christus ist, der von der Sünde befreit, und so kommt er zu ihm. Er wird das ewige Leben von ihm erhalten. Wer an ihn glaubt, hat das ewige Leben.

Angesichts des mürrischen Protests hätte Jesus auch auf beruhigende Worte ausweichen und sagen können: „Freunde, macht euch keine Sorgen! Ich habe von Fleisch gesprochen, aber es handelt sich nur um ein Symbol. Was ich möchte, ist nur eine tiefe gefühlsmäßige Verbundenheit“. Aber nein, Jesus hat nicht derartige milde Worte verwendet. Er hat an seiner Aussage, an ihrem ganzen Realismus festgehalten, selbst auf die Gefahr hin, dass sich viele seiner Jünger zurückziehen würden.

Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Joh 6,43

Fröhlich sein, nicht zu viel jammern, gerade auch über die berühmten großen Kleinigkeiten. Wir merken oft gar nicht, wie wir unsere Unlust zelebrieren, wie wir uns fixieren auf das Negative. Es gibt genügend Gründe, sich zu freuen. Ich war sehr lange Zeit sehr melancholisch veranlagt und ein kleiner Rest steckt sicherlich immer noch in mir drin. Durch meinen Glauben konnte ich immer mehr zu Freude finden. Das bedeutet nicht, dass wir auch mal Tage haben, wo wir mies drauf sind. Dennoch: „Tut alles ohne Murren und Zweifel“ (Phil 2,14). Es ist wie mit einem Haus: da bröckelt es auch immer mal wieder hier und da. Aber das Fundament, auf dem das Haus steht, sollte die Freude darüber sein, dass wir unaussprechlich, unfassbar „Beschenkte“ und „Geborgene“ sind.

Hier nun geht es um die Entscheidung, ob wir Jesus als unseren Herrn annehmen. Dabei fordert Jesus nicht moralische Vollkommenheit oder die Erfüllung allerlei Gesetzte. Das was er fordert ist: Hört! Dieses Hören beinhaltet die personale Begegnung mit Gott, was das Ziel allen geistlichen Lebens ist. Es ist die Erhebung der Seele zu Gott. Anselm Grün sagt: Nicht die Arbeit an mir ist das Wichtigste, sondern die Begegnung mit Gott, die mich wandelt und heilt. Wo also und wie widerstehe ich dem unzufriedenen Murren über dieses oder jenes und gebe mich ganz hinein in das Hören auf Gott, der mich wandelt und heilt?

Ja, ich bin das Brot des Lebens! Joh 6:48

Das Bild war früher sicherlich noch eindrücklicher, als Brot das Grundnahrungsmittel schlechthin war. Heute bei unserem Überfluss an Essen ist es schwieriger, das Bild in sich wirken zu lassen. Und trotzdem lässt sich erspüren, was Jesus sagen will: wenn du mich nicht an dich ran lässt, mich nicht aufnimmst, so wie das tägliche Essen, so wirst du sterben, nicht körperlich, sondern seelisch-geistig. Die Gottesverbindung nährt unsere Seele. Wenn wir nicht täglich essen (sprechen, beten zu Gott, Lesen in der Bibel), wird unsere Seele verhungern: Herr, unser täglich Brot gib uns heute.

Jesus nennt sich das Brot des Lebens. Wie zu jedem Essen zumeist das Brot gehört, so sollen auch wir Christus in allen unseren Gebeten und Handlungen betrachten, ansehen und suchen. Wenn du Christus oft betrachtest, wird deine Seele von ihm erfüllt, du lernst seine Art und Weise kennen und deine Handlungen nach den seinen formen. Kinder lernen sprechen, indem sie der Mutter zuhören und alles nach zu sprechen versuchen. So werden auch wir, wenn wir Christus betrachten, sein Denken und Fühlen beobachten, bald durch ihn reden und handeln.

