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Lukas – Auslegungen Kap. 11

Lk 11,1-4: Das Vater-unser Gebet

Und es begab sich, dass er an einem Ort im Gebet war; und als er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! Lk 11:1

Nach der Geschichte der Schwestern, welche das zweifache Leben der Kirche bezeichnen, heißt es nicht ohne Grund, der Herr habe gebetet und den Jüngern zu beten gelehrt, weil sowohl das Gebet, welches er lehrte, das Geheimnis des doppelten Lebens in sich schließt, als auch die Vollkommenheit des zweifachen Lebens nicht mit unseren Kräften, sondern durch das Gebet zu erlangen ist. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Lk 11,2

Der Anfang von allem Guten aber ist es, den Namen Gottes in unserem Leben zu verherrlichen. Möchte ich doch durch deine Hilfe gerecht werden und mich von jeglichem Übel enthalten. Wie Jemand bei dem Anblick der Schönheit des Himmels ausruft: Ehre sei dir Gott, ebenso ruft er aus, wenn er die Tugend eines Menschen sieht, weil die Tugend des Menschen viel mehr als der Himmel Gott verherrlicht. Verleihe uns, O Gott, dem himmlischen Wandel nachzufolgen, damit wir das, was du willst, auch wollen. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Jesus selbst spricht häufig vom Vater. Wenn wir am Anfang des Gebetes „Vater“ sagen, so nimmt uns Jesus mit hinein in diese zärtliche Gottesbeziehung von seinem und unserem Vater. Wir sprechen diese Worte mit Jesus. Als seine Kinder sind wir in Beziehung zu unserem Vater und er erweist uns seine Liebe. Gott ist der Gott aller Menschen. Indem ich „Vater unser“ bete, bin ich immer schon auf meine Mitmenschen verwiesen, ja auch derjenigen Menschen, mit denen wir so unsere Probleme haben. Und dieses „Vater unser“ fordert von mir die Liebe.

Alle Geschöpfe sind Kinder des einen Vaters und daher Brüder. Franz von Assisi

Nicht ohne Grund sprechen wir das „Vater unser“ in Wir-Form. Augustinus hat einmal gesagt: „Ob sie wollen oder nicht, sie sind unsere Brüder. Sie hören erst auf, unsere Brüder zu sein, wenn sie aufhören zu sprechen: Vater unser.“ Wir haben den einen Vater, der uns liebt, ja der die Liebe selbst ist. „Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh 4:16). Dieser Vater und seine Liebe sind unteilbar, egal wie viel Kirchen es gibt. Und so sind wir alle Geschwister als Kinder Gottes. Lasst uns bei allen Unterschieden nie vergessen. Wir haben alle einen Vater im Himmel, unteilbar in seinem Sein, unteilbar in der Liebe. Ich wünsche dir einen gesegneten Tag als Kind Gottes.

Nach dem Anruf folgt nun die erste Bitte. Gottes Name soll geheiligt werde. Auch hier folgen wir Jesus nach, der die Herrlichkeit des Vaters offenbart hat. Jesus verweist uns auf einen Gott, der einen Namen hat und der damit Person ist. Wir dürfen Gott begegnen, der uns als Du gegenübertritt und mit dem wir eine Beziehung eingehen können. Gott in seiner Person soll für uns offenbar werden. In dieser Gottesbeziehung finden wir zu uns selbst und auch den Nächsten.

Der Mensch wird am Du zum Ich. Buber

Dein Reich komme! Lk 11:2

Jesus hat uns das Kommen des Reiches Gottes verkündigt. Wo dieses Reich Gottes kommt, da geschieht Heilung. Eigentlich ist es nicht notwendig, um das Kommen seines Reiches zu bitten, denn das Reich Gottes wird kommen, ob wir wollen oder nicht. Die Bitte dient vielmehr dazu, in uns die Sehnsucht zu wecken nach der mystischen Erfahrung des Reiches Gottes, das in uns ist. Wir beten dass das Reich Gottes uns seelisch durchdringt und sich dadurch auch auf den Umgang mit unserem Nächsten auswirkt. Wir sind das Salz und das Licht der Erde, berufen Gottes Reich in Wort und Tat zu verkündigen. In der Bitte um das Reich Gottes bitten wir darum, dass wir dieser Sendung auch gerecht werden können.

Durch diese Bitte aber erwecken wir unsere Sehnsucht nach diesem Reich, damit es zu uns komme und damit wir es verdienen, in diesem Reich mitzuherrschen. Augustinus

Gib uns täglich unser nötiges Brot! Lk 11:3

Empfange täglich, was dir täglich nützen kann. Lebe so, daß du es täglich zu empfangen verdienest. Der Tod des Herrn und die Nachlassung der Sünden wird bezeichnet; wer eine Wunde hat, sucht eine Arznei. Es ist eine Wunde, da wir unter der Sünde sind; eine Arznei ist das himmlische und anbetungswürdige Sakrament. Wenn du es täglich genießt, hast du täglich Heute, steht dir Christus täglich auf. Denn heute ist, wann Christus aussteht. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist! Lk 11:4

Im Vaterunser bekennen wir unseren Willen zu vergeben. Es ist oft schwer, weil Verletzungen tief sein können, aber Gott sieht unser Bemühen. Wenn wir es dann doch schaffen, von Herzen zu vergeben, dann befreit uns das von viel negativer Energie. Vergebung reinigt. Das Vaterunser erinnert uns auch daran, dass wir immer wieder selbst schuldig werden und auf Vergebung angewiesen sind.

Führe uns nicht in Versuchung. Lk 11:4

Gott selbst versucht uns nicht. In diesen Worten bitten wir, dass uns Gott beisteht, damit wir in der Versuchung standfest bleiben. Auch hier folgen wir Jesus, der ebenso mit der Versuchung zu kämpfen hatte. Weil Jesus selbst versucht worden ist, kann er uns in unserer Versuchung beistehen. So erfahren wir gerade in der Versuchung eine besondere Nähe zu Jesus. Er versteht uns und er hilft uns, damit wir der Versuchung nicht erliegen.

Da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er auch denen helfen, die in Versuchung geführt werden. Hebr 2,18

Erlöse uns von dem Bösen! Lk 11:4

Das Böse begegnet uns in unserer Welt, aber ebenso in unserem Innern. Wir kennen es doch alle immer wieder: böse Gedanken, in die Irre führende Begegnungen, sinnlose Leiden, Drangsale, böse Menschen und der böse Trieb. Es als gegeben hinnehmen? So bin ich halt! Nein! Unser Leben ist immer auch geistlicher Kampf. Unterwerfen wir daher nach besten Kräften unseren freien Willen der ewig der himmlischen Liebe auf. Franz von Sales schreibt: Nie hat mein Wille soviel Leben als im Augenblick, wo er sich selbst stirbt, und nie ist mein Wille so tot, als wenn er für sich selbst lebt. Machen wir uns zu Sklaven der Liebe.

Wer ist gemeint mit „Erlöse uns von dem Bösen“? Mit „dem Bösen“ im Vaterunser ist nicht eine negative geistige Kraft oder Energie gemeint, sondern der Böse in Person, den die Heilige Schrift unter den Namen Versucher, Vater der Lüge, Satan oder Teufel kennt. Niemand wird leugnen, dass das Böse in der Welt von verheerender Gewalt ist, dass wir von teuflischen Einflüsterungen umgeben sind, dass in der Geschichte oft dämonische Prozesse ablaufen. Nur die Heilige Schrift nennt die Dinge beim Namen: „Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt“ (Eph 6,12). Die Vaterunser-Bitte, vom Bösen erlöst zu werden, trägt das ganze Elend dieser Welt vor Gott und fleht darum, dass Gott, der Allmächtige, uns von allen Übeln befreit, wie es auch im Embolismus zum Ausdruck kommt

Lk 11,5-13: Beharrlich beten

Dann sagte Jesus zu den Jüngern: Stellt euch vor, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet ihn: Leih mir doch bitte drei Brote. Lk 11:5

Dieser Freund ist Gott, welcher Alle liebt und Alle selig machen will. Wer ist auch gegen uns ein größerer Freund, als der, welcher für uns seinen Leib hingab? Es wird uns aber hier ein anderes Gebot gegeben, daß man alle Augenblicke, nicht nur am Tage, sondern auch zur Nacht, beten soll.

Der Freund, zu dem er mitten in der Nacht kommt, damit er ihm drei Brote leihe, wird zum Gleichnis genommen, wonach Jemand Gott mitten in der Trübsal bittet, daß er ihm die Erkenntnis der Dreieinigkeit verleihen wolle, wodurch er sich in den Mühen dieses Lebens trösten könnte. Denn die Drangsal ist die Mitternacht selbst, welche ihn inständig um die drei Brote zu bitten zwingt. In den drei Broten liegt auch die Eine Wesenheit der Dreieinigkeit.

Wenn du aber die drei Brote, d.h. das Verständnis der Dreieinigkeit, erlangst, so hast du genug zu leben und zu genießen. Fürchte nicht, damit zu Ende zu kommen. Denn jenes Brot geht nicht zu Ende, sondern macht deinem Bedürfnis ein Ende. Lerne und lehre; lebe und genieße. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Jener würde von innen antworten und sagen: Mache mir keine Mühe! Die Türe ist schon verschlossen, und meine Kinder sind bei mir in der Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben! Lk 11:7

Wer zu geben verschiebt, will, dass du desto mehr um das Verschobene bittest, auf daß das schnell Gegebene nicht nichtig werde. Denn was Jemand mit großer Anstrengung sich verschafft, sucht er zu bewahren, um nicht mit dessen Verluste umsonst gearbeitet zu haben. Er nimmt also die Freiheit, zu bitten, nicht, sondern entzündet noch eifriger das Verlangen, zu beten, da er die Schwierigkeit der Erlangung zeigte. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan! Lk 11:9

Diese Aufforderung steht direkt nach dem Vater unser. Bittet, sucht und klopft! Empfehlt euch jeden Morgen Gott an. Sprecht mit ihm, wie mit einem Freund und dennoch mit großer Ehrfurcht. Gott wird uns nicht abweisen. Er gibt uns, was wir zum Leben und zur Liebe brauchen. Gott ist unser guter Vater. Er weiß, was uns guttut. Erheben wir möglichst häufig daher unser Herz zu Gott

Ein gutes Mittel, uns in Herzenserhebungen zu üben, besteht darin, das Vaterunser nacheinander herzunehmen, indem man für jeden Tag einen Satz wählt. Franz von Sales

Die griechische Zeitform bezeichnet ein beständiges, wiederholtes Bitten. Wir sollten nicht sparsam sein mit unseren Bitten. Bitte voll kindlichem Vertrauen, verbunden mit dem vorweggenommenen Dank und mit dem Zusatz „Dein Wille geschehe“, selbst wenn dieser nicht immer verstehbar für dich ist. Weiter: es geht beim Bitten nicht um viele Worte, sondern um die Echtheit des Herzens. Deshalb sei dein Gebet kurz und rein. „Beim Gebet ist es besser, ein Herz ohne Worte als Worte ohne Herz zu haben.“ (Bunyan). Außerdem: überlasse es Gott, auf welche Weise er dir helfen wird: „Der geistliche Mensch beschränkt sich darauf, dem Geliebten seine Not und Qual vorzustellen, denn wer besonnen liebt, wird nur auf seine Bedürftigkeit hinweisen, anstatt das Gewünschte zu erbitten. So bleibt die Art und Weise der Abhilfe dem Geliebten überlassen.“ (Johannes vom Kreuz). Ich bin mir bewusst, dass es Lebenssituationen gibt, wo dies dir schwer fällt und wo wir leiden darüber, dass Gott „scheinbar“ nicht hilft, Bitten nicht erhört werden. Dies geht einher mit einer Glaubensprüfung und bisweilen einem Leiden an der Unbegreiflichkeit Gottes.

Wenn er sagt: Ich sage euch, so hat dieses die Kraft eines Eidschwures; denn Gott lügt nicht. So oft er aber seinen Zuhörern etwas mit einem Eid bekräftigt, zeigt er, daß wir wegen des geringen Glaubens ohne Entschuldigung seien.

Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum bitten! Lk 11:13

Wenn es aber weiter heißt: Um wie viel mehr wird euer Vater vom Himmel den guten Geist denen geben, die ihn darum bitten? so zeigt er, daß der Heilige Geist die Fülle der Gaben Gottes sei, weil aller Nutzen, welcher von der Gnade der Gaben Gottes hervorgeht, von die dieser Quelle herfließt. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

O Wunder! O allen unbekanntes Geheimnis, unbekannt denen, die sich nicht um ein reines Herz bemüht haben, unbekannt denen, die nicht mit glühendem Herzen darum bitten, den göttlichen Geist zu empfangen, unbekannt denen, die nicht glauben, dass Gott auch jetzt noch denen den Heiligen Geist gewährt, die ihn suchen. Denn der Unglaube verdrängt und verscheucht den göttlichen Geist: Wer nicht glaubt, der bittet nicht; und wer nicht bittet, der empfängt auch nicht […] [Der Meister aller himmlischen und irdischen Wesen] hat uns den göttlichen Geist geschenkt, […] und dieser Geist, der Gott ist, gibt uns alle Güter. Symeon der Neue Theologe

Lk 11,14-26: Jesus Antwort auf Anklagen

Und er trieb einen Dämon aus, und der war stumm. Es geschah aber, nachdem der Dämon ausgefahren war, redete der Stumme. Und die Volksmenge verwunderte sich. Lk 11:14

Stumm oder taub nennt er den Teufel, welcher dieses Leiden verhängt, daß man das göttliche Wort nicht vernimmt. Denn die Teufel nehmen die Neigung des menschlichen Willens hinweg und verstopfen das Gehör unserer Seele. Daher kam Christus, um sowohl den Teufel zu vertreiben, als auch um uns das Gehör für das Wort der Wahrheit zu öffnen. Denn Einen heilte er, um ein allgemeines Vorbild von der menschlichen Erlösung zu schaffen. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Aber etliche von ihnen sprachen: Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus! Lk 11:15

Er aber, da er ihre Gedanken kannte, sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und ein Haus, das gegen sich selbst ist, fällt. Lk 11:17

Er antwortet nicht auf Wortes, sondern auf Gedanken, damit sie doch so angetrieben würden, an die Macht dessen zu glauben, welcher in das Innere des Herzens sah.

Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen! Lk 11:20

Der Heilige Geist heißt Finger Gottes, während der Sohn Hand und Arm des Vaters heißt. Denn der Vater wirkt Alles durch ihn. Wie also der Finger von der Hand nicht getrennt, sondern der Natur nach mit ihm verbunden ist, so ist der Heilige Geist wesentlich mit dem Sohn verbunden, und der Sohn wirkt Alles durch ihn.

Er sagt aber: Zu euch, um sie an sich zu ziehen, gleich als wollte er sagen: Wenn zu euch die Wohltaten kommen, warum verwerft ihr eure Wohltaten? — Auch zeigt er, daß die Macht des Heiligen Geistes eine königliche ist, worin das Reich Gottes ist, und daß auch wir, in welchen der Geist wohnt, ein königliches Haus seien. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Lk 11,27-28: Gottes Wort hörend bewahren

Es geschah aber, als er dies redete, da erhob eine Frau aus der Volksmenge die Stimme und sprach zu ihm: Glückselig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast! Lk 11:27

Er aber sprach: Glückselig sind vielmehr die, die Gottes Wort hören und es bewahren! Lk 11:28

Aber nicht nur Jene, welche das Wort Gottes körperlich zu gebären verdiente, sondern auch Alle, welche dasselbe Wort auf geistige Weise durch das Anhören des Glaubens zu empfangen und die Übung des guten Werkes entweder in dem eigenen oder in dem fremden Herzen zu gebären und gleichsam zu ernähren pflegen, nennt er selig.

Durch diese Antwort verschmähte er nicht die Mutter, sondern zeigte, daß ihr die Geburt nichts genützt hätte, wenn sie nicht sehr gut und gläubig gewesen wäre. Wenn übrigens Maria es nichts nützte, ohne die Tugenden der Seele, daß Christus von ihr geboren wurde, so kann es umso weniger uns etwas nützen, wenn wir einen tugendhaften Vater, oder eine tugendhafte Mutter, oder einen tugendhaften Sohn haben, aber seine Tugend nicht besitzen. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Lk 11, 29-32: Jesus warnt vor Unglauben

Als aber die Volksmenge sich haufenweise herzudrängte, fing er an zu sagen: Dies ist ein böses Geschlecht! Es fordert ein Zeichen; aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona. Lk 11:29

Das Zeichen ist eine deutliche Sache, welche etwas Verborgenes offenbar macht, wie das Zeichen des Jona Christi Hinabsteigen zur Unterwelt und Wiederkehr, so wie die Auferstehung von den Toten darstellt. Er gibt ihnen ein Zeichen nicht vom Himmel, weil sie eines solchen unwürdig waren, sondern von der Tiefe, nämlich das Zeichen der Menschwerdung, nicht der Gottheit, des Leidens, nicht der Verherrlichung. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Lk 11,33-36: Jesus spricht über das Licht

Niemand zündet eine Öllampe an und versteckt sie dann oder stellt sie unter einen Eimer. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, so dass jeder, der hereinkommt, das Licht sieht. Lk 11:33

Gott ist derjenige, der die Lampe angezündet hat. In der Person und dem Werk des Herrn Jesus gab Gott uns ein helles Licht zur Erleuchtung der Welt. Wenn jemand dieses Licht nicht sieht, ist das nicht Gottes Schuld.

Durch die Augen fällt das Licht in deinen Körper. Wenn sie klar sehen, bist du ganz und gar vom Licht erfüllt. Wenn sie aber getrübt sind, ist es dunkel in dir. Lk 11:34

Wenn ein Mensch ehrlich erkennen will, ob Jesus der Christus Gottes ist, dann wird Gott es ihm offenbaren. Doch wenn seine Beweggründe unecht sind, wenn er an seiner Habgier festhalten will, wenn er immer noch vor dem Gerede der anderen Angst hat, dann ist er gegen über dem wahren Wert des Heilands verblen- det.Der Mensch dagegen dessen Motive rein sind und der sein ganzes Wesen Jesus als dem Licht der Welt öffnet, wird mit geistlicher Erleuchtung durchflutet. Sein Inneres wird von Christus erleuchtet, so wie der Leib erleuchtet wird, wenn er direkt im Lichtstrahl einer Lampe sitzt. MacDonald

Deshalb achte darauf, dass das Licht in deinem Innern nicht erlischt! Lk 11:35

Wenn du es einlässt und keine Finsternis in dir ist, dann lebst du im Licht – so als würdest du von einer hellen Lampe angestrahlt. Lk 11:36

Lk 11,37-54: Jesus kritisiert die Juden

Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, dass er sich vor dem Mittagsmahl nicht gewaschen hatte. Lk 11:38

Da sprach der Herr zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit. Lk 11:39

Gebt nur von dem, was darin ist, Almosen, siehe, so ist euch alles rein! Lk 11:41

Gebt das, was in euren Bechern und Schüsseln ist, den Armen, dann seid ihr auch vor Gott rein! Lk 11:41

Du siehst, welch ein Heilmittel! Es reinigt uns die Barmherzigkeit. Der Barmherzige ermahnt zur Barmherzigkeit, und weil er die, welche er um einen großen Preis loskaufte, erhalten will, lehrt er, daß die nach der Taufe Wiederbefleckten wieder gereinigt werden können. Er sagt aber: Gebet Almosen, nicht: Ungerechtigkeit; denn das Almosen ist von jeder Ungerechtigkeit frei. Dieses macht Alles rein und ist vorzüglicher als Fasten. Denn wie ein Arzt, welcher häufig Verwundete heilt, leicht mit den Schwachheiten der Nächsten Mitleiden hat: so werden auch wir, wenn wir den Armen zu Hilfe kommen, leicht das Gegenwärtige verachten und uns zum Himmel erheben. Nicht schwer ist also das Heilmittel der Barmherzigkeit, da man sie für alle Wunden brauchen kann. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Die Liebe deckt viele Sünden zu. Damit wiederholt der heilige Petrus die Worte Christi: Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein. Das Gebot der Liebe ist das wichtigste aller Gebote des Herrn. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten ist zugleich die Quelle und der Höhepunkt des Gesetzes des Alten und des Neuen Bundes. Ein Leben nach diesen beiden wichtigsten Geboten reinigt unsere Herzen und hält sie sauber – die Innenseite des Bechers. Wenn also Christus sagt, lieber Almosen zu geben, dann fordert er damit die Pharisäer auf, ihre Nächsten zu lieben. Dann werden ihre Herzen rein sein. Daniel Ray

Aber wehe euch Pharisäern, dass ihr die Minze und die Raute und alles Gemüse verzehntet und das Recht und die Liebe Gottes umgeht! Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen. Lk 11:42

Jene zogen von allen ihren Früchten den zehnten Teil ab, und gaben Almosen, was nicht leicht ein Christ tut. Sie verspotteten ihn also, da er zu ihnen dieses sagte als zu Menschen, die gleichsam nicht Almosen gäben.  Da er als Gott dieses wußte, setzte er hinzu: Doch wehe euch Pharisäern, weil ihr die Krausemünze, die Weinraute und jegliches Gemüse verzehntet, aber die Gerechtigkeit und die Liebe Gottes übertretet. Dieses heißt also nicht Almosen geben; denn Almosen geben, heißt Barmherzigkeit üben. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Wehe euch Pharisäern, dass ihr den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten liebt! Lk 11:43

Er will, daß wir die Eitelkeit ablegen und nicht mehr nach dem Scheine Haschen sollten, als nach der wahren Wirklichkeit, was damals die Pharisäer taten.

Er aber sprach: Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr ladet den Menschen unerträgliche Bürden auf, und ihr selbst rührt die Bürden nicht mit einem Finger an. Lk 11:46

So oft also ein Lehrer tut, was er lehrt, erhebt er die Last und stellt sich selbst zum Beispiel hin. Wenn er aber nichts von dem tut, was er lehrt, so scheint es denen, welche seine Lehre empfangen, eine schwere Last zu sein, gleichsam als ob sie selbst vom Lehrer nicht getragen werden könnte. Denn wie ein wenig Sauerteig eine ganze Masse von Mehl durchdringt, so beraubt die Heuchelei die Seele der ganzen Lauterkeit und Wahrheit der Tugenden. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Wehe euch, ihr Gesetzeslehrer! Denn durch eure Lehren verhindert ihr, dass die Menschen den Schlüssel finden, der die Tür zur Wahrheit öffnet. Ihr selbst seid nicht durch diese Tür gegangen, und ihr versperrt auch noch allen den Weg, die hineinwollen. Lk 11:52

Schließlich beschuldigt der Herr Jesus die Gesetzesgelehrten, dass sie den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen hätten, d. h. dass sie den Menschen das Wort Gottes vorenthalten hätten. Obwohl sie sich nach außen hin zur Schrifttreue bekannten, weigerten sie sich jedoch hartnäckig, den Einen anzunehmen, von dem die Schrift spricht, und sie hinderten andere daran, zu Christus zu kommen. Sie wollten ihn selbst nicht haben, und sie waren auch dagegen, dass andere ihn annahmen. MacDonald