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Inhaltsverzeichnis

Erster Johannesbrief – Kommentare

Vorwort

Der erste Brief des Johannes entstand Ende des 1. Jahrhundert (Vergleich Römerbrief: 55 n. Chr.). Es ist mein persönlicher Lieblingsbrief. Um ihn wird es die nächsten Wochen gehen. Ist der Römerbrief eine umfassende systematische Darlegung der christlichen Heilsbotschaft, so hat der erste Johannesbrief keinen systematischen Aufbau, sondern umkreist vielmehr kreisförmig wiederkehrende Themen (Christus, Liebe, Leben, Gemeinschaft mit Gott etc.). Ein ganz zentraler Vers ist 1 Joh 4,16: Gott ist die Liebe. Nirgendwo klarer offenbart sich diese Liebe als in seiner Barmherzigkeit. Immer und überall vertrauen wir uns Gott an. Er liebt uns und wendet uns voller Barmherzigkeit zu. 

Erster Johannesbrief – Kapitel 1

1. Joh 1,1

Es war von Anfang an da; wir haben es gehört und mit eigenen Augen gesehen; wir haben es angeschaut und mit unseren Händen berührt: das Wort des Lebens. 1. Joh 1:1

Das Leben ist erschienen in der Welt und hat unter uns gelebt. Wir haben es gehört, gesehen und berührt. Nur wenn wir Jesus in den Evangelien betrachten, seine Worte hören, sein Tun anschauen und im Herzen ihn berühren, begegnen wir diesem Leben. Die Betrachtung und Begegnung mit seinem Leben ändert unser Leben grundlegend. Jede Begegnung mit Jesus verändert das Leben. Ja: Die persönliche Begegnung mit Jesus ist unsere Lebensgrundlage. Er führt uns zum Leben, weil er das Leben selbst ist.  

Das Leben ist erschienen. 1. Joh 1:2

1. Joh 1,3

Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 1. Joh 1:3

Die Gemeinschaft mit Gott ist Grund unserer Freude. Kein anderes Geschenk gibt es, das unsere Herzen mit so unvergleichlicher Freude erfüllen könnte, eine Freude, die in ihrem Ursprung und Wesen göttlich ist. Er ist im Innersten unserer Seele. Die wahre Freude liegt nicht in den Dingen, die uns umgeben und auch nicht in Ereignissen, die uns widerfahren, nein: sie wohnt im Innersten der Seele, wo Gott anwesend ist. Diese Freude allein ist vollkommen, weil sie über diese Welt und unseren Tod fortdauern wird und vollendet wird, wenn wir in unsere Heimat im Himmel einziehen. 

Dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei. 1. Joh 1:4

1. Joh 1,5

Gott ist Licht. In ihm gibt es keine Finsternis.1. Joh 1:5

Gott ist Liebe. Das bringt das Wirken und das Sein Gottes zum Ausdruck. Seine Liebe spricht und wirkt. Gott ist ebenso Licht. Das nun bringt seine absolute Reinheit zum Ausdruck. Dieses reine Licht ist die Quelle von Leben und lässt uns leben. Nun ist die Liebe letztlich das einzige Licht, das eine dunkle Welt immer wieder erhellt und uns den Mut zum Leben und zum Handeln gibt. Die Liebe ist möglich und wir können sie tun! Die Liebe zu verwirklichen und damit das Licht Gottes in die Welt einzulassen, darum geht es. Wo Liebe ist, wird es hell in der Welt, geht ein Licht auf.  

Durch die Teilnahme an jenem Lichte bist du ein Licht. Wenn du dich aber von dem Lichte, wodurch du erleuchtet wirst, abwendest, kehrst du zu deiner Finsternis zurück. Augustinus

1. Joh 1,7

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. 1. Joh 1:7 

Wir sind Lichtwandler! Wir wandeln im Licht, wenn wir Christus als Licht angenommen. Wenn wir ihn angenommen haben, schauen wir auf sein Kreuz. Schauen wir auf sein Kreuz, erkennen wir den Wert seines Opfers. Das Wort wurde Fleisch und war gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Durch die Niedrigkeit Christi werden wir gereinigt. Denn wenn er sich nicht erniedrigt hätte und gehorsam geworden wäre bis zum Tode des Kreuzes, so wäre sein Blut zur Vergebung der Sünden, d.h. zu unserer Reinigung nicht vergossen worden. Wir sind Lichtwandler durch unseren Glauben an Christus! 

Um dieses Lichtes würdig zu sein, müssen wir lieben, demütig unsere Heilsbedürftigkeit anerkennen und wie Petrus ausrufen: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens. Josemaria 

1. Joh 1,8

Wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit .1. Joh 1:8 

Zu behaupten, dass wir keine Sünde haben, ist Selbstgerechtigkeit. Wer blind wird für seine Sünden, entfernt sich so mehr und mehr von Gott. Die tiefe und nicht nur oberflächliche Erkenntnis der Sünden ist daher unerlässlich. Der Gedanke an unsre Sünden muss uns bitter sein, muss das Herz treffen, den Geist beunruhigen und einen inneren Schmerz verursachen und zuletzt die bußbereite Seele dazu bewegen, sich Gott hoffnungsvoll zuzuwenden. Gott hat uns in der Bitte „Vergib uns unsre Schuld“ im Vaterunser die Größe seiner Güte gezeigt. Jesus befiehlt ausdrücklich darum zu bitten. Prägen wir diese Bitte daher tief unserm Herzen ein und halten wir daran fest. Jesus wird uns sicher die Milde des Vaters zuwenden. 

Selbst leichte und kleine Sünden soll man nicht gering achten. Mit kleinen Tropfen füllen sich die Flüsse. Augustinus

Wenn wir behaupten, sündlos zu sein, betrügen wir uns selbst. 1. Joh 1:8

Die Freiheit zum Verzeihen ist denen leichter zugänglich, die auch an sich selbst Fehler sehen. Die Perfekten und Fehlerlosen tun sich außerordentlich schwer mit dem Verzeihen. Einfach und sehr wirkungsvoll ist für mich diese Übung: Hat mich jemand mit seinem Verhalten verletzt, dann frage ich mich, ob ich mit dem gleichen Verhalten auch schon einmal jemanden in gleicher Weise verletzt habe. Die Antwort lautet bei mir immer: Ja! Das fördert in mir die Empathie, dass der andere wie auch ich nur Menschen sind, die sich immer wieder auch verletzen. Gott sei’s gedankt für die Kraft zur Versöhnung.

Ich bin auch nur ein Mensch! Apg 10:26

1. Joh 1,9

Wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben. 1. Joh 1:9

Wie passen Gott und ich zusammen? Kommt da nicht immer wieder Sünde dazwischen, die das Verhältnis stört? Was kann ich tun? Die Sünde nicht verschleiern oder verniedlichen, sondern ehrlichen Herzens bekennen vor Gott, aber oft auch vor Menschen. Das Bekennen der Sünden ist wichtig, um die Macht der Sünde zu brechen. Dann vergibt Gott. Immer? Ja, immer! Wir können wieder aufatmen und jubeln. Das Evangelium verkündet die Vergebung der Sünden und der Glaube nimmt sie an. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns vergibt. Das einzig Richtige ist daher, sich Ihm anzuvertrauen und die Sünde zu Seinen Füßen zu legen.

Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott zum Lügner und geben seinem Wort keinen Raum in unserem Leben. 1. Joh 1:10

Erster Johannesbrief – Kapitel 2

1. Joh 2,1: Fürsprecher und Sühneopfer

Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. 1. Joh 2:1

Jesus ist unser Fürsprecher im Himmel. Ganz persönlich tritt Jesus für jeden Menschen ein. Er ist dein Fürsprecher! In allen Dingen, aber zuallererst für deine Erlösung. Verliere daher nicht den Mut. Es ist ein Grund der Freude, dass der auferstandene Christus und die Wirksamkeit seines Werkes am Kreuz für uns durch nichts angetastet werden kann. Es ist ein Grund der Freude, dass sich Gott in Christus und seinem Opfer uns als ewig vollkommen gerecht und gnädig zeigt. Spurgeon schreibt dazu: Die Verbindung von Gnade und Gerechtigkeit kann nur in dem Sühneopfer des Herrn Jesus Christus deutlich gemacht werden. Am Kreuz sehen wir, wie gnädig der Herr ist und wie gerecht.

Er ist das Sühnopfer für unsere Sünden. 1. Joh 2:2

1. Joh 2,3: Das Gebot Jesus Christus

Daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten. 1. Joh 2:3

Hier sind nicht die Zehn Gebote gemeint. Die weiteren über 600 Gebote des Gesetz des Moses ebenso nicht. Was nun ist das Halten seiner Gebote? Jesus der wahre Mensch ist das neue Gebot. Wie er uns geliebt hat, so sollen wir lieben. Darum ist es so wichtig die Evangelien zu lesen, wieder zu käuen, zu meditieren und sich von ihnen in unserem Sein verändern zu lassen durch die Betrachtung des Leben Jesus: mitfühlend weinend am Grab des Lazarus, göttlich weisend in der Bergpredigt, vergebend gegenüber jedem reuigen Sünder, betend in der Einsamkeit u.v.m. endend in der hingebend leidenden Liebe in der Passion. Es ist das neue Gebot in Jesus Christus, dass der Seele enthüllt, was Gott gefällt, indem wir ihn immer tiefer erkennen.

Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner und in einem solchen ist die Wahrheit nicht. 1. Joh 2:4

1. Joh 2,5: In ihm sein und bleiben

Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen geworden. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. 1. Joh 2:5

In Ihm zu sein beschreibt die engste Form der Gemeinschaft. Glaube ist eine Lebens- und Liebesgemeinschaft mit Christus. Darum nochmals: Betrachte Christus in der Bibel. Es ist dabei nicht nur das wichtig, was Christus sagte, sondern vor allem die Offenbarung seiner Selbst. Christus ist unser Maßstab. Wir dürfen nicht denken, dass wir es ihm jemals gleichtun können. Aber sein Beispiel wirkt machtvoll auf unsere Seele, um unsere Aufmerksamkeit und Bereitwilligkeit zu wecken. Also: Heute sind wir in Christus. Heute ahmen wir ihn nach. Achte heute darauf, wo du berufen bist, Nachahmer Christi zu sein (ganz konkret!).

Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener gewandelt ist. 1. Joh 2:6

1. Joh 2,7: Das alte neue Gebot

Ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern ein altes Gebot […] Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, was wahr ist in Ihm und in euch. 1. Joh 2:7-8

Alt ist das Gebot der Liebe, weil es schon vor Jesus Menschwerdung bekannt war. Das ganze alte Testament ist damit beseelt. Neu ist das Gebot der Liebe in Christus. Er war und ist und bleibt neben seiner Gottheit seit seiner Menschwerdung immer der wahre neue Mensch, der uns in allem gleich war ausser der Sünde. So nun ist seine Liebe rein, heilig und vollkommen. Von dieser seiner Liebe lassen wir uns ziehen ins Licht. Die christliche Liebe hat immer die aufopfernde, reine, heilige und vollkommene Liebe Christi als Vorbild! Er ist das Licht der Welt, das nun in uns ist, uns leuchtet und leitet im Tun der Liebe.

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. 1. Joh 2:8

1. Joh 2,10: Wer liebt, bleibt im Licht

Wer seine Geschwister liebt, lebt im Licht und bleibt im Licht und nichts kann ihn zu Fall bringen. 1. Joh 2:10

Alles erscheint einfach, solange alles glatt läuft. Wenn aber dein Nächster falsch handelt, dann wird das zur Prüfung und Läuterung für dich. Stets sind wir eben darum bemüht, auch dann zu lieben, wenn der Nächste falsch handelt. Würden wir Böses mit Bösem vergelten, so wäre dies ein Anlass zum Anstoß und wir wären gefallen. Dann hätten uns nur die natürlichen Gefühle geleitet. Dank sei Gott, der uns wieder aufrichtet nach solch einem Fall. Weil wir nun Christus im Glauben und Gehorsam nachfolgen, wandeln wir in seiner Liebe. Wir sind dazu berufen, den anderen in seiner Schwäche zu ertragen und zu tragen. Wir sind dazu berufen, in den Dingen, die einem tagsüber begegnen, geduldig zu werden, wie auch der Herr geduldig mit uns ist. Wir sind dazu berufen, im Licht zu leben.

Wer seine Geschwister hasst, lebt in der Finsternis. Er tappt im Dunkeln umher und weiß nicht, wohin er geht; die Finsternis hat ihn blind gemacht. 1. Joh 2:11

1. Joh 2,15: Liebt nicht diese Welt

Habt nicht lieb die Welt, und nicht was in der Welt ist. Wenn einer die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. 1. Johannes 2:15

Liebt nicht diese Welt und hängt euer Herz nicht an irgendetwas, das zu dieser Welt gehört. Denn wer die Welt liebt, kann nicht zugleich Gott, den Vater, lieben. 1. Joh 2:15

Alle wahren Liebenden sind sich darin gleich, daß alle ihr ganzes Herz Gott schenken und dies aus ganzer Kraft tun. Ungleich aber sind sie dadurch , daß sie alle es anders und auf verschiedene Weise tun. Es gibt solche, die zwar fest entschlossen sind, Gott zu lieben, aber doch noch schwach sind. Sie lieben wohl die göttliche Güte, ihre heilige Liebe ist aber vermengt mit so vielen anderen Zuneigungen, daß sie sozusagen noch im Kindesalter steht. Sie lieben außer dem Herrn noch eine Unzahl überflüssiger, eitler und gefährlicher Dinge. Ihre Liebe ist noch schwach und jung und da sie von einer Menge anderer Anhänglichkeiten umgeben ist, kann sie nicht so viele Früchte hervorbringen, als wenn sie das ganze Herz besäße. Wenn die Liebe zu geschaffenen Dingen unseren Geist auf ihre Seite ziehen und zum Ungehorsam gegen Gott verleiten will, dann stellt sich die gottliebende Seele dem entgegen mit der Frage: Wer ist wie Gott? Was haben die geschaffenen Dinge Gutes an sich, das es das menschliche Herz mehr als Gott anziehen könnte? Weltliche Reichtümer und Genüsse haben etwas Verlockendes, wer aber in diese Äpfel beißt, wird betäubt werden. Wer ihnen zu große Aufmerksamkeit schenkt, stirbt daran. Um solcher Trugbilder von Genüssen willen verlassen wir die Liebe des himmlischen Bräutigams! Wie können wir aber dann sagen, daß wir ihn über alles lieben, wenn wir seiner Gnade solch geringfügige Eitelkeiten vorziehen?

Vorsicht: dies bedeutet nicht, dass wir die Dinge dieser Welt nicht genießen dürfen. Ein gutes Essen, schöne Musik, ein erholsamer Saunagang und vielerlei mehr dürfen wir genießen. Wir genießen diese Dinge als Geschenke Gottes. Die hier genannte Liebe zur Welt tritt dann ein, wenn wir diese Dinge als eigentlichen Lebenszweck betrachten und darin nur eigensinnig unseren selbstsüchtigen Wünschen nachgehen, gierig nach allem, was uns Genuß verschafft. Weltlichkeit ist die Liebe zu vergänglichen Dingen. Wer so sein Herz an die Welt hängt, kann nicht zugleich Gott lieben. Nichts auf der Welt dürfen wir so sehr lieben, dass wir Gott dafür hinten anstellen. Immer, immer, immer wieder: Liebe!

Die Welt, so mangelhaft sie auch ist, sie ist dennoch schön und reich. Denn sie besteht ja aus lauter Gelegenheiten zur Liebe. Kierkegaard

Was gehört nun zum Wesen dieser Welt? Selbstsüchtige Wünsche, die Gier nach allem, was einem ins Auge fällt, das Prahlen mit Wohlstand und Macht. All dies kommt nicht von Gott, unserem Vater, sondern gehört zur Welt. 1. Johannes 2:16

1. Joh 2,17: Die Welt vergeht

Die Welt vergeht und ihre Lust. Wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. 1. Joh 2:17

Die Welt mit ihren Begierden vergeht. Doch wer so handelt, wie Gott es will, wird für immer leben. 1. Joh 2:17

Die Liebe zur Welt lässt sich mit der Liebe zu Gott nicht vereinbaren. Der Grund ist der, dass diese Welt und alles, was ist und was sie bringt, der Vergänglichkeit unterworfen ist. Ob es sich um Reichtum oder Stellung, Vergnügen, Macht oder was auch immer handelt, alles wird zunichte werden. Und um all dieses Vergängliche bemühen sich die Menschen und sind erfüllt von dem Wunsch, mehr zu scheinen, als sie sind. Gott dagegen ist ewig bleibend. Darum akzeptiert und nimmt Gott auch nur das an, was wirklich bleibt: die Liebe zu ihm und zum Nächsten.

Der Ernst der Welt ist der Tod. Der Ernst fängt dort an, wo unser Leben aufhört. Der Unernst der Welt ist der Augenblick, das Vorletzte, die Lust der Welt. Es liegt nun beim Menschen, ob er ernst oder unernst in der Welt leben will, ob er beim Vorletzten verharren oder zum Letzten durchdringen will, ob er die Lust der Welt als Letztes ansieht oder die Vergänglichkeit dieser Lust. Memento mori: Gedenke daran, daß einmal alles zu Ende geht, daß der Augenblick des Sterbens über dich kommt mit der Gewißheit, daß die Welt eine Welt des Todes ist und daß der Gewalt der Zeit nichts standhalten kann. Laßt uns an die Grenzen der Welt, der Zeit denken und es wird ein Wunderbares geschehen. Die Augen werden uns aufgetan dafür, daß die Grenze der Welt der Anfang eines Neuen ist, der Ewigkeit. Hier verliert die Zeit ihre Gewalt an die Ewigkeit, das Letzte in der Welt, der Tod, wird zu einem Vorletzten. Bonhoeffer

Die Begierde ist unersättlich. Die Begierige ist immer besorgt, entweder das, was sie nicht besitzt, sich zu erwerben, oder das, was sie besitzt, zu bewahren. Die Begierde ist endlos, weil sie nach immer mehr begehrt. Doch alles, wonach die Begierde schaut, ist vergänglich. Ob es sich um Reichtum, Stellung, Vergnügen, Macht oder was auch immer handelt, alles wird vergehen. Um all dieses Vergängliche bemühen sich die Menschen und sind erfüllt von dem Wunsch, mehr zu scheinen, als sie sind. Bemühen wir uns stattdessen um das, was bleibt: Gott. Gott ist ewig bleibend. Denn es kann dasjenige, was weniger als Gott ist, unser Herz nicht ausfüllen. Wir aber sehnen uns nach Gott und nach dem Tun seines heiligen Willens.

Gemeinschaft mit Gott ist die beste Vorbeugung gegenüber Begierde. Erwin Lutzer

1. Joh 2,20: Die Hilfe des heiligen Geistes

Euch hat Christus seinen Heiligen Geist gegeben. Deshalb kennt ihr alle die Wahrheit. 1. Joh 2:20

Wir alle sind in Finsternisse gehüllt und wissen oft nicht, was wir tun sollen. Der Heilige Geist hilft uns beim Tun der Liebe. Da, wo die Liebe ist, ist auch der heilige Geist. Er bewirkt in uns diese Liebe, indem er immer wieder neu ein neues Herz und einen neuen Geist in uns legt, letztlich sich selbst in uns legt und uns so auf den richtigen Weg führt. Sein Wirken zeigt sich als innere Kraft, die unsere Herzen mit dem Herzen Christi in Einklang bringt und uns befähigt, uns so zu lieben, wie er uns geliebt hat. Der Heilige Geist gibt uns einen neuen Blick für die Mitmenschen, dass wir sie stets als Brüder und Schwestern in Jesus achten und lieben.

Jeder von uns trägt im Herzen den Wunsch nach Liebe, Wahrheit, Leben und Jesus ist dies alles in Fülle! Papst Franziskus

1. Joh 2,24: In Gott bleiben und leben

Bleibt aber das in euch, was ihr von Anfang an gehört, so werdet auch ihr in dem Sohn und dem Vater bleiben. 1. Joh 2:24

Das „in ihm“ kommt 121 mal in den Briefen des NT vor. Das noch enger gefasste „Bleiben in Ihm!“ kommt im zweiten Kapitel hier ganze 10 mal vor! Das Kern eines Lebens mit Christus liegt im Bleiben in ihm, indem wir immer neu ihn suchen und seine Worte hören. Alles, was zu tun ist, ist das Bleiben bei Jesus. Er ist in uns selbst und wir in ihm. Augustinus schreibt: Herr, dich verlassen heißt sterben. Zu dir heimkehren heißt zum Leben erwachen. In dir bleiben heißt leben.

Das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben. 1. Joh 2:25

1. Joh 2,27: Nochmals – bleibt in Christus

Der Heilige Geist, mit dem Christus euch gesalbt hat, ist in euch und bleibt in euch […] Bleibt in Christus, wie Gottes Geist es euch gelehrt hat. 1. Joh 2:27

Bleibet in Christus. Das bedeutet erstens ein beständiges Empfangen seines Geistes und zweitens ein Leben der vorbehaltlosen Hingabe. Das Bleiben in ihm ist kein Werk, das wir als Bedingung zu tun haben. Es ist vielmehr unsere Zustimmung, ihn alles für uns, in uns und durch uns tun zu lassen. Welch Freude: Diejenigen, die in Christus bleiben, werden glücklich, fröhlich und freudvoll in Gott sein. Stoßgebete helfen uns, dieses „In-Christus-bleiben“ in den Alltag zu tragen und dort erlebte Wirklichkeit werden zu lassen. Hier eines meiner Stoßgebete:

In Jesus will ich bleiben, das ist mein einziges Ziel. Von ihm lass ich mich treiben, komm heiliger Geist hilf viel.

