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Philemon – Auslegungen

Philemon Kap. 1

Phlm 1,1: Die Kraft der Liebe 

Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, Philemon, dem Geliebten und unserem Mitarbeiter. Phlm 1:1

Es ist der kürzeste der Briefe von Paulus. Er behandelt eine sehr persönliche Angelegenheit. Es geht um Philemon und seinen entlaufenen Sklaven Onesimus, der zu ihm zurückkehrt und für den Paulus sich einsetzt. Onesimus war sicher nach Rom geflüchtet, um dort unter zu tauchen, lernte Paulus kennen und wurde von ihm bekehrt. Niemand von uns hat etwas mit entlaufenen Sklaven zu tun, die zurückkommen. Doch Probleme zwischen Menschen kennen wir alle. Die Liebe hat die Kraft, diese zu überwinden. Und so beginnt Paulus seinen Brief, indem er Philemon als Geliebten angeredet. Die Liebe sucht nicht nach den Fehlern und Schwächen der anderen, die man immer finden wird, sondern sieht sie zunächst immer mit den Augen Gottes als solche, die geliebt sind.

Die Liebe hört niemals auf. 1. Kor 13:8

Phlm 1,4: Liebe benennt das Gute 

Ich habe von deinem Glauben an unseren Herrn Jesus gehört und davon, wie du allen Christen in Liebe verbunden bist. Phlm 1:4‭-‬5

Bevor Paulus auf sein Anliegen zu sprechen kommt, anerkennt er alles Gute und Positive bei Philemon. Ein ehrliches Lob ermutigt und motiviert. Die Gefahr, dass der andere durch ein Lob stolz wird ist wesentlich geringer als die Gefahr, dass er durch das fehlende Lob frustriert und entmutigt wird! Wir stehen manchmal in Gefahr, das Positive nicht zu erwähnen. Doch vergessen wir nicht, dass der Mensch auch Ermunterung und Trost braucht. Das sind keine Psycho-Tricks, sondern Ausdruck einer durch Gottes Gnade veränderte Herzenshaltung.

Phlm 1,9: Liebe tut nicht groß

Um der Liebe willen möchte ich dir nichts befehlen, sondern dich schlicht und einfach bitten. Phlm 1:9

Paulus nimmt die Stellung eines Bittenden ein. Er hätte Philemon wahrlich mit apostolischer Autorität gebieten können. Aber um das Herz Philemons zu gewinnen nimmt Paulus sich selbst völlig zurück. Er äußert zwar seinen Wunsch, dies tut er jedoch in aller Bescheidenheit und Demut. Genau das ist gemeint wenn Paulus im Hohelied der Liebe schreibt: Die Liebe tut nicht groß. Versuchen auch wir unsere Meinung nie mit Streit, Zank und Macht durchzusetzen, sondern uns einander in echter Demut auf Augenhöhe zu begegnen, um gemeinsame Wege zu finden. Dieser Demut folgen wir nicht aus Pflicht, sondern in der Nachfolge Christi in der Erkenntnis, dass wir doch nur Gast auf Erden sind und unsere ewige Heimat im Himmel bei Gott ist.

Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu. Georg Thurmair

Phlm 1,12: Liebe nimmt den anderen auf

Nimm ihn auf wie mein eigenes Herz! Phlm 1:12

Paulus bittet Philemon, Onesimus in Liebe wieder auf zu nehmen, als wäre es Paulus selbst. Das erinnert uns an die Worte Jesus, das wir im Nächsten Jesus begegnen. Das ist sowohl Gnade und Geschenk, wie auch Aufgabe und Verantwortung, gerade wenn es Menschen sind, die uns fordern oder bisweilen überfordern. Bonhoeffer sagt dazu: Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit anderen Menschen und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt. Nimm die dir heute begegnenden Menschen auf in dein Herz. In ihnen begegnet dir Christus. In ihnen wird dir eine Verantwortung für dieselben geschenkt. Bitte in allem, dass Christus segnend heilend in diesen Begegnungen anwesend ist. Dem Hüter unserer Seelen sei Lob und Dank in Ewigkeit! Amen!

Phlm 1,14: Die freiwillige gute Tat 

Eine gute Tat sollte nicht erzwungen sein, sondern freiwillig geschehen. Phlm 1:14

Voraussetzung für solch gute Taten ist, dass wir unseren Herrn lieben, aus ihm heraus tun wir Gutes ohne Zwang. Gott sucht eben solche Herzen, die ihm zugewandt sind und aus Liebe für Ihn handeln. Es geht im Brief an Philemon um die Kraft der Liebe. Diese Liebe stellt alles unter ihren Gehorsam mit einer so bezaubernden Kraft, dass nichts so stark ist wie die Liebe und nichts so liebenswert wie ihre Kraft. Spüren wir der Stärke und Kraft dieser Liebe heute nach in den noch so kleinsten guten Taten, zu denen wir heute dank Gottes Gnade die Möglichkeit dazu haben.

Gute Taten sind wie Sterne am Himmel. Lasst uns täglich Neue dazu tun, damit sie uns in der Nacht des Lebens leuchten. Urs Aebersold 

Phlm 1,15: Eine neue Beziehung

Du wirst viel mehr an ihm haben: einen geliebten Bruder. Das ist er schon für mich gewesen. Wie viel mehr wird er es für dich sein; er gehört ja zu dir als Mensch und nun auch als Christ. Phlm 1:16

Es ist fest davon aus zu gehen, dass Onesimus und Philemon jetzt Brüder waren. Wer selbst die Gnade Gottes kennengelernt hat, wird zu dem hingezogen sein, der ebenfalls durch Gnade verändert worden ist. Gnade und Liebe verändern alles im Leben eines Menschen. Brüder waren sie jetzt und auch wir sind untereinander Geschwister. Für die Beziehung in der Familie Gottes gilt, dass sie innig ist, weil wir Brüder und Schwestern sind. Sie ist darüber hinaus ewig für immer, und sie ist geistlich im Herrn. Der Weg zu dieser neuen Beziehung zwischen Onesimus und Philemon war durchaus heikel und nicht geradlinig. Erkennen wir daran: Gott ist immer souverän in den Mitteln, die er nutzt, um seinen Plan zu erreichen. Vielleicht verstehen wir manchmal das Handeln Gottes nicht. Manchmal erkennen wir erst am Ende, welche Absicht zu unserem Guten Gott hatte

Phlm 1,20: Andere herzlich aufnehmen

Mach mir doch diese Freude, Christus zuliebe. Phlm 1:20

Christus zuliebe etwas tun, ist für mich der Grundgedanke von diesem Brief. Christus zuliebe lieben wir Menschen, mit denen wir so unsere Schwierigkeiten haben. Christus zuliebe helfen wir Menschen, die in einer Not sind. Christus zuliebe versuchen wir nach bestem Willen gut miteinander umzugehen. Ohne Berechnung und immer Gott zuliebe. So wirst du auch den Mitmenschen näher sein. Christus zuliebe tun wir alles. Herr, ich will nichts für mich. Alles zu Deiner Ehre, Dir zuliebe.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch! Phlm 1:25