Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Jer. Kap. 1-12: Auslegung

Kapitel 1

Jer 1,4: Das Wort des Herrn erging an mich.

Worte zum Buch Jeremia: Jeremia ist in vieler Hinsicht der geistige Erbe des Propheten Hosea. Seine Berufung zum Propheten erfolgte im dreizehnten Jahr des Königs Joschija, also ums Jahr 626 v. Chr. Wie bei keinem anderen Propheten ist bei Jeremia das persönliche Leben unlösbar mit der prophetischen Verkündigung vermischt. Das zeigt sich schon im Bericht über seine Berufung. Jesaja hatte gerufen: Sende mich! (Jes 6,8). Jeremia hatte Bedenken und Einwände, ähnlich wie Mose sie gehabt hatte. Jeremia war jung und schüchtern, und im Verlauf der nächsten vierzig Jahre wurde ihm das Prophetenamt nicht leichter, sondern immer noch schwerer. Jahwe nimmt die Sendung nicht zurück; sie ist beschlossen, noch ehe Jeremia geboren wurde. Ich sende dich – du wirst gehen – du wirst verkünden: das sind Befehle. Zum Befehl kommt die Versicherung hinzu: „Ich bin mit dir, um dich zu retten.“ Mit diesem Wort als einziger Ausrüstung betritt der Prophet seinen Weg. Erzabtei Beuron

Jer 1,5: Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete.

Gekannt und berufen: Gott kannte uns bevor er uns schuf. Wow! Er dachte an uns und machte Pläne für uns. Wenn wir entmutigt sind, sollten wir daran denken: Wir sind wertvoll in Gottes Augen und er hat einen Plan für unser Leben. Gott hat mit jedem etwas vor. Überlassen wir das Steuer unserer Seele ganz ihm. Er wird dich führen. Der Sinn unseres Lebens ist ihm allein zu dienen. Wofür hat Gott dich bestimmt?

Jer 1,8: Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen.

Gott ist bei uns: Jeremia sträubt sich gegen seinen Auftrag. Er sieht sich der Aufgabe nicht gewachsen, zu jung, zu unerfahren. Doch Gott lässt seinen Einwand nicht gelten. Aber: Gott verspricht bei ihm zu sein. Er verspricht jedoch nicht, ihn vor allen Schwierigkeiten zu bewahren. Jeremia wurde später inhaftiert, deportiert, verhöhnt und abgelehnt. So ist es auch bei uns. Auch uns erspart Gott die schweren Zeiten des Lebens nicht, aber er geht mit uns durch sie hindurch und hilft uns. Am Auftrag Jeremias kann mir klar werden, dass der lebendige Gott auch mir etwas zumuten kann, aber immer sind wir darin von ihm gehalten.

Jer 1,9: Ich lege dir meine Worte in den Mund.

Ohr öffnen: Diese Worte spricht Gott zu Jeremia. Er legt ihm seine Worte in den Mund. Es werden Worte des Gerichtes sein. Für uns hört sich das dann zuerst verängstigend an. Und doch sind es gute Worte von Gott, der Liebe ist. In seiner Liebe will er warnen vor falschen Wegen. In seiner Liebe will er zur Einsicht und zur Umkehr bewegen. Dies ist heilsam und notwendig für uns, die eben immer wieder vom guten Weg abkommen und in falschen Dingen Sicherheit suchen. Haben wir Mut, auch die Gerichtsworte der Bibel zu hören und uns in sein Licht zu stellen. Das wird gut und heilsam für uns sein.

Kapitel 2

Jer 2,2: Ruf Jerusalem laut ins Ohr: So spricht der Herr: Ich denke an deine Jugendtreue, an die Liebe deiner Brautzeit, wie du mir in der Wüste gefolgt bist, im Land ohne Aussaat.

Laut ins Ohr: Seine erste Rede (2,1-19) hat Jeremia in Jerusalem gehalten, und zwar „laut ins Ohr“, so dass jeder es hören musste. Jeremia beurteilt die Geschichte ähnlich wie Hosea. Die Zeit der Wüstenwanderung gilt ihm als die Zeit der ungebrochenen Treue zum Gott des Sinaibundes. Damals hielt sich Israel an Jahwe, und Jahwe half seinem Volk. Nach der Einwanderung in das „Gartenland“ Kanaan kam der Abfall zu den Landesgottheiten, den Baalen. Die Schuld trifft vor allem die Verantwortlichen im Volk: Priester, Gesetzeslehrer, Könige und Propheten. Ist es zu verwundern, dass Jahwe dieses Volk seinen Feinden preisgab? Aber unbegreiflich, unerhört ist es, dass ein Volk seinen Gott verlässt, der ihm nur Gutes getan hat. Der heutige Leser findet das vielleicht nicht so unerhört: wir haben in der Geschichte des Neuen Bundes Ähnliches gesehen und uns daran gewöhnt. Erzabtei Beuron

Jer 2,7: Ich brachte euch dann in das Gartenland, um euch seine Früchte und Güter genießen zu lassen. Aber kaum seid ihr dort gewesen, da habt ihr mein Land entweiht und mir mein Eigentum zum Abscheu gemacht.

Jer 2,8: Die Priester fragten nicht: Wo ist der Herr? Die Hüter des Gesetzes kannten mich nicht, die Hirten des Volkes wurden mir untreu. Die Propheten traten im Dienst des Baal auf und liefen unnützen Götzen nach.

Jer 2,8: Sie liefen denen nach, die nicht helfen können.

Nicht an falsche Dinge hängen: Das Volk suchte Sicherheit in allem, nur nicht in Gott. Vor allem wandten sie sich einer anderen Religion zu, der Baal-Religion. Auch wir sind oft versucht, unsere Sicherheit in Besitz, Menschen oder unseren eigenen Fähigkeiten zu suchen, weil wir unser Herz zu stark daran hängen. Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott. Sicherheit aber gibt es allein bei Gott, der allein wirklich hilft.

Ah, wenn man wüßte, was man gewinnt, wenn man allen Dingen entssagt! Therese vom Kinde Jesu

Jer 2,13: Erst haben sie mich verlassen, die Quelle mit Leben spendendem Wasser, und dann haben sie sich rissige Zisternen ausgehauen, die überhaupt kein Wasser halten.

Wasser des Lebens: Zisternen werden künstlich angelegt, sind marode und beinhalteten abgestandenes Wasser. Diese Zisterne ist hier ein Bild für alles, was uns so wichtig werden kann (Geld, Macht, Stolz etc.). Die Gefahr ist dann, dass wir nicht mehr in der vollen Gemeinschaft mit Gott leben. Von diesen Dingen gilt es sich zu trennen. Je mehr wir uns mit Christus beschäftigen werden, desto mehr wird unser Herz von seiner Person erfüllt sein. Je mehr aber unsere Herzen mit Ihm gefüllt sind, desto mehr wird das unser Denken, Sprechen und Handeln charakterisieren und ändern. Gott ist die sprudelnde Quelle frischen Wassers. Er allein bringt und erhält Leben.

Jer 2,27: Mir kehren sie nur noch den Rücken zu.

Kapitel 3

Jer 3,12-14: Komm zurück zu mir! […] Ich bin ein barmherziger Gott und werde dir vergeben. Sieh deine Schuld endlich ein! […] Kehr um.

Bekehrung: Wir haben Bekehrung immer wieder notwendig. Einerseits bekehren wir uns von etwas weg. Bei einem jeden von uns gibt es immer wieder Dinge, von denen wir lassen müssen. An erster Stelle steht da häufig unser Eigenwille. Immer neu gilt es mit Herz und Verstand zu sagen: Nicht mein, sondern dein Wille! Andererseits bekehren wir uns zu etwas hin. Bekehrung ist Ausrichtung auf Gott. Mit der Bekehrung zu Gott fängt das christliche Leben an. Und dann ist es erfüllt mit dem Dienst für den lebendigen und wahren Gott. Wir wollen Ihm dienen. Ihm zu dienen ist ein Dienst voll Würde.

Jer 3,22: Ja, wir kommen zu dir, o Herr.

Kapitel 4 

Jer 4,3: Pflügt ein Neues und sät nicht unter die Dornen!

Neues pflügen: Wenn wir uns von Gott entfernen, gedeiht mehr und mehr das Unkraut auf dem Acker unserer Seele. Ein Neues pflügen, bedeutet anders als bisher zu leben. Pflügen wir ein Neues, indem wir vom innersten Herzen Gott jeden Tag neu vertrauen, dass er da ist, wirkt, mir meinen Nächsten zeigt und mich mit seinem Schutz und Weisung umgibt, gerade dann, wenn das manchmal nicht direkt seh- oder spürbar für mich ist. Misstrauen dagegen ist ein Säen unter Dornen. Wir säen unter Dornen, wenn wir Gottes Liebe nicht trauen. Wir säen unter Dornen, wenn wir zweifeln, dass sich etwas ändern kann, wir aus Bequemlichkeit oder Angst die eingefahrenen Wege fahren, alte Gedanken denken, uns zu sehr an alten Gewohnheiten klammern.

Jer 4,4: Ändert euch von Grund auf und wendet euch von ganzem Herzen mir zu!

Jer 4,14: Reinige dein Herz.

Kapitel 5

Kapitel 6

Jer 6,16: Fragt nach dem richtigen Weg, und dann beschreitet ihn. So findet ihr Ruhe für euer Leben.

Fragt nach dem richtigen Weg: Zu wissen, was Gott will, zu wissen, was der Weg des Lebens ist, das ist unsere Freude. Der Wille Gottes entfremdet uns nicht, er reinigt uns (und das kann weh tun) aber so bringt er uns zu uns selber, und so dienen wir nicht nur ihm, sondern dem Heil der ganzen Welt. Wie oft gehen wir aber auf falschen Wegen verloren. Wir alle sind das verlorene Schaf, das in der Wüste keinen Weg mehr findet. Gott kann den Menschen nicht in solcher Not stehen lassen. Er steht selber auf, verläßt den Himmel, um das Schaf zu finden und geht ihm nach bis zum Kreuz. Er lädt es auf die Schulter, er trägt unser Menschsein, er leitet uns auf dem rechten Weg, indem er sich selbst als Weg offenbart.

Kapitel 7

Jer 7,3: Ihr müsst euer Leben vollkommen ändern.

Das Leben vollkommen ändern: Diese vollkommene Änderung vollzieht sich in der umfassenden Hingabe und Leben mit Jesus. Das Buch Nachfolge Christi beschreibt dies so: Jesu edle Liebe spornt uns zu großen Taten an und ruft uns auf, immer größere Vollkommenheit zu erstreben. Die Liebe strebt aufwärts und läßt sich nicht durch niedrige Dinge fesseln. Die Liebe will frei sein und unbeschwert von aller irdischen Neigung … denn die Liebe ist aus Gott geboren und kann in keinem erschaffenen Wesen, sondern nur in Gott Ruhe finden. Der Liebende fliegt, läuft und ist voll Freude; er ist frei und läßt sich nicht aufhalten. Er gibt alles für alles und hat alles in allem, weil er, über alles erhoben, ruht in dem einen Höchsten, dem alles Gute wie einer Quelle entströmt

Jer 7,5: Ändert euer Leben von Grund auf!

Kapitel 9

Jer 9,22: Ein Weiser soll nicht stolz sein auf seine Weisheit, der Starke nicht auf seine Stärke und ein Reicher nicht auf seinen Reichtum.

Stolz auf Erkenntnis des Herrn: So schön die Ehre ist, wenn sie uns als Geschenk zufällt, so hässlich wird sie, wenn man sich um sie bemüht, nach ihr verlangt und sie fordert. Wir sollten uns vor jeglichem Stolz und versteckter Ehrsucht hüten. Wer sich über andere erhebt, macht das Miteinander schwer, da er die anderen entwertet. Entscheidend ist nicht, was wir haben, sondern von wem wir es haben. Es gibt aber einen Stolz gibt, der froh macht: Stolz auf die Erkenntnis des Herrn. Dies drückt eine ganz intensive intime Gemeinschaft aus. So sehr will Gott uns persönlich bekannt sein.

Jer 9,23: Grund zum Stolz hat nur, wer mich erkennt und begreift, dass ich der Herr bin.

Kapitel 10

Jer 10,10: Der Herr aber ist der wahre und lebendige Gott, der ewige König.

Das Königtum Jesus Christi: Sein Königtum gründet in der Liebe. Es ist die Macht seiner Liebe, die es versteht, Gutes aus dem Bösen zu gewinnen, mein verhärtetes Herz zu erweichen, Frieden in unseren Streit zu tragen, Hoffnung in mein Dunkel zu bringen. Sein Königreich ist grenzenlos, d.h. seine Liebe wendet sich allen Menschen zu! Er ist der fürsorgende königliche Hirte, wir seine Herde, die seine Stimme hört.

Im Gebet wenden wir uns diesem König zu. Durch das Gebet haben wir allzeit freien Zutritt beim König, dessen Herrschaft in der dienenden Liebe besteht.

Jer 10,23: Das Leben eines Menschen liegt nicht in seiner Hand. Niemand kann seine Schritte nach eigenem Plan lenken.

Unser Leben in seiner Hand: Erhoffe alles von Jesus. Er wirkt, wenn du dich Ihm ganz überlässt. Jeden Tag vertraue ich weniger auf mich und mehr auf Jesus! Mein Leben liegt in seiner Hand. Jesus! In Dir ruhe ich. Mit dir alles, ohne dich nichts. Nur eines ist wichtig: ihm mehr zu vertrauen, ihn mehr handeln zu lassen, sich in allen Dingen an ihn wenden.

Wenn du Ihn nicht lässt, wird Er dich nicht lassen. Josemaría Escrivá

Kapitel 11

Jer 11,1: Erinnert euch doch an meinen Bund mit euch!

Erinnerung: Dein Vertrauen in Gott muss immer stärker werden. Rufe dir deshalb häufig sein Verhalten dir gegenüber ins Gedächtnis, all seine Zärtlichkeit, die sanften Mittel, die seine Barmherzigkeit eingesetzt hat, um dich von den Wegen zurückzuholen, wohin du dich verirrt hattest, um dich von den Fesseln der Erde zu befreien und dich an seine heilige Liebe zu ziehen. Alphons-Maria von Liguori

Unsere Zuversicht für die Gegenwart stärkt sich an frohen Rückblicken auf die Vergangenheit.

Kapitel 12

Jer 12,3: Mich aber, Herr, kennst du und siehst mich und prüfst mein Herz vor dir.

Gott kennt, sieht und prüft mich: Gott kennt mich und prüft mein Herz. Von Ihm geprüft zu werden ist ein Ausdruck Seines Wohlwollens. Ein Juwelier prüft das Gold, weil es sehr wertvoll ist. Gott prüft uns, weil wir in seinen Augen wertvoll sind. Petrus vergleicht unseren Glauben mit Gold, dessen Echtheit sich in Feuerproben zu erweisen hat. Immer führt diese Prüfung zur inneren Demut, weil wir die Prüfungen nicht unbedingt glänzend bestehen. Aber gerade diese Demut stärkt unseren Glauben an Gott, der sich dem Demütigen zuwendet.

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Tägliche Andacht

Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste