Anmeldung ->
Anmeldung ->

Matthäus-Evangelium Kapitel 5

Drei volle Kapitel umfasst die Bergpredigt im Matthäusevangelium. In fünften Kapitel geht es um das Außerordentliche der Nachfolge Jesus, d.h. es beschreibt die Abweichung vom Gewohnten, der Eintritt ins Ungewöhnliche, in das uns Jesu ruft. Die Aussagen hier betreffen vielfach den Umgang mit anderen Menschen. Aber Vorsicht! Die Bergpredigt darf nicht als ethisches Programm missverstanden werden, sondern es geht um eine neue Seinsweise in Christus, die eben ausserordentlich ist, weil ihr Kern nicht im Moralischen liegt, sondern im Eintreten in das Leiden der Liebe des Gekreuzigten, die am Ende des 5. Kapitels in der Feindesliebe gipfelt.

Mt 5,1-12: Seligpreisungen

Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. […] Dann begann er, sie mit den folgenden Worten zu lehren Mt 5:1‭-‬2

Sie sind das Gegenstück zu den 10 Geboten und es lohnt sich, sie auswendig zu lernen, um sie immer bei sich zu haben. Bei den Seligpreisungen geht es um Haltungen. Diese gehen tiefer als Handlungs-Ratschläge. Jesus geht es nicht um äussere Gesetze und Regeln, sondern darum, dass wir in eine neue innere Wirklichkeit treten, zu der wir berufen sind.

Selig heißt übersetzt: Glücklich zu preisen. Jesus möchte, dass wir glücklich sind. Es geht allerdings nicht um ein äußerliches Glück. Es geht um eine innere Glückseligkeit, die unabhängig von den äußeren Umständen ist.

Die Seligpreisungen sind Umsetzung von Kreuz und Auferstehung in die Jüngerexistenz. Benedikt XVI

Die Seligpreisungen sind ein neues Lebensprogramm, um sich von den falschen Werten der Welt zu befreien und für die wahren Güter in Gegenwart und Zukunft zu öffnen. Benedikt

In den Seligpreisungen finden wir aber all das, was uns zum wahren Glück führt. Papst Franziskus

Selig sind….. Mt 5:3

In Wahrheit ist der Selige schlechthin nur er, Jesus. Er ist nämlich derjenige, der wirklich arm ist vor Gott; der Trauernde; der, der keine Gewalt anwendet; der, der hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; der Barmherzige; der, der ein reines Herz hat; der, der Frieden stiftet; er ist es, der um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird. Die Seligpreisungen zeigen uns die geistliche Gestalt Jesu und bringen so sein Geheimnis zum Ausdruck, das Geheimnis des Todes und der Auferstehung, des Leidens und der Freude der Auferstehung. Dieses Geheimnis, das das Geheimnis der wahren Seligkeit ist, lädt uns zur Nachfolge Jesu und damit auf den Weg der Seligkeit ein. Benedikt XVI

Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. Mt 5:3

Die Seligpreisungen folgen einem inneren Aufbau und nicht ohne Grund steht die Armut im Geiste an erster Stelle. Wenn ich mich in meiner Beziehung zu Gott betrachte, erkenne ich meine Kleinheit und ein Empfinden für Gottes Heiligkeit wächst. Ich sehe mich vor Gott als der, der ich bin. Ich habe keine Leistung, die mich vor Gott qualifiziert. Damit setze ich mich nicht als Persönlichkeit herab, sondern habe den Mut, zuzugeben, dass ich mit leeren Händen vor Gott stehe. Wenn ich diese Tür nicht aufmache, bleiben alle anderen Türen verschlossen. Was bedeutet diese Seligpreisung konkret für mein Leben?

Hüte dich vor einem übertriebenen Konsum. Materieller Besitz ist nicht die wahre Quelle des Glücks. Allein Gott ist die Quelle des Glücks. Pflege einen schlichten Lebensstil. Es geht darum, die Wesentlichkeit zu suchen, zu lernen, viel Überflüssiges und Unnötiges, das uns erstickt, abzulegen.

Hänge dein Herz nicht an die Dinge dieser Welt. Dazu gehört auch dein Ego. Gott wendet sich dem Demütigen zu. Meditiere deine Armut! Lasse bewusst los: materiell (z.B. Spenden), noch mehr spirituell (Stolz, Rechthaberei, Sorgen)

Wir haben alle Wünsche, wie das Leben laufen sollte. Das betrifft den einzelnen Tag, wie auch die großen Lebensspuren. Wir wollen dies, wir wollen das. Wenn wir zu krampfhaft an diesen Wünschen festhalten und nicht offen bleiben für andere Richtungen, dann erzeugen diese Wünsche eine innere Unruhe. Und erfüllen sich unsere Erwartungen dann nicht, neigen wir zu Traurigkeit oder Zorn. Immer wieder gilt es darum Inventur zu ziehen, was fesselt und bindet, wo sollten wir lernen los zu lassen. Denn in einem Herzen, das sich an äußere Dinge verliert, ist kein Frieden. Darum lasst uns ärmer in unserem Wünschen werden. Der Arme im Geist lebt im Frieden des Herzens.

Wünsche, an die wir uns zu sehr klammern, rauben uns leicht etwas von dem, was wir sein sollen und können. Bonhoeffer

Wer erkennt, dass er vor Gott arm ist, der findet zur Demut. Und diese Demut ist ein Segen. Sie schützt uns vor Hochmut und lässt uns erkennen, dass wir nie vollkommen sind, lebenslang auf dem Weg hin zu ihm sind, der vollkommen ist. Wer sich als arm vor Gott erkennt, der ist stets innerlich zur Weiterentwicklung bereit, geleitet durch seinen Willen. Sehen wir also unsere Schwächen nicht als Hinderungsgrund für das Glück. Gerade scheinbare Störfaktoren ermöglichen erst oft unser Glück und sind ein Segen für unser Leben. So paradox es klingt, wir können dankbar sein für unsere Schwächen, für all unsere Missgeschicke. Wer im Arm-Sein das Gute zu erkennen vermag, der ist wirklich glückselig zu nennen. Glückselig sind die Menschen mit Defiziten. Glückselig bin ich, wenn ich das Gefühl habe, noch weit vom Ziel entfernt zu sein. Dann bin ich auf dem besten Weg zum Himmelreich und damit zum Glück.

Glücklich sind, die über diese Welt trauern, denn sie werden Trost finden. Mt 5:4

Glückselig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Mt 5,4

Glücklich, die Trauernden? Widersprüchlich? Christsein ist Freude und Trauer. Es geht nicht um das soziologische Trauern (z.B. beim Tod eines Menschen). Es geht um ein geistliches Trauern. Geistliches Trauern folgt aus der ersten Seligpreisung. Trauer hat etwas mit Verlust zu tun, bei der Armut im Geiste verliere ich viel, was mir lieb ist (mein Ego, Stolz, Kontrollwünsche, ….). Trauer ist in diesem Fall gut, mehr noch: notwendig. Abgesehen von der Tatsache, dass Gott auch gerade in den dunklen Stunden meines Lebens bei mir ist, geht es hier um etwas anderes: Echte Demut, tief empfundene Trauer über meinen Zustand und den Zustand der Welt. Und aus und in dieser Trauer empfange ich in echter Hinwendung die Liebe und den Trost Gottes, entspringt die Freude über das Errettet sein in Christus.

Der, der ich bin, grüßt trauernd den, der ich sein könnte. Kierkegaard

Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben! Mt 5:5

Sanftmut meint nicht dass du nonstop relaxed bist und dich über nichts aufregst. Sanftmut meint auch nicht, dass du der nette Christ bist, der zu allen lieb ist. Sanftmut meint nicht, dass du Duchmäusertum betreibst. Sanftmut bedeutet deine mutige Entscheidung zur Gewaltlosigkeit in jeglicher Situation, eine Autorität ohne Gewalt !!!!

Wenn du sanftmütig sein willst, lerne zuallererst, alles was dir geschieht anzunehmen, ohne gleich in die Haltung des Richters zu verfallen, der verurteilt. Spiritualität, die uns hart und selbstgerecht macht, ist wertlos. Es sind unzählige Stellen im Evangelium, in denen das Jesus verurteilt. Bleibe stattdessen standhaft und beharrlich bei einem gütigen Auge. Dein Blick auf den anderen Menschen ist das entscheidende Moment. Ein Mensch mit Sanftmut hat großes Verständnis für die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Menschen und kann diese annehmen. Und ja, ich weiß, dass dies bei bestimmten Personen eine echte Herausforderung ist und bleiben wird.

Fehler sind dick, wo die Sanftmut dünn ist. Englisches Sprichwort

Sanftmut bedeutet, dem Ärger und Wut entgegen zu treten und aus der Spirale aus zu steigen, wo Aggression Gegen-Aggression erzeugt, vor allem in unseren menschlichen Beziehungen. Einfach gesagt, schwer getan, denn negative Gedanken und Gefühle über den anderen sind meist schlicht und einfach da und drängen dazu ausgedrückt zu werden. Der erste wichtige Schritt ist, dass wir negative Gefühle nicht runterschlucken, sondern sie rauslassen, aber nicht am anderen, sondern für uns, am besten alleine: laufen, schreien, Kissenboxen etc. Der zweite Schritt ist, seine Wahrnehmung vom anderen weg zu einem selbst zu lenken. In meiner Vorstellung sollte die Welt, der andere bzw. ich selbst so oder so sein. Ist sie es nicht, so entsteht Ärger. Der Ärger entsteht immer aus einem Unterschied zwischen dem, was gerade ist und dem, wie man es sich gerne wünscht. Und in diesem meinem Wunsch steckt ein Bedürfnis von mir (z.B. nach Ruhe) und ich ärgere mich, wenn dieses Bedürfnis nicht von anderen beachtet wird (z.B. lauter Nachbar). Ich muss mich also immer fragen: Warum bin ich eigentlich gerade ärgerlich? Und ich versuche dies nicht zu beantworten, indem ich auf meinen bösen Gegenüber zeige, sondern in Bezug auf meine Bedürfnisse (Ruhe, Anerkennung, Geborgenheit, Liebe etc.)

Glücklich sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden. Mt 5:6

Unter Gerechtigkeit verstehen wir meist, dass alle gleich behandelt werden. Um diese menschlich-soziale Gerechtigkeit geht es hier nicht, wenngleich diese wichtig ist. Hier meint Gerechtigkeit das Gegenteil von Sünde. Sünde, das sind nicht einfach einzelne schlechte Taten, sondern eine Orientierung weg von Gott. Es geht hier um deinen Hunger nach Gott. Es geht um deine Sehnsucht danach, dass es dir ein innerstes Anliegen ist, in Übereinstimmung mit Gott zu leben, dass Gott Ausgangspunkt und Ziel allen Handelns ist. Das wirkt sich auf dein ganzes Leben aus und muss immer wieder neu an jedem Tag gelebt werden.

Hunger ist ein Bild für ein tiefe Sehnsucht. Glück hat etwas mit Sehnsucht zu tun. Entdecke deine Sehnsüchte, denn dein Leben wird davon getragen. Wenn du das Leben mit seinen täglichen Aufgaben im Bewusstsein erfüllst, dass du von einer tief liegenden Sehnsucht geleitet wirst, dann wirst du ganz anders leben und die Dinge tun, als wenn du nur aus Pflicht, Anordnung oder Regeln heraus lebst. In dem, was du tust, verwirklichst du Sehnsüchte, die tief in dir angelegt sind und die dich zutiefst befriedigen können. Satt werden wir, weil wir unser ganzes Leben in einem größeren Kontext zu sehen beginnen. Das lässt uns unser Tun und Handeln als sinnerfüllt erleben. Das gibt uns eine ungeahnte innere Kraft.

Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren. Mt 5:7

Wer versucht, nach den Seligpreisungen zu leben (Arm sein vor Gott, Trauern, Sanftmut, Dürsten nach Gerechtigkeit), verändert sich und wird mit anderen Menschen anders umgehen und Gutes tun. Die Seligpreisungen verändern uns. Die Barmherzigkeit Gottes verändert uns. Wir erfahren sie und werden dadurch fähig, selbst Barmherzigkeit zu üben. Doch: Unsere Barmherzigkeit versagt immer wieder, aber Gottes Barmherzigkeit nicht. Gottes Barmherzigkeit ist ganz anders. Sie beruht auf nichts anderem als auf Gott selbst. Manchmal stelle ich fest, dass ich eine Person zwar nicht aus eigener Kraft heraus barmherzig begegnen kann, aber mit Gottes Liebe sehr wohl.

Ein Weg zum Glück besteht darin, dass wir raus kommen aus unserer Selbstumkreisung. Wer immer nur an seine eigenen Probleme und Sorgen denkt, der wird nie glücklich werden und der wird nur selten dazu kommen, Barmherzigkeit üben zu können. Barmherzigkeit ist auf den anderen bezogen. Er sieht ihn in seiner Not und lässt sich davon berühren. Er fühlt sich in dessen momentane Situation ein. Es geht darum, zu fühlen, als wäre ich der andere. Es geht darum, die Bedürfnisse und Wünsche des anderen zu erahnen. Fast automatisch erwächst daraus dann das Tun.

Barmherzig heißt einer, der ein betrübtes Herz hat, weil er die Betrübnis eines anderen Menschen wie seine eigene betrachtet und über das Leid des anderen trauert wie über sein eigenes Unglück. Remigius

Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. Mt 5:8

Das Herz ist dein Innerstes, das Zentrum deiner Gefühle, Gedanken und Absichten. Rein meint sauber, klar. Du musst lernen zu unterscheiden, was dein Herz verunreinigen kann (Neid, Hochmut, böse Gedanken, Anhänglichkeit an materielle Dinge etc.) und was dein Herz reinigt (Gebet, Beichte, Werke der Nächstenliebe, Stille etc.). Dein Herz kann sich an wahre und falsche Schätze hängen. Das kostbarste Gut, das du in deinem Leben haben kannst, ist deine Beziehung zu Gott. Achtest du auf die Reinheit deines Herzens, so wirst du Gott sehen.

Reinheit bedeutet Einheit mit mir selbst, wodurch ich mich auf einen einzigen Lebenswert ausrichte. In diese Ausrichtung mischt sich immer wieder verunreinigend etwas anderes hinein. Auf dein Herz bezogen kommt es dann zu diesen Verunreinigungen, wenn du eigentlich etwas ganz bestimmtes willst, aber sich daneben auch noch andere Wünsche oder Gedanken einschleichen. Dann fühlst du dich zerrissen, hast nicht mehr die volle Konzentration nur für das eine übrig und verlierst dich in tausend Dingen. Du kannst dich dann nicht auf das Gegebene einlassen, weil du innerlich schon ganz woanders bist.

Die Ausrichtung auf einen einzigen Lebenswert ist für uns die Person Jesus Christus. Lasst uns in allem im reinen Herzen an ihm ausrichten.

Glückselig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Mt 5,9

Frieden bedeutet, mit allem und jedem in einem guten Kontakt zu stehen. Frieden ist die Vollkommenheit zwischenmenschlicher Beziehungen. Frieden ist der gute und lebendige Kontakt zum anderen Menschen, zum Mitgeschöpf neben mir. Wer nicht im Frieden mit sich selbst lebt, wird unzufrieden sein und meist auch nicht gerade zum Friedensstifter anderen gegenüber werden können.

Die Friedfertigen aber werden selig genannt, also die, die zuerst in ihrem Herzen und dann unter den streitenden Brüdern Frieden stiften. Hieronymus

Die Seligpreisung des Friedfertigen steht an siebter Stelle, die Zahl für die Vollkommenheit. Gewissermaßen ist sie der Höhepunkt, weil jener der Frieden stiften will all das anwenden muss, was in den ersten sechs Seligpreisungen gesagt wurde:

(1) Arm sein im Geist – Akzeptanz deiner Schwächen: aus dieser Akzeptanz heraus wirst du ganz anders mit den Schwächen deiner Mitmenschen umgehen können. Du wirst ja sagen können zum ganzen Menschen. Nur so wird Frieden stiften möglich.

(2) Leid tragen: wer Frieden stiften will, muss Leid tragen können. Zu Beziehungen gehören immer auch Verletzungen, Enttäuschungen und schmerzliche Erfahrungen.

(3) Sanftmut: Frieden stiften lebt von der Sanftmut fremder, aber auch den eigener Ansprüchen gegenüber.

(4) Hungern nach Gerechtigkeit: Frieden stiften lebt von der tiefen Sehnsucht im Einklang mit dem anderen zu sein in einer gerechten Weise

(5) Barmherzig sein – Mitgefühl: Frieden stiften lebt davon, sich voll und ganz in einen anderen Menschen einzufühlen, immer wieder die Welt aus den Augen des anderen zu betrachten.

(6) Einfalt des Herzens – Klarheit des eigenen Standpunkts: Niemand kann besser Frieden stiften als ein Mensch, der weiß was er will und zugleich zum Gespräch und zu Kompromissen bereit ist, der sich nicht von 1000 Ansprüchen und Gefühlen zerreissen lässt.

Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben; denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. Glücklich könnt ihr euch schätzen, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt. Mt 5:10-11

Der Weg zum Glück ist nicht reibungslos. Glück ist nicht gleich zu setzen mit Erfolg, sondern kann auch Verfolgung beinhalten. Wichtig ist allerdings der Vorsatz „um der Gerechtigkeit willen“, d.h. Glück stellt sich nur dort ein, wo ich im Einsatz für mehr Gerechtigkeit Anfeindung erfahre und im tiefsten Sinne für Jesus selbst, der ja eben diese Gerechtigkeit ist.

Selig, deren Herz bereit ist, alles für Christus zu erdulden, der die Gerechtigkeit ist. Hilarius

Wer Jesus nachfolgt, wird Widerstand erleben. Es hat noch nie eine Zeit gegeben, wo Christsein, weltweit gesehen, so gefährlich war – rund 100 Millionen Christen werden verfolgt. Schon die frühen Christen haben für andere bedrängte Gemeinden gebetet, in denen sie keinen oder nur wenige kannten. Das zeigen v.a. die Paulusbriefe. Dieser Impuls soll nicht tiefgründige Gedanken enthalten, sondern einfach ein Aufruf sein, es den frühen Christen gleich zu tun und in unserem Gebet diese verfolgten Christen immer wieder mit ein zu schließen oder Organisationen wie „Opendoors“ zu unterstützen, die hier konkret tätig sind und helfen.

Mt 5,13-16: Über Salz und Licht

Ihr seid das Salz der Erde. Mt 5:13

Ihr seid das Licht der Welt. Mt 5:14

Die Seele der Bergpredigt lässt sich nicht ohne diese zwei Sätze erschließen. Das ist keine Forderung, sondern eine Seinszusage. Jesus sagt nicht, dass wir Salz und Licht werden sollen oder es haben, sondern wir sind Salz und Licht in der Kraft seines Rufes und der Nachfolge. Wir sind es nicht, weil wir bessere Menschen sind, sondern weil wir in Verbindung mit Jesus stehen durch den Glauben. Durch diese Seinszusage zieht uns Christus in seine Wirksamkeit auf der Erde hinein, ja, so wie Salz und Licht unersetzlich für das Leben sind, so sind wir für sein Leib unersetzlich.

Begreife, welche Würde dir Christus in diesen Worten zuspricht und lass dieses Begreifen dieser Würde fruchtbar werden in deinem Leben. Wir sind Salzmenschen und Lichtmenschen durch ihn!

Mt 5,17-20: Über das Gesetz

Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen! Mt 5:20

Du und ich, wir tun bestimmt täglich das ein oder andere gute kleine oder große Werk, die sog. gute Tat bei der Arbeit, in der Familie oder sonstwo. Unser Salz- und Lichtsein durch ihn rückt aber diese Werke ins rechte Licht: er wirkt durch uns in dieser Welt, wir vollbringen gute Werke, die er für uns vorbereitet hat. Keines unserer Werke macht uns vor Gott gerecht. Wir sind vor Gott gerecht durch Jesus Christus! In ihm übertreffen wir weit jegliche menschliche Gerechtigkeit. Das besondere an dieser Gerechtigkeit ist, dass zwischen uns und den Forderungen des Gesetzes die Person Jesu steht. Er selbst als der Gekreuzigte ist die vollkommene Erfüllung des Gesetzes. Hüte wir uns davor, uns auf unsere guten Taten etwas einzubilden. Lob und Ehre allein für Christus!

Mt 5,21-26: Über den Zorn

Wer aber einen Mord begeht, muss vor ein Gericht gestellt werden. Doch ich sage euch: Schon wer auf seinen Mitmenschen zornig ist, gehört vor Gericht. Mt 5:21‭-‬22

Aufgrund der Menschwerdung Christ ist der Dienst an Gott nicht mehr vom Dienst an Nächsten zu lösen. Denn in der Menschwerdung wird Christus Bruder aller. Er identifiziert sich so sehr mit uns, dass alles, was wir dem Nächsten tun, sei es nun gut oder böse, ihm tun. Dem Nachfolger Jesu ist das Leben des Nächsten zur Grenze gesetzt. Zorn oder böse Worte verletzen diese Grenze, sie sind ein Stoß nach seinem Herzen. Einfache Worte, die oft schwer umzusetzen sind. Es ist ein schwerer Weg, den Jesus seinem Nachfolger zumutet. Er ist mit viel Demut verbunden. Aber es ist ja der Weg zu ihm, dem gekreuzigten Bruder, und darum ein gnadenvoller Weg. Was für eine Bedeutung hat das für unseren Alltag?!

Wenn du also deine Opfergabe zum Altar bringst und dir fällt dort ein, dass jemand dir etwas vorzuwerfen hat, dann lass dein Opfer am Altar zurück, geh zu deinem Mitmenschen und versöhne dich mit ihm. Erst danach bring Gott dein Opfer dar. Mt 5:23‭-‬24

Dein Opfer, dein Gottesdienst, dein Gebet wird Gott nicht gefällig sein können, wenn du im Streit bist. Der korrekteste Gottesdienst, das frömmste Gebet, das tapferste Bekenntnis kann nicht helfen, wenn dieser Weg der Versöhnung fehlt. Gott will sich von unseren Geschwistern nicht trennen lassen. Der Vater lässt sich nicht von seinem Sohn trennen, nun will er sich auch von denen nicht trennen lassen, denen sein Sohn gleich wurde, um derentwillen sein Sohn Schmach trug. Er will nicht geehrt sein, wenn ein anderer entehrt wird.

Wenn dich jemand beschuldigt, frage dich als Erstes: Hat er Recht? Wenn er Recht hat, geh und entschuldige dich bei ihm. Wenn er nicht Recht hat, dann nimm die erfahrene Verletzung in beide Hände, lass sie nicht los, sondern ergreife die Gelegenheit und gib sie als Opfer Jesus. Freue dich, dass du Ihm etwas Wertvolles zu geben hast! Mutter Teresa

Mt 5,27-32: Über die Begierde

Ihr wisst, dass es heißt: Du sollst nicht die Ehe brechen! Doch ich sage euch: Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen. Mt 5:27‭-‬28

Christus ist der Herr der Ehe. Darin liegt ihre Heiligung. Sie ist von Gott gestiftet und dient zur gegenseitigen Beglückung. Der eigene, lustbeherrschte Wille hat hier keinen Platz. Und dennoch wissen wir leider nur zu gut, ob es nun der Zorn ist oder begierliche Blicke, dass dies schlichtweg unmöglich ist, immer und überall zu erfüllen. Auch wenn uns diese Verse aufrufen, unseren Begierden nicht freien Lauf zu lassen und uns in der Tugend der Selbstbeherrschung zu üben, geht es hier im Kern um etwas viel Tieferes: die Erkenntnis mit Herz und Verstand, dass wir voll und ganz auf die erlösende Gerechtigkeit durch Christus angewiesen sind – das ist die Seele der Bergpredigt, ohne die kein Vers für sich erfasst werden kann.

Mt 5,33-37: Über das Schwören

Sag einfach Ja oder Nein. Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, dass du dich vom Bösen bestimmen lässt. Mt 5:37

Jesus wendet sich hier gegen ein damalige Sitte: Man war bei bestimmten Formulierungen nicht an die Wahrheit gebunden. Damit ging die Verharmlosung der Lüge einher. Auch heute geht mit kleinen Notlügen oder ein bissel Flunkern diese Verharmlosung weiter. Es gibt aber keine Wahrheit Jesus gegenüber ohne Wahrheit den Menschen gegenüber. Die Lüge zerstört die Gemeinschaft. Es gibt keine Nachfolge Jesu ohne das Leben in der aufgedeckten Wahrheit vor Gott und den Menschen. Weil es überhaupt kein Wort gibt, das nicht vor Gott gesprochen wäre, darum soll der Jünger Jesu nicht schwören. Jedes seiner Worte soll nichts als Wahrheit sein.

Mt 5,38-42: Über die Rache

Doch ich sage euch: Leistet keine Gegenwehr, wenn man euch Böses antut! Mt 5:39

Es wäre Schwärmerei und unverantwortliches Fantasieren, wenn wir den Satz, dass das Böse allein durch das Gute überwunden wird, als ethisches Programm verstehen. Wehrlosigkeit als Prinzip des weltlichen Lebens ist Zerstörung von Gottes Welt. Hier aber redet Jesus, der selbst von dem Bösen am Kreuz überwunden wurde und der aus dieser Niederlage als der Sieger hervorging. Es kann daher keine andere Rechtfertigung dieses Gebotes Jesu geben als sein eigenes Kreuz. Allein wer in diesem Kreuz Jesu den Glauben an den Sieg über das Böse findet, kann diesem anspruchsvollen Gebot gehorchen keine Rache zu üben. Wenn ich in meinem Herzen Groll spüre über etwas, das mir jemand angetan hat, und ich mich rächen will, dann entfernt mich das vom Weg zur Heiligkeit

Im Kreuz allein ist es wahr und wirklich, dass die Vergeltung und Überwindung des Bösen die leidende Liebe ist. Bonhoeffer

Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin! Mt 5,39

Schlimmste Beleidigung früher war die Ohrfeige, da diese die Ehre angegriff. Unsere Ehre aber kommt allein von Gott, so dass wir getrost auch die andere Wange hinhalten können.

Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so lass ihm auch noch den Mantel! Mt 5:40

Wer damals bei einem Gerichtsverfahren nicht bezahlen konnte, musste per Gericht auch sein Hemd geben, niemals aber den Mantel, da dieser bei den armen Leuten als Bettdecke diente.

Wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei Meilen mit ihm! Mt 5:41

Jeder Römer konnte Zivilisten auffordern eine Meile sein Gepäck zu tragen.

Das Verbindende: Das Übel geht vorüber, indem es getragen wird. Das Übel findet sein Ende, indem wir es wehrlos über uns ergehen lassen.

Ihr wisst, dass den Vorfahren auch gesagt wurde: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Mt 5:38

Dieses Prinzip gilt nicht mehr in der Nachfolge Jesus. Das Böse wird darin ohnmächtig, dass es keinen Gegenstand, keinen Widerstand findet, sondern willig getragen und erlitten wird. Die Überwindung des Anderen erfolgt dadurch, dass sein Böses sich totlaufen muss, dass es nicht findet, was es sucht, nämlich Widerstand und damit neues Böses, an dem es sich umso mehr entzünden könnte. Hier stößt das Böse auf einen Gegner, dem es nicht mehr gewachsen ist. Das Böse kann hier sein Ziel nicht erreichen, Böses zu schaffen, es bleibt allein. Das willige Leiden ist stärker als das Böse, es ist der Tod des Bösen.

Mt 5,43-48: Über die Feindesliebe

Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen. Mt 5:44

Wer ist dein Feind? Feind kommt vom althochdeutschen fiant, was Hass bedeutet. Viele von uns haben Gott sei Dank keinen, den sie hassen. Aber du hast sicher Menschen, die du nicht unbedingt magst, die dich nerven. Liebe bedeutet für mich hier, immer wieder in der Kraft Gottes ein Gegengewicht zur Abneigung auf zu bauen. Es ist schwer, aber es geht: den anderen segnen, ihm Gutes wünschen, nicht über ihn mit Dritten lästern u.v.m. Gleiches mit Gleichem vergelten – das ist nicht der Wille Gottes. Dem Haß mit Liebe begegnen – das ist der Wille Gottes, so beschreiten wir den Weg der Heiligkeit, den Gott für jeden für uns vorgesehen hat.

Vom Feind ist die Rede, der Feind bleibt, ungerührt von meiner Liebe, der mir nichts vergibt, wenn ich ihm alles vergebe, der mich hasst, wenn ich ihn liebe, der mich umso mehr schmäht, je ernster ich ihm diene. Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der selbst ohne alle Liebe im Hass lebt? Wer ist also auch der Liebe würdiger als mein Feind? Wo wird die Liebe herrlicher gepriesen als mitten unter ihren Feinden? Diese Liebe macht den Jünger sehend, dass er im Feind den Bruder erkennt, dass er an ihm handelt wie an seinem Bruder. Bonhoeffer

Der Herr weiß sehr wohl, dass die Feindesliebe unsere Möglichkeiten überschreitet, doch dafür ist er Mensch geworden: nicht um uns so zu lassen, wie wir sind, sondern um uns in Männer und Frauen zu verwandeln, die zu einer größeren Liebe fähig sind, der Liebe seines und unseres Vaters. Das ist die Liebe, die Jesus denen schenkt, die ihm zuhören. Und dann wird es möglich! Dank seiner Liebe, dank seines Geistes können wir auch die lieben, die uns nicht lieben, selbst diejenigen, die uns Böses antun. Franziskus

Betet für die, die euch verfolgen! Mt 5:44

Das ist das Äußerste. Im Gebet treten wir zum Feind, ja zu jedem Menschen in unserem Umfeld, mit dem wir Probleme haben. Wir treten an seine Seite, wir sind mit ihm, bei ihm, für ihn vor Gott im fürbittendem Gebet. Nun nehmen wir seine Not und Armut, seine Schuld und Verlorenheit mit auf uns, treten vor Gott für ihn ein. Wir tun stellvertretend für ihn, was er nicht tun kann. Jeder seiner Beleidigung oder Verletzungen wird uns nur näher mit Gott und mit diesem Menschen verbinden. Jede Verfolgung kann nur dazu dienen, dass dieser Mensch der Versöhnung mit Gott näher gebracht wird, dass die Liebe unüberwindlicher wird. Die Liebe, ja die Liebe!

Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Mt 5:46

Du reibst dich am Charakter dieses und jenes Mitmenschen. Das lässt sich nicht vermeiden; schließlich bist du kein goldener Taler, der allen gefällt. Außerdem, wie könntest du ohne diese Reibung beim Umgang mit dem Nächsten all die Ecken, Kanten und Unebenheiten – deine Unvollkommenheiten und Fehler – abschleifen und so jene klare, milde, feste und ausgereifte Form der Liebe und Vollkommenheit gewinnen? Wäre dein und deiner Mitmenschen Charakter so luftig und verzuckert wie Schaumgebäck, so könntest du dich nie heiligen. Josemaría Escriva

Im Leiden geduldig und ruhig bleiben, in der Gewissheit, dass mit der Zeit alles vergeht. Faustina

Wenn ihr nur euren Freunden liebevoll begegnet, ist das etwas Besonderes? Das tun auch die, die von Gott nichts wissen.Mt 5:47

Was ist der Sieg der Liebe? Dass sie niemals danach fragt, was ihr jemand antut, sondern allein danach fragt, was Jesus getan hat, der die Liebe selbst ist. Die Liebe zu allen Menschen führt uns in der Nachfolge Jesu immer zu ihm, den Gekreuzigten. Je näher wir an und in ihm leben, immer wieder und immer öfter am Tag mit ihm uns verbinden durch Stoßgebete u.ä., desto gewisser überwindet unsere Liebe den Hass, denn es ist ja nicht unsere eigene Liebe, die hier wirkt. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für alle Menschen ans Kreuz ging. Darin macht uns die Liebe Jesus sehend, dass sie auch den Feind eingeschlossen sieht in die Liebe Gottes, dass sie den Feind unter dem Kreuz Jesu Christi sieht.

Ihr aber sollt in eurer Liebe vollkommen sein, wie es euer Vater im Himmel ist. Mt 5:48

Was ist vollkommene Liebe? Liebe, die sich nicht parteiisch denen zuwendet, die uns ihre Gegenliebe schenken. Das Ausserordentliche Christliche ist der Weg der Selbstverleugnung, der Weg völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit, die Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt. Das Ausserordentliche Christliche ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht. Das Ausserordentliche Christliche ist das Kreuz, das den Christen über-die-Welt-hinaussein lässt und ihm darin den Sieg über die Welt gibt.

Das Leiden in der Liebe des Gekreuzigten, das ist das Außerordentliche an der christlichen Existenz.

Die Erlangung der Heiligkeit Gottes ist deine ständige Lebensaufgabe. Darauf müssen alle deine Gedanken, Worte und Werke, deine Leiden und alle Bestrebungen deines Lebens gerichtet sein; sonst widerstehst du Gott, indem du nicht den Zweck erfüllst, zu dem er dich erschaffen und bis auf diesen Augenblick erhalten hat. Welch erhabene Aufgabe! Der Staub soll verwandelt werden in Licht, der Schmutz in Reinheit, die Sünde in Heiligkeit, das Geschöpf in seinen Schöpfer und der Mensch in Gott! Welch wunderbares Werk! Aber ein Werk, schwierig in sich selbst und unmöglich für unsere rein natürlichen Kräfte. Gott allein kann dich durch seine Gnade und zwar nur durch eine überfließende außerordentliche Gnade zu diesem Ziele führen. Die Schöpfung der ganzen Welt ist ein Meisterwerk, aber nicht so groß, wie dieses Werk der Gnade. […] O Seele, was wirst du tun, welches Mittel wirst du wählen, um die Höhe zu erreichen, auf die dich Gott beruft? Die Mittel des Heils und der Heiligung sind jedermann bekannt; im heiligen Evangelium sind sie verkündet, erklärt von den Lehrern des geistlichen Lebens, geübt von den Heiligen und notwendig für alle, welche ihre Seele retten und zur Vollkommenheit gelangen wollen. Es sind die Demut des Herzens, das beständige Gebet, die allseitige Abtötung, die Hingabe an die göttliche Vorsehung und die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes. Ludwig-Maria Gringnion de Montfort