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Psalmen 1 bis 9

Psalm 1: Zwei Wege

Glücklich ist, wer nicht dem Rat gottloser Menschen folgt, wer nicht mit Sündern auf einer Seite steht, wer nicht mit solchen Leuten zusammensitzt, die über alles Heilige herziehen. Ps 1:1

Der erste Psalm ist die Pforte zum ganzen Psalmbuch. Das Lebens des gläubigen Menschen wird dem Leben des Ungläubigen gegenübergestellt. Er unterscheidet sich von den meisten Psalmen darin, dass hier kein einziges Wort an Gott gerichtet ist. vielmehr spricht der Dichter ausschließlich zum Leser. Wie die Bergpredigt (Mt 5,1) und wie das letzte Buch der Bibel (Offb 1,3) beginnt er mit einer Seligpreisung. Er eröffnet uns die beiden Wege, vor denen der Mensch steht und zwischen denen er zu wählen hat.

Glücklich zu preisen ist, wer Verlangen hat nach dem Gesetz des Herrn und darüber nachdenkt Tag und Nacht. Ps 1:2

Wer Lust, wer Freude hat am Gesetz des Herrn heißt es in anderen Übersetzungen. Gott zu folgen kann man lernen, indem man über sein Wort nachdenkt. Das bedeutet, sich Zeit zu nehmen, um in seinem Wort zu lesen und über das Gelesene nachzudenken. Es bedeutet zu fragen, in welchen Bereichen wir uns verändern müssen, um so zu leben, wie Gott es sich vorstellt. Gottes Wort zu kennen und darüber nachzudenken sind die ersten beiden Schritte, um sein Wort im täglichen Leben anzuwenden. Wer Gott folgen möchte, muss wissen, was er sagt.

Er ist wie ein Baum, der nah am Wasser gepflanzt ist, der Frucht trägt Jahr für Jahr und dessen Blätter nie verwelken. Was er sich vornimmt, das gelingt. Ps 1:3

Du bist kein wilder Baum. Du bist ein gepflanzter Baum, auserwählt von Gott, sein Eigentum, von ihm gepflegt. Das Wasser der Vergebung und der Gnade, der Verheißung und der Gemeinschaft mit Christus sind deine nie versiegende Quellen. Und du trägst Frucht. Wer aus Gott geboren ist, trägt die Frucht des Geistes. Diese Frucht wächst aber nur aus Gott, und darum müssen wir mit ihm verbunden sein, und das wiederum heißt, dass wir Tag und Nacht über Gottes Wort sinnen müssen. Wenn am Ende des Verses vom Gelingen die Rede ist, meint das nicht ein Leben ohne Schwierigkeiten, sondern ein Leben in Gott und seinem Willen.

Ganz anders ergeht es allen, denen Gott gleichgültig ist: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Ps 1:4

Spreu ist die äußere Hülle, die entfernt werden muss, um an die Getreidekörner im Innern zu kommen. Die Spreu wurde durch das Dreschen entfernt. Nachdem die Halme geschnitten waren, wurden sie zerkleinert und in die Luft geworfen. Da die Spreu sehr leicht ist, wurde sie vom leisesten Wind fortgetragen, während die Körner auf die Erde zurückfielen. Spreu ist ein Symbol für eine Lebensweise ohne Gott, für ein Leben, das sich ziellos treiben lässt. Das Korn dagegen ist ein Symbol für ein Leben im Glauben, das Gott benutzen kann. Anders als das Getreide kann jeder von uns selbst bestimmen, welche Richtung er einschlagen will.

Der Herr wacht über den Weg aller Menschen, die nach seinem Wort leben. Doch wer sich ihm trotzig verschließt, der läuft in sein Verderben. Ps 1:6

Psalm 2: Der Gesalbte

Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten verabreden sich gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten. Ps 2:2

Dieser Psalm wird im Neuen Testament häufig zitiert. Es handelt sich um einen messianischen Psalm, der auf Christus verweist. Die Kirche liest daher diesen Psalm am Karfreitag, weil im ersten Abschnitt die Auflehnung gegen den Gesalbten beschrieben wird. Und was macht Jesus? Der Gesalbte, der Christus, dem die Auflehnung gilt, tötet die Feindschaft durch seine Hingabe am Kreuz. Das Kreuz wird sein Königsthron.

Ich selbst habe meinem König die Herrschaft übertragen! Er regiert auf dem Zion, meinem heiligen Berg. Ps 2:6

Dieser König verkündet: Ich gebe den Beschluss des Herrn bekannt. Er hat zu mir gesagt: Du bist mein Sohn, heute bin ich dein Vater geworden. Ps 2:7

Mit diesen Worten eröffnet die Kirche die Mitternachtsmesse zu Weihnachten, mit der wir die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus im Stall zu Bethlehem feiern. In der Nacht von Bethlehem haben diese Worte, die stets mehr Ausdruck einer Hoffnung als gegenwärtiger Wirklichkeit waren, einen neuen und unerwarteten Sinn angenommen. Das Kindlein in der Krippe ist wirklich Gottes Sohn. Gott ist nicht ewige Einsamkeit, sondern ein Kreis der Liebe in Hingabe und Zurückschenken: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Benedikt XVI

In der Ewigkeit wurde er nie zum Sohn gezeugt, denn er war immer, was er ist. Bei seiner Menschwerdung wurde er gezeugt. Was bei der Geburt als Neues geschah, war, dass der Sohn Gottes menschliche Natur annahm und sich so Gottheit und Menschheit erstmals in einer Person vereinten. Das hier erwähnte Heute ist die Zeugung des Menschen Jesus durch den Heiligen Geist und Maria. Sein Kommen als Mensch in diese Welt wird also hier angekündigt. Der Messias ist Erbe aller Dinge. Ihm hat Gott alles in die Hand gegeben

Bitte nur darum, und ich gebe dir die Völker zum Besitz, ja, die ganze Erde soll dir gehören. Ps 2:8

Küsst den Sohn. Ps 2:12

Wir müssen uns ganz dem Sohn ausliefern und uns vor ihm beugen. Christus ist nicht nur Gottes erwählter König, er ist auch der rechtmäßige König unseres Herzens und Lebens. „Dient dem Herrn voller Ehrfurcht! Jubelt ihm zu!“ (Ps 2:11). Küssen ist ein Zeichen der tiefen Zuneigung. Wir sollen Gottes Sohn lieben, ehren und uns Ihm unterordnen. So kann jeder Mensch Leben und Glück finden. In dem Herrn Jesus Christus sind die Güte und die Menschenliebe Gottes erschienen, und wer auf Ihn vertraut, wird durch die Barmherzigkeit Gottes gerettet. Glückselig alle, die zu Ihm Zuflucht nehmen. Der Psalm endet damit, dass alle, die bei Ihm Schutz suchen, selig gepriesen werden

Selig alle, die sich bergen in ihm. Ps 2:12

Psalm 3: Hilferuf

Du aber, Herr, bist der Schild, der mich schützt, meine Ehre bist du allein. Du selbst richtest mich immer wieder auf. Ps 3:4

Wie wichtig ist dieses „Du aber“. Es ist das „Aber“ des Glaubens. Absalom rebelliert gegen seinen Vater, den König. David muss fliehen. Die Leute behaupten: „Gott wird ihn nicht retten.“ (Ps 3:3) David erfährt hier die größte Not seines ganzen Lebens. Obwohl die Situation katastrophal scheint, hält David den Schild des Glaubens hoch. Er schreit zu Gott. Wenn die Not groß, dann schreien wir. Das tut auch David. So sollten wir immer zu Gott beten. Wir sollten damit rechnen, dass Gott uns hört, und dass er antwortet.

Laut schreie ich zum Herrn um Hilfe. Er hört mich auf seinem heiligen Berg und antwortet mir. Ps 3:5

Ich konnte mich hinlegen und ruhig schlafen. Wohlbehalten bin ich wieder aufgewacht, denn der Herr ist mein Schutz. Ps 3:6

Gott hält und beschützt uns. Innere Ruhe ist eines der schönen Ergebnisse der vollständigen Unterwerfung unter den Willen des Herrn. Es kommt allein darauf an, dass das Herz dort ruht, wo es allein Festigkeit und Ruhe finden kann: im Vertrauen auf Gott. Voll und ganz werden wir es allerdings nie schaffen. Das schaffte auch David nicht. Aber es geht um die Grundausrichtung. Dazu Worte von Franz von Sales: Die Ruhe ist dem Himmel vorbehalten, wo die Siegespalme unser wartet. Auf Erden müssen wir immer wieder zwischen Furcht und Hoffnung kämpfen, wobei aber die Hoffnung immer stärker sei, in Anbetracht der Allmacht dessen, der uns beisteht.

Ich fürchte mich nicht. Ps 3:7

Rette mich! Du bist doch mein Gott! Ps 3:8

Dreimal kommt das Wort Rettung vor: Zuerst wird gesagt, es gebe keine Rettung für David, dann ruft David zu Gott, dass er ihn rette und schließlich kann er sagen: Die Rettung kommt allein vom Herrn. Tragender Grund unserer Rettung ist das Kreuz und die Auferstehung Christi. Ruht sein Segen auf uns, dann wissen wir, dass wir gesegnet sind und dann wissen wir, dass dies das wahre Gute ist, das höchste Gut, das einem Menschen werden kann.

Hilfe und Rettung kommt allein vom Herrn ! Dein Segen, Herr , komme über dein Volk! Ps 3:9

Psalm 4: Freude und Friede

Antworte mir, mein Gott, wenn ich zu dir rufe! Ps 4:2

Versucht, euch den ganzen Tag öfter an Gott zu erinnern. Wenn ihr euch schlecht fühlt, wendet euch mit einem Gebet an Ihn: „Herr, ich fühle mich schlecht, hilf mir.“ Wenn ihr euch gut fühlt, sagt: „Herr, Ehre sei Dir, ich danke Dir für diese Freude.“ Wenn ihr euch Sorgen um jemanden macht, sagt: „Herr, ich mache mir Sorgen um ihn, hilf ihm.“ Und so den ganzen Tag über, was auch immer mit euch passiert, verwandelt es in ein Gebet.“ Hl. Ambrosius von Optina

Als ich in meiner Not nicht mehr weiterwusste, hast du mir den rettenden Ausweg gezeigt. Erweise mir auch jetzt deine Gnade und höre mein Gebet! Ps 4:2

Wer dem Herrn die Treue hält, steht unter seinem besonderen Schutz. Er hört mich, wenn ich zu ihm rufe. Ps 4:4

Worauf es am meisten ankommt und was am meisten zählt, ist die Treue. Die Treue im Kleinen Gott lohnt sie! Vielleicht lohnt er nichts so gern und nichts so sehr wie sie! Die großen Unternehmungen, die leidenschaftlichen Vorsätze, das Auf und Ab unserer Himmelsstürmereien – ach, wie viel Eitelkeit, Geltungssucht und Eigenwillen ist in all dem enthalten! Aber die täglich durchgehaltenen und ausgehaltenen zehn Minuten in Gottes Gegenwart zählen mehr als zehn Vorsätze. Hl. Theresa von Avila

Prüft euer Herz im stillen und schweigt! Ps 4:5

Bei all unserer irdischen Geschäftigkeit sollten wir nicht vergessen, wer uns erschaffen hat, von wem wir alles haben, wem wir alles verdanken. Wir sollten an ihn denken und unsere Herzen immer wieder zu ihm erheben. Wie unser Herz ist, ist wichtiger als alles andere. Hier sollen wir darum anfangen, hier sollen wir nach denken.

Bringt dem Herrn mit aufrichtigem Herzen Opfer dar und setzt euer Vertrauen auf ihn! Ps 4:6

Blicke uns freundlich an, damit wir wieder aufatmen können! Du hast mich wieder froh gemacht.Ps 4:7-8

Einzig Gott vermag uns Freude ins Herz zu geben. Darum wollen wir zu ihm rufen. Darum wollen wir über Gott und seine Wege in unseren Herzen nachdenken und ihm vertrauen. Er wird uns eine Freude ins Herz legen, die wir nie gekannt haben, die viel größer ist als die flüchtige Freude. Uns so endet der Psalm, wie er begonnen hat: mit dem Gebet zu Gott. Wir dürfen nicht vergessen, unseren Anker in Gott selbst zu werfen. Wir wollen an David lernen, mit Gott zu beginnen und mit Gott zu enden. Er beschützt uns. Er ist unser ein und alles. Habe ich Christus, habe ich alles.

Ich kann ruhig schlafen, auch wenn kein Mensch zu mir hält, denn du, Herr , beschützt mich. Ps 4:9

Ich werde mich in Frieden niederlegen und schlafen; denn du allein, Herr, lässt mich sicher wohnen. Ps 4:9 


Was mich angeht, mein Gott, bin ich so davon überzeugt, dass du über die wachst, die auf dich hoffen, und dass es einem an nichts fehlen kann, wenn er alles von dir erwartet. So habe ich mich entschlossen, künftig ohne jede Sorge zu leben und all meine Besorgnisse bei dir abzuladen: „Ganz und gar im Frieden lege ich mich nieder und schlafe ein; denn du allein, Herr, lässt mich in Sicherheit ruhen“ (vgl. Ps 4,9 Vulg.). Menschen können mich der Güter und der Ehre berauben; Krankheiten können mir die Kraft und die Möglichkeiten entziehen, dir zu dienen; durch die Sünde kann ich sogar deiner Gnade verlustig gehen; aber niemals werde ich meine Hoffnung verlieren; ich werde sie bis zum letzten Augenblick meines Lebens bewahren. Sollen doch alle Dämonen der Hölle in diesem Moment vergebliche Anstrengungen unternehmen, um sie mir zu entreißen: „Ganz und gar im Frieden lege ich mich nieder und schlafe ein“. Andere mögen in der Erwartung ihres Glücks, ihres Reichtums oder ihrer Talente sein; wieder andere mögen sich auf die Unschuld ihres Lebens oder auf die Strenge ihrer Bußübungen verlassen oder auf die Vielzahl ihrer Almosen oder auf die Glut ihres Gebets: „Du allein, Herr, lässt mich in Sicherheit ruhen.“ Herr, mein ganzes Vertrauen liegt für mich im Vertrauen selbst. Dieses Vertrauen hat noch niemanden getäuscht: „Wisset, dass niemand, der seine Hoffnung auf den Herrn gesetzt hat, jemals in seiner Hoffnung getäuscht worden ist“ Hl. Claude de la Colombière 

Psalm 5: Gebet um Beistand

Höre doch, Herr, was ich dir sagen will, verschließ deine Ohren nicht vor meinem Seufzen! Ps 5:2

Gott soll auf meine Worte hören. Wie kann ich nur wagen, solche Dinge von ihm zu erbeten und zu erwarten? Wir sind als Gottes Erlöste auch seine Freunde. Wir dürfen, wir sollen ihm sagen, was in unseren Herzen ist. Wir sollten vor Gott die Stimme er heben, ihn bestürmen wie die aufgeregten Kinder die Mutter. Der Herr Jesus selbst hat uns gelehrt, dass wir genau das tun sollen im Gebet vor Gott: Wir sollen bitten, suchen, anklopfen. Unfassbare Gnade, die uns ihm so nahe gebracht hat!

Du bist mein König und mein Gott, zu dir schreie ich, dich flehe ich an! Ps 5:3

Frühmorgens hörst du meine Stimme. Frühmorgens leg ich mein Gebet vor dich und spähe nach dir aus. Ps 5:4

David sucht am Morgen früh als Allererstes Gott auf. Er hat gelernt, zuerst und unmittelbar die Hilfe des alleinigen Helfers zu suchen. Und dann späht er nach Gott aus. Wie der Wächter von seinem Turm Ausguck hält und nach jedem Zeichen des herannahenden Morgens ausschaut, so hält David, nachdem er gebetet hat, Ausschau nach Gottes Antwort. Glaube kann warten. Er weiß, dass Gott sein Werk und seine Sache tun wird. Das macht ihn fest, wenn es ringsum gleich stürmt. Der Unglaube ist rastlos und sucht nach allen Seiten Auswege.

Voller Ehrfurcht bete ich dich in deinem Heiligtum an. Ps 5:8

Ebne mir den Weg, den ich gehen soll! Ps 5:9

Weil Gott dies tut, können wir ohne Sorge unseren Weg gehen. Bei der Sorge dagegen kreise ich unentwegt grübelnd, ängstlich, zweifelnd über das was da kommt mangels eines Vertrauen in Gott. Lebe ganz gegenwärtig im Vertrauen. Sei stets ganz bewusst im momentanen Augenblick, nimm dich und den anderen wahr, nimm wahr, was die Situation dir gebietet und verweile nicht schon bei irgendetwas, das erst später am Tag auf dich zukommt. Nur im gegenwärtigen Augenblick finde ich Gott und seinen Weg für mich, nur hier kann ich mich gehorsam in seine Arme werfen, nur hier kann ich glauben.

Alle, die bei dir Zuflucht suchen, werden sich freuen. Ihr Jubel kennt keine Grenzen, denn bei dir sind sie geborgen. Ja, wer dich liebt, darf vor Freude jubeln! Ps 5:12

Das ist das Vollmaß unserer Freude, die höchste, die es gibt: Gott, die Dreieinigkeit, genießen, nach deren Bild wir geschaffen sind. Doch muß man in Liebe bei diesem Gute stehenbleiben und ihm anhangen, auf daß wir die Gegenwart dessen genießen, von dem wir sind, dessen Abwesenheit auch unser Sein unmöglich machen würde. Eben diese Dreieinigkeit müssen wir ja genießen, um glückselig zu leben oder mit den Worten von Augustinus: Wer also Gott hat, ist glücklich.

Wer nach deinem Willen lebt, den beschenkst du mit deinem Segen, deine Liebe umgibt ihn wie ein schützender Schild. Ps 5:13

Psalm 6: Erster Bußpsalm

Du lässt mich deinen Zorn spüren. Ich flehe dich an: Strafe mich nicht länger! Ps 6:2

David hatte alle Festigkeit verloren und begreift nun, dass es Gott war, der ihn die ganze Zeit hielt. Das merkte er aber erst, als Gott seine Hand ein wenig von ihm abzog. Gott muss uns beibringen, dass wir mit Gottes Gnade nicht spielen. Gott entzieht uns seinen Beistand, wenn wir anfangen, mit der Sünde und mit der Gnade zu spielen. David begreift nun, dass er weder Macht hat, sich selbst zu retten, noch das Recht hat, Rettung zu fordern. Es bleibt ihm nichts als das Harren auf Gottes Wohlgefallen.

Hab Erbarmen mit mir, Herr, ich sieche dahin! Heile mich, denn ich bin am Ende meiner Kraft! Ps 6:3

Wende dich mir wieder zu, Herr , und rette mich! Hilf mir, du bist doch ein barmherziger Gott! Ps 6:5

David baut seine Zuversicht allein auf Gottes wichtigste Eigenschaft auf: Barmherzigkeit! Nicht weil David gut wäre, sondern weil Gott selbst gut ist, darum kann David glauben und ebenso wir. Wie heilsam ist diese vollkommene Abhängigkeit vom Herrn und seiner Gnade. Wir selbst können uns nicht erretten. Pflegen wir in uns die Gewissheit, dass Gottes Gnade mit uns und Gottes Macht für uns sei, dass Gott uns vergibt. Rufen wir immer und überall seine Barmherzigkeit an. Er ist ein Gott der Lebenden. Er schenkt uns immer wieder neu das Leben. Loben und danken wir ihm.

Wenn ich tot bin, kann ich dir nicht mehr danken. Wie soll ich dich denn im Totenreich loben? Ps 6:6

Der Herr hat mein Schreien gehört, er nimmt mein Gebet an. Ps 6:10

Hier ist die Wende. Gott ließ David lange harren. Er musste zuerst müde werden durch sein Stöhnen. Gott musste ihm seine Kraft nehmen und ihn brechen. David ist am Ende. Jetzt, wo David nichts mehr tun kann, weder Kraft noch Willen hat, sich zu irgendetwas aufzuraffen, greift Gott ein. David weiß nun, dass Gott sich ihm zugewandt und ihm vergeben hat. So führt dieser erste von sieben Bußpsalmen (Ps 6; 32; 38; 51; 102; 130; 143) aus der größten Verzweiflung am Ende zum größten Trost, den man sich überhaupt denken kann. Wahre Buße hat als Frucht immer wahren Trost.

Psalm 7: Gott schafft Recht

Herr, mein Gott, bei dir suche ich Zuflucht; hilf mir von allen meinen Verfolgern und rette mich. Ps 7:2

Dass wir auf Gott vertrauen ist schnell und leicht gesagt. Ob dem so ist, muss sich in den Prüfungen beweisen. Wie immer unsere Lage sich gestalten mag, wir werden es nie zu bereuen haben, wenn wir am Vertrauen auf Gott festhalten. Also: Optimismus? Immer! Auch dann, wenn dir die Dinge scheinbar danebengehen. Vielleicht ist das dann gerade der rechte Augenblick, um ein Gloria anzustimmen. Denn deine Zuflucht ist ja Gott und von Ihm kann nur Gutes kommen. Vom Satan dagegen kommt nur Schlechtes, er ist ein brüllender Löwe, der verschlingen will.

Dass er nicht wie ein Löwe meine Seele zerreißt und sie zerfleischt, weil kein Retter da ist. Ps 7:3

Der Herr wird die Völker richten. Schaffe mir Recht, o Herr, nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Lauterkeit! Ps7:9

Wenn David von meiner Gerechtigkeit spricht, dürfen wir nicht vergessen, dass er um seine sündige Art weiß. Er weiß aber auch, dass Gott ihm seine Übertretungen vergeben hat. So spricht er eigentlich von der Gerechtigkeit Gottes, die durch Gottes Handeln in Gnade und Wahrheit zu der seinen geworden ist. Durch Christus sind wir gerecht. Unsere Gerechtigkeit ist uns von oben gegeben, sie ist nicht aus uns selbst gewirkt. Im Schlussvers heißt es daher:

Ich will dem Herrn danken für seine Gerechtigkeit, und dem Namen des Herrn, des Höchsten, will ich lobsingen. Ps 7:18

Mein Schild ist bei Gott, der den von Herzen Aufrichtigen hilft. Ps 7:11

Eben das ist unsere Hoffnung! Durch diese Hoffnung können wir die oft mühsame Gegenwart leben, weil das Ziel auf das wir hoffen groß ist. Durch diese Hoffnung können wir Gott selbst im Dunkeln trauen. Auch wenn wir in einer Zwischenzeit leben, in der dieses Bei-Christus-Sein mancherlei Mühsal und Leid verlangt, müssen wir mitgehen auf dem Kreuzweg Christi, damit die Auferstehung in uns voll zum Durchbruch kommen kann. Nur die große Hoffnungsgewißheit, daß trotz allen Scheiterns mein eigenes Leben es in einer unzerstörbaren Macht der Liebe geborgen, kann Mut zum Wirken und zum Weitergehen schenken.

Du prüfst die Herzen und Nieren, du gerechter Gott! Ps 7:10

Psalm 8: Gottes Herrlichkeit

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit über die Himmel gesetzt hast! Ps 8:2

Der erste und der letzte Vers besingen anbetend die Herrlichkeit des Namens Gottes. Die Zwischenverse bestaunen in Verwunderung die Größe Gottes in der Schöpfung und seine gnädige Herablassung gegenüber den Menschen. Überall ist er gegenwärtig, und allerorten ist sein Name herrlich. Gott wirkt immer und überall. Es gibt keinen Ort, wo Gott nicht wäre. Die Wunder seiner Macht begegnen uns allerwärts. Überall und an jedem Ort weilt Gott und wird er in seinem Wirken kund.

Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du ein Lob bereitet. Ps 8:3

Im Glauben müssen wir Kinder werden. Das Königreich Christus ist ein Reich der Kleinen und umfasst nur solche, die klein sind in ihren eigenen Augen. Jesus selbst stellt uns im Evangelium ein Kind als Zeichen der Demut in die Mitte. Und schauen wir in das gewaltige Sonnensystem sollte dies ebenso die Demut in uns fördern.

Ich blicke zum Himmel und sehe, was deine Hände geschaffen haben: den Mond und die Sterne – allen hast du ihren Platz zugewiesen. Ps 8:4

Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest? Ps 8:5

Tiefer kann dem Menschen das Bewusstsein seiner Würde und doch zugleich die dankbare Erinnerung, von wem er sei und was er ist, nicht nahegelegt werden. Dass du seiner gedenkst, d. h. für ihn sorgst und ihm so hohe Gnaden verleihst. Der Herr sucht die Menschen heim, erstens, indem er sie züchtigt. Zweitens heißt heimsuchen im guten Sinne: Gnade erzeigen, erquicken, retten und segnen.

Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als die Engel mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Ps 8:6

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde! Ps 8:10

Jesus Christus hat alle Not, alle Freude, allen Dank und alle Hoffnung der Menschen vor Gott gebracht. In seinem Munde wird das Menschenwort der Psalmen zum Gotteswort. Wenn wir sein Gebet mitbeten, wird wiederum das Gotteswort zum Menschenwort. So sind alle Gebete der Bibel solche Gebete, die wir mit Jesus Christus zusammen beten, in die er uns hineinnimmt und durch die er uns vor Gottes Angesicht trägt. Wenn wir daher die Psalmen beten wollen, so müssen wir nicht zuerst danach fragen, was sie mit uns, sondern was sie mit Jesus Christus zu tun haben. Wir müssen fragen, wie wir die Psalmen als Gottes Wort verstehen können, und dann erst können wir sie mitbeten. Es kommt also nicht darauf an, ob die Psalmen gerade das ausdrücken, was wir gegenwärtig in unserem Herzen fühlen. Nicht was wir gerade beten wollen, ist wichtig, sondern worum Gott von uns gebeten sein will. Dazu sind uns die Psalmen gegeben, dass wir sie im Namen Jesu Christi beten lernen. Bonhoeffer

Psalm 9: Hoffnung der Armen

Dir, Herr , will ich von ganzem Herzen danken, von all deinen wunderbaren Taten will ich erzählen. Ps 9:2

Sicherlich ist es wichtig, dem zu danken, durch den Gott und seine Segnungen zu uns kommen. Unser Dank soll sich jedoch stets weiten und aufsteigen zum Himmel, zu Gott, von dem alles Gute kommt. Dieser Dank kommt von ganzem Herzen. Seine Taten, das sind seine Segnungen, die er uns zuteil werden lässt. Über diese Taten anderen zu erzählen, tut unserem geistlichen Leben gut. Wie der Duft eines Gefäßes den Inhalt verrät, so sollten auch unserem Mund liebliche Zeugnisse von der Gnade entströmen, die uns so viel Gutes tut.

Ich freue mich über dich und juble dir zu. Ich singe zu deiner Ehre und preise deinen Namen, du höchster Gott! Ps 9:3

Ich will mich freuen und frohlocken in dir, ich will deinem Namens lobsingen, du Höchster! Ps 9:3

Du sitzt auf dem Thron als ein gerechter Richter! Ps 9:5

Alles auf der Erde ist vergänglich und findet ein Ende. Der Herr aber bleibt und thront ewiglich. Der allmächtige Gott sitzt auf dem Thron. Ihm können wir bedingungslos vertrauen. Wir können uns freuen, über unsere Sicherheit, die für alle Zukunft gegründet ist. Das ist nicht so dahin gesagt, sondern gründet sich auf unseren Erfahrungen. Im Licht unserer Vergangenheit und der Verheißungen an uns schwinden die ängstlichen Zweifel um die Zukunft. Die feste Grundlage dieser unserer Freude ist das unaufhörliche Leben in Gott und die unwandelbare Herrschaft dieses unseres treuen Gottes.

Der Herr thront auf ewig. Er hat seinen Thron aufgestellt zum Gericht. Ps 9:8

Der Herr wird eine Zuflucht sein dem Unterdrückten, eine Zuflucht in Zeiten der Not. Ps 9:10

Vieles bedrückt uns in unserem Leben. Vieles gibt es zu erleiden. In jeder (!) Not aber finden wir beim Herrn Schutz und Hilfe. Wie die Schiffe sich vor dem Sturm in den Hafen flüchten, so eilen wir in der Not zu Gott. Er ist unser Anker, der uns davor bewahrt, in den Stürmen des Lebens unter zu gehen. Ein Anker benötigt jedoch einen festen Grund, wo er sich fest macht. Der feste Grund nun ist, Gott immer tiefer zu erkennen, seinen Namen und damit sein Wesen tiefer zu erkennen, ihn immer wieder neu und täglich zu suchen.

Darum vertrauen auf dich, die deinen Namen kennen; denn du hast nicht verlassen, die dich, Herr, suchen! Ps 9:11

Er vergisst das Schreien der Elenden nicht. Ps 9:13

Solche Stellen zeigen deutlich, dass Gott in keinem Fall die Menschen vergisst und ihnen die Beweise seiner väterlichen Liebe versagt. Das Schreien ist unser Gebet. Aufrichtiges Beten sichert uns die Fortdauer bisheriger Segnungen und zerstreut die Wolken unserer Trübsale. O segensreiches Beten, du unermüdlicher Besieger alles menschlichen Wehs, du sichere Grundlage wahrer Glückseligkeit, du Quelle immerwährender Freude.

Das Gebet ist die segensreiche Quelle, deren belebende Wasser die Pflänzchen unserer guten Wünsche zum Grünen und Blühen bringen, jeden Makel von unserer Seele hinwegspülen und das von Leidenschaft erhitzte Herz abkühlen. Franz von Sales