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Markus Evangelium Kapitel 3

Mk 3,1-6: Jesus heilt eine Hand am Sabbat

(Mt 12,9-14; Lk 6,6-11)

Seine Gegner beobachteten ihn ganz genau. Mk 3,2

Menschen achten häufig auf schlechte Eigenschaften eines anderen Menschen. Wir fokussieren schnell die Negativ-Liste. Schnell sind wir im kritisieren, langsam dagegen in der Wahrnehmung des Guten beim Anderen. Vorurteile schleichen sich ein, wo ich bei jeder Begegnung meine Wahrnehmung darauf richte, dass mein schlechtes Bild bestätigt wird. Selbsterfüllende Prophezeiung heißt das in der Psychologie. Der andere hat keine Chance. Das ist nicht gut. Dagegen: der sich öffnende Mensch versucht immer wieder neu hinzuschauen. Ich habe die Gewohnheit, mir für mich schwierige Menschen gedanklich herzunehmen und aufzuzählen, welche gute Eigenschaften dieser Mensch hat. Meine Seele beruhigt sich dann und die Negativ-Liste des anderen ist auf einmal gar nicht mehr so groß und mächtig und ich erkenne den anderen in seiner Menschlichkeit. Sei kritisch mit deiner eigenen Wahrnehmung oder um es mit Heinz Erhardt zu sagen: Sie dürfen nicht alles glauben was sie denken

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Teresa von Ávila

Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf und tritt in die Mitte! Mk 3:3

Er aber stellt jenen Menschen in den Mittelpunkt, damit sie durch seinen Anblick bewegt werden und so Mitleid mit ihm empfinden und ihre Bosheit ablegen. Pseudo-Chrysostomus

Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wieder gesund wie die andere. Mk 3:5

Symbolisch gedeutet steht der Mann mit der verdorrten Hand für die Menschheit, die krank ist, weil sie unfähig ist, gute Werke hervorzubringen; doch durch das Erbarmen des Herrn wurde sie geheilt. Ihre Hand verdorrte, als sie im Urvater [Adam] die Frucht des verbotenen Baumes pflückte, doch durch die Gnade des Erlösers, der seine unschuldigen Hände am Baum des Kreuzes ausstreckte, wurde sie durch das vollbrachte gute Werk wieder heil gemacht. Beda

Mk 3,7-12: Große Menschenmenge folgt Jesus

(Mt 12,15-21)

Er heilte viele, sodass alle, die eine Plage hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn anzurühren. Mk 3:10

Wenn ihn die unreinen Geister erblickten, fielen sie vor ihm nieder, schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes! Mk 3:11

Der Herr reicht uns seine Hand, richtet uns auf und heilt uns. Und er tut dies in allen Jahrhunderten; er nimmt uns durch sein Wort an der Hand und löst so die Nebel der Ideologien, der Idolatrien auf. Er nimmt uns in den Sakramenten an der Hand, im Sakrament der Versöhnung heilt er uns durch die Lossprechung vom Fieber unserer Leidenschaften und unserer Sünden. Er gibt uns die Fähigkeit, aufzustehen und aufrecht vor Gott und den Menschen zu stehen. Er heilt uns immer wieder mit der Gabe seines Wortes, der Gabe seiner selbst. Benedikt XVI

Indem wir unsere Augen dem Glauben öffnen, dem Licht, das von Gott kommt, heilt uns Jesus weiterhin von der Finsternis der Verwirrung und der Sünde, die in dieser Welt sind. Möge sein Licht unsere Herzen allezeit läutern und unsere christliche Liebe erneuern, während wir mit ihm auf dem Weg zum ewigen Leben sind. Benedikt XVI

Mk 3,13-19: Jesus wählt die zwölf Apostel aus

(Lk 6,12-16)

Er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte und sie kamen zu ihm. Mk 3:13

Nun steigt der Herr auf einen Berg. Der Berg ist in der Heiligen Schrift das Bild eines erhabenen Standpunktes in Gemeinschaft mit Gott und in Abgeschiedenheit von der Welt. Arend Remmers

Dann wählte er zwölf von ihnen aus, die er Apostel nannte. Sie sollten ständig bei ihm bleiben und von ihm lernen. Er wollte sie mit dem Auftrag aussenden, die rettende Botschaft zu verkünden. Mk 3:14

In dieser Nacht wählt Jesus zwölf Männer aus, die ihn in seiner Zeit des öffentlichen Wirkens begleiten und dann seine Kirche aufbauen und die frohe Botschaft in die Welt tragen werden. Natürlich denkt man als Erstes, dass es dafür am vorteilhaftesten wäre, die Stärksten, Schlauesten und Perfektesten zu erwählen. Doch Jesus denkt anders. Er ruft einfache Fischer. Normale, einfache Männer, die alle ihre Macken hatten. Simon Petrus mit seiner aufbrausenden, starrköpfigen Art, Thomas mit seinem Unglauben, Männer, denen er so vieles wieder und wieder erklären musste, weil sie es immer noch nicht verstanden hatten. Und 12 Freunde, die ihn fast alle in seinen schwersten Stunden aus Angst verlassen haben. Genau diese Apostel erwählt er. Er braucht sie nicht, aber er will sie. Als Freunde, als Begleiter, als schwache Menschen, die ihn brauchen und so sein Evangelium verkünden. Was müssen die Apostel gedacht haben, als Jesus, der Sohn Gottes, sie einlud, ihm zu folgen und seine Begleiter zu werden? Jesus ruft auch mich jeden Tag, ihm nachzufolgen, bei ihm zu sein, von ihm zu lernen und sein Evangelium in die Welt zu tragen. Kann ich seinen Ruf annehmen, oder denke ich, dass ich dafür nicht gut genug bin. Bin ich mir bewusst, dass Jesus mich ruft, genauso wie ich bin, mit meiner Persönlichkeit, Schwachheit, Stärken, oder denke ich, dass meine Schwäche ein Hindernis ist, um diese Lebensaufgabe zu erfüllen? Raphaela Kloiber

Diese zwölf Männer waren: Simon, dem Jesus den Namen Petrus gab; dann Jakobus und sein Bruder Johannes, die Söhne von Zebedäus – Jesus nannte sie Boanerges, das bedeutet »Donnersöhne,  dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn von Alphäus, Thaddäus, Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer und Judas Iskariot, der Jesus später verriet. Mk 3:16‭-‬19

Mk 3,20-30: Jesus beziehe Macht vom Satan

Mt 12,22-37

Niemand kann in das Haus des Starken hineingehen und seinen Hausrat rauben, es sei denn, er bindet zuvor den Starken; dann erst wird er sein Haus berauben. Mk 3:27

Das Beispiel bedeutet folgendes: Der starke Mann ist der Dämon, sein Hausrat sind die Menschen, bei denen er Aufnahme gefunden hat. Wenn man also nicht zuerst den Dämon besiegt und bindet, wie kann man ihm seinen Hausrat, d. h. die von diesem Dämon Besessenen rauben? Ich, [Jesus,] bin aber der, der seinen Hausrat raubt, das heißt, ich befreie die Menschen von den durch die Dämonen verursachten Leiden. Doch zuvor binde ich die Dämonen, ich besiege sie und bin ihr Feind. Wie könnt ihr also sagen, daß ich von Beelzebub besessen bin und als Freund der Dämonen die Dämonen austreibe? Theophylactus

Der starke Mann, von dem Jesus spricht, ist der Teufel. Er hat die Menschheit seit Adams und Evas Fall unter Kontrolle. Er musste sich bislang um nichts Sorgen machen, weil er der starke Mann war, der seinen Preis der gefallenen menschlichen Natur in alle Richtungen verteidigen konnte. Aber Jesus ist stärker, und er ist gekommen, um den Teufel anzugreifen und von ihm zurückzugewinnen, was er genommen hat. Er nimmt seine Waffen des Bösen, des Hasses, der Wut, der Lust und des Egoismus weg. Er erlöst die Menschheit von den Fesseln des Bösen. Kann ich wirklich sagen, dass ich mein ganzes Vertrauen, meinen Glauben auf Gott setze, und dass er wirklich das Gute hervorbringt trotz der natürlichen Übel oder der schlechten Absichten und Handlungen anderer, eingeschlossen die des Teufels selbst?

Mk 3,31-35: Jesus benennt seine wahre Familie

 Mt 12,46-50; Lk 8,19-21

Siehe, deine Mutter und deine Brüder sind draußen und suchen dich! Mk 3:32

Wenn Christus aber nicht einmal seine Eltern kennen will, solange sie draußen stehen, wie will er uns kennen, wenn wir draußen stehen bleiben? Drinnen ist das Wort, und drinnen ist das Licht! Beda

Wer ist meine Mutter? Mk 3:33

Jesus stellt im Evangelium die provozierende Frage: Wer ist meine Mutter? Man könnte meinen, dass es sich um eine abwertende Äußerung über seine Mutter handelt. Dem ist aber nicht so. Als ob er nicht wüsste, wer seine Mutter ist! Jesus möchte klarstellen, dass in seinen und in den Augen seines Vaters der entscheidende Wert eines Menschen nicht von Fleisch und Blut abhängt, sondern von der Bereitschaft, den Willen Gottes zu tun und ihm, Jesus, nachzufolgen. Ellen Charlotte Petermann

Jene Antwort Jesu ist kein Mangel an Respekt seiner Mutter und seinen Angehörigen gegenüber. Sie ist vielmehr die größte Anerkennung für Maria, denn gerade sie ist die vollkommene Jüngerin, die in allem den Willen Gottes befolgt hat. Franziskus

Denn wer Gottes Willen tut, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter! Mk 3:35

Ich will alles, was Gott will und ich will nichts, was Gott nicht will. In dieser seligen Hingabe finde ich meinen Frieden und eine tiefe Ruhe des Herzens. Was aber ist der Wille des Vaters? Häufig ist das nicht eindeutig. Bonhoeffer schreibt dazu: „Der Wille Gottes kann sehr tief verborgen liegen unter sich anbietenden Möglichkeiten.“ Gottes Wille ist kein festes System von Regeln. Darum musst du immer wieder neu in deinen verschiedenen Lebenslagen genau hinschauen und durch Herz & Verstand, Beobachtung & Erfahrung und dem Gebet zu ergründen suchen, was sein Wille ist.

Wir wissen also, daß wir seine Brüder und seine Schwestern sind, wenn wir den Willen des Vaters erfüllen, und daß wir so auch seine Miterben sind. Hieronymus