Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Genesis (Gen) / 1. Mose Kapitel 1 bis 11: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Genesis (Gen) / 1. Mose Kapitel 1 bis 11

Gen / 1. Mose Kap. 1

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 1

Gen 1,1: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Im Anfang: Der erste Vers der Bibel führt uns sofort in die Gegenwart Gottes. Jede Einleitung wird ausgelassen. Dieser erste Vers der Heiligen Schrift versetzt uns in die Gegenwart dessen, der die unerschöpfliche Quelle aller wahren Segnung ist. Jedes Schöpfungswerk wird eingeleitet mit: Gott sprach! Dieses gesprochene Wort ist Christus selbst, durch den alles geworden ist, also auch du und ich. Das Johannesevangelium beginnt mit denselben Worten: Im Anfang! Jesus damals, jetzt und immer und ewig! Und dieses Wort wirkt immer machtvoll, gerade auch in deinem Leben: „Er sprach und es geschah, er befahl und schon war es da.“ (Ps 33:9)

Gott ist unser Schöpfer. Vergiss nie, dass du wie der andere aus seiner Liebe heraus erschaffen wurdest.

Gen 1,2: Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.

Geist über den Wassern: Überall herrschte Finsterns. Gott aber ist ein Gott des Lichtes. Nur der Geist konnte die Finsternis erleuchten, Leben hervorbringen und Ordnung an die Stelle des Chaos setzen. In diesem Sinne wirkte er fort bis dahin, wo der Geist Gottes die Menschwerdung Christi vollbrachte. Der Geist, der über Maria kam, so dass das Wort Fleisch wurde in Jesus Christus, ist derselbe Geist, der zu Beginn der Schöpfung über den Wassern schwebte und ist derselbe Geist, der gleichfalls in unserem Leben wirkt. Lasst uns dieses vielfältige Wirken des Geistes in unserem Leben immer tiefer erkennen und rufen wir ihn täglich an: Atme in mir heiliger Geist!

Gen 1,3: Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.

Es werde Licht: Gottes Schöpfung beginnt mit dem Licht. Es tritt noch vor und unabhängig von der Sonne auf. Licht ist das unmittelbarste Abbild Gottes, aus dem alles Lebende hervor geht. Gott bringt so Licht in die Finsternis. Das gilt bis heute. Und es gilt auch für uns persönlich. Setzen wir uns immer wieder diesem Licht aus! Dieser Text wird in der Osternacht gelesen. Warum? In der Auferstehung sagt Gott neu: Es werde Licht. Die Auferstehung Jesu ist ein gewaltiger Ausbruch des Lichts, denn der Auferstandene selbst ist das wahre Licht. Wir aber sind Söhne und Töchter des Lichts.

Gen 1,4: Gott sah, dass das Licht gut war.

Gen 1,11: Gott sprach: Die Erde lasse Gras sprießen und Gewächs, das Samen hervorbringt, fruchttragende Bäume auf der Erde, von denen jeder seine Früchte bringt nach seiner Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah so.

Jeder nach seiner Art: Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art. So gibt er auch uns den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen, jeder nach seiner Art. Das dient uns zum Bild: Es gibt nicht DIE Frömmigkeit. Bei einem Priester sieht sie so aus, bei einem Lehrer so und bei einem LKW-Fahrer wiederrum so. Eines ist aber allen gleich: Die Früchte der Frömmigkeit sind anderen nützlich z.B. in der eigenen Ehe, wo mit wachsender Frömmigkeit man sich umso herzlicher und zärtlicher begegnet oder im Umgang mit dem Nächsten, wo wir schneller als früher Nachsicht und Barmherzigkeit walten lassen oder im Umgang mit Schwächeren, denen wir in Fürsorge zugedacht sind. Was sind die Blüten unseres Herzens anderes als eben dies.

Gen 1,16: Gott schuf zwei große Lichter, die Sonne für den Tag und den Mond für die Nacht, dazu alle Sterne.

Gen 1,16: Und Gott machte die zwei großen Lichter, das große Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht; dazu die Sterne.

Sonne und Mond Nr. 1: Die Sonne ist ein Bild für Christus. Der Mond kann als Bild für uns selbst gesehen werden. Der Mond hat kein eigenes Licht. So wie in der Nacht die Lichtquelle des Mondes nicht zu sehen ist, so ist auch Christus unserem natürlichen Auge verborgen. Wir haben die Verantwortung die von ihm empfangenen Lichtstrahlen an die Welt weiter zu geben. Wir sind dazu berufen, uns nicht selbst in den Blickpunkt der Welt zu stellen, sondern das Licht zu reflektieren, dass wir empfangen. Nochmals: Wir sind Kinder des Lichts.

Sonne und Mond Nr. 2: Als der gleiche Gott die geistliche Welt seiner Kirche zu erschaffen beschloss, da gab er ihr in seiner heiligen Vorsehung gleichsam am göttlichen Firmament zwei große Leuchten, von denen aber eine größer, die andere kleiner war. Die größere ist sein Sohn Jesus Christus, unser Erlöser und Herr, ein Abgrund des Lichtes, Quelle des Glanzes (Hebr 1,3), die wahre Sonne der Gerechtigkeit (Mt 4,2); die kleinere Leuchte ist die allerseligste Mutter dieses erhabenen Sohnes, die überaus glorreiche Mutter, ganz strahlend und wahrhaftig schöner als der Mond (Hld 6,9).

Gen 1,27: Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich.

Erschaffung des Menschen: Gottes Bild sind wir nicht durch äußere Merkmale, sondern durch die Freiheit mit der wir Gott gegenüberstehen als die von ihm Angeredeten und mit der Möglichkeit unserer Antwort. Wir stammen zwar ganz von der Erde, uns wurde aber der Atem Gottes eingehaucht. Wir haben unser Leben nicht aus uns selbst, sondern aus dem Lebenshauch unseres Schöpfers. Ebenso ist es mit dem heiligen Geist. Jesus haucht die Apostel an und beschenkt sie aufs neue, aber noch großartiger, mit Gottes Atem, dem heiligen Geist.

Gen / 1. Mose Kap. 2

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 2

Gen 2,2-3: Er ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn.

Der siebte Tag: Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche, der Tag der Ruhe. Durch die Auferstehung Jesus ist etwas Unerhörtes geschehen: An die Stelle des Sabbats tritt der erste Tag, der Sonntag. Es ist unmöglich, den Wert und die Wichtigkeit dieses Tages des Herrn, dem ersten Tag der Woche, zu betonen. Am diesem Tag, dem Sonntag, geht es zutiefst um die Begegnung mit dem auferstandenen Christus in Wort und Sakrament. In diesen ersten Tag wurde dann auch immer mehr das Erbe des siebten Tages, des Sabbats, aufgenommen. Wir nehmen teil an der Ruhe Gottes. Benedikt XVI

Wir halten nicht mehr den Sabbat, sondern richten unser Leben nach dem Sonntag. Ignatius von Antiochien

Gen 2,10: Es ging aber ein Strom aus von Eden, um den Garten zu bewässern.

Der Strom im Garten: Wo Gott wirkt, da spürt man das Fließen dieses Stromes. Jesus selbst spricht, dass wir von ihm trinken sollen und durch den Glauben an ihn werden auch aus dir und mir Ströme lebendigen Wassers fließen. Du und ich sind also ein Kanal dieses Stromes, durch den sich Christus auf diese Welt ergießt. Dies zu begreifen, ist wichtig. Dieser Strom ist und bleibt Christus, wie uns Worte am Ende der heiligen Schrift noch einmal eindrücklich zum Verstehen geben: Er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes. (Off 22,1)

Gen 2,17: Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben!

Baum der Erkenntnis: Das Band, das den Menschen mit Gott verband, war der Gehorsam, der sich auf das Vertrauen zu Gott und seiner Liebe gründete. Gott wollte, dass der Mensch ihm vertraut und gab ihm die Freiheit, sich selbstständig zu entscheiden. Gott lässt uns frei entscheiden, immer wieder aufs neue. Achten und beten wir darum, dass unsere Entscheidungen uns auf Gottes Wegen wandeln lässt und dass wir aus falschen Entscheidungen lernen und daran wachsen. Wir wissen nun, dass die Geschichte nicht gut ausging und es trat das Angekündigte ein: An dem Tag, da du davon isst, musst du sterben. In Christus ist nun aber alles neu und er sagt uns: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben. Heute wie damals besteht aber das Band des Gehorsams, der sich auf dem Vertrauen in Gottes Liebe gründet.

Vertraue zutiefst darauf, dass Gott dich liebt!

Gen 2,18: Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht!

Frau und Mann: Bei den Schöpfungswerken sah Gott, dass es gut war. Hier nun kommt das erste und einzigste mal ein „nicht gut“. Weil Gott sieht, dass es nicht gut ist, dass der Mensch allein sei, erschafft er dem Menschen aus dem eigenen Fleisch ein Gegenüber und so entstehen Frau und Mann. Der Mensch ist auf Gemeinschaft hin geschaffen. Es ist gut, dass du Gemeinschaft mit Menschen hast, durch die du erst voll und ganz wirst. Der Mensch wird am du zum ich. Welche Menschen hat Gott dir zur Seite gestellt, so dass du nicht allein bist und am Du zum Ich werden kannst?

Ein Irrtum ist, dass die Frau aus der Rippe des Mannes erschaffen wurde. Hier ist eindeutig vom Mensch die Rede ohne geschlechtliche Festlegung. Der Mann wird erst zusammen mit der Frau erschaffen.

Bedeutung von Gemeinschaft: Der Mensch wird nicht so sehr im Augenblick seiner Einsamkeit als vielmehr im Augenblick der Gemeinschaft zum Abbild Gottes. Denn er ist von Anfang an nicht nur Abbild, in dem sich die Einsamkeit einer Person, die die Welt beherrscht, widerspiegelt, sondern auch und ganz wesentlich Abbild einer unergründlichen göttlichen Gemeinschaft von Personen. Das stellt vielleicht sogar den tiefsten theologischen Aspekt von allem dar, was sich über den Menschen sagen lässt. Das bedeutet für uns, dass die Suche nach der menschlichen Identität immer durch communio hindurchgehen muss. Johannes Paul II

Der Erzählung der Genesis folgend haben wir gesehen, dass die endgültige Erschaffung des Menschen in der Erschaffung der Einheit zweier Wesen besteht. In der biblischen Erzählung ist die Einsamkeit der Weg, der zu jener Einheit führt. Wie wir bereits gesehen haben, erwirbt der Mensch in seiner ursprünglichen Einsamkeit im Prozess der Abgrenzung von allen Lebewesen ein persönliches Bewusstsein. Gleichzeitig öffnet er sich in dieser Einsamkeit einem ihm verwandten Wesen, das in Genesis als ein ihm passender Helfer definiert wird. Der Mensch wird weniger im Moment der Einsamkeit als im Moment der Gemeinschaft zum Ebenbild Gottes. Er ist von Anfang an nicht nur ein Bild, in dem sich die Einsamkeit eines Weltherrschers widerspiegelt, sondern auch und wesentlich ein Bild einer unergründlichen göttlichen Personengemeinschaft. Johannes Paul II

Gen 2,20: Da gab der Mensch jedem Vieh und Vogel des Himmels und allen Tieren des Feldes Namen.

Namensgebung der Tiere: Bemerkenswert ist, dass nun dem Menschen ein erster Akt seiner Autonomie gewährt wird; bzw. der Mensch erhält durch die Benennung der Tiere Teilhabe an der göttlichen Herrschaftsausübung. Die Benennung bedeutet, dass der Mensch seine Welt ordnet.

Gen 2,21: Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen; und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.

