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Markus Evangelium – Kapitel 5

Mk 5,1-20: Heilung vom unreinen Geist

(Mt 8,28-34; Lk 8,26-39)

Als er aus dem Schiff gestiegen war, lief ihm sogleich aus den Gräbern ein Mensch mit einem unreinen Geist entgegen, der seine Wohnung in den Gräbern hatte. Mk 5:2‭-‬3 ‬‬

Hier begegnen uns zwei Menschen, die völlig im Griff des Bösen sind. Ihr ganzes Verhalten ist auf Gewalt und Zerstörung angelegt. Und dies nicht nur gegen andere, sondern auch gegen sich selber, wie wir es aus im Markusevangelium erfahren. Ihre Behausung sind die Grabhöhlen. Der Tod als der Zerstörer des Lebens schlechthin ist ihr Verbündeter.

Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! Mk 5:7

Es fällt auf, dass in dem Bericht nur der unreine Geist redet, der in diesem Menschen wohnte, anfänglich in der Einzahl, in Vers 12 jedoch in der Mehrzahl. Das zeigt uns, wie weitgehend die unreinen Geister von den Menschen Besitz ergreifen. Sie identifizieren sich vollkommen mit der jeweiligen Person.

Er sprach zu ihm: Fahre aus dem Menschen aus, du unreiner Geist! Mk 5:8

Die beiden besessenen Menschen kommen auf Jesus zu und schreien. Doch ihr Schrei ist nicht Macht und Stärke. Sie erkennen in Jesus den Stärkeren. Und er sprach: Fahrt aus! Es sind die einzigen Worte Jesu in der ganzen Erzählung. Ein Befehl. Kein Gespräch zwischen Jesus und den Dämonen. Nur sein Vollmachtswort. Dem Bösen sind Grenzen gesetzt, inhaltlich und zeitlich. Die Mächte müssen fliehen und die beiden Männer werden dadurch frei. Ihr Leben steht nicht mehr unter dem grausamen Diktat des Satanischen.

Die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine. Und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter in den See. Es waren aber etwa 2 000, und sie ertranken im See. Mk 5:13

Da begannen sie ihn zu bitten, er möge aus ihrem Gebiet weggehen. Mk 5:17

Dass das Schauen auf die wirtschaftlichen Folgen den Blick auf Jesus trüben kann, ja ihn unmöglich machen kann. Darum beten wir: Löse Du doch diese Blindheit. Mache Du uns frei von dem Besessensein durch den Besitz, von der Angst vor dem Verlust. Führe Du uns in die Freiheit, die sich ganz Dir verdankt. Amen

Als ihnen von den Augenzeugen sowohl die Heilung des Besessenen als auch das Los der Schweineherde bestätigt wird, fangen sie an, dem Herrn Jesus zuzureden, ihr Gebiet zu verlassen. Sie können eher mit Besessenen zusammen leben als mit dem Sohn Gottes, und trauern um den materiellen Verlust der zweitausend Schweine, anstatt sich über die segensreiche Tätigkeit des Herrn Jesus und die Befreiung des Besessenen zu freuen. Sie bitten Ihn, ihr Gebiet zu verlassen, um weiterhin ungestört in der Finsternis leben zu können.

MK 5,21-43: Blutflüssige Frau und Erweckung

Mt 9,18-26; Lk 8,40-56

Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt. Mk 5:25

Der Wunderbericht beginnt schlicht mit der Diagnose: die Frau litt seit zwölf Jahren an starken Blutungen. Die Blutungen stehen für alles, worunter wir leiden. Nach aussen wollen wir immer stark erscheinen. Aber wir wissen alle, dass jeder seine Blutungen hat. Die Blutungen können vielfältig sein: gestörte Beziehungen zu den Eltern, Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit, ein nicht verarbeiteter Schickssalschlag, Versuchungen jeglicher Art u.v.m Was sind deine Blutungen?

Sie hatte sich schon von vielen Ärzten behandeln lassen, dabei sehr gelitten und ihr ganzes Vermögen ausgegeben. Aber niemand hatte ihr helfen können. Ihr Leiden war nur noch schlimmer geworden. Mk 5:26

In einem Psalm steht, dass Gott mein ganzes(!) Glück ist und Theresa von Avila sagt, dass Gott allein genügt. Auch wenn wir beim Lesen dieser Aussagen als Christen zustimmen, so suchen wir unser Glück doch immer wieder auch woanders, ich auch! Dafür stehen in der Heilungsgeschichte die Ärzte. Die Ärzte stehen für vielerlei: Glück durch Karriere, die so gut wie perfekte Liebe zum Partner, Vermögen und Besitz, ein Hobby u.v.m. Nichts, weder mein Partner, noch der Beruf, noch ein großes Vermögen oder was auch immer können diese tiefe Sehnsucht in uns füllen, die nur Gott auszufüllen vermag. Wer das erkennt, der glaubt! Was sind deine Ärzte und Reichtürmer, die immer wieder versuchen Gott von Stelle 1 zu verdrängen?

Ich sorge mich um nichts anderes, als Tag für Tag den Willen des Herrn zu tun. Glaubt mir, das ist das Schönste im Leben. Johannes XXIII.

Dann hatte sie von Jesus gehört. Deshalb drängte sie sich durch die Menge von hinten an ihn heran und berührte heimlich sein Gewand. Mk 5:27

Bei Matthäus heißt es, dass sie den Saum seines Gewandes berühte. Das ist kein unwesentlicher Bestandteil dieses Wunder. Die Frau klopfte nicht einfach mal Jesus von hinten auf die Schulter. Der Saum ist ganz unten am Gewand, gewissermaßen kurz über den Boden an den Füßen. Um ihn zu berühren, musste sich die Frau bücken, evtl. knieend auf den Boden gehen. Das ist eine Körperhaltung der Demut. Jesus in Demut zu nahen. Was bedeutet das? Es entspringt aus einem großen Geheimnis. Einerseits ist uns Jesus ganz nahe, in unserem Herzen, nennt uns seine Freunde, steht in einem intimen Verhältnis zu uns. Andererseits ist er Herr und Gott, Alpha und Omega, dem alle Macht auf Erden gegeben ist. Durch dieses Beidseitige dürfen und sollen wir uns Jesus nahen, aber immer in Demut im Bewußtsein, wem wir uns da nahen.

Denn sie sagte sich: Wenn ich wenigstens seine Kleider berühren kann, werde ich bestimmt gesund. Und tatsächlich: Die Blutungen hörten sofort auf, und sie spürte, dass sie von ihrem Leiden befreit war. Mk 5:28-29

Die Frau lebte aus der Hoffnung, dass sie allein aus der Berührung geheilt wird. Was für ein Glaube. Jesus selbst war ihre Hoffnung. Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden. Die Quelle der Hoffnung liegt in Gott, der nur lieben kann und uns unermüdlich sucht. Uns erfüllt diese lebendige Hoffnung. Tagtäglich, immer wieder neu. Hoffe auf den Herrn.

Im selben Augenblick merkte auch Jesus, dass heilende Kraft von ihm ausgegangen war. Deshalb drehte er sich um und fragte: Wer hat mein Gewand angefasst? Mk 5:30

Von Jesus geht heilende Kraft aus. Wenn du in Beziehung zu ihm trittst, wird sich immer etwas ändern. Es ist das wirkende Wort Gottes, dass nie spurlos zurückbleibt. Wo erfährst du konkret diese heilende Kraft? Das können bestimmte Orte und Situationen sein wie z.B. im Gottesdienst oder in der Natur, vor allem aber im intimen Gebetsgespräch mit ihm. Das können Beichte und Eucharistie sein. Das kann aber auch ein Gespräch mit einem Mitmenschen sein, der von Gott dazu auserwählt ist, uns heilend zur Seite zur stehen. Ich denke, es ist unvorstellbar, auf welch unterschiedlichste Weise Gott heilend in unser Leben eingreift.

Seine Jünger antworteten: Du siehst doch, dass die Leute dich von allen Seiten bedrängen, und da fragst du, wer dich angefasst hat? Mk 5:31

Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. In unserem Leben herrscht oft ein reges Gedränge. Es ist viel los. Ich habe viel um die Ohren. Viele Leute wollen etwas von mir. In meinem Kopf herrscht evtl. gedankliches Chaos. Zeit unseres Lebens stehen wir in der Gefahr durch dieses innere und äußere Gedränge diese wesentliche und allein notwendige Beziehung zu Jesus zu vernachlässigen. Unsere Blutungen oder sonstige Wunden können und werden nur heilen in der Kraft Jesu Christi, wenn er der Mittelpunkt unseres Lebens ist.

Wo stehst du in Gefahr, das Erste zum Zweitrangigen zu machen, dich vom wichtig erscheinenden Alltag wegziehen zu lassen von der Beziehungspflege mit Jesus?

Jesus sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Geh in Frieden. Du bist gesund. Mk 5:32-34

Ist etwas kaputt, versuchen wir es zu reparieren. Ist unsere Seele im schlechtem Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen. Was unsere seelischen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als dass Christi Hand sie berührt. Er selbst ist es, der uns mit Freude umgürtet. Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alles andere nicht in der Lage ist, uns zu helfen.

Fürchte dich nicht! Glaube nur! Mk 5,36

So bedeutet das Wort Glauben, sich auf etwas zu verlassen bzw. vertrauen. Ein glaubender Mensch ist jemand, der vertraut, der in einer Haltung des Vertrauens durch das Leben schreitet. Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Glauben bedeutet eben diese innere Haltung zu suchen, in der du dich mit ganzem Herzen und mit deinem ganzen Leben an Gott hängst, innerlich und äußerlich arm wirst, dich ganz auf ihn verlässt und somit auch keine Furcht haben musst, denn Gott hält dich ja.

Suche stets diese Haltung des Glaubens in ausnahmslos allen Situationen deines Lebens

Er ergriff die Hand des Kindes und sprach zu ihm: Talita kumi!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Mk 5:41

Dieses Talita kum heißt keineswegs Mädchen, steh auf, wie es in unserer Übersetzung heißt. Nein, so nüchtern hat Jesus in diesem Moment nicht gesprochen. Talita heißt: Lämmchen. Ein hebräisches Kosewort: Kleines Lamm, Lämmchen. Lämmchen, steh auf, sagt Jesus zu der Zwölfjährigen.Wie viel Zärtlichkeit, wie viel Wärme, wieviel erbarmende Liebe ist in diesem Wort.Und auf dieses Wort des Herrn hin erhebt sich das Kind sofort und steht auf. Die Eltern sind fassungslos. Aber im Grunde ist es doch ganz natürlich:Wie soll der Tod Bestand haben können vor dem Herrn des Lebens? Johannes Holdt