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Lukas Evangelium – Kapitel 2

Lk 2,1-7: Die Geburt Jesu

In dieser Zeit befahl Kaiser Augustus, alle Bewohner des Römischen Reiches in Steuerlisten einzutragen. Lk 2:1

Lukas baut den Bezug zur Weltpolitik ein. Er nennt den römischen Kaiser Augustus. Neben dem historischen Aspekt verbirgt sich hier ein ernstes Anliegen. Kaiser Augustus war der Friedenskaiser. Lukas stellt diesem Friedenskaiser den Friedenskönig Jesus gegenüber. Zwei Personen, zwei Wege, zwei Ziele. Im Hintergrund schwingt die Frage mit: suchst du Glück, Erfüllung und inneren Frieden in weltlichen Dingen, die alle mitsamt vergehen werden oder suchst du dergleichen bei Christus, der uns einen Frieden schenkt, wie ihn die Welt nicht geben kann. Du und ich, trotz unseres Christseins stehen wir immer in der Gefahr, zu sehr der Welt anzuhaften. Bedenke stets: Du bist zwar auf dieser Welt, aber du bist nicht von dieser Welt!

Der Evangelist Lukas bringt in der Weihnachts-Geschichte immer wieder den zeitlich-weltlichen Bezug, hier der Bezug auf den damaligen römischen Kaiser Augustus. Neben dem Aspekt der „Historik“ steckt hier noch ein tieferer spiritueller Aspekt. Kaiser Augustus war damals der Friedenskaiser. „Hinter den Zeilen“ stellt Lukas dem Friedenskaiser August den Friedenskönig Jesus gegenüber. Jesus selbst sagt im Johannes-Evangelium, dass er uns den Frieden bringt, einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann. Habe ich Frieden? Frieden mit Gott? Frieden mit mir? Was bedeutet das für mich?

Jeder musste in seine Heimatstadt gehen, um sich dort eintragen zu lassen. So reiste Josef von Nazareth in Galiläa nach Bethlehem. Lk 2:3‭-‬4

Früher dachte ich die Geburtsgeschichte nach Lukas hat nur theologischen Aussagewert. Dem ist nicht so. Lukas war zwar kein direkter Augenzeuge, aber bei seinen Reisen mit Paulus war er auch in Israel selbst und hat die Apostel, Maria und andere Augenzeugen kennen gelernt. Für mich dabei immer wieder beeindruckend, wie eine hochschwangere Maria die 150 km von Nazareth nach Bethlehem zurück legte, sicher ein schwieriger Weg. Bethlehem heißt übersetzt das Haus des Brotes. Und hier wurde das Brot des Lebens geboren. Immer wieder beinhaltet auch dein Lebensweg schwierige Etappen. Besinne dich dann darauf, das dein sicheres Ziel Bethlehem sein wird, du Christus, das Lebensbrot, von Angesicht zu Angesicht sehen wirst. Gelobt sei Jesus Christus!

Wer aber konnte die Ausschreibung des ganzen Erdkreises bewirken, als der, welcher die Herrschaft über den ganzen Erdkreis hatte? Denn nicht dem Augustus, sondern dem Herrn gehört die Erde. Auf die Anordnung des Herrn erließ Augustus diesen Befehl, um den Geburtsort des Eingebornen zu bestimmen. Denn dieses Gebot führte die Mutter in die Vaterstadt, welche die Propheten vorhergesagt hatten, nämlich nach Bethlehem im Gebiet von Juda. (Goldene Kette)

Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war. Lk 2:4

Aber auch bis zum Ende der Welt hört der Herr nicht auf, in Nazareth empfangen, in Bethlehem geboren zu werden, da jeder Zuhörer durch die Aufnahme der Blüte des Wortes in sich ein Haus des ewigen Brotes errichtet, und täglich in dem jungfräulichen Leib, d.h. in der Seele der Gläubigen, durch den Glauben empfangen, durch die Taufe geboren wird. (Goldene Kette)

Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in die Krippe, weil für sie kein Raum war in der Herberge. Lk 2:7

O der bewunderungswürdigen Beschränkung und Entäußerung, welcher sich der unterzog, der den Erdkreis umfaßt! Vom Anfang an wählt er die Armut, und ehrt sie an sich. — Denn hätte er gewollt, so hatte er erscheinen können, indem er den Himmel bewegte, die Erde erschütterte, Blitze schleuderte. Aber nicht so kam er; denn er wollte nicht, verderben, sondern erlösen, und vom Grunde den menschlichen Stolz ausrotten, und daher wird er nicht nur ein Mensch, sondern auch ein armer Mensch, und er erwählt eine arme Mutter, welche keine Wiege hat, wohin sie das neugeborene Kind legen könnte. (Goldene Kette)

Deinetwegen ist er also schwach, an sich mächtig, deinetwegen arm, an sich reich. Betrachte nicht das, was du siehst, sondern erkenne, daß du erlöst werdest. Deinen Misshandlungen, Herr Jesu, verdanke ich mehr, daß ich erlöst wurde, als den Werken, daß ich erschaffen wurde. Die Geburt wäre zwecklos, wenn nicht die Erlösung eingetreten wäre.(Goldene Kette)

Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn Lk 2,7

Jesus wurde nicht wie zumeist dargestellt in einem Stall geboren, sondern sehr wahrscheinlich in einer der vielen Felsgrotten bei Bethlehem, die zur Unterbringung der Tiere in der Nacht genutzt wurden. Dort war es dunkel, dreckig und kalt. Von Geburt an gehört Jesus nicht dem Bereich zu, was weltlich wichtig, mächtig und glänzend ist. Und im Nächsten begegnet er dir eben auch gerade in Menschen, mit denen du Probleme hast.

So sehr liebgewonnene Advents- und Weihnachtsrituale ihre Berechtigung haben, so sehr müssen wir uns im Gegenzug davor hüten, uns von der gestiegenen Sentimatalisierung des Weihnachtsfest durch die Welt mitreißen zu lassen. Das Weihnachtsgeheimnis ist heilig und die darin beinhaltete Nachfolge Christi eine ernste Sache.

Das ewige Heute Gottes ist in das vergängliche Heute dieser Welt herabgestiegen und zieht unser vergehendes Heute in Gottes immerwährendes Heute hinein. Gott ist so groß, daß er klein werden kann. Gott ist so mächtig, daß er sich wehrlos machen kann und als wehrloses Kindlein auf uns zugeht, damit wir ihn lieben können. Gott ist so gut, daß er auf seinen göttlichen Glanz verzichtet und in den Stall herabsteigt, damit wir ihn finden können und so seine Güte auch uns berührt, uns ansteckt, durch uns weiterwirkt. Das ist Weihnachten. Gott ist einer von uns geworden, damit wir mit ihm sein, ihm ähnlich werden können. Er hat das Kind in der Krippe zu seinem Zeichen gewählt: So ist er. So lernen wir ihn kennen. Benedikt XVI

Sie wickelte ihn in Windeln. Lk 2:7

In einer Futterkrippe liegt Jesus in Windeln. Nach seiner Kreuzigung wird Jesus erneut mit Leinenbinden umwickelt. Die weihnachtliche Ikonographie stellt den neugeborenen Jesus häufig in einem kleinen Sarkophag da um anzuzeigen, dass der Erlöser geboren wird, um zu sterben; er wird geboren, um sein Leben für alle Menschen hinzugeben. Durch seinen Tod am Kreuz wird er die Menschheit retten. Wir beten dich an Herr Jesus Christus, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Sie legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war. Lk 2:7

Maria legte Jesus in eine Futterkrippe, ein Ort, an dem die Tiere ihre Nahrung finden. Ein Bild für Jesus als die wahre Speise, derer wir bedürfen. In der Eucharistie schenkt er sich uns unter der Gestalt eines keinen Stückes Brot. Weiter heißt es: Sie bekamen in der Herberge keinen Platz. Gott selbst kam, aber er wurde nicht aufgenommen. Neben dem historischen Aspekt, dass in Bethlehem aufgrund der Volkszählung alle Herbergen ausgebucht waren, liegt hier auch ein tieferere Botschaft an uns: Halte immer den tiefsten Platz in deinem Herzen für Jesus frei. Er ist die wahre und einzige Speise, die allein du brauchst.

