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Lukas Evangelium – Kapitel 22

Lk 22,1-2: Juden beschließen, Jesus zu töten

Mt 26,1-5; Mk 14,1-2

Die obersten Priester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn umbringen könnten. Lk 22:2

Markus und Matthäus berichten, dass sie es nicht am Passahfest, sondern danach machen wollten, weil dann weniger Menschen in Jerusalem waren. Dazu Gerrid Setzer: Die Führer des Volkes wollten in ihrer boshaften List Christus nach dem Passahfest umbringen. Es erschien ihnen zu riskant zu sein, ihn während des Festes, wenn sehr viele Menschen in Jerusalem sind, verhaften zu lassen. Sie wollten keinen Aufruhr des Volkes riskieren, die ihn am Sonntag vorher noch als Messias bejubelt hatten. Doch es gab einen, der einen anderen Plan hatte. Dieser eine – war Gott. Er hatte im Alten Testament die Schlachtung des Passahlammes auf einen bestimmten Tag gelegt. Und genau an diesem Tag sollte auch das wahre Passahlamm geschlachtet werden – was auch immer die Menschen sich in ihrer List ausdachten.

Lk 22,3-6: Judas will Jesus verraten

Mt 26,14-16; Mk 14,10-11

Judas ging zu den obersten Priestern und den Offizieren der Tempelwache und beriet mit ihnen, wie er Jesus an sie ausliefern könnte. Lk 22:4

Einer der Zwölf soll ein Verräter sein? Wir meinen oft, dass Judas verschieden gewesen sein muss, schlechter als die anderen Jünger. Wenn das gestimmt hätte, hätte jeder sofort ihn verdächtigt, als Jesus sagte: Einer von euch wird mich verraten. Sie hätten vermutet: Es muss Judas sein. Er war schon immer böse. Er ist fähig, Jesus zu verraten. Ich verstehe nicht, warum Jesus ihn ausgewählt hat. Doch Judas schien sich nicht so offensichtlich von ihnen zu unterscheiden. Sonst hätten sie ihn ja sofort verdächtigt. Jeder von uns kann ein Judas werden, nach und nach, indem wir unsere Prinzipien immer mehr aufgeben, zuerst in den kleinen Dingen, und dann auch in wichtigen Angelegenheiten. Im christlichen Leben braucht es immer eine gesunde Spannung zwischen dem Vorwärtsstreben und der Wachsamkeit. Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist es auch in den Großen. James Swanson

Lk 22,7-30: Das Abendmahl

Mt 26,17-30; Markus 14,12-26, Joh 13,21-30

Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, an dem man das Passah schlachten musste. Lk 22:7

Damit uns der Herr das himmlische Osterlamm sendete aß er das vorbildliche; er entfernte das Vorbild, damit die Wirklichkeit Platz greifen könnte. Goldene Perle

Und er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt hineinkommt, so wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folgt in das Haus, wo er hineingeht, Lk 22:10

Zuerst betrachte die Majestät der Gottheit. Er redet mit den Jüngern und weiß schon, was anderswo geschehen wird, bewundere seine Demut denn nicht die Person des Reichen oder Mächtigen wird ausgewählt, sondern der Arme wird gesucht, und die niedrige Herberge eines Armen den geräumigen Wohnungen der Vornehmen vorgezogen. Goldene Perle

Diesen Zubereitern begegnet aber ein Mensch, weil wir durch das Genannte den Zustand des Menschen finden, welcher nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Er trägt einen Wassereimer, welcher die Gnade des Heiligen Geistes bezeichnet. Der Eimer aber ist die Demut des Herzens; denn seine Gnade gibt er den Demütigen, welche erkennen, daß sie Erde und Staub seien. Goldene Perle

Sie bereiteten das Passah. Lk 22:13‭

Das eucharistische Opfer ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. Für mich persönlich ist die Sonntagsmesse mit dem Empfang des Leibes Christi der Höhepunkt der Woche, mit nichts zu vergleichen, unbeschreibbar. Hier loben und feiern wir Jesus, der zu unserem Heil gestorben und auferstanden ist. Die Eucharistie zu vertiefen, nichts wichtigeres gibt es, nicht nur als Ritus, sondern als existentiellen Vorgang, der mich in meinem Innersten mehr als jede andere Sache berührt und mich verändert und verwandelt und dadurch die Welt, in der ich lebe, verwandelt.

Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen, als ohne das heilige Messopfer. Pater Pio

Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch und die Apostel mit ihm. Lk 22,14

Jesus hat uns aufgetragen, in seine Stunde einzutreten. Jesus schenkt uns Teilhabe an seiner Stunde. In die Stunde Jesu treten wir ein bei der Verwandlung von Brot und Wein. Die Stunde Jesu ist die Stunde, in der die Liebe siegt. Die Stunde Jesu will unsere Stunde werden und wird es, wenn wir uns durch die Feier der heiligen Eucharistie in den Prozeß der Verwandlungen hineinziehen lassen, um die es dem Herrn geht. Ja, die Eucharistie verwandelt uns. Herr verwandle mich!

Ach wie gut ist es doch, die heiligen Worte zu hören, die Gott zu unserem Herzen spricht, wenn wir uns in die Nähe seines Herzens stellen. Franz von Sales

Mich hat es herzlich verlangt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. Lk 22:15

Das Paschamahl ist im jüdischen Glauben das Gedächtnis der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens. Im neuen Pascha der Eucharistie, dem Opfertod Jesus, geht es um das Gedächtnis der Befreiung durch Jesus Christus aus der Knechtschaft der Sünde. Damals in der Stunde des Abendmahls wie auch in jeder Eucharistie tritt Gott mit uns in eine Gemeinschaft die befreit.Durch Jesu Menschwerdung, durch sein vergossenes Blut sind wir in eine ganz reale Blutsverwandtschaft mit Jesus und so mit Gott selbst hineingezogen, die wahrlich befreit. Bitten wir den Herrn, dass wir die Grösse dieses Geheimnisses immer mehr verstehen.

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein; wasch in deinem Blute mich von Sünden rein. Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld, bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld. Thomas von Aquin

Dann nahm er ein Brot. Er dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen. Lk 22:19

Er gab ihnen das Brot. Diese menschliche Urgeste des Gebens erhält im Abendmahl Jesus eine neue Tiefe. Jesus gibt nicht etwas, er gibt sich selbst. Die gebende Güte Gottes offenbart sich in ihrer Größe in diesem Augenblick, in dem Christus im Brot sich selber austeilt. Dieses Brechen und Geben des Brotes ist die elementare Mitte der Eucharistie. In der frühen Christenheit wurde daher für die Eucharistie das Wort Brotbrechen verwendet. Das Brotbrechen und Geben als Akt der liebenden Zuwendung zum Nächsten ist dadurch eine innere Dimension der Eucharistie selbst. Die Sorge um den anderen ist nicht ein Zweites, sondern er ist innerster Bestandteil des Abendmahles.

Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Feiert dieses Mahl immer wieder und denkt daran, was ich für euch getan habe, sooft ihr dieses Brot esst! Lk 22:19

Nach dem Empfang Christi schweige ich oft. Jean Marie Vianney schreibt zur Kommunion: Warum jetzt Menschenworte, wenn Gott zu uns spricht? Wir müssen darauf hören, was der liebe Gott zu unserem Herzen spricht. Geht deshalb zur heiligen Kommunion, empfangt Jesus mit Liebe und Vertrauen! Lebt von Ihm, um für Ihn zu leben. Sagt nicht, ihr wäret ihrer nicht wert. Ja, es ist wahr, ihr habt sie nicht verdient, aber ihr braucht sie. Wenn Gott darauf gesehen hätte, ob wir ihrer würdig wären, er hätte das wunderbare Sakrament seiner Liebe niemals eingesetzt; denn niemand auf der Welt ist es wert. Er aber hat unsere Not gesehen, und notwendig ist dieses Sakrament für jeden von uns.

Brot und Wein werden in sein Leib und sein Blut gewandelt. Doch die Verwandlung macht hier nicht halt. Leib und Blut Jesu Christi werden uns gegeben, damit wir verwandelt werden. Wir sind es, die durch dieses Brot des Lebens geheimnisvoll verändert werden. Christus nährt uns, indem er uns mit sich vereint und uns in sich hineinzieht. Indem er uns alle in sich hineinzieht, werden wir untereinander eins gemacht. Er durchdringt uns und will von uns auf die anderen übergreifen, daß seine Liebe das beherrschende Maß der Welt werde. Begreifen wir: der Empfang des Leib Christi und das Tun der Liebe sind nicht zweierlei Dinge, sondern zutiefst eins.

Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz. Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier; wie der Schächer ruf ich, Herr, um Gnad zu dir. Thomas von Aquin

Er bricht selbst das Brot, welches er reicht, um zu zeigen, daß das Zerbrechen, d.h. Leiden, seines Leibes nicht ohne seinen Willen geschehe. Zweifle nicht, ob dieses wahr ist, da er deutlich sagt: Dieses ist mein Leib, sondern nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Denn da er die Wahrheit ist, so lügt er nicht. Goldene Perle

Dieses tut zu meinem Andenken. Dieses tat aber Christus indem er uns zu einem größeren Freundschaftsbunde führte und seine Liebe gegen uns erklärte, sie nicht nur den Sehnsüchtigen zeigte, sondern auch berühren, essen, umfassen und die ganze Willensneigung erfüllen ließ. Lerne aber, auf welche Weise man den Leib Christi essen müsse, nämlich zum Andenken an den Gehorsam Christi bis zum Tode, damit, die da leben, nicht mehr in sich leben, sondern in dem, welcher für uns gestorben und aufgestanden ist (2. Kor. 5, 15). Goldene Perle

Das tut zu meinem Gedächtnis! Lk 22:19

Wir feiern in der Messe nicht das Letzte Abendmahl im Sinne eines Nachspielens, sondern das Gedächtnis seines Opfertodes. Zur Wiederholung aufgetragen ist das, was Jesus an diesem Abend neu getan hat: das Brotbrechen, das Gebet des Segens und des Dankens und mit ihm die Worte der Verwandlung von Brot und Wein. Es vollzieht sich dadurch, was Jesu angekündigt hat, dass er vom Kreuz her alle an sich ziehen wird. Dieses Gedächtnis ist nicht nur ein nachahmendes Denken an das Abendmahl. Es ist Gegenwärtigsetzung des Geschehenen und darin tiefste Begegnung mit Gott.

Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann. Thomas von Aquin

Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Lk 22:20

Der alte Bund beruhte auf dem Blut geopferter Tiere und auf dem Gehorsamsversprechen Israels (Ex 24). Dieses Versprechen wurde aber immer wieder gebrochen. Auch wir brechen immer wieder unseren Gehorsam und sündigen, weil unser Eigenwille die Oberhand gewinnt. Der neue Bund in Christi Blut und Leib ist daher nicht mehr auf diese immer brüchige Treue unseres menschlichen Wollens gegründet, sondern auf den Gehorsam des Sohnes, der gehorsam war bis in den Tod. Jesus hat deinen und meinen Ungehorsam in seinen bis in den Tod gehenden Gehorsam aufgenommen, durchlitten und überwunden. In der Eucharistie feiern wir diesen neuen Bund, der im Gehorsam und in der Liebe des Christus gegründet ist.

Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, bet ich dennoch gläubig: Du mein Herr und Gott! Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester laß die Hoffnung, treu die Liebe sein. Thomas von Aquin

Aber euch muss klar sein: Hier mit mir am Tisch ist der Mann, der mich verrät. Lk 22:21

Beobachte dich selbst und zwar ruhig und nicht urteilend. Erkenne deine eigenen Abgründe, wo du dich letztlich von Jesus abwendest, weltliche Dinge wichtiger sind, du ihn – benutzen wir dieses harte Wort – verrätst. Durch das Beobachten deiner eigenen Abgründe, erkennst du umso besser Gottes Geduld und Erbarmen mit deiner Seele. Der größte Abgrund sind häufig unsere springenden Gedanken, die ununterbrochen alles kommentieren und bewerten. Bedenke: Situationen die uns in der einen Stunde negativ erregen, werden häufig schon in wenigen Stunden oder Tagen dies nicht mehr tun! Wenn wir das begreifen, können wir uns entschließen, diesen Gedanken von Anfang an nicht so viel Macht und Kontrolle über mich einzuräumen. Sei dir sicher: Deine Seele ist viel beständiger und ruhiger als es deine Gedanken und Gefühle je sein könnten.

