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Psalm 130 bis 139

Psalm 130: Aus der Tiefe

Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr. Ps 130:1

Das ist ein Bekenntnis, dass die eigene Armut und Hilflosigkeit erkennt. Wir empfinden, dass wir in der Tiefe liegen, wenn wir niedergeschlagen oder verzweifelt sind. Je größer unsere Not ist, desto tiefer ist der Glaube, der mutig auf den Herrn vertraut und darum ihn allein anruft. Tiefe Fluten erzeugen tiefes Gebet. Er, zu dem wir rufen, ist unendlich viel höher als wir. Der Herr selbst streckt seine Hand aus von der Höhe und zieht mich aus der Tiefe. Wer aus den Tiefen zu Gott schreit, der wird bald auf Höhen singen.

Indem er aus der Tiefe ruft, steigt er aus der Tiefe empor und gerade dass er ruft, das macht, dass er nicht lange in der Tiefe bleibt. Augustinus.

Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren aufmerksam sein auf die Stimme meines Flehens! Ps 130:2

Dass Gott unsere Stimme höre, ist alles, was wir begehren. Mit nichts weniger können wir uns zufriedengeben. Wenn er uns nun hört, so wollen wir es seiner Weisheit überlassen, was er dann zu tun für gut findet. Beachte: Wenn der Herr uns die unbedingte Zusage geben würde, alle unsere Bitten nach ihrem Wortlaut zu erhören, so könnte das uns mehr zum Unglück als zum Segen gereichen. Dann würde die Verantwortlichkeit für die Gestaltung unserer Lebensschicksale auf uns selber lasten und wir kämen nicht mehr aus der Angst und Sorge heraus. Da aber der Herr unsere Bitten hört, sie liebevoll beachtet und erwägt, können wir unser Herz in ihm stillen. Dass er unser Flehen hört, ist uns genug.

Wenn du, o Herr, Sünden anrechnest , Herr, wer kann bestehen? Ps 130:3

Ich sehe meine Sünden. Sie sind nicht nur Schwächen, sondern Verschuldungen. Ich kann nur beten: O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig! Wenn nicht Jesu Blut für uns sei, wie könnten wir hoffen zu bestehen? Ich werde es nie begreifen, warum der Vater bereit war, alles auf seinen Sohn zu legen. Ich sinke vor ihm nieder, und stammle ihm, so gut ich kann, meinen Dank. Bei ihm ist Vergebung! Nicht bei Menschen, sondern bei ihm. Er, der als Einziger die ganze Tiefe der Sünde ermisst, der genau weiß, wie groß ihre Schuld ist, er spricht frei von der Schuld. Wir sind auf seine Gnade angewiesen, auf seine unverdiente Vergebung.

Bei dir ist die Vergebung. Ps 130:4

Ich harre auf den Herrn, meine Seele harrt, und ich hoffe auf sein Wort. Ps 130:5

Zweimal steht hier dieses Wort harren, was soviel wie warten heißt. Wir mögen es nicht, zu warten. Warum? Weil wir keine Macht auf das erwünschte Geschehen haben, sondern nur warten können, bis das Erhoffte eintritt. Wir wollen aber unser Geschick selbst lenken. Wir kommen nicht umhin, warten zu lernen, d.h. in Demut Gottes Stunde abwarten können. Ich kann die Art und die Stunde seines Eingreifens nicht bestimmen. Bis er mir zur Hilfe erscheint, muss ich weiter harren, die Hoffnung festhaltend auch in den Tiefen. Also warte ich still auf Gottes Handeln. Er tue mit mir, wie es ihm gefällt!

Schon das Warten selbst ist uns heilsam und nützlich. Es erprobt unseren Glauben, übt uns in der Geduld, lehrt uns volle Ergebung und macht uns die Hilfe umso wunderbarer, wenn sie dann kommt.

Ich hoffe auf sein Wort. Ps 130:5

Ein Wort vom Herrn ist der Seele des Gläubigen wie nahrhaftes Brot. Ist sie durch diese Speise erquickt, so vermag sie auszuharren durch die lange Nacht des Leidens, dem Anbruch der Freude erwartungsvoll entgegenschauend. Bei diesem Warten versenken wir uns forschend in das Wort, glauben wir an das Wort, hoffen wir auf das Wort, leben wir von dem Wort und dies alles, weil es sein Wort ist, das Wort dessen, der nie ein vergeblich Wort geredet hat. Des Herrn Wort ist ein fester Grund, darauf ein harrendes Menschenherz ruhen kann.

Meine Seele harrt auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die Wächter auf den Morgen. Ps 130:6

Die Wächter damals warteten auf einen Morgen, von dem sie wussten, dass er kommt. Noch mehr weiß ich im Glauben: Es wird hell werden, auch wenn ich jetzt noch eine Zeit lang im Dunkel sitzen mag. Es naht der Tag und mit ihm kommt das süße Licht der Sonne. Ich warte allein auf den Herrn. Schon in diesem Warten finde ich mehr wahre Befriedigung, als die ganze Welt mir mit allen ihren Genüssen bieten kann. Was wird dann erst der Lohn meines Wartens sein, wenn schon das Warten selbst mir so gesegnet ist.

Ein Christ ist ein Mensch, der warten kann. Hermann von Bezzel

Bei dem Herrn ist die Gnade und bei ihm ist Erlösung in Fülle. Ps 130:7

Wie groß ist der Gegensatz zwischen dem Anfang und dem Ende dieses Psalms! Er beginnt in der Tiefe der Verzweiflung und endet mit der Gewissheit der Erlösung. Der letzte Vers ist so eine deutliche Weissagung auf das erste Kommen des Herrn Jesus. Gnade und Erlösung werden uns in Christus geschenkt. An uns liegt es, zu glauben. Guardini schreibt dies so: Ein Mensch kann sich nicht selbst erlösen. Die Erlösung ist Gottes Werk. Sie ist vollständig abgeschlossen. Der einzelne Mensch braucht sie nur noch anzunehmen.

Ja, er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. Ps 130:8

Psalm 131: Zufrieden bei Gott

O Herr, mein Herz ist nicht hochmütig, und meine Augen sind nicht stolz. Ps 131:1

Das Herz ist der Mittelpunkt unseres ganzen Wesens. Ist da Hochmut vorhanden, so wird unser ganzes Leben davon befleckt werden, gerade wie Unreinigkeit in der Quelle den ganzen Bach trüb macht. Darum: Herr, mache uns demütig und bewahre uns in der Demut. Halte uns für immer fest in ihr. Wirke so an uns durch deine Gnade, dass wir in der Lage seien, das Bekenntnis dieses Verses mit voller Aufrichtigkeit vor dir, dem Richter aller Welt, als unser eigenes abzulegen.

Ich gehe nicht mit Dingen um, die mir zu groß und zu wunderbar sind. Ps 131:1

Mit den großen und zu wunderbaren Dingen sind Gottes verborgene Ratschlüsse gemeint. Ich suche nicht Gottes Tiefen zu ergründen. Ich halte meinen Verstand bei Weitem nicht dafür gewachsen. Aber es verlangt mich, in gewissem Maß deine Wahrheit zu verstehen, an die mein Herz glaubt und die es liebt. Denn ich suche nicht, zu erkennen, um zu glauben, sondern ich glaube, damit ich erkennen möge.

Nein, ich habe meine Seele beruhigt und gestillt. Ps 131:2

Eher möchte einer den Ozean glätten, den Sturm beschwören oder einen Tiger zähmen, als sich selber zur Ruhe zu bringen. Wir sind von Natur voller Unruhe, zu Unzufriedenheit und Anmaßung geneigt, und gar mancher Sturm der Leidenschaft bringt uns in ungestüme Wallung. Nichts als die Gnade kann uns still machen unter Leiden, unter so mancherlei Reizungen, die auf uns eindringen, und den vielen Enttäuschungen des Lebens. Aber sie vermag es auch.

Wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele still in mir. Ps 131:2

Der Säugling kennt keine andere Lust als die Mutterbrust. Aber es muss der Tag kommen, an dem dem Kind die Brust nicht mehr gereicht wird und dann muss es lernen, mit festerer Speise zufrieden zu sein. Gott entwöhnt seine Kinder auch, indem er anfängt, ihnen Freuden und Tröstungen, die sie bisher genossen hatten, zu entziehen. Das Kind soll lernen, ihn zu suchen, bei ihm zu sein und an ihm zu hängen um seinetwillen, nicht um der Tröstungen willen, die es bisher immer begehrt und bekommen hat. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir geistlich dem Säuglingsstadium entwachsen sind, wenn wir zufrieden sind ohne jene Freuden, die wir einst für unverzichtbar hielten, und unsere Zufriedenheit finden in dem, der sie uns nicht mehr gibt. Spurgeon

Israel, hoffe auf den Herrnvon nun an bis in Ewigkeit!Ps 131:3

Der Pilger muss auf den Herrn harren und ihn den Weg vorausgehen lassen. Er darf ihm nicht vorauseilen wollen. Auf Erden müssen wir immer wieder zwischen Furcht und Hoffnung kämpfen, wobei aber die Hoffnung immer stärker sei in Anbetracht der Allmacht dessen, der uns beisteht. Wie immer eure Lage dabei sein mag, nie kann sie außerhalb des Bereichs von Gottes Macht und Gnade sein.

Psalm 132: Heiligtum auf dem Zion

Gedenke, o Herr, dem David alle seine Mühsal. Ps 132:1

Gedenke! Das ist ein sehr bedeutungsvoller Ausdruck. Wir wissen, dass der Herr an Noah gedachte, und siehe, die Sintflut nahm ein Ende. Er gedachte auch an die vielen nach Noah. Und wie gern kehren wir zu der Bitte des Verbrechers am Kreuz neben Jesus zurück: Herr, gedenke an mich (Lk 23,42)! Der Herr, der Unwandelbare, wird niemals uns vergessen. Die Vergangenheit liegt, gerade so wie die Zukunft, wie ein aufgeschlagenes Buch vor ihm. Unser Glaube stützt sich darauf, dass der Herr mächtig ist und allen denen zu Hilfe zu kommt, die ihr Vertrauen auf ihn setzen in all ihren mannigfaltigen Leiden und Mühsalen.

In Efrata bekamen wir Nachricht über die Bundeslade. Wir fanden sie dann im Gebiet von Jaar. Ps 132:6

David hörte endlich vom Verbleib der Bundeslade, nachdem sie lange Jahre vom Volk vergessen worden war. Er suchte sie und fand sie darum auch. Die Jünger des Johannes, die von Jesus gehört hatten, suchten auch und darum fanden sie, was sie suchten, nämlich den Ort, an dem der Herr wohnte. Wenn Christus auch im Wald wäre, so wird er doch gefunden werden von denen, die ihn suchen. Er ist ebenso nahe in der vom Wald umschatteten ländlichen Hütte wie in den offenen Straßen der Städte. Ja er wird selbst auf das Gebet antworten, das mitten aus dem dichtesten Urwald an ihn gerichtet wird, wo der einsame Wanderer alle Hoffnung fahren lassen zu müssen scheint, gehört zu werden. Unser Text reicht uns ein Beispiel dar von einem, dessen Herz darauf gerichtet war, den Ort zu finden, wo Gott mit ihm zusammentreffen würde.

Wir wollen kommen zu seiner Wohnung, wir wollen anbeten bei dem Schemel seiner Füße! Ps 132:7

Wir wollen kommen: wir sehnen uns danach, dort zu sein. Der Liebe wachsen Flügel. Sie eilt dem entgegen, wonach ihr Herz begehrt und will anbeten. Der Beter nennt die Bundeslade Gottes Fußschemel, um anzuzeigen, dass das Heiligtum nimmermehr das unermessliche Wesen Gottes zu fassen vermochte. Dies ist die einzige Stelle im Psalter, in der die Bundeslade erwähnt wird.

Mache dich auf, o Herr, zu deiner Ruhestätte, du und die Lade deiner Macht! Ps 132:8

Deine Priester sollen sich in Gerechtigkeit kleiden und deine Getreuen sollen jubeln. Ps 132:9

Das Kleiden in Gerechtigkeit ist das mit Gottes Willen vollkommen übereinstimmende, mit seinem Wohlgefallen gezierte Verhalten. Mit diesem herrlichen Kleid ist unser großer Hohepriester Christus allezeit geschmückt und er will, dass alle die Seinen den gleichen Schmuck tragen. Diese Gerechtigkeit wird nun in dem Psalm erbeten in Verbindung mit der Gnadengegenwart des Herrn. Daraus mögen wir lernen, dass Heiligkeit nur bei denen gefunden wird, die mit dem Herrn Umgang pflegen, und dass sie ihnen nur dadurch zuteilwird, dass er selbst ihre Seelen heimsucht. Gott will nur unter einem heiligen Volk wohnen.

Weise das Angesicht deines Gesalbten nicht ab! Ps 132:10

Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen! Ps 132:11

Wir wissen, dass dieser Bund in seinem tiefsten Sinn mit Christus geschlossen worden ist. Christus also sitzt auf einem sicheren Thron für immer und ewig. In Christus hat der Vater uns erwählt. Der Herr hat die Seinen erwählt, darum sind sie sein Volk. Er hat die Gemeinde erwählt, darum ist sie, was sie ist. Seine Liebe will denen nicht fern bleiben, die sie sich erwählt hat. Ja, Gott verlangt danach, bei denen zu wohnen, die er mit ewiger Liebe umfangen hat. In Christus nun wohnt er bei uns 

Denn der Herr hat Zion erwählt, hat sie zu seiner Wohnung begehrt. Dies ist für immer meine Ruhestatt, hier will ich wohnen; denn ich habe sie begehrt. Ps 132:13-14

Ihre Nahrung will ich reichlich segnen, ihre Armen sättigen mit Brot. Ps 132:15

Es muss ja so sein. Wie könnten wir ohne Segen sein, wenn der Herr in unserer Mitte ist? Der darauf ruhende Segen wird in uns bewirken, dass wir das göttliche Lebensbrot im Glauben nehmen, es tatsächlich essen, d. h. in der Erfahrung seine Kraft erproben, dadurch wachsen in der Heiligung, dadurch gestärkt werden zur Arbeit, dadurch erquickt werden zum Ausharren in Geduld, dadurch ausreifen zur Vollkommenheit. Wo Gott wohnt, da hat sein Volk genug. Sie sollen sich an dem sättigen, was der Herr selber Brot nennt, und wir dürfen ganz gewiss sein, dass er weiß, was wirklich Brot für die Seele ist.

Ihre Priester will ich mit Heil bekleiden, und ihre Getreuen sollen jubeln. Ps 132:16

Gott ist’s gewohnt, zu tun überschwänglich über alles, das wir bitten oder verstehen. Die Gerechtigkeit ist nur ein Stück des Segens, das Heil dagegen ist die ganze Fülle. Diese werden von dem Herrn selbst eingekleidet, und niemand vermag so zu kleiden wie er. Wenn schon die Lilien auf dem Feld von ihrem Schöpfer so bekleidet sind, dass sie selbst Salomo in aller seiner Herrlichkeit übertreffen, wie herrlich werden erst seine Kinder gekleidet. Eine Leuchte wird ihnen zugerichtet. Welch eine Leuchte ist unser Herr Jesus! Wie der alte Simeon schon es aussprach: Ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und Herrlichkeit für dein Volk Israel (Lk 2,32). Er ist jetzt schon hier auf Erden unser Licht, und er wird das Licht des Himmels sein.

Dort will ich dem David ein Horn hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Gesalbten. Ps 132:17

Psalm 133: Leben in Gemeinschaft

Siehe, wie fein und wie lieblich ist es, wenn Brüder in Eintracht beisammen sind! Ps 133:1

Liebe jeden mit echter Nächstenliebe. Freundschaft dagegen schenke nur solchen, die mit dir Verbindung in wertvollen Dingen aufnehmen können. Ich spreche hier nicht von der einfachen Nächstenliebe, die wir allen Menschen schulden, sondern von der geistlichen Freundschaft, in der zwei, drei oder mehr Seelen einander ihre Frömmigkeit mitteilen, ihre geistigen Empfindungen austauschen und eins werden im Geist. Solch ein Zusammenleben ist wohltuend wie frischer Tau. Dort schenkt der Herr seinen Segen. Wie schön ist es, herzlich verbunden zu sein. Mit wem bist du auf diese Weise herzlich verbunden?

Wie schön und angenehm ist es, wenn Brüder in Frieden zusammenleben! Ps 133:1

Es ist so kostbar wie das duftende Öl, das in Aarons Bart hinabrann und in den Saum seines Priestergewandes. Ps 133:2

Die in Vers 1 beschriebene Gemeinschaft ist nur möglich durch das gute Öl auf dem Haupt. Das Öl fließt herab, denn es kommt von oben. Wahre Gemeinschaft ist ein Werk Gottes, unmöglich bei Menschen, aber möglich bei Gott, und dieses Werk wirkt er durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist. Der Heilige Geist verbindet die Brüder, indem er sie alle unter den Willen des Hauptes beugt. Das Öl fließt vom Haupt, von Christus, herab und öffnet uns die Augen dafür, dass nur einer zum Haupt erhöht ist, nur einer dem Leib zum Haupt gegeben ist

Es tut wohl wie der Tau, der vom Hermon stammt und Zion erfrischt, der sich senkt auf die Hügel der Stadt. Ps 133:3

Dort hat der Herr den Segen verheißen, Leben bis in Ewigkeit. Ps 133:3

Dies ist eine der ganz wenigen Stellen im Alten Testament, in denen vom ewigen Leben gesprochen wird. Dort verheißt er uns es, wo wir Christus folgen und lieben so wie er uns geliebt hat. Nicht eine Liebe, die da kommt und geht, sondern die Liebe, die nimmer aufhört. Nicht einen Geist der Zertrennung und Absonderung, sondern des einträchtigen Beisammenwohnens. Nicht ein Gemüt, das am Zanken und Hervorheben der Meinungsverschiedenheiten seine Freude hat, sondern dem mit anderen in Eintracht zusammengehen zu können eine Lust ist.

Psalm 134: Nächtliches Loblied

Wohlan, lobt den Herrn, all ihr Knechte des Herrn, die ihr im Haus des Herrn steht in den Nächten! Ps 134:1

Es genügt Ihm nicht, dass wir Ihm danken, Ihn um Verzeihung, um Gnade bitten: die drei Worte: „Danke, Verzeihung, Herr, hilf!“ sind zwar unerlässlich und müssen uns allezeit im Herzen und auf den Lippen sein; sie genügen indessen nicht, um so zu beten, wie wir beten sollen. Wir sollen ihn auch loben. Loben heißt, seine Bewunderung und damit seine Liebe ausdrücken; denn die Liebe ist unzertrennlich mit einer großen Bewunderung verbunden. Gott loben heißt, sich zu seinen Füßen in Worten der Bewunderung und Liebe verströmen, heißt, Ihm in allen Formen immer wieder sagen, dass Er unendlich vollkommen, unendlich liebenswert ist, dass Er unendlich geliebt wird, dass seine Schönheit ebenso grenzenlos ist wie unsere liebende Bewunderung. Charles de Foucauld

Erhebt eure Hände in Heiligkeit und lobt den Herrn! Ps 134:2

Das Aufheben der Hände zum Himmel ist Gebärde des Betens. Es deutet die Bereitschaft und das Verlangen, Segnungen vom Herrn zu empfangen. Wir sind nichts, wir vermögen nichts, wir haben nichts. Unsere Hände sind leer. Er ist alles, in ihm ist alles, er vermag alles. Wir flehen mit leeren Händen seinen Segen auf alle Pilger herab, die noch unterwegs sind zum Ziel.

Der Herr segne dich aus Zion, er, der Himmel und Erde gemacht hat! Ps 134:3

Der priesterliche Segen in diesem Vers stellt uns Gott in zweifacher Eigenschaft vor Augen, als den Schöpfer des Weltalls und als den Gott des Heils, der in Zion wohnt. Betrachte ich ihn als den Schöpfer Himmels und der Erde, so treten mir überschwänglich reiche Beweise vor Augen, dass er mich segnen kann. Betrachte ich ihn als den Gott der Gnade, der in seiner Gemeinde wohnt, so werde ich überzeugt davon, dass er mich segnen will. Beides ist für unseren Glauben wesentlich.

Psalm 135: Großer Lobpreis

Hallelujah! Lobt den Namen des Herrn! Lobt ihn, ihr Knechte des Herrn. Ps 135:1

Wir preisen unseren Gott nicht genug und wir können darin nicht zu viel tun. Lasst uns den Dreieinen mit Geist, Seele und Leib preisen. Lobpreist seine Vollkommenheiten und besinget mit heiligem Lied alles, was er von seinem Wesen offenbart hat. Versenkt euch forschend in sein Wesen und sein Walten. Der Herr ist gut. Er ist der Inbegriff alles Guten. Augustinus sagt: Er ist der Gute, von dem alles Gute und alle Guten herkommen, der Gute von allen Guten. Alles Gute tut er nicht, weil die Menschen gut sind, sondern weil er gut ist. In seinem Gut sein erwähnt er uns nun zu seinem kostbaren Eigentum und köstlichem Schatz.

Lobt den Herrn, denn gütig ist der Herr. Lobsingt seinen Namen, denn er ist lieblich! Ps 135:3

Der Herr hat sich Jakob erwählt, Israel zu seinem besonderen Eigentum. Ps 135:4

Ich weiß, dass der Herr groß ist […] Alles, was dem Herrn wohlgefällt, das tut er. Ps 135:5-6

Der Herr führt seinen Willen aus. Kein Himmel ist zu hoch, kein Abgrund zu tief, kein Land zu fern, kein Ozean zu weit für seine Allmacht. Er wird nie etwas tun, das ihm nicht wohlgefällt, das heißt, das gegen sein Wesen ist. Er kann nicht gegen seine Liebe verstoßen. In seiner Liebe erwählt er Sünder und gibt er seinen Sohn dahin. In seiner Macht als Schöpfer waltet er über die Natur. In seinem Erbarmen befreite er Israel aus Ägypten.

Er macht Blitze beim Regen und holt den Wind aus seinen Speichern hervor. Ps 135:7

Er sandte Zeichen und Wunder in deine Mitte, Ägypten, gegen den Pharao und alle seine Knechte. Ps 135:9

O Herr, dein Name währt ewig. Herr, dein Gedenken bleibt von Geschlecht zu Geschlecht! Ps 135:13

Gott ist für uns allezeit derselbe gnadenreiche, treue, Wunder wirkende Gott. Gottes offenbartes Wesen ist unwandelbar. Er ist allezeit Liebe, er ist allezeit Licht. Er ist allezeit der Allwissende und der Allmächtige. Es gibt keine Zeit und keinen Raum, in dem er in irgendeiner Weise aufhört, in all seinen Eigenschaften vollkommen zu sein. Auch seine Ehre wird bleiben in alle Ewigkeit. Immerdar wird in dem Namen Jesu für uns das Leben sein und Freude und Trost. Nie sollen die Menschen dich, unseren Herrn und Meister, vergessen. Nein, o du köstlicher Name, du wirst niemals untergehen! Du Ruhm des Ewigen, du wirst niemals erlöschen!

Der Herr wird seinem Volk Recht schaffen und Mitleid haben mit seinen Knechten. Ps 135:14

Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen haben sie und sehen nicht. Ohren haben sie und hören nicht, auch ist kein Odem in ihrem Mund. Ps 135:16-17

Ihr Mund betet nicht wirklich, ihre Augen sehen nicht die Wahrheit, ihre Ohren hören die Stimme des Herrn nicht, und das Leben aus Gott ist nicht in ihnen. Alle jene, die an ihre selbsterfundene Religion glauben, verraten damit große Torheit und einen völligen Mangel an dem lebendig machenden Geist. Menschenkinder, in denen die Gnade wirksam ist, vermögen es zu erkennen, wie unsinnig das ist, den wahren Gott zu verlassen und mit ihm konkurrierende Götter an seine Stelle zu setzen.

Ihnen gleich sind die, welche sie machen, ein jeder, der auf sie vertraut! Ps 135:18

Haus Israel, lobe den Herrn! Haus Aaron, lobe den Herrn! Haus Levi, lobe den Herrn! Die ihr den Herrn fürchtet, lobt den Herrn! Ps 135:19-20

Unsere Seele muss einer Blume gleichen, welche nicht allein den gütigen Einfluss des Himmels empfängt, sondern auch einen liebreichen Geruch als zur Dankbarkeit stets von sich duftet. So möge diese traute Gemeinschaft bei uns immerdar aufs Neue die innigste Dankbarkeit erwecken.

Gelobt sei der Herr von Zion aus, er, der in Jerusalem wohnt! Hallelujah! Ps 135:21

Psalm 136: Heilsgeschichte Israel

Der Psalm fasst die ganze Heilsgeschichte zusammen, von der das Alte Testament uns Zeugnis gibt. Es handelt sich um ein großes Loblied, das den Herrn in den zahlreichen immer wiederkehrenden Offenbarungen seiner Güte in der Geschichte der Menschheit preist. Der ganze Psalm 136 läuft in litaneiartiger Form ab, unterteilt von der antiphonalen Wiederholung »denn seine Huld währt ewig«. In dem Werk werden die vielen Wunder Gottes in der Geschichte der Menschheit sowie seine ständigen Eingriffe zugunsten seines Volkes aufgezählt. Und auf jede Verkündigung des Heilswirkens des Herrn antwortet die Antiphon, wobei der Hauptbeweggrund der Lobpreis ist: die ewige Liebe Gottes, eine Liebe, die Treue, Barmherzigkeit, Güte, Gnade, Fürsorge einschließt.

Dankt dem Herrn, denn er ist gütig. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:1

Es gibt Menschen, die sich das Leben selber schwer machen, weil sie nur das Negative sehen. Je mehr sie das Negative sehen, desto mehr werden sie durch ihr Erleben bestätigt. Sie ziehen kleine Unglücksfälle durch ihre pessimistische Sichtweise geradezu an. Im normalen Leben wird es einem oft gar nicht bewusst, dass der Mensch überhaupt unendlich mehr empfängt, als er gibt und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht. Der Mund, der unaufhörlich Dank sagt, empfängt den Segen Gottes. In dem Herzen, das stets Dankbarkeit erweist, verbleibt die Gnade.
All meine Hoffnung ruht in deinem reichen Erbarmen. Augustinus

Er ist gütig. Ps 136:1

Er ist seinem Wesen nach die Güte selbst, alles, was er tut, ist gut und seine Geschöpfe erfahren es immer neu, wie gütig er ist. Lasst uns ihm danken, dass wir geschaut, erprobt, geschmeckt haben, dass er freundlich ist. Er ist die Quelle alles Guten, der Erhalter des Guten, der Vollender des Guten und der Vergelter des Guten. Alles, was er tut, geschieht aus Liebe und Barmherzigkeit und weil seine Güte nimmer aufhört, wird er fortfahren, seine Liebestaten zu vervielfältigen.

Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:1

Diesen Kehrreim werden wir in jedem der 26 Verse des Liedes wiederfinden, doch wird es auch nicht ein einziges Mal zu oft sein. Der Psalmist will die Unermüdlichkeit der göttlichen Gnade ins Licht stellen und deren unerschöpflichen Reichtum. Es ist das Lieblichste, Kostbarste, was ein Mensch singen kann. Welche Freude, dass es Gnade gibt, und zwar göttliche, dauernde, ewig währende Gnade. Wir bedürfen ihrer stets, wir stellen sie immer wieder auf die Probe, wir beten stets aufs Neue um Gnade und empfangen immer wieder neue Wohltaten derselben. Darum lasst uns auch immerdar von ihr singen. Viel liebliche, köstliche Dinge sind in Gottes Wort, aber das Wort Gnade ist doch das süßeste in der ganzen Heiligen Schrift.

Dankt dem Gott der Götter; denn seine Gnade währt ewiglich! Dankt dem Herrn der Herren; denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:2-3

Wir wollen dem Herrn danken. Es ist recht, dass wir ihm danken, denn er ist Gott. Es ist recht, dass wir ihm danken, denn er ist gut, ja, er allein ist gut. Es ist immer gut, ihm zu danken, denn seine Güte währt immer. Wir ändern uns, die Menschen um uns ändern sich, unsere Lebensumstände ändern sich. Gott aber bleibt immer der gnädige, der gerechte, der reine und der heilige Gott. Der Strom seiner Gnade hört nie auf zu fließen. Darum danken wir ihm ungeachtet der Zeit und der Umstände. Wir danken ihm, ob wir uns gut fühlen oder nicht, wir danken ihm, ob wir besitzen, was wir begehren, oder nicht.

Ihm, der allein große Wunder tut. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:4

Je länger ich lebe, desto mehr staune ich, o mein Gott, über all die Werke deiner Hände. Ich sehe bewundernswerte Kunst in den allergeringsten Geschöpfe, dass ich bei deren Beobachtung Tag für Tag mehr staunen muss. Selbst wenn ich nur eine Spinne an meinem Fenster, eine Biene im Garten oder einen kleinen Käfer zu meinen Füßen betrachte, so werde ich schon von Staunen überwältigt. Er hat dabei keinen, der ihm die Gedanken eingibt, und keinen, der ihm bei der Ausführung hilft. Ganz aus eigenem Antrieb geht er ans Werk, und alles, was er wirkt, ist Gottes würdig. So haben wir also sonst niemand nötig, wir sind von allen anderen unabhängig. Alle unsere Quellen sind in ihm.

Dreierlei wird hier über Gott bezeugt, dass er Wunder tut, dass die Wunder, welche er wirkt, groß sind und dass er allein sie tut. Aurelius Augustinus.

Der die Himmel in Weisheit erschuf. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:5

Die geschaffene Welt ist nicht einfach nur ein Hintergrund, vor dem das Heilswirken Gottes stattfindet, sondern sie ist der Anfang jenes wunderbaren Wirkens. Durch die Schöpfung zeigt sich der Herr in all seiner Güte und Schönheit, er geht eine Bindung mit dem Leben ein und offenbart sein Wohlwollen, aus dem jedes andere Heilswirken hervorgeht. Benedikt XVI

Der die Erde über den Wassern ausbreitet […] Der große Lichter machte […] Die Sonne zur Beherrschung des Tages […] Den Mond und die Sterne zur Beherrschung der Nacht; denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:6-9

Der Ägypten schlug an seinen Erstgeborenen; denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:10

Der Übergang zur Offenbarung Gottes in der Geschichte beginnt mit dem großen Ereignis der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft, dem Exodus, der in seinen bedeutendsten Elementen dargelegt wird: die Befreiung aus Ägypten mit der Plage, die über die Erstgeburt Ägyptens kommt, der Auszug aus Ägypten, der Durchzug durch das Rote Meer, der Weg durch die Wüste bis zum Einzug in das Gelobte Land.

Und Israel aus ihrer Mitte führte; denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:11

Mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm; denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:12

Die Bildrede von dem ausgereckten Arm ist durchaus passend. Wir strecken den Arm aus, wenn eine besondere Kraftanstrengung erforderlich ist, und eben dies will der Ausdruck besagen, dass Gott eine außerordentliche, nicht eine gewöhnliche oder kleine Erweisung seiner Macht offenbart habe, als er sein Volk erlöste. Johannes Calvin.44

Der das Schilfmeer in zwei Teile schnitt […] und Israel mitten hindurchführte. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:13-14

Das Bild vom Roten Meer, das in zwei Teile zerschnitten ist, erinnert an die Idee vom Meer als einem großen Ungeheuer, das in zwei Teile zerschlagen und so außer Gefecht gesetzt wird. Die Macht des Herrn überwindet die gefährlichen Gewalten der Natur und die des von Menschen aufgestellten Heeres: Das Meer, das dem Volk Gottes den Weg zu versperren schien, läßt Israel trockenen Fußes hindurch ziehen und schließt sich dann wieder über den Ägyptern und verschlingt sie. Die starke Hand und der hoch erhobene Arm des Herrn zeigen sich so in all ihrer rettenden Kraft: Der ungerechte Unterdrücker ist besiegt, vom Wasser verschlungen, während das Volk Gottes hindurchzieht, um seinen Weg in die Freiheit fortzusetzen. Benedikt XVI

Und den Pharao samt seinem Heer ins Schilfmeer stürzte; denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:15

Der sein Volk durch die Wüste führte. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:16

Diese wenigen Worte enthalten eine Erfahrung von 40 Jahren, eine entscheidende Zeit für Israel: Indem es sich vom Herrn führen läßt, lernt es, aus dem Glauben, im Gehorsam und in der Fügsamkeit gegenüber dem Gesetz Gottes zu leben. Es sind schwere Jahre, die von der Härte des Lebens in der Wüste geprägt sind, aber auch glückliche Jahre, Jahre der Zuversicht auf den Herrn, des kindlichen Vertrauens. Wie der Hirte im Psalm 23 hat der Herr sein Volk 40 Jahre lang geführt. Er hat es erzogen und geliebt und ins Gelobte Land geführt, indem er auch die Widerstände und die Gegnerschaft feindlicher Völker überwunden hat, die seinen Heilsweg behindern wollten. Benedikt XVI

Der große Könige schlug […] Und mächtige Könige tötete; denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:18

Und ihr Land als Erbe gab. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:21

Im Lobpreis der immerwährenden Huld des Herrn wird jetzt das Geschenk des Landes in Erinnerung gerufen, ein Geschenk, das das Volk empfangen muß, ohne es sich jemals anzueignen. Es soll stets in einer Haltung erkenntlicher und dankbarer Annahme leben. Israel empfängt das Land, in dem es leben soll, zum Erbe: Dieser Ausdruck bezeichnet ganz allgemein den Besitz eines Gutes, das von einem anderen empfangen wurde, ein Eigentumsrecht, das sich insbesondere auf den väterlichen Besitz bezieht. Eine der besonderen Eigenschaften Gottes ist das Schenken und jetzt, am Ende des Exodus, tritt Israel, der Empfänger des Geschenks, wie ein Sohn in das Land der erfüllten Verheißung ein. Benedikt XVI

Als Erbe seinem Knecht Israel. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:22

Der an uns gedachte in unserer Niedrigkeit. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:23

Er gedachte an uns. Das ist ein Wort von tiefer, vielfältiger Bedeutung. Gedenken heißt sich jemandes erinnern, im Gegensatz zum Vergessen. Bei Menschen mag es je nachdem von wenig Belang für uns sein, ob sie unser gedenken. Bei Gott aber ist es nie nutzlos. Gedenken heißt zweitens an jemand oder etwas denken im Gegensatz zu Vernachlässigung. So hat Gott von uns und unserer Lage Kenntnis genommen. Drittens heißt es, mit vollem Mitgefühl jemandes gedenken, sich seine Lage erbarmend zu Herzen nehmen. Das gehört so recht zu Gottes Wesen. So hat Gott in rettender Liebe Israels gedacht.

Welch erstaunliche Güte ist es, wenn der Herr unser auch nur gedenkt, denn wie tief muss er sich herabneigen zu unserer Niedrigkeit!

Und uns von unseren Feinden erlöste. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:24

Die Sünde ist unser Feind, aber wir sind von ihr erlöst durch das kostbare Blut. Der Satan selbst ist unser Feind, aber wir sind von ihm errettet durch die Macht unseres Erlösers. Die Welt ist unser Feind, aber wir sind von ihr erlöst durch den Heiligen Geist. Wir waren in schrecklicher Sklaverei, aber wir sind befreit. O lasst uns von unserer Freiheit Gebrauch machen! Christus hat unsere Erlösung vollbracht. O lasst uns seinen Namen erhöhen!

Der allem Fleisch Speise gibt. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:25

Gott ist ein Gott, der das Universum mit seiner guten Gegenwart erfüllt, indem er für das Leben Sorge trägt und Brot gibt. Die unsichtbare Kraft des Schöpfers und Herrn offenbart sich im kleinen sichtbaren Brot, das er uns gibt, durch das er uns leben läßt. Und so symbolisiert und umfaßt dieses tägliche Brot die Liebe Gottes als Vater und öffnet uns hin zur neutestamentlichen Vollendung, zu jenem Brot des Lebens, der Eucharistie, die uns in unserem Leben als Gläubige begleitet und die ein Vorgeschmack ist auf die Freude des messianischen Mahls im Himmel.

Dankt dem Gott des Himmels. Denn seine Gnade währt ewiglich! Ps 136:26

Das ist auch für uns wichtig: Erinnerung an die Güte des Herrn zu besitzen. Die Erinnerung wird zur Kraft der Hoffnung. Die Erinnerung sagt uns: Gott ist da, Gott ist gut, seine Barmherzigkeit währt ewig. Und so öffnet die Erinnerung auch an einem finsteren Tag, in einer finsteren Zeit den Weg in die Zukunft: Sie ist das Licht und der Stern, die uns leiten. Auch wir besitzen eine Erinnerung an das Gute, an die barmherzige, ewige Liebe Gottes. Bereits die Geschichte Israels stellt auch für uns eine Erinnerung dar: daß Gott sich offenbart, sich sein Volk erschaffen hat. Dann ist Gott Mensch geworden, einer von uns: Er hat mit uns gelebt, er hat mit uns gelitten, er ist für uns gestorben. Er bleibt bei uns im Sakrament und im Wort. Es ist eine Geschichte, eine Erinnerung an die Güte Gottes, die uns seine Güte zusichert: Seine Huld währt ewig.

Psalm 137: Im fernen Babylon

Der Text erinnert an die Tragödie, die das jüdische Volk während der Zerstörung Jerusalems im Jahr 586 v. Chr. und der anschließenden Babylonischen Gefangenschaft erlebte. Wir haben das Klagelied eines Volkes vor uns, das von einer herben Sehnsucht nach dem Verlorenen gezeichnet ist. Dieser gramerfüllte Bittruf an den Herrn, seine Gläubigen aus der babylonischen Sklaverei zu befreien, drückt auch die Gefühle der Hoffnung und Heilserwartung aus. Benedikt XVI

An den Strömen Babels saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Ps 137:1

Wie nahe sollte es uns dann gehen, dass wir von dem Jerusalem, das droben ist, fern sein müssen! Ihr Jerusalem war ein irdisches, altes, ausgeplündertes, verbranntes, ein elender Schutthaufen. Unser Jerusalem ist ein himmlisches, ein neues, dahinein kein Pfeil dringen kann und wo kein Hall der Kriegstrompete und kein Feldgeschrei mehr zu hören ist.

An den Weiden, die dort sind, hängten wir unsere Lauten auf. Ps 137:2

Vergesse ich dich, Jerusalem, so erlahme meine Rechte! Ps 137:5

O Golgatha, o du Ölberg, o du Teich Siloah, wie duftet ihr doch von dem Namen, der über alle Namen ist! Kann ich je der Stätten vergessen, wo er so oft wandelte, wo er solch liebreizende Worte redete, wo er für uns Sünder starb? Kann ich es vergessen, dass seine Füße einst stehen werden auf dem Ölberg, der vor Jerusalem liegt gegen Morgen? Kann ich vergessen, dass dort in Jerusalem sich der Pfingstgeist auf die Jünger ergoss?

Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich nicht an dich gedenke, wenn ich Jerusalem nicht über meine höchste Freude setze! Ps 137:6

Psalm 138: Dank für Gottes Hilfe

Dir will ich danken von ganzem Herzen. Ps 138:1

Es ist noch nicht lange her, da warst du noch nicht auf der Welt. Du warst nicht. Gott hat dich aus diesem Nichts hervorgehen lassen, um dich zu dem zu machen, was du bist, ohne daß er dich gebraucht hätte, einzig durch seine Güte. Dankbarkeit steigt in mir auf. Ich will mir der Ehre bewußt sein, daß er mir das Leben geschenkt hat und es ausschließlich zur Erfüllung seines Willens gebrauchen. Mein Gott, ich opfere Dir das Sein auf, das Du mir gegeben. Ich schenke und weihe Dir mein Herz.

Ich will anbeten, zu deinem heiligen Tempel gewandt, und deinem Namen danken um deiner Gnade und Treue willen. Denn du hast dein Wort groß gemacht über all deinen Ruhm hinaus. Ps 138:2

Der Jude richtete sein Angesicht gegen den Tempel. Wir sollen aufblicken auf Jesus, den lebendigen Tempel der Gottheit. In Jesus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig und in ihm sehen wir die Herrlichkeit des Vaters. Das Fleisch gewordene Wort in Christus ist es, das da erschafft, erhält, belebt, erleuchtet und tröstet. Dieser Vers also findet seine klarste Deutung in dem messianischen Heil, in der in Christus erschienenen Gnade Gottes, die so hoch hinausgeht über alles, was man von Gott denken, sagen, ahnen und glauben konnte.

Der Name des Herrn, das heißt seine lebendige, tätige personale Wirklichkeit sowie seine Tugenden der Treue und Barmherzigkeit sind die Stütze unseres Vertrauens und jeder Hoffnung.

An dem Tag, da ich rief, hast du mir geantwortet. Ps 138:3

Er war schwach und elend, sein Herz war wund, Kraft und Mut hatten ihn verlassen. Da rief er, schrie er wie ein Kind zu seinem Vater. Es war ein dringendes, durchdringend ernstliches Beten, so ungekünstelt und so kläglich wie der Schrei eines kleinen Kindes. Der Herr antwortete darauf. Unser himmlischer Vater versteht sich auf die Sprache von Geschrei und Tränen, und er antwortet auf deren innersten Sinn in einer Weise, die völlig dem entspricht, was sein Kind dringend braucht. Die Antwort kam an dem gleichen Tag, da der Ruf emporstieg. So schnell dringt das Gebet zum Himmel, so hurtig eilt die Gnade zur Erde nieder.

Du hast mir Mut verliehen, in meine Seele kam Kraft. Ps 138:3

Wurde ihm die Last nicht abgenommen, so wurde ihm doch Kraft gegeben sie zu tragen, und diese Art der Hilfe ist ebenso wirksam. Es mag für uns nicht das Beste sein, dass die Prüfung schon ein Ende habe.
Es mag uns viel mehr noch zum Gewinn gereichen, wenn wir unter dem Druck der Not Geduld lernen. Trübsale und Leiden können köstliche Früchte hervorbringen, und unser weiser Vater im Himmel will nicht, dass wir um diese Segensernte kommen. Stärkt Gott uns mit Kraft von oben, so wird uns die Not keinen Schaden tun. Wen Gott stärkt, den kann niemand schwächen. Dann hat unsere Seele in der Tat große Kraft, wenn der Herr uns Mut und Kraft einflößt.

Sie werden singen von den Wegen des Herrn, denn groß ist die Herrlichkeit des Herrn! Ps 138:5

Der Herr ist erhaben und sieht auf den Niedrigen, und den Hochmütigen erkennt er von ferne. Ps 138:6

Der Herr ist hoch. Gott ist der Hohe und Erhabene, der ewig Thronende, der in der Höhe und als Heiliger wohnt, in einem Licht, da niemand zukommen kann. Sein Wesen ist hocherhaben. O wie unendlich ist der Abstand zwischen ihm und uns! Er nun blickt auf den Niedrigen mit Wohlgefallen, denkt an ihn mit liebender Fürsorge, hört auf sein Gebet und bewahrt ihn vor dem Bösen. Ob ich jetzt von Not um geben hingehen muss oder ob dies künftig auch mein Los sein wird, so habe ich doch keinen Grund zur Furcht. Denn der Herr ist bei mir und wird die erdrückende, tötende Kraft des Unglücks brechen und mir neue Lebenskraft geben.

Wenn ich mitten durch die Bedrängnis gehe, so wirst du mich am Leben erhalten. Ps 138:7

Gegen den Zorn meiner Feinde wirst du deine Hand ausstrecken, und deine Rechte wird mich retten. Ps 138:7

Es wird zusammenfassend von den wütenden Feinden gesprochen, gleichsam ein Symbol für alle Feindseligkeiten, die sich dem Gerechten auf seinem Gang durch die Geschichte in den Weg stellen können. Doch er weiß, und mit ihm wissen auch wir, daß ihn der Herr niemals verlassen wird, daß er seine Hand ausstrecken wird, um ihm zu helfen und ihn zu führen. Wir dürfen sicher sein, daß wir, so schwer und stürmisch die uns erwartenden Prüfungen auch sein mögen, niemals uns selbst überlassen bleiben, niemals aus den Händen des Herrn fallen werden, jenen Händen, die uns geschaffen haben und sich nun auf unserem Lebensweg um uns kümmern.

Der Herr wird es für mich vollbringen! Ps 138:8

Der Psalm endet mit Der Herr wird es für mich vollbringen! Später wird Jesu am Kreuz sagen: Es ist vollbracht. Der Psalm 138 ist ein Danklied für dieses Vollbrachtsein. Dadurch, dass er sich selbst zur Sünde gemacht hat, hat er uns gerecht vor Gott gemacht und diese Gnade währt ewig. Seine Schöpferhände haben unsere Seele erschaffen. Seine durchgrabenen Hände haben sie erlöst auf Golgatha. Seine verklärten Hände werden sie festhalten und nimmer lassen in Ewigkeit. Seinen Händen befehlen wir uns im Leben und im Sterben.

Herr, deine Gnade währt ewiglich. Das Werk deiner Hände wirst du nicht im Stich lassen! Ps 138:8

Psalm 139: Der Herr kennt mich

Herr, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es. Du verstehst meine Gedanken von ferne. Ps 139:1-2

Ich bin von dir beobachtet, wenn ich mich hinsetze und ebenso, wenn ich mich erhebe. Meine allergewöhnlichsten und zufälligen Handlungen, meine willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen werden von dir bemerkt, und du kennst die geheimen Gedanken, die all mein Tun und Lassen regeln. Ob ich in demütiger Selbstverleugnung niedersinke oder in Stolz auffahre, du siehst die Bewegungen meines Gemüts so gut wie diejenigen meines Körpers. Es ist eine Tatsache, woran wir jeden Augenblick denken sollten. Kein anderer Psalm beschreibt in so eindringlichen Worten die Unmittelbarkeit der Seele zu Gott wie dieser.

Die Betrachtung des Psalmisten zielt vor allem darauf ab, in das Geheimnis des transzendenten, uns aber dennoch nahen Gottes einzudringen. Benedikt XVI

Du beobachtest mich, ob ich gehe oder liege, und bist vertraut mit allen meinen Wegen. Ps 139:3

Du umgibst mich überall und immer, wie die Luft beständig alle lebenden Wesen auf Erden umgibt. Ich bin eingeschlossen in den Mauern deiner Allgegenwart, überall umringt von dem Grenzwall deines Wissens. Ob ich wache oder schlafe, du beobachtest mich. Ich kann deinen Weg verlassen, du aber folgst allen meinen Spuren. Du kennst aufs Gründlichste all mein Handeln. Nichts von allem, was ich tue, ist dir verborgen oder überrascht dich oder wird von dir irrig. Ein demütiger Mensch weiss, dass Gott derjenige ist, der letztlich alle Umstände in seiner Hand hält und vertraut lieber ihm als sich selber.

Es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht völlig wüsstest. Ps 139:4

Von allen Seiten umgibst du mich. Ps 139:5

Gott kennt und weiß alles vollkommen und er kennt und weiß alles sofort, in weniger als einem Augenblick. Solche alles umfassende, alles durchdringende Erkenntnis würde ein Wesen, wie ich es bin, in die größte Verwirrung bringen. Aber Gottes Geist ist kein schwacher Menschenverstand. Möge dieser Gedanke, dass Gott all dein Wesen und Tun so kennt, als ob du das einzige existierende Geschöpf wärst und der Ewige einzig und allein damit beschäftigt wäre, dich zu beobachten, dein Gemüt mit heiliger Scheu und mit Bußfertigkeit erfüllen.

Du hältst deine Hand über mir. Ps 139:5

Gott hält uns, dass wir nicht gehen können, wohin wir wollen, sondern nur, wohin er will und nicht tun können, was uns gefällt, sondern nur, was ihm gefällt. Sind wir von der Knechtschaft des Eigenwillens befreit, wollen wir fortan dem Willen Gottes leben. Ich stehe unter Gott, denn er ist, da er der Erste und der Letzte ist, auch der Herr aller Dinge. Alles ist ihm untertan, und nun empfinde ich das auch ganz unmittelbar: Er hat seine Hand auf mich gelegt. Ich kann Gott nie und nirgends entkommen, aber das will ich auch nicht.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch, als dass ich sie fassen könnte! Ps 139:6

Gerade dann erkennen wir am meisten von Gott, wenn wir erkennen, dass er unbegreiflich ist, wenn wir uns ganz überwältigt finden von den Gedanken an seine Vollkommenheit und uns genötigt sehen, anbetend vor ihm niederzusinken. Es ist ein Geheimnis um die Allgegenwart Gottes, das wir auch nach Jahren des Nachdenkens nicht ergründen.

Wo sollte ich hingehen vor deinem Geist, und wo sollte ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Ps 139:7

Stiege ich hinauf zum Himmel, so bist du da. Machte ich das Totenreich zu meinem Lager, siehe, so bist du auch da! Ps 139:8

Beginne jedes Gebet damit, dich in Gottes Gegenwart zu versetzen. Gott ist in allem und überall. Es gibt keinen Ort, wo er nicht wirklich gegenwärtig wäre.  Wohin die Vögel auch fliegen, sie bewegen sich in der Luft. So finden auch wir, wohin immer wir gehen mögen, Gott überall gegenwärtig. Jeder kennt diese Wahrheit, aber wie viele gibt es, die sie wirklich erfassen und wie häufig vergessen wir es schlicht und einfach? Wenn du also betest, dann sag von ganzem Herzen zu deiner Seele: Wahrhaftig, Gott ist hier, wahrhaftig, er ist in deinem Herzen. Bete daher nicht hastig, um viel beten zu können, sondern bemühe dich, was du betest, von Herzen zu beten. Ein Vater unser innig gebetet ist mehr wert, als viele rasch und eilfertig heruntergeleiert.

Nähme ich Flügel der Morgenröte und ließe mich nieder am äußersten Ende des Meeres. So würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten! Ps 139:9-10

Spräche ich: Finsternis soll mich bedecken und das Licht zur Nacht werden um mich her! So wäre auch die Finsternis nicht finster für dich, und die Nacht leuchtete wie der Tag, die Finsternis wäre für dich wie das Licht. Ps 139:11-12

Der Psalmist führt im weiteren auch die andere Wirklichkeit an, in der wir uns befinden: die Zeit. Sie wird durch symbolhafte Bilder der Nacht und des Lichts, der Finsternis und des Tages dargestellt. Selbst die Dunkelheit, in der man nur mühsam vorankommt und einem das Sehen schwerfällt, wird vom Blick und von der Epiphanie des Herrn des Seins und der Zeit durchdrungen. Seine Hand ist immer bereit, die unsere zu ergreifen, um uns auf unserem irdischen Weg zu führen. Deshalb bedeutet seine Nähe nicht Verurteilung, die Schrecken einflößt, sondern Hilfe und Befreiung.  So können wir verstehen, was letztlich der wesentliche Inhalt dieses Psalms ist: Er ist ein Hymnus vertrauensvoller Zuversicht. Gott ist immer bei uns. Selbst in den dunkelsten Nächten unseres Lebens verläßt er uns nicht. Sogar in den schwierigsten Augenblicken ist er zugegen. Und auch in der letzten Nacht, in der äußersten Einsamkeit, in der uns niemand begleiten kann, in der Nacht des Todes, verläßt uns der Herr nicht. Er begleitet uns auch in dieser äußersten Einsamkeit der Todesnacht. Deshalb können wir Christen Vertrauen haben: Wir werden niemals allein gelassen. Die Güte Gottes steht uns immer zur Seite.

Denn du hast meine Nieren gebildet. Du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ps 139:13

Er hat mich ins Dasein gerufen, weil er von Anfang an eine ganz bestimmte Absicht mit mir hatte. Er wollte mich von Anfang an zur Herrlichkeit führen. Darum musste ich im Mutterleib empfangen und geformt werden. Darum musste ich von diesen Eltern gezeugt und zu dieser Zeit und an jenem Ort geboren werden und darum musste ich auch all die Wege gehen, die ich in meinem Leben gegangen bin. Alles, was Gott in meinem Leben geschehen lässt, geschieht nach seiner Vorkenntnis und gemäß seinem Heilsvorsatz. Mir ist das alles ganz undurchsichtig, aber Gott überblickt alles und sieht durch alles hindurch.

Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl! Ps 139:14

Wenn die geschaffenen Werke so großartig sind wie großartig muß dann erst ihr Schöpfer sein! Dazu ein Gebet von Charles de Foucauld: Mein Vater! Ich überlasse mich dir. Mach mit mir, was dir gefällt.  Was du auch mit mir tun magst: ich danke dir. Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt und an allen deinen Geschöpfen, so ersehne ich weiter nichts, mein Gott. Amen! In deine Hände lege ich meine Seele. Ich gebe sie dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich dich liebe, und weil diese Liebe mich treibt, mich dir hinzugeben, mich in deine Hände zu legen,  ohne Maß, mit einem grenzenlosen Vertrauen; denn du bist mein Vater. Amen! Charles de Foucauld

In dein Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden sollten, als noch keiner von ihnen war. Ps 139:16

In unserem Psalm ist die Vorstellung sehr stark, daß Gott schon die gesamte Zukunft des entstehenden Embryos sieht: Im Buch des Lebens des Herrn sind schon alle Tage verzeichnet, die dieses Geschöpf erleben und im Laufe seiner irdischen Existenz mit Taten erfüllen wird. So tritt wieder die transzendente Größe des göttlichen Wissens hervor, das nicht nur die Vergangenheit und die Gegenwart der Menschheit umfaßt, sondern auch die noch verborgene Zeitspanne der Zukunft. Aber es scheint auch die Größe dieses kleinen, noch nicht geborenen menschlichen Geschöpfes auf, das die Hände Gottes geschaffen haben und dessen Liebe es umfängt: ein biblischer Lobpreis des Menschen vom ersten Augenblick seiner Existenz an. Benedikt XVI

Wie kostbar sind mir deine Gedanken, o Gott! Wie ist ihre Summe so gewaltig! Ps 139:17

Gottes Gedanken sind kostbar. Je mehr wir uns vertiefen in Gottes Wesen, in seine Ewigkeit und Allmacht, in seine Gnade und Gerechtigkeit, und je mehr wir uns selbst in diesem Licht sehen, desto größer wird unsere Bewunderung für Gott und seine Werke. Wer er ist, wie er ist und was er an uns tut, ist etwas, das uns jedes Mal neu bewegt, erfreut und ergreift.

Die biblische Erkenntnis geht über das bloße verstandesmäßige Verstehen hinaus. Sie ist so etwas wie eine Gemeinschaft zwischen Erkennendem und Erkanntem: Der Herr ist uns also während unseres Denkens und Handelns in enger Vertrautheit nahe.

Wenn ich erwache, so bin ich immer noch bei dir! Ps 139:18

Es ist so wichtig, dass wir, ehe wir Eindrücke von der Außenwelt empfangen und die irdischen Dinge uns überfluten, unser Herz mit Gedanken an Gott in einen guten Zustand versetzen und die ersten frischen, noch nicht verunreinigten Regungen unseres Fühlens, Denkens und Wollens Gott weihen, ehe die Kräfte unserer Seele sich niedrigeren Gegenständen preisgeben. Ein großer Vorzug des Christen vor anderen Menschen ist der, dass er seinen besten Freund stets bei sich hat und nie, es sei denn durch eigene Schuld, von ihm fern sein muss. Mag er von allen anderen Abschied nehmen müssen, so doch nie von ihm.

Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine. Ps 139:23

Auf das Herz kommt es an. Von ihm sind die Ausgänge des Lebens. Ist das Herz gut, ist alles Übrige gut. Ist das Herz böse, ist alles Übrige böse. Daher lehrte der Sohn Gottes: Glückselig, die reinen Herzens sind. Wir müssen Gott darum bitten, uns unser Herz zu offenbaren, denn es ist so arglistig, dass keiner es selbst zu erkennen vermag.

Gott weiß alles und ist an der Seite seines Geschöpfes gegenwärtig, das sich ihm nicht entziehen kann. Seine Gegenwart bedeutet jedoch nicht Bedrohung oder Kontrolle; gleichwohl richtet er sicher seinen strengen Blick auf das Böse, dem er nicht gleichgültig gegenübersteht. Benedikt XVI

Und sieh, ob ich auf bösem Weg bin, und leite mich auf dem ewigen Weg! Ps 139:24

Dieser Weg heißt Jesus Christus. Nur wer in Christus ist, geht den Weg zum ewigen Leben. Nie ist einer den ewigen Weg gegangen, der nicht in Christus gewesen wäre. Allerdings erkennt man den Menschen in Christus daran, dass er beständig nach diesem Weg fragt und Gott immer wieder bittet, ihn auf diesem Weg zu erhalten. So wird er auf dem Weg wandeln, der allein zum Vater führt.