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Lukas Evangelium – Kapitel 18

Lk 18,1-8: Über das Beten: Witwe und Richter

Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass es nötig ist, allezeit zu beten und nicht nachlässig zu werden. Lk 18:1

Das Gleichnis schildert einer Frau, die nicht aufhört, für ihr Recht zu kämpfen, obwohl der Richter korrupt und untätig ist. Die Grundaussage von diesem Gleichnis ist, dass wir alle Zeit beten sollen ohne Nachlässigkeit so wie diese Witwe. Der Glaube versichert uns, daß Gott unser Gebet hört und zur rechten Zeit erfüllt, auch wenn die tägliche Erfahrung diese Gewißheit immer wieder auch zu verneinen scheint. Dennoch: Haltet daran fest! Das Gebet ist der bevorzugte Ort der Gemeinschaft mit Gott.

Wenn ich auch nur einen einzigen Tag das Gebet vernachlässige, verliere ich viel vom Feuer des Glaubens. Martin Luther

Er, der dich erlöste, zeigte, was du tun solltest. Er will nicht, daß du vom Gebete abstehest; er will, daß du an die Wohltaten denkest, wenn du bittest; er will, daß du durch das Gebet das erlangest, was seine Güte dir mitteilen will. Und nie versagt er die Wohltaten dem Bittenden, da er durch seine Güte uns ans Herz legt, nie im Gebet abzulassen. Goldene Perle

Endlich betrachte, welches Glück dir zu Teil wurde, im Gebet mit Gott zu reden, und zu begehren, was du verlangst. Denn obwohl er mit den Worten schweigt, so antwortet er doch durch die Wohltaten. Er verachtet nicht das, um was du bittest; er hat keinen Ekel, außer du schweigest. Goldene Perle

Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute. Lk 18:2

Die Witwe war offensichtlich alleinstehend und mittellos, der Richter hätte schon aus reiner Barmherzigkeit etwas für sie tun müssen. Das mosaische Gesetz sprach in dieser Hinsicht eine sehr deutliche Sprache. Er tat es nicht. Er war in jeder Hinsicht nachlässig und steht da als negatives Gegenbild zur Witwe. Nachlässigkeit im geistlichen Leben lässt es in unserer Seele dunkel werden; und das beginnt sehr häufig mit der Vernachlässigung des persönlichen Gebetes.

Ich konnte als Wurzel aller Schwierigkeiten die Vernachlässigung des Gebets ausmachen. Mutter Teresa

Es war aber eine Witwe in jener Stadt; die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher! Lk 18:3

Die Frau war hart hartnäckig und ist uns darin ein Vorbild. Bisweilen werden wir müde, zu beten, wir haben den Eindruck, daß das Gebet keinen großen Nutzen bringt für das Leben, daß es wenig wirksam ist. Daher sind wir versucht, uns in Aktivitäten zu stürzen, alle menschlichen Mittel einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen und wir wenden uns nicht mehr an Gott. Wenn der Glaube von der Liebe zu Gott erfüllt ist, der als guter und gerechter Vater erkannt wird, so wird das Gebet beharrlich, eindringlich, es wird ein Seufzen des Geistes, ein Schrei der Seele, der in das Herz Gottes dringt. Auf diese Weise wird das Gebet die stärkste Kraft, die die Welt verwandelt.

Das Gebet in der Frühe entscheidet über den Tag. Bonhoeffer

Lange Zeit stieß sie bei ihm auf taube Ohren. Lukas 18:4

Der Richter reagiert mit unglaublicher Kälte auf die Frau. Dies ging lange Zeit so weiter. Angesichts schlechter Nachrichten oder täglicher Beschwerlichkeiten des Lebens kommen einem Worte aus den Psalmem in den Kopf, wo es heißt „Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht?“ Aber dann änderte der Richter plötzlich seine Meinung. Genervt gibt er irgendwann nach und verhilft der Witwe zu ihrem Recht. Beim ungerechtesten Richter vermochte also die Beharrlichkeit des Bittenden die Erfüllung des Wunsches zu erreichen. Viel sicherer noch müssen die sein, die Gott beharrlich bitten, den Quell der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit. Daher dürfen wir nie verzweifeln, sondern müssen immer beharrlich im Gebet sein.

Schließlich sagte er sich: […] Diese Frau lässt mir einfach keine Ruhe. Ich muss ihr zu ihrem Recht verhelfen, sonst wird sie am Ende noch handgreiflich. Lk 18:4‭-‬5

Wie viel mehr wird Gott seinen Auserwählten zum Recht verhelfen, die ihn Tag und Nacht darum bitten! Wird er sie etwa lange warten lassen? Ich sage euch, er wird ihnen schnellstens helfen. Lk 18:7‭-‬8

Jesus will, daß du nicht aufhörst zu beten. Er will, dass du an seine Wohltaten denkst, wenn du bittest. Er will, daß du durch das Gebet empfängst, was seine Güte dir mitteilen möchte. Er wird niemals denen, die ihn bitten, Wohltaten verweigern. Betrachte schließlich, welches Glück dir zuteil wurde, im Gebet mit Gott zu reden und zu erbitten, was du ersehnst. Gott auch wenn er mit Worten schweigt antwortet dennoch mit Wohltaten: Er verachtet deine Bitten nicht, du belästigst ihn nicht, es sei denn, du schweigst. Das immerwährende Beten bedeutet, nie den Kontakt zu Gott verlieren; im Tiefsten unseres Herzens sich immer von ihm berühren lassen und so von seinem Licht durchdrungen werden.

Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden? Lk 18:8

Das ist eine Frage, die uns nachdenklich macht, eine Frage, die einen größeren Glauben in uns erwecken will. Denn es ist offensichtlich, daß das Gebet Ausdruck des Glaubens sein muß, andernfalls ist es kein wahres Gebet. Wenn einer nicht an die Güte Gottes glaubt, so kann er nicht auf angemessene Weise beten. Der Glaube ist als Grundlage des Betens von wesentlicher Bedeutung. Herr, mögest du uns, wenn du zu uns kommst, mit der brennenden Lampe des Glaubens versammelt finden. Wir glauben und legen unser Vertrauen in dich! Laß unseren Glauben wachsen!

Der Herr setzte aber dieses hinzu, um zu zeigen, daß das Gebet eintritt, wenn der Glaube aufhört. Um also zu beten, sollen wir glauben, und damit der Glaube selbst nicht abnehme, sollen wir beten. Der Glaube begründet das Gebet; das ausgegossene Gebet erlangt die Festigkeit des Glaubens. Goldene Perle

Lk 18,9-14: Pharisäer und Zöllner beim Gebet

Er sagte aber auch zu etlichen, die auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien, und die Übrigen verachteten, dieses Gleichnis. Lk 18:9

Weil ferner der Stolz mehr, als die übrigen Leidenschaften die Seelen der Menschen peinigt, so warnt er häufiger davor. Es ist aber der Stolz die Verachtung Gottes; denn so oft Jemand nicht Gott, sondern sich das Gute, was er getan, zuschreibt, was ist es Anderes als eine Verleugnung Gottes? Wegen derer also, die auf sich selbst vertrauten, aber nicht Alles Gott zuschrieben, stellt er das Gleichnis auf und zeigt, daß die Gerechtigkeit jeglichen Menschen Gott nahebringt, aber der Stolz ihn in die Tiefe hinabstürzt. Goldene Perle

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Lk 18:10

Der demütige Zöllner wird gerechtfertigt. Die vielen guten Werke des vorzeigefrommen Pharisäer sind dagegen wertlos. Mit diesem Gleichnis stellt Jesus den damaligen Glaube von der Errettung auf den Kopf. Jesus erzählt dieses Gleichnis jenen Menschen, die auf sich selbst vertrauen, dass sie durch ihre guten Werke gerecht werden. Der entscheidende Unterschied zwischen dem Pharisäer und dem Zöllner lässt sich auf diesen einen Punkt herunterbrechen: Der Pharisäer dachte, er könnte sich Gottes Wohlwollen aus eigener Kraft erarbeiten. Der Zöllner wusste, dass er das nicht konnte.

Mache dir heute mal wieder bewusst, dass du dir Gottes Wohlwollen nicht verdienen kannst durch noch so viele guten Taten, sondern dass dies alles Geschenk und Gnade ist. Danke!

Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen. Lk 18:11

Durch die Worte: Er stellte sich hin, bezeichnet er seine stolze Seele; denn schon durch das äußere Betragen schien er sehr stolz zu sein. — Er sagt aber: Er betete bei sich, gleichsam nicht bei Gott; weil er durch die Sünde des Stolzes zu sich selbst zurückkehrte. Goldene Perle

Auch wenn´s hier und da schwer fällt, versuche von anderen immer eine gute Meinung zu haben. Widerstehe der Neigung von anderen zu kritisch zu denken oder gar dich selber für etwas besseres zu halten. Wir alle sind gebrechlich und fallen immer wieder auf die Nase. Daher sei sanftmütig und barmherzig in deinem Urteil über die anderen. Du selbst willst doch auch von ihnen in deinen Schwächen getragen und ertragen werden. So tue das selbe mit ihnen. Mit guten Menschen im Frieden leben ist nichts Großes. Mit harten und verkehrten Menschen friedsam leben können, das ist eine große Gnade.

Wir urteilen über den Nächsten bei jeder Gelegenheit mit unerbittlicher Strenge, uns selbst aber richten, das wollen wir niemals. Bekämpfen wir die Ursachen, wie z.B. der Stolz, der meint sich selbst zu bestätigen und zu bewundern, indem er den anderen herabsetzt und sich an ihren Fehlern freut und wie gut man doch selber ist. Diese Selbstgefälligkeit ist so versteckt und getarnt, daß man sie nicht entdeckt, wenn man nicht sehr gute Augen hat. Andere wiederum denken immer nur gut von denen, die sie lieben, und nur schlecht von jenen, die sie nicht mögen. Die Liebe ist das wirksamste Heilmittel gegen das Urteilen. So mußt auch du immer zugunsten des Nächsten urteilen, soweit es nur möglich ist. Hätte eine Handlung hundert Gesichter, so sollst du das schönste ansehen. Wenn wir auch die Sünde nicht entschuldigen können, so wollen wir doch Mitleid haben und sie der noch am ehesten erträglichen Ursache zuschreiben, wie der Unwissenheit oder Schwäche

Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme! Lk 18:12

Das Tun des Pharisäers ist zweifelsfrei gut. Seine Irrweg besteht darin, dass er von seinen guten Taten so geblendet ist, dass er völlig übersieht, wie sehr er Gott gegenüber auf dessen Güte angewiesen bleibt. Er hat zu viel Vertrauen in sich selbst. Um Gott zu erkennen, müssen wir immer wieder neu den Hochmut ablegen, wir hätten alles selbst in der Hand. Wir haben es nicht! Verlaß dich daher nicht auf dich selbst, setze vielmehr dein ganzes Vertrauen auf Gott. Tu, was du tun kannst und Gott wird deinem guten Willen beistehen. Der Pharisäer redet über Äußerlichkeiten, indem er seine Taten auflistet, aber er geht nicht zum Kern, seinem Herzen. Allein danach aber verlangt es Gott in seiner Sehnsucht nach uns. Echtes Gebet ist ein Gespräch von Herz zu Herz.

Durchsuche aber seine Worte, du findest nichts, daß er Gott gebeten hätte. Er ging zwar hinauf zu beten, er wollte aber Gott nicht bitten, sondern nur sich loben und auch den Betenden verhöhnen. Goldene Perle

Der Zöllner stand von ferne, wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust. Lk 18:13

Der Zöllner stand ferne. Das ist ein Zeichen der Demut. Er blieb am Rande der Tempelanlage stehen, weil er wusste, dass er es nicht verdiente, in die Gegenwart Gottes zu kommen. Der Zöllner hatte einen gesenkten Blick, ebenso ein Zeichen der Demut. Und das Gebet des Zöllners war kurz und knackig, dafür aber aufrichtig. Er bittet ehrlich und eindringlich um Gnade. Und diese ehrlichen, demütigen Worte erreichen das Herz Gottes. Versuche von diesem Zöllner zu lernen: begegne Gott stets in Demut. Ich beispielsweise schätze die Geste der Verbeugung oder des Kniens, weil ich mich hier klein mache und die Ehrfurcht vor dem Großen wächst.

Auf den Knien bekommst du die richtige Perspektive, um die Größe Gottes zu sehen. Jan Dobutowitsch

Er stand in der Ferne, aber näherte sich Gott, und Gott betrachtete ihn von der Ferne. Denn der Herr ist erhaben und sieht auf das Niedrige herab. Und er erhob die Augen nicht zum Himmel; um angesehen zu werden, sah er nicht an. Das Gewissen drückte, die Hoffnung erhob; er schlug an seine Brust und legte sich selbst eine Strafe auf. Goldene Perle

O Gott, sei mir Sünder gnädig! Lk 18:13

Der Zöllner wurde gerechtfertigt, dass heißt, er wurde von seiner Schuld befreit. Davor bekannte er, dass er ein Sünder ist. Es ist sehr wichtig, diese erst einmal leer dastehende Erkenntnis „Ich bin ein Sünder“ auch zu füllen. Bei den Katholiken ist das die heilige Beichte, in anderen Konfessionen sieht das anders aus. So oder so ist es aber unumgänglich, dass wir Orte und Wege für uns finden, wo wir in uns gehen und von Zeit zu Zeit Inventur machen, wo wir gesündigt haben. Gott vergibt nicht Schuld im Sinne einer billigen Gnade, also bedingungslos. Bedingung ist, dass wir unsere Sünden erkennen und bekennen.

Ich habe dreissig Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Sündenerkenntnis und Sündenvergebung die Hauptbotschaft des Neuen Testaments ausmacht. Sebastian Moore

Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer. Lk 18:14

Der Zöllner kehrt als Befreiter nach Hause zurück. Wir können trotz und gerade wegen unserer Sünden zu Gott gehen. Aus dieser Begegnung kehren wir als Gerechte zurück. Das größte Hindernis in unserem Leben ist nicht unsere Schwachheit, sondern das Nichtbekennen unserer Schuld. Wie häufig tun wir Dinge, die unsere Beziehung mit Gott und unseren Mitmenschen verletzen. Bitten wir ebenso häufig um die Gnade der Vergebung. Denn das Blut Jesu reinigt von uns von bekannten Sünden. Das Wort „erhöht“ im Folgevers ist in diesem Zusammenhang ein ein Synonym für die Rechtfertigung. Derjenige, der sich selbst erniedrigt, indem er seine Schuld bereut und sich Jesus Christus anvertraut, wird Gerechtigkeit erlangen.

Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Wer aber sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Lk 18:14

Denn wie die Demut durch den eigenen Vorzug das Gewicht der Sünde übertrifft und aufspringend zu Gott gelangt: also stürzt die Hoffart wegen der eigenen Last leicht die Gerechtigkeit hinab.

Wenn du also mehrere gute Werke verrichtest, aber glaubst, dich vermessen zu können, so entbehrst du des ganzen Gebetes oder der Frucht des Gebetes. Wenn du aber in deinem Gewissen eine tausendfache Sündenlast trägst und dieses allein von dir glaubst, daß du der Allerniedrigste bist, so wirst du vor Gott vieles Zutrauen haben.

Lk 18,15-17: Jesus segnet die Kinder

Mt 19,13-15; Mk 10,13-16

Sie brachten aber auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Lk 18:15

Dies ist ein wunderbares Bild für die Fürbitte. In der Fürbitte bringen wir Menschen zu Jesus, damit er sie segnet. In der Fürbitte stelle ich den anderen Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes. Gemeinschaft lebt aus dieser Fürbitte füreinander. Machen wir viel von ihr Gebrauch. Die Fürbitte verändert auch mich. Sie führt mich aus der Egozentrik meiner eigenen Probleme in den befreienden Raum des Dienstes und verändert meine Einstellung zum anderen. Ich finde Zugang zu den Herzen derer, für die ich bete.

Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster

Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Lk 18:16

Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen! Der Vorzug der Kinder besteht darin, dass sie völlig aufs Beschenktwerden angewiesen sind. Das Kind ist in erster Linie Empfangender. Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand. Gott nötig haben in allem. Kindlich Abba sagen können. Immer wieder mit leeren Händen staunend vor Gott kommen und von ihm lernen wollen. Ein Kind kann sich nicht vorstellen, daß Vater und Mutter etwas nicht können. Das soll die Haltung des Glaubens sein unserem Gott gegenüber.

Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird gar nicht hineinkommen! Lk 18:17

Jesus sagt, nicht auch, sondern nur Kindern gehört die Gottesherrschaft. Im Kind gibt es etwas, das einem, der in das Himmelreich kommen will, nie fehlen darf. Der Himmel ist allen zugesagt, die einfältig sind wie die Kinder, allen, die wie sie von vertrauensvoller Hingabe erfüllt, die rein und reich an Güte sind. Sie allein können in Gott einen Vater finden und durch Jesus zu Kindern Gottes werden.

Schlimm wäre es, das Wort des Heilands zu vergessen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so einfach, demütig und fügsam wie sie, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Franz von Sales

Lk 18,18-30: Gespräch mit reichen Mann

Mt 19,16-30; Mk 10,17-31

Er aber sprach: Das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an. Lk 18:21

Der Jüngling lügt. Denn wenn er, was im Gesetze steht: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, im Werke erfüllt hätte, wie hätte er nach den Worten: Gehe hin und verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen, traurig sich entfernen können? Oder man hat zu glauben, er habe nicht gelogen, sondern einfältig bekannt, wie er lebte, nämlich äußerlich.

Etwas fehlt dir noch. Verkaufe alles, was du hast, und verteil das Geld an die Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach! Lk 18:22

Jesus blickt ihn an, und der Mann darf die Erfahrung der Liebe Gottes machen. Er spürt in sich den Drang nach mehr, bringt ihn zum Ausdruck und Jesus fordert ihn zu einer vollkommeneren Hingabe auf. Doch da geht der Mann traurig weg. Er ist jetzt nicht fähig, diesem Ruf zu folgen, sich ganz und gar auf Jesus einzulassen. Der Blick Jesu trifft auch mich, jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens. Er will mir jetzt persönlich begegnen. Er blickt mich an, voller Liebe. Wie reagiere ich auf seinen Blick? Bin ich bereit, mein ganzes Wesen dem Blick Gottes auszusetzen? Wie ist mein Blick auf ihn? Voller Hoffnung, voller Vertrauen? Lasse ich – wie Petrus bei seiner Berufung – alles stehen und liegen und folge ihm nach? Oder bin ich jetzt nicht fähig, ihm zu folgen, lasse mich aber von seinem Blick begleiten, um zu lernen, was ich um seinetwillen loslassen muss? Marita Grötsch

Gering ist, was du gibst; groß, was du empfängst. Denn wir sollen nicht glauben, durch die Verachtung der Welt etwas Großes getan zu haben, weil die ganze Erde im Vergleich zum Himmel sehr kurz ist. Goldene Perle

Gott könnte zwar die Armen ohne uns nähren, ohne daß wir uns ihrer erbarmten; aber er will, daß die Gebenden durch Liebe an die Empfangenden geknüpft werden.

Als der Mann das hörte, wurde er sehr traurig, denn er war überaus reich. Lk 18:23

Loslassen. Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit. Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude. Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht. Todd Belardi

Wer kann dann überhaupt gerettet werden?, fragten ihn seine Zuhörer. Lk 18:26

Er antwortete: Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich. Lk 18:27

Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach ist, die Botschaft Jesu umzusetzen, sich ganz zurückzunehmen, Gott in den Mittelpunkt zu stellen und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Haben wir überhaupt eine Chance? Ja, denn für Gott ist nichts unmöglich. Er schenkt uns seine Gnaden, er befreit uns von unserer Schuld, er tritt für uns ein. Wir haben alle Chancen. Denn er hat uns erlöst! Er hat uns zuerst geliebt und seine Liebe mit seinem Blut bezeugt. Unsere Rettung wirken wir nicht aus eigener Kraft, Gott ist unser Retter. Marita Grötsch

Ich versichere euch: Jeder, der sein Haus, seine Frau, seine Geschwister, seine Eltern oder seine Kinder zurücklässt, um sich für Gottes Reich einzusetzen, 30 der bekommt es hier auf dieser Erde vielfach wieder, und dann in der zukünftigen Welt das ewige Leben. Lk 18:29‭-‬30 ‬‬

Jesus verspricht den Jüngern für ihre Nachfolge das Hundertfache von dem, was sie verlassen haben. Und tatsächlich, am Ende ihres Lebens hatten die Jünger durch die Ausbreitung des Leibes Christi, der Kirche, „hunderte“ von Häusern, „hunderte“ von Äckern und „hunderte“ von geistlichen Kindern. Aber war das alles? Der junge Mann im Evangelium wollte das ewige Leben gewinnen. Darum geht es letztendlich und das verspricht Jesus seinen Jüngern obendrein („und in der kommenden Welt das ewige Leben“). Gott will seine Herrlichkeit und seine Gottheit mit uns teilen! Aber Voraussetzung für das Hundertfache und das ewige Leben ist unsere Entscheidung für die Nachfolge und unser Vertrauen in Gott und seine Verheißung. Die Jünger haben eine Entscheidung getroffen, sie sind Jesus nachgefolgt. Der junge Mann konnte das nicht, er ging traurig weg. Was wollte der Mann wirklich? Was will ich wirklich? Marita Grötsch

Wir werden ihnen also ähnlich sein. Wenn Jemand das Haus verläßt, erlangt er die ewigen Wohnungen. Wenn er den Vater verläßt, wird er den himmlischen Vater erlangen. Wenn er die Brüder verläßt, wird Christus sein Bruder. Wenn er die Gattin verläßt, wird er die himmlische Weisheit finden, von der er geistige Früchte erzeugen wird. Wenn er die Mutter verläßt, findet er das himmlische Jerusalem, welches unsere Mutter ist. Auch erhält er von den Brüdern und Schwestern,l welche mit dem geistigen Leib seines Glaubens verbunden sind, in diesem Leben eine viel herrlichere Liebe. Goldene Perle

Lk 18,31-34: Dritte Leidensankündigung

(Mt 20,17-19; Mk 10,32-34)

Er wird den Heiden ausgeliefert und verspottet und misshandelt und angespuckt werden und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tag wird er wieder auferstehen. Lk 18:32‭-‬33‬‬‬

Jerusalem kommt immer näher. Die Jünger spüren die innere Angespanntheit Jesu. Etwas ist anders als sonst. Jesus weiß, was ihn erwartet. Das Wissen um das bevorstehende Leiden verändert Jesus. Die Jünger und Menschen um ihn herum, die davon nichts wissen, wundern sich. Seine Jünger weist Jesus nochmals auf das hin, was ihm bevorsteht, aber sie verstehen ihn nicht.

Sie verstanden nichts davon und dieses Wort war ihnen zu geheimnisvoll und sie begriffen das Gesagte nicht. Lk 18:34

Mit der Ankündigung seines Leidens weist Jesus auf sein Wesen als leidender und dienender Messias hin. Sein Kreuz zu nehmen und zu tragen in der Nachfolge Christi ist ein beschwerlicher Weg, der immer wieder auch schwer zu begreifen ist. Darin liegt die Tiefe des Glaubens, bei allem Unverständnis bis hin zur Ratlosigkeit bzgl. des eigenen Kreuzwegs mit allem Leiden, das darin steckt (Leiden an sich selbst, Erleiden des anderen, schlimme persönliche Erlebnisse, dunkle Gefühle u.v.m.) immer neu aufzustehen, die Ärmel hoch zu krempeln und bewusst zu bekennen: Jesus Christus, ich vertraue dir! Ich glaube an dich!

Denn weil seine Jünger sein Leben ganz besonders wünschten, konnten sie seinen Tod nicht hören. Und weil sie wußten, daß er nicht nur ein sündloser Mensch, sondern auch Gott sei, so glaubten sie, daß er auf keine Weise sterben könnte. Goldene Perle

Lk 18,35-43: Jesus heilt einen blinden Bettler

Mt 20,29-34; Mk 10,46-52

Es geschah aber, als er sich Jericho näherte, da saß ein Blinder am Weg und bettelte. Lk 18:35

Und er rief und sprach: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich über mich! Lk 18:38

Wer lehrte dir dieses, o Mensch? Hast du wohl, der du kein Augenlicht hast, die Bücher durchlesen? Woher kennst du also das Licht der Welt? Der Herr erleuchtet wahrhaft die Blinden.

Die Leute, die der Menschenmenge vorausliefen, fuhren ihn an, er solle still sein. Aber er schrie nur noch lauter: Du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Lk 18:39

Und die vorübergingen, fuhren ihn an, daß er schweigen sollte. Aber durch solche Hindernisse ließ sich sein Mut nicht abschrecken; denn der Glaube weiß Alles zu bekämpfen und über Alles zu triumphieren. Und für den göttlichen Dienst ist es nützlich, die Schamhaftigkeit abzulegen. Goldene Perle

Jeder Mensch, der die Finsternis kennt, die aus ihm einen Blinden macht, soll aus ganzer Seele schreien: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir. Aber hören wir auch das, was auf die Schreie des Blinden folgt: Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Was sind das für Leute? Sie stellen die Begierden unseres irdischen Daseins dar, die Unruhestifter, die menschlichen Laster und ihr Getümmel, die, weil sie das Kommen Jesu in uns verhindern wollen, unser Denken durcheinanderbringen, indem sie Versuchung säen und die Stimme unseres Herzens beim Gebet übertönen. Es geschieht nämlich oft, dass unser Vorsatz, uns Gott wieder neu zuzuwenden […], unser Bemühen, unsere Sünden durch Gebet abzuweisen, durch Bild und Eindruck der Begierden verhindert wird: Im Kontakt mit ihnen lässt die Wachsamkeit unseres Geistes nach. Sie stiften Verwirrung in unserem Herzen und ersticken den Schrei unseres Gebets. Was hat dieser Blinde also getan, um trotz der Hindernisse sein Augenlicht wiederzuerlangen?  Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Ja, je mehr der Tumult unserer Begierden uns bedrängt, umso inständiger müssen wir beten. Je lauter die Stimme unseres Herzens übertönt wird, umso energischer muss diese dagegenhalten, bis sie den Lärm der auf sie einstürmenden Gedanken übertönt und an das treue Ohr des Herrn dringt. Jeder, so meine ich, wird sich in folgender Situation wiedererkennen: In dem Augenblick, da wir uns bemühen, unser Herz von dieser Welt abzuwenden, um es zu Gott zurückzubringen, belästigen uns bereits viele Eindringlinge, die wir bekämpfen müssen. Ein ganzer Schwarm ist es, den die Sehnsucht nach Gott nur schwer aus den Augen unseres Herzens verscheuchen kann. Beten wir aber energisch weiter, dann halten wir mit unserem Geist den vorübergehenden Jesus an. Das Evangelium berichtet ja: Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Cyrill von Jerusalem

Da blieb Jesus stehen und befahl, dass er zu ihm gebracht werde. Lk 18:40

Jesus aber blieb stehen. Darby kommentiert mit großem Einblick: Josua bat einst die Sonne, am Himmel stillzustehen, doch hier steht auf Bitten eines blinden Bettlers der Herr der Sonne, des Mondes und des Himmels still. Auf den Befehl Jesu hin wurde der Bettler zu ihm gebracht. Jesus fragte ihn, was er wolle. Ohne Zögern und umständliche Umschreibung wiederholte der Bettler seine Bitte, dass er wieder sehend werde. Sein Gebet war kurz, eindeutig und glaubensvoll. MacDonald

Was soll ich für dich tun? Herr, flehte ihn der Blinde an, ich möchte sehen können! Lk 18:41

Tritt jeden Tag vor den Herrn hin und sage Ihm langsam und mit der ganzen Inbrunst deines Herzens die Worte, die – wie das Evangelium uns berichtet – der arme Blinde zu Ihm sprach: „Domine, ut videam!“ – Herr, ich möchte wieder sehen können! Laß mich sehen, was Du von mir erwartest, und dann alles daransetzen, Dir treu zu sein! Josemaria

Darum aber fragt er, was er wolle, um das Herz zum Gebet aufzufordern. Denn er will, daß wir um das bitten, wovon er vorhersieht, daß wir darum bitten und er es gewähre. Der Blinde bittet aber den Herrn nicht um Geld, sondern um das Licht. Auch wir sollen nicht falschen Reichtum, sondern das Licht begehren, das wir mit den Engeln allein sehen können. Zu diesem Lichte führt der Glaube. Daher wird mit Recht zum Blinden gesagt: Blicke auf, dein Glaube hat dir geholfen. Er sieht, und folgt nach, weil er das Gute, welches er erkannte, tut.

Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet. Lk 18:42

Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott; und das ganze Volk, das dies sah, lobte Gott. Lk 18:43

Daraus erhellt daß er von einer doppelten Blindheit befreit wurde, nämlich von der körperlichen und geistigen. Denn er hätte ihn nicht als Gott verherrlicht, wenn er nicht wahrhaft gesehen hätte. Aber auch für Andere wurde er die Veranlassung zur Verherrlichung Gottes. Goldene Perle