Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Gen. Kap. 25-36: Auslegung (Isaak und Jakob)

Gen 27,41: Jakobs Flucht nach Haran

Esau wurde dem Jakob feind wegen des Segens, womit sein Vater ihn gesegnet hatte. Gen 27:41

Während einerseits Jakob anfängt, die bitteren Früchte seines Verhaltens gegenüber Esau zu ernten, sehen wir andererseits, wie Gott sich über alle Schwachheit und Torheit seines Dieners erhebt und in seinen Handlungen mit ihm seine unumschränkte Gnade und seine unendliche Weisheit entfaltet. Er hätte nicht nach Haran zu fliehen brauchen, wenn er es Gott überlassen hätte, für ihn zu handeln. Gott hätte sich sicher mit Esau beschäftigt und ihn das Teil finden lassen, das für ihn bestimmt war, und Jakob hätte den Frieden verspüren können, den eine völlige Unterwerfung unter die Hand Gottes schenkt. Aber gerade hier offenbart sich immer wieder die außerordentliche Schwachheit unserer Herzen. Wir wollen etwas tun, anstatt der Hand Gottes stillzuhalten, und durch unser Handeln hindern wir Gott, seine Gnade und seine Macht für uns verwenden zu können.

Und nun gehorche meiner Stimme, mein Sohn: Mache dich auf und flieh zu meinem Bruder Laban, nach Haran. Gen 27:43

Gen 29,1: Jakob bei Laban

Da machte sich Jakob wieder auf den Weg und ging ins Land der Söhne des Ostens. Gen 29:1

Das ist das wahre Geheimnis vieler Trübsale und Prüfungen in der Welt, die uns begegnen. Wir sind vor Gott nicht wirklich zusammengebrochen, wir haben uns nicht völlig verurteilt und uns selbst nicht aufgegeben, und daher kommt es, dass wir immer wieder unsere Probleme selbst meistern wollen und so mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Niemand kann sich wirklich an Gott erfreuen, bevor er mit seinem Ich zu Ende gekommen ist, und zwar einfach deshalb, weil Gott erst da beginnt sich zu offenbaren, wo das Fleisch gestorben ist. Ich muss auf die eine oder andere Weise lernen, was die Natur wert ist, und um mich zu dieser Erkenntnis zu führen, wendet Gott verschiedene Mittel an. Jakob lernte hierdurch nichts, so dass er durch die Zucht einer einundzwanzigjährigen ernsten Schule gehen musste, und selbst diese genügte noch nicht, um ihn völlig in sich zusammenbrechen zu lassen.

Gen 30,22: Geburt von Joseph

Aber Gott gedachte an Rahel, und Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterschoß. Gen 30:22

Das ist gewiss ein Beweis, dass Rahel trotz ihres schwankenden Vertrauens auch zu Ihm gerufen hatte. Ach, Er hört ja so gern! Gewiss steigt auch in unseren Tagen aus tausendfacher Not und Hilflosigkeit mancher Schrei zu Ihm empor, und ebenso gewiss ist, dass Er hört.

Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Gott hat meine Schmach von mir genommen Und sie gab ihm den Namen Joseph. Gen 30:23-24

Gen 31,11: Hier bin ich

Und der Engel Gottes sprach zu mir im Traum: Jakob! Und ich antwortete: Hier bin ich! Gen 31:11

Jakob sagte zu Gott: Hier bin ich! Das zeigt: Wir sollen die Bereitschaft aufbringen, den Willen Gottes zu tun und uns ihm völlig zur Verfügung stellen. Das ist Grundvoraussetzung, um Gottes Willen zu erkennen und die Kraft zu finden, ihn auch zu tun.

Gen 32,2-3: Jakobs Pläne

Jakob aber ging seines Weges; da begegneten ihm Engel Gottes. Und als er sie sah, sprach Jakob: Das ist das Heerlager Gottes! Gen  32:2-3

Trotz allem ist die Gnade Gottes mit ihm. Gott liebt mit einer unwandelbaren Liebe. Wen Er liebt, den liebt Er bis ans Ende. Seine Liebe entspricht seinem Wesen, sie ist gestern und heute und in Ewigkeit dieselbe. Aber wie klein war die Wirkung, die das Heerlager Gottes auf Jakob ausübte! Er fühlte sich offensichtlich unbehaglich bei dem Gedanken an ein Zusammentreffen mit seinem Bruder, und das nicht ohne Grund. Er hatte sehr böse mit seinem Bruder gehandelt, und sein Gewissen war unruhig. Aber anstatt sich rückhaltlos in die Arme Gottes zu werfen, greift er von neuem zu seinen gewöhnlichen Mitteln, um den Zorn Esaus abzuwenden. Er macht Pläne. Er versucht Esau zu beschwichtigen, anstatt sich auf Gott zu stützen und seinen Beistand zu erbitten.

Und Jakob sandte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau. Gen  32:4

Gen 32,12: Suche nach Versöhnung

Errette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus. Gen 32:12

Der erste Gedanke Jakobs war immer ein Plan, und darin finden wir ein genaues Bild von dem Herzen des Menschen. Zwar wendet er sich an den Herrn, nachdem er seinen Plan gemacht hat und fleht zu ihm, dass Er ihn von der Hand Esaus retten möge. Doch kaum ist sein Gebet beendet, kehrt er auch schon wieder zu seinen Anordnungen zurück. Man kann nicht beten und gleichzeitig Pläne machen. Wenn ich einen Plan mache, so stütze ich mich mehr oder weniger darauf. Wenn ich aber bete, so sollte ich mich ausschließlich auf Gott stützen. Diese beiden Dinge sind daher völlig unvereinbar. Wenn ich auf meine eigene Tätigkeit blicke, bin ich nicht darauf vorbereitet, Gott für mich handeln zu sehen, und dann ist das Gebet nicht die Äußerung meines Anliegens, so sondern nur eine Verrichtung, die ich tun zu müssen glaube, oder aber ich richte an Gott die Bitte, meine selbst gemachten Pläne zu billigen. Aber Gott will nicht, dass ich ihn bitte, meine Pläne und meine Mittel gutzuheißen und zu segnen, sondern Er will, dass ich mich seinen Händen ganz anvertraue, damit Er für mich alles tut. Wenn der Glaube Gott handeln lässt, wird Gott ohne Zweifel seine eigenen Mittel anwenden, aber das ist etwas ganz anderes als sein Anerkennen und Segnen der Pläne und Anordnungen des Unglaubens und der Ungeduld.

Und er brachte die Nacht dort zu und nahm von dem, was er erworben hatte, als Geschenk für seinen Bruder Esau. Gen 32:14

Gen 32,25: Jakob ist allein mit Gott

Jakob aber blieb allein zurück. Gen 32:25

Das Alleinsein und die Stille der Nacht geben Gott die Möglichkeit, mit Jakob zu handeln. Allein mit Gott, das ist der Weg, uns selbst in seinem Licht zu sehen, ohne Ablenkung durch Gedanken, Meinungen und Urteile von anderen oder unseres eigenen Ichs. Wie wollen wir die Antwort auf die Frage bekommen, wie Gott über uns denkt, wenn wir Ihm nicht die Gelegenheit geben, zu uns zu sprechen. Und dazu braucht es stille Zeit mit Gott. Marco Leßmann

Gen 32,25: Jakob kämpft mit Gott

Da rang ein Mann mit ihm. Gen 32:25

Dann kommt jene Nacht – eine Nacht, die zum Wendepunkt im Leben Jakobs wird. Gott tritt ihm in den Weg, bricht seinen Eigenwillen und seine Kraft, auf die er sich bisher gestützt hatte und zwingt ihn sich ganz auf Ihn zu stützen. Diese Nacht beendet seine Betrügereien und macht ihn zu einem gebrochenen aber gesegneten Mann

Eigentlich ist es Gott, der mit Jakob kämpft. Gott will das Selbstvertrauen Jakobs niederringen, damit das verschüttete Gottvertrauen bei ihm zum Vorschein kommt. Doch Jakob widersteht. Wie ein Bär kämpft er mit seiner ganzen Kraft gegen den geheimnisvollen Mann. Marco Leßmann

Gen 32,26: Jakobs Hüftgelenks

Als dieser sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, sodass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm. Gen 32:26

Plötzlich bekommt das Hüftgelenk Jakobs einen übernatürlichen Schlag. Der Sitz seiner Kraft ist getroffen. Auf einmal ist das weg, worauf Jakob bisher vertraut hatte. Der Widerstand ist gebrochen. Der, der seine Geschicke bisher nie aus der Hand gegeben hatte, klammert sich hilflos an den, der ihn bezwungen hat. Das Eingeständnis der eigenen Kraftlosigkeit ist der erste Schritt zu einem Leben in der Kraft Gottes. Die körperliche Niederlage Jakobs ist sein geistlicher Sieg. Gott prüft ihn noch einmal mit den Worten: „Lass mich los.“ Doch genau das will Jakob nicht mehr. Gott loslassen und es auf eigene Faust probieren, das hatte er lange genug vergeblich versucht. Marco Leßmann

Gen 32,27: Jakob klammert sich an Gott

Der Mann sprach: Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich! Gen 32:27

Bisher hatte Jakob an seinen eigenen Methoden festgehalten. Jetzt aber wird er dahin gebracht zu sagen: Ich lasse dich nicht los! Der Leser muss jedoch beachten, dass er erst dann diese Worte sagte, als sein Hüftgelenk verrenkt war. Wir müssen schwach sein, bevor wir stark sein können. Die Kraft Christi kann nur in Verbindung mit der Erkenntnis unserer Schwachheit in uns sein. Christus kann die Kraft der Natur und ihre Weisheit niemals billigen. Diese Dinge müssen abnehmen, damit Er wachsen kann. Nie kann die Natur in irgendeiner Weise der Entfaltung der Gnade oder der Kraft Christi zur Grundlage dienen.

Gen 33,4: Begegnung mit Esau

Da lief ihm Esau entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn; und sie weinten. Gen 33:4

Gott versöhnte Esau. So findet Gott stets seine Freude daran, unsere Herzen zu beschämen und alle unsere Befürchtungen zu zerstreuen. Anstatt dem Schwert Esaus zu begegnen, findet Jakob die offenen Arme und die Küsse seines Bruders. Anstatt gegeneinander zu streiten, vergießen sie Tränen. Das sind die Wege Gottes. Wer wollte ihn nicht ehren durch volles Vertrauen des Herzens? Woher kommt es, dass wir trotz aller Beweise seiner Treue so leicht geneigt sind, bei jeder neuen Gelegenheit zu zweifeln und Bedenken zu erheben.

Gen 33,12: Sich den Schwächeren anpassen

Und Esau sprach: Lass uns aufbrechen und gehen; ich will neben dir herziehen! Gen 33:12

Er aber antwortete: Mein Herr weiß, dass die Kinder noch zart sind; dazu habe ich säugende Schafe und Kühe bei mir; wenn sie einen einzigen Tag übertrieben würden, so würde mir die ganze Herde sterben. Gen 33:13

Der Patriarch Jakob (Gen 32,1-14) gibt uns ein herrliches Beispiel dafür, wie wir uns den Schwächeren anpassen und unsere Kraft bän-digen sollen, um mit den Schwächeren Schritt zu halten. Als der Patriarch mit allen seinen Frauen, Kindern, Knechten und Mägden aus dem Haus seines Schwiegervaters Laban weggezogen war, fürchtete er sich sehr vor der Begegnung mit Esau. Er glaubte, der Bruder zürne ihm noch, was aber nicht mehr der Fall war. Als er so dahinzog, kam ihm Esau entgegen. Der arme Jakob erschrak sehr, denn der Bruder war von einer starken Truppe Bewaffneter begleitet. Als er ihn aber begrüßt hatte, sah er zu seiner Freude, daß ihm Esau wohlge-sinnt war. Esau sprach zu Jakob: „Da wir, mein Bruder, nun hier zu-sammengetroffen sind, wollen wir miteinander gehen und die Reise gemeinsam beenden.“ Darauf erwiderte Jakob: „Mein Herr und mein Bruder (er nannte ihn „Herr“, weil Esau der ältere war), das wird nicht gehen, denn ich habe meine Kinder bei mir, sie würden mit ihren kleinen Schritten deine Geduld allzusehr in Anspruch nehmen und miß-brauchen, für mich aber ist es Pflicht, meine Schritte ihren Schrittchen anzupassen, und auch meine Knechte und Mägde tun das; dazu kommt, daß meine, Schafe erst gelammt haben, die Lämmchen sind noch recht zart, und auch nach ihnen müssen wir uns richten, du aber wärest zu lange aufgehalten. Seht, wie gut dieser heilige Patriarch war. Er passte sich gerne nicht nur dem Schritt seiner Kinder, sondern sogar seiner Schafe an, ritt auch nicht, sondern ging immer zu Fuß. Auf dieser Reise war ihm auch viel Glück beschieden. Gott überhäufte ihn mit Gunsterweisen; mehrere Male sah er Engel und redete mit ihnen, zuletzt auch mit dem Herrn der Engel und der Menschen. Schließlich war er besser daran als sein Bruder Esau, obwohl dieser eine so starke Begleitung hatte und alle sich seinem Schritt anpassen mussten. Franz von Sales.

Gen 34,2: Vergewaltigung von Dina

Als er Dina sah, fiel er über sie her und vergewaltigte sie. Gen 34:2

Als handelnde Figur tritt Dina nur in der Erzählung Gen 34 auf. Die dem Text zugrundeliegende Story erzählt, dass Dina zu den Töchtern des Landes geht und sie von Sichem vergewaltigt wird, der sie anschließend aber heiraten will. Als Bedingung hierfür fordern die Brüder Dinas, dass sich Sichem und alle Männer seiner Stadt beschneiden lassen. Die beiden Söhne Jakobs, Simeon und Levi, nutzen dann aber das Wundfieber der Männer, um die Stadt zu überfallen, alles zu plündern und ihre Schwester zurückzuholen. Maria Häusl

Da nahmen Dinas Brüder Simeon und Levi ihr Schwert und überfielen die Stadt […] Sie brachten alle männlichen Einwohner um. Gen 34:25

Ihr bringt mich ins Unglück dadurch, dass ihr mich verhasst macht bei den Einwohnern des Landes, bei den Kanaanitern und Pheresitern, da ich doch nur wenig Leute habe; sie aber werden sich gegen mich sammeln und mich schlagen, und ich werde ausgerottet werden samt meinem Haus! Gen  34:30

In Wirklichkeit scheint Jakob mehr um sein eigenes Wohlergehen besorgt zu sein als um das schreckliche Unrecht, das den Männern von Sichem angetan wurde. Man beachte, dass er in Vers 30 siebenmal »ich«, »mich« und »mein« verwendet.

Gen 35,1: Jakob geht zurück nach Bethel

Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh wieder nach Bethel! Bleib dort und bau mir einen Altar. Denn an diesem Ort bin ich dir erschienen, als du auf der Flucht vor deinem Bruder Esau warst. Gen 35:1

Gott erinnert Jakob an die Tage seiner Drangsal. Es ist oft gut, in unserer Erinnerung bis zu dem Zeitabschnitt unseres Lebens zurückgeführt zu werden, da wir uns auf der untersten Sprosse der Leiter befanden. Wenn wir klein in unseren Augen sind, stützt sich das Herz wirklich auf Gott.Wenn wir wieder anfangen, uns für etwas zu halten, dann ist der Herr gezwungen, uns von neuem unser Nichts fühlen zu lassen.

Gen 35,3: Das Leben Jakobs

Er ist es, der in der Not meine Gebete erhört hat. Gen 35:3

Wo stehst du, wo stehe ich? Gehen wir noch unbeirrt auf eigenwilligen Wegen? Oder sind wir schon einen Schritt weiter, indem wir die Nutzlosigkeit unserer List und Kraft erkannt haben? Gott möchte uns aber noch weiter führen und uns ein wahres Bethel erleben lassen, wo er sich offenbart.

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste