Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Kohelet (Koh) Kapitel 5 bis 12: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Kohelet (Koh) Kapitel 5 bis 12

Koh Kap. 5

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 5

Koh 5,1: Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde – also sei sparsam mit deinen Worten!

Achtsames Gebet: Beginne jedes Gebet damit, dich in Gottes Gegenwart zu versetzen. Dringe beim Beten mit deinem Geist und Herz tief in seine Gegenwart. Bete nicht hastig, um viel zu beten, sondern bemühe dich, von Herzen zu beten. Es sind nicht die schönen und langen Gebete, auf die Gott achtet, sondern jene, die aus dem Herzensgrund kommen, mit Ehrfurcht und Sehnsucht vorgetragen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies der Schlüssel zu einer erfüllenden Gottesbeziehung ist, aus der Glück und Freude hervor quellen! Gott segne dich und diesen Tag und lass dich zum Segen für jene werden, denen du heute begegnest!

Koh 5,6: Begegne Gott mit Ehrfurcht!

Koh Kap. 6

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 6

Koh 6,9: Sei zufrieden mit dem, was du hast und verlange nicht ständig nach mehr, denn das ist vergebliche Mühe.

Zufriedenheit in Bescheidenheit: Wenn man begehrt, was man nicht hat, ist man unzufrieden. Und weil man nie alles haben, alles genießen, alles sehen und erleben kann, wird man nie zufrieden sein. „Willst du glücklich werden, vermehre nicht deinen Besitz, sondern vermindere deine Wünsche!“ (Seneca) Wir denken dabei meist an materielle Werte. Schwerwiegender für unsere Seele sind allerdings andere Bereiche z.B. ein überhöhtes Begehren nach Anerkennung und Ehre. Vermindere deine Wünsche. Begehre weniger. Lass den perfektionistischen Anspruch, was du alles haben solltest. Auch wenn dieses Loslassen Kraft und Leiden kosten, am Grund wartet eine stille Zufriedenheit, die unabhängig ist von allem Äußerem. Herr, lass dein Licht in unseren Herzen aufstrahlen und führe uns durch das Dunkel dieses Lebens in deine unvergängliche Klarheit.

Koh Kap. 7

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 7

Koh 7,3: Trauer verändert den Menschen zum Guten.

Das Gefühl der Trauer: Um in der vollkommenen Freude zu leben, ist es enorm wichtig, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen. Trauer ist eines dieser wichtigen Gefühle, dass nicht unterdrückt, sondern gelebt werden muss. Wenn wir berechtigte Trauer über welche Wunde auch immer nicht zulassen, als sei sie nicht da, fängt sie an zu eitern. Ein oberflächlicher Aufruf zur Freude im Sinne von „Lach doch mal“ ist zum Scheitern verurteilt. Es sind oft die schmerzhaften Zeiten, die uns in wahrer Trauer enger zusammenschweißen, die in uns Empathie und Mitgefühl entstehen lassen, die intensive Nähe zu Mitmenschen und zu Gott entstehen lassen und so paradoxerweise die Grundlage tiefer Freude bilden.

Wird die Trauer verweigert, können Menschen innerlich erstarren. Anselm Grün

Koh 7,9: Werde nicht schnell zornig, denn nur ein Dummkopf braust leicht auf.

Gegen den Zorn: Zürne überhaupt nie, wenn es möglich ist. Werden wir einmal aus Schwäche davon überrascht, dann schlage ihn rasch nieder. Nimm schnell aber ruhig deine Kraft zusammen, sobald du ihn aufsteigen fühlst und rufe um Hilfe zu Gott. Er wird unsere Leidenschaft zum Schweigen bringen und es wird eine große Ruhe sein. Wenn wir dagegen heftig gegen den Zorn ankämpfen, machen wir unser Herz oft unruhiger, als es vorher war, so dass es vor Aufregung nicht mehr Herr über sich selbst ist. Hast du im Zorn gehandelt, dann mache den Fehler sofort wieder gut durch einen Akt der Sanftmut gegen jene, über die du in Zorn geraten bist. Es heißt doch, dass frische Wunden am raschesten heilen.

Koh 7,14: Wenn es dir gut geht, dann freu dich über dein Glück und wenn es dir schlecht geht, dann bedenke: Gott schickt dir beides, und du weißt nie, was die Zukunft bringen wird.

Alles von Gott annehmen: Die Grundhaltung hier ist zum einen die Bereitschaft, auch die schweren Lebenserfahrungen im Vertrauen auf den Schöpfergott anzunehmen. Zum anderen wird immer wieder zum Genuß aufgerufen. Das ist aber kein Aufruf zum oberflächlichen Genußleben. Sein Aufruf zur Lebensfreude ist vielmehr in seinem Schöpfungsglauben verwurzelt. Wer an die Welt als Gottes Schöpfung glaubt, wird ihre Herrlichkeiten dankbar als Gottes Geschenk genießen. Es gilt, das Gegenwärtige zu ergreifen im Blick auf das Zukünftige. Es gilt zu handeln, zuzupacken, die von Gott geschenkten Möglichkeiten zu nutzen und die dunklen Tage, die kommen werden, von vornherein einzuschließen.

Koh 7,22: Du weißt genau, dass auch du schon oft über andere hergezogen bist.

Hüten vor Übergerechtigkeit: Es gibt keinen Menschen, der ohne Schuld wäre. Im Blick auf die eigenen Grenzen soll man gerade gegenüber dem Nächsten großzügig sein. Das ist eine gottgewollte, menschenfreundliche Haltung. Denn wer dem Nächsten in strenger Weise ständig die vollkommene Gerechtigkeit vorhält, stellt ein Ziel auf, das unerreichbar ist. Man steht dann in der Gefahr übergerecht zu werden. Übergerechtigkeit bestünde dann darin, die Augen vor der eigenen Fehlbarkeit zu verschließen, aber sofort beim Nächsten den Finger in die Wunde zu legen. Solche Übergerechtigkeit kann gegenüber anderen Menschen leicht zur Erbarmungslosigkeit werden

Koh 7,24: Was geschieht, kann man nicht ergründen. Es ist tief verborgen und nicht zu verstehen.

Leben mit der Ungewissheit: Gott ist der schlechthin Andere, zu dem der Mensch beten, über den er aber nicht durch wortreiches Gebet verfügen kann. Es geht darum, Gott als den ganz Anderen, den Transzendenten zu erfahren, dessen tiefes Geheimnis uns Menschen letztlich entzogen bleibt. Der Mensch kann Gottes Tun nicht finden. Den begrenzten Menschen bleibt es unmöglich, die Fülle der Wirklichkeit restlos zu durchschauen. Der Mensch mag sich noch so sehr mühen und anstrengen, er wird auf Grenzen stoßen, die für ihn unüberschreitbar sind. So weiß er nicht, was auf ihn zukommt, und niemand kann ihm sagen, was die Zukunft bringt.

Koh Kap. 8

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 8

Koh 8,11: Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun.

Das Böse im Menschen: Das Böse im Menschen wird so lange vorhanden sein, bis das Gute die Macht endgültig übernimmt. Doch wann ist dies der Fall? Wann wird das Gute endgültig über das Böse in dieser Welt siegen? Wann wird Gott sein Reich aufrichten, wann wird Jesus Christus wiederkommen? Keiner weiß das. Und doch hat Gott schon gehandelt. Das Böse in dieser Welt wird nicht auf Dauer die Macht über uns Menschen haben. Durch den Tod am Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi, ist das Böse besiegt. Es hat keine Macht mehr, über die Menschen, die ihr Leben mit Jesus gehen. Rolf Aichelberger

Jesus Christus ist in diese Welt gekommen um das Böse zu besiegen. Das Böse wird auf Dauer keine Macht haben! Wer sich Jesus Christus anvertraut, darf mit seiner Hilfe rechnen und das Böse in sich besiegen lassen. Ich denke nicht, dass wir das Böse in den Menschen besiegen können. Ich denke, wir können nur dem Bösen in uns den Kampf im Namen Jesus Christus ansagen und uns von Jesu Liebe und seinem guten und Heiligen Geist verändern lassen. Und als von Jesus geliebte Menschen, können wir den (bösen) Menschen in Liebe begegnen. Nur dadurch kann sich in diesen Menschen etwas ändern. Rolf Aichelberger

Koh Kap. 9

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 9

Koh 9,7: Iss dein Brot, trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! Denn Gott hat schon lange sein Ja dazu gegeben.

Aufruf zur Fröhlichkeit: Das Carpe-diem, Genieße den Tag, wird hier in den Horizont der biblischen Schöpfungstheologie gestellt. Eine Genuss-Verweigerung käme der Nicht-Annahme eines Geschenkes gleich und wäre, theologisch gesprochen, eine Form des Unglaubens. Kohelet versteht Freude und Genuss keineswegs bloß als Betäubungsmittel, die dem Menschen helfen, die Erbärmlichkeit seines Lebens zu vergessen. Das fröhliche gemeinsame Essen wirkt vermenschlichend. Dieser humanisierende Akt ist Gott wohlgefällig. Gott freut sich, wenn seine Geschöpfe sich freuen. Essen und Trinken sind ein Geschenk Gottes und ein Recht der Menschen.

Koh 9,7: Iss dein Brot, trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! Denn Gott hat schon lange sein Ja dazu gegeben.

Eucharistie und Schrift: Es gibt von den Kirchenvätern hier eine christologische Auslegung. Hieronymus sieht in dieser Seelennahrung das Studium der Heiligen Schrift sieht. Aus christlicher Perspektive kommen dann noch die eucharistischen Gaben Brot und Wein dazu. Das Essen und Trinken, an dem man sich erfreuen soll, kann daher, zu Ende gedacht, nur Schrift und Eucharistie sein. So haben wir nur dieses Gut in der gegenwärtigen Welt, dass wir uns von seinem Leib nähren und von seinem Blut trinken, nicht nur im eucharistischen Geheimnis, sondern auch in der Lektüre der Schriften. Denn das wahre Fleisch und Blut, das man aus dem Wort Gottes zu sich nimmt, ist die Kenntnis der Schriften.

Koh 9,9: Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, solange du dein vergängliches Leben führst, das Gott dir auf dieser Welt gegeben hat. Genieße jeden flüchtigen Tag, denn das ist der Lohn für deine Mühen.

Genieße das Leben: Ja ich möchte es genießen, es als Geschenk Gottes annehmen. Es genießen, mit meiner Frau, die ich liebe. Möchte mich mit Freunden treffen, die mir wertvoll sind. Möchte mich selbst lieben, weil Gott mich so geschaffen und gewollt hat. Möchte mir immer mal wieder auch selbst etwas Gutes tun, so wie es der Prediger geschrieben hat. Möchte noch so viele Momente auf dieser Erde verbringen. Möchte mich freuen auf ein Leben bei Gott! Genieße auch Du das Leben, heute – und nicht erst morgen. Und freue Dich an Deinem Gott. Sei ihm dankbar, dass er Dir das Leben geschenkt hat und sich an Dir freut. Genieße diesen Tag. Rolf Aichelberger

Koh Kap. 10

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 10

Koh 10,4: Gelassenheit bewahrt vor großen Fehlern.

Der Nutzen von Gelassenheit: Gelassenheit ist eine wichtige Tugend, die uns ermöglicht in schwierigen Situationen eine innere Ruhe zu bewahren und uns so vor überhitzten Reaktionen und damit einhergehenden Fehlern zu bewahren. Gelassenheit ist eine erstrebenswerte Stetigkeit der Seelenverfassung inmitten der Unbeständigkeit unseres leiblichen wie geistlichen Lebens. Einfach gesagt, schwer umgesetzt. Und dennoch: im Annehmen dessen, dass das Leben mal so und mal so ist, mal hell und mal dunkel, wir aber immer und täglich im Heute dem einen Gott dienen, der uns hier wie dort hält, darin liegt das Eingangstor zur Gelassenheit, in der wir uns nicht mehr vom Auf und Ab unserer Launen beherrschen lassen, was übrigens stressbedingt auch gesundheitliche Folgen hat: Gelassenheit hält auch den Körper gesund, doch Leidenschaft ist Knochenfraß. (Spr 14,30)

Koh 10,8: Wer eine Grube gräbt, kann hineinfallen.

Koh Kap. 11

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 11

Koh 11,6: Am Morgen beginne zu säen.

Gottes Gaben einsetzen: Es gilt, die von Gott geschenkten Gaben und Fähigkeiten zu nutzen, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Jeden Tag neu! Alles hängt davon ab, ganz im Jetzt zu leben und im Augenblick tatkräftig zuzupacken, wo es sich mir anbietet. Nütze dein kurzes, vergängliches Leben, koste es aus und beziehe Gott von vornherein in deinen Lebensplan ein.

Koh 11,7: Wie schön ist es, am Leben zu sein und das Licht der Sonne zu sehen!

Die Schönheit des Lebens: Sich an dem zu freuen, was der Tag bringt, diese Aufforderung zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Die Freude ist es, die den Menschen bei all seiner Mühe begleitet. Sie macht menschliches Leben überhaupt erst sinnvoll, gibt ihm Glanz. Die Lebenstage sind Gottes Geschenk und Gabe. Die schönen Dinge des Lebens als Geschenk Gottes dankbar genießen, immer im Wissen um die Begrenztheit des eigenen Lebens, das ist sicher mehr als ein oberflächliches Genieße den Tag. Kohelet steht hier ganz in der Tradition alttestamentlicher Schöpfungsfreude.

Gregor von Agrigento: Süß ist das Licht, und es tut den Augen wohl, die Sonne zu sehen. Deshalb sagte schon Mose: Gott sah, dass das Licht gut war. Wie gut tut es uns, an das große, wahre und unzerstörbare Licht zu denken, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt, an Christus also, den Erlöser und Befreier der Welt. Nachdem er sich vor den Augen der Propheten enthüllt hatte, wurde er Mensch und drang bis in die letzten Tiefen menschlichen Daseins vor. Von ihm spricht der Prophet David: Lobsinget Gott, bringt seinem Namen ein Loblied; bereitet dem Bahn, der heraufzieht über den Sonnenuntergang! Herr ist sein Name! Frohlocket vor seinem Angesicht. Und dann noch Jesaja mit seiner großen Stimme: Ihr Völker, die ihr in der Finsternis sitzt, schaut dieses Licht! Für euch, die ihr im Land des Todesschattens wohnt, wird ein Licht aufleuchten. So kündigt also das Licht der Sonne, das wir mit unseren leiblichen Augen sehen, die geistliche Sonne der Gerechtigkeit an. Die süßeste Sonne, die denen aufgegangen ist, die das Glück hatten, von ihr, nämlich von Christus, belehrt zu werden und ihn mit ihren leiblichen Augen zu sehen, während er als gewöhnlicher Mensch unter den Menschen weilte. Und doch war er nicht bloß ein gewöhnlicher Mensch, denn da er als wahrer Gott geboren war, konnte er machen, dass Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Aussätzige rein werden und Tote durch ein Wort zum Leben erwachen.

Koh 11,8: Freu dich über jedes neue Jahr, das du erleben darfst!

Koh 11,10: Lass dich nicht von Kummer und Sorgen beherrschen.

Koh 11,10: Halte deshalb dein Herz von Ärger frei und deinen Körper von Bosheit. Denn Jugendzeit und dunkles Haar verfliegen sehr schnell.

Der Umgang mit Sorgen: Krankheit kann man sich auch durch Ärger zuziehen. Seelisches und körperliches Wohlbefinden bedingen einander. Hierzu gibt es einen schönen Text im Buch Sirrach (30,23ff): Überrede dich selbst, und beschwichtige dein Herz, halte Verdruss von dir fern! Denn viele tötet die Sorge, und Verdruss hat keinen Wert. Neid und Ärger verkürzen das Leben, Kummer macht vorzeitig alt. Der Schlaf des Fröhlichen wirkt wie eine Mahlzeit, das Essen schlägt gut bei ihm an.

Worte von Anselm Grün: Versuche alles, damit du einen Ausbruch deines Ärgers vermeidest. Die Frage ist, wie wir mit unserem Ärger umgehen. Wir können den ganzen Tag Selbstgespräche führen und uns in den Ärger hineinsteigern. Dann schaden wir uns selbst. Oder wir können den Ärger anschauen und nach seinen Gründen fragen. Dann bekommen wir Distanz zum Ärger. Wir können mit ihm umgehen. Manchmal ist der Ärger der Impuls, mich besser abzugrenzen. Ich kann Ärger nicht absolut vermeiden. Aber ich kann es vermeiden, dass ich mich vom Ärger bestimmen lasse. Ärger ist eine Emotion. Dass sie in mir auftaucht, kann ich nicht verhindern. Aber wie ich damit umgehe, das ist meine Entscheidung. Wenn ich angemessen mit dem Ärger umgehe, dann ärgere ich mich nicht, sondern nehme den Ärger als einen Impuls von außen, der mich antreibt, mich entweder besser abzugrenzen oder etwas anzupacken, damit es besser läuft.

Koh Kap. 12

Auslegung und Kommentar zum Buch Kohelet (Koh) Kap. 12

Koh 12,1;13: Denk schon als junger Mensch an deinen Schöpfer, bevor die beschwerlichen Tage. Begegne Gott mit Ehrfurcht.

Ehrfurcht vor Gott: Religiöse Praxis muss so sein, dass etwas von dem tiefen Respekt deutlich wird, mit dem der begrenzte Mensch dem unbegreiflichen Gott entgegentritt, dem Gott, der letztlich der geheimnisvolle, ganz andere bleibt. Bei der Gottesfurcht geht es um eine religiöse Grundhaltung, die Gott als den Schöpfer aller Dinge anerkennt und ganz ernst nimmt. Die Gottesfurcht wird ihm zum Kompass, der hilft, sich bei schwierigen ethischen Entscheidungen zurechtzufinden. Zu ihm werden wir zur bestimmten Zeit heimkehren.

Koh 12,5;7: Dann trägt man dich in deine ewige Wohnung. [….] Dann kehrt der Leib zur Erde zurück.

Koh 12,14: Denn Gott wird Gericht halten über alles, was wir tun, sei es gut oder böse, auch wenn es jetzt noch verborgen ist.

Das Gericht: Das Begegnen mit Christus ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung. So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe über alles Böse in der Welt und in uns. Das Gericht Gottes ist Hoffnung, sowohl weil es Gerechtigkeit wiewohl weil es Gnade ist. Wäre es bloß Gnade, die alles Irdische vergleichgültigt, würde uns Gott die Frage nach der Gerechtigkeit schuldig bleiben. Wäre es bloße Gerechtigkeit, würde es für uns alle am Ende nur Furcht sein können. Die Menschwerdung Gottes in Christus hat beides so ineinandergefügt, daß Gerechtigkeit hergestellt wird

Abschließender Gedanke

Abschließen möchte ich mit folgendem christologischen Gedanken: im ersten Kapitel stellt Kohelet diese rhetorische Frage: Gibt es etwas Neues? Zur Zeit Kohelets ist die Antwort: nein! In unserer Zeit lautet die Antwort: Ja! Die Frage, ob es auf der Welt etwas Neues geben könnte, können wir seit der Auferstehung mit Ja beantworten. Am Ostermorgen ist alles neu geworden. Eine Neuheit, die das Leben dessen, der sie annimmt, verändert. In der Auferstehung sagt Gott neu: Es werde Licht! Der Auferstandene selbst ist Licht, das Licht der Welt. Er ist das reine Licht: Gott selbst, der eine neue Schöpfung mitten in der alten werden läßt, Chaos zu Kosmos gestaltet.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Kohelet (Koh) Kapitel 5 bis 12.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste