Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Hohelied (Hld) Kapitel 3 bis 8: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Hohelied (Hld) Kapitel 3 bis 8

Hld Kap. 3

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 3

Hld 3:1: ‭Auf meinem Lager in den Nächten suchte ich ihn, den meine Seele liebt; ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht.

Christus dort suchen, wo man ihn verloren hat: Sage mir, wo du die Gemeinschaft Christi verloren hast, so will ich dir sagen, wo du sie am leichtesten wieder findest. Hast du deinen Heiland im Kämmerlein verloren, als du im Gebet lässiger wurdest? Dann musst du Ihn dort auch wieder suchen und finden. Verlorst du den Herrn durch die Sünde, dann findest du Ihn nicht anders wieder, als wenn du die Sünde aufgibst und durch den Heiligen Geist das Glied, in welchem die Sündenlust wohnt, zu ertöten suchst. Hast du Christum verloren durch Gleichgültigkeit gegen sein heiliges Wort? Dann suche Christum in der Schrift. Es ist ein wahres Sprichwort: „Suche deine Sachen, wo du sie verloren hast.“ So suche deinen Freund, wo du Ihn verloren hast, denn Er ist nicht weggegangen. Spurgeon

Aber wie kommt‘s, dass du Ihn verloren hast? Man sollte denken, du hättest einen so unvergleichlichen Freund nie verlassen sollen, dessen Nähe so selig, dessen Rede so tröstlich, und dessen Umgang so erquickend ist! Warum hast du denn nicht jeden Augenblick auf Ihn geachtet, damit du Ihn nicht aus den Augen verlörest? Und doch ist‘s jetzt, da du Ihn verloren hast, eine große Gnade, dass du Ihn suchst, trotz deines bangen Seufzens: „Ach, dass ich wüsste, wo ich Ihn finden soll!“ Geh‘ und suche, denn es ist gefährlich, wenn du ohne deinen Herrn bist. Ohne Christum bist du wie ein Schaf ohne Hirt; wie ein Baum ohne tränkendes Wasser; wie ein welkes Blatt im Sturm, abgelöst vom Baum des Lebens. Suche Ihn von ganzem Herzen, so lässt Er sich von dir finden; nur biete alles auf, Ihn zu suchen, und du wirst Ihn wieder finden, zu deiner Freude und Wonne. Spurgeon

Hld 3:2: ‭Ich will doch aufstehen und in der Stadt umherlaufen, auf den Straßen und Plätzen; ich will ihn suchen, den meine Seele liebt! Ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht.

Selig die suchende Seele: Selig ist eine Seele, die eine solche Sucherin des Heilandes ist, die von solchem Verlangen nach ihm brennet, daß sie Nacht und Tag nur ihn verlangt; die, wenn sie ihn nicht hat, nicht ruhig schlafen kann, sondern aufstehen und ihn in den Gassen und Straßen der Stadt Gottes, d. i. auf allen Wegen des innern Lebens, suchen muß. Johannes Goßner

Suchen und nicht finden und doch weiter suchen: Das sind wohl die edelsten Seelen, die der Heiland so im Suchen übt, deren Augen so gehalten werden, daß sie ihn nicht sehen und nicht kennen, ob er gleich mit ihnen wandelt, die sonst seine süße Gemeinschaft gewohnt waren, aber nun lange Zeit des Trostes seiner Nähe nicht so oft und so bald, als sie es wünschen, theilhaft werden können, und dabei äußerlich mit Trübsal und innerlich mit Zweifel, Angst und Anfechtung geplagt sind. Je mehr er sich ihnen verbirgt, desto heißer wird ihr Verlangen nach ihm. Je weiter er sich von ihnen zu entfernen scheint, desto inniger suchen sie ihn. Denn sie wissen, es ist nur Prüfung ihrer Liebe, Bewährung ihres Glaubens; sie sind überzeugt: Er kann nicht im Ernste die Menschen verlassen, er kann keine Seele hassen, die ihn liebt, keine fliehen, die ihn sucht. Sein Fliehen will uns nur ziehen – tiefer in das Innere hinein zu dringen. Sein Entfernen soll uns nur ihm näher bringen, und das, was noch zwischen uns und ihm liegt, aus dem Wege räumen, die Scheidewand niederreißen und ihn uns auf ewig schenken. Johannes Goßner

Hld 3:3: ‭Mich fanden die Wächter, welche die Runde machten in der Stadt: Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt?

Hld 3:4: ‭Kaum war ich an ihnen vorübergegangen, da fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich hielt ihn fest und ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn in das Haus meiner Mutter gebracht hatte, ins Gemach derer, die mich empfangen hat.

Hld 3,4: Ich habe den gefunden, den meine Seele liebt. Ich habe ihn gefunden und lasse ihn nicht.

Gefundene Liebe: Die gewonnene Liebe aber läßt uns beschauen. Die Liebe drängt dazu, die geliebte Schönheit immer noch aufmerksamer anzuschauen und das Schauen zwingt das Herz, sie immer noch brennender zu lieben. Die Beschauung ist ein liebevolles, einfaches, ständiges Aufmerken des Geistes auf göttliche Dinge. Um zum beschaulichen Gebet zu gelangen, müssen wir für gewöhnlich das Wort Gottes hören, mit anderen geistliche Gespräche pflegen, fromme Bücher lesen, beten, betrachten, geistliche Lieder singen, gute Gedanken hegen. Die Beschauung hängt nicht von unserer Bemühung ab, sondern Gott bewirkt sie in uns durch seine heilige Gnade, wenn es ihm gefällt.

