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Matthäus Evangelium – Kapitel 9

Mt 9,1-8: Heilung eines Gelähmten

Mk 2,1-12; Lk 5,17-26

Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Mt 9,2

Anders als damals am See Gennesaret kennen auch wir heute Menschen, die gelähmt sind, blockiert bis ins Mark. Da gibt es viel Lahmgelegtes im Menschen, viel, was nicht mehr auf eigenen Füßen stehen, geschweige denn Schritte setzen kann. Vielleicht gehöre ich sogar selbst dazu. Was kann dann helfen, die Erstarrung zu lösen und neue Beweglichkeit zu schenken? Jesu Heilung des Gelähmten ist ein Beispiel. Er sieht den Gelähmten an und die andern, die ihn bringen, und knüpft an ihr Vertrauen an. Er spricht dem Unbeweglichen die Vergebung seiner Sünden zu, setzt ihn instand neu zu werden, sich neu zu bewegen. Das ist echt ein Wunder, wie innere Blockaden bis in den Leib hinein sich lösen können, wenn einer das Wort der Heilung annimmt und sich aufrichtet. Das ist eine Art Auferstehung mitten im Leben. Vertrauen hilft weiter. Nicht in dem Sinn, dass wir die Wirklichkeit, unsere Befindlichkeit, unsere Grenzen ignorieren, sondern in dem Sinn, dass wir auf das Wort Jesu hin zu glauben wagen, annehmen, was er schenkt, und tun, was Jesus sagt.

Und da Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr Böses in euren Herzen? Mt 9:4

Der Alte sagte: Die schlechten Gedanken gleichen den Mäusen, die in ein Haus kommen: Wenn man sie nach und nach tötet, eine nach der anderen der Reihe nach, wie sie eintreten, hat man kein Übel. Wenn man im Gegenteil das Haus sich mit ihnen füllen lässt, wird man viel Mühe haben, sie zu verjagen. Ob man dies dann kann oder ob man es aufgibt, man lässt sich das Haus verwüsten. Apophthegmata

Der Kampf gegen dekonstruktive eigene Gedanken wird ein Leben lang dauern. Diese sind vielfältig: Sorgen, Angst, Neid, Traurigkeit u.vm. Was uns der Spruch der Wüstenväter sagen will, ist, dass wir sofort jeden dieser Gedanken angehen, damit sie sich erst gar nicht langfristig bei uns einnisten.

Steh auf, nimm deine Liegematte und geh heim! Mt 9:6

Mt 9,9-13: Jesus isst mit Sündern

Mk 2,13-17; Lk 5,27-32

Als Jesus weiterging, sah er einen Mann am Zoll sitzen. Er hieß Matthäus. Jesus forderte ihn auf: Komm, folge mir nach! Mt 9:9

Es genügt der Blick Jesu: ein Sehen, das nicht am Äußeren hängen bleibt, sondern tiefer geht, ein Sehen, das das Verwundete, Verschüttete, Sehnsüchtige wahrnimmt, ein Sehen, das Ansehen schenkt dem Unansehnlichen. Zöllner galten berufsmäßig als Sünder. Ausgerechnet einen Zöllner beruft Jesus in seine Nachfolge. Dieser steht sofort auf und folgt Jesus. Kein Zögern, kein Nachfragen, kein Erst noch, kein Wenn und kein Aber. Auf der Stelle ist er bereit, alles zu verlassen und seine Leben zu ändern. Eine Bekehrung von 0 auf 100. Eine Sehnsucht ist in ihm geweckt worden, eine Sehnsucht nach mehr, nach erfüllterem, nach heilem und befreitem Leben.Bitten wir Gott jeden Tag neu um die Gnade, das Angebot zur Umkehr und Nachfolge ohne viel Fragerei anzunehmen, ganz einfach, mit grenzenlosem Vertrauen.

Sofort stand Matthäus auf und ging mit ihm. Mt 9:9

Folge dem nach, der zwar der König der Könige, der Herr der Herrschenden, in welchem sich alle Schätze der Weisheit finden, und der doch am Kreuze da hängt: entblößt, verspottet, angespukt, geschlagen, mit Dornen gekrönt, mit Essig und Galle getränkt, gestorben. Hänge dich daher nicht an Kleiderpracht und Reichtum, weil sie seine Kleider unter sich verteilt, nicht an Ehren, da er Spott und Schläge erfahren, nicht an Würden, da sie eine Dornenkrone aufs Haupt ihm setzten, nicht an Lüste, da in seinem Durste sie ihn tränkten mit Essig.

Wie du die Macht des Rufenden gesehen hast, so lerne auch den Gehorsam des Gerufenen kennen. Denn er widerstand nicht, er bat nicht nach Hause zu gehen und es den Seinigen mitzuteilen. Denn wenn der Magnet diese Kraft besitzt, das Eisen anzuziehen, um wie viel mehr konnte der Herr aller Kreaturen die, welche er wollte an sich ziehen? Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Später war Jesus mit seinen Jüngern bei Matthäus zu Gast. Matthäus hatte auch viele Zolleinnehmer und andere Leute mit schlechtem Ruf zum Essen eingeladen. Mt 9:10

Zöllner und Sünder essen mit Jesus und den Seinen. Jesus nimmt die Einladung an. Er erweist sich solidarisch. Tischgemeinschaft als Ausdruck von Wertschätzung, Zuwendung, ja beginnender Freundschaft. Er ist ja gekommen, um Heil und Erlösung zu bringen für alle. Gerade den Gestrauchelten, Gestrandeten, den Verlorenen und Heillosen gilt seine Liebe. Die Armen und Kranken liegen ihm besonders am Herzen. Ihnen wendet er sich vor allem zu. Dadurch bezeugt er das vorbehaltlose Ja Gottes zu jedem Menschen, auch den Sündern.

Indem aber Matthäus den Wert der himmlischen Wohltat erkannte, bereitete er Christus in seinem Hause ein großes Mahl, um dem seine zeitlichen Güter zu verleihen, von dem er die ewigen erwartete. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Als die Pharisäer das sahen, fragten sie seine Jünger: Weshalb gibt sich euer Lehrer mit solchen Sündern und Betrügern ab? Mt 9:11

Jene, die alles tun, um möglichst genau die Gesetze zu beachten und die sich darum selbst für „gerecht“ halten, das heißt rechtschaffen vor Gott, nehmen Anstoß. Für sie ist das Verhalten Jesu total unverständlich, unmöglich, unerträglich! Jesus hat ein anderes Bild von Gott. Er denkt und handelt anders: Gott sagt vorbehaltlos Ja zu einem jeden und nimmt ihn an, so wie er ist, ein großes Ja, ohne Wenn und Aber, ein Ja, das durch nichts und niemanden in Frage gestellt und aufgehoben werden kann. Gott handelt aus grundsätzlichem Erbarmen

Menschen, die sich besonders intensiv bemühen, gerecht zu leben, halten sich schnell für besser als andere. Ich bin schon viel zu oft in diese Versuchung getappt! Was an und für sich gut ist, wird unangenehm, wenn man es den anderen unter die Nase reibt und damit die eigene moralische Überlegenheit hervorhebt. In unserem Bemühen um Gerechtigkeit fixieren wir uns so sehr, dass das Wesentliche gar nicht mehr wahrgenommen wird: dass es Gott in allen Geboten um die Liebe zu ihm und den Menschen geht. Alle Tugenden aber, die von der Liebe getrennt sind, sind sehr unvollkommen. Mische daher deine Worte der Gerechtigkeit stets mit Barmherzigkeit und Milde!

Der Pharisäer in mir. Die Pharisäer müssen sehr empört gewesen sein, als sie Jesus und seine Jünger beim Festmahl mit Menschen sahen, die ganz offensichtlich Sünder, Zöllner oder Betrüger waren. An ihrer Reaktion erkenne ich auch den kleinen Pharisäer in mir, der sich schnell über andere erhebt, neidisch wird und über andere urteilt. Der polnische Primas Kardinal Wyszyński sagte einmal: Achte jeden Menschen, denn Christus lebt in ihm […] Denke gut über jeden. Bemühe dich, selbst im Schlimmsten etwas Gutes zu finden. Betti Duda

Sie begingen aber ein zweifaches Unrecht, weil sie sich selbst für gerecht hielten, da sie sich doch durch ihren Stolz weit von der Gerechtigkeit entfernt hatten, und weil sie die als ungerecht anschuldigten, welche sich von ihren Sünden bekehrten und der Gerechtigkeit näherten. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Jesus hörte das und antwortete: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken! Mt 9:12

Wir sind eingeladen, bei Jesus Heilung zu erfahren. Jesus sieht sich als Arzt, als Therapeut. Er sieht sich gesandt für die Kranken, die Heillosen, für alle, die in der Sünde an sich selbst vorbei leben. Ich bin gekommen, sagt Jesus einmal, um zu suchen, was verloren war und zu heilen, was verwundet ist. Das ist seine Sendung. Das ist der Wille des Vaters. Wir sind eingeladen, mit unseren Verwundungen, Verletzungen und Enttäuschungen zu ihm zu kommen, der gekommen ist, um die Verlorenen zu suchen und die Verwundeten zu heilen.

Wie aber die Gesunden des Arztes nicht bedürfen, solange sie gesund sind, dagegen die Kranken die ärztliche Kunst nötig haben, so haben auch wir den Heiland nötig, da wir in unserem Leben an den schmählichen Begierden und den tadelnswerten Zügellosigkeiten und den übrigen Entzündungen der Leidenschaften krank sind. Begreiflicherweise bedürfen also wir Kranke des Heilbringers, wir Verirrte des Führers und wir Blinde des Erleuchters und wir Durstige der lebendigen Quelle (vgl. Joh 4,14), deren Wasser die von ihr Trinkenden nie mehr dürsten lässt; und die Toten haben das Leben nötig und den Hirten die Schafe und die Kinder den Erzieher, aber auch die ganze Menschheit Jesus. Clemens von Alexandrien

Er nennt sich selbst Arzt, der nach einer wunderbaren Heilweise wegen unserer Sünden verwundet wurde (Jes. 53), um die Wunde unserer Sünden zu heilen. Gesund nennt er nur Jene, welche ihren Willen als Gerechtigkeit ausstellen wollen, und daher der wahren Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen sind (Röm. 10); krank nennt er Jene, welche von ihrer Gebrechlichkeit überzeugt sind, keine Rechtfertigung durch das Gesetz kennen und daher durch Buße sich der Gnade Gottes unterwerfen. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer. Mt 9:13

Jesus greift hier ein Wort des Propheten Hosea (6,6) auf und spitzt es zu: Nicht auf äußere Werke des Gesetzes kommt es an, sondern auf Liebe und Barmherzigkeit. Diese Barmherzigkeit drückt das Wesen Gottes aus. Es ist das Wesentliche im Wirken Jesu. Es ist das Kennzeichen des Reiches Gottes, das in Jesus beginnt. Herzliches Erbarmen und helfende Liebe ist der Dienst, den Gott eigentlich will. Ohne Barmherzigkeit, ohne Liebe, die dem anderen Gutes will und Gutes tut, ist alles Beten, Fasten und Opfern frommes Getue und unser ganzer Gottesdienst nicht viel wert. Für uns kann das heißen: Versuchen sich einzufühlen, möglichst alles Urteilen zu lassen und schon gar nicht verurteilen, niemanden abschreiben, sondern Not sehen, Verständnis aufbringen, sich einfühlen, mitfühlen, liebende Zuwendung und herzliches Erbarmen schenken.

Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu berufen, sondern Sünder. Mt 9:13

Dies ist der Inhalt der Sendung Jesu. Die Sünder, die ihr Leben verfehlt haben, die gescheitert sind, die an sich selbst vorbei gelebt haben, verstehen am ehesten seine Worte. Sie, die um ihre Armut, Begrenztheit und Heillosigkeit wissen, sind offen für seine Botschaft. Sie nehmen Gottes Zuwendung an. Sie sehnen sich nach Erlösung und Heil. Spüre ich, wie bedürftig ich bin, bedürftig des Heiles, der Vergebung, des Erbarmens und einer Liebe, die sich auch mir vorbehaltlos zuwendet und mich bedingungslos annimmt? Fliehen wir nicht vor dem Herrn, sondern wenden uns ihm zu, gedenkend, was er alles für uns tat und tut!

Mt 9,14-17: Fasten und Feiern

Mk 2,18-22; Lk 5,33-39

An einem anderen Tag kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und erkundigten sich: »Wir und auch die Pharisäer fasten regelmäßig. Warum tun deine Jünger das eigentlich nicht? Mt 9:14

Ein Spiel zum Verlieren. Es gibt ein Spiel, das man nur verlieren kann. Wir spielen es gern – und die Pharisäer auch. Wenn wir uns mit anderen vergleichen, wollen wir einerseits besser aussehen und deswegen sind wir stolz, andererseits sind wir in etwas schlechter als die anderen, und das enttäuscht und verärgert uns. Es ist ein Spiel, bei dem man immer nur verlieren kann, sich immer nur selbst verletzt. Wie oft spielst du es am Tag? Mit welchem Ergebnis? Sebastian Jasiorkowski

Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Mt 9:15

Mit Jesus ist die Freude gekommen, die messianische Zeit ist eine hochzeitliche Zeit, in der wir mit dem Bräutigam feiern dürfen. Das Schauen auf Christus, den Bräutigam, erfüllt uns mit Freude. Jesus bringt Neues, Jesu Kommen und Jesu Gegenwart bringt uns eine neue Zeit. So muss auch unser Fasten anders sein als das der Pharisäer. Wir wissen um Jesu Gegenwart in der Welt. Wir wissen, dass wir Gottes Kinder sind und doch handeln wir nicht immer danach. Wir müssen immer wieder neu umkehren in die liebenden Arme des Vaters.

Der Bräutigam. Also, wir beschweren uns gern und machen gern Kommentare über andere. Aber Jesus will, dass wir froh sind! Mehr sogar! Tatsächlich glücklich will er uns, im tiefsten Sinne von Glück. Er bezeichnet sich selbst als den Bräutigam. Soll man auf der Hochzeit traurig sein? Und es gibt hier einen besonderen Moment, an dem wir ganz oft teilnehmen, nämlich die Eucharistiefeier. Jesus gibt sich selbst jedem von uns. Es ist dann nicht die Zeit, um sich zu beschweren, sondern um mit Gott fröhlich zu sein. Schau einmal und frage dich: Wie kommst du zur heiligen Messe und wie gehst du weg? Mit Freude? Glaubst du, dass Gott dich wirklich froh machen will, oder meinst du, Gott will dich nur fasten sehen? Sebastian Jasiorkowski

Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann werden sie fasten. Mt 9:15

Jesu Anwesenheit gab zu ebensogroßer Freude Anlaß wie ein Hochzeitsfest. Aber die Freude würde nicht von Dauer sein, denn es würde die Zeit kommen, daß der Bräutigam (Jesus) von ihnen genommen würde. An jenem Tage (seiner Kreuzigung) würden die Jünger fasten, im metaphorischen Sinn vonTrauern statt Fröhlichsein.

Mt 9,18-26: Heilung der blutflüssigen Frau

Mk 5,21-43; Lk 8,40-56

Unterwegs berührte eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt, von hinten heimlich ein Stück seines Gewandes. Mt 9:20

Die Evangelien enthalten viele Heilungsgeschichten, in welchen so viel steckt, über das es nachzusinnen lohnt. Der Wunderbericht beginnt schlicht mit der Diagnose: die Frau litt seit zwölf Jahren an starken Blutungen. Die Blutungen stehen für alles, worunter wir leiden. Nach aussen wollen wir immer stark erscheinen. Aber wir wissen alle, dass jeder seine Blutungen hat. Die Blutungen können vielfältig sein: gestörte Beziehungen zu den Eltern, Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit, ein nicht verarbeiteter Schickssalschlag, Versuchungen jeglicher Art u.v.m Was sind deine Blutungen?

Denn sie dachte: Wenn ich wenigstens seine Kleider berühren kann, werde ich bestimmt gesund. Mt 9:21

Die Frau lebte aus der Hoffnung, dass sie allein aus der Berührung geheilt wird. Was für ein Glaube. Jesus selbst war ihre Hoffnung. Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden. Die Quelle der Hoffnung liegt in Gott, der nur lieben kann und uns unermüdlich sucht. Uns erfüllt diese lebendige Hoffnung. Tagtäglich, immer wieder neu. Hoffe auf den Herrn.

Jesus drehte sich um, sah sie an und sagte: Du kannst unbesorgt sein, meine Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt. Im selben Augenblick war die Frau gesund. Mt 9:22

Ist etwas kaputt, versuchen wir es zu reparieren. Ist unsere Seele im schlechtem Zustand, so lasst uns zu dem unsere Zuflucht nehmen, der sie geschaffen hat und es unfehlbar versteht, sie wieder in Ordnung zu bringen. Was unsere seelischen Gebrechen betrifft, so kann nichts sie heilen, als dass Christi Hand sie berührt. Er selbst ist es, der uns mit Freude umgürtet (Ps 30,12). Rühren wir nur seines Kleides Saum an, so werden wir gesund, während alles andere nicht in der Lage ist, uns zu helfen.

Mt 9,27-31: Heilung zweier Blinder

Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde nach, die schrien und sprachen: Du Sohn Davids, erbarme dich über uns! Mt 9:27

Betrachte aber auch ihre Sehnsucht; denn sie traten nicht einfach zu ihm hinzu, sondern mit Geschrei, und verlangten nichts Anderes als Barmherzigkeit.

Als er nun ins Haus kam, traten die Blinden zu ihm. Und Jesus fragte sie: Glaubt ihr, dass ich dies tun kann? Sie sprachen zu ihm: Ja, Herr! Mt 9:28

Indem sie Jesus als Sohn Davids anredeten, erkannten sie ihn als den lange erwarteten Messias und rechtmäßigen König Israels an. Der Mensch sagt: Erst sehen, dann glauben. Aber Gott sagt: Erst glauben, dann sehen. Gott ist über Glauben, der erst ein Wunder fordert, nicht erfreut. Er will, dass wir ihm allein deshalb glauben, weil er Gott ist. MacDonald

Da rührte er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben! Mt 9:29

Mt 9,32-34: Heilung eines Stummen

Als sie aber hinausgingen, siehe, da brachte man einen Menschen zu ihm, der stumm und besessen war. Und nachdem der Dämon ausgetrieben war, redete der Stumme.  Mt 9:32‭-‬33 ‬‬‬

Die Gefahr, stumm zu werden, hat viele Varianten in Form und Gründen, wo Menschen viel nicht mehr aus- oder anzusprechen wagen aus Angst oder Resignation, weil sie keine Form zu sprechen finden oder aufgegeben haben, eine zu suchen. In der Zuwendung Jesu wird dem Stummen die Last der Verstummung genommen und der eigene Mund und die eigene Sprache wiedergegeben. Auch ich kann Jesus bitten, wo ich mich oder Nahestehende verstummt sehe, auch uns zu helfen, wieder sprechen zu lernen.

Mt 9,35-38: Große Ernte und wenige Arbeiter

Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben. Mt 9:36

Wenn die Bibel von Jesu Mitleid spricht, dann verwendet sie das Wort: splanchnizomai. Es meint: In den Eingeweiden ergriffen werden. Die Eingeweide sind für die Griechen der Ort der verwundbaren Gefühle. Jesus öffnet sich dem Leid des Menschen. Er ist verwundbar. Daher spürt er die vielfältigen Leiden der Menschen, auch deine! In dieser Einfühlung ist Jesus das große, vollkommene Vorbild. Einfühlung in andere ist eine wichtige menschliche Fähigkeit und die Voraussetzung von Mitleid. Es meint die Solidarität mit dem Leid des anderen, nicht nur oberflächlich, sondern tief – eine Solidarität, die auch tätig wird, aktiv dem anderen hilft. Allerdings heißt es nicht, im Mitleid zu zerfließen. Denn dann helfe ich dem anderen nicht wirklich! Gott segne dich und diese Woche, der Allmächtige mache dein Herz enfühlend, damit du die Werke tun kannst, welche die Weisheit für dich vorbereitet hat.

Wie schaut Gott, der Schöpfer aller Dinge, auf mich? Wie schaut er auf mich, besonders in meiner Unvollkommenheit, meinem Scheitern und meiner Zerbrechlichkeit? Wir haben uns vielleicht schon so an Jesus gewöhnt, dass uns die Antwort gar nicht mehr überrascht. Gott hat Mitleid mit uns. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er hat Mitleid mit unserer Müdigkeit, unserer Erschöpfung und Verlorenheit, die wir oft im Alltag oder im Gebet erfahren. Christus will uns nahe sein. Er versteht uns zutiefst und fordert nicht andauernd mehr und immer mehr, sondern macht sich selbst auf die Suche nach uns. Was halte ich von Gott? Glaube ich, dass er Mitleid mit mir hat, oder sehe ich ihn oft als gleichgültigen, fernen Gesetzgeber?