Ihr aber sollt nicht so sein; sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Führende wie der Dienende. Lk 22:26

Wie schön ist es und wie groß, Gott zu kennen und ihm zu dienen! Wir haben nichts weiter als dies zu tun auf der Welt. Alles, was wir sonst noch machen, ist verlorene Zeit. Mögt ihr suchen, in jeglichem Wohlstand und Vergnügen, ihr werdet euer Glück nicht finden. Die ganze Erde kann eine unsterbliche Seele ebenso wenig zufriedenstellen, wie ein Fingerhut voll Mehl einen Hungernden sättigen kann. Der liebe Gott hat uns auf die Erde gestellt, um zu sehen, wie wir uns hier bewähren. Wenn wir das bedenken, wenden wir stets unseren Blick dem Himmel zu, unserer wirklichen Heimat. Wodurch wird das religiöse Leben so verdienstvoll ? Durch den fortwährenden Verzicht, diesen Tod des eigenen Ich. (Jean Marie Vianney)

Denn wer ist größer: der, welcher zu Tisch sitzt, oder der Dienende? Ist es nicht der, welcher zu Tisch sitzt? Ich aber bin mitten unter euch wie der Dienende. Lk 22:27

Er will sagen: Glaube nicht, daß der Jünger deiner, du aber nicht seiner bedürfest. Denn ich, der ich Keines bedarf, und dessen alles Himmlische und Irdische bedarf, habe mich bis zum Dienst herabgelassen. — Er zeigt ihnen aber seinen Dienst, da er Brod und Kelch unter sie verteilt. An diesen Dienst erinnert er, um sie zu ermahnen, daß alle dieselbe Gesinnung haben sollen, wenn sie von demselben Brot aßen und von demselben Kelch tranken, und wenn Christus selbst Allen diente. Goldene Perle

Lk 22,31-38: Petrus wird ihn verleugnen

Joh 13,31-38

Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre; und wenn du einst umgekehrt bist, so stärke deine Brüder! Lk 22:32

Er sagte aber nicht: Ich habe zugelassen, sondern: gebeten. Denn demütig redet er, da er zum Leiden geht, um seine Menschheit zu zeigen. Denn wie hatte der, welcher nicht durch das Gebet, sondern das Machtgebot gesagt hatte (Matth. 16): Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und dir übergebe ich die Schlüssel des Himmelreiches, des Gebetes nötig, um die schwankende Seele eines einzigen Menschen zu stärken? Er sagte aber nicht: Ich habe gebeten, daß du nicht verleugnest, sondern: den Glauben nicht verläßt. Goldene Perle

Es ist aber zu bemerken, daß mit der Zulassung Gottes die Furchtsamen oft einen Fall erleiden zur Heilung des vorhergehenden Hochmutes.

Lk 22,39-46: Jesus ringt mit Gott im Gebet

Mt 26,36-46; Mk 14,32-42

Betet, dass ihr nicht in Versuchung kommt! Lk 22:40

Sobald du die Versuchung fühlst, mache es wie die kleinen Kinder, die sofort zu Vater und Mutter laufen. So nimm auch du deine Zuflucht zu Gott. Bleib vor allem stets demütig und dir deiner Schwäche bewußt. Bitte Gott, daß er sich deiner erbarme und dir helfe. Jesus selbst lehrt uns: Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Beteure, daß du der Versuchung nicht zustimmen willst, bitte Jesus um Hilfe und setze deine Beteuerung fort, solange die Versuchung anhält. Betrachte dabei aber nicht die Versuchung, sondern den Herrn. Streite nicht mit dem Feind! Erwidere kein Wort außer dem einen, womit der Herr ihn beschämte: Zurück, Satan! Du sollst den Herrn, deinen Gott anbeten und ihm allein dienen. Franz von Sales

Sieh aber , wie der Herr sich nicht verwirren ließ, sondern mit der Heiligen Schrift in Demut dem Bösen entgegentritt , damit du Christus so ähnlich wie möglich wirst. Chrysostomus

Darauf entfernte er sich von ihnen etwa einen Steinwurf weit, beugte seine Knie und betete. Lk 22:41

Jesus wirft sich zur Erde. Das ist die Gebetshaltung der äußersten Unterwerfung unter den Willen Gottes. In diesem von der Todesangst durchdrungenen Beten Jesu nimmt er die ganze Schuld der Menschheit auf sich, er nimmt dich und mich auf sich und trägt uns zum Vater hin. Jesus selbst ist der Hirte der Menschheit. So ist dieser Augenblick der Todesangst Jesu ein wesentliches Moment im Vorgang der Erlösung. Wir folgen seinen Spuren, wenn wir unser Ja zum Willen Gottes täglich erneuern, auch wenn es uns in bestimmten Situationen schwer fällt, ihn anzunehmen.

Hier findest du ihn entfernt beten, damit du lernest, man müsse mit aufmerksamer Seele und ruhigem Leib mit dem erhabenen Gott reden. Aber nicht aus Bedürfnis fremder Hilfe betete er, der die allmächtige Kraft des Vaters ist, sondern damit wir lernen, daß man bei Versuchungen nicht schlafen, sondern vielmehr dem Gebet obliegen soll. Auch betet er allein für Alle, da er allein für Alle leiden wollte, zum Zeichen, daß sein Gebet so sehr als sein Leiden von dem unsrigen verschieden sei. Goldene Perle

Daher läßt sich der, welcher unsere Leiden auf sich nahm und für uns Vermittler wurde, durch den Menschen, welchen er annahm, auf die Knie nieder und betet, um zu zeigen, daß man zur Zeit des Gebetes nicht stolz, sondern in Allem demütig sein müsse, weil Gott den Stolzen widersteht, aber den Demütigen seine Gnade gibt. Goldene Perle

Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen. Lk 22:42

Was ist hier Jesus Wille im Gegensatz zum Willen des Vaters? Wer steht sich da gegenüber? Der Vater und der Sohn? Der Mensch Jesus und der dreifaltige Gott? Ein Verständnis des Ineinander von göttlichem und menschlichem Willen in der Gestalt Jesu Christi ist hier wichtig zu verstehen: zwei Naturen, eine Person. In dem menschlichen Willen Jesu ist in ihm der ganze Widerstand der menschlichen Natur gegen Gott anwesend. Unser aller Eigensinn gegen Gott ist da. und Ringend zieht Jesus diese unsere widerständige Natur in ihr eigentliches Wesen hinauf, das spricht: Nicht ich, sondern du! Es ist die völlige Übergabe des Ich an das Du Gott Vaters.

Es gibt den niederen und höheren Seelenteil. Der höhere Teil wird Geist, der niedere Gefühl genannt. Was ist damit gemeint? Jesus betete, daß der Kelch des Leidens an ihm vorübergehe. Damit drückte er sein Gefühl aus angesichts des bevorstehenden Leidens. Im Geist aber nahm er den Tod freiwillig auf sich. Täglich erfahren wir diese widerstrebende Willensregungen in uns, aber nur solange, bis sich der Wille entscheidet.

Das ist das große Ereignis des Ölberges, der Weg, der sich im Grunde in jedem unserer Gebete verwirklichen sollte: unseren egoistischen Willen verwandeln lassen, ihn öffnen, damit er in den göttlichen Willen verwandelt wird. Benedikt XVI

Durch das Gebet Jesu am Ölberg wurde Jesus der Kreuzestod nicht genommen, aber er bekam die Kraft, seinen Weg zu gehen. Beten in der Krankheit und im Leiden heißt: Auf das Wunder hoffen, aber nicht erzwingen, sondern sich in Gottes Willen ergeben. Der Umgang mit Leiden ist eine Gratwanderung zwischen Kampf gegen das Leiden und Annahme des Leiden – beide Seiten aber verweisen auf Gottes Willen und führen zur Erkenntnis, dass ich mein Leben nicht selbst in der Hand habe. Es liegt in Gottes Hand.

Jesus ringt mit dem Vater. Jesus ringt mit sich selbst und er ringt um uns. „Der Hirte gibt sein Leben für die Schafe.“ (Joh 10,11) Jesus erleidet die Angst vor der Macht des Todes. Dies ist zunächst einfach die dem Menschen eigene Erschütterung vor der Gegenwart des Todes. Aber bei Jesus geht es um mehr: er sieht die schmutzige Flut aller Lüge und alles Niedrigen, die auf ihn zukommt in dem Kelch, den er trinken muß. Es ist die Erschütterung des ganz Reinen und Heiligen vor der ganzen Flut des Bösen dieser Welt, die auf ihn hereinbricht. In diesem Ringen folgen wir ihm nach.

Das ist eine der bewegendsten und erschütterndsten Situationen im Leben Jesus. Es ist das Ringen zwischen der göttlichen und der menschlichen Seele Jesus. Im Umfeld von Getsemani und Golgota wird das menschliche Bewußtsein Jesu der härtesten Prüfung unterworfen werden. Es zeigt, dass Jesus kein dem Leiden gegenüber unempfindlicher Übermensch ist. Hier ist ihm der Abgrund der Sünde und alles Bösen ins Innerste der Seele gedrungen. Hier ist er von der Erschütterung des nahen Todes berührt worden. Jesus spürt Einsamkeit und Betrübnis. Aus dieser Situation bittet er die Jünger und auch uns: Bleibt hier und wacht mit mir!

Christus hat die menschliche Natur angenommen und hat auch seelisch den tiefsten Schmerz gefühlt. In diesem Drama der Todesangst, des Gegensatzes zwischen dem menschlichen Willen, nicht zu sterben, und dem göttlichen Willen, der sich dem Tod ausliefert, in diesem Drama von Getsemani verwirklicht sich das ganze menschliche Drama unserer Erlösung. Denn in dieser Erlösung nimmt er dieses sein Menschsein mit. In der Hingabe seiner selbst wird er umgeschmolzen in eine neue Weise des Seins, in der er nun immer zugleich beim Vater und bei den Menschen ist. Das Kreuz, den Akt der Tötung wandelt er um in einen Akt der Hingabe, der Liebe bis ans Ende. Jesus wird freiwillig und aus Liebe zum Opfer und trägt den Schmerz der Menschheit und weigert sich, ihn abzuweisen. (Benedikt XVI)

Daher will er, daß der vollkommene Wille des Vaters, welchen er selbst kennt, sich verwirkliche, welcher auch der seinige nach der Gottheit ist; aber er will nicht, daß der menschliche Wille, den er den seinigen nennt, und welcher unter dem väterlichen steht, sich erfülle. Er zeigt nämlich hier einen doppelten Willen, einen menschlichen, welcher auf das Fleischliche geht, und einen göttlichen. Denn die Menschheit weigert sich wegen der Gebrechlichkeit des Fleisches zu leiden, aber sein göttlicher Wille unterzog sich dessen gerne, weil es nicht möglich war, ihn vom Tode abzuhalten. Goldene Perle

Jesus litt Todesängste und betete so eindringlich, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte. Lk 22:44

Wenn Jesus uns hier etwas vorspielte, war Gethsemane die schrecklichste Farce, die man sich nur denken kann. Aber das war sie nicht. Er war ganz Mensch. Gott wurde Mensch und als Mensch spürte er die Angst in ihrem ganzen Ausmaß! Jesus hatte Todesangst. Aber die Angst Jesu ist etwas viel Radikaleres als die Angst, die jeden Menschen angesichts des Todes überfällt. Sie ist der Zusammenstoß zwischen Licht und Finsternis, zwischen Leben und Tod selber, das eigentliche Entscheidungsdrama der menschlichen Geschichte. Dieses Drama am Ölberg müssen wir auch auf uns ganz persönlich beziehen. Auch meine Sünde war in jenem erschreckenden Kelch mit gegenwärtig.

Wenn wir über das Drama von Getsemani nachdenken, sehen wir auch den starken Gegensatz zwischen Jesus mit seiner Angst, mit seinem Leiden und dem großen Philosophen Sokrates, der ruhig und ungestört dem Tod entgegensieht. Und das scheint das Ideal zu sein. Wir mögen diesen Philosophen bewundern, aber die Sendung Jesu war eine andere. Seine Sendung war nicht die völlige Gleichgültigkeit und Freiheit; seine Sendung war es, unser ganzes Leiden, das ganze menschliche Drama in sich zu tragen. Und daher ist gerade diese Demütigung des Getsemani für die Sendung des Gottmenschen wesentlich. Er trägt unser Leiden, unsere Armut in sich und verwandelt sie nach dem Willen Gottes. Und so öffnet er die Tore des Himmels, öffnet er den Himmel: Der Vorhang des Allerheiligsten, den der Mensch bislang gegen Gott verschlossen hatte, wird durch sein Leiden und seinen Gehorsam geöffnet. Ich ermutige euch dazu, Christus während der ganzen Karwoche zu folgen, um das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung besser zu verstehen und seine große Liebe zu uns zu entdecken. Benedikt XVI

Und als er vom Gebet aufstand und zu seinen Jüngern kam, fand er sie schlafend vor Traurigkeit. Lk 22,45

Unsere geistliche Schläfrigkeit bleibt damals wie heute die Chance für die Macht des Bösen. Schläfrig werden wir dann, wenn unsere Seele abstumpft, wir uns nicht mehr innerlich berühren lassen vom Leid des Nächsten oder dem Bösen, was Menschen einander antun. Schläfrigkeit ist eine Stumpfheit, die all dies lieber nicht wahrnehmen möchte. Geistlich wach werden wir in der Beziehungsplege zu Gott. Ohne diese Beziehung zu Gott gibt der Mensch schließlich seinem Egoismus den Vorrang gegenüber der Solidarität und der Liebe, zieht er das Materielle den Werten vor, das Haben dem Sein.

Die Stille, in der die Mystiker sich Gott nähern, ist spannungsvoll und wachsam – genau das Gegenteil von Schläfrigkeit und Träumerei. Clive Staples Lewis

Lk 22,47-53: Jesus wird verraten und verhaftet

Mt 26,47-56; Mk 14,43-52; Joh 18,1-11

Während er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar, und der, welcher Judas hieß, einer der Zwölf, ging vor ihnen her und näherte sich Jesus, um ihn zu küssen. Lk 22:47

Das war die Krönung der Entsetzlichkeiten dieser Stunde, die letzte Schändlichkeit, über die menschliche Schändlichkeit nicht mehr hinausgehen kann, als Judas dort im Garten seinen Meister verriet, nicht mit einem Schrei, einem Schlag oder einem Stoß, sondern mit einem Kuss. Mit unendlicher Ergriffenheit fragte Jesus: Judas, überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuss? MacDonald

Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Sohn des Menschen mit einem Kuss? Lk 22:48

Er sagt aber: Mit einem Kusse verrätst du, d.h. mit dem Zeichen der Liebe versetzest du eine Wunde und bringest mit dem Zeichen des Friedens den Tod. Du verrätst als Knecht den Herrn, als Jünger den Meister, als Auserwählter den Schöpfer. — Er sagte aber nichts: Du verrätst deinen Meister, deinen Herrn, deinen Wohltäter, sondern: den Menschensohn, den gelassenen und sanften, den du, wenn er auch nicht Meister und Herr wäre, doch, weil er so sanft gegen dich verfuhr, nicht verraten solltest. Goldene Perle

Lk 22,54-65: Petrus leugnet, dass er Jesus kennt

Mt 26,69-75; Mk 14,66-72; Joh 18,25-27

Der Herr wandte sich um und sah Petrus an. Da erinnerte sich Petrus an das Wort des Herrn, das er zu ihm gesprochen hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen! Lk 22:61

Es krähte der Hahn, aber nicht nur das, sondern es traf ihn auch der Blick Jesu. Aus seinem bereits übel zugerichteten Gesicht schauten Petrus nun die liebenden Augen des allwissenden Herrn an und sahen in die Tiefe seiner Seele. Es war nicht der Blick des Vorwurf’s sondern der Blick der Liebe, der ihn dann in der Tiefe der Seele traf: Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. Lk 22:62

Immer, immer, immer, wenn du in Gedanken, Worten oder Taten auf falschen Wegen gegangen bist, dann verurteile dich dafür nicht in zerstörerischen Selbstvorwürfen, sondern suche den Blick Jesus, dessen Liebe in dir eine reinigende Reue wachsen lässt, die aufbaut, statt nieder zu drücken.

Wir wachen auf, aber nicht von selbst. Göttliches Eingreifen hat uns geweckt. Als Beispiel sei hier die Verleugnung Jesus durch Petrus genannt. Am Boden liegend hätte sich Petrus niemals mehr erhoben, wenn nicht das Krähen des Hahnes, ein Werkzeug der göttlichen Vorsehung, sein Ohr getroffen und der liebreiche Blick seines Erlösers gleich einem Liebespfeil sein steinernes Herz verwundet hätte. Gott wirbt um uns, er lockt uns liebevoll an sich durch zarte und heilige Eingebungen. Er tut uns keinen Zwang an. Er wirft in unsere Herzen frohe Empfindungen als Lockmittel. Er berührt machtvoll, zugleich aber so zart.

Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. Lk 22:62

Er brach zusammen und weinte. Es ist bedeutsam, dass alle vier Evangelien die Verleugnung des Petrus berichten. Wir müssen alle lernen, dass Selbstvertrauen zur Demütigung führt. Wir müssen lernen, uns selbst zu misstrauen und uns ausschließlich auf die Macht Gottes zu verlassen. MacDonald

Petrus ist Jesus mit Eifer gefolgt, er hat die Glaubensprüfung bestanden, indem er sich ihm ganz hingab. Trotzdem kommt der Augenblick, in dem er der Angst nachgibt und fällt: Er verrät den Meister. Die Schule des Glaubens ist kein Triumphmarsch, sondern ein Weg, der mit Leiden und Liebe bedeckt ist, mit Prüfungen und einer Treue, die jeden Tag erneuert werden muß. Petrus, der vollkommene Treue versprochen hatte, kennt die Bitternis und die Demütigung der Verleugnung: Der Übermütige lernt auf eigene Kosten die Demut. Auch Petrus muß lernen, schwach zu sein und der Vergebung zu bedürfen. Als ihm endlich die Maske abfällt und er die Wahrheit seines schwachen Herzens, das das Herz eines gläubigen Sünders ist, begreift, bricht er in befreiende Tränen der Reue aus. Nach diesen Tränen ist er bereit für seine Sendung. Benedikt XVI

Lk 22,66-71: Der Hohe Rat verurteilt Jesus

Mt 27,1-2; Mk 15,1

Und als es Tag geworden war, versammelten sich die Ältesten des Volkes, die obersten Priester und Schriftgelehrten, und führten ihn vor ihren Hohen Rat; und sie sprachen: Lk 22:66

Die dritte Phase des religiösen Prozesses fand am Morgen vor dem Hohen Rat statt. Kein Fall durfte am gleichen Tag abgeschlossen werden, an dem er begonnen worden war, es sei denn, der Angeklagte wurde freigesprochen. Ehe das Urteil verkündet wurde, sollte eine Nacht vergehen, damit sich in der Zwischenzeit Gefühle der Gnade regen konnten. In diesem Fall scheint es so, als ob die religiösen Führer jede Regung der Barmherzigkeit ausschließen wollten. Immerhin kamen sie zu einer morgendlichen Sitzung zusammen, um ihrem Urteil auch Gültigkeit zu verleihen, denn nächtliche Prozesse waren verboten.

Von nun an wird der Sohn des Menschen sitzen zur Rechten der Macht Gottes. Lk 22:69

Er will sagen: Es ist fürderhin keine Zeit mehr, euch zu lehren und mit euch zu reden, sondern von nun an wird die Zeit des Gerichtes sein, wenn ihr mich als Menschensohn zur Rechten der Kraft Gottes sitzen seht. — Wenn aber von dem Sitzen und Thron Gottes gesprochen wird, so wird die königliche und allbeherrschende Würde bezeichnet. Denn wir haben uns keinen Stuhl vorzustellen, auf den sich der Herr von Allem stützt, auch überhaupt nicht, daß es eine Rechte oder Linke bei der göttlichen Natur gebe; denn nur den Körpern kommt Gestalt, Raum und Sitzen zu. Goldene Perle