Immer wieder gibt es kleine und große Entscheidungen und Fragen, wo einfach nicht klar ist, wie wir handeln sollen. Schon die Christen der ersten Stunde (Apg) haben in diesen Situationen den hl. Geist angerufen. Ich kann und soll in allen Angelegenheiten die Hilfe des hl. Geistes anrufen. Er instruiert mich. Manchmal unscheinbar, manchmal offensichtlich, manchmal nicht so, wie wir es erwartet hätten, aber er instruiert. Gerade vor schwierigen Gesprächen beispielsweise bete und bitte ich zum heiligen Geist: Gib du mir die richtigen Worte ein. Laß mich den anderen verstehen. Leite uns auf unserem Wege und lass das Band der Liebe nicht reißen. Amen

Christus ist der Gegenstand, den der Vater uns vor Augen stellt, und wenn unser Auge einfältig auf Ihn gerichtet ist, dann können wir sicher sein, dass auch unser ganzer Leib voller Licht sein wird. Unmöglich kann jemand wirklich auf Christus blicken und Ihn zum Gegenstand des täglichen Dienstes und Wandels machen, wenn er gleichzeitig etwas in Angriff nimmt, das der Herr nicht gut heißt. Das Wort Gottes muss in uns wohnen. Sind wir damit zufrieden, nur das zu tun, was Ihm wohl gefällt, dann wird Er uns auch ganz sicher zu Hilfe kommen

Lasst euch durch nichts von Christus trennen. Dann werden wir ihm voller Zuversicht entgegengehen und brauchen nicht beschämt zurückzuweichen. 1. Joh 2:28

Erster Johannesbrief – Kapitel 3

1. Joh 3,1: Wir sind seine Kinder

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! 1. Joh 3:1

Seht doch, wie sehr uns der Vater geliebt hat! Seine Liebe ist so groß, dass er uns seine Kinder nennt – und wir sind es wirklich! Als seine Kinder sind wir Fremde für diese Welt, weil Gott für sie ein Fremder ist. 1. Joh 3:1

Ein Kind liebt man nicht wegen seiner Tüchtigkeit, seinen Besitz u.ä. sondern um seiner selbst willen liebt man es. Das ist das ganze Geheimnis eines Kindes, daß es uns durch sein bloßes Dasein nötigt, es zu lieben, und daß es davon lebt, für nichts geliebt zu werden. Darin, daß wir so von uns selber denken würden, läge unsere Erlösung: daß wir einmal den Mut hätten, gratis zu leben, und uns mal getrauen würden, uns einfach schon durch unser Dasein als berechtigt zu empfinden.

Gott ist es, der uns zuerst geliebt und uns in Jesus als seine Kinder angenommen hat. In unserem Leben ist alles eine Gabe seiner Liebe: Wie könnten wir einem so großen Geheimnis gegenüber gleichgültig bleiben? Wie sollten wir auf die Liebe des himmlischen Vaters nicht mit einem Leben als dankbare Kinder antworten? In Christus hat er sich uns ganz geschenkt und ruft uns zu einer tiefen persönlichen Beziehung zu ihm. Je mehr wir also Jesus nachahmen und mit ihm verbunden bleiben, desto mehr treten wir ein in das Geheimnis der göttlichen Heiligkeit. Wir entdecken, daß wir von ihm unendlich geliebt sind, und das spornt uns an, unsererseits unsere Brüder zu lieben. Die Liebe bringt immer einen Akt der Selbstentsagung mit sich, das »Sich-selbst-Verlieren«, und macht uns gerade auf diese Weise glücklich. Benedikt

1. Joh 3,2-3: Christus ähnlich werden

Wenn Christus kommt, werden wir ihm ähnlich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er wirklich ist. Wer diese Hoffnung hat, der meidet jede Schuld, so wie Christus ohne Schuld war. 1. Joh 3:2‭-‬3‬‬‬

Durch den Blick auf Christus werden wir immer mehr in sein Bild verwandelt. Endgültig wird das in seinem ewigen Kommen vollendet werden. Hier auf der Erde nun werden wir ihm zwar nie gleich werden, aber wir dürfen ihm nacheifern und seinen Fußspuren folgen. In dieser Nachfolge der Hoffnung werden wir gereinigt und diese Reinigung haben wir täglich notwendig, weil wir außer dem Leben Christi auch die alte Natur in uns haben. Ausserhalb von ihm haben wir keine Kraft, der Sünde zu widerstehen. In ihm aber wird uns schwachen Menschen die Kraft dazu geschenkt. Dadurch meiden wir die Sünde in jeglicher Form und folgen so dem nach, der ohne Sünde war: Jesus den Christus.

Je mehr du auf Jesus schaust, desto mehr wirst du ihm ähnlich. Corrie ten Boom

1. Joh 3,4: Wer in ihm bleibt, sündigt nicht

Wer sündigt, lehnt sich damit gegen Gottes Ordnungen auf; Sünde ist ihrem Wesen nach Auflehnung gegen Gott.1. Joh 3:4

Es ist darunter nicht zu verstehen, dass man in eine Sünde fällt. Das tun wir immer wieder und Gott vergibt uns in Jesus durch seine großen Barmherzigkeit. Ihr wisst ja, dass Christus auf diese Erde kam, um die Sünden der Menschen wegzunehmen. Doch das Sündigen hier bedeutet, in der Sünde zu leben ohne Reue, Buße und Einsicht über sein falsches Verhalten. Es bedeutet somit, die Sünde ständig zu tun, so dass sie das ganze Leben kennzeichnet. Es bedeutet, Gott völlig außer Acht zu lassen und nach eigenem Willen zu handeln, weil es einem so gefällt. Bleiben wir in Christus, damit wir nie in solch einen Seelenzustand fallen. Lassen wir uns nicht vom richtigen Weg abbringen!

Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht. Wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt. 1. Joh 3:6

Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde. 1. Joh 3:9

Wer ein Kind Gottes ist, der sündigt nicht, weil der Sohn Gottes ihn bewahrt. 1. Joh 5:18

1. Joh 3,11: Hingabe an den Nächsten

Wir sollen einander lieben. 1. Joh 3:11

Die Liebe drängt zur Tat. Der Alltag ist dabei unser unerschöpfliches Übungsfeld. In einzelnen Begegnungen gewöhne es dir an ein innerliches „Ich liebe dich“ zum Nächsten zu sprechen und spüre dann, was das in der Begegnung konkret bedeuten kann. Liebe zeigt sich dabei nicht unbedingt in großen Worten oder Gesten. Es kann bedeuten, dass du aufrichtig zuhörst, ein gutes Wort schenkst, ein ungutes Wort überhörst, eine Hilfe anbietest und vielerlei mehr. Liebe zeigt sich im unscheinbaren Hingeben, im Teilen, im Mitfühlen und in der Art und Weise, wie wir uns einander zuwenden. Die Liebe drängt zur Tat. Als Empfänger der Liebe Gottes sind die Menschen eingesetzt, Träger der Nächstenliebe zu sein, und dazu berufen, selbst Werkzeuge der Gnade zu werden, um die Liebe Gottes zu verbreiten.

Was Liebe ist, haben wir an dem erkannt, was Jesus getan hat: Er hat sein Leben für uns hergegeben. Daher müssen auch wir bereit sein, unser Leben für unsere Geschwister herzugeben. 1. Joh 3:16

1. Joh 3,16

Wie sehr Christus uns liebt, haben wir daran erkannt, dass er sein Leben für uns opferte. Ebenso müssen auch wir bereit sein, unser Leben für unsere Geschwister hinzugeben. 1. Joh 3:16

Die Last (=seine Menschlichkeit) des anderen zu tragen, kostet Mühe und Kraft. Ich erlebe das täglich in der Schule als Lehrer und Kollege. Trage (=liebe) nicht nur da, wo es leicht fällt z.B. bei Menschen, die du sehr lieb hast, sondern auch da wo es Opfer von dir verlangt und weh tut, dich Überwindung kostet. Dies ist die Nachahmung der Liebe Christi. Dazu müssen wir immer wieder auch unseren Egoismus und Ich-Zentriertheit überwinden. Dieser verschwindet nie vollständig, aber der, der größer ist und in uns lebt, hilft uns, ihm täglich widerstehen zu können.

Lasst euer Leben von Gottes Geist bestimmen. Gal 5:16

1. Joh 3,17: Offenherzigkeit

Wer aber die Güter dieser Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? 1. Joh 3:17

Die Not des Nächsten zu „sehen“ hat hier eine tiefere Bedeutung. Es geht um ein Anteil nehmendes Erfassen und Wahrnehmen dieser Not. Dies geht nur mit einem offenen Herzen. Gott kann nur in einem solchen weiten Herzen wohnen. Wer sein Herz verschließt: Wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Der Apostel setzt diese Frage still und doch ernst hinzu. Öffnen wir so also unser Herz für den Nächsten und so auch für Gott. Wie oft können wir mit einfachen Mitteln helfen! Der barmherzige Gott segne euch: Er schenke euch ein offenes Herz für die Menschen mit denen ihr lebt.

1. Joh 3,18

Lasst uns einander lieben: nicht mit leeren Worten, sondern mit tatkräftiger Liebe und in aller Aufrichtigkeit. 1. Joh 3:18

Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit. 1. Joh 3,18

Du bist Zeuge der Auferstehung Jesu. Wenn nicht du, wer dann? Du bist Missionar Christi in der Welt, gesandt von Gott selbst, ohne den wir nichts vollbringen können. „Ich bin dein, hilf mir!“ (Ps 119,94) Er der Weinstock, wir die Reben. „Stell dir deine Seele als einen Baum vor, der von der Liebe erschaffen ist und deshalb einzig von der Liebe zu leben vermag.“ (Katharina v. Siena). Der Kern der Mission ist dieses Lieben aufgrund unseres Geliebtseins.

Die Liebe trägt die Seele, wie die Füße den Leib tragen. Ohne Liebe kann die Seele nicht leben. Sie muß etwas lieben, sie ist aus Liebe geschaffen. (Katharina v. Siena).

1. Joh 3,20: Gottes Barmherzigkeit

Wenn unser Gewissen uns schuldig spricht, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott größer ist als unser Gewissen. Er kennt uns ganz genau. 1. Joh 3,20

Verabscheue deine Fehler, aber gelassen, ohne Aufgeregtheit, unbesorgt. Man muss mit seinen Fehlern Geduld haben und Nutzen daraus ziehen. Wenn es dir an Geduld fehlt, wird deine Unvollkommenheit wachsen anstatt zu verschwinden. Denn nichts stärkt unsere Fehler so sehr wie Ungeduld und die fixe Idee, sie loswerden zu müssen. Wir brauchen Geduld, um das Elend Anderer zu ertragen, noch mehr Geduld aber, um uns selbst ertragen zu lernen. Reagiere unaufhörlich mit Demut auf dein tägliches Versagen. Pater Pio

Das Verurteilen unserer Herzen entsteht aus dem Bewusstsein unseres Versagens. Das sind dunkle Stunden für uns, wenn unser Versagen in uns schreit, wenn schwere Erfahrungen von Krankheit und Verlust uns quälen und den Zweifel an Gottes Liebe nähren. Auf einmal ist alles weg, was wir an Mut und Zuversicht hatten. Wenn mein Vertrauen zu Jesus schwindet, dann verschlingen mich meine Zweifel. Darum geht es mir wie Petrus auf dem stürmischen Meer: Als er nicht auf Jesus schaut, sieht er nur noch die Wellen und versinkt. Aber Jesus reicht ihm die Hand und zieht ihn heraus. Das tut er auch noch heute für dich und für mich.

Kann uns also unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben, dann dürfen wir voller Freude und Zuversicht zu Gott kommen. 1. Joh 3:21

1. Joh 3,22: Bitten und Empfangen

Was immer wir bitten, das empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten. 1. Joh 3:22

Bitte voll kindlichem Vertrauen, verbunden mit dem vorweggenommenen Dank und mit dem Zusatz “Dein Wille geschehe”, selbst wenn dieser nicht immer verstehbar für dich ist. Oft sind wir blind für das „Wie“ Gott es uns geben will. Das Wichtigste nun, worum wir täglich bitten, ist seine Leitung, seine Wegführung. Dazu ein Gebet von Faustina:

Mit dem Vertrauen und der Einfalt eines kleinen Kindes gebe ich mich heute hin, Jesus, mein Meister. Dir überlasse ich völlige Freiheit im Leiten meiner Seele. Führe mich auf Wegen, die du willst, ich will sie nicht ergründen. Vertrauend will ich dir nachfolgen. Dein barmherziges Herz vermag alles.

1. Joh 3,24: Gott lebt in uns

Wir wissen, dass Gott in uns lebt. 1. Joh 3:24

Das ist Frohe Botschaft! Für mich ist das die Froheste aller Frohbotschaften. Das ist unendlich beglückend. Das ist Quelle der Freude und der Zuversicht: Gott nicht nur im Himmel, sondern in jedem Gläubigen. Das ist ein nie ganz zu fassendes Geheimnis, eine nie ganz zu begreifende Wahrheit. Man muss es sich immer wieder vorsagen, meditieren, verkosten, es ganz tief aufnehmen und es sich immer wieder bewusst machen. Du in mir, ich in dir!

Ich bin des so gewiss wie ich lebe, dass nichts mir so nahe ist wie Gott. Meister Eckart

Gott ist uns näher als wir uns selbst. Augustinus

Erster Johannesbrief – Kapitel 4

1. Joh 4,2: Fleischwerdung des Wortes

Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist aus Gott. 1. Joh 4:2

Gott wurde Mensch wie wir. Er kam ins verletzliche und vergängliche Fleisch. Er hatte Hunger und Durst wie wir, freute sich, lachte, litt unter Schmerzen wie wir und starb einen schändlichen Tod. Jesus hätte in seiner eigenen Herrlichkeit kommen können. Er kam aber im Fleisch, d.h. er wurde ganz Mensch, Bruder und Freund des Menschen. Ihm nun ist alle Macht gegeben. Halten wir uns an ihm fest, so wirkt er in uns und macht uns stark in dieser Welt, wo so vieles uns Kraft nimmt, uns in Beschlag nimmt, ausgesetzt allerlei Versuchungen und anderer Drangsale und Betrübungen. Weil er in uns lebt, können wir Anteil haben an seiner überwindenden Kraft, die in jede Finsternis Licht bringt.

Gott, der in euch wirkt, ist stärker als der Teufel, von dem die Welt beherrscht wird. 1. Joh 4:4

1. Joh 4,6: Aus Gott sein

Wir sind aus Gott. 1. Joh 4:6

Unser Sein und unser Tun sind zweierlei Dinge. Johannes schreibt vor allem über unser Sein. Das Sein dann bestimmt unser Tun. Unser Sein ist in Gott durch Christus, so dass wir seine Werke in dieser Welt tun, wenngleich wir in unserem Sein ausserhalb dieser Welt stehen, weil wir Christus folgen und ihm vertrauen. Vertrauen wir nicht ihm, sondern auf allerlei anderes, so sind wir aus der Welt. Also: Wenden wir uns ihm zu und nicht der Welt. Zu ihm wenden wir uns, wenn wir in uns gehen, stille werden und hören. Immer neu wird er sich uns offenbaren in seiner Liebe und Wegweisung für uns, damit wir seinen Willen tun und in der Welt wirken und Spuren Gottes hinterlassen.

1. Joh 4,7: Jeder, der liebt, erkennt Gott

Wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. 1.Joh 4,7

Lasst uns einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott. Wer liebt, ist ein Kind Gottes und kennt Gott. 1. Joh 4:7

Alles aus Liebe, nichts aus Zwang: …..hat Franz von Sales gesagt. Gerade in unserem Glaubensleben ist das wichtig. Viel zu häufig habe ich früher aus Zwang gebetet, weil ich dachte, dass Gott das von mir erwartet. Viel zu häufig habe ich überhaupt vieles getan aus Zwang. Ich war ein Gefangener meines „Ich muss und Ich soll“. Nein! Nichts aus Zwang, alles aus Liebe. Die kleinste Tat aus Liebe getan ist mehr wert als die größten Werke, die aus reiner Pflicht getan werden. Es lebe die Liebe!

Die Liebe ist die einzige Tugend, die maßlos sein darf. Wir können die Mitmenschen nie zu viel lieben und somit auch in der Liebe nie die Grenzen der Vernunft überschreiten, sofern die Liebe wirklich im Herzen wurzelt. Welch ein Glück, lieben zu dürfen, ohne ein Übermaß zu fürchten. Setze der Liebe keine Schranken, lasse sie ihre Äste breiten, so weit sie nur kann, gebe dich hin an Gott und denn Nächsten. „Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe.“ (Edith Stein) Wo kannst du diese Hingabe in Liebe heute konkret Wirklichkeit werden lassen?

Die Liebe ist die machtvolle Kraft in Gottes Wesen und so ist es auch die unentbehrliche Kraft im menschlichen Miteinander. Sie ist die Königin aller Tugenden. Es ist der wesentliche Teil unseres Glaubens, dass wir von der göttlichen Liebe geliebt werden und diese Liebe weiterlieben im Blick auf unsere Mitmenschen. Diese Ausübung der Liebe kann nicht von der Geburt aus Gott getrennt werden. Durch die Betätigung in der Liebe aber zeigen wir, dass wir Kinder Gottes sind, aus ihm geboren.

1. Joh 4,8

Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. 1.Joh 4,8

Lass dich in deinem Herzen von der Liebe berühren, die dir entgegenkommt oder die in dir aufflammt. Gott selbst berührt dich dabei und öffnet dich für das Geheimnis einer klaren und lauteren Liebe, die allen und allem gilt. In dieser Liebe bist du in Gott und in dieser Liebe wirst du erst ganz zum Menschen, so wie Gott ihn gedacht hat. In deiner Liebe, auch wenn sie noch so vermischt ist mit Besitzansprüchen und Habenwollen, leuchtet immer auch etwas auf von der spirituellen Liebe, die deine tiefste Sehnsucht nach Liebe erfüllt. Traue deiner Liebe, aber gehe deiner Liebe auch auf den Grund, damit du dort Gott findest als die eigentliche Quelle deiner Liebe. Und folge deiner Liebe bis zum Ende. Dann wird sie dich zu Gott führen, der die Liebe selber ist. Anselm Grün.

1. Joh 4,9: Das ist die Liebe Gottes

Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. 1. Joh 4:9

Das Leben ist ihm Sohn. Er ist das Leben. Ihn hat Gott in Seiner Liebe in die Welt gesandt. Es war der Sohn, der gesandt wurde, um Mensch zu werden und mit dem Menschen Umgang zu haben. Gottes Gabe war Christus, der nicht nur hernieder kam, um uns Leben zu geben, sondern um als Sühnung für unsere Sünden zu sterben. Unser alter Mensch ist zwar noch vorhanden, doch wissen wir ihn mit Christus gekreuzigt, so dass wir der Sünde nicht mehr dienen.

1. Joh 4,10

Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. 1. Joh 4:10

Diese Liebe ist Freundschaft mit Gott. Es ist keine Liebe, die etwas haben will. Denn durch die Gottesliebe lieben wir Gott um der Liebe seiner selbst willen in Anbetracht seiner Güte. Von Ewigkeit her liebte Gott jede Seele. Wir wissen um seine Liebe zu uns, da er sie laut verkündet hat. Er treibt er seine heilige liebevolle Beziehung zu uns auf die Spitze, indem er sich schenkt in Christus. Die Freundschaft ist echte Freundschaft, weil sie gegenseitig ist. Gott weiß doch, daß wir ihn lieben. Wir besprechen uns mit ihm jederzeit, so oft wir wollen, im heiligen Gebet, da wir all unser Leben, unsere Bewegung und unser Sein nicht nur mit ihm haben, sondern in ihm und durch ihn.

In ihm leben, weben und sind wir. Apg 17:28

1. Joh 4,11-12: Lieben und Geliebt werden

Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, so sind auch wir es schuldig, einander zu lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir einander lieben, so bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollkommen geworden. 1. Joh 4:11-12

Niemand hat Gott jemals gesehen. Aber seine Liebe war in Christus vollkommen kundgemacht worden. Gott bleibt in uns. Wir ziehen uns von uns selbst und von allem, was uns hier umgibt, zurück und finden in Gott den Ruhepunkt für unsere Herzen, während wir uns noch auf der Erde befinden. Dieses Bleiben ist ein Akt Seiner Gnade uns gegenüber, die wir auf dem Erlösungswerk Christi ruhen. Es ist kein kurzfristiger Besuch, sondern ein ewiges liebendes Bleiben des Vaters bei seinen Kindern. Diese Liebe Gottes soll in dieser Welt von uns widergespiegelt werden. Wie ernst sollten wir diesen Auftrag nehmen. Wir sind berufen, insbesondere durch die Tätigkeit der göttlichen Liebe in unseren Herzen und in unseren Wegen, Zeugen Gottes in der Welt zu sein.

Wir finden in Gott den Ruhepunkt für unsere Herzen, während wir uns noch auf der Erde befinden und dort wirken. Dieses Sein in ihm ist ein Akt Seiner Gnade uns gegenüber, die wir auf dem Erlösungswerk Christi ruhen. Es ist kein kurzfristiger Besuch, sondern ein ewiges liebendes Bleiben des Vaters bei seinen Kindern, ein ewiges Sein in ihm und seiner Liebe. Diese Liebe Gottes soll in dieser Welt von uns widergespiegelt werden. Wie ernst sollten wir diesen Auftrag nehmen! Wir sind berufen, die Liebe Gottes in die Welt zu tragen.

