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Lukas Evangelium – Kapitel 1

Lk 1,1-4: Vorwort

Nachdem viele es unternommen haben, einen Bericht über die Tatsachen abzufassen, die unter uns völlig erwiesen sind, wie sie uns diejenigen überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, Lk 1:1‭-‬2

Wenn er aber sagt, daß die Apostel Zuschauer dieses Wortes waren, so stimmt er mit Johannes überein, welcher sagt: Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen. Denn das Wort wurde mittelst des Fleisches sichtbar. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Nun habe auch ich mich dazu entschlossen, allem von Anfang an sorgfältig nachzugehen und es für dich, verehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. Lk 1:3

Lukas schreibt sein Evangelium an Theophilus. Theophilus bedeutet Gottesfreund. Der Evangelist Lukas meint damit jeden, der durch Jesus zur Freundschaft mit Gott gefunden hat. Lukas schreibt sein Evangelium, damit jeder von uns das Geheimnis des Zimmermannsohns Jesus besser verstehe lerne, wer dieser Jesus war und wer Jesus ist: der Christus, der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Theophilus (also auch wir) sollen durch das Wort Gottes im Glauben gestärkt werden.

Ohne die Heilige Schrift, die Jesus Christus allein zum Gegenstand hat, erkennen wir nichts, und wir sehen nur Dunkles und Verworrenes in Gottes Sein und in seinem eigenen Wesen. Blaise Pascal

Lk 1,5-25: Ankündigung Geburt des Täufers

In den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Abteilung Abijas; und seine Frau war von den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabeth. Lk 1:5

Sie waren aber beide gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Rechtsbestimmungen des Herrn. Lk 1:6

Er sagt aber treffend: vor Gott; denn es kann Jemand durch eine geheuchelte Tugend vor den Menschen gottesfürchtig erscheinen, ohne es vor Gott zu sein, da die Gerechtigkeit vor den Menschen nicht von der Einfalt des Herzens herrührt, sondern durch Schmeichelei erkünstelt ist. Das vollkommene Lob besteht also darin, vor Gott gerecht zu sein. Denn der allein ist unbescholten, welcher bei dem, der sich nicht täuschen kann, erprobt wird. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Gebet ist erhört worden, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. Lk 1:13

Johannes bedeutet also: In dem die Gnade, oder: Die Gnade des Herrn. Dieser Name zeigt zuerst an, daß den Eltern eine Gnade erwiesen wurde, weil ihnen im hohen Alter ein Sohn geboren wurde; sodann, daß Johannes selbst eine Gnade erwiesen wurde, weil er groß vor dem Herrn sein sollte; zuletzt, daß auch den Kindern Israels eine Gnade erzeigt wurde, weil er sie zu Gott bekehren würde. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Unser Vertrauen auf Gott muss stark sein, so wie bei Zacharias, der jahrelang vergeblich um Nachwuchs betete und nichts geschah. Menschlich gesehen gab es aufgrund des Alters von Elisabeth keine Hoffnung mehr. Und dann passiert es doch. Zacharias wird die Geburt von Johannes angekündigt. Elisabeth wird schwanger. Sie vertrauten und sind so Vorbilder für uns im Glauben. Darum: Vertraue – Gott erhört dein Gebet. Wie oft beten wir und zweifeln doch, ob Gott hilft. Er tut es. Aber das wann, wo und wie liegt in seiner Hand.

Denn er wird groß sein vor dem Herrn Lk 1:15 

Er drückte damit nicht die Größe des Leibes, sondern der Seele aus; vor Gott ist die Größe der Seele, die Größe der Tugend. Denn Viele heißen groß, aber vor den Menschen, nicht vor Gott, wie die Heuchler. Auf gleiche Weise wurden auch die Eltern des Johannes gerecht vor dem Herrn genannt. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und mit Heiligem Geist wird er erfüllt werden schon von Mutterleib an. Lk 1:15

Denn der heilige Johannes drückte, ehe er geboren wurde und noch im Mutterleibe war, aus, daß er die Gnade des Heiligen Geistes empfangen habe, da er in dem Leib der Mutter aufsprang und die Ankunft des Herrn verkündete. Ein anderer ist der Geist dieses Lebens, ein anderer der Geist der Gnade. Jener nimmt durch die Geburt seinen Anfang und durch den Tod sein Ende; dieser aber wird nicht durch das Alter beschränkt, nicht durch den Tod ausgetilgt, nicht vom Leib der Mutter ausgeschlossen. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Woran kann ich erkennen, dass deine Worte wahr sind? Lk 1:18

Auf die Geburtsankündigung reagiert Zacharias mit Zweifel. Schon hier klingen die Worte Jesus mit: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (Mt 14:31) Zweifeln bedeutet, dass wir nicht daran glauben, dass Gott in unserem Leben ist und wirkt. Leben wir kontinuierlich im Zweifel und beheimaten uns dort, dann frisst uns der Zweifel auf. Darum: Wacht und betet allezeit. Sicher überfallen uns immer wieder Bedenken. Aus diesen Bedenken heraus können wir jedoch umso stärker unseren Glauben bekennen an einen Gott, der uns nahe ist! Gott erfüllt sein Heilswort!

Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, zu dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Lk 1:19

Denn nicht von mir rede ich, sondern ich verkünde den Befehl des Absendenden. Denn darin liegt die gute Eigenschaft des Boten, daß er nichts von sich berichtet. Hierbei ist zu bemerken, daß der Engel bezeugt, er stehe vor Gott, und sei abgesandt, dem Zacharias gute Botschaft zu bringen.  Denn wenn die Engel zu uns kommen erfüllen sie so ihren Dienst, daß sie jedoch niemals im Innern durch die Anschauung abwesend sind, weil der menschliche Geist beschränkt, der höchste Geist, Gott, aber unbeschränkt ist. Die abgesendeten Engel sind daher auch von ihm; denn an welchen Ort sie immer hinkommen, so sind sie doch in ihn. Goldene Perle

Lk 1,26-38: Ankündigung der Geburt Jesu

Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann namens Joseph, aus dem Haus Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. Lk 1:26‭-‬27

Wie durch Eine Frau und einen Mann die Sünde und Traurigkeit zugleich in die Welt kam, so wurde auch durch eine Frau und einen Mann der Segen und die Freude erneuert und auf Alle übertragen. Jener aber, welcher den Engel zur Jungfrau sandte, war schon bei der Jungfrau, und der Herr ging seinem Boten voran, und der, welcher an allen Orten ist, konnte von keinem Orte eingeschränkt werden. Daher folgt: Der Herr ist mir dir. Goldene Perle

Der Engel trat bei ihr ein und sprach: Sei gegrüßt, du Gnadenvolle, der HERR ist mit dir. Lk 1:28

Maria wird die Gnadenvolle genannt. Im Griechischen hat der Begriff Gnade dieselbe sprachliche Wurzel wie das Wort Freude. Die Freude kommt aus der Gnade und dieses „Freue dich“ ist das erste Wort Gottes im Evangelium, ein Aufruf an uns alle, der durch die ganze Zeit weiterklingt. Freude über die Gnade darüber: „Gott wird ein Mensch, damit die Menschen Gotteskinder werden können“ (Edith Stein) Durch die Gnade Gottes sind wir angenommen als seine Kinder. Trage den Grund dieser tiefen Freude stets in deinem Herzen und lass diesen Glauben deinen Alltag beseelen.

Freude und Gnade haben den gleichen Wortsamm (Chara-charis), gehören also zusammen. Das im griechischen Urtext des Lk-Evangeliums an dieser Stelle verwendete Wort χαιρε (chaire) bedeutet also wörtlich auch: Freue dich! Dieses „Freue dich!“ ist das erste Wort (!!) Gottes im Evangelium, dieses „Freue dich“ ist ein „Akkord“, der durch die ganze Zeit bis heute weiterklingt und in der Auferstehung des Herrn seinen Höhepunkt findet.

Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Jesus soll er heißen. Lk 1:31

Es heißt: Du wirst im Leib empfangen, um anzuzeigen, daß der Herr im jungfräulichen Leib und von unserer Natur Fleisch annehme. Denn es kam das göttliche Wort, um die menschliche Natur, die Geburt und die Anfänge unseres Geschlechtes zu heiligen. Daher wird er ohne Sünde und ohne menschlichen Samen in Allem, wie wir, im Fleisch empfangen und neun Monate lang im Leib getragen. Goldene Perle

Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Lk 1:32‭

Denn weithin reicht die Macht Gottes, weithin erstreckt sich die Größe der himmlischen Wesenheit. Sie wird nicht vom Ort eingeschlossen, nicht von dem Gedanken begriffen, nicht von der Hochschätzung erreicht, nicht vom Alter verändert. Betrachte also die Größe des Erlösers, wie sie über dem ganzen Erdkreis ausgebreitet ist. Erhebe dich zum Himmel, wie er das Himmlische erfüllte; steige im Gedanken in die Tiefe hinab, und betrachte, daß er dahin sich herabgelassen. Wenn du dieses siehst, wirst du zugleich das Wort erfüllt sehen: Dieser wird groß sein. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Die Annahme des Fleisches beeinträchtigt die Erhabenheit der Gottheit nicht, ja es wird vielmehr die Niedrigkeit der Menschheit erhoben. Daher folgt: Und er wird der Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Denn auch vor der Welt war er mit dem Vater eines Wesens. Diesen also sollst du empfangen, dessen Mutter werden, diesen wird die jungfräuliche Kammer einschließen, den der Himmelsraum nicht fassen kann. Goldene Kette

Er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit und seines Königreichs wird kein Ende sein. Lk 1:33

Es folgt: Und seines Reiches wird kein Ende sein, nicht nur insofern er Gott, sondern auch insofern er Mensch ist. Und für jetzt hat er die Herrschaft über Viele, am Ende aber über Alle, wenn ihm Alles unterworfen werden wird. Goldene Kette

An Jesus glauben bedeutet auf sein Wort zu hören und das Wort selbst in der Gestalt des Brotes zu empfangen. In unseren Herzen und in den Worten der heiligen Schrift ist er hier und steht lebendig vor uns. Und in der Gestalt von Brot und Wein wird er auf dem Altar gegenwärtig und für uns auf’s Innigste empfangbar. Thomas von Aquin sah die Eucharistie als Königsmahl. Und das ist sie! Welch Gnade! Welch Freude! Wir bitten: Verbirg Dich nicht Herr, bleibe bei uns, daß wir Dich berühren können und Deine Nähe erfahren! Gib, daß wir immer bei Dir bleiben wollen! Sei Du unser König, der unser Leben und all unser Tun regiert!

Der Glaube ist die Hand eines Bettlers, die sich ausstreckt, um die Gaben des Königs in Empfang zu nehmen. Corrie ten Boom

Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich [Maria] überschatten. Lk 1:35

Denn das Wort Überschattung bezeichnet die beiden Naturen des menschwerdenden Gottes. Denn der Schatten wird von dem Lichte und dem Körper gebildet; der Herr ist aber seiner Gottheit nach das Licht. Weil also das unkörperliche Licht in dem Körper Leib werden mußte, so heißt es bezeichnend: Die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten, d.h. der Leib der Menschheit wird in dir das unkörperliche Licht der Gottheit aufnehmen. Goldene Kette

Maria, du Begnadete (Lk 1,30), die uns zeigt, wie wichtig es ist, dass wir Gottes Wort und Wirken in unserem Herzen bewahren (Lk 2,19) und uns als Diener des Herrn verstehen (Lk 1,38.48). Du weist uns an: Was er auch sagt , das tut! (Joh 2,5), ein täglich Hören auf Jesus. Bis zum Ende standest du unterm Kreuz deines sterbenden Sohnes (Joh 19,25-27) und schartest die Jünger um dich in der Erwartung des hl. Geistes (Apg 1,14).

Ewige Frau, du bist Mutter und Jungfrau, du bist an Leib und Seele Mutter unseres Hauptes und Erlösers, du bist auch Mutter aller Glieder Christi. Augustinus

Der Herr ist in sie gekommen, um sich zum Diener zu machen. Das Wort ist in sie gekommen, um in ihrem Schoß zu schweigen. Der Blitz ist in sie gefahren, ohne jedes Geräusch. Der Hirte ist in sie gekommen, und hier nun ist geboren das Lamm, das leise weint. Denn durch den Schoß Marias wurden die Rollen verkehrt: Er, der alles geschaffen hat, hat sich der Schöpfung bemächtigt, jedoch in Armut. Der Allerhöchste ist in sie (Maria) gekommen, doch er kam in Demut. Der Glanz ist in sie gekommen, doch er war in bescheidene Tücher gehüllt. Er, der alles schenkt, ist dem Hunger begegnet. Er, der alle erquickt, ist dem Durst begegnet. Nackt und bloß ist er aus ihr hervorgegangen, Er, der alles mit Schönheit umhüllt. Ephräm der Syrer

Für Gott ist nichts unmöglich. Lk 1:37

Hier Zacharias, dort Maria. Hier ein Priester, dort eine unbekannte Frau. Hier die Erscheinung im Tempel, dort im Dorf. Hier in der Liturgie, dort zur unbekannten Stunde. Hier der Zweifel, dort das Ja Mariens.

Die Botschaft: Zeichen des neuen Bundes in Jesus Christus ist Demut, Verborgenheit, das Zeichen des Senfkorns. Gott handelt häufig anders wie wir es wünschen und erwarten. Glauben wir in allem an Gottes Allmacht und Barmherzigkeit.

Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach dei­nem Wort! Und der Engel schied von ihr. Lk 1:38

Der Mensch, der sich vollkommen in die Hände Gottes übergibt, wird keine Marionette Gottes, keine langweilige, angepaßte Person. Er verliert seine Freiheit nicht. Nur der Mensch, der sich ganz Gott anvertraut, findet die wahre Freiheit, die große und schöpferische Weite der Freiheit des Guten. Der Mensch, der sich zu Gott hinwendet, wird nicht kleiner, sondern größer, denn durch Gott und zusammen mit Ihm wird er groß, wird er göttlich, wird er wirklich er selbst. Der Mensch, der sich in die Hände Gottes übergibt, entfernt sich nicht von den anderen, indem er sich in sein privates Heil zurückzieht. Im Gegenteil, nur dann erwacht sein Herz wirklich und er wird zu einer einfühlsamen und daher wohlwollenden und offenen Person. Je näher der Mensch Gott ist, desto näher ist er den Menschen. Das sehen wir an Maria. Benedikt XVI

Das ist das berühmte „Fiat“, das „Ja“ Mariens. Gott zwingt sich nicht auf. Er will einen Menschen in Freiheit. Die Freiheit eines Christenmenschen besteht in der freiwilligen Beugung unter Gott und Gottes Wort. (Friedrich von Bodelschwingh) Auch wir dürfen und müssen uns immer wieder entscheiden. Bitten wir den Herrn täglich, dass er unser Herz und unseren Verstand erleuchte, damit wir die richtigen Entscheidungen treffen und wir uns nicht mitreißen lassen von dem „Was man denkt und tut“, sondern uns einzig und allein an ihm ausrichten. Gott segne dich und diesen Tag und die Menschen, denen du begegnest.

Das „Mir geschehe nach seinem Wort“ ist kein einmaliges Ereignis damals vor rund 2000 Jahren. Das alles kannst du auch auf dein Leben beziehen. Gottes Anfrage ereignet sich auch Tag für Tag in deinem Leben, im banalen klein und klein deines Alltags ebenso wie in Ereignissen, die dein Leben auf den Kopf stellen. Sein Wort ergeht auch heute an dich: im Herzen, im Gebet und in der Schrift.Versuche täglich nach diesem Wort zu leben, es zu bedenken und zu bewahren und innerlich zu sprechen: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Das ist konkreter Glaube, das ist ganz konkrete intime Gottesbeziehung.

Sie nennt sich Dienerin, die da zur Mutter erwählt und durch die unerwartete Verheißung nicht hochmütig wurde. Denn da sie den Sanftmütigen und Demütigen gebären sollte, so mußte sie selbst auch Demut zeigen. Indem sie sich Magd nannte, maßte sie sich keinen Anspruch auf eine so große Gnade an, und sie tat, was ihr befohlen wurde. Goldene Kette

Lk 1,39-45: Marias Besuch bei Elisabeth

Sie betrat das Haus und begrüßte Elisabeth. Lk 1:40

Johannes der Täufer steht an der Schwelle vom Alten zum Neuen Bund Gottes mit den Menschen. Dies steht auch im Hintergrund jener Erzählung des Evangeliums nach Lukas, in der die schwangere Maria zur ebenfalls schwangeren Elisabet wandert und sich in diesen beiden Frauen, an denen Gott wunderbar gehandelt hat, Alter und Neuer Bund geheimnisvoll in den Armen liegen. Das ist für mich eine ganz wichtige Szene: Der Neue Bund entspringt dem Alten; und der Alte Bund findet nicht ein Ende, sondern seine Vollendung im Neuen. Peter Fischer

Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt. Lk 1:41

Betrachte den Unterschied und die Eigentümlichkeit der einzelnen Worte. Elisabeth hörte zuerst das Wort, aber Johannes fühlte zuerst die Gnade. Jene hörte nach der Ordnung der Natur, dieser hüpfte wegen des Geheimnisses. Jene fühlte die Ankunft Mariä, dieser die des Herrn. Goldene Kette

Womit habe ich verdient, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Lk 1:43

Maria besucht Elisabeth. Hier geht es um Begegnung. Mehr noch, diese Begegnung der zwei Frauen ist das Urbild jeder tiefen menschlichen Begegnung schlechthin, denn jeder trägt Christus in sich. Von Elisabeth können wir in dieser Begegnung lernen, im anderen das Geheimnis Christi zu entdecken. Von Maria können wir in dieser Situation lernen, dass der in mir wohnende Gott mich in Bewegung bringt. Du kannst dich in beiden sehen, als jener, der in seinem Nächsten Christus erkennt und als jener, der Christus selbst zum Nächsten bringt.

Und glückselig ist, die geglaubt hat; denn es wird erfüllt werden, was ihr vom Herrn gesagt worden ist! Lk 1:45

Aber auch ihr seid selig, die ihr gehört und geglaubt habt. Denn jede Seele, welche glaubt, empfängt und erzeugt das Wort Gottes und erkennt seine Werke an. Und jede Seele, welche das Wort Gottes im Geist empfangt, besteigt sogleich die hohen Berge der Tugenden mit dem Schritte der Liebe. Goldene Kette

Lk 1,46-56: Das Magnifikat

Das Magnifikat

Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:  Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;  er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Meine Seele erhebt den Herrn. Lk 1:46

Gott wird nicht in seiner Natur von uns groß gemacht, sondern in unserer Erkenntnis und Empfindung. Gott kann nicht wachsen in sich selbst, weil seine Größe kein Maß hat. Wohl aber kann er wachsen in dir. Wie geschieht das? Der Mensch erhebt Gott in sich, macht Gott groß in seiner Seele, indem er sich selbst klein macht vor ihm, daß wir von ihm alles erwarten und von seiner Größe erfüllt sind. Erkenne es auf das Durchdringendste, daß du aus dir selbst nichts bist. Dadurch wirst du ihm sogleich jene Ehre geben, welche ihn wachsen macht, nicht in sich selbst, sondern in dir.

Mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter. Lk 1:47

Mein Geist hat seine Freude in Gott, meinem Heiland. Christliche Freude ist vollkommene, unzerstörbare, unbegrenzte und immerwährende Freude an Gott, die so nicht an das Sichtbare gebunden ist, sondern Ausdruck einer tiefen Gotteserfahrung ist. Wer Gott erfährt, der hat in sich eine Freude, die durch äußere Leiderfahrungen zwar überdeckt, aber letztlich nicht genommen werden kann. Wenn ich bei Konflikten und Krisen mich in mich kehre in meine innere Zelle finde ich dort diese göttliche Freude, die mir keiner mehr nehmen kann. Freude ist Ausdruck des bewussten und erfüllten Lebens in Gott.

In jeder Seele sei Marias Seele, daß sie groß mache den Herrn, in jeder sei der Geist Marias, daß er frohlocke in Gott. Ambrosius

Dass er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd. Lk 1:48

Gott hat Maria angesehen. Daran hängt alles Weitere. Maria sagt nicht, man werde ihr viel Gutes nachsagen, ihre Tugend preisen, ihre Jungfräulichkeit oder Demut rühmen oder womöglich ein Lied von ihrer Tat singen. Sie spricht vielmehr allein davon, daß Gott sie angesehen hat. Sie zeigt auf sein Hinsehen. Gott sieht dich und mich. Er liebt uns so sehr, dass er uns helfen und das, worum wir ihn bitten, tun will. Gott neigt sich dem Menschen zu. Der allein hohe Gott begegnet unserer Niedrigkeit. Das ist reinste, schönste Gnade.

Siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter! Lk 1:48

Maria wird gepriesen, weil wir wissen, daß Gott sie auserwählt und ihr eine besondere Ehre erwiesen hat. In Maria erkennen wir eine Frömmigkeit, die besonders hervorkommt, weil sie sich selbst in den Hintergrund stellt. Gott war alles, sie nichts. Wenn sie etwas aus sich selbst gemacht hätte, würde sie ihren wahren Platz der Abhängigkeit verloren haben. Gottes Gnade bewahrte sie davor, damit seine Herrlichkeit in diesen göttlichen Dingen voll enthüllt werden konnte

Es lohnt sich, von Maria zu lernen: sie war vollkommen bereit, Christus in ihr Leben aufzunehmen. Papst Franziskus

Denn große Dinge hat der Mächtige an mir getan. Lk 1:49

Was hat er Großes an dir getan? Die großen Dinge sind hier nichts anderes, als daß sie Gottes Mutter geworden ist. Große Dinge tut Gott auch an uns. In seinem Tun erkennen wir ihn und sein Wesen. Betrachten wir so seine Liebe, seine Barmherzigkeit und all seine vollkommenen Eigenschaften, die in unserem Leben Gestalt annimmt und für uns ganz konkrete Wirklichkeit wird. Das alles erfüllt uns mit Freude, sind wir doch so geborgen in ihm. Und diese Freude an Gott treibt uns an, Gott zu loben.

Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut. Paul Gerhardt 

Heilig ist sein Name. Lk 1:49

Gottes Name ist heilig. Gottes Name ist lauter Liebe, Gnade, Trost, Hilfe, Freude, Friede, Leben, Heil und Seligkeit. Darum ist es auch gut, ihn zu loben. Wir sind nie so heilig und nie so glückselig wie dann, wenn unser Herz sich in Anbetung ergießt. Darum: wenn dich etwas betrübt, so denke an Gottes Namen und Verheißung. Sein Name werde gepriesen. Ihm soll die ganze Liebe meines Herzens gehören. Der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. Er verstößt weder mein Gebet noch mich.

Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten. Lk 1:50

Lass Dich erbarmen, weil Du mich arm an guten Werken siehst. Lass Dich erbarmen, wenn Du die Menge meiner Sünden und Fehler siehst. Ich will ganz arm vor Dir sein, mit leeren Händen, um den Reichtum Deiner Gnade zu empfangen. Lass mir Deine Barmherzigkeit zuteilwerden. Blicke herab und lass Dich anziehen von meiner Armut und lass Dich drängen von Deiner Liebe.

Er tut Mächtiges mit seinem Arm. Lk 1:51

Mein Schöpfer, wieviel Dank schulde ich Dir! Mit deinem Arm hilfst du mir, ziehst mich aus dem Nichts, um mich durch Deine Barmherzigkeit zu dem zu machen, was ich bin. Das Heil lässt du mir zukommen. Darum: Jauchzt vor dem Herrn freut euch, jubelt und singt! Gewöhne dich daran, dein Herz viele Male während des Tages in Dankbarkeit zu Gott zu erheben, für Gottes Schutz und Segen, für das Geleit seiner Engel, für das Geschenk des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und für so vieles mehr!

Er zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens. Lk 1:51

Eine Illusion gilt es aufzudecken: Wir möchten nur dann vor dem Herrn erscheinen, wenn wir sauber und ordentlich gekämmt und ganz zufrieden sind mit uns selbst! Es steckt jedoch viel Überheblichkeit und Hochmut in einer solchen Haltung! Letzten Endes wäre es uns lieb, seine Barmherzigkeit nicht nötig zu haben. Nichts verhindert die wahre Liebe so sehr, wie ein solcher Stolz. Um uns vor diesem großen Übel zu bewahren, erlaubt der Herr manchmal ein geringeres Übel, welches darin besteht, in irgendeine Sünde zu fallen, und wir sollen Gott dankbar dafür sein, denn ohne diese Warnung befänden wir uns in großer Gefahr, verloren zu gehen!

O König der Völker, in Demut nahen wir uns dir, immer im Bewußtsein des Angewiesens-Sein auf deine größte Eigenschaft: deine unergründliche Barmherzigkeit.

Er stößt die Mächtigen von ihren Thronen und erhöht die Niedrigen. Lk 1,52

Wir liegen im Staub des Todes. Staub sind wir, und zum Staub müssen wir zurückkehren. Wir haben alle Rechte auf Gottes Freundlichkeit und Hilfe durch die Sünde verspielt. Und solche, wie wir es sind, richtet er auf und erhöht uns. Wer beschreibt die Größe seiner Gnade, die Höhe und die Tiefe seiner Liebe, die Weite und die Stärke seiner Erbarmungen? Es ist ein allmächtiger Arm, der uns aufrichtete, uns noch heute aufrecht hält und zu der Vollkommenheit des Himmels emporheben wird. Wir verstummen und sinken in Anbetung vor ihm nieder.

Hungrige sättigt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer fort. Lk 1:53

Die Reichen sind jene, die sich selbst genug sind und die denken, sie bedürfen Gott nicht. Die Hungrigen erkennen ihre Armut und ihr Angewiesensein auf Gott. Diese nun werden gesättigt. Diese Sättigung ist dies die Eucharistie, die aus dem Kreuz hervorgeht. Nun sättigt Gott weltweit die Menschen, die Armen, die seiner bedürfen. Er gibt ihnen die Sättigung, die sie brauchen: Gott selbst, sich selbst. In diesem Mysterium wird die Liebe Christi immer mitten unter uns greifbar. Hier gibt er sich immer wieder hin. Hier läßt er sein Herz immer wieder durchbohren; hier hält er seine Verheißung aufrecht, die Verheißung, daß er vom Kreuz her alles an sich ziehen wird. In der Eucharistie  erlernen wir selber die Liebe Christi.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an, um an seine Barmherzigkeit zu gedenken,  Lk 1:54

Der Höhepunkt der Macht Gottes ist die    Barmherzigkeit. Die Barmherzigkeit ist in Wirklichkeit der Wesenskern der Botschaft des Evangeliums, sie ist der Name Gottes selbst, das Antlitz, mit dem er sich im Alten Bund und vollends in Jesus Christus offenbart hat, der menschgewordenen Schöpfer- und Erlöserliebe.

Aus Barmherzigkeit hast du uns im Blut gewaschen, aus Barmherzigkeit wolltest du Umgang haben mit den Geschöpfen. Du bist außer dir vor Liebe! Es genügte dir nicht, Mensch zu werden, sondern du wolltest auch sterben! (…) O Barmherzigkeit! Mein Herz versinkt im Gedanken an dich: Wohin ich meine Gedanken auch wende, finde ich nichts als Barmherzigkeit. Katharina von Siena

…wie er es unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinem Samen, auf ewig! Lk 1,55

Es kann für das verheißene Heil gar keine Hindernisse geben, die wir zu fürchten hätten. Der Herr wird sich zur Ausführung seines Werkes seinen Weg bereiten. Es ist ein Jammer, welchen Schaden das Fehlen des Friedens in der Seele anrichtet, statt uns einer großen Ruhe zu erfreuen, wenn das Gedächtnis fest dabei bleibt, sich der göttlichen Verheißungen zu erinnern. Wirf dein Vertrauen nicht weg weil Gott seine Verheißung verzieht. Ob die Wege der Vorsehung auch kreuz und quer und rückwärts und vorwärts laufen, so hast du doch ein festes und gewisses Wort, worauf du dich verlassen kannst. Wenn die Verheißungen auch für eine Weile scheinbar verzögert werden, können sie doch niemals ungültig gemacht werden.

Worte Benedikts zum Magnifikat

Das Magnifikat ist ganz gewoben aus Fäden der Heiligen Schrift, aus den Fäden von Gottes Wort. So wird sichtbar, daß sie im Wort Gottes wirklich zu Hause ist, darin aus- und eingeht. Sie redet und denkt mit dem Wort Gottes; das Wort Gottes wird zu ihrem Wort, und ihr Wort kommt vom Wort Gottes her. So ist auch sichtbar, daß ihre Gedanken Mitdenken mit Gottes Gedanken sind, daß ihr Wollen Mitwollen mit dem Willen Gottes ist. Weil sie zuinnerst von Gottes Wort durchdrungen war, konnte sie Mutter des fleischgewordenen Wortes werden. Endlich: Maria ist eine Liebende. Wie könnte es anders sein? Als Glaubende und im Glauben mit Gottes Gedanken denkend, mit Gottes Willen wollend kann sie nur eine Liebende sein. Benedikt XVI

Das Magnifikat ist der frohe Dank, der aus dem Herzen der Armen aufsteigt, weil ihre Hoffnung Wirklichkeit wird und die göttlichen Verheißungen in Erfüllung gehen. Katholischer Katechismus

Lk 1,57-80: Geburt Johannes des Täufers


Benedictus

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen, er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David. So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten. Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen; er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht, an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat; er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage. Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten. Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden. Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet. Lk 1:68

Gott besucht sein Volk. Und wie er uns besucht hat, liebe Gemeinde! Nicht wie ein Großinquisitor, der alles durchleuchtet und das Unterste zu oberst kehrt, um dann sein vernichtendes Urteil zu fällen. Nein, sondern er ist gekommen, um zu helfen, um aus Schuld und Not zu befreien, um uns nahe zu sein und sich um uns zu kümmern. Das geschah schon vor unserer Zeit, als er in seinem Sohn Jesus Christus zur Welt kam und Mensch wurde. Da hat sich der allmächtige Gott von seinem himmlischen Thron her aufgemacht und hat uns besucht. Er ist gekommen, um uns zu trösten, zu stärken und Orientierung zu geben. Denken wir einfach nur einmal daran, wie Jesus in die verschiedenen Häuser eingekehrt ist. Bei Zachäus, um ihn von seiner Habgier zu befreien. Bei der Schwiegermutter des Petrus, um sie gesund zu machen. Bei Jaїrus, um dessen Tochter von den Toten wieder aufzuerwecken. Und auch bei den Pharisäern, um sie für sich und sein Heil zu gewinnen, obwohl sie ihm ablehnend gegenüberstanden. So kommt Gott auch zu uns und will auch uns erlösen, will uns heilen und wieder zurechtbringen. Pius Kirchgessner

Er hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Haus seines Knechtes David, Lk 1:69

In der Bibel ist das Horn ein Symbol für Macht und Stärke. Der, der da zu uns kommt und uns besucht, ist kein Machtloser. Jesus Christus, auch wenn er ein Mensch ist wie du und ich, hat als Sohn Gottes doch zugleich auch alle Macht im Himmel und auf Erden. Und er setzt diese Macht ausschließlich zum Heil der Menschen ein. Jesus Christus, der da aus dem Hause Davids stammt und den die Propheten schon vor Urzeiten angekündigt haben, gebraucht seine Macht nicht für sich selbst. Er setzt sie für andere ein. Für die, die unter die Räder gekommen sind, die bedrängt werden, die angefeindet, verfolgt und gehasst werden, die sonst keinen Fürsprecher haben, die unter der Macht anderer zu leiden haben.

Er hat uns einen starken Retter geschickt. Lk 1:69

Weihnachten ist das Geheimnis der göttlichen Liebe. Die Geburt Jesu zeigt uns die unendliche Güte Gottes. Großes hat der Herr an uns getan. Darum sind wir voll Freude. Er hat es auf sich genommen, unter uns zu wohnen und unsere täglichen Schwierigkeiten zu teilen. Er hat nicht gezögert, mit uns die Last des Daseins mit seinen Mühen und Sorgen zu tragen. Er wurde für uns geboren, um bei uns zu bleiben und jedem, der ihm die Türe des eigenen Herzens öffnet, das Geschenk seiner Freude, seines Friedens, seiner Liebe anzubieten. Verinnerliche in dieser Adventzeit, dass Gott dich nie verlässt, dir immer entgegenkommt und dich beschützt.

So hatte er es durch seine heiligen Propheten schon vor langer Zeit verkündet: Lk 1:70

Er wird uns vor unseren Feinden retten und aus der Hand aller Menschen, die uns hassen. Lk 1:71

Haben wir denn überhaupt richtige Feinde, die uns hassen? Für die Israeliten damals zur Zeit Jesu war das gar keine Frage. Feinde, das waren für sie die verhassten Römer. Aber schon wenige Jahre später machte Jesus deutlich: Das sind nicht die eigentlichen Feinde. Indem er etwa den Knecht des römischen Hauptmanns von Kapernaum heilte und sich mit Zöllnern und andern Sündern an einen Tisch setzte und in der Bergpredigt lehrte: Ihr sollt auch eure Feinde lieben!, machte er deutlich, dass wir unsere Feinde ganz woanders zu suchen haben. Der Apostel Paulus hat diese Feinde später einmal so umschrieben: Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Ja, der Teufel und sein Hofstaat, das sind unsere wirklichen Feinde. Das sind die, die Gott hassen und die darum auch uns hassen. Sie agieren im Finstern mit undurchsichtigen Kräften: Mit der Angst, mit dem Zweifel, mit der Habgier und mit der Todesfurcht. Damit treiben sie uns wie eine Herde aufgescheuchter Tiere vor sich her. Und würde Gott nicht eingegriffen haben, würde er durch Jesus Christus den Spieß nicht umdreht haben und nun seinerseits die bösen Mächte vor sich hertreiben, wir wären längst verloren und in den dunklen Abgrund des Todes und der Vergessenheit gestürzt. So aber, mit dem, der uns da besucht hat, um uns zu erlösen, sind wir vor den bösen Mächten in Obhut. Zwar verfolgen sie uns immer noch, aber mit Jesus Christus an der Seite können wir ihnen widerstehen und sie überwinden. Pius Kirchgessner

Damit erweist er sich unseren Vorfahren gegenüber barmherzig und zeigt, dass er seinen heiligen Bund nicht vergessen hat, Lk 1:72

den Eid, den er unserem Vater Abraham geschworen hat. Lk 1:73

Darin sagt er ihm zu, dass er uns, seine Nachkommen, aus der Hand unserer Feinde befreit. Lk 1:74

Dann können wir ohne Furcht in seiner Gegenwart leben und ihm unser Leben lang dienen als Menschen, die ihm gehören und seinen Willen tun. Lk 1:75

Das ist die logische Folge dessen, dass wir von Gott gerettet wurden: Dass wir ihm nun auch dienen. Und zwar aus Dankbarkeit und nicht mehr aus Furcht. Denn fürchten brauchen wir uns nun nicht mehr, weder vor den bösen Mächten noch vor Gott. Weil Christus die bösen Mächte in die Schranken gewiesen hat und uns damit seine Liebe und Verbundenheit gezeigt hat, brauchen wir weder vor Gott noch vor dem Teufel zu zittern.

Wir können wirklich in aller Gelassenheit und Freiheit Gott unsern Dienst erweisen. Wir können seine Liebe weitertragen und seine Gebote befolgen. Wir können helfen und trösten, verzeihen und Mut zusprechen und vieles andere mehr, was innerhalb und außerhalb der Kirche dem Bau des Reiches Gottes dient. Und wir brauchen dabei nicht mehr zu fürchten, es könnte vielleicht nicht genug sein, um damit vor Gott zu bestehen. Darum geht es gar nicht mehr, seit Jesus hier auf der Erde war und ohne Vorbedingungen zu den Menschen hingegangen ist. Wir sind mit Gott versöhnt. Die Gemeinschaft mit ihm hat Jesus wieder hergestellt und in Ordnung gebracht. Was wir Gott schuldig bleiben, das tilgt sein Opfer am Kreuz. Deshalb können wir ihm wirklich aus reiner Dankbarkeit dienen. Pius Kirchgessner

Und dich, mein Sohn, wird man einen Propheten des Höchsten nennen. Du wirst vor dem Herrn hergehen und ihm den Weg bahnen. Lk 1:76

Seinem Volk wirst du zeigen, dass es durch die Vergebung seiner Sünden gerettet wird. Lk 1:77

Gott vergibt uns, weil seine Barmherzigkeit so groß ist. Aus der Höhe kommt das helle Morgenlicht zu uns, der verheißene Retter. Lk 1:78

Weil Gott uns die Sünden nachließ, nicht wegen unserer Werke, sondern wegen seiner Barmherzigkeit, darum setzte er entsprechend hinzu: Durch das herzliche Erbarmen unseres Gottes. Diese Barmherzigkeit fanden wir nicht selbst durch unser Suchen sondern Gott erschien uns von Oben. Daher folgt: in dem (nämlich dem herzlichen Erbarmen) uns besuchte (durch die Menschwerdung) der Aufgang von der Höhe (d.h. Christus). — Er blieb nämlich in der Höhe, und war doch auf der Erde gegenwärtig; er ist ohne Teilung und Beschränkung, was der Verstand weder begreifen, noch mit Worten aussprechen kann. Pius Kirchgessner

Dieses Licht wird allen Menschen leuchten. Lk 1:79

Licht lässt uns leben, zeigt uns den Weg, schenkt Wärme, alles Ausdrucksformen der Liebe. Wo Liebe ist, geht Licht auf in der Welt. Im Stall von Bethlehem ist das grosse Liebes-Licht erschienen. Im Jesuskind erscheint uns die Liebe, die sich selbst verschenkt. Und dieses Licht Christus wandelt weiterhin unter uns. Das ist der größte Ernst und die größte Seligkeit der Adventsbotschaft. Der größte Ernst, weil uns das Licht Christi zur Nachfolge ruft, nicht sentimental, sondern radikal, weil es unser Leben von der Wurzel her eine komplett neue Ausrichtung gibt. Die größte Seligkeit, weil wir nur in ihm das wahre Leben finden werden, das er selbst ist.

Es wird uns auf den Weg des Friedens führen. Lk 1:79

Er hat unsere Füße auf den Weg des Friedens gerichtet, wie es im letzten Vers des Lobgesangs heißt, auf den Weg des Friedens mit Gott. Auf diesem Weg werden wir gehalten und weitergeführt, wenn wir die Nähe Jesu Christi immer wieder suchen. Das geschieht natürlich in erster Linie in unseren Gottesdiensten. Dort hören wir von der Liebe, die Gott zu uns Menschen hat. Dort besucht Gott uns auch heute noch. Also nicht nur wir besuchen Gott, wenn wir zur Kirche gehen und von unserm Gottesdienstbesuch sprechen, sondern vor allem besucht Gott uns, steigt vom Himmel herab und begegnet uns in seinem Wort und Sakrament. Pius Kirchgessner