Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Mt 7,2: Auslegung

Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Mt 7:2

Wenn Jesus sagt, dass wir mit dem Maß gemessen werden, mit dem wir messen, dann ist das keine Drohung, sondern er unterstreicht damit die Aufforderung, großzügig zu geben. Indem er uns daran erinnert, dass wir alles, was wir haben, von Gott erhalten haben, auch die Liebe und die Vergebung. Er führt uns vor Augen, wie sehr wir geliebt sind und wie wir alles von ihm in Fülle erhalten haben. Genauso sollen wir es unseren Brüdern und Schwestern weitergeben. Unser Leben und unsere Werke müssen in irgendeiner Weise die Liebe, die Gott Vater zu unseren Nächsten hat, widerspiegeln.

Gott wird uns nach dem gleichen Maß messen, das wir für andere verwenden. Dies ist eine starke Motivation für uns, mit Liebe, Vergebung und Güte anderen gegenüber großzügig zu sein. Wenn wir mehr von diesen Dingen von Gott wollen, sollten wir anderen mehr davon geben.

Richten ist die lieblose Reflexion auf den Anderen. Die Liebe verbietet mir zwar nicht meine Gedanken über den Anderen und die Wahrnehmung seiner Sünde, aber im gleichen Zuge wird mir diese Liebe zum Anlass zur Vergebung. Vorsichtig müssen wir hierbei sein: eine missverstandene Liebe zum Sünder ist der Liebe zur Sünde unheimlich nahe. Den Sünder lieben, die Sünde hassen. Denn die Liebe Christi zum Sünder ist ja selbst die Verurteilung der Sünde, sie ist der schärfste Ausdruck des Hasses gegen die Sünde. Achte darauf, wo du dazu neigst, über andere innerlich oder auch ausgesprochen zu richten.

Ein Altvater wurde einmal von einem Bruder gefragt: Warum urteile ich eigentlich so häufig über meine Brüder? Und er antwortete ihm: Weil du dich noch nicht selbst kennst. Denn wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht. Apophthegmata

Ob wir wollen oder nicht: Sobald wir einem Menschen begegnen, bewerten wir ihn und häufig genug folgt daraus ein Urteil. Der Grund liegt darin, dass wir uns selbst nicht kennen. Wir projizieren unsere eigenen Schattenseiten auf den andern. Wer sich selbst erkennt, der urteilt nicht mehr über andere. Wer seine eigenen Schattenseiten sieht, der muss sie nicht mehr auf andere projizieren. Sobald wir also merken, dass wir über jemanden urteilen, sollen wir das als Einladung nehmen, uns selbst genauer anzuschauen und besser kennen zu lernen. Wenn wir uns mit den eigenen Schattenseiten beschäftigen, sehen wir die Fehler der anderen gar nicht mehr. Wenn ich meine Sünden betrachte, dann höre ich auf, nach den negativen Seiten des anderen zu forschen. Ich werde ihn achten und ehren und offen sein für das, was er mir sagen möchte. So wird die Begegnung für beide Seiten gut verlaufen. Anselm Grün

Lege deine Sünden auf dein Haupt und betrachte sie! Apophthegmata

Wenn Abbas Agathon etwas sah und sein Herz über die Sache urteilen wollte, sprach er zu sich: Agathon, tu das nicht! Und so kanm sein Denken zur Ruhe. Apophthegmata

Mir hat dieses Wort des Abbas Agathon schon oft geholfen. Ich kenne diesen Drang, mir sofort ein Urteil zu bilden, sobald ich etwas höre oder sehe. Und meistens ist es ein hartes Urteil. Oder wenn ich einem Mitbruder begegne, kommen spontan Gedanken hoch: Der lebt nicht authentisch. Der ist kein guter Mönch. Der macht es sich bequem. Der arbeitet nicht viel. Doch sobald solche Gedanken in mir aufsteigen, sage ich mir: Tu das nicht. Es steht dir nicht zu zu urteilen. Du kennst diesen Bruder nicht wirklich. Vielleicht leidet er an sich selbst. Dann werde ich wieder ruhig. Wenn ich weiterhin über die Sache oder den Mitbruder nachdenken würde, würde ich mich immer weiter von mir entfernen und ich käme nie zur Ruhe. Anselm Grün

Ebenso wie ein Leichnam nicht isst, so kann der Demütige einen Menschen nicht richten, selbst wenn er ihn Götzen anbeten sieht. Apophthegmata

Geringschätzige Gedanken kommen in uns hoch, ob wir wollen oder nicht. Wir werden sie wohl nie ganz loswerden. Aber es ist dann unsere Aufgabe, diese Gedanken zum Anlass zu nehmen, den Fehler des anderen als Spiegel für uns selbst zu nehmen. Ich habe nicht die Garantie, dass ich nicht denselben Fehler begehe. Wer wirklich demütig ist, der muss sich gar nicht verbieten, über den anderen zu richten. Er vermag es gar nicht. Er ist gleichsam tot für das Richten. Denn in allem, was er bei anderen sieht, erkennt er immer auch sich selbst. Selbst im Schlimmsten, was der andere tut, etwa, wenn er einen Götzen anbetet, sieht er einen Spiegel für sich selbst. So leidet er mit dem anderen, statt ihn zu verurteilen. Die Demut führt uns nicht nur zu einem angemessenen Umgang mit uns selbst, sondern zu einem barmherzigen Umgang mit den Menschen. Anselm Grün

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Tägliche Andacht

Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste