Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Inhaltsverzeichnis

Hohelied (Hld) Kapitel 1 bis 2: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Hohelied (Hld) Kapitel 1 bis 2

Vorwort

Das Hohelied ist eine Sammlung von wunderbaren Liebesliedern, die das Geheimnis der Liebe zwischen Mann und Frau in unübertroffenen Bildern schildern. Die sexuelle und erotische Liebe wird hier als Geschenk Gottes an den Menschen gesehen. Sie verzaubert Mann und Frau. Es ist nicht die eheliche Liebe, die hier besungen wird, sondern die freie Liebe zwischen Mann und Frau. Ohne moralischen Zeigefinger wird hier die sexuelle Liebe positiv gesehen.

Die Mystik aller Zeiten, schon die jüdische Mystik, aber auch die christliche Mystik, angefangen von Origenes über Gregor den Großen, Bernhard von Clairvaux und Johannes vom Kreuz, haben die Liebeslieder zwischen Mann und Frau als Ausdruck der Liebe Gottes zum Menschen und der Liebessehnsucht des Menschen nach Gott verstanden. Johannes vom Kreuz hat sich auf seinem Sterbebett das Hohelied der Liebe vorlesen lassen. Da ging für ihn in Erfüllung, was das Hohelied besingt: «Ja, stark wie der Tod ist die Liebe … Gewaltige Wasser können die Liebe nicht löschen» (Hld 8,6f). Seither fanden Liebende ihre Liebe in den wunderbaren Gedichten dieses biblischen Buches am schönsten ausgedrückt: «Du hast mich verzaubert, meine Schwester Braut; verzaubert mit einem einzigen deiner Blicke» (Hld 4,9).

Jede menschliche Liebe spiegelt Gottes Liebe zu uns wider. Während uns die menschliche Liebe zugleich verzaubert und uns vor Sehnsucht krank macht, während wir unsere menschliche Liebe immer wieder auch als brüchig erfahren, ist Gottes Liebe ohne Vermischungen mit Besitzansprüchen. Es ist die Liebe, die allein letztlich unsere tiefste Sehnsucht zu erfüllen vermag.

Hld Kap. 1

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 1

Hld 1,1: Er küsse mich mit dem Kuß seines Mundes.

Sehnsüchtige Liebe: Sehnsüchtige Liebe als Herzensvereinigung drängt zum Kuss, Lippe auf Lippe als Ausdruck des Verlangens, seine Seele in die des anderen so vollkommen zu ergießen, daß beide zu einer einzigen verschmelzen. Das Ziel der Liebe ist kein anderes als die Vereinigung des Liebenden mit dem geliebten Wesen. Liebe strebt nach Verbundenheit. Und die Verbundenheit verstärkt die Liebe. Die Liebe treibt an, das Beisammensein, die Vereinigung zu suchen. Die innere Beziehung des Liebenden zum geliebten Wesen ist die erste Quelle der Liebe. Diese Beziehung besteht aber darin, daß sie einander ergänzen, daß zwei Liebende durch ihre Verbindung einander Wertvolles geben.

Hld 1,2: Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich.

Ruf der Sehnsucht: Dies ist ein Ruf der Sehnsucht. Der Wunsch geküsst zu werden. Der Kuss ist die zarte Berührung, in der die Liebenden einander ihre Liebe spüren lassen. Darin liegt die tiefste Sehnsucht jedes Menschen: geliebt zu werden und diese Liebe auch zu erfahren, zu spüren. Nach solch spürbarer Mitteilung der göttlichen Liebe sehnen wir uns. All das Suchen, Streben und Verlangen der Menschen entspringt dieser Ur-Sehnsucht nach Liebe, nach einer absoluten und vollkommenen Liebe. In Gott allein kommt all unser Sehnen ans Ziel. Dieser Vers wird auch auf die Dreifaltigkeit gedeutet: Der Sohn ist der Mund des Vaters: Durch Christus allein kommen wir in Berührung mit der Liebe des Vaters. Der Kuss selbst ist der heilige Geist.

Hld 1,2: Süßer als Wein ist deine Liebe.

Süße Liebe: Die Liebe des dreifaltigen Gottes ist größer und höher als alles, was es in der Welt gibt. Nur sie vermag das Herz ganz und dauerhaft zu erfüllen, nur sie schenkt Genuss ohne böses Erwachen, festliche Freude ohne Verdrängung der Wirklichkeit, die Ekstase der vollkommenen Hingabe ohne Verlust der Identität. Solange wir das nicht verstanden haben, werden wir nicht aufhören, irdischen Gütern nachzujagen, als vermöchten sie endgültige Erfüllung zu schenken. Nur wenn wir die alles überragende Güte Gottes erkennen, werden wir uns lösen von falschen Bindungen an irdische Güter. Dann werden wir freie Menschen. Der Tod trennt die Seele der Sterbenden vom Leib und von allen Dingen der Welt. Auch die heilige Liebe trennt die Seele der Liebenden von ihrem Leib und von allen Dingen der Welt. Es gibt hier nur den einen Unterschied, daß der Tod dies immer in Wirklichkeit tut, was bei der Liebe für gewöhnlich nur im Herzen geschieht.

Hld 1,3: Köstlich ist der Duft deiner Salben. Dein Name ist hingegossenes Salböl.

Schönheit des Christus: Gott überreiche Güte erhält keinen Zuwachs an Gutem durch alle Lobpreisungen, die wir ihm spenden. Er wird dadurch weder reicher noch größer, weder zufriedener noch glücklicher. Die Seele wünscht daher wenigstens, daß sein Name mehr und mehr gepriesen und angebetet wird. Wie eine Biene von Blüte zu Blüte fliegt, so betrachtet die Seele Gottes Herrlichkeit. Damit lobt sie soviel sie kann, den Namen ihres Vielgeliebten. Je mehr das Herz lobt, um so mehr findet es Gefallen an dem Lob.

Wer Christus wirklich begegnet, ist fasziniert von seiner Schönheit, von dem Wohlgeruch, der von seiner Person ausströmt. Wer Christus in der Heiligen Schrift betrachtet, wird selbst erfüllt vom Duft Christi, dem Heiligen Geist. Wenn wir Jesu Namen aussprechen und dabei daran denken, wer er ist und was er für uns getan hat, dann werden wir erfüllt von der Salbung des Heiligen Geistes. Der Name Jesus bedeutet: Gott rettet. So enthält er die sich ganz entäußernde Liebe des Vaters zu uns, die er uns im Heiligen Geist mitteilt. Wenn wir seinen Namen aussprechen, tauchen wir ein in den Strom der Liebe des dreifaltigen Gottes

Hld 1,4: Zieh mich her hinter dir! Lass uns eilen!

Hld 1,4: Ziehe mich: wir werden dir nachlaufen.

Zieh mich: Wir sehnen uns nach der Gemeinschaft der Liebe mit Gott und können doch von uns allein aus nicht den kleinsten Schritt tun. Nur die Bitte: Zieh mich durch deine Gnade. „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15, 5). Er tut es! Dann aber liegt es an unserer Freiheit, die geschenkte Gnade aufzunehmen und den Heiligen Geist, der uns zieht, in uns wirken zu lassen. „Müht euch mit ganzer Kraft, durch die enge Tür zu gelangen!“ (Lk 13, 24).

Worte von Theresia vom Kinde Jesu: Was bedeutet denn die Bitte, „Angezogen“ zu werden anderes, als sich aufs innigste mit dem Gegenstand vereinen zu wollen, der das Herz in Bann schlägt? Wenn Feuer und Eisen vernunftbegabt wären, und dieses zu jenem sagte: Ziehe mich an, bewiese das nicht, dass es mit dem Feuer so eins sein möchte, dass dieses es durchdringe und durchtränke mit seiner brennenden Substanz und nur mehr eins scheine mit ihm. Vielgeliebte Mutter, das ist mein Gebet, ich bitte Jesus, mich in die Flammen seiner Liebe hineinzuziehen, mich so innig mit Ihm zu vereinen, dass Er in mir lebe und wirke. Ich fühl’ es, je mehr das Feuer der Liebe mein Herz durchglüht, je mehr ich zu sagen vermag: Ziehe mich an dich, umso mehr werden auch die Seelen, die sich mir nahen werden (einem armseligen, unnützen Stückchen Eisen, sobald ich mich vom göttlichen Glutofen entfernte), mit Geschwindigkeit dem Duft der Wohlgerüche ihres Viel-Geliebten nacheilen, denn eine von Liebe entflammte Seele kann nicht untätig bleiben; gewiss sitzt sie wie die Hl. Magdalena zu Füßen Jesu, sie lauscht seinem süßen, feurigen Wort. Sie scheint nichts zu geben und gibt doch viel mehr als Martha (vgl. Lk 10,41).

Wer aber sagt: Ziehe mich! hat etwas, was er will, und etwas, was er nicht kann. Gregor der Große

O Gott, Du bist der einzig Eine, Du bist der einzig Notwendige (Lk 10,42) für meine Seele. O treuer Freund meines Herzens, vereinige meine arme einzige Seele mit deiner ganz einzigen Güte. Du bist ganz mein, wann werde ich ganz Dein sein? Der Magnet zieht das Eisen an und hält es fest. Herr Jesus, Liebhaber meiner Seele, ziehe mein Herz an Dich! Drücke, presse und füge auf immer meine Seele an Dein väterliches Herz! Ich bin doch für Dich geschaffen. Versenke diesen Tropfen Geistes, den Du mir gegeben, in das Meer Deiner Güte, aus dem er hervorgeht! Herr, da doch Dein Herz mich liebt, warum reißt es mich nicht an sich, da ich doch sehr danach verlange? Ziehe mich und ich werde deinen Lockungen folgen. Ich werde laufen, um mich in Deine väterlichen Arme zu werfen, und mich von dort nicht mehr wegrühren in alle Ewigkeit. Amen. Franz von Sales

Hld 1,4: Jauchzen lasst uns, deiner uns freuen, deine Liebe höher rühmen als Wein.

Lobpreis angesichts seiner Liebe: Der Lobpreis ist Jubel angesichts der Liebe Gottes, die sich in der ganzen Heilsgeschichte zeigt und der die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn gesandt hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Lobpreis und Freude sind Kinder der Liebe. Wenn der Lobpreis in unseren Herzen kraftlos geworden ist, liegt es daran, dass wir die göttliche Liebe aus dem Blick verloren haben. Oft genügt es dann, diese einfache Wahrheit neu in einem Akt des Glaubens anzunehmen: Er liebt mich so sehr, dass er voller Ungeduld darauf wartet, mir seine Liebe mitzuteilen. Auf diese Liebe gibt es keine andere Reaktion als Lobpreis.

Und was ist, wenn uns das Leben Unzumutbares zumutet? Dann noch jauchzen und freuen? In weltlichem Sinne sicher nicht! Aber im geistlichen Sinne ist es dennoch möglich, noch mehr: notwendig. Lobpreis ist Jubel angesichts der Liebe Gottes, der gerade im Leid und Scheitern uns näher ist als jeder Mensch. Diese einfache Wahrheit neu in einem Akt des Glaubens anzunehmen, hilft. Auf diese Liebe gibt es keine andere Reaktion als Lobpreis. Gott loben, dass er im Leid, im Scheitern, in der Verzweiflung, ja in jeglichem dunklen Tal unseres Lebens da ist. Er ist da! Drei Worte, die unseren gesamten Glauben beinhalten und ausdrücken. Lobe den Herrn, meine Seele.

Hld 1,7: Sag mir, mein Geliebter, wo lässt du deine Schafe weiden, wo lässt du sie am Mittag lagern?

Suche nach Gott: Im Herzen glüht die Sehnsucht. Aus dieser Sehnsucht heraus suchen wir Gott. Wo weidest du? Wo bist du?Dieser Ruf nach Gott ist bereits ein Wirken der Gnade. Es gibt nur einen Hirten, der die Sehnsucht des Herzens zu stillen vermag, Jesus Christus. Alles Suchen bei den Gefährten, bei anderen Menschen, Idolen, Ideen wird sich am Ende als Herumirren herausstellen.

Die Seele fürchtet, ihrem Hirten nicht ganz und gar anzugehören und sich auch nur in etwa mit denen abzugeben, die seine Nebenbuhler sein wollen. Denn sie will um nichts in der Welt, daß Vergnügen, Ehren und äußere Güter auch nur eine Faser ihrer Liebe für sich in Anspruch nehmen, da sie diese ganz ihrem geliebten Erlöser geweiht hat. Darum bekennt die Seele auch, daß sie ihn selbst sucht und nicht seine Gaben. Hier in diesem Leben müssen wir fürchten, statt dem Bräutigam irgend etwas anderem zu begegnen und seinem trügerischen Werben zu erliegen. Erst wenn wir ihn einmal dort oben gefunden haben, können wir nicht mehr getäuscht werden. Sein Licht leuchtet zu hell und seine Liebe fesselt uns mit zu innigen Banden, als daß wir uns davon losreißen könnten. Es gibt nur einen Hirten, der die Sehnsucht des Herzens zu stillen vermag, Jesus Christus. Franz von Sales

Hld 1,7: Lass mich nicht vergebens nach dir suchen, nicht umherirren bei den Herden anderer Hirten!

Hld 1,8: Folge den Spuren der Schafe, dann weide deine Zicklein dort, wo die Hirten lagern.

Spuren der Schafe: Halte dich an die, die schon zur Herde Christi gehören. Sie begleiten dich. Halte dich an die Hirten. Sie führen dich. Habe Begleiter auf deinem Weg. Begleiter, mit denen du Fragen und Nöte besprechen und Rat holen kannst. Niemand soll allein bleiben. Gott führt uns in vielen Situationen durch andere Menschen. Es ist sehr sinnvoll, wenn dies in den großen Lebenslinien feste und konstante Personen sind. Ein Bäumchen, das immer wieder verpflanzt wird, kann nicht Wurzel fassen, folglich auch nicht zu seiner vollen Entfaltung gelangen und die erhoffte Frucht bringen.

Hld 1,12: Solange der König an der Tafel ruht, gibt meine Narde ihren Duft.

Gemeinschaft mit dem König: Der König ist anwesend. Gemeinsam zu Tisch liegen ist ein Bild für vertraute Gemeinschaft. Der König schenkt seine Gegenwart, und die Braut verströmt ihren Duft. Das ist ein Bild für das Gebet. Christus schenkt seine Gegenwart, und die Seele antwortet mit ihrer Hingabe, mit ihrer Sehnsucht, Gott zu gefallen und heilig zu sein. Dabei ist sie ganz und gar abhängig von der Gegenwart des Königs. Nur solange er da ist, kann sie ihren Duft verströmen. Nur durch die Gegenwart Christi können wir wahrhaft beten. Ohne ihn können wir nichts tun, nicht einmal beten. Ohne ihn wären wir zu keiner Regung der Liebe fähig, die ja das Wesen des Gebets ausmacht. Alles ist Gnade

Hld 1,15: Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön.

