Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Gen. Kap. 12-25: Auslegung (Abraham)

Gen 12,1: Loslassen und vertrauen

Der Herr sagte zu Abram: Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! Gen 12:1

Zwei Seiten des Loslassens: Loslassen hat meist zwei Seiten – eine schöne und eine schwere. Einerseits kann es befreiend sein, eine grosse Verantwortung abzugeben, etwas Neues zu beginnen, Ballast abzuwerfen; andererseits ist da Ungewissheit, Angst oder der Schmerz des Abschieds.

Vertrauen und Zuversicht: Das was hier gefragt ist, ist Vertrauen. Der Sprung ins Ungewisse, mit der Zuversicht im Rücken: Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe (Ps 68,20). Dann kann Loslassen gelingen. Immer wieder tut es gut, zurück zu blicken, wo dies dir schon gelungen ist. Heute will ich bewusst zurück blicken auf Lebenssituationen, wo mir das Loslassen gelungen ist.

Damals war die Einbindung in die Sippe lebenswichtig. Der Ruf Gottes reißt Abram aus eben dieser Gemeinschaft und macht ihn zum Heimatlosen, allein auf den Beistand Gottes gestellt. Auch der Ruf Gottes an uns ist absolute Wirklichkeit oder gar nichts! Was aber ist im Kern der Ruf Gottes an uns? Der Ruf Gottes an uns ist die  Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus. Abram hatte das noch zu zeigende Land nie gesehen. Ebenso haben wir Christus noch nie leibhaftig gesehen haben. Aber unser Glaube befähigt uns dazu, so wie Abram alles für ihn zu verlassen, auch wenn unsere Zukunft im Dunkeln liegt. Der Glaube sieht in dem Maße, in dem er vorangeht und in den Raum eintritt, den das Wort Gottes aufgetan hat.

Er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen werde. Heb 11:8

Gen 12,2: Ein Segen sein

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Gen 12,2

Der segnende Blick, das segnende Wort, die segnende Hand, die segnende Tat, das segnende Denken, das segnende Gebet verwandeln Menschen und den Tag.

Segen sein: In der Fürbitte werde ich zum Segen für den anderen. Ein Segen sein, das heißt ich bin jemand, der segnet. Segnen kann jeder, der glaubt. Ziemlich egal, wo und wie uns Gott hingestellt hat, dort wo er uns unseren Platz zugewiesen hat, sind wir Gesandte Gottes und so im innersten durch ihn und in seiner Kraft dazu berufen, zum Segen für den anderen zu werden.

Segnen als Tun: Ein Segensgebet ist ein Gebet, das den Segen Gottes auf uns herab ruft. Von ihm geht aller Segen aus.  „Der Herr segne dich“ ist der kürzteste Segenswunsch und gleichzeitig ein Fürbitt-Gebet. Fürbitte ist der kostbarste Dienst, den ich tun darf:. Wer selbst gesegnet wurde, der kann nicht anders, als diesen Segen weitergeben, ja, er muss dort, wo er ist, ein Segen sein.

Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden. Dieses Unmögliche ist der Segen Gottes. Bonhoeffer

Gen 12,4: Gehorsam

Abram gehorchte und machte sich auf den Weg. Gen 12:4

Von Gehorsam ist hier die Rede. Gehorsam auch dann, wenn nicht alles glatt läuft. Denn als Abram in das verheißende Land kam, waren dort die Kanaaniter. Das war eine Prüfung Abrams, ob er dennoch an der Zusage Gottes festhält. Er tat es. Er richtete seine Gedanken allein auf den Herrn und nicht auf das, was der Zusage des Landes scheinbar entgegenstand. Die Kanaaniter im Land stehen bildlich für alles was uns vom Glauben an Gottes Zusagen an uns abbringen will. Das beste Gegenmittel gegen diesen Zweifel: Anbetung Gottes. Sie stärkt Glauben und Hoffnung. Eben darum baute Abram dem Herrn einen Altar. So lasst nicht nach in der Anbetung Gottes und glaubt an seine Zusagen.

Er baute dort dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar. Gen 12:7

Gen 12,10: Abrahams erster Fehltritt

Im Land Kanaan brach eine schwere Hungersnot aus. Abram zog nach Ägypten, um während dieser Zeit dort Zuflucht zu suchen. Gen 12:10

Abrahams Fehltritt ist, dass er nach seinem Eigenwillen handelt. Kein Wort fällt darüber, dass er Hilfe bei Gott suchte. Die Folge: der Wegzug aus dem verheißenden Land Kanaan führt zu allerlei Schwierigkeiten. Aus Angst vor dem Pharao, gibt Abram seine Frau als seine Schwester aus. Als das ganze rauskommt, schickt ihn der Pharao wieder zurück. Gott hatte Abram in dieser Zeit zwar nicht verlassen, aber er ließ ihn seinen Fehltritt im Glauben spüren, um ihn zu läutern.

Was kann uns dies Geschehen sagen? Die Hungersnot ist ein Bild für unsere Schwierigkeiten und Probleme. Kommt eine Hungersnot in unser Leben, eine Schwierigkeit welcher Art auch immer, dann lasst uns allein Gott vertrauen, anstatt nach Ägypten zu gehen! Wenn uns dann aber ein Fehltritt passiert, dann lasst uns offen sein für Gottes Läuterung, mit der er uns noch fester an sich zieht.

Gen 13,1: Abraham und Lot

Abram kehrte in den Süden des Landes Kanaan zurück und mit ihm seine Frau und sein Neffe Lot. Gen 13:1

Lot war der Neffe Abrahams. Mehrmals heißt es, dass Lot mit Abraham ging. Lot war ein Mitläufer. Abraham hatte einen Altar errichtet. Lot nicht. Die Gemeinschaft mit Gott spielte in seinem Leben kaum eine Rolle. Unsere Beziehung zu und Gemeinschaft mit Gott ist aber immer direkt, nie indirekt. Auch wenn uns andere Menschen positiv auf unserem Leben beeinflussen können, so können nur wir selbst direkte Beziehung zu Gott pflegen. Gott zeigt in seiner Gnade dir und mir den je individuellen Weg, den wir gehen sollen. Höre darauf, was Gott mit dir ganz persönlich vor hat. Pflege die intime Beziehung mit Gott. Dann wirst du hören, welchen Weg er mit dir gehen möchte.

Die Beziehung zwischen Gott und einem Menschen ist privater und intimer als jede mögliche Beziehung zwischen zwei Mitgeschöpfen. Clive Staples Lewis

Gen 13,7-9: Streitschlichtung

Es soll doch nicht Streit sein zwischen mir und dir. […] Denn wir sind Brüder. […] Trenne dich von mir! Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten; und willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken! Gen 13:7-9

Zwischen den Hirten Lots und den Hirten Abrams entstand ein Streit über die Weideflächen. Abram wirkt als Friedensstifter und aus seinem Handeln können wir vier Dinge mitnehmen:

1. Erstens formuliert er den Willen zum Frieden. Wenn wir mit anderen Menschen zusammen leben braucht es zuallerst eben diesen Willen, friedlich miteinander umzugehen.

2. Zweitens formuliert er die Geschwisterlichkeit als gemeinsames Band. Jeder Mensch ist für uns Bruder oder Schwester in der Familie Gottes.

3. Drittens beseitigt Abram die Ursache für den Streit. Es ist gut zu schauen, wie der Streit entstanden ist, um dann eben zu schauen, wie man diese Ursachen beseitigen kann.

4. Viertens lässt er Lot die Wahl, in welches Gebiet er ziehen möchte. Hin und wieder verlangt der zwischenmenschliche Frieden, dass wir etwas loslassen (meist uns selbst und unseren Stolz)

Gen 14,16: Abraham rettet Lot

Lot selbst, die Frauen und alle anderen Gefangenen konnte er befreien. Gen 14:16

Lot trennt sich von Abraham. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen um Sodom wird Lot verschleppt. Abraham hilft ihm und befreit ihn. Trotz allem Vorgefallenen war Lot der Bruder Abrahams und die geschwisterliche Liebe musste handeln. Wir können uns nicht oft genug daran erinnern, dass der wahre Weg mit Gott Wärme und Weitherzigkeit in uns wachsen lässt, die uns aus uns selbst heraustreten lässt in tätiger Liebe und Teilnahme für andere Menschen. Wir müssen soweit wie möglich gleich den Engeln an den Seelen wirken, nämlich durch liebevolle, gütige Anregungen und ohne Gewalt.

Wann werden wir alle unserem Nächsten gegenüber durchtränkt sein von Güte und Milde? Wann werden wir die Seelen unserer Mitmenschen in der heiligen Brust des Heilands sehen? Franz von Sales

Gen 14,18: Melchisedek

Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchs­ten. Gen 14:18

Abraham steht vor einer Auseinandersetzung mit dem König von Sodom. Da begegnet er Melchisedek, der ihn segnet und mit Brot und Wein stärkt. Die Bedeutung Melchisedeks besteht darin, dass er der erste überhaupt in der Bibel erwähnte Priester ist und dass er für sein Opfer Brot und Wein verwendet. Melchisedek bedeutet König der Gerechtigkeit und Salem bedeutet Friede. Er ist ein geheimnisvoller Verweis auf Christus ist, den wahren Hohenpriester, den König des Friedens und der Gerechtigkeit. Mit Brot und Wein wird Abraham gestärkt für den Kampf gegen den König von Sodom. Wie sollten wir da nicht an den Leib und das Blut Christi denken, durch das wir gestärkt werden, um der Versuchung zu widerstehen und den guten Kampf des Glaubens zu führen. Wir stehen unter dem Segen Gottes.

Gott selbst hat ihn für uns zum Hohenpriester eingesetzt, so wie Melchisedek. Heb 5:10

Gen 15,1: Vertrauen auf Gott

Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn! Gen 15:1 

Gott ist unser Schild, das uns schützt. Gott ist unser Lohn. Welcher Lohn könnte wichtiger sein als er selbst? So finden wir unsere Ruhe, unseren Frieden und unsere Sicherheit allein in Christus! Gott verheißt Abram mit dem Blick auf des Himmels Sterne unzählbare Nachkommen. Auch uns fordert Gott täglich auf, den Glaubensblick nach oben zu richten. Bemühen wir uns, nicht mehr ständig die Schwierigkeiten vor Augen zu haben, sondern zu unserem Gott auf zu schauen, der unsere Hilfe ist. Und blicken wir immer wieder darauf, wie und was Gott in unserem Leben schon wirkte, denn dies bestärkt uns, auch im Hier und Jetzt ihm voll und ganz zu vertrauen.

Schau dir den Himmel an, und versuche, die Sterne zu zählen! Genauso werden deine Nachkommen sein – unzählbar! Gen 15:5

Gen 15,6: Gerechtigkeit durch Glauben

Abram glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. Gen 15:6

Abraham wird hier zum Urbild bedingungslosen Glaubens. Ein Glaube als unerschütterliche Gewissheit, dass auf Gottes Zusage Verlass ist. Ein Glaube, für den wir uns bewusst entscheiden. Der Mensch kann nur glauben, wenn er will. Der Glaube ist das unglaubliche Abenteuer des Vertrauens auf Gott. Wenn du nur auf dich selbst vertraust, dann wirst du nie etwas ausrichten. Vertraust du dagegen auf Gott, so vermagst du alles. Also: Vertraue Gott, dem Vater, der uns liebt, dem Sohn, der uns gerecht macht und dem heiligen Geist, der in uns atmet. Vertraue!

Mit Abraham, der unerschütterlich Gott vertraute, werden also alle gesegnet, die ebenso glauben wie er. Gal 3:9

Gen 16,2: Sarais Fehltritt

Sarai sprach zu Abram: Sieh doch, der Herr hat mich verschlossen, dass ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner Magd. Vielleicht werde ich durch sie Nachkommen empfangen! Und Abram hörte auf die Stimme Sarais. Gen 16:2

Sarai wird ungeduldig. Sie greift auf menschliche Mittel zurück und handelt eigenmächtig, indem sie Abram bittet mit seiner Magd ein Kind zu bekommen. Letztlich vertrauen Abram und Sarai nicht mehr auf Gottes Wirken. Sie suchten durch eigene Mittel ein Ziel zu erreichen, das ihnen durch eine Verheißung Gottes fest zugesichert war.

An eine Verheißung zu glauben ist das eine, die Erfüllung geduldig abwarten, das ist noch mal was ganz anderes. Wie häufig möchten wir Gott regelrecht zwingen, schnell so oder so zu handeln? Wie häufig versuchen wir es dann selbst in die Hand zu nehmen? Nur dann, wenn wir uns bewusst auf den lebendigen, allein wahren Gott stützen, sind wir imstande, allein aus Gott und nicht aus Eigenwillen eigenmächtig zu handeln.

Gen 16,5-6: Schuldzuweisung

Da beklagte Sarai sich bei Abram: Jetzt, wo Hagar weiß, dass sie schwanger ist, verachtet sie mich – dabei war ich es, die sie dir überlassen hat! Du bist schuld, dass ich jetzt so gedemütigt werde! In der folgenden Zeit behandelte Sarai Hagar so schlecht, dass sie davonlief. Gen 16:5-6

Schuldzuweisung ist ein wichtiges Thema! Das Fehlverhalten ausschließlich beim anderen zu suchen, ist dekonstruktiv und fördert die Verfestigung eines Konflikts. Auch Sarai ist sich komplett nicht bewusst, dass sie falsch gehandelt hat und gibt allein Abram die Schuld. Mit seiner Erlaubnis demütigt sie nun Hagar. Sie geht durch ihre Uneinsichtigkeit weiter auf dem falschen Weg und macht alles noch schlimmer.

Nehmen wir uns das zu Herzen! Fragen wir uns bei Konflikten in aller Demut auch, wo unser eigener Anteil daran liegt und benennen dies auch vor Gott wie vor dem anderen. Allein diese Demut birgt die Chance in sich, dass auch der andere sich öffnet und sein Fehlverhalten erkennt und benennt. Und nur so kann dann der Konflikt bewältigt werden und ein echter Dialog stattfinden.

Gen 17,1: Vor Gott wandeln

Ich bin Gott, der Allmächtige. Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen. Gen 17:1

Abram war keineswegs vollkommen. Und wir sind es definitiv auch nicht. Die heutige Aufforderung, vollkommen zu sein, ist vielmehr die Aufforderung, alle Hoffnung ungeteilt auf Gott zu setzen, der uns seine Gnade schenkt und uns in Christus gerecht macht. Wenn ich meine Hoffnung auf etwas anderes als Gott setze, so wandle ich nicht vor Gott. Es ist weiter eine Aufforderung an uns im Blick auf Gott auch anderen gegenüber gnädig zu handeln. Es ist zuletzt im kontemplativen Sinne die Gottessuche in allen Dingen, sei es nun im Gebet, der Lektüre, bei der Arbeit, in der Familie …wo und wie auch immer. Das alles aber geschieht im Geist der Demut, denn besteht doch unsere Vollkommenheit darin, zu wissen, dass wir nicht vollkommen sind.

So wandle heute demütig vor Gott, schau seine Gnade an und sei selbst gnädig dem Nächsten gegenüber.

Gen 17,3: Auf sein Angesicht fallen

Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm. Gen 17:3

Es kommt allein auf unsere Haltung des Herzens an und körperliche Gesten können diese Haltung fördern: das Knien beim Morgengebet, das sich Bekreuzigen, das Verbeugen und eben auch das Niederfallen. Dieses Niederfallen ist der schönste Ausdruck echter Demut in der Gegenwart Gottes. Wenn der Mensch niederfällt, sich klein macht, um Gottes Größe zu erkennen, dann kann Gott in Gnade mit ihm reden. Der Mensch fühlt seine Schwachheit und dies geht stets der Offenbarung Gottes voraus. Und in diesem Reden, in dieser Offenbarung Gottes an uns, liegt der große Segen unseres Lebens. Durch dieses Reden macht Gott unser Leben fruchtbar. 

Ich mache dich sehr fruchtbar. Gen 17,6

Gen 17,10: Einführung der Beschneiung

Alle Männer unter euch sollen an der Vorhaut ihres Gliedes beschnitten werden. Gen 17,10

Die Beschneidung war das äußeres Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Im frühen Christentum fällt diese Verpflichtung weg. Das war keine kleine Sache! Heftige Diskussionen gab es darüber. Im neuen Testament bezieht sich die Beschneidung auf den Glauben. Gläubige sind geistlich beschnitten durch ihre Verbindung mit Christus. Wir sind also einfach durch den Glauben an Christus Söhne Abrahams. Paulus spricht weiter von der Beschneidung des Herzens durch den heiligen Geist, die uns völlig verändert und uns hin treibt zum Tun, was Gott will. Eine Beschneidung ist es, weil wir dafür unser eigenwilliges Herz ganz Gott unterordnen. Das aber geschieht täglich neu.

Seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist , nicht dem Buchstaben nach. Römer 2:29

Gen 18,1-3: Gott besucht Abram

Der Herr erschien ihm […] Siehe, da standen drei Männer ihm gegenüber. […] Abram sprach: Mein Herr, habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so geh doch nicht vorüber. Gen 18,1-3

Der Besuch der drei Männer bei Abram ist ein Bild für den trinitarischen Gottesglauben. Berührend ist hier die Nähe, die gemeinsame Tischmgemeinschaft, ein Gott, der sich zu uns herab lässt und mit und Mahl hält. In der Zusage der Nachkommenschaft wird Gott nun konkreter. Er gibt einen Zeitpunkt an: 1 Jahr. Sara lacht darüber. In diesem Lachen liegt Enttäuschung, sie glaubte nicht mehr daran, so alt wie sie war. Trotz ihres Zweifels wiederholt Gott die Zusage und sagt ganz klar: „Für mich ist nichts unmöglich!“ (Gen 18,14) Für uns sollte dies Anlass sein, nie an Gottes Liebe, seiner Nähe und Wirken in unserem Leben zu zweifeln.

Ein weiterer Aspekt dieses Besuches ist, dass der Gastgeber (Abram) zum Beschenkten wird, der Gast (Gott) zum Geber, der er ja sowieso von Ewigkeit her immer ist. Nehmen wir Gott als Gast in unserer Seele auf, so wird er uns segnen und mit allerlei Gaben beschenken. Paul Gerhardt drückt dies in einem Gedicht so aus: Doch was ich dem Heiland schenke gibt er mir verklärt und neu.

Denn weißt du, ob es nicht Gott ist, den du empfängst, während du meinst, es nur mit Menschen zu tun zu haben? Abraham nimmt Reisende auf; doch in Wirklichkeit nimmt er Gott und seine Engel bei sich auf. Auch du, der du einen Fremden aufnimmst, nimmst Gott bei dir auf. Jesus, der Herr, bezeugt es im Evangelium: Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Gen 18,32: Abrams Fürbitte für Sodom

Was wirst du tun, wenn dort nur zehn unschuldige Menschen wohnen? Wieder versprach Gott ihm: Die zehn werden verschont bleiben und ebenso die ganze Stadt. Gen 18:32

Abraham fürbittet für Sodom. Abrahams Gebet ist ein wundervolles Beispiel für die Fürbitte. Er bittet nicht nur um die Rettung der Unschuldigen, sondern um die Vergebung für die ganze Stadt. Er appelliert nicht an jene bestrafende Gerechtigkeit, sondern an eine andere, göttliche Gerechtigkeit, die das Gute sucht, Vergebung hervorbringt, zur Umkehr führt und Menschen verwandelt. Fürbitten wir ebenso und beten wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere. So lösen wir uns vom Kreisen um uns selbst. Sodom allerdings wird vernichtet, weil sich eben nicht zehn Gerechte (Unschuldige) darin finden lassen. 

Gott selbst muß dieser Gerechte werden. Das ist das Geheimnis der Menschwerdung in Christus: Um einen Gerechten zu gewährleisten, wird Gott selbst Mensch. Und aufgrund diesen einen Gerechten in Christus sind wir nun alle gerecht vor Gott in dem Glauben an seinen Sohn. 

Gen 19,26: Zurückblicken von Lots Frau

Lots Frau drehte sich auf der Flucht um und schaute zurück. Sofort erstarrte sie zu einer Salzsäule. Gen 19:26

Lot und seine Frau fliehen aus Sodom. Lots Frau blickte auf der Flucht zurück und erstarrte zur Salzsäure. Lots Frau hielt wehmütig am Alten fest, blickt zurück auf Vergangenes und Vergehendes. Es gibt eine negative, krankmachende Erinnerung, die uns lähmt. Einen Blick zurück, der uns den Blick in die Zukunft versperrt. Um offen zu sein für Neues, müssen wir Altes loslassen. Altes lässt sich nicht mehr ändern, Zukünftiges liegt dagegen in unserer Hand. Jeder Tag ist eine neue Chance, um sich ganz und gar Gott hinzugeben,  an nichts klammernd als an ihn, dem Allmächtigen, der unser Leben bewahrt.

Denkt daran, was mit Lots Frau geschah!  Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben aufgibt, der wird es für immer bewahren. Lk 17:32‭-‬33

Gen 20,10: Abrahams zweiter Fehltritt

Was hast du dir nur dabei gedacht? Gen 20:10

Abraham lässt sich abermals zu verkehrtem Tun fortreißen, weil er sein Auge von Gott abgewandt hat. Abermals gibt er seine Frau als Schwester aus. Der König Abimelech holt sie als Frau in sein Haus und nur Gottes Eingreifen verhindert das Unglück, dass die beiden miteinander schlafen. Auch hier kein Schuldbewusstsein Abrahams. Er versuchte sogar, einen Teil der Schuld Gott zuzuschieben, der ihn  dazu gebracht habe, umherzuirren. Es wäre weiser gewesen, seine Schuld demütig einzugestehen. Uns wird unsere Schuld in Christus nur dann vergeben, wenn wir sie bekennen.

Da gab Abimelech Abraham seine Frau zurück. Gen 20,14

Gen 21,1-2: Geburt des Isaaks

Der Herr suchte dann Sara gnädig heim, wie er verheißen hatte. […] Sara gebar dem Abraham […] einen Sohn zu der Zeit, die Gott ihm im voraus angegeben hatte. Gen 21,1-2

Lange hatten Abraham und Sara auf die Geburt eines Kindes gewartet. Alles hat seine Zeit. Es gibt eine von Gott bestimmte Zeit und auf diese muss der Gläubige geduldig warten können. Niemand wartet vergeblich auf Gott, wenn wir ihm nur vertrauen! Gott selbst ist unser Ruheort in dieser Welt, auf sein Wort dürfen wir uns ein Leben lang stützen. Gott suchte Sara gnädig heim. Das heisst für uns, dass unser Glaube nie ein Verdienst ist, der von Gott belohnt werden müsste. Nein, wir verlassen uns ganz und gar allein auf Gottes Gnade.

Es gehört zur Schule der Demut, dass wir unsere Zeit nicht in eigene Regie nehmen, sondern sie von Gott füllen lassen. Dietrich Bonhoeffer

Gen 21,10: Hagar und Ismael

Jag mir die Sklavin und ihren Sohn weg! Gen 21,10

Ismael, der Sohn von der Sklavin Hagar und Abraham, macht sich über das Kleinkind Isaak lustig. Darauf bittet Sara Abraham die beiden weg zu schicken. Obwohl Abraham das weh tut, macht er es auf Gottes Wort hin. Ismael und Hagar müssen gehen. Paulus deutet dies als Bild für das Gesetz und die Gnade. Es geht um die Frage, wie das Heil zu erlangen ist und diese Frage ist für jeden zentral. Erklärung: Die Skavin Hagar und ihr Sohn stehen für das Gesetz. Die Skavin Hagar und ihren Sohn fort zu treiben, bedeutet dann bildlich. Wir unterstehen nicht mehr dem Gesetz. Konkret: Wir wollen natürlich gute Menschen sein und Gutes tun, aber wir glauben nicht das Leben zu erhalten aufgrund dieser guten Werke. Das wäre ein Glauben und Leben nach dem Gesetz. Sara und Isaak, das Kind der Verheißung Gottes, stehen dagegen für die Gnade, das unverdiente Schenken Gottes. Nur die Kinder der Verheißung, diejenigen, die ihr Vertrauen allein auf Jesus Christus setzen, erfahren die Erfüllung der Zusagen Gottes. 

Deshalb sind wir, liebe Geschwister, nicht die Kinder einer Sklavin, sondern die einer freien Frau. Gal 4:31

Gen 22,2: Prüfung Abrahams Glauben

Geh mit deinem einzigen Sohn Isaak, den du so sehr liebst, in die Gegend von Morija. Dort zeige ich dir einen Berg. Auf ihm sollst du deinen Sohn Isaak töten und als Opfer für mich verbrennen! Gen  22:2

Außer dem Tod Jesus gibt es für mich in der Bibel keine Szene, die so ergreifend ist, wie die Aufforderung an Abraham, seinen geliebten Sohn Isaak Gott als Opfer da zu bringen. Es gibt außerdem keine andere Szene im alten Testament, die eine so klare Vorschattung des Todes Jesus am Kreuz enthält. Interessant: Als erstes Mal kommt hier in der Bibel das Wort Liebe vor. Diese Liebe Abrahams zu Isaak ist ein Abbild der Liebe Gottes zu seinem Sohn Jesus und es ist auch ein Abbild der Liebe Gottes zu uns, die am Kreuz auf Golotha hell aufleuchtet. Als Isaak fragte, wo das Lamm für die Opferung ist, antwortete Abraham, dass Gott für ein Lamm zum Opfer sorgen wird. Diese Verheißung wurde durch Jesus, das Lamm Gottes erfüllt. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.

Gott wird für ein Lamm zum Brandopfer sorgen! Gen 22,8

Gen 22,16: Segnung Abrahams

Weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, nicht verschont hast, darum will ich dich reichlich segnen. Gen 22,16

Nach der bestandenen schweren Glaubensprüfung segnet Gott Abraham, wie er es auch schon davor getan hat. Der Segen Gottes liegt auf Abraham. Dennoch muss Abraham in seinem Leben so einiges erleiden. Der Segen Gottes bedeutet nicht, dass uns Leid erspart bleibt, er bedeutet, dass er im Leid uns beisteht und uns nahe ist. Es gibt nun allerdings seit der Menschwerdung Jesus und seiner Passion einen gewichtigen Unterschied. Während im alten Testament der Segen auch das Kreuz mit einschloß, liegt im neuen Testament der Segen nun allein im Kreuz Jesus Christi. Einen Menschen zu segnen bedeutet dann, ihn unter das Kreuz Jesu zu stellen, in dem aller Segen und alles Heil enthalten ist.

Das Kreuz ist mein sicheres Heil. Das Kreuz bete ich immer an. Das Kreuz des Herrn ist mit mir. Das Kreuz ist meine Zuflucht. Thomas von Aquin

Gen 23,2-3: Tod Sarah

Sarah starb […] Da ging Abraham hin, um zu klagen um Sarah und sie zu beweinen. Danach stand Abraham auf von seiner Toten. Gen 23, 2-3

Sara stirbt. Abraham kauft eine Höhle als Begräbnisstätte und begräbt Sarah (das erste Begräbnis in der Bibel!). Dass das Grab selbst ist im verheißenen Land lag und übrigens Abrahams einzigster Grunderwerb in seinem Leben war, deutet anfänglich auf den Glauben an die Auferstehung hin. Uns allen begegnet der Verlust von lieben Menschen, doch der Glaube an die Auferstehung schenkt uns Erleichterung. So kann Abraham „von der Toten aufstehen“, denn der Glaube kann nicht lange den Tod vor Augen behalten. Der Glaube sieht stets auf die Auferstehung und in der Kraft dieser Tatsache kann er sich von einem Toten weg erheben. 

Unsere Toten sind nicht abwesend, sondern nur unsichtbar. Sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer. Augustinus

Gen 24,63: Besinnung am Abend

Er machte abends noch einen Spaziergang, um nachzudenken und zu beten. Gen 24:63

Die Gewissensforschung am Abend beinhaltet folgende Dinge: Danke Gott, dass er dich diesen Tag erhalten hat. Prüfe dein Verhalten während des ganzen Tages. Glaubst du etwas Gutes getan zu haben, so danke Gott. Hast du aber in Gedanken, Worten oder Werken gesündigt, dann bitte Gott um Verzeihung und nimm dir vor, es bei der nächsten Gelegenheit besser zu machen. Bitte Gott um seinen Segen und begib dich zur Ruhe, die uns nach seinem Willen notwendig ist.

Gen 24,67: Isaak und Rebekka

Er nahm sie zur Frau und gewann sie sehr lieb. Gen 24:67

Isaak nimmt Rebekka zur Frau. An dieser Stelle wird das Wort Liebe zum zweiten mal benutzt. Die Liebe von Isaak zu Rebekka ist ein Abbild der Liebe von Christus zu seiner Gemeinde. Die Gemeinde ist zutiefst mit Christus verbunden. Die Gemeinde ist die auserwählte Braut. Weil er uns liebte, ging er den Weg des Kreuzes. Gott ist Liebe. Es ist sein Wesen. Was ist unsere Antwort auf diese Liebe? Lieben wir ihn wieder, indem wir ihm gehorsam sind und ihm den Dank und die Anbetung unserer Herzen bringen!

Wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. Eph 5,25

Gen 25,8: Tod Abrahams

Dann starb er nach einem erfüllten Leben. Gen 25:8

Was aber ist ein erfülltes Leben? Ein Leben, in dem Gott den ersten Platz einnimmt. Gewiß ist, daß wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen. Ein Leben, in dem wir uns in Liebe dem Nächsten zuwenden. Ein Leben, in dem wir all unsere Sorgen und Anliegen vor Gott bringen. Ein Leben, in dem wir die Liebe Gottes annehmen, nicht nur floskelhaft, sondern wirklich. Das ist der Sinn deines Lebens: geliebt zu sein und selber lieben in, mit und durch Christus, der das Leben in Fülle ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lange bevor Abraham überhaupt geboren wurde, war ich da. Joh 8:58

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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste