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Jesaja (Jes) Kapitel 49 bis 55: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Jesaja (Jes) Kapitel 49 bis 55

Jes Kap. 49

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 49

Jes 49,6: Ich habe dich zum Licht für alle Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung bringst, die von mir kommt!

Licht für alle Völker: Der Gottesknecht wird angekündigt. Der Prophet beschreibt den künftigen Retter anders, als man ihn erwartet: nicht als übermächtigen und siegreichen Herrscher, sondern als Gottesknecht: verachtet, verabscheut, unterdrückt. Als das fleischgewordene Wort noch im Mutterleib Mariens war, hat der Engel seinen Namen überbracht: Jesus. Am Kreuz ist er scheinbar gescheitert, vergeblich hat er sich abgemüht. Aber von Gott auferweckt ist er das Licht der Hoffnung für dich und alle Menschen in der Welt. Und alle werden sich vor ihm nieder werfen, er, der allein die lebensbringende Quelle ist, er, der das lebensbringende Brot ist.

Jes 49,9-10: Es wird ihnen gehen wie einer Schafherde, die an den Wegen und selbst auf kahlen Hügeln Nahrung findet. Ich habe Erbarmen mit ihnen und führe sie zu sprudelnden Quellen.

Jes 49,15: Kann eine Mutter ihren Säugling vergessen? […] Selbst wenn sie es vergessen würde, ich vergesse dich niemals!

Niemals vergisst Gott dich: Der Tag geht zu Ende. Was bleibt von all der Aufregung, von all dem Hin und Her der Gedanken, von all den Sorgen und Befürchtungen, von allen Wünschen und Hoffnungen? Es bleibt von all dem zuletzt nur eines, nämlich die Liebe Gottes, die uns nie vergisst! Alles andere hört auf und vergeht. Seine Liebe höret nimmer auf. Meine Liebe kommt aus Gott. Allein in der Liebe handelt Gott durch uns, während in allem anderen wir selbst handeln. Was von uns ist, muß aufhören, alles aber was von Gott ist, das bleibt, zualler erst seine Liebe.

Jes 49,16: ‭In beide Handflächen habe ich dich eingraviert, deine Mauern stehen immer vor mir.‭

Geschrieben in seine Handflächen: So spricht er auch zu Ihnen: „Liebe Seele, was fürchtest du? Warum dieses Misstrauen? Ich trage deinen Namen eingezeichnet in meinen Händen: Das heißt, dass ich nie das Gute aus den Augen verliere, das ich dir tun will. Sind es deine Feinde, die dich zittern lassen? Wisse, dass die Sorge um deine Verteidigung in meinen Gedanken so präsent ist, dass es mir unmöglich ist, davon abgelenkt zu werden. Alphons-Maria von Liguori

Die Barmherzigkeit, die Sie empfangen haben, ist ein ganz sicheres Unterpfand seiner Liebe zu Ihnen. Wenn aber Gott eine Seele liebt und von ihr aufrichtig geliebt wird, dann missfällt es ihm, Misstrauen in ihr zu finden. Wenn Sie also sein so liebevolles Herz erfreuen wollen, dann gehen sie ab heute nach dem Maß Ihrer Möglichkeiten, mit dem aufrichtigsten Vertrauen und der freimütigsten Zärtlichkeit zu ihm. Alphons-Maria von Liguori

Jes 49,18: Von überall strömen die Heimkehrer herbei. So wahr ich lebe: Du wirst dich mit ihnen schmücken wie mit kostbarem Schmuck.

Heimkehr nach Jerusalem: Der Prophet Jesaja beschreibt hier, wie das Volk Israel nach langer Gefangenschaft  aus Babylon heimkehrt. Die Menschen selbst sollen der Schmuck Jerusalems sein. Einen ähnlichen Blick dürfen wir uns auch angewöhnen. Denn was uns im Leben letztlich schmückt, sind andere Menschen, sind Beziehungen, die wir pflegen, ist die Liebe, die wir gegeben und erfahren haben. Ja, wir Menschen sind es, mit denen Gott sich schmückt. Mit geringerem Schmuck sollten auch wir uns nicht zufrieden geben.

Jes 49,23: Ich enttäusche keinen, der mir sein Vertrauen schenkt.

Jes Kap. 50

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 50

Jes 50,4: Gott, der Herr, gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen trösten und ihnen neuen Mut zusprechen kann.

Gib mir die richtigen Worte: Was sehr gut ist, ist für gewöhnlich auch sehr zerbrechlich, und kostbares Gut bedarf größerer Sorgfalt und größerer Wachsamkeit. Sehr zerbrechlich ist der Friede, der durch ein unbedachtes Wort oder eine kleine, dem Bruder zugefügte Verletzung verloren gehen kann. Nichts bereitet aber den Menschen größeres Vergnügen, als im falschen Augenblick das Wort zu ergreifen und sich um Dinge zu kümmern, die sie nichts angehen, leere Reden zu schwingen und Abwesende zu kritisieren. Daher soll jeder schweigen, der nicht sagen kann: „Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort“ (Jes 50,4), oder, wenn er etwas sagt, dann ein Wort, das dem Frieden dient. […] „Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt“ (Röm 13,8). Dazu möge uns unser guter Herr und Erlöser Jesus Christus, der Urheber des Friedens und der Gott der Liebe, inspirieren. Hl. Columban

Jes 50,5: Gott, der Herr, hat mich bereitgemacht, auf ihn zu hören. Ich habe mich nicht gesträubt und bin meiner Aufgabe nicht ausgewichen.

Eingebungen Gottes hören: Gott weckt in mir das Ohr, dass ich ihn täglich höre, nicht nur im Gebet am Morgen, sondern auf vieler Art und Weise durch den Tag. Er gibt mir in seiner Weisheit Eingebungen über den Weg, den ich gehen soll. Das sind keine Erscheinungen oder sonstige große äußeren Phänomene. Nein, seine Eingebungen flüstert er uns leise zu. Sie erzeugen in uns einen Frieden und Ruhe des Herzens. Der göttliche Geist ist wohl gewaltig, aber von einer sanften, milden, friedlichen Gewalt. Gottes Geist gibt mir in seinen Eingebungen ebenso die richtigen Worte, die ich an andere zu sprechen habe.

Jes 50,4: Gott, der Herr, gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen trösten und ihnen neuen Mut zusprechen kann.

Jes 50,6: Meinen Rücken habe ich hingehalten, als man mich schlug. Ich habe mich nicht gewehrt, als sie mir den Bart ausrissen. Ich hielt ihren Beschimpfungen stand und verdeckte mein Gesicht nicht, als sie mich anspuckten.

Geschundener Jesus: Welches Herz wäre nicht gerührt, wenn es seinen Erlöser betrachtet, der gegeißelt, gefoltert, gefesselt, angenagelt, mit Dornen gekrönt und gekreuzigt ist. Schau auf Jesus. Sieh wie er uns auf seinen Schultern dadurch trug, daß er den Auftrag annahm, uns durch seinen Tod am Kreuz zu erlösen. Die Seele unseres Erlösers kannte uns alle bei Namen. Aber besonders am Tag seines Leidens, als er seine Tränen, seine Gebete, sein Blut und sein Leben für alle darbrachte, trug er dem Vater besonders für dich dieses Liebesgedenken vor: Ewiger Vater, sieh ich nehme alle Sünden auf mich und will alle Qualen und den Tod erdulden. Franz von Sales