Schön bist du: Neun Mal sagt der Bräutigam (Jesus) im Hohenlied zu seiner Geliebten (du): Schön bist du! Er kann es nicht oft genug wiederholen, so hingerissen ist er von ihrer Schönheit. Wie Liebende immer wieder die Schönheit des anderen bewundernd betrachten, so hört auch Gott nicht auf, den Menschen mit dem bewundernden Blick der Liebe zu betrachten. Der König nennt sie Freundin! „Ihr aber seid meine Freunde.“ (Joh 15:15) Welch barmherziges Herabneigen Gottes zu uns! Die Schönheit der Seele ist eine Gabe Gottes. Er verleiht sie ihr durch den Heiligen Geist. Dieser Geist ordnet, was in Unordnung geraten ist, und stellt die durch die Sünde verunstaltete menschliche Natur wieder her. Er formt uns nach dem Bild des Sohnes zu einer neuen Schöpfung um. Der Heilige Geist macht unser Herz demütig und mild, gleich dem Herzen Jesu.

Hld Kap. 2

Auslegung und Kommentar zum Buch Hohelied (Hld) Kap. 2

Hld 2,1: Ich bin eine Blume zu Saron und eine Rose im Tal.

Hld 2,1: Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharon, eine Lilie der Täler.

Eine Blume sein: Ob es windig, regnerisch oder sonnig ist: für die Blüte ist das Entscheidende, gut mit ihrem Stengel verbunden zu sein. Du bist diese Blüte, die Augenblicke der Freude, der Not, der Schwierigkeiten erfährt. Das Wesentliche ist, dass du gut mit Jesus verbunden bleibst, da er die Quelle von all dem ist, was du benötigst, um die Sendung, die er dir anvertraut hat, anzunehmen.

Wenn wir uns von Gott angeschaut wissen, erkennen und gewahren wir uns in unserer gottgeschenkten Schönheit. Du bist nicht nur einer unter vielen. Du bist etwas ganz Besonderes in meinen Augen. Dich liebe ich mit einzigartiger Liebe. Mit dem Geliebten zusammen zu sein, ist ein Duft, eine Wohltat und ein Wohlgeschmack. Die Zeit, die wir mit Gott im Gebet verbringen, bewirkt in uns, was keine andere Begegnung zu bewirken vermag. Durch seinen Heiligen Geist schenkt Gott unserem Herzen in der Unrast Ruhe, haucht in der Hitze Kühlung zu und lässt uns die Süßebseiner barmherzigen Liebe verkosten. Wenn wir doch mit solcher Sehnsucht und Vorfreude jeden Tag zum Gebet hineilten.

Hld 2,3: In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen!

Hld 2,5: Ich bin krank vor Liebe.

Krank vor Liebe: Der Mensch, der einmal die Macht der göttlichen Liebe erfahren hat, verlangt immer mehr nach ihr. Das Verlangen nach der Liebe ist wie eine Wunde, die schmerzt und nicht heilt, ehe sie nicht von neuem die Liebe empfängt. Die Krankheit aus Liebe ist die bleibende Sehnsucht nach der endgültigen und vollkommenen Gemeinschaft mit dem Geliebten. Diese Krankheit wird auf Erden nie ganz geheilt. Selig, die krank sind vor Liebe, denn sie werden geheilt werden. Wie arm dagegen ist der Mensch, der die Entfernung von Gott gar nicht zu spüren scheint und in seinem irdischen Leben nichts vermisst. Er leidet an einer tödlichen Krankheit, während die Krankheit der Liebe eine heilbringende ist, die zur vollendeten Liebesgemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott führt.

Verlangen nach Gottes Liebe: Der Mensch, der einmal die Macht der göttlichen Liebe erfahren hat, verlangt immer mehr nach ihr. Das Verlangen nach der Liebe ist wie eine Wunde, die schmerzt und nicht heilt, ehe sie nicht von neuem die Liebe empfängt. Die Krankheit aus Liebe ist die bleibende Sehnsucht nach der endgültigen und vollkommenen Gemeinschaft mit dem Geliebten. Diese Krankheit wird auf Erden nie ganz geheilt. Selig, die krank sind vor Liebe, denn sie werden geheilt werden. Wie arm dagegen ist der Mensch, der die Entfernung von Gott gar nicht zu spüren scheint und in seinem irdischen Leben nichts vermisst. Er leidet an einer tödlichen Krankheit, während die Krankheit der Liebe eine heilbringende ist, die zur vollendeten Liebesgemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott führt. Franz von Sales

Hld 2,6: Seine Linke liegt unter meinem Kopf, seine Rechte umfängt mich.

Umfangen von Gott: Im Gebet umfängt der göttliche Liebende unser ganzes Menschsein. Der Kopf steht für unser Denken und Verstehen. Im Gebet ordnet, reinigt und erleuchtet Gott unseren Verstand. Er gibt uns Licht für die aktuellen Fragen unseres alltäglichen Lebens. Er lässt uns die Welt im Licht seiner Weisheit sehen. Er führt uns tiefer in die göttliche Wahrheit ein. Der Liebende umfängt seine Geliebte mit der Rechten, d.h., er zieht sie an sich, so dass Herz an Herz zu liegen kommt. Im Gebet dürfen wir ruhen am Herzen Jesu. Es ist schön, bei ihm zu verweilen und von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Liebende sehnen sich nach ungestörtem Zusammensein, und immer ist die Zeit dafür zu kurz. So wünscht sich auch die Seele, wenn sie in der Umarmung der göttlichen Liebe ruht, Ungestörtheit, ja Ewigkeit.

Hld 2,12: Die Blumen zeigen sich im Land.

Blumenstrauß: Wer in einem schönen Garten spazieren geht, nimmt gern einige Blumen mit, um sich an ihrem Wohlgeruch zu erfreuen und sie den ganzen Tag bei sich zu haben. Nimm also diesen geistlichen Blumenstrauß mit in den Tag: ein Bibelvers, der dich angesprochen hast und über denn du nachgedacht hast, Vorsätze, die du dir vorgenommen hast, die Ruhe und Stille, die du beim Verweilen beim Herrn erlebt hast. Beschließe das Gebet mit drei Dingen. Erstens die Danksagung, für die Gefühle, die Worte, die Vorsätze, die Gott dir darin geschenkt hat, dass du bei ihm verweilen durftest. Zweitens die Bitte, dass Gott dir die Gnade mitteilt, die Vorsätze auch treu durchführen zu können. Drittens die Aufopferung, dass du alles an diesem Tag zur Ehre Gottes tun wirst.

Ein Tag ohne Gebet ist wie ein Himmel ohne Sonne, wie ein Garten ohne Blumen. Joh Paul XXIII

Hld 2,15: Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verwüsten, dann stehen unsere Reben in Blüte.

Fangt die Füchse: Die Füchse stören die Einheit der Liebenden, sie zerstören die Liebe in dreifacher Weise:

1. Verletzungen der Liebe sein. Nicht erst die großen, schon die kleinen Sünden, die scheinbar kleinen Unaufmerksamkeiten der Liebe, richten Schaden an. Auf Dauer können sie den Weinberg verwüsten, die Liebesbeziehung zerrütten. Sie werden gefangen, wenn wir sie immer neu in Demut bekennen und der Barmherzigkeit Gottes anheim geben.

2. Selbstvorwürfe: Das Festhalten an alter Schuld, obwohl sie schon längst vergeben ist. Solche Selbstvorwürfe hindern die Einheit mit Christus, weil an seine barmherzige Liebe nicht geglaubt wird. Die Füchse werden gefangen, sobald wir die Erlösungstat Christi und seine Vergebung im Glauben annehmen.

3. Zerstreute Gedanken, die bald hierhin, bald dorthin schwirren und so das Gebet, die Gemeinschaft der Liebe mit Ihm, stören. Die Füchse fangen heißt, die verstreuten Gedanken immer neu einzufangen und auf Ihn hin auszurichten.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Hohelied (Hld) Kapitel 1 bis 2.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste