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Psalm 110 bis 118

Psalm 110: Priester und König


Dieser Psalm gehört als Weissagung auf Christus zu den bedeutungsvollsten Texten des ganzen Alten Testaments.

Kein alttestamentliches Wort wird im Neuen Testament so häufig zitiert oder sinngemäß angeführt wie dieses: Mt 22,44; Mk 12,36; Lk 20,42; Apg 2,34; 1Kor 15,25; Hebr 1,13; 10,12.13; siehe dazu auch Mt 26,64; Mk 16,19; Röm 8,34; Eph 1,20; Kol 3,1; 1Petr 3,22; Hebr 1,3; 8,1.

„Dieser Psalm verkündet unseren Herrn und Heiland Jesus Christus so bestimmt und offen, dass wir gar nicht zweifeln können, dass Christus in diesem Psalm verkündet wird, wenn wir überhaupt Christen sind und dem Evangelium glauben. Augustinus

Der Herr sprach zu meinem Herrn. Ps 110:1

David hört im Geist die Stimme Gottes selbst zu dem Messias sprechen. Welch wunderbar innige Zwiesprache zwischen Vater und Sohn! Von Ewigkeit her bestand jene geheimnisvolle Gemeinschaft zwischen dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. Aus diesem verborgenen trauten Umgang ist der Gnadenbund entsprungen. Der Herr sprach. Die großen Werke der Gnade sind sämtlich durch Gottes Sprechen zur Ausführung gekommen.

Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße! Ps 110:1

Sein Werk ist getan, so kann er sich setzen. Er sitzt, weil alles sicher ist. Darum ist kein Anlass zur Beunruhigung vorhanden, was immer sich in dieser Welt zutragen mag. Dass wir Jesus in göttlicher Herrlichkeit thronen sehen, ist die sichere Gewähr dafür, dass sich alles auf den letzten, völligen Sieg zubewegt. Er wurde erhöht über alles, jede Macht und Gewalt und jeden Namen, der im gegenwärtigen und im zukünftigen Zeitalter genannt werden mag, und alles legte ihm Gott unter die Füße. Alle Gewalt im Himmel und auf Erden ist in seiner Hand.

Der Herr wird das Zepter deiner Macht ausstrecken von Zion: Herrsche inmitten deiner Feinde! Ps 110:2

Es heißt nicht: Töte deine Feinde, sondern: Herrsche inmitten deiner Feinde. Mach, dass deine Feinde, die fern waren, anfangen, zu dir zu gehören. Diejenigen sind Feinde, die unter einer fremden Herrschaft stehen, jetzt also erbittet der Psalmist, dass Gott seine Feinde beherrscht und sich gnädig herabläßt, ihr Herr zu sein. Hieronymus

Dein Volk ist willig. Ps 110:3

Ja, diese Willigkeit ist der Kern der Heiligkeit. Sie ist der heilige Schmuck des Volkes Gottes. Denn sie gürtet die Seele mit der Schönheit Jesu. Die Heilung für all mein Elend, für meine Seele liegt denn darin, dass mir mehr Glaube und durch den Glauben mehr von Christus zuteilwird, dass ich ihm näher komme. Das will ich suchen und erbitten mit immer zunehmendem Ernst. Bin ich bereit, den Willen Gottes zu tun und zu leiden, ja übereinzustimmen mit dem Willen Gottes, und zwar mit stiller, wenn nicht freudiger Zustimmung des Herzens, mich haltend an den Unsichtbaren, als sähe ich ihn?

In heiligem Schmuck, aus dem Schoß der Morgenröte, tritt der Tau deiner Jungmannschaft hervor. Ps 110:3

Wie der Tau das Sinnbild der Frische ist, so sind die Bekehrten voll Leben und Kraft. Weil Jesus ewig lebt, soll auch seine Gemeinde ewig blühen. Wie seine Kraft nie erlahmt, soll auch die Stärke seines treuen Volkes von Tag zu Tag er neuert werden. Wie er der Priesterkönig ist, so sind die Seinen alle Priester und Könige, der Schmuck der Heiligkeit ist ihr Priester gewand, herrlich und schön.

Wie der Tau, in der Stille der Nacht gebildet wird, so sollen auch wir in der Welt sein wie ein Tau vom Herrn, durch eine unsichtbare Macht in der Stille geschaffen, schwach in sich, aber stark in ihrer Geschwisterlichkeit, jeder willig, den niedrigsten Platz einzunehmen, und doch wiederum jeder von einem wunderbaren Etwas himmlischen Lichts erstrahlend.

Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks! Ps 110:4

Unser Herr Jesus ist Priesterkönig. Dieser königliche Priester war auf Erden und hat seinen Segen auf den Häuptern der Gläubigen hinterlassen. Er aber sitzt nun zur rechten Gottes in Herrlichkeit in seiner zweifachen unzertrennlichen Würde, priesterlich für uns eintretend mit dem Verdienst seines Blutes und als der ewige König zu unserem Besten alle Macht ausübend. Ja, in der Welt gibt es viel Böses, es gibt einen ständigen Kampf zwischen Gut und Böse, und das Böse scheint stärker zu sein. Nein, der Herr ist stärker, unser wahrer König und Priester Christus, denn er kämpft mit der ganzen Kraft Gottes, und trotz aller Dinge, die uns am positiven Ausgang der Geschichte zweifeln lassen, siegt Christus und siegt das Gute, siegt die Liebe und nicht der Haß.

Gott, der Herr, wird dir zur Seite stehen. Am Tag des Gerichts zerschmettert er die feindlichen Herrscher.
Ps 110:5

Er wird trinken aus dem Bach am Weg. Darum wird er das Haupt erheben. Ps 110:7

Aus diesem Bach trinkt Christus, es ist ihm nicht zu gering, aus diesem Bach zu trinken. Trinken aus diesem Bach bedeutet für ihn geboren werden und sterben. Das trägt dieser Bach in sich, die Geburt und den Tod. Christus nahm es auf sich, er ist geboren worden und ist gestorben. So hat er aus dem
Bach am Weg getrunken. Also: Dieser Bach ist der Mensch, die Menschheit, und Christus hat aus diesem Bach getrunken, indem er Mensch geworden ist. So hat er, indem er die Menschennatur des Menschen angenommen hat, sein Haupt erhoben und ist jetzt das Haupt des mystischen Leibes, ist unser Haupt, ist der endgültige Sieger. Augustinus

Psalm 111: Loblied auf Gottes Taten

Hallelujah! Ich will den Herrn loben von ganzem Herzen im Kreis der Aufrichtigen und in der Gemeinde. Ps 111:1

Tut alles Zweifeln und misstrauische Fragen, alles Murren und Widerstreben von euch und gebt euch ganz dem einen hin, den Herrn zu preisen, und zwar mit Herz und Lied, mit Leib und Leben. Denn seine Werke sind groß. Die Taten Gottes sind so hoch und so weit und so tief, dass es nicht beschrieben werden kann. Ja, groß sind alle Werke des Herrn in jeder Beziehung, nach ihrer Anlage, ihrem Umfang, ihrer Zahl und ihrer Vortrefflichkeit. Selbst das Kleinste, das Gott tut und schafft, ist groß. Gottes Absichten bei allem, was er schafft und tut, sind gleich bewundernswert wie die Werke selbst. Das herrlichste an Gottes Werken ist die darin verborgene geheime Weisheit Gottes.

Groß sind die Werke des Herrn, erforscht von allen, die sie lieben. Ps 111:2

Voll Majestät und Hoheit ist sein Tun, und seine Gerechtigkeit besteht ewiglich. Ps 111:3

Er hat ein Gedenken seiner Wunder gestiftet. Gnädig und barmherzig ist der Herr. Ps 111:4

Wir gedenken einer Wundernacht, der Nacht, in der Jesus überliefert wurde, der Nacht, in der er verhaftet, verurteilt und den Henkern übergeben wurde. Wir gedenken der Liebe unseres Retters, der sich an ein Kreuz schlagen ließ und unserer Sünden wegen verblutete. Wir begreifen zwar, dass dort ein gerechter Gott die Strafe auf einen Unschuldigen legte und dass darum wir Schuldigen von der Schuld freigesprochen werden können. Aber wir begreifen noch immer nicht, warum Gott das wollte, was ihn bewegt haben mag, das zu tun. Wir wissen, dass es seine Liebe war. Wir wissen, dass Gott Liebe ist, wir wissen es, wir beten ihn darüber an.

Er hat Speise gegeben denen, die ihn fürchten, er wird ewiglich gedenken an seinen Bund. Ps 111:5

Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht. Ps 111:7

Er hat seinem Volk Erlösung gesandt, auf ewig verordnet seinen Bund; heilig und furchtgebietend ist sein Name. Ps 111:9

Als die Erben der Verheißung in Ägypten waren, sandte er ihnen einen Retter und führte die Befreiung auch wirklich durch. Eine herrliche, in ihrer Art vollkommene Erlösung wurde ihnen zuteil. Das Gleiche hat er in höherer, geistlicher Weise für sein Volk des Neuen Bundes getan, indem er die Seinen erst mit Blut erkaufte aus der Hand des Feindes und sie dann mit Macht er rettete aus den Banden der Sünde. Wir dürfen von der Erlösung als einer vollendeten Tatsache singen: sie ist für uns vollbracht, uns angeboten und freudig von uns angenommen worden, so sind wir in der Tat und Wahrheit des Herrn Erlöste.

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit. Sie macht alle einsichtig, die sie befolgen. Sein Ruhm bleibt ewiglich bestehen. Ps 111:10

Psalm 112: Das Glück des Treuen

Halleluja – lobt den Herrn! Glücklich ist, wer dem Herrn in Ehrfurcht begegnet und große Freude hat an seinen Geboten! Ps 112:1

Ehrfurcht vor Gott bedeutet für mich, ihn an erste Stelle zu setzen, mich nach seinen Weisungen aus zu richten. Frieden, Nächstenliebe, Spiritualität, Glück etc. ohne Gott ist wie das Feiern einer Geburtstagsfeier auf der das Geburtstagskind fehlt: kann alles sehr schön sein, aber das Eigentliche fehlt. Die Ehrfurcht vor Gott, das Ihn-an-erste-Stelle-setzen, ist der Ausgangspunkt jeglichen Handelns. Und dies tun wir mit Freude. Freudiger Gehorsam allein ist vollkommener Gehorsam. Echter Gehorsam ist keine Last.

Gottes Segen liegt auf jeder Generation, die aufrichtig mit ihm lebt. Ps 112:2

Reichtum und Fülle ist in seinem Haus, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich bestehen. Ps 112:3

Geistlich ist dies zu verstehen. Das Herz, dem die Sonne der Gnade lacht, ist so reich an Seligkeit, dass es die Fülle nicht erfassen kann. Dies nun haben wir Jesus zu verdanken. Denn für uns ist Jesus arm geworden, damit wir durch seine Armut reich würden. Augustinus spricht vom Tausch der Liebe. Martin Luther nennt es den fröhlichen Wechsel.

Strebet nach der Liebe; ohne sie ist der Reiche arm und mit ihr der Arme reich. Augustinus

Den Aufrichtigen geht ein Licht auf in der Finsternis: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte. Ps 112:4

Wir haben unsere dunklen Tage. Krankheit und Kummer allerlei Art widerfährt uns. Aber diese dunklen Tage dauern nicht ewig. Denn, der Herr, wird es zur rechten Zeit wieder Licht werden lassen. Und der Herr ist auch in den dunklen Stunden da, als der Gnädige, Barmherzige und Gerechte. Uns geht ein Licht auf und so werden wir selbst zum Licht für die Welt, indem wir Jesus nachahmen. So sind wir voller Freundlichkeit gegen alle, gütig gegen die Hilfsbedürftigen und stets zur Vergebung bereit. Wir sind barmherzig und empfinden in jeder Lage mit dem anderen mit.

Wohl dem, der barmherzig ist und leiht. Ps 112:5

Er wird ewiglich nicht wanken; an den Gerechten wird ewiglich gedacht. Ps 112:6

Er fürchtet sich nicht vor schlechten Nachrichten, sein Herz ist voller Zuversicht, denn er vertraut dem Herrn. Ps 112:7

Wie der Sturm den Baum nicht bis ins Innerste trifft, wenn er tiefe Wurzeln hat, so treffen uns die Stürme des Lebens nicht im Innersten, wenn wir tief verwurzelt sind in Gott. Der Glaube hat uns standhaft gemacht. Inmitten der schmerzlichen Nachrichten bleibt unser Herz fest, voller Vertrauen auf den Herrn. Wir bringen unser Herz zur Stille, weil wir wissen, dass Gottes Hilfe kommen wird. Wir sind voller Zuversicht und vertrauen. Zuversicht und Vertrauen gehören aufs Engste zusammen. Wenn jemand mit Zuversicht erfüllt ist, spricht er mit Vertrauen über seine Zukunft. Ohne zu wissen, wohin du geführt wirst, in dunkle und in helle Stunden, stets im Glauben weitergehen, das ist es, worauf es ankommt.

Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nicht. Ps 112:8

Wie der Sturm den Baum nicht bis ins Innerste trifft, wenn er tiefe Wurzeln hat, so treffen uns die Stürme des Lebens nicht im Innersten, wenn wir tief verwurzelt sind in Gott. Der Glaube hat uns standhaft gemacht. Inmitten der schmerzlichen Nachrichten bleibt unser Herz fest, voller Vertrauen auf den Herrn. Wir bringen unser Herz zur Stille, weil wir wissen, dass Gottes Hilfe kommen wird. Wir sind voller Zuversicht und vertrauen. Zuversicht und Vertrauen gehören aufs Engste zusammen. Wenn jemand mit Zuversicht erfüllt ist, spricht er mit Vertrauen über seine Zukunft. Ohne zu wissen, wohin du geführt wirst, in dunkle und in helle Stunden, stets im Glauben weitergehen, das ist es, worauf es ankommt.

Auf Erden müssen wir immer wieder zwischen Furcht und Hoffnung kämpfen, wobei aber die Hoffnung immer stärker sei in Anbetracht der Allmacht dessen, der uns beisteht. Franz von Sales

Großzügig schenkt er den Bedürftigen, was sie brauchen. Auf seine Barmherzigkeit kann man immer zählen. Ps 112:9

Was ich empfangen habe, teile ich aus. Ich spende es denen, die es am nötigsten haben. Es hat Gott gefallen, mich zu einem Sammelbecken seiner Güte zu machen. Aus meiner Fülle ergießen sich nun Ströme freigebiger Liebe in die Niederungen der menschlichen Armut und Not. Ich hüte mich immer vor der Habsucht. Der Herr Jesus hat gesagt: Geben ist seliger denn nehmen.

Mache, dass ich danach trachte zu trösten, statt getröstet zu werden, zu verstehen, statt verstanden zu werden, zu lieben, statt geliebt zu werden. Denn wir können nur empfangen, wenn wir geben. Franz von Assisi

Psalm 113: Gottes Größe und Erbarmen

Hallelujah! Lobt, ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des Herrn! Ps 113:1

Dies Loben Gottes beruht nicht auf bloßem Nachgrübeln über Gottes, sondern hat zur Voraussetzung solch frische, lebhafte innere Erfassung der Hoheit und Herrlichkeit Gottes, dass die Gedanken und Begriffe tief ins Herz eindringen und dort Gemütsbewegungen hervorrufen, die ihnen angemessen sind, sodass wir ihn lieben wegen seiner Güte, ehren wegen seiner Erhabenheit, fürchten wegen seiner Gerechtigkeit, scheuen wegen seiner Macht, anbeten wegen seiner Weisheit und aller seiner Eigenschaften und in beständiger heiliger Ehrfurcht und treuem Gehorsam vor ihm wandeln.

Gepriesen sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit! Ps 113:2

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobt der Name des Herrn!Ps 113:3

Vom frühen Morgen bis zum Abend steige das Loblied ohne Ende zum Thron des Ewigen empor. Auf, träges Herz, er wache und stimme fröhlich ein. Von Stunde zu Stunde lasst uns das Lied neu anheben, denn jeder Augenblick bringt seine besonderen Gnaden. Und wenn die Sonne zur Ruhe geht, so wollen wir in dem feierlichen Schweigen der Natur die Musik unserer Herzen nicht schweigen lassen, sondern mit dem letzten wachen Gedanken noch den Vater Himmels und der Erde preisen, der den Müden Ruhe gibt.

Der Herr ist erhaben über alle Heidenvölker, seine Herrlichkeit ist höher als die Himmel. Ps 113:4

Wer ist wie der Herr, unser Gott, der in solcher Höhe thront? Ps 113:5

Es gibt im Himmel und auf Erden in der Tat kein Wesen, das ihm irgend gleich käme. Ja, selbst die innigste Liebe zu Gott kann Gott nicht in seiner ganzen inneren Herrlichkeit erfassen und ausdenken, geschweige denn sein Wesen in Worte fassen. Er ist hoch, er steht unendlich weit über uns, und er thront, denn ihm gehört alle Macht. Alles ist ihm untertan. Gott vermag alles, er besitzt alles, ihm fehlt nichts. Er hat uns nicht nötig, wir können ihm nichts geben. Wenn wir an ihn glauben, wird er nicht reicher, wenn wir ihn verachten, wird er nicht ärmer. Und doch neigt er sich zu uns Sündern und verlässt er seinen Thron, um uns in unserer Niedrigkeit heimzusuchen.

Der so tief heruntersieht auf den Himmel und auf die Erde. Ps 113:6

Wir haben einen Gott, der hocherhaben ist über alle Götter und der dabei doch unser Vater ist, der weiß, was wir bedürfen, ehe wir ihn bitten, unser Hirte, der alle unsere Bedürfnisse erfüllt, unser Hüter, der die Haare auf unserem Haupt zählt, unser zartfühlender, sorgsamer Freund, der an allem, was unser Herz bewegt, herzlich teilnimmt. Ja wahrlich, der Name unseres sich so ganz zu uns herabneigenden Gottes muss gelobt werden von allen, die ihn kennen.

Der den Geringen aufrichtet aus dem Staub und den Armen erhöht aus dem Kot.  Ps 113:7

Wir liegen im Staub des Todes. Staub sind wir, und zum Staub müssen wir zurückkehren. Und wir liegen im Kot der Sünde. Wir sind wahrlich Arme. Wir haben alle Rechte auf Gottes Freundlichkeit und Hilfe durch die Sünde verspielt. Und solche, wie wir es sind, richtet er auf und erhöht sie. Wer beschreibt die Größe seiner Gnade, die Höhe und die Tiefe seiner Liebe, die Weite und die Stärke seiner Erbarmungen?Es ist ein allmächtiger Arm, der uns aufrichtete, uns noch heute aufrecht hält und zu der Vollkommenheit des Himmels emporheben wird. Wir verstummen und sinken in Anbetung vor ihm nieder.

Hallelujah! Ps 113:9

Psalm 114: Auszug aus Ägypten

Als Israel aus Ägypten zog […] da wurde Juda sein Heiligtum. […] Das Meer sah es und floh, der Jordan wandte sich zurück. Ps 114:3

Die Teilung des Meeres und der damit verbundene Auszug aus Ägypten und das Vertrocknen des Jordans und der damit verbundene Einzug ins heilige Land sind hier zusammengestellt, obwohl vierzig Jahre dazwischen lagen. Dies können wir als Bild für unser Leben verstehen. Denn derselbe Gott, der uns aus dem Ägypten der Sündenknechtschaft herausführte, wird uns auch durch den Todesjordan leiten, heraus aus der Wüste dieses Lebens mit allen seinen Irrfahrten und Entbehrungen in die ewige Heimat.

Was kam dich an, o Meer, dass du geflohen bist, du Jordan, dass du dich zurückwandtest. Ps 114:5

O Erde, erbebe vor dem Angesicht des Herrschers, vor dem Angesicht des Gottes Jakobs, der den Fels verwandelte in einen Wasserteich, den Kieselfels in einen Wasserquell!Ps 114:7-8

Der Gläubige wird, wenn ihn das Bewusstsein durchdringt, dass Gott gegenwärtig ist, dem Herrn dienen mit Ehrfurcht. So wurde das Volk des Herrn versorgt durch lauter Wunder. Er stillt unsere irdischen Bedürfnisse oft aus Quellen der undenkbarsten Art und lässt den Strom seiner Freigebigkeit niemals versiegen. Unsere geistlichen Bedürfnisse aber finden ihre volle Befriedigung durch das Wasser und Blut, das sich aus dem zerspaltenen Felsen, Christus Jesus, ergoss. Darum lasst uns den Herrn, unseren Gott, erheben.

Psalm 115: Gott allein die Ehre

Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, um deiner Gnade und Treue ­willen! Ps 115:1

Die Wiederholung der Worte „nicht uns“ ist der Ausdruck des starken Begehrens, auf alle Ehre zu verzichten und beinhaltet den Wunsch, dass alles zur Ehre Gottes passiert. Dieses Verlangen ist der einzig rechte Beweggrund zu allem Wandeln, Reden und Handeln. Darum lautet die erste Bitte im Vater unser: Geheiligt werde dein Name!

Die Ehre Gottes soll der Polarstern, unser Herz und Wille aber die Magnetnadel sein. Gleichwie letztere immer nach diesem Stern sich richtet, so soll all unser Sinn uns Streben auf Gottes Ehre gerichtet sein.

Unser Gott ist im Himmel. Er tut alles, was ihm wohlgefällt. Ps 115:3

Als seinem Wesen nach unbegreifbar übersteigt alle Gedanken. Er ist erhaben über alle die Beschränkungen, die dem Irdischen und Zeitlichen anhaften. Dieser Gott ist unser Gott. Er ist nicht am Schlafen gewesen, noch hat er die Angelegenheiten der Menschen vergessen. Er hat geschafft, und das mit Erfolg, niemand hat noch seine Pläne durchkreuzen oder auch nur aufhalten können. Er hat gehandelt, und er handelt noch immer. Er hat die Welten erschaffen, denn er ist allmächtig. Er hat Erlösung gewirkt, denn er ist gnädig.

Ihre Götzen sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. Ps 115:4

Er hat alles gemacht, die Götzen sind selber von Menschen gemacht. Er ist im Himmel, die Götzen auf Erden. Er kann schaffen, was er will, die Götzen  vermögen nichts. Er sieht die Leiden, hört und erhört die Gebete, nimmt die Opfer an, kommt seinen Dienern zu Hilfe und bewirkt ihr Heil. Die Götzen sind blind, taub und stumm, ohne Verstand, unbeweglich und ohnmächtig. Wenn die Götzen weder sehen noch hören und weder tasten noch gehen, sind sie tot. Das Ende aller, die auf ihre Götzen vertrauen, ist der Tod; denn: Der Mensch wird dem gleich, dem er vertraut.

Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht. Ohren haben sie und hören nicht, eine Nase haben sie und riechen nicht. Hände haben sie und greifen nicht, Füße haben sie und gehen nicht. Mit ihrer Kehle geben sie keinen Laut. Ps 115:5-7

Israel, vertraue auf den Herrn! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild. Ps 115:9

Der ist ihre Hilfe und Schild. Er ist der Freund der Seinen im Tun und Leiden, gewährt ihnen Beistand in der Arbeit und Schutz in Gefahr. Wir vertrauen dem Herrn, weil er alles wirkt nach dem Rat seines Willens, weil er allmächtig und weil er gnädig ist. Er steht uns Hilflosen bei und gibt uns Kraftlosen Kraft. Mit seiner ganzen Macht ist er für uns. Er schützt uns vor jedem Feind und vor allem Übel. Als unser Helfer befähigt er uns, als unser Schild bewahrt er uns. Wenn wir ihn haben, fehlt uns nichts.

Die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf den Herrn! Er ist ihre Hilfe und ihr Schild. Ps 115:11

Der Herr wolle an uns gedenken. Er wolle segnen! Ps 115:12

Er denkt an uns. Wer lotet die Tiefen der Gnade aus, die in diesem kurzen Satz aufleuchtet. Er dachte schon an uns, bevor wir geboren wurden. Er wird uns segnen. Das ist im Herzen Gottes. Was kann uns nun noch fehlen, wenn uns der segnet, der war, ehe Himmel und Erde waren, und der noch sein wird, wenn Himmel und Erde nicht mehr sind? Wenn kein Himmel mehr Regen gibt und wenn keine Felder mehr tragen, dann ist Gott den Seinen noch immer die Quelle des Lebens und der Geber aller guten Gaben. Darum ist der von Gott selbst Gesegnete ewig und unendlich reich gesegnet.

Gesegnet seid ihr von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps 115:15

Der Himmel ist der Himmel des Herrn. Aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. Ps 115:16

Unsere Sache ist es nicht, den himmlischen Herrn infrage zu stellen, sondern unsere Pflicht als Menschen auf der Erde zu erfüllen. Er hat uns in seinem Wort gelehrt, wie wir auf ihr leben sollen. Die Erde nun ist das Werk seiner Hände. Unsere Bewunderung für seine Werke, für seine Schönheit, für alle seine Seiten wird mit solcher Kraft aus unserem Inneren aufsteigen, dass nichts unser Lob aufhalten kann. Mit glühenden Herzen und Lippen werden wir rufen. Unsere Bewunderung wird kein Maß kennen. Er ist ja unser Leben.

Die Toten rühmen den Herrn nicht, keiner, der zum Schweigen hinabfährt. Ps 115:17

Wir aber wollen den Herrn preisen von nun an bis in Ewigkeit. Hallelujah! Ps 115:18

Selbst wenn er für eine Weile kein Wunder tut und wir kein besonderes Eingreifen seiner Allmacht wahrnehmen, wollen wir doch kraft dessen, was er in vergangenen Zeiten getan hat, seinen Namen loben, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht. Auch unsere Trübsal und Niedergeschlagenheit der Seele soll uns nicht veranlassen, unsere Lobgesänge auszusetzen. Noch sollen Alter und zunehmende Schwäche und Gebrechlichkeit das himmlische Feuer in uns dämpfen. Sogar der Tod soll uns nicht dazu bringen, von dem köstlichen Werk abzulassen. Das Leben aber, das in uns ist, drängt uns dazu.

Psalm 116: Dank für die Rettung vor dem Tod

Ich liebe den Herrn. Ps 116:1

Ein seliges Bekenntnis! So kurz es ist, so reich ist es. O dass wir alle solch ein Herz in uns hätten. Am Anfang der Frömmigkeit steht immer die wahre Gottesliebe. Diese Gottesliebe ist das Feuer, das in unseren Herzen brennt. Wenn dieses Feuer der Gottesliebe hohe Flammen schlägt, dann heißt es Frömmigkeit. Diese Flammen können sein: Bereitschaft, Entschlossenheit und Sorgfalt im Leben nach dem Willen des Herrn. Ist die Liebe das Feuer, dann sind die Flammen die Frömmigkeit oder in einem anderen Bild: Ist die Liebe eine Pflanze, dann ist die Frömmigkeit ihre Blüte. So hat die ganz Gott hingegebene Seele nichts anderes zu tun, als in Gottes Umarmung zu ruhen, wie ein Kind im Schoße der Mutter. Franz von Sales


Er hat erhört meine Stimme und mein Flehen. Ps 116:1

Er hat sein Ohr zu mir geneigt. Darum will ich ihn anrufen mein Leben lang. Ps 116:2

Der Herr beugte sich nieder von seiner Erhabenheit, um auf meine Bitten zu lauschen. Hier ist wohl das Bild eines sorgsamen Arztes oder eines liebevollen Freundes gezeichnet, der sich über einen Kranken, dessen Stimme schwach und kaum hörbar ist, neigt, um jeden Ton aufzufangen, auch das leiseste Flüstern zu vernehmen. Wenn unser Beten sehr schwach ist, sodass wir es selber kaum hören und zweifeln, ob das überhaupt gebetet heiße, leiht er uns dennoch ein hörendes Ohr und beachtet unsere demütig flehenden Bitten.

Die Fesseln des Todes umfingen mich und die Ängste des Totenreichs trafen mich. Ich kam in Drangsal und Kummer. Da rief ich den Namen des Herrn an: Ach, Herr, errette meine Seele! Ps 116:3-4

Der Herr ist gnädig und gerecht, ja, unser Gott ist barmherzig. Ps 116:5

Und unser Gott ist barmherzig, von zärtlich mitempfindender, teilnehmender Liebe. Wir, die wir uns ihm als unseren Gott im Glauben anvertraut haben, hegen keinen Zweifel an seiner Barmherzigkeit, denn er wäre nie unser Gott geworden, wenn er nicht der Erbarmer wäre. Die Hilfe Gottes ist dabei ebenso mannigfaltig wie unsere Bedürftigkeit. Er hilft mir das Schwerste zu tragen und dabei das Größte zu hoffen; hilft mir zu beten, dass es am ernstlichen Verlangen nach Hilfe nicht fehle, und hilft mir zu warten, sonst würde mein Glaube aufhören.

Der Herr behütet die Einfältigen. Ich war ganz elend, aber er half mir. Ps 116:6

Kehre zurück, meine Seele, zu deiner Ruhe, denn der Herr hat dir wohlgetan! Ps 116:7

Wenn wir innerlich unruhig werden, also die innere Ruhe verlieren, dann sollten wir erneut das Suchen beginnen, um sie so wieder zu finden. Diese Ruhe sollen wir wir nur bei Gott suchen, denn nur bei ihm werden wir sie finden. Wie das Vöglein zu seinem Nest fliegt, so eilt seine Seele zu seinem Gott.

Durch wie viele Stürme deines Lebens hat Gott dich schon getragen? In beunruhigenden Lebenssituationen halte kurz an, besinne dich ganz konkret auf Gottes gute Taten in deinem bisherigen Leben und dann schau auf das, was jetzt vor dir liegt und dich beunruhigt und wiederhole, die Zusage, die Gott uns in der Schrift gegeben hat: Auch hierbei werde ich dir helfen. Vielleicht nicht so wie wir uns das vorstellen, aber er hilft.

Du hast meine Seele vom Tod errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Fall. Ps 116:8

Der dreieine Gott hat uns eine dreieine Erlösung geschenkt: Er ist unser Erretter. Aufgrund des Erlösungswerks des Herrn Jesus hat Gott uns aus unserem verlorenen Zustand errettet und zu sich gebracht. Als Gerettete oder Erlöste sind wir nun seine geliebten Kinder. Er ist unser Tröster. Es gibt keine Umstände, in denen Er uns nicht trösten könnte. Er ist unser Bewahrer. Der Glaubensweg verläuft nicht immer problemlos. Der Weg in der Nachfolge des Herrn schmal.Unser Gott und Vater weiss um diese Gefahren und will uns vor einem Sturz bewahren. Darum wollen wir nahe bei Ihm bleiben.

Wir sollten uns nicht zufrieden geben, bis wir uns dieser dreifachen Errettung bewusst sind.

Ich werde wandeln vor dem Herrn im Land der Lebendigen. Ps 116:9

Der Glaubende bedenkt allezeit, dass Gott gegenwärtig ist. Er handelt unter dem Einfluss seines allsehenden Auges. Wir wissen, dass Gott uns in besonderer Weise nahe ist und wir in ihm ruhen dürfen. Wer in Gott ruht, kann nicht anders als vor seinen Augen zu wandeln, und indem wir vor Gott wandeln, kommen wir dazu, in Gott zu ruhen. Das Zurückkehren zu dieser Ruhe ist eine Tat des Glaubens, das Wandeln vor Gott eine Tat des Gehorsams.

Ich habe geglaubt, darum rede ich. Ich wurde aber sehr gebeugt. Ps 116:10

Herz und Zunge sollten zusammengehen. Die Zunge sollte stets der Dolmetscher des Herzens und das Herz allezeit der Einflüsterer der Zunge sein. So sollte es sein bei allem, was wir mitteilen oder wo wir ermahnen, besonders aber dann, wenn wir über die göttlichen Dinge reden. Achten wir immer auf unsere Sprache. Auf hastiges Reden folgt bittere Reue. Es ist viel besser, wir sind still, wenn unser Gemüt aufgeregt und bestürzt ist. Denn es ist leichter etwas gesagt, als das Gesagte wieder zurückgenommen und gutgemacht. Wir können unsere Worte bereuen, aber wir vermögen nicht, sie wieder zurückzurufen und das Unheil, das sie angerichtet haben, un geschehen zu machen.

Ich sprach in meiner Bestürzung: Alle Menschen sind Lügner! Ps 116:11

Wie soll ich dem Herrn vergelten all seine Wohltaten an mir? Ps 116:12

Gott ist der Schenkende. Gott gefällt das so. Der Herr sendet jedem von uns besondere Wohltaten, so möge denn auch jeder fragen: Was genau sind diese Wohltaten? Wie zeige ich meine Dankbarkeit. Dankbare Liebe und Treue ist ein Grundzug der echten Frömmigkeit. Was können wir also besseres tun, als bei ihm bleiben und uns weiter von Gottes Güte froh machen lassen.

Den Kelch des Heils will ich nehmen und den Namen des Herrn anrufen. Ps 116:13

Welch kostbarer Kelch ist das! Auf dem Tisch der unendlichen Liebe steht der voll eingeschenkte Segensbecher. Uns steht es zu, ihn im Glauben zur Hand zu nehmen, ihn uns persönlich zu eigen zu machen und daraus zu trinken und dann mit fröhlichem Herzen den Gnädigen und Barmherzigen zu loben und zu preisen, der ihn uns gefüllt hat, damit wir trinken und erquickt werden. Wir können das am Tisch des Herrn tun und geistlich jedes Mal, sooft wir den Kelch des Bundes im Glauben ergreifen.

Meine Gelübde will ich dem Herrn erfüllen, ja, vor seinem ganzen Volk. Ps 116:14

Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Getreuen. Ps 116:15

Welch eine Quelle des Trostes für jene, die am Sterben sind, dass Gott uns nicht im Stich lässt, wenn wir seine Kraft und seinen Trost am meisten brauchen, dass Gott uns in der schwersten Stunde unseres ganzen diesseitigen Daseins zu erhalten vermag, dass Gott den Ort erleuchtet, der von allen der finsterste, freudloseste, schrecklichste ist, das Tal der Todesschatten.

Ach, Herr, ich bin ja dein Knecht, ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd. Du hast meine Fesseln gelöst. Ps 116:16

Ich erkenne es mit Freuden an, dass ich dein bin, rechtmäßig, wahrhaftig, von ganzem Herzen, auf immer dein, denn du hast mich befreit und erlöst. Es kann in der Tat keine größere Ehre geben, als einem solchen Herrn zu dienen. Denke doch nicht etwa, dass du Gott ehrst, indem du ihm dienst. Vielmehr ist das die Weise, wie Gott dich ehrt, indem er dir gestattet, sein Knecht zu sein. Wir sind nur Verwalter. Was uns verliehen wurde, ist nicht unser Eigen, sondern soll in des Meisters Dienst nutzbar gemacht werden.

Dir will ich Dankopfer darbringen und den Namen des Herrn anrufen. Ps 116:17

Psalm 117: Alle Welt lobt Gott

Lobt den Herrn, alle Heiden! Preist ihn, alle Völker! Ps 117:1

Die ist der kürzeste Psalm und doch ist er umfassend, weil er die ganze Menschheit aufruft, Gott zu loben. Es ist erstaunlich, dass der Psalm aus der einzigartigen Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel keinen religiösen Alleinvertretungsanspruch ableitet. Keinen Hochmut des Glaubens. Paulus zitiert diesen Psalm in Römer 15,11, um zu zeigen, dass Gottes Errettung allen Menschen gilt.

Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker!Röm 15:11

Denn seine Gnade ist mächtig über uns und die Treue des Herrn währt ewig. Hallelujah! Ps 117:2

Der Psalm gibt uns zwei Gründe, Gott zu loben: seine große Gnade, die uns gilt, und seine Treue, die für alle Zeiten Bestand hat. Gnade heißt: Annahme ohne jegliches Verdienst, ohne jegliche Eigenleistung, ohne jegliches Gutmenschentum. Gnade als ein überaus wertvolles und unverdientes Geschenk. Und Treue! Gott steht zu seiner in Christus begegnenden gnädigen Annahme, komme was da wolle. Es geht um Gottes Gnade und Treue, die über unserer armen und zerrissenen Welt in Ewigkeit waltet. Das ist die Botschaft. Eine bessere gibt es nicht.

Psalm 118: Dank für Gottes Gnade

Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, ja, seine Gnade währt ewiglich! Ps 118:1

Seine Güte ist der Grund, weswegen wir danken. Güte ist sein Wesen, seine eigenste Natur. Die schönsten irdischen Freuden vergehen, ja die Welt selbst wird alt und geht der Auflösung entgegen. Aber in der Gnade Gottes gibt es keine Veränderung. Gottes Gnade ist ewig. Wir sollen diese Gnade Gottes nicht bloß still im Herzen glauben, sondern sie auch verkündigen. Die Wahrheit will nicht geheim gehalten, sondern laut ausgerufen sein.

So sollen denn, die den Herrn fürchten, sprechen: Ja, seine Gnade währt ewiglich! Ps 118:4

Ich rief zum Herrn in meiner Not. Ps 118:5

Rufen musst du lernen und nicht dasitzen bei dir selbst, den Kopf hängen lassen und schütteln und mit deinen Gedanken dich beißen und fressen, sorgen und suchen, wie du sie los werdest, und nichts an deres ansehen, als das, wie übel es dir gehe, wie wehe dir sei, welch elender Mensch du seist. Sondern wohlauf, auf die Knie gefallen, die Hände und Augen gegen Himmel gehoben, einen Psalm oder Vaterunser vorgenommen und deine Not mit Weinen vor Gott dargelegt, geklagt und angerufen. Martin Luther

Der Herr antwortete mir und befreite mich. Ps 118:5

Gebete in der Not kommen aus dem Herzen und gehen zum Herzen Gottes. Beim Aussprechen mag das Gebet für uns zuweilen einen bitteren Beigeschmack haben, aber wenn es erhört wird, ist es süß. Unsere tiefste Not nun ist die Sünde. Wir waren in tiefer Not wegen der Sünde, aber das Gebet des Glaubens wurde erhört und wir erhielten die Freiheit der völligen Rechtfertigung, womit Christus uns frei machte. So sind wir nun wahrhaft frei. Es war der Herr, der es getan hat und wir schreiben seinem Namen alle Ehre zu.

Der Herr ist für mich, ich fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun? Der Herr ist für mich, er kommt mir zu Hilfe. Ps 118:6-7

Deutlicher kann man nicht sagen, was Gnade ist. Der Herr ist für uns! Luther nennt dies die Kunst über alle Kunst, nicht auf Menschen, sondern auf den lebendigen Gott zu vertrauen. Ich berge mich vollständig bei Gott und vertraue ihm ganz. Ich suche bei ihm Zuflucht, bin bei ihn ganz geborgen und geschützt, unabhängig davon, ob unbedeutende oder bedeutende Menschen sich positiv oder negativ zu mir verhalten.

Besser ist es, bei dem Herrn Schutz zu suchen, als sich auf Menschen zu verlassen; Ps 118:8

Sie haben mich umringt wie Bienen. […] Ich wehrte sie ab im Namen des Herrn. Du hast mich hart gestoßen, dass ich fallen sollte. Aber der Herr half mir.Ps 118:12-13

Wie die Biene mit dem Stechen sich selber zugrunde richtet und mit ihrem Stachel ihr Leben oder ihre Macht verliert, so ist es mit ihnen. Alles, was die Feinde der Gemeinde Christi zu tun vermögen, ist, dass sie das Volk des Herrn äußerlich quälen. Die Wunden, die sie zufügen, sind wie der Stich einer Biene. Er schmerzt und verursacht eine Schwellung, aber es ist eine vorübergehende Pein, keine tödliche Wunde. Dreimal wird wiederholt, dass der Beter die Angriffe abwehrte. Ausgangsbasis dazu ist die starke Rechte Gottes, also sein wirksames Handeln, und gewiß nicht die schwache und unsichere Hand des Menschen. Aus diesem Grund führt die Freude über den Sieg über das Böse zu einem eindrucksvollen Glaubensbekenntnis.

Der Herr ist meine Stärke und mein Lied, und er wurde mir zum Heil. Ps 118:14

Nun kann ich wieder fröhlich singen. Ps 118:14

Du singst, ja, du singst wirklich, ich höre es. Aber gib acht, dass dein Leben nicht gegen deine Zunge Zeugnis ablegt. Singt mit der Stimme, singt mit dem Herzen, singt mit eurem Mund, singt mit eurem Verhalten: Singet dem Herrn ein neues Lied. Du fragst dich, was du singen sollst für den, den du liebst, und du suchst nach Lobliedern, die du ihm singen kannst Das Lob, das gesungen werden soll, ist der Sänger selbst. Du willst Gott Loblieder singen? Sei selbst, was du singst. Du bist sein Lob, wenn du gut lebst. Augustinus

Stimmen des Jubels und des Heils ertönen in den Zelten der Gerechten: Die Rechte des Herrn hat den Sieg errungen! Ps 118:15

Erklingt dieser Jubel nach einem Sieg oder löst er den Sieg Gottes aus? Vom Text her ist beides möglich und stimmt beides! Lob und Sieg sind eigentlich ein- und dasselbe! Gotteslob und die Erfahrung von Gottes Sieg gehören zusammen! Wer Gottes Eingreifen erlebt, wird Gott danken und loben. Und wer Gott dankt und ihn lobt und preist, der erlebt Gottes Eingreifen! Die Gerechten erkennt man an ihrem Gotteslob und Lobgesang! Meckerer und Miesmacher sind immer auch in Rebellion gegen Gott und Gottes Wege. Sie sitzen deshalb im Finstern und bleiben dort, wenn sie sich nicht besinnen, wenn sie nicht umsinnen, umkehren und umdenken.  Stephan Zeibig

Die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn hat den Sieg errungen! Ps 118:16

Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten des Herrn verkünden. Ps 118:17

Da Christus vom Tod auferstanden ist, werden wir nicht sterben, sondern leben. Wir haben mit dem ewigen Tod nichts mehr zu schaffen, sondern wir werden in dieser Welt das Leben der Gnade und in der zu künftigen das Leben der Herrlichkeit leben, auf dass wir in beiden Welten die Werke des Herrn verkündigen und das Lob Gottes, unseres Heilands, singen. Wohl werden wir gezüchtigt um unserer Sünden willen, aber das ist uns nun gerade ein Beweis, dass wir nicht dem Tod hingegeben werden. Bischof Dr. George Horne.

Der Herr hat mich wohl hart gezüchtigt. Aber dem Tod hat er mich nicht preisgegeben. Ps 118:18

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und den Herrn preise! Ps 118:19

Der Herr Jesus ist diesen Weg vorangegangen und er hat nicht nur das Tor weit geöffnet, sondern auch allen denen, die durch seine Gerechtigkeit gerecht geworden sind, den Eingang verbürgt. Alle Gerechten müssen und sollen dahin eingehen. In einem anderen Bild ist unser Heiland selbst diese Tür und alle Gerechten freuen sich, durch ihn als den neuen und lebendigen Weg zum Herrn zu kommen. Jesus ist es, der durch seinen Tod und durch seine Auferstehung den Sünder gerecht gemacht hat und ihm den neuen und lebendigen Weg vor Gottes Angesicht geöffnet hat.

Dies ist das Tor des Herrn. Die Gerechten werden durch es eingehen. Ps 118:20

Ich danke dir, denn du hast mich erhört und wurdest mein Heil! Ps 118:21

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Ps 118:22

Der Vers wird im Neuen Testament sechs Mal zitiert. Er ist der lebendige, köstliche Stein. Christus ist der Eckstein. Es gibt kein Bauen, es sei denn auf ihm. Es gibt keine Verbindung und Aussöhnung, keinen Zusammenhalt, außer in ihm. Der verworfene Stein bezeichnet sein Leiden und Sterben. Aber Gott der Herr erweckte ihn von den Toten und erhöhte ihn zum Haupt über seine Gemeinde. Seither ist unser aller Zuversicht.

Es ist wunderbar in unseren Augen! Ps 118:23

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Wir wollen uns freuen und fröhlich sein in ihm! Ps 118:24

Es ist hier mit dem Tag, den der Herr gemacht hat, jener Tag gemeint, an dem der Messias Erlösung für sein Volk wirkte. Es ist der Tag, an dem Jesus auferstanden ist, an dem Gott gezeigt hat: das ist mein Sohn, der meine Anerkennung hat und an dem das Heil hängt. Der Auferstehungstag unseres Herrn ist ein neuer Tag, den Gott selbst gemacht hat. Er ist das Morgenrot des herrlichen neuen Bundes.

Ach, Herr, hilf! Ach, Herr, lass wohl gelingen! Ps 118:25

Gepriesen sei der, welcher kommt im Namen des Herrn! Wir segnen euch vom Haus des Herrn aus.Ps 118:26

In den Tagen des Psalmisten war er der Kommende, und auch heute ist er immer noch der Kommende, obwohl er schon gekommen ist. Wir haben unsere Hosiannas für ihn bereit, wie für sein erstes, so für sein zweites Kommen. In der Tiefe unserer Seele beten wir ihn dankbar an, preisen ihn und erflehen unaussprechliche Freuden auf sein Haupt.

Der Herr ist Gott, er hat uns Licht gegeben. Ps 118:27

Er schuf den Tag des Heils, dass er über uns leuchte wie die Sonne und er ließ unser Angesicht leuchten im Licht jenes Tages. Darum gebührt ihm allein alle Ehre für unsere Erleuchtung. Wohlan, lasst uns von ganzem Herzen den großen Vater des Lichts preisen. Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet, der uns das Licht des Rats gibt, dass wir wissen, was wir tun sollen, und das Licht des Trostes bei dem, was wir tun, oder nach allem, was wir gelitten haben. Ein Licht leuchtet uns nicht nur, dass wir dabei unsere Arbeit tun können, sondern es macht uns getrost und heiter bei der Arbeit. Es ist das Licht süß, und den Augen lieblich, die Sonne zu sehen.

Du bist mein Gott, ich will dich preisen! Mein Gott, ich will dich erheben! Ps 118:28

Der Psalm 118 ermutigt die Christen, im Osterereignis Jesu jenen Tag zu erkennen, »den der Herr gemacht hat« (V. 24) und an dem »der Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden ist« (vgl. V. 22). Mit dem Psalm können sie daher voller Dankbarkeit singen: »Meine Stärke und mein Lied ist der Herr;er ist für mich zum Retter geworden« (V. 14). »Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;wir wollen jubeln und uns an ihm freuen« (V. 24). 

Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, ja, seine Gnade währt ewiglich! Ps 118:29