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Johannes Evangelium – Kapitel 4

Joh 4,1-45: Gespräch mit der Samariterin

Müde von der Wanderung setzte sich Jesus an den Brunnen. Joh 4:6

Nicht umsonst wird der müde, durch den die Müden gestärkt werden. Nicht umsonst wird der müde, bei dessen Abwesenheit wir ermüden. Deinetwegen ist Jesus ermüdet von der Reise. Wir kennen den starken Jesus. Alles ist durch ihn geworden. Wir kennen aber auch den schwachen Jesus, der Fleisch geworden ist. Die Stärke Christi hat dich erschaffen, die Schwäche Christi hat dich neu geschaffen. Die Stärke Christi hat bewirkt, daß sei, was nicht war. Die Schwäche Christi hat bewirkt, daß nicht verloren gehe, was war. Er hat uns erschaffen durch seine Stärke und uns gesucht durch seine Schwäche. So also wird Jesus schwach, müde von der Reise. Seine Reise ist das Fleisch, das er für uns angenommen hat. Jesus wird schwach im Fleische, aber werde du nicht schwach. In seiner Schwäche sollst du stark sein. Augustinus

Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Joh 4:7

Die Frau ist ein Vorbild der Kirche. Hören wir also in ihr uns. Jesus, der zu trinken begehrt, dürstet nach dem Glauben der Frau. Er selbst zeigt sich bedürftig. Der Durst Christi ist eine Eingangspforte zum Geheimnis Gottes, der zum Dürstenden geworden ist, um unseren Durst zu löschen, so wie er arm geworden ist, um uns reich zu machen. Ja, Gott dürstet nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Gott, der Vater, hat Jesus gesandt, um unseren Durst nach ewigem Leben zu stillen, indem er uns seine Liebe gibt, doch um uns dieses Geschenk zu machen, bittet Jesus um unseren Glauben. Die Allmacht der Liebe achtet immer die Freiheit des Menschen. Sie klopft an sein Herz und wartet geduldig auf seine Antwort.

Ihn dürstete… Er hatte Durst nach Liebe. Ach! Mehr denn je fühle ich: Jesus dürstet. Therese von Lisieux

Das Wunder des Gebets zeigt sich gerade da, am Rande der Brunnen, bei denen wir Wasser holen. Dort begegnet Christus jedem Menschen. Er sucht uns, bevor wir ihn suchen, und er bittet: Gib mir zu trinken! Jesus dürstet. Seine Bitte kommt aus der Tiefe Gottes, der nach uns verlangt. Ob wir es wissen oder nicht, im Gebet begegnet der Durst Gottes unserem Durst. Gott dürstet danach, dass wir nach ihm dürsten. (KKK 2560)

Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken!, so würdest du ihn bitten, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Joh 4:10

Weihen wir eilends diesem Gott die ganze Liebe unseres Herzens. Gott will dieses Herz nicht zur Hälfte. Er will es ganz, ohne Einschränkungen. Dafür hat er sein Blut, sein Leben, sich selbst ganz geopfert. Wenn du wüsstest, wie groß die Gnade ist, die du von Gott empfängst. Wenn die Seele doch verstünde, welch übergroße Gnade Gott ihr erweist. Die Gabe Gottes ist der Heilige Geist, der lebendiges Wasser ist. Jesus sendet ihn uns überall und zu jeder Zeit. Ich mache mir bewusst, dass Jesus sich danach sehnt, gerade auch unter den gewöhnlichen Ereignissen des Tages mir zu begegnen. Bitten wir Jesus um das lebendige Wasser.

Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Joh 4:13

Das Wasser im Brunnen ist die Lust der Welt. Daraus schöpfen es die Menschen mit dem Krug der Begierden. Dieses Wasser hat nur für eine kurze Zeit die Kraft den Durst zu stillen. Wir können genau wie diese Frau durchs Leben gehen und nach den kleinen Dingen im Leben suchen, die unseren Durst stillen, Vergnügen, Neuigkeiten, ein interessanter Beruf, eine Freundschaft, jegliche sinnliche Genüsse. All diese Dinge stellen uns zufrieden, aber es ist begrenzt, und wir müssen immer wieder zu ihnen zurückkehren. Woran wenden wir uns, um unseren Durst nach Glück und Erfüllung in der Tiefe zu stillen?

Unter der Oberfläche eines Lebens, das nur darauf aus ist, die aufkommenden Bedürfnisse zu stillen, möchte uns die Sehnsucht die Quelle entdecken lassen, die in uns sprudelt. Anselm Grün

Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die unaufhörlich fließt, bis ins ewige Leben. Joh 4:14

Irgendwann einmal ist die eigene Quelle erschöpft. Dann brauchen wir eine andere Quelle, eine Quelle, die nicht versiegt. In uns allen steckt die Sehnsucht nach erfülltem Leben, nach Sinn und Ziel, nach Glück und Gelingen, nach Liebe und Leben. Wir schauen immerfort aus nach Mehr, nach Größerem. Oft ist diese Sehnsucht zugedeckt vom Grauschleier des Alltags. Manchmal ist sie tief verschüttet. Oft wurde sie enttäuscht und betrogen. Und doch ist sie da. Lasst uns von ganzem Herzen beten: Komm die die wasserlos trockene Wüste meines Herzens, denn wie der Hirsch lechzt nach dem Wasser so schmachtet meine Seele nach Dir.

Herr, bitte gib mir von diesem Wasser! Dann werde ich nie mehr Durst haben und muss nicht mehr hierher kommen, um Wasser zu holen. Joh 4:15

Woher bekomme ich lebendiges Wasser, das meinen Lebensdurst wirklich löscht und nicht mehr zu sprudeln aufhört? Wann findet meine Sehnsucht nach einem erfüllten und gelungenen Leben wirklich den Heimathafen auf der Irrfahrt durchs Leben? Wie finde ich durch den ermüdenden Alltagstrott hindurch zu einer geistig-spirituellen Frische und zu einer seelischen Widerstandskraft, die mich das Leben nicht nur bewältigen lassen, sondern zu wirklichem Glück führen? Herr, du selbst bist diese Quelle, die immer ist und immer ersehnt sein will, an der wir immer schöpfen dürfen und notwendigerweise auch müssen. Wir wurden vom Leben selbst zur Quelle des Lebens gerufen. Diese Quelle ist nicht nur Quelle lebendigen Wassers, sondern des ewigen Lebens, Quelle des Lichts und der Klarheit. Aus ihr sprudelt denn auch alles hervor: Weisheit, Leben und ewiges Licht.

Geh und rufe deinen Mann!, entgegnete Jesus. Ich habe keinen Mann, sagte die Frau. Das stimmt, erwiderte Jesus. Du hast keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt. Joh 4:16-18

Warum sagt die Frau, dass sie keinen Mann hat? Hat sie bei keinem Glück und Liebe gefunden? Viele Beziehungen, aber keine Liebe. Jesus verurteilt sie nicht. Sie fühlt sich angenommen. Er hat ihre Sehnsucht nach Liebe verstanden. Er möchte ihr zu ihrer Wahrheit verhelfen. Sie muss dieser Wahrheit ins Auge sehen, ihren Schattenseiten, ihren Enttäuschungen, ihrer ungestillten Sehnsucht. Leben kann nur geheilt werden, wenn Verletzungen, Enttäuschungen, wenn das Dunkle im Menschen ans Licht gehoben, angeschaut und angenommen wird. Kann ich Jesus auch die schwachen Seiten meines Lebens enthüllen, all meine Gedanken, Gefühle und moralische Fehltritte?

Anmerkung: Augustinus deutet die fünf Männer auf die fünf Sinne des Körpers. Sie begehrt, was den fünf Sinnen angenehm ist, sie flieht, was ihnen wehe tut. Diese fünf Sinne leiten uns nicht zur Ewigkeit an, sondern zu diesen zeitlichen Dingen, sei es um sie anzustreben oder zu meiden.

Es kommt eine Zeit, wo ihr den Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet. Joh 4:21

Die Frau fragt, wo der rechte Ort zum anbeten ist. Sie denkt weltlich: jener Ber oder in Jerusalem? Jesus weist sie auf das Gebet in Geist und Wahrheit. Suche im Gebet den Ort auf, wo du am wenigsten abgelenkt bist. Ein ruhiger und stiller Ort sollte es sein. Auch Jesus zog sich im Gebet an solche Orte zurück. Es geht um Anbetung. Es geht um eine personale Hingabe an Gott. Es geht darum, sein Herz zu verschenken. Aber das ist nicht an einen Ort gebunden, sondern es geschieht im Geist und in der Wahrheit. Es geschieht, wo Menschen sich Gott öffnen, Gott Raum geben, Raum geben dieser Sehnsucht nach dem lebendigen und lebenspendenden Gott. Es geschieht, wo sie im Innern auf die Stimme dessen hören, der sagt: Ich bin es, ich, der mit dir redet.

Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Joh 4:23

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Joh 4:24

Vater, ich habe verstanden, wie bedeutsam Intimität für mich ist und dass du ein Gott bist, der mir nahekommen möchte. Ich sage jetzt Ja dazu. Ich öffne dir mein Herz. Komm mir nahe, erfülle mein Leben mit deiner Gegenwart. Bitte hilf mir, in deine Nähe zu kommen und dortzubleiben. Ich möchte nicht mehr nur als Besucher zu dir kommen, du sollst mein Zuhause sein, in dem ich geborgen bin. Du bist ein Vater, dem Ehre und Lob gebührt, einfach um deiner selbst willen. Du bist ein Vater, der uns unsere Fehler und Sünden vergeben möchte, wenn wir mit Reue zu dir kommen. Du bist ein Vater, der jedes seiner Kinder unendlich liebt.

Zu Gott beten macht uns mit Gott vertraut, da unsere Seele sich zu ihm erhebt, liebevoll mit ihm spricht und ihn im Geist und in der Wahrheit anbetet (Joh 4,23). Und so eröffnet sich in dieser Vertrautheit mit Gott, die das Gebet bewirkt, die Möglichkeit, noch vertrauensvoller zu beten. Thomas von Aquin

Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Joh 4:25

Die Begegnung Jesu mit der Frau, die fünf Männer hatte, mit einem sechsten nun zusammenlebt und noch immer nicht das Glück und die Zufriedenheit finden konnte, schenkt ihr den siebten Mann, Jesus. Er hat Besseres anzubieten. Die Zahl Sieben ist die Zahl der Fülle. Die nicht erschlaffte Sehnsucht findet Erfüllung. Er kommt in mein Herz. In meinem Herzen biete ich ihm einen Platz an. Dieser freigeräumte Platz entsteht durch die Sehnsucht, die ich nach Gott mit Herz, mit Verstand und mit all meinen Sinnen aussende. Dann kommt er. Ich muss nicht einmal dabei beten, ich spüre nur, dass da etwas mit mir geschieht und ich fange zu lächeln an.

Da sagte Jesus zu ihr: Du sprichst mit ihm. Ich bin es. Joh 4:26

Der körperliche Durst erlaubt es Jesus, den heimlichen Durst der Samariterin zu wecken, ihre Suche nach einer beständigen und verlässlichen Liebe, die ihr Würde und Respekt verleiht. Diese Frau entdeckt sich so in der Tiefe selbst, dank des Herrn, weil sie es akzeptiert, sich in der Wahrheit zu betrachten. So erzieht uns der Herr im geistlichen Leben und führt uns, damit wir nicht außerhalb von uns suchen, sondern in uns. Der geistliche Weg ist ein Weg der Innerlichkeit, der uns in die Tiefen unseres Seins führt: Dort treffen wir Gott wahrhaft und zugleich finden wir uns selbst. Die Tiefe des Herzens ist somit gleichzeitig der Ort unserer größten Intimität, das Heiligtum unseres Gewissens, aber auch der Ort, wo Gott weilt. Je näher ich also Gott in mir komme, desto mehr werde ich wahrhaft ich selbst.

Nun ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen und lief in die Stadt und sprach zu den Leuten. Joh 4:28

Die Frau eilt ins Dorf zurück, mitten unter die Leute, vor denen sie sich aus Scham versteckt hatte. Die Wahrheit hat sie befreit. Die Wahrheit über ihr Leben hat sie aus der Isolation befreit. Sie ist wieder in der Gemeinschaft der Menschen. Jesus hat in ihr die Quelle des lebendigen Wassers geöffnet. Sie ist geheilt. Sie weiß sich geliebt und angenommen. Sie muss nicht mehr ihrem Durst nach Liebe nachlaufen, von einer Beziehung zur anderen. Jetzt kann sie selber viele Menschen zu Jesus führen. Sie weiß jetzt und kann glaubwürdig anderen davon erzählen: Viele suchen vergeblich ein erfülltes Leben. Jesus kann es ihnen schenken.

Sie gab ihren Krug der Begierde auf und eilte fort, die Wahrheit bekannt zu machen. Mögen die lernen, die das Evangelium verkünden wollen, sie sollen den Krug am Brunnen wegwerfen. Augustinus

Inzwischen hatten ihm seine Jünger zugeredet: Rabbi, iss doch etwas! Aber er sagte zu ihnen: Ich habe eine Speise, von der ihr nichts wisst. Joh 4:31‭-‬32

Wir leben in einer Macher-Kultur. Dabei wird das Gebet oft zum Versuch, Gott zu ändern, anstatt das zu sein, was sein sollte: eine innere Übung, um den Betenden zu verändern, so dass der Wille Gottes uns zur Speise wird. Alles was wir tun, muss aus Liebe zu unserem Vater im Himmel und in Einheit mit unserem Herrn geschehen. Die Quelle des Wertes unserer Werke liegt in unserer Vereinigung mit Christus, in der Liebe, mit der wir unsere Taten vollbringen. Dazu ist es nötig, dass wir vor jedem Tun unsere Absicht auf Gott ausrichten, mit großer Intensität des Glaubens und der Liebe.

Ich lebe davon, dass ich Gottes Willen erfülle und sein Werk zu Ende führe. Dazu hat er mich in diese Welt gesandt. Joh 4:34

Ich bin vom Himmel herabgestiegen, nicht um Meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der Mich gesandt hat. Joh 4,38

Dein Lebenssinn ist den Willen Gottes zu tun. In diesem Tun bist du in der Nachfolge Jesus. Wie häufig fragen wir uns dennoch, warum Gott diese oder jene meiner Bitten nicht erhöhrt? Es tut gut daran, dass wir in unseren Gebeten nicht die schnelle Erfüllung unseres Willen erwarten, sondern uns noch mehr dem Willen des Vaters anvertrauen und Ereignisse im Hinblick seinen Heilsplan sehen, die für unsere Augen oft geheimnisvoll sind. Wir dürfen in unseren Bitten unseren eigenen Willen Gott hinhalten. Dann aber, wenn es scheint, als hätte Gott unsere Erwartungen nicht erfüllt, dürfen wir dennoch voll Dank und Lob sein. Wir dürfen im Einfachen darauf vertrauen, dass Gottes Wille für uns nur das Beste will, weil Gott die Liebe ist.

Er ist wirklich der Retter der Welt! Joh 4:42

Auch der Mensch von heute kann wieder das Bedürfnis verspüren, wie die Samariterin zum Brunnen zu gehen, um Jesus zu hören, der dazu einlädt, an ihn zu glauben und aus der Quelle zu schöpfen, aus der lebendiges Wasser hervorsprudelt. Wir müssen wieder Geschmack daran finden, uns vom Wort Gottes und vom Brot des Lebens zu nähren, denn Jesus ist unser aller Retter.

Als Durstige brauchen wir die Quelle lebendigen Wassers. Wir, die wir tot sind, brauchen Leben. Die Herde braucht den Hirten. Ja, die ganze Menschheit braucht Jesus.

Joh 4,46-54: Jesus heilt Sohn eines Beamten