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Lukas Evangelium – Kapitel 8

Lk 8,1-3: Frauen begleiten Jesus

Auch etliche Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren und Johanna, die Frau Chusas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihm dienten mit ihrer Habe. Lk 8:2‭-‬3‬‬

Während dieser Predigtreisen dienten ihm einige Frauen, die durch ihn gesegnet worden waren, wahrscheinlich, indem sie ihm Essen und Unterkunft boten. Da war zum Beispiel Maria, genannt Magdalena. Einige denken, dass sie eine hochstehende Frau aus Magdala war. Wie auch immer, sie war auf wunderbare Weise von sieben Dämonen befreit worden. Dann war da Johanna, deren Mann Verwalter des Herodes war. Susanna war eine weitere, und es gab noch viele andere. Ihre Freundlichkeit gegenüber dem Herrn blieb nicht unbeachtet. Sie dachten wahrscheinlich kaum daran, dass Christen aller Zeitalter von ihrer Großzügigkeit und Gastfreundschaft lesen würden. MacDonald

Es ist außerordentlich bewegend, über die Haltung nachzudenken, die Jesus Frauen gegenüber einnimmt. Er legte eine für die damalige Zeit überraschende Kühnheit an den Tag, insofern die Frau im Heidentum als ein Objekt der Lust, des Besitzes und der Arbeit galt und im Judentum untergeordnet und gedemütigt wurde. Jesus brachte der Frau, und zwar jeder Frau, stets die größte Wertschätzung und den größten Respekt entgegen, und er war besonders feinfühlig für ihre Leiden. Indem er über die religiösen und sozialen Schranken seiner Zeit hinausging, hat Jesus der Frau ihre volle Würde als menschliche Person vor Gott und den Menschen wiedergeschenkt. Johannes Paul II

Lk 8,4-18: Gleichnis der vier Ackerböden

Mt 13,1-23 Mk 4,1-25

Der Sämann ging aus, um seinen Samen zu säen. Lk 8:5

Der Sämann ist unser Gottvater im Himmel. Die Saat, die er sät, ist das fleischgewordene Wort Jesus Christus. Auf vielfältige Weise kommt es zu uns: vor allem durch die Schrift, aber auch durch Worte anderer Menschen. Dieses Wort nun fällt auf unterschiedlichen Boden (Weg, Fels, Dornen, gute Erde), einzig allein um die Beschaffenheit dieses Bodens geht es hier. Der Boden ist ein Bild für das menschliche Herz ist. Vier Böden, vier Herzenszustände werden beschrieben, die einen unterschiedlichen Grad von Empfänglichkeit besitzen. Wir alle haben diese unterschiedlichen Böden in unserem Herzen. Dass möglichst viel Saatgut auf gute Erde fällt, liegt auch in unserer Verantwortung. Das ist der Kern des Gleichnisses.

Von außen muss die Hilfe kommen, und sie ist gekommen und kommt täglich neu in dem Wort von Jesus Christus. Bonhoeffer

Unter diesem Sämann können wir Niemanden besser als den Sohn Gottes verstehen, welcher vom Schoß des Vaters, wohin das Geschöpf keinen Zutritt hatte, ausging und dazu in die Welt kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben. Es ging aber der, welcher überall ist, nicht räumlich aus, sondern er nahte sich uns durch die Bekleidung mit Fleisch. Goldene Perle

Und als er säte, fiel etliches an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf. Lk 8:5

Der platt getretene, trockene und harte Wegboden steht für ein Herz, das unempfänglich ist für das Wort, es schlicht und einfach zwar akustisch hört, aber nicht weiter beachtet, weil es im Streß ist, keine Zeit hat oder doch so viel Wichtigeres zu tun hat. Hier und da bin ich also ein Boden wie ein Weg, da wird, was von Gott gesät wird, von den geschäftigen Füßen auf alltäglichen Wegen zertreten oder von vorbeifliegenden Vögeln gefressen. Denken wir hier vor allem an das Wort, das in uns gesät wird von anderen Menschen, von denen es gar nicht erwarten.

Ist in mir Empfindsamkeit für das Wort, wenn es mir durch andere Menschen begegnet?

Und anderes fiel auf den Felsen und als es aufwuchs, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Lk 8:6

Die Saat geht auf, geht aber ein, weil die Wurzeln durch den Fels unter der Erde nicht genügend Wasser bekommen und so in der Hitze verdorren. Ein Bild dafür, wenn wir das Wort Jesus kurzzeitig begeistert aufnehmen, doch dieses Interesse ist nicht beständig und oberflächlich und so keine Wurzeln schlägt. In Zeiten der Anfechtung haben sie keine Ausdauer und lassen sich vom Windstoß eines kleinen Sturms in ihrem Glauben umwerfen.

Bin ich konsequent in der Vertiefung meiner Beziehung zum Wort Jesu? Ich richte meine Aufmerksamkeit auf ein tiefes geistiges Leben.

Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen, die mit ihm aufwuchsen, erstickten es. Lk 8:7

Der von Unkraut überwucherte Boden steht für ein Herz, dass sich von den Dingen dieser Welt zu sehr in Beschlag nehmen lässt. Da ist erstens das Dornengestrüpp der Sorgen. Wie häufig überfallen uns schon wegen Kleinigkeiten am Morgen die Sorgen. Statt sie Jesus abzugeben, grüble ich den ganzen Tag darüber nach und verhindere dadurch, dass das Wort Jesu in meinem Herzen wirken kann. Da ist zweitens das Dornengestrüpp der Verlockungen und die Gier nach allerlei weltlichen Dingen. Die Angebote dieser Welt überfluten das Herz und ersticken die Wahrheit von Gottes Wort.

Was beschäftigt mein Herz am meisten, wovon lebt mein Herz? Gegenüber welchen Anhänglichkeiten und Sorgen ist das Wort in meinem Leben der „Verlierer“?

Und anderes fiel auf das gute Erdreich und wuchs auf und brachte hundertfältige Frucht. Und als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Lk 8:8

Der fruchtbare Boden steht für das Herz, das hört im tiefsten Innern. Das Merkmal echten Glaubens ist das beständige Hören auf das Wort Gottes. Jesus, gib mir Deine Gnade, trotz meiner Geschäftigkeit, trotz dem Druck der Gesellschaft, trotz all der Sorgen und Begierden jeden Tag Zeit für Dein Wort zu finden. Hilf mir, es zu hören, es im Herzen zu bewahren, um 100fach Frucht zu bringen in meinem Leben!

Jesus ist das Wort Gottes. Alles, was Gott den Menschen zu sagen hat, ist: Jesus. Phil Bosmans

So habt nun acht, wie ihr hört! Denn wer hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er zu haben meint. Lk 8:18

Richtet eure ganze Aufmerksamkeit auf das Wort, welches ihr hört, weil dem, welcher eine Liebe zum Worte hat, auch der Sinn, das zu verstehen, was er liebt, gegeben wird. Diese Übersetzung des Verses drückt es gut aus: Entscheidend ist, wie ihr mit meinen Worten umgeht. Denn wer sie begreift, der wird noch mehr Einsicht bekommen. Doch wer sich dafür verschließt, dem wird selbst das Wenige genommen, was er zu haben glaubte.

Jeder Mensch hat die Pflicht, sein Herz so auszurichten und zu kultivieren, dass es bereit ist, das Wort achtsam zu hören. Jesus will meine Aufmerksamkeit auf das Wort lenken, das er ausspricht. Das Wort, auf das man nicht hört, kann im Herzen nicht widerhallen. Es kann keine Früchte hervorbringen. Ich hinterfrage meine Haltung des Hörens. Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten, aber vor allem führe er uns zu sich.

Lk 8,19-21: Jesus wahre Familie

Mt 12,46-50; Mk 3,31-35

Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen! Lk 8:20

Wenn Christus aber nicht einmal seine Eltern kennen will, solange sie draußen stehen, wie will er uns kennen, wenn wir draußen stehen bleiben? Drinnen ist das Wort, und drinnen ist das Licht! Beda

Aber Jesus antwortete: Meine Mutter und meine Geschwister – das sind alle, die Gottes Botschaft hören und danach leben. Lk 8:21

Ich will alles, was Gott will und ich will nichts, was Gott nicht will. In dieser seligen Hingabe finde ich meinen Frieden und eine tiefe Ruhe des Herzens. Was aber ist der Wille des Vaters? Häufig ist das nicht eindeutig. Bonhoeffer schreibt dazu: „Der Wille Gottes kann sehr tief verborgen liegen unter sich anbietenden Möglichkeiten.“ Gottes Wille ist kein festes System von Regeln. Darum musst du immer wieder neu in deinen verschiedenen Lebenslagen genau hinschauen und durch Herz & Verstand, Beobachtung & Erfahrung und dem Gebet zu ergründen suchen, was sein Wille ist.

Wir wissen also, daß wir seine Brüder und seine Schwestern sind, wenn wir den Willen des Vaters erfüllen, und daß wir so auch seine Miterben sind. Hieronymus

Diese also, welche das Wort Gottes hören und tun, heißen Mutter des Herrn, weil sie ihn täglich durch ihr Beispiel oder ihr Wort gleichsam in den Herzen des Nächsten gebären, auch sind sie seine Brüder, da sie auch den Willen seines himmlischen Vaters tun. Goldene Perle

Lk 8,22-25: Jesus stillt den Sturm

Mt 8,23-27; Mk 4,35-41

Und es geschah an einem der Tage, dass er und seine Jünger in ein Schiff stiegen; und er sprach zu ihnen: Lasst uns ans andere Ufer des Sees fahren! Und sie fuhren ab. Lk 8:22

Die Stillung des Sturms ist ein gewaltiges Wunder des Herrn. Über das Wunder hinaus beinhaltet es viel Hilfe für unser Seelenheil. Der Abend steht für unsere Bedrängnis in dieser Welt, wo es um uns herum und in uns dunkel wird und wo Hoffnungslosigkeit unser Herz überfällt. Jeder von uns kennt diese Situationen. Der Sturm steht für die inneren und äußeren Stürme unseres Lebens. Das Boot selbst steht als Sinnbild für die Kirche. Es geht also um eine existentielle Grundsituation unseres Lebens.

Auf der Fahrt aber schlief er ein. Da fiel ein Sturmwind auf den See, und [das Schiff] füllte sich, und sie waren in Gefahr. Lk 8:23

Jesus schlief. Wir können an Gottes Schweigen manchmal verzweifeln, gerade wenn es uns schlecht geht. Immer wieder gilt es hier zu bitten: Herr, stärke unseren Glauben. Der schwache Glaube der Jünger wird in dem vorwurfsvollen Hilferuf hörbar: Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Auch wir klagen in den Stürmen des Lebens: Gott hast du mich denn vergessen? Kümmert es dich nicht, dass es mir so dreckig geht? Die Jünger wecken Jesus. Auch wir sind aufgerufen, Jesus in uns zu wecken. Der schlafende Jesus ist aber auch ein Vorbild für uns. Wenn wir uns mitten in der Angst in das Innere unserer Seele zurückziehen und dort in Gott ruhen, dann gehen die Wogen über uns hinweg.

Die Haltung der Gelassenheit ist die Überzeugung, dass wir Menschen in Gottes liebender Hand geborgen sind. Dies verhilft uns zu einer positiven Gottesbeziehung und zu einer bejahenden Haltung gegenüber allem. Kindliches Sich-geborgen-Wissen lässt mich alle meine Schwachheit und die der anderen in ruhiger Gelassenheit ertragen und auch in schweren Stunden den Mut nicht verlieren. Sehr anschaulich ist dabei der schlafende Jesus beim Sturm auf dem See Genezareth, ein Ausdruck des völligen Vertrauens, ein Bild der heiligen Gelassenheit. Haben wir bei aller Mühsal stets das Ende im Blick, das ewige “Bei-Gott-sein” nach unserem Tod, das schon jetzt begonnen hat, denn:

Geborgenheit im Letzten gibt Gelassenheit im Vorletzten. Romano Guardini

Da traten sie hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Er aber stand auf und befahl dem Wind und den Wasserwogen; und sie legten sich, und es wurde still. Lk 8:24

Nicht der Mensch, nicht die Natur, sondern Gott hat das letzte Wort hier und in unserem Leben. Darum kommt es darauf an, das Hoffen immer neu zu lernen. Gott hilft und wirkt, allerdings nicht unbedingt so, wie wir es uns vorstellen. Das Wunder seiner Hilfe kann auch darin liegen, dass das Schwere bzw. der Sturm sich in einem anderen Licht zeigt und sich dadurch öffnet und neu gesehen wird.

Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt. Bonhoeffer

Dieser Vers ist für mich echt bedeutsam geworden, denn durch ihn habe ich erkannt, dass es nicht ich allein bin, der durch Mediationspraxis & Co in der Hektik meines Alltags die Ruhe bewahre. Ich bitte Jesus in jedem Morgengebet, dass er mich in seinem heiligsten Herzen wohnen lässt, denn dies ist das Schiff, dass jedem Sturm trotzt. In unserem Leben wütet es immer wieder. Damit uns der Wind nicht beliebig umher weht oder gar umwirft bedarf es der geistlichen Besinnung, deren wichtigstes Ziel ist, die Beziehung zu Jesus zu vertiefen, um so in seiner großen Stille zu wohnen. Wir haben diese Beziehungs-Zeit zu Jesus so bitter nötig. Jesus möchte uns das Wohnen in seiner inneren Stille schenken. Diese Stille ist eine Realität, die immer und überall ist, das erfahre ich täglich. Wir müssen uns ihr gegenüber nur öffnen, ihr Raum geben und sie bewusst wahrnehmen und genießen.

Es war aber nicht möglich, daß sie zu Grunde gingen, weil der Allmächtige bei ihnen war. Daher steht Christus sogleich auf, welcher die Macht über Alles har, und stillt ohne Verzug den Sturm und den Andrang der Winde, und sogleich hörte er aus und es trat Stille ein. Dadurch beweist er sich als Gott, indem es heißt (Ps. 88,10): Du herrschst über die Macht des Meeres, beruhigst die Bewegung seiner Fluten. — So zeigte also der Herr bei der Schifffahrt beide Naturen der einen und selben Person, indem der, welcher als Mensch auf dem Meer schlaft, die Wut des Meeres als Gott durch sein Wort stillt. Goldene Perle

Da sprach er zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber fürchteten und verwunderten sich und sprachen zueinander: Wer ist denn dieser, dass er auch den Winden und dem Wasser befiehlt und sie ihm gehorsam sind? Lk 8:25

Zugleich mit dem Meeressturme stillte er auch den Sturm der Seele. Daher folgt: Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Dadurch zeigt er, daß die Furcht nicht von der Versuchung, sondern von der Schwachheit der Seele kommt. Denn wie das Gold im Feuer geprüft wird, so in der Versuchung der Glaube. Goldene Perle

Der Glaube an die bergende Nähe Gottes muss sich immer tiefer verwurzeln. Nur wenn diese Wurzeln tief reichen, bleiben wir in stürmischen Schicksalsschlägen unseres Lebens im Glauben standhaft. Schwere Zeiten haben so auch ihre guten Seiten. Denn sie zeigen einem deutlich dass man sich bedingungslos auf Jesus verlassen kann. So sollte man während dieses wechselvollen Lebens einen unerschütterlichen Gleichmut bewahren. Auch wenn sich auch alles um uns ändert, die Stürme um uns herum toben, immerfort den ruhigen Blick der Seele hingewendet haben zu Gott.

Keiner hat nur Angst, keiner hat nur Vertrauen. Angst oder Mut, Zaghaftigkeit oder Vertrauen – manchmal muss ich täglich entscheiden, was ich wähle. Es ist häufig ein hin und her. Bitte Gott dir mitten in deiner Angst Vertrauen zu schenken. Die Angst führt uns zum Vertrauen, dass Gottes Gegenwart uns immer umgibt. Ist man von Gott gehalten, kann man Angst und Sorge aushalten. Die Angst so gesehen ist etwas ganz wichtiges bei deiner spirituellen Entwicklung! Doch gerade dann, wenn ich Angst habe, will ich mich dir anvertrauen.” (Ps 56:4)

Die Stillung des Sturmes ist ein Zeichen der Herrschaft Christi über die negativen Mächte und läßt seine Göttlichkeit aufstrahlen. Die Jünger selbst sind entsetzt. Ihr Glaube ist noch schwach. Er ist eine Mischung aus Furcht und Vertrauen. Die vertrauensvolle Hingabe Jesu an den Vater ist hingegen vollkommen und rein. Wegen dieser Macht der Liebe kann er während des Sturmes schlafen, vollkommen sicher in Gottes Umarmung.

Im allegorischen Sinn ist aber das Meer oder die See die finstere und bittere Bedrängnis der Welt; das Schifflein der Kreuzesbaum, durch dessen Hilfe die Gläubigen den ungeheuren Stürmen der Welt entgehen und an das Ufer des himmlischen Vaterlandes gelangen. Goldene Perle

Lk 8,26-39: Heilung eines Besessenen

Mt 8,28-34; Mk 5,1-20

Als er ans Land gestiegen war, kam ihm ein Besessener aus der Stadt entgegen, der seit langer Zeit Dämonen hatte und keine Kleider mehr trug und sich auch in keinem Haus aufhielt, sondern in den Gräbern. Lk 8:27

Hier begegnen uns zwei Menschen, die völlig im Griff  des Bösen sind. Ihr ganzes Verhalten ist auf Gewalt und  Zerstörung angelegt. Und dies nicht nur gegen andere, sondern auch gegen sich selber, wie wir es aus im Markusevangelium erfahren. Ihre Behausung sind die Grabhöhlen. Der Tod als der Zerstörer des Lebens schlechthin ist ihr Verbündeter.

Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Höchsten? Ich flehe dich an, quäle mich nicht! Lk 8:28

Es fällt auf, dass in dem Bericht nur der unreine Geist redet, der in diesem Menschen wohnte, anfänglich in der Einzahl, in Vers 12 jedoch in der Mehrzahl. Das zeigt uns, wie weitgehend die unreinen Geister von den Menschen Besitz ergreifen. Sie identifizieren sich vollkommen mit der jeweiligen Person.

Jesus aber fragte ihn und sprach: Wie heißt du? Er sprach: Legion! Denn viele Dämonen waren in ihn gefahren. Lk 8:30

Es folgt: Und es fragte ihn Jesus und sprach: Wie heißest du? Nicht aus Unwissenheit fragt er ihn um den Namen, sondern damit durch das Bekenntnis des Elends, welches er litt, die Macht des Heilenden umso mehr hervorleuchtete. Goldene Perle

Da fuhren die Dämonen von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter in den See und ertrank. Lk 8:33

Die beiden besessenen Menschen kommen auf Jesus zu und schreien. Doch ihr Schrei ist nicht Macht und Stärke. Sie erkennen in Jesus den Stärkeren. Und er sprach: Fahrt aus! Es sind die einzigen Worte Jesu in der ganzen Erzählung. Ein Befehl. Kein Gespräch zwischen Jesus und den Dämonen. Nur sein Vollmachtswort. Dem Bösen sind Grenzen gesetzt,
inhaltlich und zeitlich. Die Mächte müssen fliehen und die beiden Männer werden dadurch frei. Ihr Leben steht nicht mehr unter dem grausamen Diktat des Satanischen.

Da bat ihn die ganze Volksmenge aus der umliegenden Gegend der Gadarener, von ihnen wegzugehen. Lk 8:37

Dass das Schauen auf die wirtschaftlichen Folgen den Blick auf Jesus trüben kann, ja ihn unmöglich machen kann. Darum beten wir: Löse Du doch diese Blindheit. Mache Du uns frei von dem Besessensein durch den Besitz, von der Angst vor dem Verlust. Führe Du uns in die Freiheit, die sich ganz Dir verdankt. Amen

Daraufhin baten die Leute aus Gerasa und der ganzen Umgebung, Jesus möge ihre Gegend doch wieder verlassen, denn sie fürchteten sich sehr. Lk 8:37

Als ihnen von den Augenzeugen sowohl die Heilung des Besessenen als auch das Los der Schweineherde bestätigt wird, fangen sie an, dem Herrn Jesus zuzureden, ihr Gebiet zu verlassen. Sie können eher mit Besessenen zusammen leben als mit dem Sohn Gottes, und trauern um den materiellen Verlust der zweitausend Schweine, anstatt sich über die segensreiche Tätigkeit des Herrn Jesus und die Befreiung des Besessenen zu freuen. Sie bitten Ihn, ihr Gebiet zu verlassen, um weiterhin ungestört in der Finsternis leben zu können.

Lk 8,40-56: Blutflüssige Frau und Erweckung

Mt 9,18-26; Mk 5,21-43

Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt. Lk 8:43

Die Evangelien enthalten viele Heilungsgeschichten, in welchen so viel steckt, über das es nachzusinnen lohnt. Diese Woche möchte ich solche Aspekte anhand der Heilung der blutflüssigen Frau darstellen. Der Wunderbericht beginnt schlicht mit der Diagnose: die Frau litt seit zwölf Jahren an starken Blutungen. Die Blutungen stehen für alles, worunter wir leiden. Nach aussen wollen wir immer stark erscheinen. Aber wir wissen alle, dass jeder seine Blutungen hat. Die Blutungen können vielfältig sein: gestörte Beziehungen zu den Eltern, Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit, ein nicht verarbeiteter Schickssalschlag, Versuchungen jeglicher Art u.v.m Was sind deine Blutungen?

Niemand hatte ihr helfen können, obwohl sie schon von vielen Ärzten behandelt worden war und dafür ihr ganzes Geld ausgegeben hatte. Lk 8:43

In einem Psalm steht, dass Gott mein ganzes(!) Glück ist und Theresa von Avila sagt, dass Gott allein genügt. Auch wenn wir beim Lesen dieser Aussagen als Christen zustimmen, so suchen wir unser Glück doch immer wieder auch woanders, ich auch! Dafür stehen in der Heilungsgeschichte die Ärzte. Die Ärzte stehen für vielerlei: Glück durch Karriere, die so gut wie perfekte Liebe zum Partner, Vermögen und Besitz, ein Hobby u.v.m. Nichts, weder mein Partner, noch der Beruf, noch ein großes Vermögen oder was auch immer können diese tiefe Sehnsucht in uns füllen, die nur Gott auszufüllen vermag. Wer das erkennt, der glaubt! Was sind deine Ärzte und Reichtürmer, die immer wieder versuchen Gott von Stelle 1 zu verdrängen?

Ich sorge mich um nichts anderes, als Tag für Tag den Willen des Herrn zu tun. Glaubt mir, das ist das Schönste im Leben. Johannes XXIII.

Diese Frau zwängte sich durch die vielen Menschen hindurch und berührte heimlich von hinten ein Stück seines Gewandes. Im selben Augenblick hörten die Blutungen auf. Lk 8:44

Bei Matthäus heißt es, dass sie den Saum seines Gewandes berühte. Das ist kein unwesentlicher Bestandteil dieses Wunder. Die Frau klopfte nicht einfach mal Jesus von hinten auf die Schulter. Der Saum ist ganz unten am Gewand, gewissermaßen kurz über den Boden an den Füßen. Um ihn zu berühren, musste sich die Frau bücken, evtl. knieend auf den Boden gehen. Das ist eine Körperhaltung der Demut. Jesus in Demut zu nahen. Was bedeutet das? Es entspringt aus einem großen Geheimnis. Einerseits ist uns Jesus ganz nahe, in unserem Herzen, nennt uns seine Freunde, steht in einem intimen Verhältnis zu uns. Andererseits ist er Herr und Gott, Alpha und Omega, dem alle Macht auf Erden gegeben ist. Durch dieses Beidseitige dürfen und sollen wir uns Jesus nahen, aber immer in Demut im Bewußtsein, wem wir uns da nahen.

Diese Frau zwängte sich durch die vielen Menschen hindurch und berührte heimlich von hinten ein Stück seines Gewandes. Im selben Augenblick hörten die Blutungen auf. Lk 8:44

Die Frau lebte aus der Hoffnung, dass sie allein aus der Berührung geheilt wird. Was für ein Glaube. Jesus selbst war ihre Hoffnung. Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden. Die Quelle der Hoffnung liegt in Gott, der nur lieben kann und uns unermüdlich sucht. Uns erfüllt diese lebendige Hoffnung. Tagtäglich, immer wieder neu. Hoffe auf den Herrn.

Früh am Morgen stehe ich auf und rufe zu dir um Hilfe, denn ich setze meine Hoffnung auf dein Wort. Ps 119, 147

Wer hat mich angefasst? fragte Jesus. Petrus meinte: Herr, die Leute drücken und bedrängen dich von allen Seiten, und da fragst du, wer dich angefasst hat ? Lk 8:45

Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. In unserem Leben herrscht oft ein reges Gedränge. Es ist viel los. Ich habe viel um die Ohren. Viele Leute wollen etwas von mir. In meinem Kopf herrscht evtl. gedankliches Chaos. Zeit unseres Lebens stehen wir in der Gefahr durch dieses innere und äußere Gedränge diese wesentliche und allein notwendige Beziehung zu Jesus zu vernachlässigen. Unsere Blutungen oder sonstige Wunden können und werden nur heilen in der Kraft Jesu Christi, wenn er der Mittelpunkt unseres Lebens ist.

Wo stehst du in Gefahr, das Erste zum Zweitrangigen zu machen, dich vom wichtig erscheinenden Alltag wegziehen zu lassen von der Beziehungspflege mit Jesus?

Der Herr vernahm aber die heimlichen Gedanken der Frau und heilte schweigend die Schweigende, indem er freiwillig die Heilkraft sich nehmen ließ. Daher folgt: Und Jesus sagte: Wer hat mich berührt? Denn das gewirkte Wunder war dem Herrn nicht verborgen; aber er, der Alles weiß, fragte, als wüßte er es nicht. Goldene Perle

Jesus erwiderte: Jemand hat mich ganz bewusst berührt. Ich habe gespürt, wie heilende Kraft von mir ausgegangen ist! Lk 8:46

Von Jesus geht heilende Kraft aus. Wenn du in Beziehung zu ihm trittst, wird sich immer etwas ändern. Es ist das wirkende Wort Gottes, dass nie spurlos zurückbleibt. Wo erfährst du konkret diese heilende Kraft? Das können bestimmte Orte und Situationen sein wie z.B. im Gottesdienst oder in der Natur, vor allem aber im intimen Gebetsgespräch mit ihm. Das können Beichte und Eucharistie sein. Das kann aber auch ein Gespräch mit einem Mitmenschen sein, der von Gott dazu auserwählt ist, uns heilend zur Seite zur stehen. Ich denke, es ist unvorstellbar, auf welch unterschiedlichste Weise Gott heilend in unser Leben eingreift.

Ich will den Herrn loben und nie vergessen, wie viel Gutes er mir getan hat. Ja, er vergibt mir meine ganze Schuld und heilt mich von allen Krankheiten! Ps 103:2‭-‬3

Meine Tochter sagte Jesus zu ihr, dein Glaube hat dich geheilt. Geh in Frieden! Lk 8:48

Ist etwas kaputt, versuchen wir es zu reparieren. Ist unsere Seele im schlechtem Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen. Was unsere seelischen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als dass Christi Hand sie berührt. Er selbst ist es, der uns mit Freude umgürtet (Ps 30,12). Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alles andere nicht in der Lage ist, uns zu helfen.

Herr, mein Gott, zu dir habe ich geschrien, und du hast mich geheilt. Ps 30:3

Der Herr verlangt von denen, die ihn anrufen, Glauben, nicht weil er der Hilfe Anderer bedarf, da er der Herr und der Spender des Glaubens ist, sondern damit er nicht aus Rücksicht auf die Personen seine Gaben zu verleihen schiene, zeigte er, daß er den Glaubenden zu Hilfe komme, damit sie ohne den Glauben keine Wohltaten empfangen. Goldene Perle