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Matthäus Evangelium Kapitel 2

Mt 2,1-12: Die Sterndeuter

Als nun Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden?  Mt 2:1-2

Heilige Drei Könige nennen wir sie. Die Schrift spricht von Magiern, Weisen, Sterndeutern. Für mich sind es exemplarische Menschen, Symbolfiguren, die eine Urmöglichkeit zeigen, die jedem Menschen gegeben ist: sich auf den Weg machen, dessen Verlauf man nicht kennt, dem Zeichen folgen und nicht aufgeben, einem Ziel entgegengehen, das einem verheißen, dessen man aber nicht sicher ist. Was hat die Sterndeuter auf die Beine gebracht? Wir wissen es nicht. Klar ist nur eines: Die Führung durch Gott. Symbol der göttlichen Führung ist der Stern. Mögen die Weisen aus dem Morgenland uns mit ihrem leidenschaftlichen Suchen und Fragen anstecken und zu immer neuem Aufbrechen und Christus-entge­gen-Gehen ermutigen. Dann hat unser Leben ein Ziel und einen Sinn und wir können es vertrauensvoll wagen. Pius Kirchgessner

Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind aus dem Osten hierher gekommen, um ihm die Ehre zu erweisen. Mt 2:2

Wir haben seinen Stern gesehen. Alle Menschen ehrlichen Herzens finden Gott in ihrem Leben. Die Ehrlichkeit der drei Sterndeuter lässt sich an den Mühen und Opfern erkennen, die sie bereitwillig auf sich nahmen, um ihr Ziel zu erreichen. Die Reise war sehr anstrengend, sie mussten in ihrer Abwesenheit für ihre Familien sorgen. Ihre Absicht war rein, frei von egoistischen Beweggründen, denn sie wollten allein Gottes lebendige Gegenwart erleben. Die Offenheit ihres Herzens erlaubte es Gott, durch viele Dinge dieser Welt zu ihnen zu sprechen: von der Weissagung bei Herodes bis zum Stern über dem Kind in der Krippe.

Was bin ich bereit zu opfern, um Gott heute zu finden? Ich muss alles außer ihm zur Seite legen und mich von seiner Hand führen lassen, damit ich seine göttliche Gegenwart erleben kann.

Auf das gesehene Zeichen hin, die Vision eines messianischen Königskindes, brechen sie auf, lassen Bekanntes, Gewohntes, Sicherheit zurück, ziehen aus, machen sich auf den Weg, auf einen Weg, den sie nicht kennen, unbekanntem Terrain, einer ungewissen Zukunft entgegen. Es ist die Haltung, die wir bei Abraham finden. Er läßt sich herausrufen aus seiner vertrauten Heimat, aus Schutz und Sicherheit und macht sich auf den Weg. Der Mensch ist ein homo viator, ein Wanderer, ein Pilger, ob er will oder nicht. Unsere Zeit fließt dahin. Was gestern war, kann morgen schon anders sein. Loslassen kann für uns heißen: Mit den Weisen aus dem Osten aufbrechen, dem Licht entgegen, auch wenn es so klein ist wie der Strahl eines Sterns.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er, und ganz Jerusalem mit ihm. Mt 2:3

Aber wußten sie nicht, daß in Jerusalem Herodes regierte oder wußten sie nicht, daß Jeder, welcher bei Lebzeiten des Königs einen anderen König verkündigt oder anerkennt, mit dem Tode bestraft wird? Aber während sie auf den künftigen König hinsahen, fürchteten sie den gegenwärtigen König nicht; dennoch hatten sie Christus nicht gesehen, und waren schon bereit, für ihn zu sterben. O glückselige Weise, welche vor dem Anblick des grausamen Königs, ehe sie Christus erkannten, Bekenner Christi wurden! Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Als aber der König des Himmels geboren war, entsetzte sich der König der Erde; weil nämlich die irdische Herrlichkeit zuschanden wird, wenn die himmlische Erhabenheit sich offenbart.

Und du, Bethlehem im Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Für­s­tenstädten Judas; denn aus dir wird ein Herrscher hervorgehen, der mein Volk Israel weiden soll. Mt 2:6

Die Magier ihrerseits glaubten nach menschlichem Ermessen, die ihnen angezeigte Geburt des Königs sei in der Residenzstadt zu suchen; aber Jener, welcher Knechtsgestalt angenommen hatte und nicht gekommen war, zu richten, sondern gerichtet zu werden, wählte Bethlehem zu seiner Geburt, Jerusalem zu seinem Leiden. Alles Dürftige und Niedrige erwählte er, damit man erkenne, die Gottheit habe die Welt umgestaltet. Darum erwählte er eine arme Mutter, ein armes Vaterland, er ist dürftig; dies lehrt dir die Krippe. Auch in Bethlehem wird er bezeichnend geboren. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er ankam und über dem Ort stillstand, wo das Kind war. Als sie nun den Stern sahen, wurden sie sehr hocherfreut. Mt 2:9-10

Eine Riesenfreude, unbändig! Der Evangelist häuft die Worte, um das Übermaß ihres Glücks zu beschreiben. Es ist das Glück des belohnten Vertrauens. Es ist die Freude aus der erfahrenen Gewissheit, bei allem Auf und Ab des Lebens, inmitten aller Turbulenzen und Anfechtung dennoch geführt zu werden. Wer es einmal an sich selbst erfahren hat, wie nach Zeiten der Ungewissheit und Ratlosigkeit plötzlich die Gewissheit wieder Platz greift, die Gewissheit nämlich, dass ich mit meinem Leben auf der richtigen Spur bin, wird den Jubel verstehen, der die Weisen erfasst, als sie ihren Stern wieder erblicken, der in Jerusalem offensichtlich aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Pius Kirchgessner

Der freut sich über die Freude, welcher sich wegen Gott freut, der die wahre Freude ist.

Sie gingen in das Haus hinein und fanden das Kind samt Maria, seiner Mutter. Mt 2:11

Der Weg der drei Könige ist weit. Ihre Füße werden müde, ihr Herz schwer. Aber sie halten durch und kommen endlich an. Sie finden aber kein Königskind in prächtiger Aufmachung. Ihre Reise endet vor dem Wickelkind Marias. Ein kleines, hilfloses Kind, ein erbarmungswürdiges Wesen! Und Gott in diesem Menschenkind! Die Weisen aus dem Morgenland setzen nicht selbst die Bedingungen fest, unter denen sie Gott finden. Sie lassen sich hinabführen in die Niedrigkeit und Armut. Und huldigen dem Säugling auf dem Schoß einer armen Mutter. Das Große daran: Die Weisen erkennen in dem Kind den Heiland, den Erlöser der Welt. Sie werden an dem Kind nicht irre und zweifeln nicht. Sie stoßen sich nicht an seiner Geringheit und Niedrigkeit, sondern verbeugen sich. Pius Kirchgessner

Da fielen sie nieder und beteten es an. Mt 2:11

Anbetung ist nicht nur ein innerlicher Akt. Es geschieht auch nicht nur mit dem Kopf. Sie zeigt sich auch im Leiblichen. Der Leib betet mit. Gebet drängt dazu, sich auch leibhaft auszudrücken. Der Leib wird Gebet. Die Weisen knien nieder, sie werfen sich nieder. Ihr ganzes Wesen ist gesammelt in der Huldigung, in Anbetung und Hingabe. Sich niederwerfen ist eine Geste der Demut, der Hingabe. Welch anderes Ziel hat alles Suchen und Finden Gottes als das der Anbetung und Hingabe, der devotio, der Gottesverehrung, der Übereignung des Herzens? Die Anbetung Gottes: Welchen Stellenwert hat sie in meinem Leben? Pius Kirchgessner

Ein Mensch ist nie größer als dann, wenn er kniet. Johannes XXIII

Anbeten bedeutet, Jesus ohne eine Wunschliste in der Hand zu begegnen, sondern nur mit dem einen Wunsch, bei ihm zu bleiben. Es heißt zu entdecken, dass die Freude und der Friede mit dem Lobpreis und der Danksagung wachsen. Anbetung ist eine Geste der Liebe, die das Leben verändert. Anbeten heißt, es wie die Sterndeuter zu machen: dem Herrn Gold zu bringen, um ihm zu sagen, dass nichts wertvoller ist als er; ihm Weihrauch darzubieten, um ihm zu sagen, dass nur mit ihm unser Leben aufsteigt; ihm Myrrhe darzubringen, mit der verwundete und geschundene Körper gesalbt wurden, um Jesus zu versprechen, unserem ausgegrenzten und leidenden Nächsten beizustehen, weil Er in ihm gegenwärtig ist. Papst Franziskus

Sie öffneten ihre Schatzkästchen und brachten ihm Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Mt 2:11

Gold, Weihrauch und Myrrhe haben symbolische Bedeutung: Gold geben sie dem König der Welt, dem Gott-König. Es ist ein königliches Geschenk. Weihrauch ist ein priesterliches Geschenk. Weihrauch geben sie dem wahren Gott. Myrrhe ist eine Totengabe. Myrrhe geben sie dem Erlöser, dem, der für uns gelitten hat, gestorben ist und begraben wurde. Es ist Sinnbild des Leidens. Die Weisen kommen mit Gaben. Sie bringen das Gold ihrer Liebe, den Weihrauch ihrer Ehrfurcht, die Myrre ihrer Schmerzen. Pius Kirchgessner

Das Gold wird ihm dargebracht als großem König, der Weihrauch als Gott, die Myrrhe als Opferlamm für das Heil Aller.

Da sie im Traum angewiesen wurden, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg zurück in ihr Land. Mt 2:12

Es sind feinsinnige, sensible Menschen. Sie nehmen wahr, was um sie herum und in ihnen vor sich geht. Die Weisen haben eine Antenne für die Botschaften der Nacht. Für Träume und Visionen, die in stillen Stunden aus der Seele aufsteigen. Sie nehmen sie wahr. Sie trauen ihnen. Sie folgen der Weisung, die sie im Traum bekommen haben. Die Weisen müssen nun zurück in ihren Alltag, in ihr Leben. Die Erfahrungen von Gottes Nähe sind vorübergehend. Wir spüren nicht immer seine Gegenwart. Aber wir dürfen vertrauen, dass er bei uns bleibt und alle Wege mit uns geht, bis wir ihn endgültig finden und immer bei ihm sind im Licht seiner Herrlichkeit. Pius Kirchgessner

Wenn man Jesus gesehen hat, muss man auf anderen Wegen heimkehren, auf dem Weg der Bekeh­rung, nicht auf dem Weg der Vergangenheit. Charles de Foucauld

Betrachte aber den Glauben der Magier, weil sie in ihrem Herzen sich nicht ärgerten und sprachen: Wenn dieser Knabe groß ist, wozu sollen wir fliehen und uns im Geheimen zurückziehen? Denn dies verrät den wahren Glauben, nicht um die Ursache dessen zu fragen, was befohlen wird, sondern nur davon überzeugt zu sein. Die Weisen geben uns aber etwas Großes zu verstehen, daß sie auf einem anderen Wege in ihre Heimat zurückkehrten. Denn unsere Heimat ist das Paradies, wozu wir, wenn wir Jesus kennen gelernt haben, auf dem Weg, auf dem wir kamen, nicht zurückkehren sollen. Denn von unserer Heimat entfernten wir uns durch Stolz, Ungehorsam, durch Streben nach dem Sinnlichen, durch den Genuß der verbotenen Frucht; aber zu ihr müssen wir zurückkehren durch Tränen, Gehorsam, Verachtung des Irdischen, und durch die Zügelung der fleischlichen Begierde. Thomas von Aquin (Goldene Kette)

Mt 2,13-23: Flucht nach Ägypten

Als sie aber weggezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter mit dir und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes will das Kind suchen, um es umzubringen! Mt 2:13

Schon von Geburt an schwebte immer die Todesdrohung über unserem Herrn. Es ist offensichtlich, dass er geboren wurde, um zu sterben, doch erst zu der festgesetzten Stunde sollte er den Tod erleiden. Jeder, der nach Gottes Willen wandelt, wird erst abgerufen, nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat. MacDonald

Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Mt 2:15

In ihrem ursprünglichen Zusammenhang bezog sich diese Aussage auf die Befreiung Israels aus Ägypten zur Zeit des Auszugs. Aber diese Aussage kann zwei Bedeutungen haben. Die Prophetie erfüllte sich im Leben Christi, als er aus Ägypten nach Israel zurückkehrte. MacDonald

Dort angekommen, ließ er sich in einer Stadt namens Nazareth nieder, damit erfüllt würde, was durch die Propheten gesagt ist, dass er ein Nazarener genannt werden wird. Mt 2:23

Er soll Nazaräer genannt werden. Nazareth war nicht der Ort, an dem man den Messias am ehesten vermutete und doch wollte Gott genau dort sein. Denke ich manchmal, dass meine Familie nicht ein Ort sein kann, an dem Gott wirklich gegenwärtig werden kann? Bin ich fähig, das Werk, das Gott in aller Stille in diesen realen, begrenzten und doch erstaunlichen Mitmenschen vollbringt, zu bewundern? Ernest Daly