Vom Stall ist nicht die Rede. Jesus wurde nicht in einem Stall geboren, wie es in den Krippendarstellungen zu sehen ist. Wahrscheinlicher ist es, dass es eine Felsgrotte war, die für die Unterbringung der Tiere genutzt wurde. Ich war in Bethlehem und war auch in einer dieser Felsgrotten. Es war einer meiner Aha-Erlebnisse, als ich erkannte, dass von Romantik und Erhabenheit bei der Geburt Jesu Christi hier nicht zu sprechen ist. Es war wahrscheinlich dunkel, dreckig, kalt … und Musik lief auch nicht im Hintergrund. Was bedeutet das für eine Frau in einer solchen Situation in solchen Umständen ein Kind zu gebären?

Christus wurde im Stall geboren. Für den Tiefenpsychologen C. G. Jung ist das ein wichtiges Symbol. Er meint, wir sollten immer daran denken, dass wir nur der Stall sind, in dem Gott geboren wird. Wir sind nicht der Palast, nicht das neu erbaute und schön eingerichtete Haus, nicht das behagliche Wohnzimmer. Auch unser Herz ist nicht rein und sauber, nicht keimfrei. Da hat sich so mancher Unrat angesammelt. Alles, was wir verdrängt haben, liegt da unter der Oberfläche verborgen und fault vor sich hin. Und gerade dort, wo all der »Mist« in uns liegt, will Gott in uns geboren werden. Wir können Gott keine saubere Stube anbieten, sondern nur den schmutzigen Stall unseres Herzens. Das ist uns peinlich. Aber es befreit uns von dem Wahn, als ob wir die Gottesgeburt durch Perfektion verdienen müssten. Gott will in uns geboren werden, weil er uns liebt, nicht weil wir ihm etwas vorweisen können. Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir gerade so, wie wir sind, für Christus Wohnstatt sein dürfen, der Stall, in dem er für uns und für diese Welt geboren wird. Anselm Grün

Lk 2, 8-20: Besuch der Hirten

In der gleichen Nacht hielten ein paar Hirten draußen auf dem freien Feld Wache bei ihren Herden Lk 2,8

Der Jerusalemer Tempel bezog seine Tiere für die Opfer aus der Gegend von Bethlehem, was ca. 12 km von Jerusalem entfernt liegt. Daher waren in dieser Gegend viele Hirten das ganze Jahr über. Gott lüftet den Schleier seiner Verborgenheit als erstes vor den ganz Geringen, vor Menschen, die in der großen Gesellschaft eher verachtet waren: den Hirten. Es sind nicht hohe, angesehene Personen, Priester, Schriftgelehrte etc. die den neugeborenen Messias zuerst begrüßen, sondern einfache Hirten. Neben der Historizität spielt sich hier tiefster Aussageinhalt wider. Gott ist ein Gott der einfachen, demütigen Menschen und wenn wir uns ihm so nähern, verschließt er sich uns nicht.

Gott ist ein Gott der Schwachen, Armen und Kranken. Darum: Freut euch – in eurer Mitte ist der Herr. Denn: Wir sind die Schwachen, die aus der Kraft Gottes leben, du und ich sind die Armen, die in Christus reich beschenkt werden, wir alle sind die Kranken, die nur eines Arztes bedürfen: Jesus Christus. Das Wunder aller Wunder, daß Gott das Niedrige liebt! Wo die Menschen sagen: verloren, da sagt er gefunden, wo die Menschen sagen gerichtet, da sagt er gerettet, wo die Menschen sagen: Nein da sagt er: Ja!

Die Hirten erschraken sehr. Auf einmal waren sie von unzähligen Engeln umgeben, die Gott lobten. Lk 2:9;13

Ohne die Engel hätten die Hirten Jesus nicht erkannt. Sei dir gewiss: Gott schickt auch dir Engel, die dir helfen, Jesus in deinem Alltag zu entdecken. Allerdings musst du wie die Hirten wachsam sein, ansprechbar für Gott, dein Herz öffnen für ihn, der die Weisheit selbst ist und sich schenkt. Deine Wachheit sei Bereitschaft zum Hören und zum Aufbrechen. „Ihr müsst immer wachsam und bereit sein!“ (Mk 13:37) Christus ist immer der Kommende. Gott ist immer gegenwärtig. Wir sind es, die abwesend sind!

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. Lk 2:10

Weihnachten ist das Fest der Geschenke geworden, um Gott nachzuahmen, der sich uns selber geschenkt hat. Lassen wir unser Herz, unsere Seele, unsere Gedanken davon berühren. Das wahre Weihnachtsgeschenk ist die Freude, nicht die teuren Geschenke, die Zeit und Geld kosten. Wir können diese Freude in ganz einfacher Weise mitteilen, durch ein Lächeln, durch eine nette Geste, durch ein wenig Hilfe, durch Vergebung. Wenn wir den anderen die Freude bringen, dann wird die Freude, die wir geschenkt haben, wieder zu uns zurückkehren. Versuchen wir vor allem, die tiefste Freude zu bringen, die Freude, Gott in Christus kennengelernt zu haben. Bitten wir darum, daß in unserem Leben diese Gegenwart der befreienden Freude Gottes sichtbar werde. Benedikt XVI

Es geht um die christliche und nicht um die von äußeren Umständen abhängende weltliche Freude. Im unserem Leben wird es immer Leid und Schwierigkeiten geben. Wenn wir in der christliche Freude wachsen, können wir diesem Leid in einer Weise begegnen, die uns nicht verbittern lässt. Wir erleben dann Not, ohne dass sie uns verhärtet. Wir erleben dann Kummer, ohne daran zu zerbrechen. Die Frage ist nicht: Wie kann ich den Schwierigkeiten entgehen? Sie lautet: Wie kann ich trotz oder sogar wegen dieser Schwierigkeiten in der wahren Freude leben? Die Art und Weise, wie wir all dem Negativen in unserem Leben begegnen und dabei ganz eng mit Jesus verbunden sind, ist enorm wichtig und entscheidend.

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, Christus, der Herr. Lk 2,11

Wache auf! Erinnere dich daran, daß Gott kommt! Nicht gestern, nicht morgen, sondern heute, jetzt! Der einzige und wahre Gott ist kein Gott, der im Himmel weilt, ohne sich für uns und unsere Geschichte zu interessieren, sondern er ist der Gott-der-kommt. Er ist ein Vater, der nie aufhört, an uns zu denken, und der mit äußerster Achtung unserer Freiheit wünscht, uns zu begegnen und zu uns zu kommen. Er will in unsere Mitte kommen und unter uns wohnen, er will bei uns bleiben. Zu seinem Kommen drängt ihn sein Wille, uns vom Bösen und vom Tod zu befreien, von allem, was unser wahres Glück verhindert. Gott kommt, um uns zu retten. Benedikt XVI

Und das sei für euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln ge­wickelt, in der Krippe liegend. Lk 2:12

Gottes Zeichen ist das Einfache. Gottes Zeichen ist das Kind. Gottes Zeichen ist es, daß er sich für uns klein macht. Das ist die Weise, wie er herrscht. Er kommt nicht mit äußerer Macht und Größe. Er kommt als Kind – unbewehrt und unserer Hilfe bedürftig. Er will uns nicht mit Macht überwältigen. Er nimmt uns unsere Furcht vor seiner Größe. Er bittet um unsere Liebe: Darum wird er Kind. Nichts anderes will er von uns als unsere Liebe, durch die wir von selber lernen, in seine Gesinnungen, in sein Denken und Wollen einzutreten – mit ihm mitzulieben und mit ihm auch die Demut des Verzichts zu erlernen, die zum Wesen der Liebe gehört. Gott hat sich klein gemacht, damit wir ihn verstehen, ihn annehmen, ihn lieben können. Benedikt XVI

Lasst uns nach Betlehem gehen. Lk 2,15

So sagten die Hirten und das taten sie auch. Auch wir, Herr, wollen nach Betlehem kommen. Der Weg ist heute noch genauso mühsam: Da muss der Gipfel des Egoismus überwunden werden, man darf dabei nicht in die Schluchten der Weltlichkeit und des Konsumismus abgleiten. Ich will nach Betlehem kommen, Herr, weil du dort auf mich wartest. Und dort will ich verstehen, dass du, der du in einer Krippe liegst, das Brot meines Lebens bist. Ich brauche den zarten Duft deiner Liebe, um auch selbst gebrochenes Brot für die Welt zu sein. Herr, nimm mich auf deine Schultern, du guter Hirte: Von dir geliebt, werde auch ich lieben und meine Brüder und Schwestern an der Hand nehmen können. Dann wird Weihnachten sein, wenn ich zu dir sagen kann: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Franziskus

Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend. Nachdem sie es aber gesehen hatten, machten sie überall das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde. Lk 2:16‭-‬18

I. Sie eilen: Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend…..Lasst uns nicht träge sein, wenn es darum geht dem Herrn Jesus zu begegnen.

II. Sie missionieren: Nachdem sie es aber gesehen hatten, machten sie überall das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war…..Die Begegnung mit dem Herrn Jesus drängt nach aussen, will teilen. Das ist der Kern der Mission.

III. Sie erzeugen Verwunderung: Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde……Gottes Botschaft versetzt uns ins Staunen. Wer nicht mehr staunen kann, der entfernt sich vom Glauben.

Alle die es hörten, verwunderten sich Lk 2,18

Verwunderung ist ein roter Faden im LK-Evangelium. Es kommen viele Stellen vor, wo dass das Volk verwundert war, staunte. Wir versuchen heute immer alles im wissenschaftlichen Sinne zu durchschauen, „Wahrheit“ empirisch zu ermitteln. Die Gefahr ist, darauf hat auch Einstein hingewiesen, dass das Staunen verloren geht, die Verwunderung. Die Verwunderung ist ein ganz wichtiger Teil in der Gottesbeziehung. Die Verwunderung ist auch in meinem Begreifen von Weihnachten ein wichtiger Punkt. Worüber staunst, verwunderst du dich, wenn du das Wirken Gottes in deinem Leben betrachtest?

Denn wie sollte man sich nicht verwundern, zu sehen, daß das Himmlische mit dem Irdischen und das Irdische mit dem Himmlischen im Frieden versöhnt werden, und daß jenes Wunderkind seiner Gottheit nach das Himmlische, seiner Menschheit nach aber das Irdische mit einander verbinde und diesen wunderbaren Bund in sich schließe? (Goldene Kette)

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Lk 2:19

Dieses Schweigen sagt uns, dass auch wir die Stille brauchen, wenn wir etwas bewahren wollen. Es ist notwendig, schweigend die Krippe zu betrachten. Denn vor der Krippe stehend entdecken wir von neuem, dass wir geliebt sind, und dort verkosten wir den unverfälschten Sinn des Lebens. Im schweigenden Betrachten lassen wir zu, dass Jesus zu unserem Herzen spricht: dass seine Kleinheit unseren Hochmut überwindet, dass seine Armut unser Schwelgen stört, dass seine Zärtlichkeit unser verhärtetes Herz anrührt. Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms. Papst Franziskus

Und die Hirten kehrten wieder um und priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war. Lk 2:20

Alle aber frohlockten bei der Geburt Christi, nicht menschlicher Weise, wie sich die Menschen über ein neugeborenes Kind zu freuen pflegen, sondern über die Gegenwart Christi und den Glanz des göttlichen Lichtes. Daher folgt: Und die Hirten kehrten zurück, verherrlichten und loben Gott in Allem, was sie vernommen hatten. (Goldene Kette)

Lk 2,21-40: Darstellung des Herrn

Als die Zeit vorüber war, in der laut dem Gesetz von Mose eine Frau nach der Geburt als unrein gilt, brachten Josef und Maria das Kind nach Jerusalem, um es dem Herrn zu weihen. Lk 2:22

Das erstgeborene Kind gehörte nach jüdischem Gesetz Gott. Um es dennoch zu behalten, musste es durch ein Opfer ausgelöst werden. Interessant und häufig überlesen: vom Vollzug dieser Auslösung bei Jesus durch Maria und Josef wird hier nichts geschrieben, d.h. Jesus als Erstgeborener ist nicht ausgelöst, wie könnte es auch sein, da Jesus ja selbst fleischgewordene Wort Gottes ist. Und im großen Bogen unseres Glaubens an die Erlösung wird dieser erstgeborene Jesus später der Erstgeborene von den Toten, der den Tod besiegt hat.

Auch du gehörst ganz und gar Gott, mit Haut und Haaren. Und im Gegenzug können wir im Glauben sagen: Du Gott bist mein Ein und Alles. Durch seinen Sieg über den Tod hast du schon jetzt das ewige Leben. Dein Tod wir schlicht nur ein Übergang sein. Dank sei Gott dem Herrn.

Und er hatte vom Heiligen Geist die Zusage empfangen, dass er den Tod nicht sehen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe. Lk 2:26

Den Tod sehen heißt aber: ihn erfahren; und glückselig wird der den Tod des Fleisches sehen, welcher den Gesalbten des Herrn zuvor mit den Augen des Herzens zu sehen sich bemühte, indem er in dem himmlischen Jerusalem den Wandel hat, und die Schwellen des Tempels Gottes häufig besucht, d.h. die Beispiele der Heiligen, in welchen Gott wohnt, nachahmt. (Goldene Kette)

Und er kam auf Antrieb des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus hineinbrachten, um für ihn zu tun, was der Brauch des Gesetzes verlangte. Lk 2:27

Auch du bemühe dich, wenn du Jesus haben und auf deine Arme nehmen willst, auf jegliche Weise, daß du den Geist zum Führer hast und zu dem Tempel Gottes kommest. (Goldene Kette)

Da nahm er es auf seine Arme, lobte Gott und sprach. Lk 2:28

Wie selig die Hände, welche das Wort des Lebens berührten, und die Arne, welche ihn ausnahmen! Es nahm aber der Gerechte nach dem Gesetz das Kind Jesus auf seine Arme um auszudrücken, daß die dem Gesetz entsprechende Gerechtigkeit der Werke, welche durch die Hände und Arme bezeichnet werden, durch die zwar demütige, aber heilsame Gnade des evangelischen Glaubens verwandelt werden müsse. (Goldene Kette)

Simeon nahm Jesus in seine Arme und lobte Gott: Herr, du hast dein Wort gehalten, jetzt kann ich, dein Diener, in Frieden sterben. Lk 2:28‭-‬29

Nach den Worten der Freude folgt im Lobgesang des Simeon eine Kreuzesprophetie. Geburt und Tod, Freude und Leid, Krippe und Kreuz, sind auf das engste verbunden. Die Herrlichkeit Jesu ist mit seinem Kreuz untrennbar verbunden. Die Erlösung in Christus ist kein spirituelles Wellness-Programm, sondern Befreiung von unserer Verzwängung ins Ich hinein. Diese Befreiung kostet den Schmerz des Kreuzes.

Dazu Franz von Sales: Unsere Seelen sollen in sich hinein ein Kind gebären. Jesus soll in uns Gestalt gewinnen. Nur Mut, man muß viel leiden, um dieses Kind zur Welt zu bringen. Doch ist es wert, daß man diese Schmerzen auf sich nimmt. Nur so kannst du ihm Mutter sein.

Nun, Herr, entlässt du deinen Knecht in Frieden nach deinem Wort! Lk 2:29

Denn nachdem Christus die feindliche Schuld vernichtet und auch uns mit dem Vater versöhnt hatte, so erfolgte das Hinscheiden der Heiligen im Frieden. Wer aber scheidet von diesem Leben im Frieden als der, welcher einsieht, daß Gott in Christus die Welt mit sich versöhnte und wer nichts Feindliches gegen Gott hat, sondern jeglichen Frieden durch die guten Werke in sich aufgenommen hat? (Goldene Kette)

Denn meine Augen haben dein Heil gesehen. Lk 2:30

Selig deine Augen, sowohl die der Seele als des Leibes. Denn diese faßten Gott sichtbar, jene aber bemerkten nicht nur das Gesehene, sondern erkannten auch, von dem Glanze des Geistes des Herrn erleuchtet, das Wort im Fleisch. Denn das Heil, das du mit den Augen berührt hast, ist Jesus selbst; denn er ist der Heiland. Christus war aber das Geheimnis, welches in den letzten Zeiten der Welt offenbar wurde, da es vor dem Ursprung der Welt vorbereitet war. (Goldene Kette)

Dein Licht erleuchtet. Lk 2:32

Wo Liebe ist, geht ein Licht auf in der Welt; wo Haß ist, ist die Welt finster. Ja, im Stall von Bethlehem ist das große Licht erschienen, auf das die Welt wartet. In dem Kind, das da im Stall liegt, zeigt Gott seine Herrlichkeit – die Herrlichkeit der Liebe, die sich selbst verschenkt und die sich aller Größe begibt, um uns auf den Weg der Liebe zu führen. Das Licht von Bethlehem ist nicht mehr erloschen. In allen Jahrhunderten hat es Menschen berührt, hat es sie umstrahlt. Wo der Glaube an dieses Kind aufging, da blühte auch die Caritas auf – die Güte für die anderen, das Zugehen auf die Schwachen, auf die Leidenden; die Gnade des Verzeihens. Von Bethlehem her zieht sich eine Lichtspur, eine Spur der Liebe. Das eigentliche Geheimnis, um das es an Weihnachten geht, ist das innere Leuchten, das von diesem Kinde kommt. Lassen wir uns von diesem inneren Leuchten anstecken, das Flämmchen von Gottes Güte in unserem Herzen entzünden und tragen wir alle durch unsere Liebe Licht in die Welt; lassen wir dieses Licht nicht auslöschen durch die Zugluft der Zeit. Hüten wir es treulich und schenken wir es weiter. Benedikt XVI

Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Lk 2:34

Es folgt: Und zum Zeichen, dem widersprochen wird. Das Zeichen, dem widersprochen wird, heißt in der Schrift eigentlich das Kreuz. Denn sie sagt: Moses machte eine eherne Schlange, und errichtete sie zum Zeichen. — Er verbindet das Schmachvolle mit dem Herrlichen. Dieses beweist uns Christen dieses Zeichen; es ist ein Zeichen des Widerspruches, wenn es von den Einen für lächerlich und abscheulich, von den Anderen aber für sehr verehrungswürdig gehalten wird. (Goldene Kette)

Aber auch dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen, damit aus vielen Herzen die Gedanken geoffenbart werden. Lk 2:35

Denn obschon sie Christus als Sohn Gottes freiwillig sterben sah, und nicht zweifelte, daß er über den Tod siegen werde, so konnte sie ihn doch, der von ihrem Fleisch geboren war, nicht ohne das Gefühl des Schmerzes gekreuzigt werden sehen. (Goldene Kette)

Lk 2,41-52: Jesus als zwölfjähriger im Tempel

Und es geschah, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzend mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie befragte. Lk 2:46

Es erstaunten aber alle, die ihn hörten, über sein Verständnis und seine Antworten. Lk 2:47

Wenn man sucht, findet man nicht sogleich; denn nicht unter den fleischlichen Verwandten und Bekannten findet man Jesus, nicht bei denen, welche leiblich mit ihm verbunden sind. Bei der Gesellschaft Vieler kann mein Jesus nicht gefunden werden. Lerne, wo ihn die Suchenden finden. Nicht überall, sondern im Tempel; auch du suche Jesus im Tempel Gottes. Nach dem dritten Tage wird er im Tempel gefunden, um zu zeigen, daß er nach drei Tagen als Obsieger über den Tod auferstände, da er für tot gehalten wurde, und auf dem himmlischen Thron und in göttlicher Ehre unserem Glauben erschiene. (Goldene Kette)

Er fragte aber, nicht um zu lernen, sondern ihn durch die Frage zu unterrichten. Denn es gehört zu einer Lehre, sowohl weise zu fragen, als auch zu antworten.(Goldene Kette)

Und als sie ihn sahen, waren sie bestürzt; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht! Lk 2:48

Warum suchten sie ihn aber mit Schmerzen? Etwa darum, daß er zu Grunde gegangen, oder umhergeirrt sei? Das sei ferne; denn konnten sie den Knaben für verloren halten, von dem sie wußten, daß er der Herr sei? So suchten auch sie Jesus mit Schmerzen und mit Furcht, er mochte sie verlassen und in den Himmel zurückgekehrt sein, von wo er, wenn er wollte, wieder herabkäme. Es muß also der, welcher Jesus sucht, nicht nachlässig und zerstreut Vorbeigehen, wie Viele suchen und nicht finden, sondern mit Schmerz und Ausdauer. (Goldene Kette)

Warum habt ihr mich gesucht?, erwiderte Jesus. Habt ihr denn nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss ? Lk 2:49

Das ist die erste Stelle im Evangelium, wo Jesus als 12 jähriger von Gott als seinem Vater spricht, wo das Geheimnis seiner Verbindung mit dem Vater aufleuchtet. Das ist die erste Stelle, wo das häufige Wort „muss“ fällt. Häufig wird es noch folgen z.B. zu Zachäus „Ich muss in deinem Haus bleiben.“ (LK 19,5) oder „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist“ (Joh 9,4) und im Zentrum: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden“ (Joh 3,14).

Dieses „Muss“ drängt den Seelenhirten Jesus das verlorene Schaf zu suchen. Dieses Schaf aber, das bist du und ich. Er sucht uns nicht nur einmalig, sondern in jedem Moment, wo uns die Wirnisse unseres Lebens und die Kräfte dieser Welt von ihm weg ziehen. Er muss uns suchen. Das ist das Wesen und der Kern seiner Liebe.

Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Lk 2:50‭-‬51

Das Wort Gottes muss reifen. Das Wort Gottes ist zu groß für den Augenblick, es muss immer und immer wieder bedacht, gelesen, meditiert werden. Auch wenn ich manche Worte nicht verstehe, bewahre ich sie im Herzen. Zur rechten Zeit werden sie Frucht bringen. Neben dem Wort Gottes gibt es auch Ereignisse in unserem Leben, die wir nicht gleich oder gar nie verstehen. Akzeptiere diese Dunkelheit, vertraue und unterwerfe dich in Demut in diesem Nichtverstehen Gott. Auch darin folgst du dem Beispiel Jesu: seine alltägliche Unterwerfung bis zu seiner Wirkungszeit unter Maria und Josef kündigt letztlich schon die Unterwerfung am Gründonnerstag an.