Man ist oft in der Gefahr, auf seinen eigenen Glauben zu schauen. In der Bibel steht aber: Lasst uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Corrie ten Boom

Hier ist das wahre Brot, das vom Himmel herabkommt. Wer davon isst, wird nicht sterben. Joh 6:50

Indem er die Schwelle des Todes überschreitet, wird Jesus lebendiges Brot. Im sich austeilenden Brot erkennen wir das Geheimnis des Weizenkorns, das stirbt und so Frucht bringt und so zur Brotvermehrung wird bis ans Ende der Welt. Dieses Brot essen heisst eintreten in die Gemeinschaft mit der Person des lebendigen Herrn. Diesen Herrn empfangen wir alle. Weil wir den gleichen Herrn empfangen und er uns aufnimmt, in sich hineinzieht, sind wir auch untereinander eins. „Weil wir ein Brot sind, sind wir viele auch ein Leib.“ (1 Kor 10,17) Das muß sich im Leben zeigen in der Fähigkeit des Vergebens, in der Sensibilität für die Nöte des anderen, in der Bereitschaft zu teilen, im Einsatz für den Nächsten.

Johannes überliefert in seinem Evangelium nicht das Abendmahl. Dafür wird in der Brotrede in einer kaum zu überbietender Deutlichkeit gesagt, was wir mit dem Abendmahl verbinden: das Essen seines Leibes und Trinken seines Blutes. Vor dem Vers 6,50 spricht Jesus vom Glauben an ihn, nun spricht er es offen aus: Wenn er das Brot vom Himmel ist, dann muss man von ihm essen. Essen heißt, etwas in sich auf zunehmen. In den jetzt folgenden Versen verwendet er immer und immer wieder das Wort essen. Die Verse 50-58 sind in ihrer Art der Wiederholung einmalig in der Bibel und unterstreichen die Bedeutung dieser Wahrheit für unser Leben:

Ich selbst bin dieses Brot, das von Gott gekommen ist und euch das Leben gibt. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Dieses Brot ist mein Leib, den ich hingeben werde, damit die Menschen leben können. Joh 6:51

Wenn ihr den Leib des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Joh 6:53

Nur wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ihn werde ich am letzten Tag auferwecken. Joh 6:54

Mein Leib ist die wahre Nahrung und mein Blut der Leben spendende Trank. Joh 6:55

Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Joh 6:56

Wir brauchen dieses Brot, um die Mühen und die Erschöpfung der Reise zu bewältigen. Der Sonntag, Tag des Herrn, ist die beste Gelegenheit, um aus ihm, dem Herrn des Lebens, Kraft zu schöpfen. Das Sonntagsgebot ist also keine von außen auferlegte Verpflichtung, keine Last auf unseren Schultern. Im Gegenteil, an der sonntäglichen Meßfeier teilzunehmen, sich vom eucharistischen Brot zu nähren, die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern in Christus zu erfahren, ist für den Christen ein Bedürfnis, eine Freude; so kann der Christ die nötige Kraft finden für den Weg, den wir jede Woche zurücklegen müssen. Benedikt XVI

Ich lebe durch die Kraft Gottes, des lebendigen Vaters, der mich gesandt hat. Ebenso wird jeder, der meinen Leib isst, durch mich leben. Joh 6:57

Joh 6,60-71: Viele Jünger wenden ab

Das ist eine harte Rede! Wer kann sie hören? Joh 6:60

Nach diesen Worten kam es unter den Juden zu einer heftigen Auseinandersetzung. Will dieser Mensch uns etwa seinen Leib zu essen geben? Jetzt murren die Juden nicht wie zuvor, sondern jetzt stritten sie untereinander. Sie beginnen, vom Herrn abgewandt, ihre Einwände, Gründe und Gegengründe zu diskutieren. Nach dieser Rede wandten sich viele, die Jesus gefolgt waren, von ihm ab und gingen nicht mehr mit ihm.

Nach der Brotrede kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Aus dem Murren wird ein Streiten. Viele, die Jesus gefolgt waren, wandten sich von ihm ab. Hören zu müssen, dass der Mensch mit allem, was er im Fleisch ist und wirkt, vor Gott nichts ist, hören zu müssen, dass er nur auf dem Boden der Gnade, in Verbindung mit dem Werk Christi (die Botschaft vom Kreuz) Leben haben kann ist für die viele eine demütigende, bittere Wahrheit, worunter sie sich nicht beugen wollen. Damals so wenig wie heute. Uns aber macht diese Wahrheit frei und so nehmen wir Christus in Demut in uns auf.