Erschaffung der Dualität: Nein, dieser Vers beschreibt nicht die erste Anästhesie und chirurgische Operation. Der tiefe Schlaf, der auf den Menschen fällt, ist in anderen Bibelstellen ein Hinweis auf Gottes wunderbares Eingreifen, das dem Menschen verborgen bleibt. Auch ist der Begriff, der hier mit „Rippe“ übersetzt wird, kein rein anatomischer, sondern bedeutet allgemein „Seite“. Es geht darum, dass in der Schöpfung eine enge Verbindung von Mann und Frau angelegt, die zuläuft auf die Aussage in Vers 24: dass Mann und Frau „ein Fleisch“ werden

Der Mensch ist kein Einzelkämpfer. Ja, er ist sogar unvollendet, wenn er allein ist. Aus der Sicht der Bibel findet der Mensch erst in einem ihm gleichwertigen Gegenüber den Beistand, der ihn vollendet. 

Gen 2,24: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein.

Gen / 1. Mose Kap. 3

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 3

Gen 3,1: Die Schlange sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?

Schlange der Versuchung: Wir leben aus dem Vertrauen auf Gott. Genau hier setzt die Schlange an und sät Mißtrauen: Hat Gott das wirklich gesagt? Als Adam und Eva, verführt durch die Lüge Satans, wider das göttliche Gebot nach der geheimnisvollen Frucht gegriffen haben, setzten sie an die Stelle der Logik der Liebe jene des Misstrauens. Die Schlange, der Satan, versuchte Eva, indem sie ihr Zweifel an Gottes Güte einredete. So erschüttert die Schlange das Vertrauen in die Liebe Gottes und das brachte den Tod in die Welt. Die Erkenntnis Gottes als die Liebe selbst dagegen bringt das Leben. Jesus offenbarte uns, wie Gott ist. Gott ist Liebe! So hängt also alles von dieser Erkenntnis Gottes ab.

Wo erkenne ich Gottes Liebe und Güte in meinem Leben, so dass ich dankbar darüber nachdenken darf?

Gen 3,6: Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Es wäre bestimmt gut, von ihm zu essen, dachte sie. Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden! 

Die Gier nach mehr: Die Gier steht am Beginn unserer Geschichte. Bei Eva im Paradies erwacht ein Begehren nach etwas, das sie nicht braucht und dennoch haben will. Die Lebensbedingungen im Paradies waren vollkommen, und dennoch war alles, was Gott den beiden gegeben hatte, nicht genug. Wirke dem entgegen: Du wirst in deiner Gottverbundenheit wachsen, wenn du das, was du besitzt, nicht als dein Eigentum betrachest, sondern als Geschenk Gottes, das du mit anderen teilen willst und kannst. Die Großzügigkeit bricht die Macht von Gier im Herzen, denn „nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, der viel gibt.“ (E. Fromm)

Gen 3,7: Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren.

Erkenntnis der Nacktheit: Dies nun ist die Folge des Abfallens von Gott. Ihr geöffnetes Auge erblickte ihren elenden Zustand. Sie beginnen, sich zu schämen und versuchen, sich zu verbergen. Die Nähe Gottes füllt ihn nicht mehr mit Freude, sondern mit Furcht: Ängstlich versteckten sie sich (Gen 3:8). Aussichtslos! Wir müssen zu unseren Fehltritten stehen. „Die wahrlich gesegneten sind diejenigen, die ihre eigenen Sünden sehen können.“ (Antonius der Große). Nur so kann die Unruhe und der Unfrieden, der damals Adam und Eva überkam und der auch in uns ist, geheilt werden. Nur so wird das Herz wieder Ruhe bei Gott am Kreuz finden, da sich hier die Liebe Gottes offenbart, die uns sagt: Habt keine Angst! Ich habe euch erlöst.

O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! Osterlob in der Osternacht

Gen 3,9: Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du? Gen 3:9

Wo bist du? Ergreifend! Lesen wir die Bibel mit dem Herzen. Der Mensch ist gefallen und das erste, was Gott tut: er sucht ihn. Nicht physisch sucht der Allwissende ihn, sondern sein Herz sucht er. Gott sucht dich, dein Herz! Täglich! Gott ist ein Vater, der nicht gerne verliert. Er sucht freudig und mit der Schwäche der Liebe. Statt sich nun finden zu lassen und Reue zu zeigen, weist der Mensch aber die Schuld von sich: „Die Frau, die du mir gegeben hast, ist schuld daran!“ (Gen 3:12). Kennen wir das nicht auch von uns? Erstmal die Schuld auf andere schieben.

Glückselig, der seine Schuld erkennt. Glückselig, der achtsam wahrnimmt, wo Gott ihn sucht. Glückselig, wer sein Herz öffnet und sich finden lässt: heute, hier und jetzt!

Gen 3,15: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir [Schlange] und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.

Zertreten des Kopfes: Nach dem Fall des Menschen Fall hat Gott ihn wieder aufgerichtet in Hoffnung auf das Heil, indem er die Erlösung versprach. Dieser Vers beinhaltet einen verheißungsvollen Ausblick auf die Erlösung durch die Passion und Auferstehung Jesu Christi. Die Schlange wird ihm in die Ferse stechen. Das ist ein Bild für das Leiden Christi. Das Stechen der Ferse geschah am Kreuz von Golgatha. Er wird der Schlange den Kopf zertreten. Das ist der Sieg Christi am Kreuz über das Böse und den Tod. Durch seinen Tod und seine Auferstehung zertrat Jesus den Kopf des Satans, indem er uns von den Sünden erlöste.

Er hat für uns beim ewigen Vater Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat. Osterlob in der Osternacht

Gen 3,23: So schickte ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden.

Vertreibung aus dem Paradies: Adam erhob sich, um Gott gleich zu sein und Christus, der Gott war, machte sich selbst zu nichts, um ein Mensch zu sein und wurde gehorsam bis zum Tod, der andere war ungehorsam bis zum Tod. Bei meiner Vorbereitung der Impulse zum Buch Genesis, habe ich immer tiefer erkannt, was Augustinus mit seiner Aussage meint: „Das Neue Testament ist im Alten verhüllt, das Alte im Neuen enthüllt.“ Und so lässt sich das neue nicht ohne das alte Testament begreifen und umgekehrt. Beispielhaft kannst du das an folgenden zwei Versen aus dem Römerbrief (5:18‭-‬19) ersehen:

Durch die Sünde eines einzigen Menschen sind alle Menschen in Tod und Verderben geraten. Aber durch die Erlösungstat eines einzigen Menschen sind alle mit Gott versöhnt und bekommen neues Leben. Durch Adams Ungehorsam wurden alle Menschen vor Gott schuldig, aber weil Jesus Christus gehorsam war, werden sie von Gott freigesprochen.

Gen / 1. Mose Kap. 4

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 4

Gen 4,9: Soll ich meines Bruders Hüter sein?

Hüter des Nächsten: Abel und Kain bringen ein Opfer dar. Das Opfer von Abel sieht Gott an, das von Kain nicht. Kain wird wütend und bringt seinen Bruder um. Der erste Mord der Bibel ist ein Brudermord aus Neid! Kain weicht Gottes Nachfrage mit einer rhetorischen Gegenfrage aus: Soll ich meines Bruders Hüter sein? Keinerlei Reue. Für uns allerdings ist diese Frage ein real dringlicher Auftrag. Ja, wir sollen Hüter unserer Mitmenschen sein (gerade und besonders in der eigenen Familie!).

Worte von Benedikt XVI: Auch heute ertönt nachdrücklich die Stimme des Herrn, der jeden von uns dazu aufruft, sich seines Nächsten anzunehmen. Auch heute fordert Gott von uns, Hüter zu sein, Beziehungen zu schaffen, die von gegenseitiger Fürsorge geprägt sind, von der Aufmerksamkeit für das Wohl des anderen und für dessen gesamtes Wohl. Das große Gebot der Nächstenliebe drängt dazu, sich der eigenen Verantwortung gegenüber dem bewußt zu sein, der wie ich Geschöpf und Kind Gottes ist.

Hüter des Nächsten sein? Ja, das soll ich!  Die Frage der Verantwortung für den nächsten bleibt bis heute, stellt sich immer wieder neu, wenn ich Menschen begegne, ihnen in die Augen schaue, ihre Worte höre, mich von ihnen treffen lasse. Am Ende des Tages frage ich mich: für wen war ich heute ganz konkret verantwortlich, wen habe ich gehütet? Auch: Wo habe ich etwas Gutes auch  unterlassen. Bedenken wir: Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Sanftmut beinhaltet einen behutsamen Umgang mit dem Nächsten. Diese Behutsamkeit ist vorsichtig, weil sie keinen Schaden an den andern herankommen lassen will. Jede Menschenseele ist kostbar und es wert, dass wir sie behutsam behandeln. Im Wort behutsam steckt das Wort hüten. Wir sind dazu gerufen Hüter zu sein, andere Menschen zu behüten, für sie in welcher Form auch immer verantwortlich zu sein. Damit folgen wir den Spuren Jesus, welcher der oberste Hüter aller Seelen ist. Auf die Frage von Kain Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders? müssen wir also schlicht, kurz und einfach antworten: Ja!

Sanftmütig ist, wer den Nächsten und sich selbst erträgt. Juan de la Cruz

Gen / 1. Mose Kap. 7

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 7

Gen 7,10: Es geschah, dass die Wasser der Sintflut auf die Erde kamen.

Die Sintflut: Das Bild von der Sintflut offenbart, dass es eines Neuanfangs bedarf, einer neuen Schöpfung, die in Jesus Christus ihre volle Erfüllung finden wird. Die Sinflut ist ein Bild für den Tod Christi. Wie die Erde damals von der Sinflut bedeckt war, so wurde Christus vom Gericht überspült: „Alle deine Wellen und Wogen sind über mich gegangen.“ (Ps 42:8). Christus ging für uns durch Tod und Gericht und machte sich damit selbst zu unserer vollkommenen Arche, zu unserem Bergungsort. Das ist der Friede Christi, indem wir wohnen. Indem wir Jesus nachfolgen, auf seine Worte hören und an ihn glauben, finden wir Gnade beim Herrn, so wie damals Noah.

Gen 7,16: Der Herr schloss hinter ihm zu.

Gott schließt die Tür: Nicht Noah schließt die Tür. Gott schließt die Tür zur Arche. Die Rettung ist Gottes Werk. Dadurch war Noah und seine Familie in der Arche in Sicherheit. Außerdem hatte die Arche oben ein Fenster, das zum Himmel gerichtet war. Dieses Fenster ist ein Bild von der glücklichen Gemeinschaft, die wir mit Gott haben dürfen, wenn wir unsere Augen himmelwärts richten. In der gleichen Sicherheit und Gemeinschaft leben wir in unserem Leben mit Christus, der allein öffnen und schließen kann und der unser Fenster zum Himmel ist, denn wer Jesus sieht, der sieht den Vater: „Wo er aufschließt, kann niemand mehr zuschließen.“ (Offb 3:7)

Gen / 1. Mose Kap. 8

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 8

Gen 8,18;20-21: So ging Noah hinaus. […] Noah aber baute dem Herrn einen Altar […] und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch.

Der erste Altar: Die Wasser gingen zurück. Noahs erste Handlung ist es, Gott für die Rettung zu danken. Er baut einen Altar, um Gott anzubeten. Dies ist die erste Stelle in der Bibel, wo ein Altar erwähnt wird. Auch dies kann als Bild für uns dienen. Wir beten Gott an und danken ihm, nachdem wir in Christus, unserer Arche, unsere Rettung erkannt haben. Wir danken ihm für die vielerlei Liebesbeweise uns gegenüber. Nach Krisen, einer Krankheit, nach einer schweren Entscheidung, Arbeitssuche oder einer Trauerzeit, aber auch für die vielen kleinen unscheinbaren Dinge, sagen wir: Danke Gott! Dieser herzliche und aufwändige Dank rührt Gottes Herz.

Wäre das Wort Danke das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen. Meister Eckhart

Gen / 1. Mose Kap. 9

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 9

Gen 9,13: Meinen Bogen setze ich in die Wolken. Er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde.

Es sind im Leben die Zwischenbereiche, die Übergänge, die Bereiche zwischen Sintflut und Neubeginn, wo wir die Ermutigung, die Zeichen der Hoffnung besonders brauchen. Gottes Bogen in den Wolken – das ist nicht die Verheißung des wolkenfreien Himmels oder eines von Sorge und Leid völlig unberührten Lebens. Da kann Depression den Himmel verdunkeln oder auch der Tod eines Menschen. Der Verlust des Arbeitsplatzes. Eine verlorene Liebe. Aber mit der Zusage des Segens, dass wir diese Welt in Verantwortung gestalten dürfen, lässt es sich leben und die nächsten Schritte wagen. Wir wissen alle um die Begrenztheit unseres Lebens. Der Tod ist mitten im Jetzt gegenwärtig. Das Kreuz ist Teil unserer Existenz. Und doch gibt es in all den dunklen Wolken diese geradezu kindliche Freude an den Farben, an der Liebe, an den Möglichkeiten einer je neu eröffneten Zukunft. Margot Käßmann

Der Regenbogen ist das Zeichen für die göttliche Zusage: Alles wird gut! Pfarrer Daniel Eschbach

Gen / 1. Mose Kap. 11

Auslegung und Kommentar zu Gen / 1. Moses Kap. 11

Gen 11,1: Und die ganze Erde hatte ein und dieselbe Sprache und ein und dieselben Worte. Und sie sprachen: Wohlan, wir wollen uns eine Stadt und einen Turm bauen, und seine Spitze bis an den Himmel! So wollen wir uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Fläche der Erde zerstreuen.

Gen 11,6-7: Und der Herr sprach: Siehe ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie alle, und dies ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts unmöglich sein, was sie zu tun ersinnen. Wohlan, lasst uns herabfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht mehr verstehen!

Die Sprache: Und seitdem hat die Menschheit ein Problem. Wir sprechen verschiedene Sprachen und können uns oft nicht verständigen. Aber auch wenn wir ein- und dieselbe Sprache sprechen, reden wir doch des öfteren aneinander vorbei. Oft verstehen wir nichts von dem was der Gegenüber meint und was er von uns will. Viele Missverständnisse und Streitereien entstehen nur deshalb, weil wir uns nicht klar genug ausdrücken oder nicht konzentriert genug zuhören. Sprechen und Hören gehören eben zusammen. Es genügt nicht, wenn der eine nur spricht – der andere aber nicht zuhört. Viele Missverständnisse entstehen aber auch dadurch, weil Probleme nicht angesprochen werden. Sprachlos – Ratlos – Hilflos, stehen wird dann da. Spannungen können sich nur entspannen, wenn über die Probleme gesprochen wird. Rolf Aichelberger

Gen 11,4: Lasst uns eine Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht.

Turmbau von Babel: Der Turm von Babel ist ein mahnendes Bild für uns, wenn wir in der Gefahr stehen, dem Irrtum zu unterliegen, durch unser Bemühen, durch unsere guten Werke den Himmel zu erreichen, statt die Errettung als freies Geschenk der Gande anzunehmen. Wie häufig versuchen wir alles selbst in die Hand zu nehmen und vernachlässigen dabei die Sehnsucht nach dem Himmel und das Vertrauen auf Gott. Gott zwingen wir nicht durch unsere Taten herab. Er ist immer und in jedem Augenblick das freie Geschenk von oben. Gott lässt den Turmbau scheitern, indem er die gemeinsame Sprache der Menschen verwirrte. So ist es auch ein Akt seiner Liebe wenn er hier und da unser Bemühen scheitern lässt, um uns zum alleinigen Vertrauen auf ihn hin zu führen.

Gen 11,7-8: Lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, damit keiner mehr die Sprache des anderen versteht!


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Genesis (Gen) / 1. Mose Kapitel 1 bis 11


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste