Anmeldung ->
Anmeldung ->

Lukas Evangelium – Kapitel 6

Lk 6,1-5: Jünger pflücken am Sabbat Weizen

Mt 12,1-8; Mk 2,23-28

Da sagten etliche von den Pharisäern zu ihnen: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist? Lk 6:2

Das sagten sie voller Überzeugung, das ist das Unglaubliche. Wie kann man verbieten, immer das Gute zu tun? Etwas erinnert dich daran, dass kein Grund dich davon freispricht, anderen zu helfen. Echte Nächstenliebe wird zwar immer die Erfordernisse der Gerechtigkeit beachten und so Laune und Willkür umgehen, aber sie wird eine sture Strenge unterbinden, die den Geist des göttlichen Gesetzes tötet, der ja immer eine Einladung zu Liebe und Hingabe an die anderen ist.

Lk 6,6-12: Jesus heilt am Sabbat

Mt 12,9-14; Mk 3,1-6

Es geschah aber auch an einem anderen Sabbat, dass er in eine Synagoge ging und lehrte; und dort war ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt war. Lk 6:6

Vorzüglich am Sabbat heilte und lehrte er, nicht nur um den geistigen Sabbat anzudeuten, sondern auch, weil das Volk sich zahlreicher versammelte. Denn obwohl die zeitlichen Beschäftigungen ruhen sollen, so soll man doch von den guten Werken zum Lobe Gottes nicht ruhen. Goldene Perle

Dieser Mensch bedeutet aber das menschliche Geschlecht, welches zur Unfruchtbarkeit an guten Werken verdorrte wegen der Hand, die es im Stammvater nach dem Apfel ausstreckte, und diese heilte die unschuldige am Kreuz ausgespannte Hand. Goldene Perle

Die Schriftgelehrten und Pharisäer beobachteten aufmerksam, wie Jesus sich verhalten würde. Lk 6:7

Menschen achten häufig auf schlechte Eigenschaften eines anderen Menschen. Wir fokussieren schnell die Negativ-Liste. Schnell sind wir im kritisieren, langsam dagegen in der Wahrnehmung des Guten beim Anderen. Vorurteile schleichen sich ein, wo ich bei jeder Begegnung meine Wahrnehmung darauf richte, dass mein schlechtes Bild bestätigt wird. Selbsterfüllende Prophezeiung heißt das in der Psychologie. Der andere hat keine Chance. Das ist nicht gut. Dagegen: der sich öffnende Mensch versucht immer wieder neu hinzuschauen. Ich habe die Gewohnheit, mir für mich schwierige Menschen gedanklich herzunehmen und aufzuzählen, welche gute Eigenschaften dieser Mensch hat. Meine Seele beruhigt sich dann und die Negativ-Liste des anderen ist auf einmal gar nicht mehr so groß und mächtig und ich erkenne den anderen in seiner Menschlichkeit. Sei kritisch mit deiner eigenen Wahrnehmung oder um es mit Heinz Erhardt zu sagen: Sie dürfen nicht alles glauben was sie denken

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Teresa von Ávila

Steh auf und stelle dich in die Mitte! Da stand er auf und stellte sich dorthin. Lk  6:8

Er aber stellt jenen Menschen in den Mittelpunkt, damit sie durch seinen Anblick bewegt werden und so Mitleid mit ihm empfinden und ihre Bosheit ablegen. Pseudo-Chrysostomus

Strecke deine Hand aus! Der aber tat es, und seine Hand wurde wiederhergestellt und war gesund wie die andere. Lk 6:10

Du hast also gehört, wie er sprach: Strecke deine Hand aus. Dies ist das gemeinsame Heilmittel; auch du, der du eine gesunde Hand zu haben glaubst, hüte dich, daß sie nicht durch Habsucht oder Gottesraub zusammenschwinde. Strecke sie öfter aus, um dem Nächsten zu helfen, um die Witwen zu unterstützen, und den von der Beleidigung zu befreien, welchen du auf ungerechte Weise verleumdet siehst. Strecke sie aus nach dem Armen, welcher dich bittet; strecke sie aus zu dem Herrn für deine Sünden. So wird die Hand ausgesteckt, so wird die Hand geheilt. Goldene Perle

Symbolisch gedeutet steht der Mann mit der verdorrten Hand für die Menschheit, die krank ist, weil sie unfähig ist, gute Werke hervorzubringen; doch durch das Erbarmen des Herrn wurde sie geheilt. Ihre Hand verdorrte, als sie im Urvater [Adam] die Frucht des verbotenen Baumes pflückte, doch durch die Gnade des Erlösers, der seine unschuldigen Hände am Baum des Kreuzes ausstreckte, wurde sie durch das vollbrachte gute Werk wieder heil gemacht. Beda

Das Volk aber, welches den Herrn berühren konnte, wurde durch die Kraft seiner Berührung geheilt, wie oben der Aussätzige durch die Berührung des Herrn geheilt wurde. Die Berührung des Herrn ist das Werk des Heils; ihn berühren heißt: fest an ihn glauben; von ihm berührt werden heißt: durch seine Gnade geheilt werden.

Lk 6,12-16: Jesus wählt 12 Apostel aus

Mk 3,13-19

Es geschah aber in jenen Tagen, dass er hinausging auf den Berg, um zu beten; und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott. Lk 6:12

Nun steigt der Herr auf einen Berg. Der Berg ist in der Heiligen Schrift das Bild eines erhabenen Standpunktes in Gemeinschaft mit Gott und in Abgeschiedenheit von der Welt. Arend Remmers

Indem Gegner wider die Wunder und die Lehre Christi austraten, erwählte er die Apostel als Verteidiger und Zeugen der Wahrheit. Ihrer Erwählung ließ er das Gebet vorangehen. Öffne deine Ohren nicht dem Irrtum, zu glauben, daß der Sohn Gottes aus Schwachheit bete, um das zu erlangen, was er nicht erfüllen kann. Denn der Urheber der Macht, der Lehrer des Gehorsams, unterweist uns in den Geboten der Tugend durch sein Beispiel. Goldene Perle

Lernen wir also aus dem, was Christus tat, wie wir dem Gebet obliegen sollen, nämlich von den Augen der Menschen entfernt und abgesondert, auch mit der Entschlagung der weltlichen Sorge, damit der Wille sich aufwärts zur Anschauung des göttlichen Angesichtes erhebe. Dieses erkennen wir daraus, daß Jesus auf den Berg hinausging und allein betete.

Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und erwählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte. Lk 6:13

Lk 6,17-23: Seligpreisungen

Mt 5,1-12

Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Glückselig seid ihr Armen, denn das Reich Gottes ist euer! Lk 6:20

Wenn ich mich in meiner Beziehung zu Gott betrachte, erkenne ich meine Kleinheit und ein Empfinden für Gottes Heiligkeit wächst. Ich sehe mich vor Gott als der, der ich bin. Ich habe keine Leistung, die mich vor Gott qualifiziert. Damit setze ich mich nicht als Persönlichkeit herab, sondern habe den Mut, zuzugeben, dass ich mit leeren Händen vor Gott stehe. Wenn ich diese Tür nichtkad aufmache, bleiben alle anderen Türen verschlossen. Wer erkennt, dass er vor Gott arm ist, der findet zur Demut. Und diese Demut ist ein Segen. Wer sich als arm vor Gott erkennt, der ist stets innerlich zur Weiterentwicklung bereit, geleitet durch seinen Willen. Was bedeutet diese Seligpreisung konkret für mein Leben?

Die erste Seligpreisung der Armut führten beide Evangelisten an; denn sie ist der Ordnung nach die erste und die Quelle der Tugenden, weil der, welcher das Zeitliche verachtet, das Ewige verdient. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Glückselig seid ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr sollt gesättigt werden! Lk 6:21

Hunger ist ein Bild für ein tiefe Sehnsucht. Glück hat etwas mit Sehnsucht zu tun. Entdecke deine Sehnsüchte, denn dein Leben wird davon getragen. Wenn du das Leben mit seinen täglichen Aufgaben im Bewusstsein erfüllst, dass du von einer tief liegenden Sehnsucht geleitet wirst, dann wirst du ganz anders leben und die Dinge tun, als wenn du nur aus Pflicht, Anordnung oder Regeln heraus lebst. In dem, was du tust, verwirklichst du Sehnsüchte, die tief in dir angelegt sind und die dich zutiefst befriedigen können. Satt werden wir, weil wir unser ganzes Leben in einem größeren Kontext zu sehen beginnen. Das lässt uns unser Tun und Handeln als sinnerfüllt erleben. Das gibt uns eine ungeahnte innere Kraft.

Glückselig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen! Lk 6:21

Glücklich, die Weinenden? Widersprüchlich? Christsein ist Freude und Trauer. Es geht nicht um das soziologische Trauern (z.B. beim Tod eines Menschen). Es geht um ein geistliches Trauern. Geistliches Trauern folgt aus der ersten Seligpreisung. Trauer hat etwas mit Verlust zu tun, bei der Armut im Geiste verliere ich viel, was mir lieb ist (mein Ego, Stolz, Kontrollwünsche, ….). Trauer ist in diesem Fall gut, mehr noch: notwendig. Abgesehen von der Tatsache, dass Gott auch gerade in den dunklen Stunden meines Lebens bei mir ist, geht es hier um etwas anderes: Echte Demut, tief empfundene Trauer über meinen Zustand und den Zustand der Welt. Und aus und in dieser Trauer empfange ich in echter Hinwendung die Liebe und den Trost Gottes, entspringt die Freude über das Errettet sein in Christus.

Der, der ich bin, grüßt trauernd den, der ich sein könnte. Kierkegaard

Etwas Großes ist aber die Gott gemäße Traurigkeit, und gewährt Buße zum Heil. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als einen lasterhaften verwerfen um des Menschensohnes willen. Lk 6:22

Wenn er sagt: Selig die Armen, so liegt darin die Mäßigung, welche von der Sünde abhält, die Welt verachtet und das Unerlaubte nicht sucht. In
den Worten: Selig, die ihr hungert, liegt die Gerechtigkeit; denn wer hungert, hat mit dem Hungrigen Erbarmung, gibt ihm aus Erbarmung, wird durch das Wohltun gerecht, weil seine Gerechtigkeit in Ewigkeit währt. In den Worten: Selig, die ihr jetzt weinet, liegt die Klugheit, welche das Tägliche beweint und das Ewige sucht. In den Worten: Selig werdet ihr sein, wenn euch die Menschen hassen, liegt der Starkmut; aber die, welche wegen eines Vergehens keinen Haß verdient, sondern wegen des Glaubens Verfolgung erduldet. Denn so gelangst du zur Krone des Leibes, wenn du die menschliche Gunst verachtest, aber die göttliche suchst. Goldene Perle

Also ist mit der Mäßigung des Herzens die Reinheit, mit der Gerechtigkeit die Barmherzigkeit, mit dem Frieden die Klugheit, mit der Sanftmut die Starkmut verbunden. Die Tugenden stehen mit einander in Verbindung

Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. Lk 6:23

Aber wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euren Trost schon empfangen! Wehe euch, die ihr satt seid; denn ihr werdet hungern!  Lk 6:24-25

Die Reichen, die Satten, die Erfolgreichen stehen im Evangelium für Menschen, die scheinbar alles haben, die meinen auf niemanden mehr angewiesen zu sein. Es sind Menschen, die sich selbst genügen, sich selbst zum Mittelpunkt machen und dabei andere an den Rand drängen und die Not der Mitmenschen nicht mehr wahrnehmen, die gleichgültig und abgestumpft in den Tag hineinleben.

Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen! Lk 6:25

Wehe euch, wenn alle Leute gut von euch reden! Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht. Lk 6:26

Wenn du einen Weg suchst, dich davon zu bekehren, so richte deinen Blick immer auf Gott, und sei mit der Ehre, die du von ihm hast, zufrieden

Lk 6,24-26: Ankündigung künftigen Leids

Lk 6,27-36: Über die Feindesliebe

Mt 5,43-48

Liebt eure Feinde. Lk 6:27

Wer ist dein Feind? Feind kommt vom althochdeutschen fiant, was Hass bedeutet. Viele von uns haben Gott sei Dank keinen, den sie hassen. Aber du hast sicher Menschen, die du nicht unbedingt magst, die dich nerven. Liebe bedeutet für mich hier, immer wieder in der Kraft Gottes ein Gegengewicht zur Abneigung auf zu bauen. Es ist schwer, aber es geht: den anderen segnen, ihm Gutes wünschen, nicht über ihn mit Dritten lästern u.v.m. Gleiches mit Gleichem vergelten – das ist nicht der Wille Gottes. Dem Haß mit Liebe begegnen – das ist der Wille Gottes, so beschreiten wir den Weg der Heiligkeit, den Gott für jeden für uns vorgesehen hat.

Tut Gutes denen, die euch hassen. Lk 6:27

Vom Feind ist die Rede, der Feind bleibt, ungerührt von meiner Liebe, der mir nichts vergibt, wenn ich ihm alles vergebe, der mich hasst, wenn ich ihn liebe, der mich umso mehr schmäht, je ernster ich ihm diene. Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der selbst ohne alle Liebe im Hass lebt? Wer ist also auch der Liebe würdiger als mein Feind? Wo wird die Liebe herrlicher gepriesen als mitten unter ihren Feinden? Diese Liebe macht den Jünger sehend, dass er im Feind den Bruder erkennt, dass er an ihm handelt wie an seinem Bruder. Bonhoeffer

Segnet, die euch fluchen, und betet für die, welche euch beleidigen! Lk 6:28

Das ist das Äußerste. Im Gebet treten wir zum Feind, ja zu jedem Menschen in unserem Umfeld, mit dem wir Probleme haben. Wir treten an seine Seite, wir sind mit ihm, bei ihm, für ihn vor Gott im fürbittendem Gebet. Nun nehmen wir seine Not und Armut, seine Schuld und Verlorenheit mit auf uns, treten vor Gott für ihn ein. Wir tun stellvertretend für ihn, was er nicht tun kann. Jeder seiner Beleidigung oder Verletzungen wird uns nur näher mit Gott und mit diesem Menschen verbinden. Jede Verfolgung kann nur dazu dienen, dass dieser Mensch der Versöhnung mit Gott näher gebracht wird, dass die Liebe unüberwindlicher wird. Die Liebe, ja die Liebe!

Mensch, stoße kein Natterngift aus, und verwandle dich in kein Tier; du hast einen Mund, nicht um zu beißen, sondern um die Wunden Anderer zu heilen.

Dem, der dich auf die eine Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Hemd nicht. Lk 6:29

Denn wenn die Ärzte von den Wahnsinnigen geschlagen werden, und sie gerade da am meisten bemitleiden und sie zu heilen suchen, so tue auch du dasselbe mit deinen Verfolgern. Denn sie sind es, welche am meisten krank sind, und lassen wir nicht früher nach, als bis sie ihre ganze Bitterkeit von sich gegeben haben. Alsdann werden sie dir reichlich Dank sagen, und Gott selbst wird dich krönen, weil du deinen Bruder von der schlimmsten Krankheit befreit hast.

Aber es sagt Jemand: Wie kann dieses geschehen? Da du siehst, wie der Sohn Gottes Mensch wurde, so vieles für dich litt, da fragst und zweifelst du noch, wie es möglich ist, die Beleidigungen der Mitmenschen zu verzeihen! Wer hat so viel geduldet, als dein Herr, da er gebunden, gegeißelt, angespien und gelobtet wurde?

Die Aufforderung zur Feindesliebe ist ganz tief im Glauben an Gott begründet. Wenn wir ihn Vater nennen, wenn wir das von ihm glauben und verkünden, dann muss es auch in unserem Leben gelten. Man kann nicht Vater unser sagen und gleichzeitig die geballte Faust in der Tasche halten. Die christliche Liebe und in ihrer letzten Konsequenz auch die Feindesliebe wurzelt in der Erfahrung, dass ich selbst ganz ungeschuldet und unverdient von Gott geliebt bin. Seitdem versteht sich christliche Liebe immer auch als Weitergabe der Liebe Gottes.

Mag das Antlitz eines Menschen noch so unangenehm erscheinen, mag er noch ein so schwieriger Mensch sein, drehen Sie die Medaille um. Sie blicken direkt in das Antlitz Jesu Christi!

Gib aber jedem, der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. Lk 6:30

Von Gott erhalten wir Alles. Was wir das Meinige und Deinige nennen, sind leere Worte. Wenn du von deinem Haus sprichst, so hast du ein Wort, das keine Bedeutung hat, gesprochen. Denn auch die Lust, der Boden und der Kalk gehören dem Schöpfer, auch du selbst, der du das Haus gebaut hast. Wenn aber auch der Gebrauch dir gehört, so ist er zweifelhaft, nicht nur wegen des Todes, sondern auch wegen der Veränderlichkeit der Dinge. Deine Seele wird von dir nicht besessen, und wie können die Schätze dir gehören? Der Herr will aber, daß dieses dein gehöre, was dir für deine Brüder anvertraut wurde. Es wird aber das Deinige, wenn du es für Andere ausgeteilt hast. Wenn du aber das, was das Deinige ist, übermäßig auf dich verwendest, so ist es schon Fremdes geworden. Aber wegen der bösen Begierde nach Schätzen führen die Menschen vor Gericht Prozess. Dagegen sagt Christus: Und wer dir das Deinige nimmt, von dem fordere es nicht.

Und wie ihr wollt, dass euch die Leute behandeln sollen, so behandelt auch ihr sie gleicherweise! Lk 6:31

Die goldene Regel war in der Antike weit verbreitet, allerdings in negativer Form einem anderen nichts zu tun, von dem man nicht möchte, dass es einem selbst angetan würde. Jesus formuliert sie hier positiv. Diese goldene Regel treibt uns an Gutes zu tun. Wenn du willst, dass man dir hilft, frage dich, wem kannst du helfen. Die goldene Regel muss ins Herz dringen, dass sie nicht im Sinne eines Nützlichkeitsdenkens (Du gibst mir – ich gebe dir) verstanden wird, sondern zu einem Leben der Hingabe an den anderen führt. Denn Gott hat uns als Frucht seiner unendlichen Liebe erschaffen.

Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben. Lk 6:32

Was ist der Sieg der Liebe? Dass sie niemals danach fragt, was ihr jemand antut, sondern allein danach fragt, was Jesus getan hat, der die Liebe selbst ist. Die Liebe zu allen Menschen führt uns in der Nachfolge Jesu immer zu ihm, den Gekreuzigten. Je näher wir an und in ihm leben, immer wieder und immer öfter am Tag mit ihm uns verbinden durch Stoßgebete u.ä., desto gewisser überwindet unsere Liebe den Hass, denn es ist ja nicht unsere eigene Liebe, die hier wirkt. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für alle Menschen ans Kreuz ging. Darin macht uns die Liebe Jesus sehend, dass sie auch den Feind eingeschlossen sieht in die Liebe Gottes, dass sie den Feind unter dem Kreuz Jesu Christi sieht.

Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder tun dasselbe. Lk 6:33

Und wenn ihr denen leiht, von welchen ihr wieder zu empfangen hofft, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder leihen den Sündern, um das Gleiche wieder zu empfangen. Lk 6:34

Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen; so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Lk 6:35

Was ist vollkommene Liebe? Liebe, die sich nicht parteiisch denen zuwendet, die uns ihre Gegenliebe schenken. Das Ausserordentliche Christliche ist der Weg der Selbstverleugnung, der Weg völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit, die Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt. Das Ausserordentliche Christliche ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht. Das Ausserordentliche Christliche ist das Kreuz, das den Christen über-die-Welt-hinaussein lässt und ihm darin den Sieg über die Welt gibt.

Daher folgt: Tut Gutes. Denn wie das Wasser ein angezündetes Feuer löscht, so den Zorn die Vernunft mit Sanftmut. Denn was das Wasser dem Feuer ist, das ist die Demut und Sanftmut dem Zorne; und wie das Feuer nicht durch das Feuer gelöscht wird, so wird auch der Zorn nicht durch den Zorn beschwichtigt.

Das Leiden in der Liebe des Gekreuzigten, das ist das Außerordentliche an der christlichen Existenz.

Es ist aber die größte Tugend, wenn wir die, welche uns schaden wollen, mit Wohltaten überhäufen.

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lk 6:36

Selig jene, die den kurzen Augenblick unseres Lebens nutzen, um Erbarmen zu üben. Barmherzigkeit ist das innerste Geheimnis Gottes. Gott schenke uns diesen Geist des Mitfühlens und Erbarmens in Fülle und halte ihn in uns lebendig. Seien wir barmherzig, üben wir gegen alle Erbarmen, so dass uns nie ein Armer begegnet, den wir nicht trösten, so gut wir können, kein Unwissender, ohne dass wir ihm mit ein paar kurzen Worten sagen, was er braucht, um zu glauben und etwas für sein Heil zu tun. Vinzenz von Paul

Groß ist also das Lob der Barmherzigkeit. Denn diese Tugend macht uns Gott ähnlich

Lk 6,37-42: Über das Verurteilen

Mt 7,1-16

Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Lk 6:37

Im Richten legen wir unseren ethischen Maßstab am anderen an (Was ist gut/schlecht?). Als Nachfolger Christi sollen wir allerdings nicht richten, nicht etwa, weil Christus hier ein moralisches To-do gegeben hat, sondern weil zwischen mir und dem Nächsten Christus selbst steht. Wenn ich über jemanden richte, schaue ich kritisch refelktierend auf ihn und stehe damit schon außerhalb der Liebe.Der Nächste kann dem Liebenden jedoch niemals Gegenstand zuschauerischer Betrachtung sein, sondern er ist jederzeit der lebendige Anspruch auf meine Liebe.

Es ist ein gar großer Unterschied zwischen Sünde richten und Sünde wissen. Wissen magst du sie wohl, aber richten sollst du sie nicht. Martin Luther

Verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt. Lk 6:37

Ein Altvater wurde einmal von einem Bruder gefragt: Warum urteile ich eigentlich so häufig über meine Brüder? Und er antwortete ihm: Weil du dich noch nicht selbst kennst. Denn wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht. Apophthegmata

Ob wir wollen oder nicht: Sobald wir einem Menschen begegnen, bewerten wir ihn und häufig genug folgt daraus ein Urteil. Der Grund liegt darin, dass wir uns selbst nicht kennen. Wir projizieren unsere eigenen Schattenseiten auf den andern. Wer sich selbst erkennt, der urteilt nicht mehr über andere. Wer seine eigenen Schattenseiten sieht, der muss sie nicht mehr auf andere projizieren. Sobald wir also merken, dass wir über jemanden urteilen, sollen wir das als Einladung nehmen, uns selbst genauer anzuschauen und besser kennen zu lernen. Wenn wir uns mit den eigenen Schattenseiten beschäftigen, sehen wir die Fehler der anderen gar nicht mehr. Wenn ich meine Sünden betrachte, dann höre ich auf, nach den negativen Seiten des anderen zu forschen. Ich werde ihn achten und ehren und offen sein für das, was er mir sagen möchte. So wird die Begegnung für beide Seiten gut verlaufen. Anselm Grün

Sprecht los, so werdet ihr losgesprochen werden! Lk 6:37

Vergeben bedeutet nicht gutheißen, was uns zugefügt wurde. Nur wo etwas schlecht war, ist Vergebung überhaupt angebracht. Doch solange wir nicht vergeben wollen, bleiben auch wir selbst in der Fessel verhaftet, in die uns die Sünde des anderen geschlagen hat. Und wir bleiben darin gefangen. Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man bereit ist, Vergebung zu schenken. Der Anfang ist gemacht, wenn der Wunsch zu vergeben in uns aufkeimt. Er holt uns aus der Passivität und löst die uns angelegte Fessel. Wir beginnen wieder unsere Würde in Anspruch zu nehmen, die der andere verletzt hat. Wir gelangen allmählich wieder zum Eigenbesitz unserer selbst. Achten wir auf unser Herz, dass es die Härte, die der Vergebung oft im Weg steht, überwindet.

Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann. Hildegard von Bingen

Gebt, so wird euch gegeben werden; ein gutes, vollgedrücktes und gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß schütten. Lk 6:38

Wichtig ist, dass wir uns hineinstellen in den Strom der schenkenden Liebe Gottes und die empfangene Liebe Gottes weitergeben an alle Menschen: Gut sein, auch dort, wo’s nichts bringt. Geben, auch dort, wo ich nichts zurückbekomme. Verzeihen, auch dort, wo ich nicht schuld bin. Den Nachbar grüßen, auch wenn der nicht grüßt. Das ist nicht immer leicht. Und es wird auch nicht immer gleich gut gelingen. Wo wir aber Schritte in diese Richtung tun in der neuen Gangart des Lebens, da entsteht ein neues Klima, da entstehen neue Spielräume des Handelns, da erfahren wir eine ganz neue Freiheit. Da ist ein Stück Reich Gottes jetzt schon gegenwärtig.

Mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird euch wieder zugemessen werden. Lk 6:38

Oft nehmen wir es auch nicht wahr, dass wir innerlich blind sind. Oft handeln wir schlecht, aber was noch schlimmer ist, wir entschuldigen uns. Zuweilen treibt uns Leidenschaft, wir aber nennen es Eifer. Wir tadeln Kleinigkeiten an anderen und übersehen Krebsschäden an uns. Was wir von anderen auszustehen haben, fühlen wir schnell und kreiden es an. Was aber die anderen von uns hinnehmen, das sehen wir gar nicht. Wer sich selbst recht und gerecht beurteilte, hätte keinen Grund, über andere scharf zu richten. Nachfolge Christi

Er sagte ihnen aber ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in die Grube fallen? Lk 6:39

Wenn also Christus nicht richtet, warum richtest du? Denn er kam nicht, die Welt zu richten, sondern sich über sie zu erbarmen. Wenn du einen Anderen richtest, und selbst dessen schuldig bist, bist du nicht einem Blinden ähnlich, der einen Blinden führt? Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Der Jünger ist nicht über seinem Meister; jeder aber, der vollendet ist, wird so sein wie sein Meister. Lk 6:40

Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Lk 6:41

Mit Kritik sind wir meist schnell bei der Hand gegenüber dem Nächsten. Da sieht man mit Adleraugen, was die anderen falsch machen und was schief läuft. Für die eigenen Fehler fehlt oft jede Einsicht. Ehrliche Selbstprüfung und ernsthafte Umkehr ist angesagt. Sich an der eigenen Nase fassen. Bei sich selbst anfangen. Wissen: während ich mit dem Finger auf andere zeige, zielen gleichzeitig drei Finger der Hand immer auf mich selbst.

Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, halt, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist, während du doch den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der im Auge deines Bruders ist! Lk 6:42

Wenn wir tadeln oder korrigieren müssen, sollten wir peinlich genau darauf achten, uns die folgende Frage zu stellen: Haben wir diesen Fehler noch nie begangen? Sind wir davon geheilt? Und selbst wenn wir ihn nie begangen haben, so sollten wir daran denken, dass wir Menschen sind und dass wir ihn hätten begehen können. Wenn wir ihn aber in der Vergangenheit begangen haben, sollten wir uns unserer Gebrechlichkeit erinnern, damit Wohlwollen und nicht Hass uns den Vorwurf oder Tadel diktieren. Ob der Schuldige nun besser oder schlechter wird – denn der Ausgang ist ungewiss –, so sind wir zumindest sicher, dass unser Blick rein geblieben ist. Doch wenn wir bei der Gewissenserforschung in uns denselben Fehler entdecken, den wir zu korrigieren vorgeben, sollten wir, anstatt ihn zu tadeln, mit dem Schuldigen weinen. Wir sollten ihn nicht auffordern, uns zu gehorchen, sondern unsere Bemühungen zu teilen. Augustinus

Lk 6,43-45: Frucht im Leben

Mt 7,15-20

Denn es gibt keinen guten Baum, der schlechte Frucht bringt, noch einen schlechten Baum, der gute Frucht bringt. Lk 6:43

Wenn du aber dieses hörst, so ergib dich nicht der Trägheit. Denn der Baum bewegt sich von Natur aus, du aber hast einen freien Willen, und jeder unfruchtbare Baum ist für etwas bestimmt, du aber bist zu dem Tugendwerke geschaffen.

Jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt; denn von Dornen sammelt man keine Feigen, und vom Dornbusch liest man keine Trauben. Lk 6:44

Worauf es wirklich ankommt: Die Dinge dieser Welt sind vergänglich. Heute kaufen wir ein neues Auto, in ein paar Jahren steht es auf dem Schrottplatz. Was bleibt bei all dem? Jesus lädt uns ein, gute Früchte zu bringen, Früchte, die bleiben, Früchte für die Ewigkeit. Das sind unsere guten Taten, die wir aus Liebe zu Gott und zum Nächsten vollbringen. Das ist das aufmunternde Wort, das geduldige Zuhören, die großzügige Unterstützung, das mutige Zeugnis oder das stille Gebet. Raphael Ballestrem

Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz seines Herzens das Böse hervor; denn wovon sein Herz voll ist, davon redet sein Mund. Lk 6:45

Was im Inneren, dafür steht das Herz, ist, dass bricht sich auch nach außen Bahn. Wo das Gute im Inneren ist, kommt Gutes heraus und wo Böses im Inneren verankert ist, kommt Böses heraus. Denn: Das Herz ist nicht unbegrenzt aufnahmefähig, irgendwann muss heraus, was drinnen ist.

Lk 6,46-49: Bauen auf ein festes Fundament

Mt 7,21-29

Er ist einem Menschen gleich, der ein Haus baute und dazu tief grub und den Grund auf den Felsen legte. Als nun eine Überschwemmung entstand, da brandete der Strom gegen dieses Haus, und er konnte es nicht erschüttern, weil es auf den Felsen gegründet war. Lk 6:48

Eine Überschwemmung entsteht auf dreifache Weise, entweder durch die Unruhe der bösen Geister, oder der bösen Menschen, oder der Seele und des Fleisches. So sehr sich die Menschen auf die eigenen Kräfte stützen, so sehr wanken sie; so sehr sie aber an jenem unbeweglichen Felsen hängen, so sehr können sie nicht wanken. Goldene Perle