Demut ist ein Leben in der Wahrheit, dass wir ohne IHN nichts tun können, aber dass wir mit Ihm alles können, was sein Wille für uns bedeutet. Hartwig Henkel

Die Worte aber, die ich euch gesagt habe, sind aus Gottes Geist und bringen das Leben. Joh 6:63

Jesus fragt seine zwölf Jünger: Wollt ihr mich auch verlassen? Petrus spricht für die Jünger, indem er dies verneint dies: „Du hast Worte ewigen Lebens.“ (Joh 6:68). Auch wenn der Glaube der Jünger noch schwach ist, so suchen sie mit aufrichtigem Herzen. Wann werden auch wir endlich nur Gott suchen? O wie glücklich werden wir sein, wenn wir an diesem Punkt angelangt sind, denn dann werden wir überall haben, was wir suchen, und überall suchen, was wir haben. Denn das ewige Leben besteht in einer vollkommenen Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Es ist das Bleiben in seinen Händen, in seiner Liebe.

Du hast Worte ewigen Lebens. Joh 6:68

Für die einen waren es harte, unerträgliche Worte. Für die treuen Jünger waren es Worte des ewigen Lebens. Jesus selbst sagt im Vers 63: Die Worte aber, die ich euch gesagt habe, […] bringen das Leben. Dieses Leben besteht in der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Es ist das Bleiben in seinen Händen, in seiner Liebe. Ich hoffe, ich konnte dir das 6. Kapitel des Evangeliums des Johannes etwas nahe bringen. Es besteht aus so viel mehr, als aus Worten. Es ist ein kleines Evangelium in sich, das Christus als den Sohn Gottes darstellt, der denen Leben gibt, die Ihn annehmen. Jesus hat uns das Wesen des Vaters offenbart. Und so bekennen die Jünger wie auch wir: Wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes!

Die größte Ehre, die wir dem allmächtigen Gott geben können, besteht darin, froh zu leben in dem Wissen um seine Liebe. Juliana von Norwich

Wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes! Joh 6:69

Auch wir wollen heute mit tiefer Überzeugung ausrufen: Ja, Jesus, du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Wir tun dies in dem Bewußtsein, daß Christus der wahre »Schatz« ist, für den es sich lohnt, alles zu opfern; er ist der Freund, der uns nie verläßt, da er die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens kennt. Jesus ist der »Sohn des lebendigen Gottes«, der verheißene Messias, der in die Welt gekommen ist, um der Menschheit das Heil anzubieten und den Durst nach Leben und Liebe zu stillen, den jeder Mensch in sich trägt. Welch großen Nutzen würde die Menschheit daraus ziehen, nähme sie diese Botschaft auf, die Freude und Frieden mit sich bringt! Benedikt XVI

Judas war es dann auch, der Jesus später verriet. Joh 6:71

Beobachte dich selbst und zwar ruhig und nicht urteilend. Erkenne deine eigenen Abgründe, wo du dich letztlich von Jesus abwendest, weltliche Dinge wichtiger sind, du ihn – benutzen wir dieses harte Wort – verrätst. Durch das Beobachten deiner eigenen Abgründe, erkennst du umso besser Gottes Geduld und Erbarmen mit deiner Seele. Der größte Abgrund sind häufig unsere springenden Gedanken, die ununterbrochen alles kommentieren und bewerten. Bedenke: Situationen die uns in der einen Stunde negativ erregen, werden häufig schon in wenigen Stunden oder Tagen dies nicht mehr tun! Wenn wir das begreifen, können wir uns entschließen, diesen Gedanken von Anfang an nicht so viel Macht und Kontrolle über mich einzuräumen. Sei dir sicher: Deine Seele ist viel beständiger und ruhiger als es deine Gedanken und Gefühle je sein könnten.