Der Himmel auf Erden ist überall, wo ein Mensch von Liebe zu Gott, zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst erfüllt ist. Hildegard von Bingen

1. Joh 4,14: Zeuge sein

Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. 1. Joh 4:14

Wir sind Zeugen des Evangelium und treten mit unserer ganzen Existenz dafür ein, weil wir gesehen haben, d.h. wir haben Christus als den Retter erkannt und erfahren täglich neu seine liebende Gegenwart. Helfen wir uns gegenseitig zu diesem Sehen, damit wir auch für andere Menschen Jesus sichtbar, d.h. erlebbar machen. Gott wird es uns geben, wo wir Zeugnis geben durch das Wort. Täglich aber geben wir Zeugnis durch unser Verhalten im Tun der Liebe. Viel häufiger bekehrt und verändert die erfahrene Liebe als Worte vielerlei Art. So können uns die Worte Tertullian (2. Jh.) über die ersten Christen zur Leitung dienen:

Seht wie sie einander lieben. Tertullian

1. Joh 4,16: Gott ist Liebe

Gott ist die Liebe. 1. Joh 4,16

Wir haben die Liebe erkannt und geglaubt, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Joh 4:16

Gott ist die Liebe. Was für ein Satz! Gott ist keine abstraktes Wesen, sondern seine Liebe wird ganz konkret in Jesus Christus. Je mehr diese Liebe, die auf Frieden und Vertrauen zielt, unsere Herzen erreicht, desto mehr lebt Gott in uns. Wir wenden uns in allen Lagen an Ihn, dessen Liebe in uns eine Wohnung für Ihn bereitet hat. Wenn ich in seiner Liebe bleibe, dann kann ich nicht anders als mich bei Gott völlig daheim zu fühlen. Könnte es einen größeren Segen geben? Es drängt uns etwas von dieser Liebe heraus fließen zu lassen, um sie in der Welt sichtbar zu machen.

Gott lieben, dass heißt, sich an ihm freuen, gerne an ihn denken, gerne zu ihm beten. Bonhoeffer

Auch wenn es wohl kein Wort gibt, dass so missbraucht und verkitscht wird, besteht die eigentliche Revolution der Botschaft Jesu in der Liebe. Weil er uns liebt, können wir lieben. Liebe muss ständig gepflegt werden, sie braucht viel Geduld und Nachsicht, besonders in Beziehungen mit Problemen und Unstimmigkeiten. Leider: das Bedürfnis des Menschen, im Recht zu sein, ist so groß, dass er bereit ist, dafür sich selbst, seine Beziehungen und sogar die Liebe zu opfern. Dennoch: Jeder Tag ist eine Chance, die Liebe neu zu entdecken. Gott gibt uns das Herz, nicht um zu hassen, sondern um zu lieben. Gib jedem Geschehen seinen Sinn und iedem Tag seinen Tropfen Freude durch das Leben und Wirken in der Liebe.

Der eigentliche Gottesdienst der Christen ist die Liebe. Benedikt XVI

Das ist nicht eine allgemeine Lebensweisheit oder Phrase oder fromme Selbstverständlichkeithält, sondern es ist der reale, einzige, unzerstörbare Grund, auf dem ein ganzes Leben aufgebaut wird. Das Ziel heißt: wir bleiben in Gott und Gott bleibt in uns. Es ist Wahrheit und es ist Wirklichkeit. Darum ist die Gegenwart die wichtigste Stunde! Die Gegenwart ist die verantwortungsvolle Stunde Gottes mit uns, die Gegenwart in ihrer ganzen Wirklichkeit und Vielgestaltigkeit. Wer aus der Gegenwart flieht, flieht Gott. Bonhoeffer

1. Joh 4,17: Voller Zuversicht ins Gericht

Darin hat Gottes Liebe ihr Ziel erreicht, so dass wir dem Tag des Gerichts voller Zuversicht entgegen gehen können. 1. Joh 4:17

Am Ende werden wir vor Jesus stehen und Rechenschaft ablegen. Das Begegnen mit ihm ist der entscheidende Akt des Gerichts. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt zum Eigentlichen unserer selbst. In dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung. Aber es ist ein seliger Schmerz, in dem die heilige Macht seiner Liebe uns brennend durchdringt, so daß wir endlich ganz wir selber und dadurch ganz Gottes werden. So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Er ist im Leiden Christi letztlich schon verbrannt. Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe über alles Böse in der Welt und in uns. Benedikt XVI

Wir sind in dieser Welt schon ebenso mit dem Vater verbunden, wie Christus es ist. 1. Joh 4:17

1. Joh 4,18: Furcht ist nicht in der Liebe

In der Liebe gibt es keine Furcht, denn Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst. Wer noch Angst hat, rechnet mit Strafe. Bei dem hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht. 1. Joh 4:18

Das Gericht Gottes ist Hoffnung, weil es sowohl Gerechtigkeit wie auch Gnade ist. Wäre es bloß Gnade, die alles Irdische vergleichgültigt, würde uns Gott die Frage nach der Gerechtigkeit schuldig bleiben. Wäre es bloße Gerechtigkeit, würde es für uns alle am Ende nur Furcht sein können. Wir dürfen nun alle unsere Sorgen auf Ihn werfen, denn er ist besorgt um uns und hat uns lieb. Das Gericht versetzt uns daher nicht in Angst, so ernst es zweifellos auch sein wird. Denn er hat unser Gericht auf dem Kreuz bereits getragen, all unser großes und kleines Versagen. Die vollkommene Liebe zu Christus treibt daher die Furcht aus und schenkt uns durch den Glauben Frieden mit Gott. Wenn ich mich vor Gott noch fürchte, dann bin ich nicht vollendet in der Liebe.

1. Joh 4,19: Als zuerst Geliebte lieben wir

Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat. 1. Joh 4:19

Wie Gott uns so innig liebte, daß er alle als seine Kinder angenommen hat, so zeigt auch ihr, daß ihr wirklich seine Kinder seid, indem ihr einander von ganzem Herzen innig liebt. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht. Welche andere Antwort können wir auf eine so große Liebe geben, wenn nicht die eines offenen Herzens, das zu lieben bereit ist? Er hat uns nach seinem Bild geschaffen hat. Dieses Bild müssen wir in allen Menschen ehren und lieben. Wie liebevoll müssen wir den Nächsten aufnehmen, indem wir in ihm diese Gottähnlichkeit ehren.

Das Christentum besteht darauf, dass der Mensch seinen Wert in sich selbst trägt, weil er ein Kind Gottes und nach seinem Bild geschaffen ist. Martin Luther King

1. Joh 4,20: Liebe ohne Wenn und Aber

Sollte nun jemand behaupten: Ich liebe Gott und dabei seinen Bruder oder seine Schwester hassen, dann ist er ein Lügner. Wenn er schon seine Geschwister nicht liebt, die er sehen kann, wie will er dann Gott lieben, den er nicht sieht? 1. Joh 4:20

Wenn du diesen Vers in seiner Konsequenz für deinen Alltag durchdringst, wirst du mit allen Menschen in deiner Umgebung in Frieden leben, gerade auch mit denen, die dir Schwierigkeiten bereiten. Uns nahe Menschen zu lieben, ist nicht schwer. Die Nächstenliebe wird dort heraus gefordert, wo ich eine Abneigung empfinde. Der Nächste mag mir im Verhalten und Wort nicht gefallen. Gerade dann aber, wenn diese natürliche Gründe zur Abneigung vorhanden sind, strahlt die Liebe umso heller. Liebe ist hier eigentlich immer nicht leicht, sondern kostet Überwindung. Umso klarer erstrahlt sie dafür. Wichtig: Liebe kann sehr verschieden sein kann. Sie ist nicht immer überschwängliche Emotionalität, sondern kann bei für mich schwierigen Personen schlicht in einem respektvollen Umgang bestehen. Eines aber bleibt: Liebe ohne Wenn und Aber

1. Joh 4,21: Gottes- und Nächstenliebe

Vergesst nicht, dass Gott selbst uns aufgetragen hat: Wer Gott liebt, der muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben. 1. Joh 4:21

Es ist Gottes Auftrag an uns, die Gottes- und Nächstenliebe in der Einheit als eines einziges Gebot zu sehen und es nach bestem Bemühen umzusetzen. Dazu Benedikt XVI: Wenn ich die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur fromm sein möchte, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch korrekt, aber ohne Liebe. Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt. Gottes- und Nächstenliebe sind untrennbar: Es ist nur ein Gebot.

Hab keine Angst zu lieben, bis es wehtut. Es ist die Weise, wie Jesus geliebt hat. Mutter Teresa

Erster Johannesbrief – Kapitel 5

1. Joh 5,2

Dass wir wirklich Gottes Kinder lieben, erkennen wir an unserer Liebe zu Gott und daran, dass wir nach seinen Geboten leben. 1. Joh 5:2

Gottes- und Nächstenliebe lebt von der uns zuvor kommenden Liebe Gottes, der uns zuerst geliebt hat. So ist es nicht mehr Gebot von außen her, das uns Unmögliches vorschreibt, sondern geschenkte Erfahrung der Liebe von innen her, die ihrem Wesen nach sich weiter mitteilen muß. Liebe wächst durch Liebe. Sie ist göttlich, weil sie von Gott kommt und uns mit Gott eint, uns in diesem Einungsprozeß zu einem Wir macht, das unsere Trennungen überwindet und uns eins werden läßt, so daß am Ende ,,Gott alles in allem’’ ist. Benedikt XVI

1. Joh 5,3: Gleichförmigkeit mit Gottes Willen

Gott lieben heißt nichts anderes als seine Gebote befolgen und seine Gebote sind nicht schwer. 1. Joh 5:3

Gott verlangt sehr danach, daß wir seine Gebote halten. Dazu müssen wir betrachten, wie schön sie sind. Sie nicht aus Furcht beobachten, sondern aus Liebe. Das ist wichtig. So wird unser Herz Stück für Stück dem Herzen Gottes umgewandelt. Alles legen wir in die Hände des göttlichen Willens, damit sie durch ihn nach seinem Belieben umgebildet, nach seinem Wohlgefallen gestaltet und geformt werden. Die Gleichförmigkeit unseres Herzens mit Gottes geoffenbartem Willen besteht dann darin, daß wir das alles wollen, was die göttliche Güte als ihre Absicht offenbart, daß wir glauben, was sie lehrt, erhoffen, was sie verspricht, lieben und tun, was sie befiehlt und verlangt.

Liebe wächst durch Liebe. Sie ist göttlich, weil sie von Gott kommt und uns mit Gott eint, uns in diesem Einungsprozeß zu einem Wir macht, das unsere Trennungen überwindet und uns eins werden läßt, so daß am Ende ,,Gott alles in allem’’ ist. Benedikt XVI

1. Joh 5,4: Der Glaube überwindet die Welt

Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1. Joh 5:4

Die Welt überwinden bedeutet nicht, die Welt hinter sich zu lassen. Wir bleiben mittendrin in der Welt, noch mehr: wir sind berufen, in die Welt zu gehen und Licht zu sein. Aber wir stehen nicht mehr unter ihrer Macht, wir stehen allein unter Jesus Christus, der durch sein Sterben und Auferstehen die Macht der Welt gebrochen hat und uns in unserem Glauben an ihn mit in diesen Sieg mit rein nimmt. Mit dieser Siegesgewissheit, können wir gelassen, zuversichtlich und voller Mut durch das Leben schreiten. Wir mögen Täler durchschreiten, Niederlagen erleiden, mit dem Nächsten und immer mit uns selbst ringen, Angst haben vor dem Kommenden und allerlei mehr. In alledem sind wir aber stets neu getröstet. Jesus selbst spricht: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? 1. Joh 5:5

1. Joh 5,12: In Jesus haben wir das Leben

Wer also mit dem Sohn verbunden ist, der hat das Leben. 1. Joh 5:12

O sieh doch, wie innig heiß Gott danach verlangt, daß wir sein seien, da er dafür ganz unser wurde und uns dafür sein Sterben und sein Leben schenkte. Er gab uns sein Leben, uns vom ewigen Tod zu erretten, er gab uns sein Sterben, um uns die Freuden des ewigen Lebens zu schenken. Bleiben wir also im Frieden und dienen wir Gott, damit wir schon hierin diesem sterblichen Leben sein seien und noch mehr im ewigen. Am Ende unserer Tage, wenn unsere Augen geöffnet sein werden, werden wir erst erkennen, wie wenig dieses Leben ist und daß wir jene nicht zu bedauern brauchen, die es so bald verloren. Das kürzeste Leben ist das beste, sofern es zum ewigen hinführt. Franz von Sales

Ich weiß, dass ihr an Jesus Christus als den Sohn Gottes glaubt. Mein Brief sollte euch noch einmal versichern, dass ihr das ewige Leben habt. 1. Joh 5:13

1. Joh 5,14: Gott hört und erhört

Deshalb dürfen wir uns auch darauf verlassen, dass Gott unser Beten erhört, wenn wir ihn um etwas bitten, was seinem Willen entspricht. 1. Joh 5:14

Zweifeln wir nie daran, dass Gott unsere Worte hört und erhört. Unser Herz wird sich nur dann mit Frieden füllen, wenn wir überzeugt sind, daß Gott so für uns da ist. Es geht beim Gebet als Sprechen mit Gott dabei nicht um viele Worte, sondern um die Aufrichtigkeit unseres Herzens. Es geht bei unseren Bitten weiter darum, dass sie alle einmünden in das „dein Wille geschehe“, denn Gott weiß am Besten, was gut für uns ist. Mit Gott zu leben, ist hier immer auch ein Wagnis. Ihm näher zu kommen bedeutet immer bereit sein zu neuer Umkehr und Begradigung des Lebens und zum aufmerksameren Hinhören auf seine Eingebungen.

Weil wir wissen, dass Gott all unsere Gebete hört, dürfen wir sicher sein, dass er uns gibt, worum wir ihn bitten. Es ist, als hätten wir es schon erhalten. 1. Joh 5:15

1. Joh 5,21: Schlusspunkt

Hütet euch davor, anderen Göttern nachzulaufen! 1. Joh 5:21

Heute endet die Reihe zum ersten Brief des Johannes. Es ist für mich weiterhin ein Brief, der mich sehr geprägt hat. Der vorletzte Vers ist ein kleines Glaubensbekenntnis und bringt den Kern unseres Glaubens auf den Punkt:

Der Sohn Gottes ist zu uns gekommen, damit wir durch ihn Gott kennen lernen, der die Wahrheit ist. Nun sind wir eng mit dem wahren Gott verbunden, weil wir mit seinem Sohn Jesus Christus verbunden sind. Ja, Jesus Christus ist selbst der wahre Gott. Er ist das ewige Leben.1. Joh 5:20

Ich hoffe, ich konnte durch meine Kommentare hier und da etwas zum Verständnis und der Erspüren der Seele dieses so wundervollen Briefes beitragen.

Zweiter Johannesbrief

2. Joh 1,1

Ich liebe euch, weil ich durch die Wahrheit mit euch verbunden bin. 2. Joh 1:1

Je schöner und voller die Erinnerungen an einen Verstorbenen, desto schwerer die Trennung. Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen. Man muß es einfach aushalten und durchhalten. Das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost. Denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus. Er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft, wenn auch unter Schmerzen, zu bewahren. Bonhoeffer