Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Benedikt von Nursia

Lebensschule des Hören

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht! Ps 95,7-8

Am Mittwoch feiern wir das Fest des hl. Benedikt von Nursia. Mit seiner nun 1500 Jahre alten Ordensregel hat er weise und tiefe Worte hinterlassen. Sie beginnt mit dem Wort ausculta – höre…neige das Ohr deines Herzens. Dieser Aufruf zum Hören durchzieht die ganze Regel und soll auch diese Woche durchziehen. Es ist heute so wichtig, das Hören wieder zu lernen in einer Zeit, in der alles so laut ist, in der alle lieber reden als hören. Denn es ist weniger unser Aktivitismus, sondern vielmehr unsere Hörfähigkeit, die uns dahin führt, immer in der Gegenwart Gottes zu leben. Gott spricht zu uns. Wir müssen uns stets darin üben, ihn auch zu hören.  

Höre auf Christus

Der Liebe zu Christus nichts vorziehen. RB 4,21

Indem wir die Liebe zu Christus an Stelle Nr. 1 setzen, verwandelt sich unser Leben und so macht unser Leben Christus für andere sichtbar. „Von der Liebe nicht lassen“ (RB 4,26), denn Ziel des christlichen Leben ist die Liebe. Auf den Willen des Herrn zu hören und diesem gehorsam zu folgen, ist Mittelpunkt unseres Lebens. Dazu mein aktuelles Lieblingsgebet von Pater Rupert Mayer:

Herr, wie Du willst, soll mir gescheh’n, und wie Du willst, so will ich geh’n, hilf Deinen Willen nur versteh’nHerr, wann Du willst, dann ist es Zeit, und wann Du willst, bin ich bereit, heut und in alle EwigkeitHerr, was Du willst, das nehm‘ ich hin, und was Du willst, ist mir Gewinn, genug, dass ich Dein eigen binHerr, weil Du’s willst, drum ist es gut, und weil Du’s willst, drum hab‘ ich Mut, mein Herz in Deinen Händen ruht!

Höre auf die Worte der Schrift

Das Evangelium muss die Führung eines christlichen Lebens übernehmen. BR Prolog 21

 Wir müssen aus jeder Kleinigkeit immer die Botschaft Gottes hören. Das kann sein, was auch immer, stets lautet die Frage: Lieber Gott, was willst du mir damit sagen? Das „Gott hören“ lernen, um seine Stimme immer wieder neu wahrzunehmen: im eigenen Gewissen, in der Liturgie, im Gebet, in den Mitmenschen, mit denen sich Christus identifiziert und vor allem in der Bibel, dem Wort Gottes. Und wenn es nur ein Bibelvers ist, das Evangelium ist unsere tägliche Nahrung. Das Wort der Schrift hat eine heilende und reinigende, Kraft. Jedes Wort der Schrift ist für Benedikt „rectissima norma“ – eine verlässliche Wegweisung für das menschliche Leben (BR 73, 3).  

Höre auf deinen Nächsten

Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. RB 53,1

Den Nächsten hören lernen, um ihm begegnen zu können. An Freud und Leid der Mitmenschen teilnehmen, ist nur durch Hören und Hinhören möglich. Wer den anderen nicht hört, der kann ihn nicht wahrnehmen und keine wirkliche Gemeinschaft mit ihm haben und die Gemeinschaft mit dem anderen ist Gemeinschaft mit Christus. Das „Ich-Sagen“ Jesu inspirierte Benedikt zu einer inneren Haltung, die unseren Umgang mit unseren Mitmenschen bestimmen soll. Der Nächste bringt etwas Kostbares mit: sich selbst und darin die Möglichkeit, Christus zu begegnen. Diesem Nächsten mit Milde zu begegnen, seine „körperliche und charakterlichen Schwächen mit unerschöpflicher Geduld zu ertragen“ (RB 72,5) ist Prüfstein unseres Glaubens.  

Höre auf dich selbst

Stehen wir so beim Psalmensingen, dass Herz und Stimme in in Einklang sind. RB 19,6-7

Sich selbst hören lernen, sich selbst wahrnehmen, um authentisch in dieser Welt zu leben, um Herz und Stimme, Gefühl und Tat, innen und außen in Übereinstimmung zu bringen. Benedikt warnt uns z.B. „Nicht unaufrichtig Frieden zu schließen.“ Das kann nur schief gehen und schadet der eigenen und der fremden Seele. Hören lernen, was der eigenen Seele nicht gut tut, vielfältige Beispiele finden sich dazu in der Regel Benedikts: Man unterlasse das Murren! (RB 40,9) Er halte in allem Maß. (R31,12) Müßiggang ist der Seele Feind“ (RB 48,1) Den Zorn nicht zur Tat werden lassen. (RB 4,22) u.v.m…. meine Lieblingsstelle:

Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach! (Prolog 17)

Höre hin und wieder auch auf deine Mutter

Nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum Frieden zurückkehren. RB 4,73

Wir bleiben die Worte meiner Mutter im Ohr: „Man soll nie im Streit auseinandergehen und das Haus verlassen.“ Ja, es gibt Streit, aber wenn möglich, sollte man so schnell wie möglich, den „Frieden nachjagend“ wieder einen Weg finden, bevor sich alles festfährt und es zum Bruch kommt. Ich habe es selbst erlebt, dass kleine Konflikte übermächtig wachsen, wenn man sie nicht gleich im Kleinen angeht. Konflikte sind wie Dornen und Disteln am Wegrand an denen man sich immer wieder verletzt. Deshalb ist das „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ eine so wichtige Vater-unser-Bitte, täglich unsere Versöhnungsbereitschaft zu erneuern. Manchmal geht das natürlich nicht so schnell. Der Friede ist ein Prozess, der vieler kleiner Schritte bedarf und zu einer Kultur der Liebe führen will.

Ora et labora

Ora et labora. „Ora et labora“ (= bete und arbeite) sind wohl die bekanntesten Worte aus der Regel des heiligen Benedikt. Sind sie nur für Mönche oder Eremiten gedacht? Oder haben sie vielleicht eine Bedeutung für mein Leben, für meinen Alltag? Statt „ora et labora“ können wir auch sagen: mit Jesus verbunden sein in Gebet und bei der Arbeit. Was auch immer wir während des Tages unternehmen, wir können und sollen es in seiner Gegenwart tun. Das bedeutet nicht, jede Sekunde an ihn denken zu müssen, sondern vielmehr ihm die vielen kleinen Elemente jedes Tages aufzuopfern und unseren Alltag in Liebe zu leben. So wird unser Leben ein Gebet, das heißt ein „Leben mit Gott“. Peter Hemm

Worte von Papst Benedikt XVI

Heute möchte ich über den hl. Benedikt, den Begründer des abendländischen Mönchtums und Schutzpatron meines Pontifikats, sprechen. Ich beginne mit einem Wort des hl. Gregor des Großen, der über den hl. Benedikt schreibt: „Nicht nur die zahlreichen Wunder des Gottesmannes wurden in der Welt berühmt, sondern auch das Wort seiner Lehre strahlte hell auf“. Diese Worte schrieb der große Papst im Jahr 592; der heilige Mönch war kaum fünfzig Jahre zuvor gestorben und noch in der Erinnerung der Menschen und vor allem in dem von ihm gegründeten blühenden Orden lebendig. Der hl. Benedikt von Nursia hat durch sein Leben und Werk einen grundlegenden Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Zivilisation und Kultur ausgeübt. An der Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert wurde die Welt von einer schrecklichen Krise der Werte und Institutionen erschüttert, die durch den Zusammenbruch des Römischen Reiches, das Eindringen der neuen Völker und den Verfall der Sitten verursacht worden war. Mit der Vorstellung des hl. Benedikt als „leuchtenden Stern“ wollte Gregor in dieser furchtbaren Situation gerade hier in dieser Stadt Rom den Ausweg aus der „dunklen Nacht der Geschichte“ zeigen. In der Tat erwiesen sich das Werk des Heiligen und in besonderer Weise seine „Regel“ als Überbringer eines echten geistlichen Sauerteigs, der im Lauf der Jahrhunderte weit über die Grenzen seiner Heimat und seiner Zeit hinaus das Antlitz Europas veränderte, indem er nach dem Zerfall der politischen Einheit, die durch das Römische Reich geschaffen worden war, eine neue geistliche und kulturelle Einheit hervorbrachte, nämlich jene des christlichen Glaubens, den die Völker des Kontinents teilten. Gerade so entstand die Wirklichkeit, die wir „Europa“ nennen. Benedikt XVI

Abschluss: Gebet von Benedikt

Er empfiehlt in seiner Regel, dass es beim Gebet vor allem um die „wache Aufmerksamkeit des Herzens“ (RB 52,4) geht, unsere Gebete nicht unbedingt durch Länge brillieren sollen, sondern durch die Lauterkeit des Herzens (RB 20,3-4)

Verleih mir,
gütiger und Heiliger Vater,
in Deiner Huld:
einen Verstand, der Dich versteht,
einen Sinn, der Dich wahrnimmt,
einen Eifer, der Dich sucht,
ein Herz, das Dich liebt,
ein Tun, das Dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf Dich harrt.
Gib mir Deine heilige Gegenwart,
einen guten Tod und
eine glückliche Auferstehung
im Ewigen Leben.
Amen.  

An dieser Stelle kann ich nur jedem wärmstens empfehlen, sich eine Auszeit in einem Kloster zu gönnen. Meine Frau und ich gehen zweimal im Jahr für 3-4 Tage in ein Benediktinerinnen-Kloster in der Nähe Frankfurt: viel Natur, gutes Essen und vor allem die Gebetszeiten sind für uns eine wahre Kraftquelle zum Auftanken.

Infos zum Impuls 

– Start mit dem Wort Gottes in den Tag

– Kurzimpuls

– es gibt stets ein Wochenthema

– täglich nur 1x

– entweder über

   * Whatsapp

   * Facebook-Seite

   * Telegram

– ca. zwischen 6-7 Uhr 

– hier geht´zur Anmeldung

Tägliche Andacht

Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste