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Jesaja (Jes) Kapitel 1 bis 12: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Jesaja (Jes) Kapitel 1 bis 12

Jes Kap. 1

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 1

Jes 1,1-9: Klage über das abtrünnige Volk

Jes 1,1: Dies ist die Offenbarung, die Jesaja, der Sohn des Amoz, über Juda und Jerusalem geschaut hat in den Tagen Ussijas, Jotams, Ahas’ und Hiskias, der Könige von Juda.

Gottes Wort: So weist uns gleich dies erste Wort darauf hin, dass die Propheten nicht von sich aus redeten, noch eigene Gedanken vorbrachten: nein, Gott erleuchtete sie, dass sie ihre Augen auftun konnten und schauen, was sie von sich aus nicht hätten durchschauen können. Jean Calvin

Jes 1,2: Hört, ihr Himmel, und horche auf, o Erde; denn der Herr hat gesprochen: Ich habe Kinder großgezogen und emporgebracht, sie aber sind von mir abgefallen.

Jes 1,2: Die Kinder, die ich großgezogen und ernährt habe, wollen nichts mehr von mir wissen.

Gott nicht den Rücken zukehren: Der Prophet Jesaja hatte in der Zeit von 736 bis 701 v. Chr. dem jüdischen Volk Gottes Wort zu sagen. Er hat wie kein anderer das Kommen und Wirken des Messias ankündigte. In seinen Prophezeiungen finden wir vieles wieder, was wir später über Jesus Christus lesen. Sie erfüllten sich also ca. 700 Jahre später. Seine Warnung, Gott nicht zu vergessen und ihm den Rücken zuzukehren, gilt auch uns. Ochse und Esel macht er zum Vorbild, weil Haustiere instinktiv wissen, wo sie hingehören. Ein Ochse kennt seinen Herrn aber Israel kennt’s nicht. Wir suchen viel zu häufig in anderen Dingen Heil und Geborgenheit.

Hört ihr Himmel und Erde: Es ist, wie wenn die Propheten sich deswegen an die stummen und toten Elemente wendeten, weil der Menschen Ohren taub und alle ihre Sinne stumpf geworden sind. Es ist in der Tat etwas Grauenerregendes, wenn Kinder also aus der Art schlagen, und noch dazu bei einem Vater, der so gütig ist, der die Seinigen mit solch beständiger Fürsorge umgibt. Jean Calvin

Jes 1,3: Ein Ochse kennt seinen Besitzer, und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber Israel hat keine Erkenntnis; mein Volk hat keine Einsicht.

Die Krippe seines Herrn kennen: Im Gegensatz zu dem Esel haben viele Menschen heute nicht genügend Intelligenz, um zu begreifen, dass Gott es ist, der für all ihre Bedürfnisse sorgt. Sie merken nicht, dass Gott es ist, der ihnen alles gibt, was sie zum Leben brauchen. Sie bemerken vielleicht nicht einmal seine Existenz. Was für eine traurige Sache für unsere heutige hochentwickelte Generation, die Gott nicht mehr zu brauchen scheint! Judith Hildebrandt

Jes 1,4: Wehe der sündigen Nation, dem schuldbeladenen Volk! Same der Übeltäter, verderbte Kinder! Sie haben den Herrn verlassen, haben den Heiligen Israels gelästert, haben sich abgewandt.

Abwendung von Gott: Das erste, was er ihm vorzuwerfen hat, ist der Abfall von Gott. Derselbe ist in der Tat das innerste Wesen jeglicher Sünde. Die höchste Vollendung der Gerechtigkeit ist es, Gott zu dienen – wie es im 5. Buche Mose (10, 12) heißt: Nun, Israel, was fordert der Herr dein Gott von dir? Dass du dem Herrn dienest von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Jean Calvin

Gott als Richter: In diesem Weheruf wird Gott als Richter der ganzen Welt und als Richter seines Volkes dargestellt.In unserem heutigen Denken haben wir Gott vom Richterstuhl verbannt. Wir haben ihn seiner Autorität entkleidet, seiner königlichen Vorrechte beraubt und ihm scheinbar seine Macht als moralischer Herrscher des Universums genommen. Gott wurde – bildlich gesprochen – von der Menschheit mit einem Schiff ans Ende der Welt verfrachtet und dann als überflüssige Last von Bord geworfen. Dabei ist Gott immer noch der moralische Herrscher seines Weltalls. Er sitzt immer noch auf dem Richterstuhl. Er hat noch nicht abgedankt. Er verurteilt immer noch die Sünde dieser Welt! Judith Hildebrandt

Mit Schuld beladen: Bei dem Wort „beladen“ kommt uns vielleicht dieser eine bekannte Vers aus dem Matthäusevangelium in den Sinn, in dem Jesus eine ganz persönliche Einladung ausspricht: „Kommt her mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Jesaja 1,Vers 4, hilft uns zu verstehen, was Jesus mit dem Wort „beladen“ gemeint haben könnte. Jesus richtet sich hier an Menschen, die solche Lasten auf sich liegen haben. Jesus lädt jeden, der mit Schuld beladen und niedergedrückt ist, zu sich ein! Er darf mit seiner Sünde zu Jesus kommen, sie bei ihm abladen und neue Kraft bekommen. Die Kraft, die aus der Erlösung kommt.

Jes 1,5: Wohin soll man euch noch schlagen, da ihr doch den Abfall nur noch weiter treibt? Das ganze Haupt ist krank, und das ganze Herz ist kraftlos.

Haupt und Herz sind krank: Die beiden wichtigsten Teile, von welchen die Gesundheit des Körpers vor allem abhängt, werden genannt, Haupt und Herz. Dadurch zeigt der Prophet, wie schwer die Krankheit ist. Nicht nur irgendein einzelnes Glied oder äußere Teile des Leibes sind angegriffen, nein, das Herz selbst ist verwundet und das Haupt ist aufs schwerste erkrankt. Jean Calvin

Jes 1,6: Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Unversehrtes an ihm, sondern klaffende Wunden und Striemen und frische Verletzungen, die nicht ausgedrückt, noch verbunden, noch mit Öl gelindert sind.

Jes 1,10-21: Tadel des falschen Gottesdienstes

Jes 1,10: Hört das Wort des Herrn.

Jes 1,11: Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer?, spricht der Herr. Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber überdrüssig, und am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen!

Falsche Frömmigkeit: Man rühmte sich einer durch und durch erheuchelten Frömmigkeit, man feierte Feste und war auf den Eifer in Zeremonien und äußerlichen Bezeugungen der Verehrung Gottes nicht minder stolz wie auf Abstammung und Zugehörigkeit zum auserwählten Volk. Sie glaubten nämlich, man könne Gott durch Opfer versöhnen, auch ohne Glaube und ohne Buße. Man kann sich vorstellen, welchen Anstoß die harten Worte Jesajas erregten. Jean Calvin

Jes 1:12: ‭Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen — wer verlangt dies von euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet?

Jes 1:13: ‭Bringt nicht mehr vergebliches Speisopfer! Räucherwerk ist mir ein Gräuel! Neumond und Sabbat, Versammlungen halten: Frevel verbunden mit Festge­dränge ertrage ich nicht!

Jes 1:14: ‭Eure Neumonde und Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden; ich bin es müde, sie zu ertragen.

Gegen die Heuchelei: Aus diesen Worten lässt sich ein geistliches Prinzip ableiten, das zu allen Zeiten gültig ist, damals wie heute: Wenn wir Dinge tun, die Gott befohlen hat und die eigentlich gut und richtig sind, können sie dennoch falsch sein, wenn wir sie nicht von Herzen tun. Wenn wir sie nur „pro forma“ tun und sie nicht wirklich unsere innere Einstellung und unser Verhalten beeinflussen. Dann heucheln wir und dies wird uns nur schaden. Denn Gott hasst Heuchelei, wie wir an diesen Versen sehen können.

Gegen leere und tote Gebräuche: Alle die äußeren religiösen Gebräuche sind nicht nur unnütz, sondern geradezu unrecht, wenn sie nicht im Geist und in der Wahrheit geübt werden. Wir sehen: alle unsere Arbeit ist vergeblich, wenn wir Gott nicht in der Weise dienen, wie es sich ziemt und wie er es selbst vorschreibt. In allen Dingen hat Gott Wohlgefallen an der Wahrheit, am meisten aber bei der Verehrung seiner selbst. Wo es daran fehlt, ist nicht nur alle Mühe vergebens, sondern es wird auch, wie gesagt, die Verehrung Gottes in ihr Gegenteil verkehrt.

Jes 1:15: ‭Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut!

Gegen die Heuchelei: Sie erwecken den Schein, als riefen sie Gott an, mit ihrem Herzen aber sind sie ferne von ihm, wie er an einer anderen Stelle (29, 13) näher ausführt. Denn der Herr sagt, dass er nahe sei allen, die ihn mit Ernst anrufen (Ps. 145, 18); wo aber Heuchelei herrscht, da kann kein wahres ernstes Anrufen sein. Der Glaube ist der Ursprung der rechten Anrufung; wo er fehlt, bleibt nichts als eitle Spielerei.

Jes 1:16: ‭Wascht, reinigt euch! Tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg; hört auf, Böses zu tun!

Wascht und reinigt euch: Hier gilt, was Haggai (2, 13 f.) mit einer Anspielung an Gesetzesvorschriften sagt: Was ein Unreiner anrührt, wird auch unrein.“ Es kann von einem Unreinen nichts Reines kommen. Soeben hat der Prophet bezeugt: umsonst bringen sie Opfer dar, umsonst geloben sie Gelübde, umsonst rufen sie Gottes Namen an, wenn nicht die Reinheit des Herzens den äußeren Gottesdienst heiligt. Dass aber die Menschen sich reinigen sollen, hat nicht den Sinn, als ob sie aus eigenem Antrieb Buße tun könnten, sondern will nur sagen, dass es kein anderes Mittel zur Rettung gibt, als wenn sie reinen Herzens vor Gott zu treten anfingen.

Jes 1:17: ‭Lernt Gutes tun, trachtet nach dem Recht, helft dem Bedrückten, schafft der Waise Recht, führt den Rechtsstreit für die Witwe!

Jes 1:18: ‭Kommt doch, wir wollen miteinander rechten!, spricht der Herr. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Karmesin, sollen sie weiß wie Wolle werden.

Gott möchte uns reinigen: Hieraus können wir eine herrliche tröstliche Gewissheit schöpfen. Gott streitet nicht mit uns, als wollte er unsere Sünden bis aufs äußerste verfolgen. Denn wenn wir uns ernstlich zu ihm bekehren, will er sofort uns seine Gnade wieder zuwenden, alle Erinnerung an unsere Sünden austilgen und keine Rechenschaft weiter fordern. Er gleicht ja nicht den Menschen, die schon bei leichten Beleidigungen unversöhnlich zu bleiben pflegen. Er will vielmehr selbst uns reinigen und schneeweiß waschen, wie es in unserm Vers heißt.

Sündenvergebung: Kein Mensch ist ohne Sünde und kein Mensch kann sich davon freisprechen. Allein Gott kann das Unmögliche tun. Er tritt selbst im Gericht für uns ein, als unser Richter und Anwalt zugleich. Wunderbare Gnade! Schon hier klingt an, was Gott durch Jesus für uns getan hat. „Er wird allen die Schuld vergeben, die zu ihm zurückkehren.“ (Jes 1:27) Es wird allerdings keine billige Gnade sein. Empfangen kann sie nur der Mensch, der Buße tut und Reue zeigt, der beständig darum bemüht ist dem Herrn von Herzen zu gehorchen.

Jes 1:19: ‭Seid ihr willig und gehorsam, so sollt ihr das Gute des Landes essen.

Gehorsam sein: Vom Gehorsam gegen Gott hängt das Wohlergehen des Menschen ab, und es wird unser ganzes Dasein wohl bestellt sein, wenn wir uns in allen Dingen gewöhnen, seinem Wort zu folgen. Wie groß ist doch die Verkehrtheit der Menschen, die das Glück, welches Gott ihnen immer und immer wieder anbietet, eigensinnig zurückweisen und trotz all seiner Lockungen nicht hören wollen!

So sollt ihr des Landes Gut genießen. Er bietet jedoch diese irdischen Güter nicht deswegen an, damit wir mit dem diesseitigen Wohlergehen zufrieden sein sollen, wie die unechten Christen tun, die nichts anderes kennen wollen als das Glück dieser Erde, – nein gerade im Gegenteil: die Betrachtung dieser irdischen Gaben soll uns zu den himmlischen erheben; was wir hier Gutes erfahren, soll uns ein Vorgeschmack der Güte sein, die uns einst in Ewigkeit umgeben wird.

Jes 1,22-31: Gericht und Läuterung für Jerusalem

Jes 1:22: ‭Dein Silber ist zu Schlacken geworden; dein edler Wein ist mit Wasser verfälscht.

Jes 1:23: ‭Deine Fürsten sind Widerspenstige und Diebsgesellen; sie alle lieben Bestechung und jagen nach Geschenken; der Waise schaffen sie nicht Recht, und die Sache der Witwen kommt nicht vor sie.

Waise und Witwen: Den Waisen schaffen sie nicht Recht. Der Herr nimmt sich der Waisen und Witwen besonders an, weil sie keine menschlichen Helfer haben. Eben darum erzürnt es ihn umso mehr, wenn die Richter, die ihre Beschützer und Freunde sein sollten, sie im Stich lassen. Denn sich selbst zu helfen, fehlt es ihnen an Kraft, Erfahrenheit und Energie; wenn ihnen nicht andere zu Hilfe kommen, sind sie notwendig der Unbill und Habsucht aller ihrer Gegner ausgesetzt. Wenn sich niemand ihrer annimmt, so sieht man schon daran, dass Ungerechtigkeit und Bedrückung, nicht Billigkeit im Lande herrscht.

Jes 1:25: ‭Ich will meine Hand gegen dich wenden und deine Schlacken ausschmelzen wie mit Laugensalz und all dein Blei wegschaffen.

Buße als Frucht des heiligen Geistes: So werden wir hier an die besondere Gnade erinnert, welche Gott seinen Auserwählten zuteil werden lässt; wir sehen, wie die Buße in Wahrheit das eigenste Geschenk des heiligen Geistes ist: ohne ihn würde der Sünder unter den Schlägen der züchtigenden Hand Gottes nur immer mehr sich verhärten, nicht aber auch nur im geringsten Maße vorwärts kommen.

Jes 1:26: ‭und ich werde deine Richter wieder machen, wie sie ursprünglich waren, und deine Ratsherren wie am Anfang; danach wird man dich nennen: »Die Stadt der Gerechtigkeit, die treue Stadt«.

Jes 1:27: ‭Zion wird durch Recht erlöst werden und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit Gottes: Obwohl Menschen keine wirkliche Hilfe schaffen können, so ist doch Gottes Gerechtigkeit groß und mächtig genug, um der Gemeinde Rettung und Heil zu sichern. Und in der Tat: wenn wir auf uns selbst sehen, was für Hoffnungen könnten wir dann haben? Wie viele Dinge würden uns in den Weg kommen und unser Vertrauen schwächen! Nur an der Gerechtigkeit Gottes hat der Glaube einen festen Grund und Halt.

Jes 1:28: ‭Aber der Zusammenbruch trifft die Übertreter und Sünder alle miteinander, und die den Herrn verlassen, kommen um.

Jes 1:29: ‭Denn sie werden zuschanden wegen der Terebinthen, an denen ihr Lust hattet, und ihr sollt schamrot werden wegen der Gärten, die ihr erwählt habt.

Falsch gewählte Gärten: Von ganzem Herzen sollten sie Lust haben und hängen an ihrem Gott, sie aber stürzen sich in blindem Eifer auf ihren selbst erdachten Gottesdienst, wie von einer viehischen Begierde getrieben. Aber so ist die menschliche Natur einmal angelegt: wer Gott verlässt, muss sich an Abgötter halten; und nicht selten vergleicht die heilige Schrift diese falsche Begierde mit ehebrecherischer Liebe, die alle Vernunft und alles Schamgefühl bei Seite setzt.

Jes 1:30: ‭Denn ihr werdet sein wie eine Terebin­the, deren Laub verwelkt ist, und wie ein Garten, der ohne Wasser ist.

Jes 1:31: ‭Der Starke wird zum Werg und sein Tun zum Funken, und beide werden miteinander brennen, sodass niemand löschen kann.

Jes Kap. 2

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 2

Jes 2,1-5: Zukünftiges Königreich in Zion

Jes 2:1: ‭Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, über Juda und Jerusalem schaute:

Jes 2:2: ‭Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des Herrn fest gegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen.

Damit spricht der Prophet vom Reiche Christi. Der Berg, da des Herrn Haus ist, wird fest stehen. Diese Weissagung sieht auf den ersten Blick sehr befremdlich aus. Der Zion war ein ziemlich niedriger Hügel, ein kleiner Sandhaufen im Vergleich mit gewaltigen Bergen. Obendrein war doch eben erst von seiner Verwüstung und Zerstörung die Rede. Und nun sollte der Zion, der aller seiner Herrlichkeit entkleidet werden sollte, späterhin wieder mit solchem Glanze umgeben werden, dass aller Völker Augen sich auf ihn richten! Ohne Zweifel haben die Spötter der damaligen Zeit über solch ein Wort sich ebenso lustig gemacht, wie sie es zu allen Zeiten getan haben und noch tun. Jean Calvin

Dennoch hat Jesaja Recht behalten. Denn dieser Hügel ist in der Tat über alle Berge erhoben worden. Von ihm aus erging die Stimme des Herrn, und breitete sich aus über die ganze Erde. Hier erglänzte die Herrlichkeit Gottes: denn weil das Heiligtum Gottes dort stand, überragte er in seinem Range die ganze Welt. Nicht von Zion als solchem spricht der Prophet, sondern von dem Zion, insofern er die Stätte ist, von der aus das Licht in alle Welt erging. Jean Calvin

Jes 2:3: ‭Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des Herrn, zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns belehre über seine Wege und wir auf seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.

Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen: Mit diesen Worten deutet der Prophet an, dass die Frommen in jener Zeit voll brennenden Eifers sein werden, die Lehre von der rechten Verehrung Gottes auszubreiten. Keiner wird zufrieden sein mit seiner Berufung, mit dem Besitz an religiöser Erkenntnis, der ihm gerade zuteil geworden ist, sondern sie werden alle auch andere bei zu ziehen suchen. In der Tat ist nichts dem rechten lebendigen Glauben so fremd, als die Trägheit, die um die Brüder sich nichts kümmert und das Licht der rechten Erkenntnis bei sich verkümmern lässt. Wer berufen ist, hat die Pflicht, vor anderen sein Licht leuchten zu lassen. Gott könnte freilich auch durch geheimen inneren Antrieb die Menschen zu sich ziehen, aber er benützt Menschen als Diener zu diesem Werk, damit sie sich üben, gegenseitig um das Heil des Nächsten sich zu kümmern. Jean Calvin

Jes 2:4: ‭Und er wird Recht sprechen zwischen den Heiden und viele Völker zurechtweisen, sodass sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden werden und ihre Speere zu Rebmessern; kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen.

Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen. Er will sagen, dass Jesus die Menschen also mit Gott versöhnt, dass sie auch unter sich den Streit fahren lassen und Frieden schließen zu ihrem eigenen Heil. Aber noch mehr. Nicht bloß Friede, sondern auch Willigkeit zu gegenseitiger Hilfeleistung wirkt das Evangelium. Es heißt nicht: sie werden ihre Schwerter zerschlagen, sondern: sie werden sie zu Pflugscharen machen. An Stelle des Streits wird das Bemühen treten, sich gegenseitig und dem Ganzen zu nützen. Pflugscharen und Sicheln sind Geräte, die man für die Bebauung des Ackers braucht, der Ackerbau ist die notwendige Grundlage menschlicher Kultur und jeder segensreichen Entwicklung. Wo Christus herrscht, tritt an Stelle feindseliger Zwietracht ein edler Wetteifer im gegenseitigen Wohltun. Jean Calvin

Reich des Friedens: Das erste Mal überhaupt werden alle Nationen dieser Erde friedlich nebeneinander leben. Dann werden wir die Schlösser aus unseren Türen ausbauen können und wir werden nachts sicher durch die Straßen gehen können. Niemand wird mehr zum Militär eingezogen, weil es keinen Krieg mehr geben wird. Es wird keine Notwendigkeit mehr bestehen, Verteidigungswaffen zu besitzen. Das Königreich, das Jesus errichten wird, wird ein Reich des Friedens sein. Denn er ist der Prinz des Friedens. Judith Hildebrandt

Frieden im Herzen: Der Friede muss in unserem Herzen den Ursprung nehmen. Dort in unserem Herzen herrscht Christus. Sind wir nicht wachsam mit ihm verbunden, läuft jegliches Bemühen um Frieden in unseren Gemeinschaften ins Leere. Durch Christus sind wir Friedensstifter unter den Menschen, gerade eben auch in den Schwierigkeiten, auch in den Augenblicken der Schwäche. Je mehr diese Liebe, die auf Frieden zielt, unsere Herzen erreicht, umso mehr bleiben wir in Gott, denn wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott. Bleibe also inmitten der Kämpfe in Frieden und beunruhige dich nicht, denn Gott ist für Dich.

Der Frieden beginnt im eigenen Haus. Karl Jasper

Jes 2,5: Wir wollen schon jetzt mit dem Herrn leben. Er ist unser Licht!

Er ist unser Licht: Gott ist Liebe. Das bringt seine Tätigkeit Gottes zum Ausdruck. Gott ist ebenso Licht. Das bringt seine innewohnende absolute Reinheit zum Ausdruck. Nichts kann uns dieses Licht nehmen! Weil Jesus unser Licht ist, gibt es für uns keinen Sonnenuntergang! Wir dürfen unsere Schattenseiten nicht verdrängen. Das macht uns krank !!! Wir dürfen sie stattdessen in sein Licht halten, und so unser ganzes Sein Jesus und seinem Licht aussetzen. Durch seine Menschwerdung, Passion und Auferstehung leuchtet er uns und zieht uns in das neue Leben hinein, das alles Dunke besiegt. Verlieren wir nicht das wachsame Herz, welches allein das Wesentliche zu sehen vermag: das Licht Christi, das in uns und für uns leuchtet.

Die völlige Selbsthingabe Christi am Kreuz sei euch Ursprung, Ansporn und Kraft für einen Glauben, der in der Liebe wirksam wird. Benedikt

Nur wenn wir im Licht der Gegenwart Gottes leben und in der Liebe unseres Herrn bleiben, blühen wir als Christen auf. In den wärmenden Strahlen der Liebe Gottes wachsen wir in der Gnade und in der Erkenntnis des Herrn Jesus. Er sagt ja selbst: Ich bin das Licht der Welt! Nur durch ihn bekommen wir geistliche Kraft und Einsicht, um ein Leben zur Ehre Gottes zu führen und in unserem Verhalten etwas von Christus zu zeigen. Wir sind Nachahmer Christi!

Jes 2,6-22: Gericht über Hochmut / Götzendienst

Jes 2,11: Es kommt der Tag, an dem der Hochmut der Menschen ein Ende hat und ihr Stolz gebrochen wird. Dann wird nur einer groß sein: der Herr !

Sich auf den Herrn verlassen: Der ganze Abschnitt warnt vor Überheblichkeit und Gottvergessenheit. Jesaja warnt davor, dass wir uns auf das verlassen, was uns aus irdisch-menschlicher Sicht groß und wertvoll erscheint. Denn es wird der Tag kommen, an dem es offensichtlich sein wird, wer wirklich groß und verlässlich ist: Gott selbst in seiner Herrlichkeit und Majestät. Dann wird sich so manche menschliche Größe beugen müssen. Darum: Liebt nicht die Welt und hängt euer Herz nicht an irgendetwas in dieser Welt. Verlasst euch allein auf Gott. Dann geht es euch gut!

Jes 2,22: Hört endlich auf, euch auf Menschen zu verlassen! Sie vergehen wie ein Lufthauch. Was kann man schon von ihnen erwarten?

Ich möchte Ihnen von Herzen nahelegen: Setzen Sie Ihr Vertrauen nicht in Menschen! Wir können nicht sicher sein, ob wir noch den nächsten Atemzug erleben werden, so wenig Kontrolle haben wir über unser eigenes Leben. Wir wissen nicht, wann unser Leben endet. Deshalb empfehle ich Ihnen: Setzen Sie Ihr Vertrauen nicht auf Menschen, sondern setzen Sie es allein auf Jesus Christus, der wiederkommen wird und dem alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist. Judith Hildebrandt

Jes Kap. 3

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 3

Jes 3,1-26: Gericht über Jerusalem und Juda

Jes 3:1: ‭Denn siehe, der Herrscher, der Herr der Heerscharen, nimmt von Jerusalem und Juda Stab und Stütze weg, jede Stütze an Brot und jede Stütze an Wasser.

Beschreibung der Mißstände: Dieses Kapitel setzt die Beschreibung der Missstände unter dem Volk fort, die im vorigen Kapitel begonnen hat. Im göttlichen Licht ist deutlich geworden, wie schmutzig der Mensch vor Gott ist (Jes 2,22), trotz seines Stolzes und seiner Eitelkeit.

Wegfall der Stütze: Indem nun der Prophet immer wiederholt, dass alle Stütze zerbrochen und weggenommen werden soll, deutet er ganz allgemein auf alles, auf welches ein glücklicher Zustand der Stadt und des Volkes sich stützen konnte. Das Wegnehmen von „Stütze und Unterstützung“ bedeutet, dass der Herr dem Volk das sein Vertrauen auf den Menschen und nicht auf den Herrn setzt, jede Form von Unterstützung entziehen wird, sowohl natürlich als auch geistig. Alles, von dem sie glauben, dass es ihnen Halt gibt, wird weggenommen werden, bis gar nichts mehr übrig bleibt, worauf sie sich verlassen können.

Jes 3:5: ‭Und die Leute werden sich gegenseitig bedrängen, einer den anderen, jeder seinen Nächsten; der Junge wird frech auftreten gegen den Alten und der Verachtete gegen den Vornehmen.

Jes 3:9: ‭Der Ausdruck ihres Angesichts zeugt gegen sie, und von ihren Sünden sprechen sie offen wie die Sodomiter und verbergen sie nicht. Wehe ihrer Seele, denn sie fügen sich selbst Schaden zu!

Sünde wird offen praktiziert. Was vorher im Hinterhof geschah, wird in den Vorgarten verlagert. Was im Verborgenen geschah, wird jetzt sichtbar gemacht. Dabei prahlt man jetzt damit, dass das „ehrlicher“ sei. Nein, es ist nicht ehrlicher, sondern einfach schamlos! Wir sind dieselben Heuchler, wie unsere Vorfahren es waren. Sie haben ihre Sünde verborgen, wir sündigen offen und sagen dabei, dass das, was wir tun, auch noch gut sei. Judith Hildebrandt

Jes 3:10: ‭Sagt den Gerechten, dass es ihnen gut gehen wird; denn sie werden die Frucht ihrer Taten genießen.

Jes 3:11: ‭Wehe dem Gottlosen! Ihm geht es schlecht; denn was er mit seinen Händen getan hat, das wird ihm angetan werden!

Jes 3:13: ‭Der Herr tritt auf, um zu rechten, und er steht da, um die Völker zu richten.

Jes 3:14: ‭Der Herr geht ins Gericht mit den Ältesten seines Volkes und mit dessen Führern: Ihr habt den Weinberg kahl gefressen; was ihr dem Elenden geraubt habt, ist in euren Häusern!

Gottloses Streben nach Geld: Im Grunde wird hier gottloser Kapitalismus beschrieben, das Streben nach Geld und Besitz. Auch heutzutage ist das ein Problem. Doch der eigentliche Grund für die Misere ist damals wie heute die Tatsache, dass wir uns von Gott entfernt haben. Und so steht Gott vor uns und wirbt entweder darum, dass wir umkehren, oder er verurteilt uns, wenn wir nicht reagieren. Judith Hildebrandt

Jes 3:15: ‭Warum zertretet ihr mein Volk und unterdrückt die Person der Elenden?, spricht der Herrscher, der Herr der Heerscharen.

Jes 3:16: ‭Und der Herr sprach: Weil die Töchter Zions stolz geworden sind und mit emporgerecktem Hals einhergehen und herausfordernde Blicke werfen; weil sie trippelnd einherstolzieren und mit ihren Fußspangen klirren.

Jes 3:17: ‭Deshalb wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der Herr wird ihre Scham entblößen.

Jes Kap. 4

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 4

Jes 4:2: ‭An jenem Tag wird der Spross des Herrn schön und herrlich sein, und die Frucht des Landes wird der Stolz und der Schmuck für die Entkommenen Israels sein.

Spross des Herrn: Im hebräischen Original ist hier von einem Spross oder einem Zweig die Rede. Sie können auch sinnbildlich für Jesus Christus stehen. Später wird deutlich werden, dass es ein Zweig sein wird, der aus trockenem Boden hervorsprießt. Es ist etwas Grünes, was in der trockenen Wüste hervorsprießt.

Jes 4,3: Gott selbst hat ihre Namen in einem Buch aufgeschrieben und sie zum Leben bestimmt.

Das Neue in Jesus Christus: Auf das harte Gerichtswort im Kapitel 3 folgt eine Heilsankündigung im Kapitel 4: Pflanzen sprießen, reiche Ernte, von Schuld befreit und geläutert, über uns ein Schutzdach. Was hier Verheißung ist, ist in Christus in Erfüllung gegangen. In ihm ist das Neue zu uns gekommen. Er trägt unsere Namen an seinem Herzen hin vor Gott. Gerade wenn unser Lebensweg oft schwierig, mühsam und manchmal zum Verzweifeln ist, können wir darauf vertrauen und hoffen.

Jes 4,5: Der Herr wird etwas Neues schaffen.

Jes Kap. 5

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 5

Jes 5:1: ‭Ich will doch singen von meinem Geliebten, ein Lied meines Freundes von seinem Weinberg! Mein Geliebter hatte einen Weinberg auf einem fruchtbaren Hügel.

Jes 5:2: ‭Und er grub ihn um und säuberte ihn von Steinen und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Mitten darin baute er einen Turm und hieb auch eine Kelter darin aus; und er hoffte, dass er gute Trauben brächte; aber er trug schlechte.

Johannes Paul II: Der Weinberg versinnbildlicht das Volk Israel. Zwei Grunddimensionen werden beschrieben: Einerseits, weil er von Gott gepflanzt ist, stellt der Weinberg das Geschenk, die Gnade, die Liebe Gottes dar; anderseits erfordert er die Arbeit des Winzers, durch die er Trauben hervorbringt, aus denen dann Wein gemacht werden kann; er stellt folglich die menschliche Antwort dar, das persönliche Bemühen und die Frucht der guten Werke. 

Jes 5:4: ‭Was konnte man an meinem Weinberg noch weiter tun, das ich nicht getan habe? Warum hoffte ich, dass er gute Trauben brächte, aber er trug nur schlechte?

Jes 5,7: Ihr seid der Weinberg und euer Besitzer ist der Herr, der allmächtige Gott.

Der unfruchtbare Weinberg: Weil Trauben zu den begehrtesten Früchten des Landes zählten, ist der Weinberg ein oft gebrauchtes Bild für die Geliebte. Gott klagt über seinen Weinberg Israel, weil er unfruchtbar ist. „Für mich, den Herrn, haben sie keinen Gedanken übrig. Was ich in der Welt tue, nehmen sie nicht wahr.“  (Jes 5:12) Er wollte gute Taten sehen. In  Weherufen nennt Jesaja, was der Weinberg stattdessen hervor bringt: Besäufnisse, Böses wird gut und Gutes wird Böse genannt, Raffgier, Hochmut und Eingebildetheit u.v.m. Der Weinberg, die Geliebte, ist gefesselt an die Sünde. Wie können wir davor bewahrt bleiben? Wie können wir uns davor schützen ins Böse abzugleiten?

Jes 5:8: ‭Wehe denen, die ein Haus ans andere reihen, ein Feld zum anderen fügen, bis kein Platz mehr bleibt und ihr allein mitten im Land wohnt!

Erstes Wehe: Bei dem ersten Wehe geht es um Gier und Habsucht. Wir erkennen diese schlechte Beere in dem ungezügelten Materialismus unserer Tage. Es ist der Drang, immer noch mehr zu besitzen. Wenn es sein muss, werden andere ihres Besitzes beraubt. Das Bild ist Egoismus in seiner höchsten Form, jemand, der sich mit allem umgibt, was ihm gefällt und keinen anderen daran teilhaben lässt. G. de Koning

Jes 5:11: ‭Wehe denen, die sich früh am Morgen aufmachen, um berauschenden Getränken nachzujagen, und die am Abend lange aufbleiben, bis sie der Wein erhitzt!

Zweites Wehe: Das zweite Wehe handelt von den Hedonisten, den genusssüchtigen Menschen, die das Vergnügen lieben. Sie sehen das Leben als ein großes Fest.

Jes 5:18: ‭Wehe denen, die ihre Schuld an Lügenstricken hinter sich herschleppen und die Sünde wie an Wagenseilen.

Drittes Wehe: Die Last der Ungerechtigkeit liegt hoch auf dem Sündenkarren, den diese Menschen mit Seilen ziehen. Der zugrunde liegende Gedanke ist, dass das Begehen kleiner Ungerechtigkeiten, „Stricke der Falschheit“, allmählich zu gröberen Ungerechtigkeiten führen wird, „Sünde wie mit Wagenseilen“. Sie glauben, dass sie ihre sündigen Aktivitäten kontrollieren. Aber es ist genau umgekehrt: In den Fesseln seiner Sünde wird er festgehalten.

Jes 5:20: ‭Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis erklären, die Bitteres süß und Süßes bitter nennen!

Viertes Wehe: die Umkehrung moralischer Grundsätze. Wissentlich und willentlich stellen sie Werte und Normen auf den Kopf. Sie kehren alles um, was Gott gesagt hat. Was Gott böse nennt, nennen sie gut und umgekehrt. Sie tun dasselbe mit der Finsternis und dem Licht sowie mit dem, was bitter und mit dem, was süß ist. Falsche Lehren werden als Wahrheit dargestellt und die Wahrheit wird als Lüge bezeichnet. G. de Koning

Jes 5:21: ‭Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und die sich selbst für verständig halten!

Fünftes Wehe: Das fünfte Wehe trifft den Stolz und die Selbstgefälligkeit derer, die in ihren eigenen Augen weise sind. Jemand, der mit seiner eigenen Weisheit und seinem Intellekt prahlt, erzeugt einen unerträglichen Gestank. Diese Haltung rührt von der Einstellung her, die wir unter den beiden vorhergehenden Wehen gefunden haben. Es ist ein Versuch der Selbstrechtfertigung, der zur Verhärtung des eigenen Gewissens führt. G. de Koning

Jes 5:22: ‭Wehe denen, die Helden sind im Weintrinken und tapfer im Mischen von berauschendem Getränk.

Jes 5:23: ‭Die dem Gottlosen recht geben um eines Bestechungsgeschenkes willen, aber dem Gerechten seine Gerechtigkeit ab­sprechen!

Sechstes Wehe: Das sechste Wehe kommt über die Führer des Volkes. Auch sie sind völlig verdorben. Sie werden hier als die Liebhaber des Weins beschrieben. G. de Koning

Jes Kap. 6

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 6

Jes 6,3: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott! Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt.

Berufung des Jesaja: In einer Vision wird Jesaja in den Thronsaal Gottes gehoben und sieht dort den Herrn auf dem Thron sitzen. Um ihn herum sind Engel, die heilig, heilig rufen. Die Erscheinung ist so riesenhaft groß. Jesaja erschrickt und bekennt, dass er ein Sünder ist, dass er unreine Lippen hat. Da kommt ein Engel und rührt mit einem glühenden Stück Kohle Jesajas Lippen an. Jesaja erlebte Gottes furchterregende Heiligkeit und gleichzeitig dessen Güte. Danach stellt er sich in den Dienst Gottes. Uns geht es nicht viel anders ergeht als Jesaja. In Gottes Gegenwart spüren wir unsere Erlösungsbedürftigkeit. Doch gleichzeitig erleben wir seine Liebe zu uns. Die glühende Kohle symbolisiert das Kreuz Jesu Christi. In dem Moment, wo wir uns mit diesem Kreuz Christi verbinden, indem wir darauf vertrauen, dass unsere Schuld auf ihm liegt, werden wir vor Gott frei von aller Schuld. Und auch wir sind seine Diener.

Jes 6,7: Schau, die glühende Kohle hat deine Lippen berührt. Deine Schuld ist jetzt weg genommen, dir sind deine Sünden vergeben.

Jes Kap. 7

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 7

Jes 7,4: Sag ihm, er soll nichts Unüberlegtes tun, sondern Ruhe bewahren. Ermutige ihn mit dieser Botschaft: Hab keine Angst und lass dich nicht einschüchtern! 

Im Herrn ruhen: König des Südreiches Juda Ahas steht unmittelbar vor einem Krieg. Der König von Israel zieht heran. Ein Bruderkrieg im Gottesvolk! Das Volk zitterte ängstlich. Darauf bekommt Ahas durch Jesaja von Gott eben diese Zusage in Vers 4. Ahas und wir sollen Vertrauen lernen und begreifen: In Gottes Augen sieht das, was mir Angst macht, völlig anders aus. Für unseren Alltag: egal was ist und passiert (und das kann zuweilen heftig sein), versuche ich stets in der Verbundenheit mit dem Herrn zu ruhen, voll Zuversicht, Hoffnung und Mut die Dinge anzupacken, die vor mir liegen.

Jes 7,9: Vertraut jetzt mir, dem Herrn! Wenn ihr nicht fest im Glauben steht, dann könnt ihr überhaupt nicht bestehen!

Jes 7,12: Doch Ahas wehrte ab: Nein, nein, darauf lasse ich mich nicht ein! Ich will den Herrn nicht auf die Probe stellen.

Immanuel – Gott mit uns: Ahas sollte sich im Auftrag Jesajas ein Erkennungszeichen erbitten. Gott wollte ihm ein besonderes Zeichen geben, um sein Vertrauen zu stärken im Angesicht der großen Gefahr der feindlichen Truppen. Scheinbar theologisch korrekt, lehnt Ahas ab: Man soll Gott ja nicht versuchen. Wenn Gott aber ein klares Versprechen gegeben hat, dann möchte er, dass wir darauf vertrauen. Das angekündigte Zeichen ist eine große Verheißung. Nach neutestamentlichem Verständnis birgt sie eine Verheißung, die ihre volle und eigentliche Erfüllung erst in der Geburt Jesu Christi aus Maria gefunden hat.

Jes 7,14: Jetzt gibt euch der Herr von sich aus ein Zeichen: Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Immanuel (Gott ist mit uns) wird sie ihn nennen.

Jes Kap. 8

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 8

Jes 8,18: Wir sind lebende Botschaften.

Botschaften voller Hoffnung: Jesaja hat mit seiner Botschaft bei König und Volk kein Gehör gefunden. Deshalb redet er für eine Zeit lang nicht mehr in der Öffentlichkeit. Dennoch: allein seine Anwesenheit spricht. So ist das auch bei uns. Wir sind lebende Botschaften. Was für ein Vers! Was für ein Auftrag! Mit Christus, in dem wir leben, können wir ihn hoffnungsvoll angehen, zum einen, weil er zu uns spricht (Glaubt dem, was er euch sagt! Jes 8:20), zum anderen, weil die Verheißung, mit der das achte Kapitel endet, sich erfüllt hat:

Jes 8,23: Die Zeit der Finsternis und der Hoffnungslosigkeit wird einmal ein Ende haben.

Jes Kap. 9

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 9

Jes 9,1: Das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht. Hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind.

Jesus ist unser Frieden: In einer der dunkelsten Stunden kündigt Jesaja im Bild eines großen Lichtes an, dass der Retter kommt. Die Verheißung des großen Lichtes hat sich in Jesus Christus erfüllt. Er kam in eine dunkle Zeit, er kommt auch hinein in die Nacht unserer Welt und unseres Lebens. Er bringt dauerhaften Frieden (Jes 9,6), einen Frieden, wie in die Welt nicht geben kann.  Soldatenstiefel und Kampfgewänder werden ins Feuer geworfen und verbrannt. (Jes 9:4). Unser Herz ruht in seinem Frieden. Das ist Grund zur überströmenden Freude.

Jes 9,5: Uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn Wunderbarer Ratgeber,  Starker Gott, Ewiger Vater,  Friedensfürst.

Jes Kap. 10

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 10

Jes 10,13: Aus eigener Kraft habe ich das alles geschafft! Meiner Klugheit ist es zu verdanken!

Gegen den Hochmut: Hüten wir uns vor der Hochmut. Erkennen wir in Demut, dass wir alles von Gott geschenkt bekommen haben. Dem assyrischen König gelingt vieles, weil Gott seine Hand im Spiel hat. Leider fällt er in Hochmut, verlässt sich nur auf sich und seine Macht. Aber: „Ist die Säge mehr als der, der sie gebraucht?“ (Jes 10:15) Darum: verlassen wir uns allein auf Gott und halten ihm die Treue! Also: wenn uns etwas gelingt, wenn wir etwas schaffen, dann lasst uns ihm danken. Das hütet und schützt uns vor jeglichem Stolz.

Jes 10,20: Auf den Herrn, den heiligen Gott Israels, werden sie sich verlassen und ihm die Treue halten.

Jes Kap. 11

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 11

Jes 11,1: Was von Davids Königshaus noch übrig bleibt, gleicht einem abgehauenen Baumstumpf. Doch er wird zu neuem Leben erwachen: Ein junger Trieb sprießt aus seinen Wurzeln hervor.

Der junge Trieb Jesus: Radikal kommt vom lateinischen radix und bedeutet Wurzel. Advent ist eine Zeit, um radikal zu werden, d.h. zu erkennen, wo unsere Wurzel ist, zu entdecken: Ich habe mich nicht selbst gepflanzt! Ich weiß, wo ich herkomme. Ich habe in diesem aus der Wurzel Jesse gewachsenen Baum Christus eine Heimat, die auch mich wie einen lebendigen Baum dem Himmel entgegenwachsen lässt im Tun seines Willens. Gemäß seinem Willen zu leben ist der Weg, um unsere eigentliche Identität, die Wahrheit unseres Seins zu finden, während das Sich-Trennen von Gott, von der Wurzel, uns von uns selbst entfernt und uns in die Leere stürzt. Interessant: Nazareth heißt zu deutsch so viel wie Sprossdorf.

Diese prophetische Vision von Baumstumpf und Zweig weist auf Jesus hin. Der junge Trieb ist das Jesuskind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Friedenskönig wird er genannt. Es ist doch bezeichnend, dass die fast alle Auferstehungsberichte mit dem Friedensgruß unseres Herrn beginnen. Er hat den Frieden mit Gott gebracht. Doch dabei bleibt es nicht. Er sendet. Er weist uns den Weg in seiner Nachfolge. Darum: Lasst uns mit ganzem Herzen betrachten, woher wir kommen und wohin wir wollen und dann, was wir tun und vorhaben, damit wir nicht das ewige und höchste Gut verlieren. 

Jes 11,6: Dann werden Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen.

Wolf und Lamm: Abstrakte Worte erreichen häufig nur den Verstand. In Worte gefasste Bilder dagegen haben das Potential, den „ganzen“ Menschen zu erreichen und bergen in sich den Schatz, die Perle, lebensverändernd zu wirken. In der heutigen Jesaja-Lesung ist eben so ein Bild. Ich habe dieses Bild erlebt:  Wenn wir uns zu Jesus hinwenden, den Weg zu uns für ihn frei machen, Hindernisse wegräumen, dann macht uns Jesus heil, ganz, er versöhnt die in uns widerstreitenden Kräfte, was zu dem Frieden führt, den er uns allen verheißen hat, dann wohnen Wolf und Lamm in mir friedlich beianander. Der Friede des Herrn sei mit euch.

Jes Kap. 12

Auslegung und Kommentar zum Buch Jesaja (Jes) Kap. 12

Kapitel 12 ist einer der schönsten Texte im ganzen Buch Jesaja. Alles ist erfüllt von Dank, Lob und Vertrauen für den unter uns wohnenden Gott

Dich will ich loben, o Herr ! Du warst zornig auf mich, doch dein Zorn hat sich gelegt, und du hast mich wieder getröstet. Ja, so ist mein Gott: Er ist meine Rettung, ich vertraue ihm und habe keine Angst. Der Herr allein gibt mir Kraft. Denke ich an ihn, dann beginne ich zu singen, denn er hat mich gerettet. Seine Hilfe gleicht einer sprudelnden Quelle. Voller Freude werdet ihr Wasser daraus schöpfen. An jenem Tag werdet ihr sagen: Lobt den Herrn und preist seinen herrlichen Namen! Erzählt den Völkern, was er getan hat! Ruft in die Welt hinaus, wie groß und erhaben er ist! Singt zur Ehre des Herrn, denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Auf der ganzen Erde soll man es hören! Ihr Einwohner von Zion, jubelt und singt, denn groß ist der heilige Gott Israels, der mitten unter euch wohnt.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Jesaja (Jes) Kapitel 1 bis 12


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

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