Allein Jesus: Stellen Sie sich in Ihrer Einbildungskraft den gekreuzigten Jesus Christus in Ihren Armen und an Ihrer Brust vor und sagen Sie hundertmal, seine Seitenwunde küssend: Hier ist meine Hoffnung, hier ist die lebendige Quelle meines Glückes; hier ist das Herz meiner Seele, hier die Seele meines Herzens. Nichts soll mich von seiner Liebe wegreißen; ich halte ihn und lasse ihn nicht mehr, bevor er mich in Sicherheit gebracht hat. Sagen Sie oft zu ihm: Was mag ich auf Erden haben und was erwarte ich im Himmel außer Dich, mein Jesus? Du bist der Gott meines Herzens. Franz von Sales

O, wie teuer ist doch Christus! Wie ist‘s nur möglich, dass ich je so gering von Ihm denken konnte? Wie kommt es, dass ich sonst überall Freude und Trost suchen mag, nur bei Ihm nicht, der doch so voll, so reich, so allgenugsam ist? Gläubiger Mitbruder, mache einen Bund mit deinem Herzen, dass du nie wieder von Ihm lassen willst, und bitte deinen Herrn, dass Er den Bund bestätige. Sage Ihm, dass Er dich als einen Siegelring an seinen Finger stecke und als eine Spange um seinen Arm lege. Bitte Ihn, Er wolle dich zum Schmuck nehmen, wie eine Braut sich mit Geschmeide bedeckt und ein Bräutigam sich mit Juwelen ziert. Ich möchte im Herzen Christi leben; in den Klüften dieses Felsens möchte meine Seele ewiglich wohnen. Spurgeon

Hld 3:5: ‭Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, bei den Gazellen oder bei den Hindinnen des Feldes: Erregt und erweckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt!

Hld 3:6: ‭Wer kommt da von der Wüste herauf? Es sieht aus wie Rauchsäulen von brennendem Weihrauch und Myrrhe, von allerlei Gewürzpulver der Krämer.

Hld 3:7: ‭Siehe da, Salomos Sänfte: sechzig Helden sind rings um sie her, von den Helden Israels!

Hld 3:8: ‭Sie alle sind mit Schwertern bewaffnet, im Krieg geübt, jeder hat sein Schwert an der Seite, damit nichts zu fürchten sei während der Nacht.

Hld 3:9: ‭Der König Salomo ließ sich eine Sänfte machen, aus dem Holz des Libanon.

Hld 3:10: ‭Ihre Säulen ließ er aus Silber machen, ihre Lehne aus Gold, ihren Sitz aus Purpur, das Innere wurde mit Liebe ausgestattet von den Töchtern Jerusalems.

Hld 3:11: ‭Kommt heraus, ihr Töchter Zions, und betrachtet den König Salomo mit dem Kranz, mit dem seine Mutter ihn bekränzt hat an seinem Hochzeitstag, am Tag der Freude seines Herzens!

Hld Kap. 4

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 4

Hld 4:1: ‭Siehe, du bist schön, meine Freundin, siehe, du bist schön; deine Augen sind wie Tauben hinter deinem Schleier; dein Haar gleicht der Ziegenherde, die vom Bergland Gilead herabwallt.

Hld 4:2: ‭Deine Zähne gleichen einer Herde frisch geschorener Schafe, die von der Schwemme kommen, die allesamt Zwillinge tragen, und von denen keines unfruchtbar ist.

Hld 4:3: ‭Deine Lippen sind wie eine Karmesinschnur, und dein Mund ist lieblich; wie Granatäpfelhälften sind deine Schläfen hinter deinem Schleier.

Hld 4:4: ‭Dein Hals gleicht dem Turm Davids, zum Arsenal erbaut, mit tausend Schildern behängt, allen Schilden der Helden.

Hld 4:5: ‭Deine beiden Brüste gleichen jungen Gazellen, Gazellenzwillingen, die zwischen den Lilien weiden.

Hld 4:6: ‭Bis der Tag kühl wird und die Schatten fliehen, will ich auf den Myrrhenberg gehen und auf den Weihrauchhügel!

Hld 4:7: ‭Schön bist du, meine Freundin, in allem, und kein Makel ist an dir!

Schön bist du meine Freundin: Es ist zum Staunen, wie der Herr seine Braut-Gemeinde bewundert; seine Schilderung ihrer Schönheit ist warm und glühend. Er schaut sie in Ihm selber, denn Er hat sie abgewaschen in seinem sündenversöhnenden Blut und sie gekleidet in das Verdienst seiner Gerechtigkeit, und Er schauet sie an, und rühmt sie, wie sie voller Anmut und Lieblichkeit sei. Kein Wunder, dass dies also geschieht, weil Er ja in ihr nur seine eigene Vortrefflichkeit bewundert; denn die Heiligkeit, Herrlichkeit und Vollkommenheit seiner Gemeinde sind nichts anders als seine eigenen herrlichen Kleider, womit Er seine innig geliebte Braut schmückt. Spurgeon

Kein Makel ist an dir: Nachdem der Herr seine Brautgemeinde gepriesen und ihre Schönheit bezeugt hat, bestätigt Er sein Lob noch durch eine köstliche Bewahrung gegen jeden Tadel: „Und ist kein Flecken an dir.“ Gleichsam als ob dem Freunde der Gedanke durch den Sinn gegangen wäre, die argwöhnische Welt könnte vermuten, Er hätte nur ihre Reize beschrieben, aber alles mit Stillschweigen übergangen, was etwa Fehlerhaftes oder Tadelnswertes an ihr zu finden wäre. Darum fasst Er alles in das Lob ihrer unübertrefflichen, tadellosen Schönheit und in die Abwehr auch des allerleisesten Tadels zusammen. Spurgeon

Hld 4:8: ‭Komm mit mir vom Libanon, meine Braut, komm mit mir vom Libanon! Steig herab vom Gipfel des Amana, vom Gipfel des Schenir und des Hermon, von den Lagerstätten der Löwen, von den Bergen der Leoparden!

Hld 4:9: ‭Du hast mir das Herz geraubt, meine Schwester, meine Braut; mit einem einzigen deiner Blicke hast du mir das Herz geraubt, mit einem einzigen Kettchen von deinem Halsschmuck!

Hld 4,9: Mit einem einzigen Blick hast du mein Herz gestohlen.

Verzaubert – gestohlenes Herz: Gott ist verzaubert von der Schönheit der Braut. Kleinigkeiten wie eine Perle der Halskette genügen dazu. Schon kleine Bezeugungen unserer Liebe zu Gott, kleine Taten der Liebe vermögen Gott aufs höchste zu erfreuen und im Innern zu berühren. Dabei ist es nicht das Außerordentliche der menschlichen Tat, das eine solche Reaktion in ihm bewirkt. Weil er uns mit solch überschwänglicher Liebe liebt, deshalb sind für ihn die geringsten Liebesbezeugungen unendlich wertvoll. Auch wenn es uns schwer fassbar erscheint: Christus verlangt nach unserer Liebe. Jede noch so kleine Regung der Liebe lässt ihn jubeln. Jede Tugend, jede innere Schönheit des geringsten unserer Gedanken, Worte oder Werke ist für ihn Grund zu größter Freude.

Blick in die Augen: Der Blick in die Augen ist etwas ganz Wichtiges und dennoch erst einmal was ganz banales und Alltägliches. So ist es auch mit unserem Tun. Wer Jesus dient, sollte auch den kleinen und unscheinbaren Dingen ebensoviel Sorgfalt widmen wie den großen und erhabenen. Sei bereit alles für Jesus zu geben, selbst dein Leben, wenn dir aber die göttliche Vorsehung nicht so große Prüfungen schickt, so ertrage gelassen die kleinen Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten, die kleinen alltäglichen Opfer, lege in die viel Liebe hinein. Die großen Gelegenheiten, Gott zu dienen, sind selten: kleine gibt es immer. Diese täglichen kleinen Liebesdienste, alle diese kleinen Leiden in Liebe angenommen erfreuen die göttliche Güte. Da sich solche Gelegenheiten sehr oft bieten, bieten sie einen unschätzbaren Reichtum für geistlichen Wachstum. Bleiben Sie beharrlich dabei, sich tapfer zu überwinden bei diesen kleinen täglichen Ärgerlichkeiten, die Ihnen zustoßen; richten Sie Ihre Bestrebungen hauptsächlich darauf. Sie müssen wissen, dass Gott für den Augenblick nichts von uns will als das; bemühen Sie sich also gar nicht, anderes zu tun.

Hld 4:10: ‭Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, meine Braut; wie viel besser ist deine Liebe als Wein, und der Duft deiner Salben als alle Wohlgerüche!

Hld 4:11: ‭Honigseim träufeln deine Lippen, meine Braut, Honig und Milch sind unter deiner Zunge, und der Duft deiner Kleider ist wie der Duft des Libanon!

Hld 4:12: ‭Ein verschlossener Garten ist meine Schwester, meine Braut; ein verschlossener Born, eine versiegelte Quelle.

Hld 4:12: ‭Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born.

Meine Schwester und Braut: mit mir verbunden durch Bande der Natur, teilhaftig gleicher Empfindungen und Gefühle. „Liebe Braut,“ meine Liebste und Teuerste, mit mir vereinigt durch die zartesten Bande der Liebe; meine liebliche Genossin, Teil meines eigenen Ich. Meine Schwester, durch meine Menschwerdung, dadurch, dass ich Bein von deinem Bein, und Fleisch von deinem Fleisch geworden bin; liebe Braut, durch ewige Erwählung meine Braut, die ich mir vertrauet habe in Gerechtigkeit. Spurgeon

Mein und lieb: Mit doppeltem Ausdruck nennt Er uns sein eigen in dem Wörtlein „mein“ und „lieb“; wie wenn Christus mit besonderem Entzücken an dem Besitze seiner Brautgemeinde hinge. Seine Lust ist bei den Menschenkindern, weil diese Menschenkinder seine Auserwählten sind. Er ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, weil das, was verloren ist, sein Eigentum war, lange bevor es sich und Ihm war verloren gegangen. Christus ist dir nun nahe durch Bande der Verwandtschaft; Christus ist dir teuer durch die Liebe der zärtlichsten Gemeinschaft, und du bist Ihm teuer; siehe, Er fasst dich bei beiden Händen, mit seiner Rechten und Linken, und spricht: Meine Schwester, liebe Braut.“ Achte auf die beiden heiligen Bande, durch welche dein Herr dich doppelt an sich fesselt, auf dass Er dir bezeuge, wie Er dich ewiglich nicht wieder lassen könne noch wolle. O mein Lieber, verziehe nicht, solche heiligen Flammen seiner Liebe zu erwidern. Spurgeon

Es ist eine verschlossene Quelle: so gab‘s im Morgenlande Brunnen, über welche ein Haus gebaut war, so dass niemand zur Quelle gelangen konnte, außer dem, der den verborgenen Eingang kannte; solchem verschlossenen Brunnen gleicht das Herz des Gläubigen, wenn es durch die Gnade erneuert wird: es ist ein geheimnisvolles Leben im Innern, das keine menschliche Kunst und Geschicklichkeit erschließt. Es ist ein Geheimnis, das kein andrer Mensch erkennt; ja, welches auch derselbe Mensch, der in seinem Besitz ist, seinem Nächsten nicht offenbaren kann. Spurgeon

Hld 4:13: ‭Deine Schösslinge sind ein Lustgarten von Granatbäumen mit herrlicher Frucht, Cyperblumen mit Narden.

Hld 4:14: ‭Narden und Safran, Kalmus und Zimt, samt allerlei Weihrauchgehölz, Myrrhe und Aloe und den edelsten Gewürzen;

Hld 4:15: ‭eine Gartenquelle, ein Brunnen lebendigen Wassers, und Bäche, die vom Libanon fließen!

Hld 4,15: Du bist eine sprudelnde Quelle mit frischem Wasser.

Sprudelnde Quelle: Man zieht sich zu Gott zurück, wenn man sich zu ihm erhebt und man erhebt sich zu ihm, um sich in ihn zurückzuziehen. So sind die Erhebungen zu Gott und das Zurückziehen in die geistige Einsamkeit eng miteinander verbunden. Das Gebet versetzt uns in die Wärme der göttlichen Liebe, es macht uns innerlich hell und reinigt uns so von allem Dunklen. Das Gebet ist die Quelle, deren Wasser in uns unsere guten Wünsche zum Blühen bringt und unser so oft erhitztes Herz abkühlt. Denn im Gebet sind wir direkt mit ihm verbunden, wird er selbst zur sprudelnden Quelle für uns.

Hld 4:16: ‭Erwache, du Nordwind, und komm, du Südwind, durchwehe meinen Garten, Dass sein Balsam träufle! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine herrliche Frucht!

Nordwind und Südwind als Bilder: Unsere Seelen tun wohl und weise, dass sie sich sehnen nach dem Nordwind der Trübsal, wenn das allein dazu mag geheiligt werden, den angenehmen Duft unsrer Gnadentugenden hervorzulocken. Und doch verlangt sie auch nach dem erwärmenden Südwind des Trostes, nach dem lieblichen Lächeln der göttlichen Liebe, nach der Freude in der Gegenwart des Heilandes; denn dadurch werden wir oft mächtig aus dem Schlummerleben aufgerüttelt. Sie sehnt sich nach dem einen oder dem andern, oder nach beiden; nur dass sie möchte imstande sein, ihren Freund zu erfreuen mit der Würze ihres Gartens. Sie kann es nicht ertragen, dass sie soll müßig und untätig sein; auch wir können‘s nicht. Spurgeon

Hld Kap. 5

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 5

Hld 5:1: ‭Ich komme in meinen Garten, meine Schwester, meine Braut; ich pflücke meine Myrrhe samt meinem Balsam; ich esse meine Wabe samt meinem Honig, ich trinke meinen Wein samt meiner Milch. Esst, meine Freunde, trinkt und berauscht euch an der Liebe!

Des Gläubigen Herz ist der Garten Christi. Er hat diesen Garten erkauft mit seinem teuren Blut, und Er zieht darin ein und spricht ihn an als sein Eigentum. Ein Garten ist ein verschlossener Raum. Er ist kein offenes freies Land; auch ist er keine Wüste; er ist mit einer Mauer umgeben oder durch Hecken ringsum geschützt. Ein Garten ist auch eine Stätte lieblicher Einsamkeit. So begehrt der Herr Jesus, dass wir unsre Seelen bewahren als einen Ort, an dem Er sich offenbaren kann, wie Er sich der Welt nicht offenbart. Ach, dass doch die Christen mehr in der Stille lebten, und ihre Herzen besser bewahrten für ihren Herrn und Heiland! Wir schaffen uns oft viele Sorge und Mühe, dem Herrn zu dienen, wie Martha, so dass wir nicht mehr Raum haben für seine Nähe, und nicht zu seinen Füßen sitzen, wie wir sollten. Der Herr gieße über uns aus den lieblichen Regen seiner Gnade, um unsern Garten diesen Abend zu bewässern! Spurgeon

Hld 5:2: ‭Ich schlafe, aber mein Herz wacht. Da ist die Stimme meines Geliebten, der anklopft! Tu mir auf, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Makellose; denn mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll von Tropfen der Nacht!

Hld 5,2: Ich schlief, doch mein Herz war wach. Da, es klopft. Mein Liebster kommt!

Waches Herz: Der heilige Geist spricht mitten am Tag zu uns ohne unser Zutun durch Einsprechungen. Gewissermaßen weist er uns auf dieses oder jenes hin, um uns zum Guten zu führen. Freuen wir uns über solche Einsprechungen, stimmen ihnen zu und führen sie aus. Er ruft uns. An uns liegt es, ob wir ihn hören. Wie allmächtig auch die Kraft der barmherzigen Hand Gottes ist, die die Seele mit so vielen Einsprechungen, Anregungen und Lockungen rührt, umhüllt und fesselt, der menschliche Wille bleibt doch stets vollkommen frei, ohne einem äußeren oder inneren Zwang zu unterliegen.

Wie armselig ist oft unsere Liebe, wie zögerlich unsere Antwort auf die Liebe des Herrn, der für uns so viel getan hat! Christus hat für uns den ganzen Weg durch das Dunkel des Leidens und die Finsternis der Gottesferne auf sich genommen. Er bittet: Wacht und betet. Wir folgen seinem Ruf oft nur zögerlich. Wie oft leben wir, obwohl unser Herz schon aufgeweckt wurde durch die göttliche Liebe, noch im Halbschlaf dahin! Wenn wir unseren täglichen Beschäftigungen nachgehen, ohne an Gott zu denken, haben wir unser Taufkleid gleichsam abgelegt und sind zu träge, uns anzukleiden. Wie oft scheuen wir die Mühe des Weges, uns aufzumachen, das bequeme Dahinleben zu unterbrechen und uns in die Gegenwart des Herrn zu begeben.

Hld 5:3: ‭Ich habe mein Kleid ausgezogen, wie sollte ich es wieder anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen, wie sollte ich sie wieder besudeln?

Hld 5,4: Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke. Da bebte mein Herz ihm entgegen.

Gott reicht uns die Hand: Gott lässt sich nicht entmutigen von unserer schwächlichen Liebe. Er kennt unsere Unfähigkeit, ihm aus eigener Kraft entgegenzugehen und ihm die Tür zu öffnen. Deswegen streckt er seine Hand aus: Er kommt uns mit seinem Heiligen Geist zu Hilfe, dass wir uns zu ihm aufmachen und uns seiner Gegenwart öffnen können. Erst wenn Gott seine Hand durch die Luke hereinstreckt, wenn sein Heiliger Geist in unserem Innern wirkt, dann erwacht in uns die Liebe, die uns befähigt, ihm die Tür zu öffnen.

Das Anklopfen genügte noch nicht, denn meine Augen waren zu voll Schlafs; zu kalt und zu undankbar war ich, um aufzustehen und die Tür aufzutun, aber die Berührung seiner wirksamen Gnade hat meine Seele munter gemacht. Ach, wie langmütig ist doch mein Freund, dass Er noch bleibt, wenn Er sich ausgeschlossen findet und mich schlafend trifft auf dem Bett der Trägheit! O, wie groß ist doch seine Geduld, dass Er immer und immer wieder anklopft, und dass Er mit seinem Anklopfen zugleich noch seine Stimme erhebt und mich bittet, Ihm aufzutun! Spurgeon

Hld 5:5: ‭Ich stand auf, um meinem Geliebten zu öffnen; da troffen meine Hände von Myrrhe und meine Finger von feinster Myrrhe auf dem Griff des Riegels.

Hld 5:6: ‭Ich tat meinem Geliebten auf; aber mein Geliebter hatte sich zurückgezogen, war fortgegangen. Meine Seele ging hinaus, auf sein Wort; ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht; ich rief ihm, aber er antwortete mir nicht.

Hld 5,6: Ich öffnete meinem Geliebten: Doch der Geliebte war weg, verschwunden. Mir stockte der Atem: Er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, er antwortete nicht.

Verborgener Gott: Was den uns liebenden Gott dazu bewegt, sich zu verbergen, ist aus der Wirkung zu ersehen, die sein Handeln auf die Seele hat. Die Seele wird durch die Abwesenheit des Geliebten verwandelt. Erst in seiner Abwesenheit bemerkt sie, wie sehr sie seiner Gegenwart bedarf. Seine Abwesenheit lässt die Liebe in der Form des schmerzlichen Vermissens in neuer Tiefe aufbrechen. Sie ruft, sie sucht, nun ist ihr kein Weg mehr zu weit. Auch wenn der liebende Gott sich dem Menschen entzieht: es geschieht aus Liebe! Franz von Sales 

Wenn sich Gott dir entzieht und du seine Gegenwart gerade nicht spürst, dann nehme dies stets zum Anlass, dich umso mehr in seine Arme zu werfen. So wird die Trockenheit zum fruchtbaren Land.

Hld 5:7: ‭Es fanden mich die Wächter, welche die Runde machen in der Stadt; die schlugen mich wund, sie nahmen mir meinen Schleier weg, die Wächter auf der Mauer.

Hoh 5:8: ‭Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor Liebe!

Krank vor Liebe: Je näher bei Ihm, desto näher bei der Vollkommenheit der himmlischen Ruhe; je näher bei Ihm, desto voller das Herz; nicht nur erfüllt mit Frieden, sondern erfüllt mit Leben, mit Kraft, mit Freude; denn das alles hängt von dem beständigen Verkehr mit Jesu ab. Was die Sonne für den Tag, was der Mond für die Nacht, was der Tau für die Blumen: das ist unser Herr Jesus Christus für uns. Was das Brot ist für den Hungrigen, die Kleidung für den Nackten, der Schatten eines großen Felsens dem Wanderer im dürren Lande: das ist der Herr Jesus für uns. Spurgeon

Selig die Hungernden: Diese tiefe Sehnsucht, dies ernstliche Verlangen nach Jesu ist mit einem großen Segen verknüpft: Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; und darum unaussprechlich selig, die da dürstet nach dem Gerechten. Selig ist solch Hungern, denn es kommt von Gott: kann mir nicht der volle Segen zuteil werden, dass ich satt werde, so will ich diesen Segen zu empfangen suchen, in der süßen Sehnsucht schmachtenden Dürstens und verlangenden Hungerns, bis dass ich an Christo erquickt und gesättigt werde. Spurgeon

Hld 5:9: ‭Was ist dein Geliebter vor anderen Geliebten, o du Schönste unter den Frauen? Was ist dein Geliebter vor anderen Geliebten, dass du uns so beschwörst?

Hld 5,10-11: Mein Geliebter ist weiß und rot. Seine Augen sind wie Tauben.

Aussehen des Geliebten: Jesus ist strahlend weiß im Lichtgewand der Verklärung und der Auferstehung und rot im Blut des Kreuzestodes. Seine Augen sind wie Tauben, rein und voller Sanftmut. Diesen Blick Christi zu meditieren ist eine unerschöpfliche Quelle. Wer im Gebet den Blick Christi sucht und sich von ihm betrachten lässt, den erfüllt er mit dem lebendigen Wasser des Heiligen Geistes. Der einfache gegenseitige Blick ohne Worte ist ein tiefes Gebet, das uns umgestaltet und ihm ähnlich macht durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Hld 5:12: ‭Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen, gebadet in Milch, sie sitzen wie Edelsteine in ihrer Fassung.

Hld 5:13: ‭Seine Wangen sind wie Balsambeete, in denen würzige Pflanzen turmhoch wachsen; seine Lippen wie Lilien, aus denen feinste Myrrhe fließt.

Die Wange Jesus: Diese Wange, die einst so erbarmungslos mit der Geißel zerfleischt wurde, die sonst so oft betaut war von Tränen des Mitleids, aber grausam mit Speichel besudelt wurde, – die Wange ist mit ihrem gnadenreichen Liebeslächeln meinem Herzen wie ein belebender Wohlgeruch. Du hast Dein Antlitz nicht verborgen vor Spott und Speichel, o Herr Jesu, und darum soll‘s meine süßeste Wonne sein, wenn ich Dich preisen darf. Diese Wangen wurden durchfurcht von der Pflugschar des Leidens und gerötet mit rosinfarbenen Blutstreifen von Deinem dornengekrönten Scheitel herab. Spurgeon

Hld 5:14: ‭Seine Finger sind wie goldene Stäbchen, mit Tarsisstein besetzt; sein Leib ein Kunstwerk von Elfenbein, mit Saphiren übersät.

Hld 5:15: ‭Seine Schenkel sind Säulen aus weißem Marmor, gegründet auf goldene Sockel; seine Gestalt wie der Libanon, auserlesen wie Zedern.

Hld 5,16: Seine Küsse sind zärtlich, alles an ihm ist begehrenswert. So ist mein Liebster, mein Freund, ihr Mädchen von Jerusalem.

Zärtliche Küsse: Sicherlich nicht von jedem, aber gerade von uns nah stehenden Personen tut körperliche Nähe gut, die immer Ausdruck der Seelenverbundenheit ist. Umarmungen und Streicheleinheiten geben uns ein sehr gutes Gefühl. Über Berührungen fühlen wir die Qualität der Beziehung und wir zeigen auch über Zärtlichkeiten unsere Liebe. Eine zärtliche Berührung oder Umarmung zählt oft mehr, als das gesprochene Wort. Gerade in einer verkopften, technisierten Gesellschaft sollten wir das nicht aus dem Auge verlieren. Auch Jesus selbst kommen wir nur dann näher, wenn wir uns zärtlich von ihm berühren lassen. Dir einen guten Start ins Wochenende. Sei zärtlich.

Hld Kap. 6

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 6

Hld 6:1: ‭Wohin ist dein Geliebter gegangen, du Schönste unter den Frauen? Wohin hat sich dein Geliebter gewandt? Wir wollen ihn mit dir suchen!

Hld 6:2: ‭Mein Geliebter ist in seinen Garten hinabgegangen, zu den Balsambeeten, um sich in den Gärten zu ergehen und Lilien zu pflücken!

Komm: Komm zu mir, o Jesu, mein Vielgeliebter, und pflanze frische Blumen in meinen Garten. Komm, o mein Vater, der der rechte Gärtner bist, und tue mit mir nach Deiner Liebe und Weisheit! Komm, o Heiliger Geist, und besprenge mit Deinem Tau mein ganzes Wesen, gleichwie jetzt die Kräuter befeuchtet werden von Abendtau. O, daß Gott mit mir redete! Rede, Herr, denn Dein Knecht hört! Ach, daß Er doch mit mir wandelte; ich bin bereit, Ihm mein ganzes Herz und Gemüt hinzugeben, und jeder fremde Gedanke ist verbannt. Ich frage nur nach dem, was Er mir gern gibt. Du, dreieiniger Gott, hast mir das Ohr geöffnet, und ich widerstrebe nicht; Du hast mich gerufen, und ich eile in Deine selige Nähe. Spurgeon

Hld 6,3: Meinem Geliebten gehöre ich, und mir gehört der Geliebte, der in den Lilien weidet.

Einheit der Liebe: Die Einheit der Liebe mit Gott findet dadurch ihre Vollendung, dass wir in Christus bleiben. Je mehr wir in Christus bleiben, desto fester und wird unsere Liebe. Es ist dann nicht mehr nur Liebe aus menschlicher Kraft, es ist die Liebe des Bräutigams selbst, die in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist. In dieser Endgültigkeit der Liebe liegt ein Friede, eine Gewissheit, eine Freude, die durch nichts mehr zu erschüttern ist. Durch die völlige Entblößung von allem äußeren und inneren Besitz, ist die Seele sich selbst enteignet und zu solcher Selbst-Übereignung fähig gemacht worden. Dieses vollkommene Sich-Schenken in der Liebe steht letztlich nicht in unserer Macht. Es ist eine Gnade, die wir nur erbitten können.

Herr, nimm mich mir, und gib mich ganz zu eigen dir. Nikolaus von Flüe

Hld 6:4: ‭Du bist schön, meine Freundin, wie Tirza, lieblich wie Jerusalem, furchtgebietend wie Heerscharen mit Kriegsbannern!

Hld 6:5: ‭Wende deine Augen ab von mir, denn sie überwältigen mich! Dein Haar gleicht der Ziegenherde, die vom Bergland Gilead herabwallt.

Hld 6:6: ‭Deine Zähne gleichen einer Herde Mutterschafe, die von der Schwemme kommen, die allesamt Zwillinge tragen, und von denen keines unfruchtbar ist.

Hld 6:7: ‭Wie Granatapfelhälften sind deine Schläfen hinter deinem Schleier.

Hld 6:8: ‭Sechzig Königinnen sind es, und achtzig Nebenfrauen, dazu Jungfrauen ohne Zahl;

Hld 6:9: ‭doch diese eine ist meine Taube, meine Makellose; sie ist die Einzige ihrer Mutter, sie ist die Auserwählte derer, die sie geboren hat. Die Töchter sahen sie und priesen sie glücklich, die Königinnen und Nebenfrauen rühmten sie:

Hld 6:10: ‭Wer ist sie, die hervorglänzt wie das Morgenrot, schön wie der Mond, klar wie die Sonne, furchtgebietend wie Heerscharen mit Kriegsbannern?

Hld 6:11: ‭Zum Nussgarten war ich hinabgegangen, um die grünen Triebe des Tales zu betrachten, um zu sehen, ob der Weinstock ausgeschlagen, ob die Granatbäume Blüten getrieben hätten.

Hld 6:12: ‭Ich wusste nicht, dass mein Verlangen mich gesetzt hatte auf die Wagen meines edlen Volkes.

Hld 6:13: ‭ Dreh dich, dreh dich, o Sulamit, dreh dich, dreh dich, dass wir dich betrachten! Was wollt ihr Sulamit betrachten wie den Reigen von Mahanaim?

Hld Kap. 7

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 7

Hld 7,1: Dreh dich beim Tanz im Kreise.

Tanz mit Gott: Komm, Herr, und lade uns ein! Wir sind bereit, mit Dir zu tanzen: diesen Gang, jene Abrechnung, das Mittagessen, das zu kochen ist; die Nachtwache, bei der uns die Augen zufallen. Wir sind bereit zum Tanz der Arbeit, zum Tanz der Hitze, später zum Tanz der Kälte. Wenn manche Melodien in Moll sind, finden wir sie deshalb nicht traurig. Wenn uns etwas außer Atem bringt, finden wir es deshalb nicht erschöpfend. Wenn man uns drängt und stößt, nehmen wir das lachend hin, denn wir wissen, daß das beim Tanzen immer vorkommt. Lehre uns, Herr, wie sich der Tanz unseres Gehorsams in den Liebesroman einordnet, der zwischen Dir und uns begonnen hat. Gib uns Einblick in das große Orchester Deiner Pläne, in dem Du mitten in der heiteren Harmonie fremdartige Klänge zulässt. Lehre uns, unser Leben täglich neu anzuziehen wie ein Ballkleid und alles, was dazu gehört, wie unentbehrliche Kleinodien zu lieben

Hld 7:2: Wie schön sind deine Schritte in den Schuhen, du Tochter eines Edlen! Die Wölbungen deiner Hüften sind wie ein Schmuckstück, von Künstlerhand gemacht.

Hld 7:3: Dein Schoß ist wie eine runde Schale, in der der Mischwein nicht fehlt; dein Leib ist wie aufgehäufte Weizenkörner, mit Lilien eingefasst;

Hld 7:4: deine beiden Brüste gleichen zwei jungen Gazellen, Gazellenzwillingen;

Hld 7:5: dein Hals gleicht einem Turm aus Elfenbein, deine Augen den Teichen von Hesbon am Tor Batrabbim; deine Nase ist wie der Libanonturm, der nach Damaskus schaut.

Hld 7:6: Dein Haupt gleicht dem Karmel, und dein herabhängendes Haupthaar dem Purpur; der König ist gefesselt durch deine Locken.

Hld 7:7: Wie schön bist du und wie lieblich, o Liebe voller Wonnen!

Hld 7,8-9: Deine Gestalt gleicht einer hohen Dattelpalme, und deine Brüste sind wie ihre Früchte. Ich sagte mir: Ich will auf die Palme steigen und nach ihren reifen Früchten greifen. Freuen will ich mich an deinen Brüsten.

Leidenschaftliche Liebe: Das Liebesverlangen Gottes nach uns ist geistiger Natur, aber das Bild der geschlechtlichen Liebe vermag die Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit der göttlichen Liebe herauszustellen wie kein anderes. Ja, viel größer ist das Verlangen Gottes nach dem Menschen, als der Mensch es sich je ausdenken könnte, und viel größer, als der Mensch je nach der Gemeinschaft mit Gott verlangen könnte. Wenn man nicht schweigen will, bleibt keine andere Möglichkeit, als die stärksten Bilder der Schöpfung für das Verlangen Gottes nach dem Menschen zu verwenden.

Hld 7:10: und dein Gaumen wie der beste Wein —… der meinem Geliebten sanft hinuntergleitet, Über die Lippen der Schlafenden rieselt.

Hld 7,11: Ich gehöre meinem Geliebten, und ihn verlangt nach mir. Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land.

Liebesverlangen des Menschen: Lasst uns erkennen, wie sehr sich Gott nach uns und unserer Liebe sehnt. Diese Liebe drängt uns ihn zu lieben, ganz ihm zu gehören und aus unserem Leben auf immer eine Gabe zu machen, die Gott wohlgefällt. Darum allein geht es doch: sich in allem Gott hingeben und seinen Willen tun. Die Braut (also wir!) sehnt sich danach, mit dem Geliebten allein zu sein in der Zurückgezogenheit, im stillen Gebet. Wenn es uns gelingt, schon am Morgen in einer Zeit des Gebets bei Gott zu sein, werden wir leichter den ganzen Tag über in seiner Gegenwart bleiben können. So leben wir immer und überall in ihm, durch ihn und für ihn.

Hld 7:12: Komm, mein Geliebter, wir wollen aufs Feld hinausgehen, in den Dörfern übernachten;

Hld 7:13: wir wollen früh zu den Weinbergen aufbrechen, nachsehen, ob der Weinstock ausgeschlagen hat, ob die Blüten sich geöffnet haben, ob die Granatbäume blühen; dort will ich dir meine Liebe schenken!

Hld 7:14: Die Alraunen verbreiten Duft, und über unseren Türen sind allerlei edle Früchte; neue und alte habe ich dir, mein Geliebter, aufbewahrt!

Neue Früchte: In dieser reichen Jahreszeit der herbstlichen Ernte wollen wir acht haben auf unsre Früchte. Wir haben eue Früchte. Wir sehnen uns nach einem Gefühl neuen Lebens, neuer Freude, neuer Dankbarkeit; wir tragen Verlangen nach erneuerten Entschlüssen und möchten sie gern mit neuem Eifer und neuer Anstrengung durchführen; unser Herz erblüht in neuen Gebeten und Seufzern, und unsre Seele ermuntert sich zu neuem Wollen und Wirken. 

Alte Früchte: Aber auch noch etliche fernige Früchte. Vor allem unsre erste Liebe: eine köstliche, auserwählte Frucht! und unser Herr Jesus freut sich innig darüber. Dann unser erster Glaube: jener Glaube voller Einfalt, durch den wir, da wir nichts unser eigen nannten, dennoch teilhaftig wurden aller Güter. Dazu kommt unsere Freude, die wir empfanden, als sich der Herr uns zuerst offenbarte: lasst sie uns auffrischen. Wir haben unsre alten Erinnerungen an die Verheißungen. Wie treu ist doch Gott an uns gewesen! Wie hat Er uns doch in Krankheit so wohl getan! Wie hat Er uns in tiefen Fluten so gnädig getragen! Wie hat Er uns im feurigen Ofen so unverletzt bewahrt! Fernige Früchte sind‘s in der Tat! Wir haben ihrer viele, denn seiner Gnadenbezeugungen waren mehr als Haare auf unserem Haupte.

Hld Kap. 8

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 8

Hld 8:1: ‭Ach, dass du mir wärst wie ein Bruder, der die Brüste meiner Mutter sog! Dann dürfte ich dich doch küssen, wenn ich dich draußen träfe, ohne dass man mich deshalb verachtete.

Hld 8:2: ‭Ich wollte dich führen, dich bringen ins Haus meiner Mutter; du würdest mich lehren; ich würde dich mit Würzwein tränken, mit meinem Granatäpfelmost.

Hld 8:3: ‭Seine Linke sei unter meinem Haupt, und seine Rechte umfange mich!

Hld 8:4: ‭Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems: Erregt und erweckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt!

Hld 8:5: ‭Wer ist sie, die da heraufkommt von der Wüste, gestützt auf ihren Geliebten? Unter dem Apfelbaum weckte ich dich auf; dort litt deine Mutter Wehen für dich, dort litt sie Wehen, die dich gebar.

Hld 8,6: Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn die Liebe ist stark wie der Tod.

Siegel auf dein Herz: Bei einem Siegel ist das Wachs untrennbar mit dem Papier verbunden. Das Siegelzeichen zeigt, wem das Blatt Papier gehört. Der Bräutigam bittet die Braut, ihn wie ein Siegel an Herz und Arm zu tragen d.h., ihn in jedem Moment in ihrem Herzen und in ihren Gedanken zu tragen und ihn anzubeten in Liebe. Das ist innerste Verbundenheit, die Quelle großer Freude ist. Gaudete! Freut euch! Am Baum des Kreuzes hat Christus alles Trennende auf sich genommen. Am Baum des Kreuzes hat er uns aus dem Todesschlaf der Gottferne geweckt. Am Baum des Kreuzes zeigt sich seine völlig entäußernde Liebe, des reinsten und stärksten Verlangens Gottes nach dem Menschen. Franz von Sales

Stark wie der Tod ist die Liebe: Es ist eine heilige Haltung, Gott für alle Ereignisse, die seine Vorsehung anordnet, zu preisen und zu danken. Es ist eine heilige Haltung, es ganz ihm zu überlassen, in uns, über uns und mit uns zu schalten und zu walten, wie es ihm beliebt. Nichts wollen, sondern Gott wollen lassen! Allein in Erwartung zu sein, keine Tätigkeit, sondern ein einfaches Bereitsein, das zu empfangen, was geschehen wird. Und wenn die Ereignisse eingetreten und angenommen worden sind, verwandelt sich die Erwartung in Einwilligung und Zustimmung. Die Liebe allein gibt uns die Kraft, alles zu verlassen, vor allem unseren Eigenwillen.

Starke Liebe: Gewiß, von meines Freundes Liebe ist hier die Rege, von der Liebe Jesu, des unvergleichlichen Liebhabers der Seelen. Seine Liebe war wahrlich stärker als der furchtbarste Tod, denn sie bestand die Trübsal des Kreuzes siegreich. Es war ein langsam martervoller Tod, aber die Liebe überdauerte die Qual; ein schmachvoller Tod, aber die Liebe überdauerte die Qual; ein schmachvoller Tod, aber die Liebe verachtete die Schande; ein Verbrecher-Tod, aber die Liebe trug die Strafe unserer Missetat; ein einsamer, hilfloser Tod, vor dem auch der himmlische Vater das Angesicht verbarg, aber die Liebe ertrug den Flucht und triumphierte über alles. Es war ein verzweiflungsvoller Kampf, aber die Liebe ertrug die Siegespalme. Spurgeon

Die Liebe erleuchtet das Herz: die Liebe zeigt Gott. Eine Seele, in der die Liebe wohnt, wird vom Stolze nicht aufgeblasen, vom Neide nicht aufgezehrt, vom Zorne nicht zerrissen, vom Geize nicht verblendet; immer ist sie rein und keusch, ruhig und fröhlich, friedlich, gütig und bescheiden. In wem Gottes Liebe wohnt, der denkt immer, wie er die Welt verlassen, wie er zum Himmel gelangen, wie er den wahren Frieden finden könne. Mag er gehen, mag er sitzen, mag er wirken, mag er ruhen, mag er thun was er will, sein Herz bleibt bei Gott. Schweigend gedenkt er Gottes, redend wünscht er nichts Anderes, als von Gott und Gottes Liebe zu reden. Christian Wilhelm Spieker

Hld 8:7: ‭Große Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht ertränken. Wenn einer allen Reichtum seines Hauses um die Liebe gäbe, so würde man ihn nur verachten!

Hld 8:8: ‭Wir haben eine kleine Schwester, die noch keine Brüste hat. Was tun wir nun mit unserer Schwester an dem Tag, da man um sie wirbt?

Hld 8:9: ‭Ist sie eine Mauer, so bauen wir eine silberne Zinne darauf; ist sie aber eine Tür, so verschließen wir sie mit einem Zedernbrett!

Hld 8:10: ‭Ich bin eine Mauer, und meine Brüste sind wie Türme; da wurde ich in seinen Augen wie eine, die Frieden gefunden hat.

Hld 8:11: ‭Salomo hatte einen Weinberg bei Baal-Hamon; er übergab den Weinberg den Hütern, jeder sollte für seine Frucht tausend Silberlinge bringen.

Hld 8:12: ‭Mein eigener Weinberg liegt vor mir; die tausend gehören dir, o Salomo, und zweihundert den Hütern seiner Frucht!

Hld 8:13: ‭Die du in den Gärten wohnst, die Gefährten lauschen deiner Stimme; Lass mich sie hören!

Die Stimme unseres Heilands Jesus Christus: Jene liebevolle Stimme, mit welcher Er seine Freunde anredet, klingt herrlicher als die himmlischen Harfen. Es liegt eine Innigkeit lieblichen Wohllautes in derselben, welche alle irdische Musik weit hinter sich zurücklässt. Keine andre Stimme vermag mich zu erquicken; ich kenne Deine Stimme und kann von keiner andern mehr berückt werden; o, lass mich sie hören, ich bitte Dich. Ich weiß nicht, was Du sagen willst, noch stelle ich irgendeine Bedingung, o mein Freund und Bräutigam, lass mich nur Dich sprechen hören, und sei es auch ein Vorwurf, so will ich Dir dafür danken. Mache, dass ich Deine Stimme wieder höre. Baue die Gänge meines Ohres neu, durchbohre sie mit Deinen härtesten Worten, nur gib nicht zu, dass ich fort und fort taub bleibe gegen Deine Ermahnungen und Zurufe. Ach, gewähre doch diesen Abend Deinem unwürdigen Kinde, o Herr, dies Verlangen; denn ich bin Dein und Du hast mich mit Deinem teuren Blut erkauft. Du hast mir das Auge geöffnet, Herr, tue mir nun auch das Ohr auf. Spurgeon

Hld 8:14: ‭Eile dahin, mein Geliebter, und sei der Gazelle gleich oder dem jungen Hirsch auf den Balsambergen!


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Hohelied (Hld) Kapitel 3 bis 8.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

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