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Lukas Evangelium – Kapitel 5

Lk 5,1-11: Jesus schenkt einen Fischfang

Es begab sich aber, als die Menge sich zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, dass er am See Genezareth stand. Lk 5:1

Er sah zwei Schiffe am Ufer liegen; die Fischer aber waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen die Netze. Lk 5:2

Da stieg er in eines der Schiffe, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren; und er setzte sich und lehrte die Volksmenge vom Schiff aus. Lk 5:3

Als er aber zu reden aufgehört hatte, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe, und lasst eure Netze zu einem Fang hinunter! Lk 5:4

Petrus und die ersten Gefährten vertrauten dem Wort Christi und warfen ihre Netze aus. Wer sein Herz für Christus öffnet, wird nicht nur das Geheimnis seines eigenen Daseins verstehen, sondern auch das seiner eigenen Berufung, und er wird wunderbare Früchte der Gnade heranreifen lassen. Wenn der Christ das Evangelium ohne Abstriche lebt, wird er immer mehr dazu fähig, wie Christus selbst zu lieben.

Jesus, Sohn Gottes, in dem die Fülle der Gottheit wohnt, Du berufst alle Getauften, hinauszufahren und den Weg der Heiligkeit zu gehen. Erwecke in den Herzen der jungen Menschen die Sehnsucht, in der Welt von heute Zeugen der Macht Deiner Liebe zu sein. Erfülle sie mit Deinem Geist der Stärke und Besonnenheit, damit sie fähig werden, die volle Wahrheit über sich selbst und ihre Berufung zu entdecken. Unser Erlöser, vom Vater gesandt, seine barmherzige Liebe zu offenbaren, schenke Deiner Kirche junge Menschen, die bereit sind, hinauszufahren und für ihre Brüder zum Zeichen Deiner erneuernden und heilbringenden Gegenwart zu werden. Johannes Paul II.

Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht hindurch gearbeitet und nichts gefangen. Lk 5:5

Jedem von uns ist dieser Seufzer des Petrus aus der Seele gesprochen. Die ganze Nacht auf dem See: ein einziger Fehlschlag, totale Pleite! Die ganze Nacht gearbeitet: nichts gefangen, ein Schuss in den Ofen! Alles gegeben, sich hineingekniet, aufgerieben: wieder nichts! Geholfen, wo`s nur geht, besorgt gewesen, sich abgemüht: Vergebliche Liebesmühe! Viel investiert, sich engagiert: kein gutes Wort, ohne jeden Dank! Wir alle haben unsere leeren Netze bei der Arbeit, in der Familie, in menschlichen Beziehungen und vielen anderen Bereichen. Leere Netze erleben wir als Enttäuschung, auch als persönliches Versagen. Dann machen sich Traurigkeit und Resignation breit. Pius Kirchgessner

Aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen! Lk 5:5

Ich lasse mir von Jesus in meine Enttäuschung, in meine Frustration, in meine Resignation hineinreden. Ich setze meine Erfahrung des Umsonst nicht absolut, sondern halte sie offen für dein Wort. „Auf dein Wort hin“ fahre ich hinaus, trotz meiner vielfachen negativen Erfahrung, trotz des augenscheinlichen Misserfolgs. Ich verlasse mich auf dein Wort! Trotzkraft des Glaubens! Petrus trotzt allen Einwänden und allen Bedenken, die ja an und für sich ganz berechtigt sind. Der Glaube nimmt Gott beim Wort gerade da, wo es unsinnig, ja geradezu lächerlich erscheint, wo es aller Wirklichkeit spottet. Bitten wir um Vertrauen dort, wo alles verloren erscheint, um Hoffnung dort, wo unsere Kräfte versagen. Pius Kirchgessner

Und als sie das getan hatten, fingen sie eine große Menge Fische und ihr Netz begann zu reißen. Lk 5:6

Dem Sohn des Menschen gehorchten die Tiere. Sie schwammen scharenweise in die Netze der gehorsamen Fischer. Die Fische kamen nicht an Land geschwommen und sie sprangen auch nicht ins Boot. Das zeigt ein wichtiges Prinzip: Wenn auch alles von Christus und seinem Wirken abhängt, so nimmt das nichts von unserer Verantwortung weg. Der Herr möchte gerne seinen Segen auf unsere Bemühungen legen. Wenn wir aber nicht arbeiten, wird auch nichts zu holen sein. Weiter: Die Menge der Fische brachte die Netze zum Reißen. In beide Schiffe wurde so viel Fisch verfrachtet, dass sie zu sinken drohten. Die macht deutlich: Gottes Segen ist so gewaltig, dass er von uns nicht erfasst werden kann. Sein Segen wird nur durch die Anzahl und Größe unserer Gefäße beschränkt.

Da winkten sie den Gefährten, die im anderen Schiff waren, dass sie kommen und ihnen helfen sollten und sie kamen und füllten beide Schiffe, sodass sie zu sinken begannen. Lk 5:7

Als aber Simon Petrus das sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Herr, gehe von mir hinweg, denn ich bin ein sündiger Mensch! Lk 5:8

Was Petrus tat, erscheint widersprüchlich: Er fiel direkt vor Jesus nieder, suchte also seine Nähe, und bat gleichzeitig, dass Jesus weggehen möge. Sicher wollte er nicht von Jesus getrennt werden, aber er spricht offen seine Empfindungen aus: Ich, der sündige Mensch, passe nicht in die Gegenwart des Heiligen. Er fühlte sich unwürdig, mit dem Sohn Gottes in einem Boot zu sein. Indem er sich an die begangenen Sünden erinnerte, glaubte er als Unreiner den Reinen nicht aufnehmen zu können. Sage auch du: Gehe hinweg von mir, o Herr, denn ich bin ein sündiger Mensch, damit Gott dir antworte: Fürchte dich nicht. Du siehst, wie gütig ich bin.

Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; von nun an sollst du Menschen fangen! Lk 5:10

Petrus musste sich nicht fürchten. Der Herr kannte ihn durch und durch. In seiner Liebe wollte Er ihn für eine große Aufgabe gebrauchen: Menschen fischen. Petrus sollte diese Arbeit in Abhängigkeit tun, in Demut und im Vertrauen auf die Macht seines Meisters. Der Segen würde nicht ausbleiben, wie es der wunderbare Fischzug gelehrt hatte.

Und sie brachten die Schiffe ans Land, verließen alles und folgten ihm nach.Lk 5:11

Sie lassen hinter sich, was sie gefangen und sich erarbeitet hatten. Sie verlassen alles, weil sie der Verheißung glauben, etwas anderes, neues entgegenzunehmen. Wir lesen bei Lukas nicht, dass der Herr sie zur Nachfolge aufforderte. Lukas betont mit seiner Schilderung der Dinge, dass Nachfolge die logische Konsequenz war, nachdem sie den Herrn so erlebt hatten. Für diesen Meister muss man alles stehen und liegen lassen! Müssen wir auch alles verlassen, um den Herrn dienen zu können? Buchstäblich wird dies wahrscheinlich kaum nötig sein. Oft genügt es, wenn wir Dinge in unserem Herzen „verlassen“. Aber wir müssen gewiss alles aufgeben, was uns ein Hindernis auf dem Weg der Nachfolge ist.

Lk 5,12-16: Heilung eines Aussätzigen

Mt 8,1-4; Mk 1,40-45

Siehe, da war ein Mann voll Aussatz. Und als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht, bat ihn und sprach: Herr, wenn du willst, so kannst du mich reinigen! Lk 5:12

Während Jesus predigend durch die Dörfer Galiläas wanderte, kam ihm ein Aussätziger entgegen und sagte: »Wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde!« Jesus weicht nicht vor dem Kontakt mit jenem Menschen zurück, gedrängt von tiefer Anteilnahme an seinem Zustand streckt er ihm vielmehr die Hand entgegen, berührt ihn – womit er das gesetzliche Gebot übertritt – und sagt zu ihm: »Ich will es – werde rein!« In jener Geste und in jenen Worten Christi ist die ganze Heilsgeschichte gegenwärtig, es ist der Wille Gottes verkörpert, uns zu heilen, uns vom Bösen zu reinigen, das uns entstellt und unsere Beziehungen zugrunde richtet. In dieser  Berührung zwischen der Hand Jesu und dem Aussätzigen wird jede Schranke zwischen Gott und der menschlichen Unreinheit, zwischen dem Heiligen und seinem Gegenteil niedergerissen, gewiß nicht, um das Böse und seine negative Kraft zu leugnen, sondern um zu beweisen, daß die Liebe Gottes stärker ist als alles Böse, auch das ansteckendste und schrecklichste. Jesus hat unsere Gebrechen auf sich genommen, er ist zum Aussätzigen geworden, damit wir gereinigt werden. Benedikt XVI

Daß er auf das Angesicht niederfiel, war ein Zeichen der Demut.

Der Aussätzige sinnbildet aber das sündenkranke Menschengeschlecht, das voller Aussatz ist: Denn Alle haben gesündigt und bedürfen der Gnade Gottes (Röm. 3), damit sie nämlich durch die Ausstreckung der Hand, d.h. indem das Wort Gottes die menschliche Natur berührte, von den vielfachen alten Irrtümern befreit würden, und für die Reinigung ihre Leiber als ein lebendiges Opfer darbrächten. (Goldene Perle)

Da streckte er die Hand aus, rühr­te ihn an und sprach: Ich will; sei gereinigt! Und sogleich wich der Aussatz von ihm. Lk 5:13

Jesus streckte seine Hand aus, berührte ihn. Das Gesetz verbietet, die Aussätzigen zu berühren. Aber der Herr des Gesetzes gehorcht nicht dem Gesetz, sondern macht das Gesetz. Er berührte ihn also, nicht weil er ihn ohne diese Berührung nicht heilen konnte, sondern um zu beweisen, daß er dem Gesetz nicht unterworfen war, und die Ansteckung nicht wie die Menschen fürchtete, sondern weil der, welcher Andere befreite, nicht befleckt werden konnte. (Goldene Perle)

Wenn er sagt: Ich will, werde rein, so liegt darin der Wille und die Wirkung seiner Liebe. Von der Majestät ging aber ein gebietendes Wort aus.

Es ist wunderbar, wie Christus hier göttlich und menschlich wirkt. Es ist göttlich, so zu wollen, daß sogleich alles geschieht, menschlich aber ist die Ausstreckung der Hand. Der Eine Christus ist also beides, weil das Wort Fleisch geworden.

Ohne Nähe kann es keine Gemeinschaft geben; man kann nicht Frieden schließen ohne Nähe; man kann nicht Gutes tun, ohne sich zu nähern. Jesus hätte einfach zum Aussätzigen sagen können: „Sei geheilt!“ Nein, er hat sich ihm genähert und ihn berührt. Mehr noch, in dem Augenblick, in dem Jesus den Aussätzigen berührte, wurde er selbst unrein. Und das ist das Geheimnis Jesu: Er nimmt unseren Schmutz, unsere Unreinheiten auf sich. Paulus hat es gut ausgedrückt: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich“ (Phil 2,6f). Und Paulus geht noch weiter und sagt: Er ist zur Sünde geworden (vgl. 2 Kor 5,21; Gal 3,13). Jesus ist zur Sünde geworden. Jesus hat sich ausgeschlossen, er hat die Unreinheit auf sich genommen, um sich uns zu nähern. Papst Franziskus

Und er befahl ihm, es niemand zu sagen: Geh vielmehr hin, zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose befohlen hat, ihnen zum Zeugnis! Lk 5:14

Weil aber die Menschen, wenn sie krank sind, sich am meisten an Gott erinnern, wenn sie aber gesund sind, träge sind, so bestehlt er, Gott vor Augen zu haben und Gott die Ehre zu geben.

Er aber hielt sich zurückgezogen an einsamen Orten auf und betete. Lk 5:16

Er aber entfernte sich in die Wüste und betete, um nämlich den vollkommenen Predigern zu lehren, wie sie weder das tätige Leben aus Liebe zu dem betrachtenden gänzlich verließen, noch die Freuden der Betrachtung durch die übergroße Tätigkeit verachteten, sondern daß sie in ruhiger Betrachtung sich sammelten, was sie mit den Nächsten beschäftigt durch die Verkündung ausspenden sollten. (Goldene Perle)

Lk 5,17-26: Heilung eines Gelähmten

Mt 9,1-8; Mk 2,1-12

Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Trage. Lk 5:18

Vordergründig geht es hier neben der Geschichte der Vergebung und der Heilung besonders um den Glauben; interessanterweise nicht der des Gelähmten sondern seiner Freunde, die ihn zu Jesus bringen. Ihr Glaube an die Heilungskräfte Jesu bringt sie dazu, das Dach abzudecken, um den Mann vor Jesu Füßen abzusetzen. Ist mein Glaube auch so groß? Und ist mein Wille, Menschen in Not zu helfen, auch so stark?

Aber sie kamen an den vielen Menschen nicht vorbei. Kurz entschlossen stiegen sie auf das Dach und deckten einige Ziegel ab. Durch diese Öffnung ließen sie den Mann auf seiner Trage hinunter, genau vor Jesus. Lk 5:19

Zu jedweder Zeit ist für den Gläubigen grundlegend die echte Begegnung mit dem barmherzigen Jesus Christus. Er, der reich ist an Barmherzigkeit, erinnert uns besonders jetzt im Advent daran, dass wir das nötige Vergeben, welches Er mit vollen Händen gibt, nicht außer Acht lassen dürfen. Und falls nötig, reißen wir die Hindernisse (=das Dach) nieder, die uns daran hindern, Ihn zu sehen. Auch ich muss wie Dachziegeln meine Vorurteile, Bequemlichkeiten, Beschäftigungen und Misstrauen abbauen, die ein Hindernis bedeuten, um „über das Dach hinaus nach oben zu schauen“.

Da aber Jesus ihre Gedanken erkannte, antwortete er ihnen: Was macht ihr euch Gedanken in euren Herzen? Lk 5:22

Der Alte sagte: Die schlechten Gedanken gleichen den Mäusen, die in ein Haus kommen: Wenn man sie nach und nach tötet, eine nach der anderen der Reihe nach, wie sie eintreten, hat man kein Übel. Wenn man im Gegenteil das Haus sich mit ihnen füllen lässt, wird man viel Mühe haben, sie zu verjagen. Ob man dies dann kann oder ob man es aufgibt, man lässt sich das Haus verwüsten. Apophthegmata

Der Kampf gegen dekonstruktive eigene Gedanken wird ein Leben lang dauern. Diese sind vielfältig: Sorgen, Angst, Neid, Traurigkeit u.vm. Was uns der Spruch der Wüstenväter sagen will, ist, dass wir sofort jeden dieser Gedanken angehen, damit sie sich erst gar nicht langfristig bei uns einnisten.

Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben — sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm deine Liegematte und geh heim! Lk 5:24

Weil ihr aber dieses, welches verborgen ist, nicht glaubt, so füge ich ein geringeres, aber deutlicheres Zeichen hinzu, insofern das Verborgene dadurch an das Licht tritt.

Das Bett aber, welches der Kranke nehmen soll, ist nichts Anderes als der menschliche Leib

Es ist etwas Einfaches, was Jesus uns lehrt, wenn er zum Wesentlichen kommt. Das Wesentliche ist die Gesundheit, und zwar die vollständige Gesundheit: des Körpers und der Seele. Achten wir gut auf die körperliche Gesundheit, aber auch auf die der Seele. Und gehen wir zu dem Arzt, der uns heilen kann, der die Sünden vergeben kann. Denn dafür ist Jesus gekommen, dafür hat er sein Leben hingegeben. Franziskus

Lk 5,27-32: Jesus isst mit Sündern

Mt 9,9-13; Mk 2,13-17

Darnach ging er aus und sah einen Zöllner namens Levi beim Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!‭ Lk 5:27

Es genügt der Blick Jesu: ein Sehen, das nicht am Äußeren hängen bleibt, sondern tiefer geht, ein Sehen, das das Verwundete, Verschüttete, Sehnsüchtige wahrnimmt, ein Sehen, das Ansehen schenkt dem Unansehnlichen. Zöllner galten berufsmäßig als Sünder. Ausgerechnet einen Zöllner beruft Jesus in seine Nachfolge. Dieser steht sofort auf und folgt Jesus. Kein Zögern, kein Nachfragen, kein Erst noch, kein Wenn und kein Aber. Auf der Stelle ist er bereit, alles zu verlassen und seine Leben zu ändern. Eine Bekehrung von 0 auf 100. Eine Sehnsucht ist in ihm geweckt worden, eine Sehnsucht nach mehr, nach erfüllterem, nach heilem und befreitem Leben.Bitten wir Gott jeden Tag neu um die Gnade, das Angebot zur Umkehr und Nachfolge ohne viel Fragerei anzunehmen, ganz einfach, mit grenzenlosem Vertrauen.

Jetzt gilt nur: „Folgt mir nach!“ Wir können nicht unser Leben lang auf den Ruf Gottes warten, um Großes zu tun. Wir überhören häufig im täglichen Leben die einfachen Rufe; die Rufe nach Nächstenliebe unserer Familie und den Freunden gegenüber, dem Ruf mehr Geduld mit unseren Kindern zu haben, oder den Ruf, sich um den hilfsbedürftigen Nachbarn zu kümmern. Sei großzügig in kleinen Diensten, und du wirst großzügig in großen Diensten sein.

Ohne zu zögern, verließ Levi alles und ging mit ihm. Lk 5:28

Folge dem nach, der zwar der König der Könige, der Herr der Herrschenden, in welchem sich alle Schätze der Weisheit finden, und der doch am Kreuze da hängt: entblößt, verspottet, angespukt, geschlagen, mit Dornen gekrönt, mit Essig und Galle getränkt, gestorben. Hänge dich daher nicht an Kleiderpracht und Reichtum, weil sie seine Kleider unter sich verteilt, nicht an Ehren, da er Spott und Schläge erfahren, nicht an Würden, da sie eine Dornenkrone aufs Haupt ihm setzten, nicht an Lüste, da in seinem Durste sie ihn tränkten mit Essig.

Er heißt Nachfolgen nicht mit den Schritten des Leibes, sondern mit der Neigung der Seele. Auf den Ruf eines Wortes verließ er daher das Eigene, welcher Fremdes raubte.

Kurz darauf gab er für Jesus in seinem Haus ein großes Fest und lud dazu viele Zolleinnehmer und andere Menschen mit schlechtem Ruf ein. Jesus und die Jünger aßen mit ihnen zusammen. Lk 5:29

Zöllner und Sünder essen mit Jesus und den Seinen. Jesus nimmt die Einladung an. Er erweist sich solidarisch. Tischgemeinschaft als Ausdruck von Wertschätzung, Zuwendung, ja beginnender Freundschaft. Er ist ja gekommen, um Heil und Erlösung zu bringen für alle. Gerade den Gestrauchelten, Gestrandeten, den Verlorenen und Heillosen gilt seine Liebe. Die Armen und Kranken liegen ihm besonders am Herzen. Ihnen wendet er sich vor allem zu. Dadurch bezeugt er das vorbehaltlose Ja Gottes zu jedem Menschen, auch den Sündern.

Wer aber Christus in seine innere Wohnung aufnimmt , der hat die größten Genüsse von über überströmender Freude. Daher kehrt der Herr gerne ein, und sitzt in seinem Herzen zu Tische.

Da empörten sich die Pharisäer und vor allem die Schriftgelehrten unter ihnen: Weshalb gebt ihr euch mit solchen Sündern und Betrügern ab?  sagten sie zu den Jüngern. Lk 5:30

Jene, die alles tun, um möglichst genau die Gesetze zu beachten und die sich darum selbst für „gerecht“ halten, das heißt rechtschaffen vor Gott, nehmen Anstoß. Für sie ist das Verhalten Jesu total unverständlich, unmöglich, unerträglich! Jesus hat ein anderes Bild von Gott. Er denkt und handelt anders: Gott sagt vorbehaltlos Ja zu einem jeden und nimmt ihn an, so wie er ist, ein großes Ja, ohne Wenn und Aber, ein Ja, das durch nichts und niemanden in Frage gestellt und aufgehoben werden kann. Gott handelt aus grundsätzlichem Erbarmen.

Der Pharisäer in mir. Die Pharisäer müssen sehr empört gewesen sein, als sie Jesus und seine Jünger beim Festmahl mit Menschen sahen, die ganz offensichtlich Sünder, Zöllner oder Betrüger waren. An ihrer Reaktion erkenne ich auch den kleinen Pharisäer in mir, der sich schnell über andere erhebt, neidisch wird und über andere urteilt. Der polnische Primas Kardinal Wyszyński sagte einmal: Achte jeden Menschen, denn Christus lebt in ihm […] Denke gut über jeden. Bemühe dich, selbst im Schlimmsten etwas Gutes zu finden. Betti Duda

Jesus antwortete ihnen: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken! Lk 5:31

Wir sind eingeladen, bei Jesus Heilung zu erfahren. Jesus sieht sich als Arzt, als Therapeut. Er sieht sich gesandt für die Kranken, die Heillosen, für alle, die in der Sünde an sich selbst vorbei leben. Ich bin gekommen, sagt Jesus einmal, um zu suchen, was verloren war und zu heilen, was verwundet ist. Das ist seine Sendung. Das ist der Wille des Vaters. Wir sind eingeladen, mit unseren Verwundungen, Verletzungen und Enttäuschungen zu ihm zu kommen, der gekommen ist, um die Verlorenen zu suchen und die Verwundeten zu heilen.

Wie aber die Gesunden des Arztes nicht bedürfen, solange sie gesund sind, dagegen die Kranken die ärztliche Kunst nötig haben, so haben auch wir den Heiland nötig, da wir in unserem Leben an den schmählichen Begierden und den tadelnswerten Zügellosigkeiten und den übrigen Entzündungen der Leidenschaften krank sind. Begreiflicherweise bedürfen also wir Kranke des Heilbringers, wir Verirrte des Führers und wir Blinde des Erleuchters und wir Durstige der lebendigen Quelle (vgl. Joh 4,14), deren Wasser die von ihr Trinkenden nie mehr dürsten lässt; und die Toten haben das Leben nötig und den Hirten die Schafe und die Kinder den Erzieher, aber auch die ganze Menschheit Jesus. Clemens von Alexandrien

Ich bin gekommen, um Sünder zur Umkehr zu Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten. Lk 5:32

Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße. Lk 5:32

Dies ist der Inhalt der Sendung Jesu. Die Sünder, die ihr Leben verfehlt haben, die gescheitert sind, die an sich selbst vorbei gelebt haben, verstehen am ehesten seine Worte. Sie, die um ihre Armut, Begrenztheit und Heillosigkeit wissen, sind offen für seine Botschaft. Sie nehmen Gottes Zuwendung an. Sie sehnen sich nach Erlösung und Heil. Spüre ich, wie bedürftig ich bin, bedürftig des Heiles, der Vergebung, des Erbarmens und einer Liebe, die sich auch mir vorbehaltlos zuwendet und mich bedingungslos annimmt? Fliehen wir nicht vor dem Herrn, sondern wenden uns ihm zu, gedenkend, was er alles für uns tat und tut!

So sehr habe ich gegen die Sünder keinen Abscheu, daß ich sogar ihretwegen gekommen bin, nicht damit sie Sünder bleiben, sondern daß sie sich bekehren und gut werden. Darum setzte er hinzu Zur Buße. Dieses dient zur Erklärung des Sinnes, damit Niemand glaube, die Sünder würden deswegen, daß sie Sünder sind, von Christus geliebt, da gerade dieses Gleichnis von den Kranken sehr gut zeigt, welche Absicht Gott mit den Sündern vorhabe, die er wie ein Arzt die Kranken beruft, damit sie von der Lasterhaftigkeit gleichwie von der Krankheit befreit werden. (Goldene Perle)

Lk 5,33-39: Über das Fasten

Mt 9,14-17; Mk 2,18-22

Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes so oft und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die Deinigen aber essen und trinken? Lk 5:33

Ein Spiel zum Verlieren. Es gibt ein Spiel, das man nur verlieren kann. Wir spielen es gern – und die Pharisäer auch. Wenn wir uns mit anderen vergleichen, wollen wir einerseits besser aussehen und deswegen sind wir stolz, andererseits sind wir in etwas schlechter als die anderen, und das enttäuscht und verärgert uns. Es ist ein Spiel, bei dem man immer nur verlieren kann, sich immer nur selbst verletzt. Wie oft spielst du es am Tag? Mit welchem Ergebnis? Br. Sebastian Jasiorkowski

Könnt ihr die Hochzeitsgäste etwa fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Lk 5:34

Mit Jesus ist die Freude gekommen, die messianische Zeit ist eine hochzeitliche Zeit, in der wir mit dem Bräutigam feiern dürfen. Das Schauen auf Christus, den Bräutigam, erfüllt uns mit Freude. Jesus bringt Neues, Jesu Kommen und Jesu Gegenwart bringt uns eine neue Zeit. So muss auch unser Fasten anders sein als das der Pharisäer. Wir wissen um Jesu Gegenwart in der Welt. Wir wissen, dass wir Gottes Kinder sind und doch handeln wir nicht immer danach. Wir müssen immer wieder neu umkehren in die liebenden Arme des Vaters.

Er will sagen: Die gegenwärtige Zeit ist eine Zeit der Freude und der Fröhlichkeit; man darf also nichts Trauriges dazu mischen. Denn die Erscheinung unseres Erlösers auf dieser Welt war nichts Anderes, als ein Fest, wodurch er sich mit unserer Natur wie mit einer Braut auf geistige Weise verband, damit die einst unfruchtbare fruchtbar würde.

Also, wir beschweren uns gern und machen gern Kommentare über andere. Aber Jesus will, dass wir froh sind! Mehr sogar! Tatsächlich glücklich will er uns, im tiefsten Sinne von Glück. Er bezeichnet sich selbst als den Bräutigam. Soll man auf der Hochzeit traurig sein? Und es gibt hier einen besonderen Moment, an dem wir ganz oft teilnehmen, nämlich die Eucharistiefeier. Jesus gibt sich selbst jedem von uns. Es ist dann nicht die Zeit, um sich zu beschweren, sondern um mit Gott fröhlich zu sein. Schau einmal und frage dich: Wie kommst du zur heiligen Messe und wie gehst du weg? Mit Freude? Glaubst du, dass Gott dich wirklich froh machen will, oder meinst du, Gott will dich nur fasten sehen? Br. Sebastian Jasiorkowski

Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird; dann werden sie fasten in jenen Tagen. Lk 5:35

Jesu Anwesenheit gab zu ebensogroßer Freude Anlaß wie ein Hochzeitsfest. Aber die Freude würde nicht von Dauer sein, denn es würde die Zeit kommen, daß der Bräutigam (Jesus) von ihnen genommen würde. An jenem Tage (seiner Kreuzigung) würden die Jünger fasten, im metaphorischen Sinn vonTrauern statt Fröhlichsein.

Wer aber sind jene Tage, in welchen Christus von uns genommen wird, da er sagte: Ich werde bei euch sein bis zum Ende der Welt? Aber Niemand kann dir Christus nehmen, wenn du dich nicht selbst ihm entziehest. — Denn so lange der Bräutigam bei uns ist, und wir in der Freude sind, können wir weder fasten noch trauern. Wenn er sich aber Wegen unserer Sünden entfernt hat, alsdann müssen wir das Fasten ankündigen, die Trauer befehlen. (Goldene Perle)