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Lukas Evangelium Kapitel 13

Lk 13,1-8: Jesus fordert zur Buße auf

Es waren aber zur selben Zeit etliche eingetroffen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Lk 13:1

Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben?Lk 13:2

Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen! Lk 13:3

Jesus stellt an dieser Stelle das Muster von Tun und Ergehen nicht in Frage, aber äußert einen Zweifel an der Gradlinigkeit solchen Denkens. Wenn einige Galiläer leiden mussten und das im Tun-Ergehen-Denken auf ein falsches Verhalten ihrerseits schließen lässt. Kann man andersherum sagen, dass diejenigen, denen nichts geschehen ist, ohne Sünde sind? Jesu Antwort ist klar: Nein, das kann man eben nicht daraus schließen. Und Jesus geht in seiner Antwort noch weiter. Er weist darauf hin, dass die Zuhörer selbst auch umkommen, wenn sie ihr Leben nicht neu ausrichten. Die Rede von der Umkehr erinnert dabei an die Anfangsverkündigung des Täufers in Lk 3,3 und an das Wirken und Wort Jesu. Kristell Köhler

Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen! Lk 13:3

Unter Buße versteht man jene Reue, durch welche man die begangenen Sünden verwirft und verabscheut und sich zugleich vornimmt, das Unrecht wieder gut zu machen. Die vollkommene Buße hat zwei verschiedene Wirkungen: Kraft ihres Reueschmerzes und ihres Abscheues vor der Sünde trennt sie uns von der Sünde und Kraft des Liebesmotives versöhnt und vereinigt sie uns mit unserem Gott, von dem wir uns durch Mißachtung seiner Gebote getrennt hatten. Insofern sie uns daher als Reue von der Sünde entfernt, insofern vereinigt sie uns mit Gott. Der Antrieb zur Vereinigung in der Liebe wurzelt im Wohlgefallen, während der Antrieb zur Vereinigung in der Buße im Mißfallen wurzelt.

Der Büßer trauere immerzu, aber er erfreue sich immer seiner Traurigkeit. Augustinus

Und er sagte dieses Gleichnis: Es hatte jemand einen Feigenbaum, der war in seinem Weinberg gepflanzt; und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. Lk 13:6

Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Haue ihn ab! Warum macht er das Land unnütz? Lk 13:7

Er aber antwortet und spricht zu ihm: Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn gegraben und Dünger gelegt habe, ob er vielleicht doch noch Frucht bringt — wenn nicht, so haue ihn danach ab! Lk 13:8-9

Keine einzige Frucht. Das ist bitter. Das ist enttäuschend. Der Baum ist ein hoffnungsloser Fall. Doch der tödliche Schlag findet nicht statt. Hau ihn um, wird zwar gesagt, aber nicht getan. Wie kommt’s?Da ist der Weingärtner. Der macht sich für den Feigenbaum stark. Er kämpft für ihn. Obwohl der schon seit drei Jahren nichts bringt und nur den Boden auslaugt, legt er Fürsprache für ihn ein. Ganz persönlich will er sich noch einmal um den Baum mühen, sich einsetzen, ihm viel Gutes zukommen lassen, damit er vielleicht doch noch die gesuchten Früchte bringt. Mir ist, als sei der Gärtner in den Baum verliebt. Sein Herz hängt an ihm. Pius Kirchgessner

Im Weinbergsgärtner dürfen wir Jesus selbst erkennen. Jesus zeichnet in diesem Gleichnis sozusagen ein Selbstportrait. Mir sagt das: Jesus hat Hoffnung für mich, auch wenn meine Früchtebilanz alles andere als berauschend ist. Jesus hat Hoffnung für mich, auch wenn ich mich manchmal so wenig umkehrbereit und veränderungsfähig erlebe. Jesus  schreibt mich nicht ab. Er gibt mich nicht auf. Er ist der, der das geknickte Rohr nicht bricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht. Er ist der Heiland der Armen, der Freund der Sünder. Er tritt bei Gott für uns ein. Pius Kirchgessner

Lk 13,10-17: Jesus heilt verkrüppelte Frau

Da war eine Frau, die seit 18 Jahren einen Geist der Krankheit hatte, und sie war verkrümmt und konnte sich gar nicht aufrichten. Lk 13:11

Sie war aber gebeugt und konnte nicht emporschauen, weil sie umsonst den Ruf hörte: Erhebt eure Herzen. Denn jeder Sünder, welcher an das Irdische denkt und das Himmlische nicht sucht, vermag nicht emporzublicken, weil er, wenn er seinen niedrigen Begierden folgt, von der Geradheit seines Zustandes oder seiner Seele gekrümmt wird. Goldene Kette

Als nun Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, du bist erlöst von deiner Krankheit! Lk 13:12

Ein Gott ganz geziemendes Wort, voll von himmlischer Majestät; denn er vertreibt die Krankheit durch ein Herrschergebot. Goldene Kette

Und er legte ihr die Hände auf, und sie wurde sogleich wieder gerade und pries Gott. Lk 13:13

Lukas erzählt in der Heilung der gekrümmten Frau vier Bedingungen, dass der andere sich aufrichten kann:

Wir sehen ihn an und schenken ihm Ansehen.

Wir sprechen ihn an, wir sprechen mit ihm auf gleicher Augenhöhe, anstatt auf ihn einzureden.

Wir sprechen ihm etwas zu, was wir an Gutem in ihm sehen.

Wir berühren ihn, damit er mit sich selbst in Berührung kommt. Wir berühren nicht nur mit den Händen. Wir können den andern auch durch Worte berühren, so dass er mit der eigenen Kraft in Berührung kommt.

Lk 13,18-21: Über das Königreich Gottes

Da sprach er: Wem ist das Reich Gottes gleich, und womit soll ich es vergleichen? Lk 13:18

Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf. Und es wuchs und wurde zu einem großen Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. Lk 13:19

Hier liegt der Gedanke zugrunde, dass das Christentum einen bescheidenen Anfang nahm, so klein wie ein Senfkorn. Doch als es wuchs, wurde das Christentum überall bekannt, und die Christenheit, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich. MacDonald

Das Senfkorn ist eine geringe und unbedeutende Sache; wenn es gerieben wird, verbreitet es seine Kraft. Auch der Glaube scheint zuerst einfältig; aber wenn er durch Widerwärtigkeiten zerrieben wird, gießt er die Gnade seiner Kraft aus. Goldene Kette

Auch ist der Herr selbst das Senfkorn. Er wollte zerrieben werden, daß wir sagten (2. Kor. 2): Christi Wohlgeruch sind wir. Er wollte wie ein Senfkorn ausgestreut werden, das ein Mensch nahm und in seinen Garten säte. Denn im Garten wurde Christus gefangen und begraben, wo er auch auferstand und ein Baum wurde. Goldene Kette

Der Mensch ist aber Christus, der Garten die Kirche, welche nach seiner Lehre angebaut werden soll. Es wuchs aber die Predigt des Evangeliums, welches über den ganzen Erdkreis ausgesät wurde. Es wächst auch in der Seele eines jeden Gläubigen, weil Niemand plötzlich vollkommen wird. Goldene Kette

Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und heimlich in drei Scheffel Mehl hineinmischte, bis das Ganze durchsäuert war. Lk 13:21

Das Mehl dieser Frau aber sind wir, welche den Herrn Jesus in das Innere unserer Seele verbergen, bis die Wärme der himmlischen Weisheit unsere geheimen Gemächer durchdringt. Goldene Kette

Die Seele und ihre Fähigkeiten werden also von diesem göttlichen Leben eingehüllt und durchdrungen. In der Tat ist das geistliche Leben ja nichts anderes als das erobernde Fortschreiten des göttlichen Lebens durch immer tieferes Eindringen. Die Gnade ist wirklich jener Sauerteig, den eine Frau unter drei Sea Mehl mischte. Das einzige Ziel dieser Verwandlung ist, uns noch mehr mit Gott zu vereinen. Vereinigung und Umwandlung gehen Hand in Hand. Und genau dies ist die wesentliche Eigenschaft der Liebe; und diese Gnade ist Liebe, wie Gott Liebe ist. Sel. Maria-Eugen vom Kinde Jesus

Lk 13,22-30: Über Hineinkommen ins Reich

Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen! Denn viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und es nicht können. Lk 13:24

Bemühet euch. Denn wenn die Anstrengung der Seele nicht groß wird, wird die Woge der Welt nicht besiegt, wodurch die Seele immer abwärts gezogen wird. Goldene Perle

Sehe ich Jesus Christus vorangehen, Schritt für Schritt, sehe ich allein auf ihn und folge ihm, Schritt für Schritt, so werde ich bewahrt. Jesus selbst ist der schmale Weg und das enge Tor. Es geht nicht um ein großes religiöses Regelwerk, sondern um die intime Eins-zu-Eins-Beziehung zu Christus, durch die ich nur hineintreten kann, wenn ich alles zurück lasse, was mich an diese Welt bindet (Stolz, Geld, Egoismus etc.). Aus dieser Gefangenschaft des eigenen Ichs hat uns der Herr befreit.

Wenn einmal der Hausherr aufgestanden ist und die Türe verschlossen hat, dann werdet ihr anfangen, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, Herr, tue uns auf! Dann wird er antworten und zu euch sagen: Ich weiß nicht, woher ihr seid! Lk 13:25

Es ist aber der Hausvater Christus, welcher zwar seiner Gottheit nach überall ist, aber doch in denen wohnt, welche er im gegenwärtigen Himmel durch seine Anschauung erfreut. Goldene Perle

Lk 13,31-35: Jesus trauert über Jerusalem

An demselben Tag traten etliche Pharisäer hinzu und sagten zu ihm: Gehe fort und reise ab von hier; denn Herodes will dich töten! Lk 13:31

Jesus begegnet auf seiner Reise nach Jerusalem Widerstand. Pharisäer kommen, um ihn vor Herodes zu warnen. Jesus lässt sich nicht verunsichern. Er weiß, dass der Wille des Vaters für ihn darin besteht, nach Jerusalem zu gehen und sein Leben am Kreuz hinzugeben. Er versteckt sich nicht oder versucht, dem Willen des Vaters zu entkommen. Er weiß, dass das Kreuz vor ihm liegt, aber er weiß auch, dass der Tod und das Kreuz nicht das Ende sind. Jenseits des Todes ist die Auferstehung: „Am dritten Tag werde ich mein Werk vollenden.“ Christi Beispiel sollte uns Zuversicht geben, mitten in unseren eigenen Schwierigkeiten und Kämpfen vorwärts zu schreiten. Wir sollten uns ihm zuwenden, weil er weiß, wie man in der Sendung standhaft bleibt. Und weil er in unser Leben mit einbezogen werden möchte, wird er uns auf unserem Weg begleiten. Er ist immer bei uns, bereit, uns mit seiner Gnade und der Stärke seiner Hand zu helfen. James Swanson

Er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag bin ich am Ziel. Lk 13:32

Doch muss ich heute und morgen und übermorgen reisen; denn es geht nicht an, dass ein Prophet außerhalb von Jerusalem umkommt. Lk 13:33

Ich muß, so drückt er keine ihn treffende Notwendigkeit aus, sondern daß er vielmehr aus freiem Antriebe dahinginge, wohin er wollte, bis er am ehrwürdigen Kreuze das Ende nähme. Christus zeigt, daß die Zeit dazu schon nahe, indem er sagte: Heute und morgen. Goldene Perle

Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind; wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Lk 13:34

Die Verdoppelung des Wortes drückt den großen Schmerzt), oder die große Liebe aus; denn der Herr z redet zu ihr wie zu einer Geliebten, welche auf den Liebenden nicht achtet. Aber die Verdoppelung des Namens drückt auch den starken Tadel aus; denn da es Gott kennt, wie verfolgt es die Diener Gottes? Goldene Perle