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Matthäus Evangelium – Kapitel 19

Mt 19,1-12: Ehe und Scheidung

Mk 10,1-12

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang als Mann und Frau erschuf. Mt 19:4

Nicht der einzelne Mensch ist Ebenbild Gottes, sondern der Mensch in seiner Hinordnung auf ein Gegenüber. So wie Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist Beziehung ist und nur in dieser Beziehung zu denken ist. So ist auch der einzelne Mensch auf Beziehung auf ein Miteinander geschaffen. Wenn Gott feststellt „es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (Genesis 2,18), dann nimmt er im Menschen das wahr, was auch für ihn selbst gilt: Beziehung ist der Anfang des Seins und das Wesen des Daseins. Die Ebenbildlichkeit des Menschen äußert sich in seiner Beziehungsfähigkeit und Beziehungsbedürftigkeit. Wenn wir uns von jeder Form von Bindung und Aufbau von Kommunikation, von Bezug zu anderen lossagen, dann lösen wir uns von unserer Gottebenbildlichkeit. Kristell Köhler

Sie sind also eins und nicht länger zwei voneinander getrennte Menschen. Mt 19:6

Das gemeinsame Leben kommt vom rechten Weg ab, wenn wir zwar vor Gott eins sind und nicht mehr zwei, wir aber kaum gemeinsame Zeit verbringen. Zeiten mit Genussfaktor – das festigt das Band der Ehe, neben den vielen täglichen Herausforderungen in Arbeit und Familie. Gemeinsame Erlebnisse, Gespräche, eine längere Umarmung, kurze Streicheleinheiten, einen Kuss zur Begrüßung u.a. sind Ausdrucksformen der Liebe, wo unsere im Körper wohnende Seele spürt, dass sie geliebt ist. Wir kommen nicht allein mit Worten aus….Gemeinsame Zeit und Berührungen sind unverzichtbar wichtig und geben Kraft.

So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden! Mt 19:6

Die Verbindung von Mann und Frau in der Ehe bildet diese Verwiesenheit der Menschen aufeinander ab. Aber die Notwendigkeit des Menschen, in Beziehung zu treten, zeigt sich auch in Freundschaften, im Paarsein, in Familie – in allen Gemeinschaften, die wir Menschen bilden. Der Hinweis Jesu darauf, dass der Mensch nicht trennen darf, was Gott verbunden hat, gilt nicht allein der Verbindung zwischen Mann und Frau, die im Evangelium im Fokus steht. Sie gilt für die Bedürftigkeit eines Gegenübers. Jesus sagt: Das, wie Gott euch als Menschen geschaffen hat, das löst nicht auf. Trennt euch nicht voneinander ab, seid und lebt Beziehung – weil ich Beziehung bin. Kristell Köhler

Mt 19,13-15: Jesus segnet Kinder

Mk 10,13-16; Lk 18,15-17

Da wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er die Hände auf sie lege und bete. Mt 19:13

Dies ist ein wunderbares Bild für die Fürbitte. In der Fürbitte bringen wir Menschen zu Jesus, damit er sie segnet. In der Fürbitte stelle ich den anderen Menschen unter die besondere Aufmerksamkeit Gottes. Gemeinschaft lebt aus dieser Fürbitte füreinander. Machen wir viel von ihr Gebrauch. Die Fürbitte verändert auch mich. Sie führt mich aus der Egozentrik meiner eigenen Probleme in den befreienden Raum des Dienstes und verändert meine Einstellung zum anderen. Ich finde Zugang zu den Herzen derer, für die ich bete.

Die Fürbitte ist eine Art, den anderen zu lieben. Richard J. Foster

Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solcher ist das Reich der Himmel! Mt 19:14

Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen! Der Vorzug der Kinder besteht darin, dass sie völlig aufs Beschenktwerden angewiesen sind. Das Kind ist in erster Linie Empfangender. Glaube ist wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand. Gott nötig haben in allem. Kindlich Abba sagen können. Immer wieder mit leeren Händen staunend vor Gott kommen und von ihm lernen wollen. Ein Kind kann sich nicht vorstellen, daß Vater und Mutter etwas nicht können. Das soll die Haltung des Glaubens sein unserem Gott gegenüber.

Jesus sagt, nicht auch, sondern nur Kindern gehört die Gottesherrschaft. Im Kind gibt es etwas, das einem, der in das Himmelreich kommen will, nie fehlen darf. Der Himmel ist allen zugesagt, die einfältig sind wie die Kinder, allen, die wie sie von vertrauensvoller Hingabe erfüllt, die rein und reich an Güte sind. Sie allein können in Gott einen Vater finden und durch Jesus zu Kindern Gottes werden.

Schlimm wäre es, das Wort des Heilands zu vergessen: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so einfach, demütig und fügsam wie sie, werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Franz von Sales

Und nachdem er ihnen die Hände aufgelegt hatte, zog er von dort weg. Mt 19:15

Kinder haben damals weder die Wertschätzung noch die Aufmerksamkeit wie heute. Kinder sind in der sozialen Hierarchie der Antike ganz unten und führen deshalb oft nur dienende Tätigkeiten aus. Jesus geht es hier nicht um das große Gefühl, sondern um den spezifischen Blick Gottes, der die Menschen ganz unten in den Fokus rückt. Genau solchen Menschen gehört das Himmelreich! Jesus umarmt die Kinder am Schluß. Er nimmt die Kinder in den Arm. Er drückt sie an sein Herz. Ins Zentrum seiner Liebe. Er legt ihnen die Hände auf. Er betet und segnet sie.

Mt 19,16-30: Jesus spricht mit reichen Mann

Mk 10,17-31; Lk 18,18-30

Jesus antwortete: Wenn du vollkommen sein willst, dann geh, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach! Mt 19:21

Jesus blickt ihn an, und der Mann darf die Erfahrung der Liebe Gottes machen. Er spürt in sich den Drang nach mehr, bringt ihn zum Ausdruck und Jesus fordert ihn zu einer vollkommeneren Hingabe auf. Doch da geht der Mann traurig weg. Er ist jetzt nicht fähig, diesem Ruf zu folgen, sich ganz und gar auf Jesus einzulassen. Der Blick Jesu trifft auch mich, jeden Tag, jede Sekunde meines Lebens. Er will mir jetzt persönlich begegnen. Er blickt mich an, voller Liebe. Wie reagiere ich auf seinen Blick? Bin ich bereit, mein ganzes Wesen dem Blick Gottes auszusetzen? Wie ist mein Blick auf ihn? Voller Hoffnung, voller Vertrauen? Lasse ich – wie Petrus bei seiner Berufung – alles stehen und liegen und folge ihm nach? Oder bin ich jetzt nicht fähig, ihm zu folgen, lasse mich aber von seinem Blick begleiten, um zu lernen, was ich um seinetwillen loslassen muss? Marita Grötsch

Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg, denn er besaß ein großes Vermögen. Mt 19:22

Loslassen. Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit. Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude. Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht. Todd Belardi

Darüber waren die Jünger entsetzt und fragten: Wer kann dann überhaupt gerettet werden? Mt 19:25

Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist es unmöglich, aber für Gott ist alles möglich! Mt 19:26

Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach ist, die Botschaft Jesu umzusetzen, sich ganz zurückzunehmen, Gott in den Mittelpunkt zu stellen und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Haben wir überhaupt eine Chance? Ja, denn für Gott ist nichts unmöglich. Er schenkt uns seine Gnaden, er befreit uns von unserer Schuld, er tritt für uns ein. Wir haben alle Chancen. Denn er hat uns erlöst! Er hat uns zuerst geliebt und seine Liebe mit seinem Blut bezeugt. Unsere Rettung wirken wir nicht aus eigener Kraft, Gott ist unser Retter. Marita Grötsch

Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz zurücklässt, um mir zu folgen, wird dies alles hundertfach zurückerhalten und das ewige Leben empfangen. Mt 19:29

Jesus verspricht den Jüngern für ihre Nachfolge das Hundertfache von dem, was sie verlassen haben. Und tatsächlich, am Ende ihres Lebens hatten die Jünger durch die Ausbreitung des Leibes Christi, der Kirche, „hunderte“ von Häusern, „hunderte“ von Äckern und „hunderte“ von geistlichen Kindern. Aber war das alles? Der junge Mann im Evangelium wollte das ewige Leben gewinnen. Darum geht es letztendlich und das verspricht Jesus seinen Jüngern obendrein („und in der kommenden Welt das ewige Leben“). Gott will seine Herrlichkeit und seine Gottheit mit uns teilen! Aber Voraussetzung für das Hundertfache und das ewige Leben ist unsere Entscheidung für die Nachfolge und unser Vertrauen in Gott und seine Verheißung. Die Jünger haben eine Entscheidung getroffen, sie sind Jesus nachgefolgt. Der junge Mann konnte das nicht, er ging traurig weg. Was wollte der Mann wirklich? Was will ich wirklich? Marita Grötsch