Gott hat dem Knecht die Zunge von Schülern gegeben und der Knecht gibt seine Rücken den Schlägen durch die Feinde hin. Entsprechend dem altorientalischen Denken bedeutet dies ein Schuldeingeständnis. Er gibt sich sozusagen geschlagen und er lässt sich demütigen. Das Ausreißen der Barthaare, dieses Männlichkeitssymbols, bedeutet eine Entmachtung und das Bespucken war damals wie heute eine Erniedrigung. Der Knecht gibt sich vollends in die Willkür seiner Gegner, in dem er ihnen seine Vorderseite und seine Rückseite zur Demütigung hinhält

Diese Prophezeiung spricht in erschreckenden Einzelheiten von den Leiden des Messias. Wir wissen, dass Jesus auf den Rücken geschlagen wurde (Mk 15:15). Wir wissen, dass Jesus ins Gesicht geschlagen wurde (Lk 22:63-65). Wir wissen, dass Jesus verspottet und angespuckt wurde (Mk 15:19-20). Er erlitt die tiefste Demütigung, denn die Haare des Bartes auszuzupfen und jemandes Gesicht mit Spucke zu bedecken, war nach nahöstlichen Vorstellungen das demütigendste Leiden, das einem Menschen zugefügt werden konnte. Beachte es genau: Ich habe meinen Rücken gegeben bedeutet, dass Jesus es freiwillig getan hat . Können wir immer noch denken, dass Gott sich nicht um uns kümmert?

Unser Herz rührt es an, wenn es unseren Erlöser betrachten: gegeißelt, gefoltert, gefesselt, angenagelt, mit Dornen gekrönt und gekreuzigt. Schau auf Jesus. Sieh wie er uns auf seinen Schultern dadurch trug, daß er den Auftrag annahm, uns durch seinen Tod am Kreuz zu erlösen. Die Seele unseres Erlösers kennt uns alle bei Namen. Aber besonders am Tag seines Leidens, als er seine Tränen, seine Gebete, sein Blut und sein Leben für alle darbrachte, trug er dem Vater besonders für dich dieses Liebesgedenken vor: Ewiger Vater, sieh ich nehme alle Sünden auf mich und will alle Qualen und den Tod erdulden.

Jes 50,10: Erschreckt nicht in dunklen Tagen! Verlasst euch auf den Herrn, auch wenn ihr nirgends einen Hoffnungsschimmer seht, denn er hält euch fest!

In Dunkelheit keine Angst: Die dunklen Tage im Leben von Jesus Christus waren seine Passion. Seinen Rücken hat er hingehalten, als man ihn schlug. Er hat sich nicht gewehrt, sondern alles über sich ergehen lassen. Als sie ihn anspuckten, verdeckte er sein Gesicht nicht. Sein Weg führt an das Kreuz. Hoffnungslosigkeit kehrt bei allen ein, die ihn liebten. In der Auferstehung wird das Kreuz zum Symbol des Lebens, dass uns die Gewissheit gibt, dass wir auch in den dunklen, scheinbar hoffnungslosen Stunden unseres Lebens festgehalten werden.

Jes Kap. 51

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 51

Jes 51,1-2: Erinnert euch an den Felsen, aus dem ihr herausgemeißelt worden seid, und an den Steinbruch, aus dem ihr gebrochen wurdet! Ja, denkt an euren Vater Abraham.

Denkt an Abraham: Abrahm ist das Urbild des glaubenden Menschen. Im Glauben sind wir Nachkommen Abrahams.  Jeder von uns ist wie Abraham von Gott gedacht, gewollt und geliebt. Wenn uns also Mutlosigkeit oder Angst überfällt, dann lasst uns zurück denken an den Glauben Abrahams, der gegen alle Hoffnung hoffte. Der Name Abraham kommt im neuen Testament ganze 73 mal vor. Das Leben Abrahams ist nicht einfach irgendeine Begebenheit aus dem alten Testament, sondern das neue Testament kann nur im Hinblick auf sein Leben gelesen werden.  Abraham ist eine der größten Gestalten des Glaubens und sein Glaube drückt sich vor allem in seiner persönlichen Gottesbeziehung aus.

Gewiß ist, daß wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen und daß dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist; daß es für uns nichts Unmögliches mehr gibt, weil es für Gott nichts Unmögliches gibt. Bonhoeffer

Jes 51,3: Er macht ihre Wüste wie Eden.

Jes 51,7: Meine Gebote sind in euer Herz geschrieben.

Gottes ewiges Heil: Die Wüste soll zum Paradies werden. Gott schafft etwas ganz Neues. Immer und immer wieder heißt es darum hier: Höret auf mich (51,1). Beachtet meine Worte! Hört mir zu! (51,4). Eine himmlische Freude wird prophezeit. „Dann sind Trauer und Sorge für immer vorbei, Glück und Frieden halten Einzug, und die Freude hört niemals auf.“ (Jes 51:11) Von dieser Freude dürfen wir heute schon etwas mit in den Tag nehmen, gerade, ja gerade dann, wenn ich mitten in einer Lebenswüste bin. Gott ist größer als alles, was uns Angst macht! Jesaja richtet unseren Blick auf den Einen, der alles hält. Der Blick auf ihn macht das Herz ruhig, stärkt es von innen heraus, gibt Mut und Kraft zum Handeln. Weil wir ihn an unserer Seite haben, brauchen wir uns vor nichts und niemand fürchten.

Jes 51,16: Schützend halte ich meine Hand über euch.

Jes 51,12: Ich bin es, der euch tröstet, ich allein.

Jes Kap. 52

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 52

Jes 52,7: Jetzt ist Friede, die Rettung ist da! Jerusalem, dein Gott herrscht als König!

König des Friedens: Israel wird die Erlösung angekündigt. Ein Bote kommt über die Berge mit einer guten Nachricht. Dies ist eine Prophezeiung auf Johannes den Täufer, der Jesus die Wege bahnt. Die Erlösung wird kein Verdienst sein, denn Gott gibt alles umsonst. Gott selbst setzt sie in Gang. Sie ist sein Geschenk wie alles von ihm Geschenk ist. Als ich Kraft suchte, stärktest du mich, als ich Halt suchte, hieltest du mich, als ich Vergebung suchte, vergabst du mir die Schuld. Unsere Antwort: Ihm voll und ganz zu nahen, einzig und allein ihn zu lieben.

Jes 52,9: Ihr Trümmer Jerusalems, freut euch und frohlockt miteinander! Denn der Herr hat sein Volk getröstet, hat Jerusalem erlöst!

Erlösung und Trost: Im Menschen Jesus baut Gott unsere Trümmer wieder auf. Oft genug haben wir das Gefühl, auf einem Trümmerhaufen zu sitzen. Unser Leben ist nicht so geworden, wie wir uns das vorgestellt haben. An Weihnachten formt Gott aus den Scherben unseres Lebens den neuen Menschen, der dem ursprünglichen Bild entspricht, das Gott sich von uns gemacht hat. Das ist Grund zum Jubel. Wir brauchen nicht mehr in der Asche unserer verbrannten Hoffnungen zu sitzen. Wir stehen auf und jauchzen. Denn in Jesus tröstet uns Gott und baut unser Lebenshaus wieder auf, schöner und herrlicher, als es je war.  Anselm Grün

Jes 52,12: Der Herr, der Gott Israels, geht euch voran, und er beschützt euch von allen Seiten.

Leidensweg Jesu Christi: Jesaja kündigt hier prophetisch das Leiden Jesus Christus an. Es ist so überwältigend, wie konkret hier schon von dem gesprochen wird, was Jesus später tun und erleiden wird.

Viele waren entsetzt, als sie ihn sahen. Denn in der Tat: Er war völlig entstellt und kaum mehr als Mensch zu erkennen. Gott ließ seinen Diener emporwachsen wie einen jungen Trieb aus trockenem Boden. Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn unansehnlich, er gefiel uns nicht! Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet.Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm; er erlitt die Schmerzen, die wir hätten ertragen müssen. Wir aber dachten, diese Leiden seien Gottes gerechte Strafe für ihn. Wir glaubten, dass Gott ihn schlug und leiden ließ, weil er es verdient hatte. (Jes 52:14; Jes 53,2-4)

Jes Kap. 53

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 53

Jes 53,1: Doch wer glaubt schon unserer Botschaft? Wer erkennt, dass der Herr es ist, der diese mächtigen Taten vollbringt?

Mächtige Taten: Besonders beeindruckend ist immer wieder das 53. Kapitel im Buch Jesaja. Spricht es doch in einer außerordentlich intensiven Form von den Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Der Prophet beschreibt den künftigen Retter anders, als man ihn erwartet: nicht als übermächtigen und siegreichen Herrscher, sondern als Gottesknecht: verachtet, verabscheut, unterdrückt. Am Kreuz ist er scheinbar gescheitert, vergeblich hat er sich abgemüht. Aber von Gott auferweckt ist er das Licht der Hoffnung für dich und alle Menschen in der Welt. Und alle werden sich vor ihm nieder werfen, er, der allein die lebensbringende Quelle ist, er, der das lebensbringende Brot ist.

Wem ist der Arm des Herrn offenbar geworden? Das ist schlicht dieser Mann aus Nazareth. Diese Person, von der wir lesen, dass sie in Schwachheit gekreuzigt worden ist. Dieser Jesus von Nazareth, dieser Mann von Golgatha, das war der Arm des Herrn. Und wir waren so blind dafür. Klaus Sander

Jes 53,2: Er wuchs auf vor ihm wie ein Schössling, wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich.

Der Wurzelspross: Es handelt sich hier um eine Bezeichnung, die den Herrn Jesus, den Messias meint. Wenn wir versuchen, das Wort Wurzelspross zu erfassen, denken wir an etwas Frisches und Saftiges. Wir dürfen das verbinden mit dem Herrn Jesus, als er ein Kind war. Es hat nie eine menschliche Blume gegeben hat, die schöner war als dieser Wurzelspross, dieses Kind. Da ist der Wurzelspross, im Grunde kaum zu sehen, aber der Inbegriff von Saft, von Frische, von Schönheit, von dem, was unsere Herzen anziehen mag. Klaus Sander

Jes 53,2: Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Wir sahen ihn, aber sein Anblick gefiel uns nicht.

Unansehliche Gestalt: Wir kennen das auch, wenn man einen Menschen nicht ansehen will. Dann erhebt man sich über ihn. Man hält sich für zu erhaben, als dass man ihn eines Blickes würdigen wollte. Es ist ungemein beeindruckend, dass der Herr Jesus das alles hingenommen hat. Dass Er nicht einfach in den Himmel zurückgekehrt ist und uns Menschen unserem Schicksal überlassen hat. Aber seine Liebe verbot Ihm das. Er war im Zeichen der Liebe gekommen, um sein Herz von Liebe auszuschütten. Klaus Sander

Jes 53,3: Verachtet war er und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut. Wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt, so verachtet war er, und wir achteten ihn nicht.

Mann der Schmerzen: Jesus war innerlich verlassen aufgrund des häufigen Unverständnis selbst seiner Jünger. Er war äusserlich verlassen von den meisten, als er die Passion erlitt und am Kreuz starb. Jesus war ein Mann der körperlichen Schmerzen, da er für uns den Kreuzweg ging. Er war auch ein Mann der innerlichen Schmerzen. Das, was die Sünde in die Welt gebracht hat, erzeugte bei Ihm Schmerzen, einen seelischen Schmerz. Es gab sicherlich nie einen Menschen auf dieser Welt, der solch ein Herzeleid empfunden hat wie unser Herr. Er war jemand, der mit allen Kümmernissen und Krankheiten, den verschiedenen Formen des Leidens im menschlichen Bereich, vertraut war. Vertraut mit Leiden, das war er.

Jes 53,4: Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.

Alles nahm er auf sich: Das ist eben das, was der Herr getan hat in seinem ganzen Leben. In seinem Herzen voll Mitgefühl nahm er unsere Krankheiten auf sein Herz und auf seinen Geist. Er heilte die Menschen. In seinem Erbarmen nun heilt er auch uns im Innersten unserer Seele, wenn wir ihn nur wirken lassen. Am Kreuz hielt man ihn für bestraft und geschlagen und fürwahr, dem ist auch so, aber eben bestraft und geschlagen, um unseres Heiles Willen. Hier nimmt er unsere Krankheit und unsere Schmerzen mit und verwandelt sie.

Wir müssen die Last des anderen nicht aus eigenen Kräften tragen, sondern nur in der Herzensanbindung an Christus. Christus ist der große Lastenträger, dem wir in der Nachfolge hierin nachahmen. Das ist oft nicht einfach. Nachfolge Christi ist kein Kinderspielplatz. Wenn ich Menschen begegne bei denen ich spüre, dass mir momentan nichts anderes übrig bleibt, als sie in ihrem Sosein zu ertragen, dann stelle ich mir gedanklich bildlich vor, wie Christus neben mir steht und voller Liebe auf diesen Menschen schaut. Immer dann spüre ich , dass sich mein Herz für den anderen weitet und öffnet.

Jes 53,5: Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen. Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden.

Um unserer Übertretungen willen: Am Kreuz geschah das Sühnungswerk, als der Zorn ausgegossen wurde über das Haupt dieses Einzigen, der rein und heilig war. Dort wurde er zur Sünde gemacht. Es gibt kaum eine Stelle im Alten Testament, die deutlicher sagt, dass der Herr Jesus Stellvertreter war, indem er unsere Übertretungen auf sich genommen hat. Ja, das ist auch um meiner Übertretungen willen geschehen. Um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Unsere Schuld lag auf dem Reinen, damit wir Frieden haben in Christus, unserem Herrn.

Jes 53,6: Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn.

Verirrte Schafe: Dort ist von den ichbezogenen Schafen die Rede, von denjenigen, die nur sich selbst im Mittelpunkt von allem sehen. Diese Ichbezogenheit, dieser Egoismus unserer natürlichen Herzen drückt sich hier aus: Jeder auf seinen Weg. Schafe, die ganz eigenwillig ihren eigenen Kurs festsetzen, sind das Bild von uns Menschen. Diese Schuld nimmt er auf sich, um die verirrten Schafe heim zu führen. Noch einmal wird der Gedanke der Stellvertretung unmissverständlich formuliert.

Jes 53,7: Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.

Für uns gestorben: Zunächst steht hier, dass der Herr Jesus, der Messias, der Erlöser, schwieg. Zweimal heißt es, dass Jesus seinen Mund nicht auftat. Das ist von der Person gesagt, die Kraft ihres Wesens das Wort war. Wir wissen zwar aus den Evangelien, dass Jesus am Kreuz siebenmal etwas gesagt hat. Aber grundsätzlich war er derjenige, der schwieg, der das hingenommen hat, was geschah. Dort ging jeder Mensch seinen eigenen Weg. Aber jetzt finden wir diesen wunderbaren Mensch vom Himmel, der geführt wird, der sich wegnehmen lässt. Weggenommen zu sein an dieser Stelle bedeutet nicht, befreit worden zu sein! Nein, es bedeutet: weggenommen, um zu sterben.

Jes 53,8: Er wurde aus dem Land der Lebendigen weggerissen. Wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen.

Jes 53,9: Und man bestimmte sein Grab bei Gottlosen, aber bei einem Reichen war er in seinem Tod, weil er kein Unrecht getan hatte und kein Betrug in seinem Mund gewesen war.

Jes 53,10: Aber dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er ließ ihn leiden.

Es gefiel Gott: Das ist ein merkwürdiger Ausdruck, dass es Gott gefiel. Wir müssen dabei einfach an das denken, was wir schon sehr früh in der Bibel im Buch Genesis finden. Gott spricht davon, dass der Same der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird. Und wir dürfen auch daran denken, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat, damit wir leben könnten. Gott hat seinen Sohn gesandt als Sühnung für unsere Sünden. Der Vater hat seinen Sohn gesandt als Heiland der Welt. Das war es, was Gott so gefiel. Ihm hat es gefallen, diese Person zu schlagen. Das verstehen wir nicht mehr. Wir dürfen das aber glauben, wir dürfen darüber staunen und bewundern: Das ist Anbetung. Wir dürfen verstehen: Das ist mein Heiland

Jes 53,10: Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Nachkommen sehen und seine Tage verlängern; und das Vorhaben des Herrn wird in seiner Hand gelingen.

Leben zum Schuldopfer: Christus hat das Schuldopfer gestellt. Wir lernen, dass der Herr Jesus alles bezahlt hat. Er hat wirklich etwas getan, was die totale Erledigung der Sünde bedeutet. Er hat alles in Ordnung gebracht, kompensiert. Da ist nichts mehr zu erstatten, Er hat alles getan. Das verbindet Er mit der Verlängerung seiner Tage, eine Aussage, die sich auf die Auferstehung bezieht. Der Herr Jesus ist der Lebendige. Der Tod konnte Ihn nicht halten. Er ist in eigener Machtvollkommenheit auferstanden. Aber Er ist auch durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt worden. Das ist, mit einem Wort, das wirkliche Ende, nämlich: Das Erlösungswerk ist abgeschlossen.

Jes 53,11: Von der Mühsal seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen.

Mühsal seiner Seele: Die Mühsal seiner Seele spricht von den inneren Leiden des Herrn Jesus am Kreuz. Was hat Er im Herzen erduldet, als Er dort das Werk der Erlösung vollbrachte! Wir denken an seine Empfindungen in den drei Stunden der Finsternis. Wie litt Er in seiner heiligen Seele, weil Er mit unseren Sünden beladen war! Wie schmerzte es Ihn, dass sein Gott Ihn verliess! Auch der Gedanke an den Tod, den Er als Lohn der Sünde erdulden würde, erschütterte Ihn. Obwohl Er keine Sünde getan hatte, musste Er sterben. Wie bitter war das für Ihn! Sein Leiden und Sterben war nicht vergeblich. Es hat herrliche Ergebnisse erzielt. Alle, die an Ihn glauben und durch sein Blut erlöst worden sind, gehören zur Frucht, die aus seinem Tod hervorgeht.

Jes 53,11: Durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, und ihre Sünden wird er tragen.

Gerecht durch Jesus Christus: Das war sein Todeswerk, sein Sterbenswerk, seine Leistung, die Er mit dem Sterben erbracht hat. Im Sterben hat unser Herr, und das ist ja das Thema von Jesaja 53, unsere Ungerechtigkeiten auf sich geladen. Und das ist Anlass für eine ewige Anbetung unserer Herzen. Darüber können wir nicht genug staunen, darüber können wir auch nicht genug dankbar sein. Wollen wir uns doch immer wieder dazu anregen lassen, wirklich dankbar zu sein.

Jes 53,12: Deshalb gebe ich ihm die Ehre, die sonst nur mächtige Herrscher erhalten. Mit seinen starken Kämpfern wird er sich die Beute teilen. So wird er belohnt, weil er den Tod auf sich nahm und wie ein Verbrecher behandelt wurde.

Ehre sei dem Herrn: Gott hat Ihn geehrt. Unser Herr ist derjenige, den Gott belohnt hat. Er hat Ihm Ehre und Herrlichkeit gegeben, wie das Neue Testament auch sagt. Er ist jetzt derjenige, der wirklich der unangefochtene, unbestrittene Herr der Herren und König der Könige ist. Keiner macht Ihm mehr diesen Anspruch streitig, keiner wird mehr mit dem Finger auf Ihn zeigen. Der Vers nennt weiter die starken Kämpfer. Das sind alle Erlösten, die Nutznießer dieser großen Erlösungstat des Kreuzes. Die Gewaltigen sind es, die seine Herrlichkeit teilen werden, die mit Ihm Engel und die Welt richten werden, wie es im Neuen Testament heißt.

Er hat seine Seele ausgeschüttet in den Tod. Er ist den Übertretern beigezählt worden. Nicht wegen eigener Sünde musste Er leiden, nein: Er hat die Sünde vieler getragen. Und Er hat für die Übertreter Fürbitte getan.

Jes 53,12: Er hat viele von ihren Sünden erlöst und für die Schuldigen gebetet.

Erlöser und Fürsprecher: Glauben bedeutet, im Heiligen Geist eine sehr persönliche Bindung zu unserem Schöpfer und Erlöser aufzubauen und dafür zu sorgen, daß diese Bindung die Grundlage des ganzen Lebens ist. Bereiten wir uns darauf vor, gläubig den Erlöser zu empfangen, der kommt, um mit uns zu sein, Wort der Liebe Gottes zur Menschheit aller Zeiten. So haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Er ist das Sühnopfer für unsre Sünden, doch nicht nur für unsre Sünden, sondern für die der ganzen Welt. (1 Joh 1, 9; 2, 1 f).

Jes 54,8: Ich höre nie auf, dich zu lieben.

Jes Kap. 54

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 54

Meine Liebe hört nie auf: Im neuen wie im alten Testament gibt es das Bild des Herrn als Bräutigam und die Gemeinde (NT) bzw. die Israeliten (AT) als Braut. Dies soll die tiefe Liebe Gottes zu uns verdeutlichen. Die Worte des Kapitels 54 beschreiben ein himmlisches Jerusalem, mit dem Gott sein Schöpfungswerk vollendet, wo Braut und Bräutigam vereint sind. Frieden herrscht hier und unser Fundament ist die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit in Jesus Christus.

Jes 54,10: Meine Liebe zu dir wird nie erschüttert, und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken.

Jes Kap. 55

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 55

Jes 55,1: Kommt her, hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Nehmt euch Brot und esst! Hierher! Hier gibt es Wein und Milch. Bedient euch, es kostet nichts!

Einladung Gottes: Gottes Liebe ist nichts Abstraktes. Sie ist konkret und lebensnah. Gott macht uns kein abstraktes Angebot, sondern mit ganzem Herzen kämpft er darum, dass wir uns zu ihm hinkehren. Seine Gaben, die er uns geben will, kosten nichts. Seine Gaben lassen sich auch nicht durch fromme Taten verdienen. Nein, vielmehr sind wir in einer frommen Tat Echo auf diese Liebe Gottes, wenn wir lieben, singen wir Gottes Lied weiter.

Jes 55,2-3: Hört doch auf mich und tut, was ich sage, dann habt ihr es gut!  […] Nehmt meine Worte an, dann werdet ihr leben!

Jes 55,7: Unser Gott ist gern zum Vergeben bereit.

Kehrt um und habt Vertrauen: Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Sucht Gott und betet (vgl. Jes 55:6). Kehrt um und kommt zum Herrn (vgl. Jes 55:7). Vor allem habt Vertrauen, denn seine Gedanken sind nicht deine Gedanken. Seine Gedanken sind höher als deine Gedanken. Seine Wege sind nicht deine Wege. Seine Wege sind höher als deine Wege. (vgl. Jes 55:8-9). Eins ist aber immer sicher: Sein Wort bleibt nicht ohne Wirkung, sondern erreicht, was er will, und führt das aus, was er ihm aufgetragen hat.

Jes 55,13: Mit eurer Erlösung setze ich für immer ein Zeichen, das nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Jesaja (Jes) Kapitel 49 bis 55.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste