Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Franz v. S. – Andachten

Abneigung gegenüber einem Nächsten

Empfinden wir gegen jemand eine Abneigung, so müssen wir vor allem darauf sehen, dieser Person gegenüber nicht weniger, sondern mehr Akte der Nächstenliebe zu setzen, ihr Gefälligkeiten zu erweisen, sie ins Gespräch zu ziehen, mit ihr freundlich zu sein, also nicht nur keine Abneigung fühlen lassen, sondern ihr noch mehr entgegenkommen als sonst. So erweisen wir uns treu und gehorsam gegen Gott und seinen ausgesprochenen Willen.

Franz von Sales

Göttliche Vorsehung

Jetzt möchtet ihr noch gerne wissen, womit sich die ganz in Gottes Hand hingegebene Seele innerlich beschäftigen soll? Sie tut nur das eine: sie weilt bei ihrem Herrn, sie kümmert sich um nichts mehr, weder um Leib noch Seele. Ihre Barke segelt unter dem Schutz der göttlichen Vorsehung; warum dann sich sorgen, was aus ihr wird? Der Herr, dem sie sich ganz anheimgegeben, sorgt ja hinlänglich für sie. Damit will ich jedoch nicht sagen, daß wir uns nicht um die Dinge kümmern sollen, die uns obliegen. Ihr habt mir soeben gesagt, es gehöre großes Vertrauen dazu, sich so ganz restlos der göttlichen Vorsehung zu überlassen. Das ist wohl wahr.Wenn wir aber auf alles verzichten, dann sorgt der Herr für alles und lenkt alles. Wenn wir uns hingegen etwas vorbehalten, weil wir es ihm nicht trauen wollen, so läßt er es uns, wie wenn er sagen wollte: Wenn du dich für so klug hältst, dies ohne mich tun zu können, dann mach es nur allein, du siehst dann schon, wie weit du damit kommst.

Franz von Sales

Kind bei seiner Mutter

So hat auch die ganz Gott hingegebene Seele nichts anderes zu tun, als in Gottes Umarmung zu ruhen, wie ein Kind im Schoß der Mutter. Stellt sie es auf den Boden, damit es laufe, so läuft es, bis die Mutter es wieder auf den Arm nimmt. Und will die Mutter das Kind tragen, so läßt es auch dies geschehen. Es weiß nicht, wohin es geht, und denkt auch nicht daran, es läßt sich einfach tragen, wohin die Mutter will. Die Seele, die in allem Gottes Wohlgefallen liebt, macht es auch so, sie läßt sich tragen, schreitet aber zugleich auch voran, da sie mit großer Sorgfalt das ausführt, was Gottes ausgesprochener Wille von ihr verlangt.

Franz von Sales

Heute hier Morgen dort !

Jetzt bin ich heiter gestimmt, weil mir alles nach Wunsch geht, gleich darauf bin ich traurig, weil mir wider Erwarten etwas Unangenehmes widerfahren ist. Nun, es kann dir doch nichts Neues sein, daß es hier auf Erden keine reine Freuden gibt und immer ein Tropfen Bitterkeit dabei ist und daß dieses Leben reich an derlei Zwischenfällen ist. Heute freut dich das Beten, du fühlst dich wie neu belebt und willst ganz entschieden und ganz eifrig Gott dienen. Morgen ist es dir schwer und schon ist der ganze Schwung dahin und du seufzest: Ach, ich bin so müde, so mutlos! Sag mir: Du willst doch der Vernunft folgen? Nun, wie urteilt sie? Gestern war es schön, Gott zu dienen, also ist es heute auch recht schön. Es ist ja immer derselbe Gott, gleich wert des Dienstes, ob es uns schwer fällt oder ob es uns freut.

Franz von Sales

Sich dem Herrn überlassen

Viele sagen zum Herrn: Ich überlasse mich Dir und behalte mir nichts vor; wenige aber tun das auch wirklich. Eine solche Hingabe wird nämlich nur dann wahrhaft durchgeführt, wenn wir ganz gleichmütig ohne Unterschied alles hinnehmen, was immer uns auch die göttliche Vorsehung schicken mag: Glück oder Leid, Gesundheit oder Krankheit, Reichtum oder Armut, Achtung oder Verachtung, Ehre oder Schmach. Das ist aber nur vom höheren Teil der Seele zu verstehen; denn der niedere Teil der Seele und die natürliche Neigung werden sich zweifellos stets mehr von der Ehre als von der Verachtung, mehr vom Reichtum als von der Armut angezogen fühlen, obwohl jedermann weiß, daß Verachtung, Niedrigkeit und Armut Gott wohlgefälliger sind als Hochschätzung und Überfluß. Dem ersten unterwerfen wir uns, dem zweiten gegenüber sei unsere Haltung gleichmütige Gelassenheit.

Franz von Sales

Windstille Seele

Ihr wißt ja, wenn es auf einem See ganz windstill geworden ist und kein Lüftchen die Wellen kräuselt, dann spiegelt sich in einer wolkenlosen Nacht der ganze Sternenhimmel so schön klar darin ab, daß es scheint, als sähet ihr die Pracht über euch nun zu euren Füßen: so vermag auch die Seele das Bild Unseres Herrn in sich aufzunehmen, wenn es in ihr windstill geworden, d. h. wenn keine unnütze Sorge, keine Laune, keine Verstimmung sie stört und beunruhigt. Doch wenn die Stürme der Leidenschaft sie verwirren, trüben und aufwühlen, wenn sich die Seele von ihnen beherrschen und nicht die Vernunft Herr sein läßt, dann wird die Seele niemals der glatte Spiegel sein können, auf dem das so schöne und so liebenswürdige Antlitz unseres gekreuzigten Herrn und all seine herrlichen Tugenden erscheinen, und niemals wird sie sein Brautgemach werden.

Franz von Sales

Über die Liebe

Setze der Liebe keine Schranken, lasse sie ihre Äste breiten, so weit sie nur kann. Was für die Gottesliebe gilt, das gilt auch für die Nächstenliebe; doch muß die Liebe zu Gott den Ton angeben, muß den höchsten Rang einnehmen. Tut sie das, dann dürfen wir unseren Mitmenschen so viel Liebe schenken, als wir nur immer haben. Es darf uns nicht genug sein, sie nach göttlichem Gebot nur zu lieben wie uns selbst; wir müssen sie mehr lieben als uns selbst; das ist das Gebot der Vollkommenheit, so lehrt es uns das Evangelium: „So, wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben.

Franz von Sales

Die Richtung muss stimmen

Es ist sehr schwer, ins Schwarze zu treffen, auch wenn man gut zielt und gut schießt. Aber das ist sicher, hinzielen müssen wir aufs Schwarze, auf den Kern der Tugend, die wir über alles lieben sollen, ob es sich um Demut, Herzlichkeit oder eine andere Tugend handelt. Treffen wir aber nicht gleich ins Schwarze, so sollen wir uns darüber nicht wundern und dürfen die Flinte nicht ins Korn werfen; wenn wir nur wenigstens die Scheibe treffen und der Schuß möglichst nahe beim Schwarzen sitzt.

Franz von Sales

Höherer Seeleteil

Richten wir uns auf dem Weg zur Vollkommenheit ganz nach dem höheren Seelenteil und kümmern wir uns nicht um die Erregung im niederen Seelenteil, sonst kommen wir aus den Sorgen und Aufregungen niemals heraus und bleiben immer auf derselben Stelle kleben. Lassen wir die niedere Seele brummen, überhören wir ihre Wünsche, hören wir nur auf die Vernunft, die uns zuredet, uns in allem und bei allem zu überwinden, damit wir Gott wohlgefallen

Franz von Sales

Unbedingte Nächstenliebe

Nicht die Menschen, die uns mehr Freude als Mühe machen, müssen wir herzlich lieben, sondern gerade jenen, die uns besonders brauchen, müssen wir nicht nur helfen, wir sollen ihnen auch besondere Liebe erweisen; zeigen wir doch damit, daß wir die wahre Nächstenliebe üben. Wir müssen uns den Bedürfnissen des Nächsten anpassen. Im übrigen aber müssen wir gegen alle gleich liebevoll sein, denn der Herr hat nicht gesagt: Liebt die Tugendhafteren, sondern liebt einander so, wie ich euch geliebt habe, macht keinen Unterschied, schließt keinen aus und wäre er noch so unvollkommen.

Franz von Sales

Anderen Menschen Gutes tun

Tun wir für unsere Mitmenschen in leiblicher wie in seelischer Hinsicht, was wir nur können; beten wir für sie und seien wir stets von Herzen hilfsbereit, dann beweisen wir am besten, daß wir sie wirklich von Herzen lieb haben. Eine Freundschaft, die sich in schönen Worten erschöpft, hat wenig Wert; das ist nicht Liebe, wie sie der Herr uns erwiesen. Ihm war es nicht genug, uns nur in Worten seiner Liebe zu versichern, er ging weit darüber hinaus; er erbrachte den Beweis seiner Liebe durch all das, was er für uns getan hat. Im übrigen aber müssen wir gegen alle gleich liebevoll sein, denn der Herr hat nicht gesagt: Liebt die Tugendhafteren, sondern liebt einander so, wie ich euch geliebt habe, macht keinen Unterschied, schließt keinen aus und wäre er noch so unvollkommen.

Franz von Sales

Demut und Hochherzigkeit

Demut traut sich selber nichts zu, sie weiß sich arm und schwach. Hochherzigkeit dagegen sagt mit dem Apostel Paulus: Ich vermag alles in dem, der mich stärkt (Phil 4,13). Demut flößt Mißtrauen zu sich selber ein, Hochherzigkeit Vertrauen auf Gott. Ihr seht, daß die beiden Tugenden Demut und Hochherzigkeit unzertrennlich zusammengehören. Demut ohne Hochherzigkeit ist zweifellos falsche Demut. Wohl soll sie bekennen: Ich bin nichts und kann nichts, aber dann sofort der Hochherzigkeit das Wort lassen, die sagt: Unmögliches gibt es für mich nicht, wird es auch nie geben, denn ich vertraue auf Gott, er vermag alles. Getragen von solchem Vertrauen, macht sie sich mutig an alles, was man sie tun heißt und was man ihr rät, wäre es auch noch so schwer. Demütig sein heißt nicht nur, sich mißtrauen, es heißt auch: auf Gott vertrauen. Aus diesem Mißtrauen gegen uns und die eigene Kraft erblüht das Vertrauen auf Gott, aus diesem Vertrauen wiederum die Hochherzigkeit, von der wir reden.

Franz von Sales

Maßloses Vertrauen

Was für ein Glück wäre es doch für uns, wenn auch wir uns daran gewöhnen könnten, unser Herz, sooft es erregt ist, mit diesem „Gott wird dafür sorgen“ zu beruhigen. Ja, Gott verlangt von uns schon ein ganz großes Vertrauen auf sein väterliches Sorgen, auf seine göttliche Fürsorge. Aber warum sollten wir ihm nicht vertrauen, da er noch keinen getäuscht? Es hat noch keiner sein Vertrauen auf Gott gesetzt, ohne reiche Frucht dieses Gottvertrauens zu empfangen. Bedenken wir, was unser Herr und Meister die Apostel lehrt, um sie zu diesem reinen und liebenden Vertrauen zu erziehen: Als ich euch aussandte ohne Beutel und Tasche, ohne Geld, ohne Mundvorrat und Kleider, hat euch etwas gemangelt? Und sie antworten: Nichts!

Franz von Sales

Seiner Berufung folgen

So geht denn, das auszuführen, wozu euch Gott berufen hat. Geht voll Mut! Geht in aller Einfalt! Überfallen euch Ängste, dann ruft eurer Seele zu: Gott wird dafür sorgen (Gen 22,8). Quält euch der Gedanke an das eigene Unvermögen, so flüchtet zu Gott, vertraut euch ihm an! Die Apostel waren fast alle ungelehrte Fischer. Gott heiligte aber jeden nach der ihm zuerteilten Aufgabe. Vertraut auf ihn, stützt euch auf die göttliche Vorsehung und fürchtet euch vor nichts! Sagt nicht: Mir fehlt die Gabe der geschickten Rede! Es liegt nichts daran. Geht ruhig voran, ohne euch abzusorgen, ohne darüber nachzugrübeln. Gott wird euch zu rechter Zeit sagen, was ihr reden, er wird euch zeigen, was ihr tun sollt.

Franz von Sales

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Tägliche Andacht

Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste