Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Hesekiel (Hes) Kapitel 1 bis 47: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Hesekiel (Hes) Kap. 1 bis 47

Hes Kap. 1-3: Berufung

Auslegung und Kommentar zum Buch Hesekiel (Hes) Kap. 1-3

Hes 1,4: Ich sah eine mächtige Wolke, ein zusammengeballtes Feuer, das von einem strahlenden Glanz umgeben war. Mitten im Feuer glänzte es wie Gold.

Der Himmel öffnet sich: Im Jerusalemer Tempel hatte Hesekiel einst als Priester Gottes Gegenwart angebetet. Jetzt lebt Hesekiel im Exil in Babylon. Dort wird er in einer mächtigen Vision zum Propheten berufen. Durch den Sturm, der Wolke und dem Feuer erscheint der Wagen des Thrones Gottes. Der Himmel öffnet sich vor ihm und er sieht Gottes Thron. Eine gewaltige Erscheinung ! Vor der Menschwerdung Jesus öffneten sich die Himmel nur bei bestimmten Anlässen. Seit Jesus steht der Himmel für uns nun fortwährend offen, da Jesus uns das Wesen des Vaters offenbart hat und er selbst immer da ist.

Hes 1,5;10: In dem Licht erschienen vier lebendige Wesen. […] Jedes sah anders aus: Vorne war das Gesicht eines Menschen, rechts das eines Löwen, links das eines Stieres und hinten das eines Adlers.

Mensch, Löwe, Stier und Adler: Beeindruckende Bilder sieht Hesekiel hier. Die Vision von den vier Wesen verbanden die alten Kirchenväter mit den vier Evangelien. Der Löwe stand für Matthäus (Christus als der Löwe von Juda), der Stier für Markus (Christus als Diener und Knecht), das Menschengesicht für Lukas (Christus als der vollkommene Mensch), der Adler für Johannes (Christus als der erhöhte Sohn Gottes). Dementsprechend werden sie in der christlichen Ikonografie dargestellt. Beeindruckend kommt Gott zu Hesekiel. Ebenso beeindruckend kommt Gott heute durch das Evangelium zu uns und seine vier Bücher, die diese Symbole tragen: Mensch, Löwe, Stier, Adler.

Hes 1,8: Unter ihren Flügeln befanden sich Menschenhände.

Flügel und Hände: Das soll zu verstehen geben, daß wir uns nicht damit begnügen dürfen, Flügel zu haben, um durch heilige Wünsche und Erwägungen zum Himmel zu fliegen, wenn wir nicht zugleich Hände haben, die uns zur Verwirklichung und Ausführung unserer Wünsche bringen. Es ist sicher, daß uns gute Vorsätze und Entschlüsse allein nicht in das Paradies führen, wenn sie nicht von Wirkungen begleitet sind, die ihnen entsprechen. Franz von Sales

O Herr der Ewigkeit, laß es nicht zu! Mache vielmehr, daß niemals mein Wille geschehe, sondern der Deine. Ach, wir sind nicht auf der Welt, um unseren Willen zu tun, sondern den Willen Deiner Güte, die uns in diese Welt gesetzt hat.

Hes 1,12: Jedes ging gerade vor sich hin. Wo der Geist hingehen wollte, da gingen sie hin. Sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen.

Gottes Wegen folgen: Die heiligen Wesen, die Ezechiel schaute, gingen dorthin, wo die Macht des Geistes sie hintrieb und sie wandten sich beim Gehen nicht um. Man muß dorthin gehen, wohin uns die Eingebung treibt. Den Entschluß darf man nicht ändern und auf dem Weg nicht umkehren, sondern muß nach der Richtung hin gehen, wohin Gott unser Angesicht gekehrt hat, ohne die Richtung zu ändern. Franz von Sales

Hes 1,26;28: Es war die Erscheinung des Herrn in seiner Herrlichkeit. Bei ihrem Anblick fiel ich nieder und berührte mit meinem Gesicht den Boden. Hes 1:26;28

Demütig niederfallen vor Gott: Überwältigt von der Herrlichkeit Gottes fällt Hesekiel nieder. Es ist ein Akt der Demut. Demut bedeutet schlicht und einfach das Anerkennen der Allmacht Gottes. Es beinhaltet ein Bewusstsein unendlichen Zurückbleibens hinter der erstrebten Vollkommenheit. Die Wurzel des hebräischen Wortes für Demut bedeutet „sich beugen“. Demut bedeutet sich vor Gott zu beugen, ihn als Gott anzuerkennen als Herr unseres Lebens. Ein Glauben ohne Demut ist undenkbar. Es ist neben der Tugend der Liebe die Tugend schlechthin.

Hes 2,8: Du aber, Mensch, hör mir zu! […] Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe!

Gottes Wort essen: Wir müssen durch immer erneutes Lesen und Meditieren Seines Wortes und Seines Beispiels versuchen, uns vom Geist Jesu durchdringen zu lassen. Sein Wort soll in unserer Seele wirken, wie der stete Tropfen, der den Stein immer an der gleichen Stelle höhlt. Charles de Foucauld

Herr, an dich möchte ich denken, dich erkennen, dich lieben. Lass dies in mir wachsen, bis du mich umgestaltest zur Vollendung. Augustinus

Hes 3,3: Iss dieses Buch und füll deinen Bauch damit! Ich gehorchte, und es schmeckte süß wie Honig.

Das süße Wort Gottes: Hesekiel isst Gottes Botschaft. Sie schmeckt süß. Wenn wir Gottes Wort verdauen, merken wir, dass es nicht nur unseren Glauben stärkt, sondern auch unser Leben schöner macht. Wir müssen Gottes Wort regelmäßig zu uns nehmen. Gottes Botschaft muss tief in unser Herz einsinken und unser Leben prägen, bevor wir anderen helfen können, die gute Botschaft zu verstehen und umzusetzen.

Hes 3,10: Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren!

Hes 3,17: Menschensohn, ich habe dich zum Wächter gesetzt für das Haus Israel; wenn du aus meinem Mund ein Wort gehört hast, so sollst du sie in meinem Auftrag warnen!

Hes 3,18: Wenn ich zu dem Gottlosen sage: »Du musst gewisslich sterben!«, und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen und ihn am Leben zu erhalten, so wird der Gottlose um seiner Missetat willen sterben; aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern!

Hes 3,19: Warnst du aber den Gottlosen und er kehrt doch nicht um von seiner Gottlosigkeit und von seinem gottlosen Weg, so wird er um seiner Missetat willen sterben; du aber hast deine Seele gerettet!

Hes 3,20: Wenn aber ein Gerechter sich von seiner Gerechtigkeit abkehrt und Unrecht tut, und ich lege einen Anstoß vor ihn hin, so wird er sterben; wenn du ihn nicht warnst, wird er um seiner Sünde willen sterben, und an seine Gerechtigkeit, die er getan hat, wird nicht gedacht werden; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern!

Hes 3,21: Wenn du aber den Gerechten gewarnt hast, dass der Gerechte nicht sündigen soll, und er dann nicht sündigt, so wird er gewisslich am Leben bleiben, weil er sich hat warnen lassen; und du hast deine Seele gerettet!

Verantwortung des Propheten: Dem Propheten Ezechiel wird gesagt, welche Verantwortung er mit dem Prophetenamt übernimmt. Er ist zum Wächter über das Haus Israel berufen. Wie der Wächter die Stadt vor dem Feind warnen muss, so „musst du sie vor mir warnen“, sagt Gott zum Propheten. Gott will über keinen Menschen das Gericht kommen lassen, ohne ihn vorher gewarnt zu haben. Wenn der berufene Gottesbote, der Prophet, seine Pflicht versäumt, wird er selbst zur Rechenschaft gezogen. In den Versen 20-21 wird die Verantwortung des Propheten noch verdeutlicht: Er muss nicht nur die Sünder vor dem Gericht Gottes warnen; er muss auch die Gerechten davor bewahren, auf den Weg der Sünder abzubiegen. Die „Gerechtigkeit“ und die Rettung dessen, der Verantwortung trägt, sind unlösbar mit dem Geschick derer verbunden, für die er verantwortlich ist. Erzabtei Beuron

Hes Kap. 4-33: Weitere Verse

Auslegung und Kommentar zum Buch Hesekiel (Hes) Kap. 4-33

Hes 6,14: So sollen sie erkennen, dass ich der Herr bin!

Den Herrn erkennen: Dieser Satz erscheint 65-mal im Buch Hesekiel. Das Ziel Gottes ist, dass die Menschen erkennen, dass er der einzige und lebendige Gott. Gott will dies aus Liebe, weil die Erkenntnis Gottes, seines Namens, seines Wesens, Heil und Leben bringt. Wir vergessen in den Ablenkungen der Welt und des Alltags nur zu leicht, dass Gott allein der Herr, die höchste Autorität und die ewige Quelle der Liebe und des Lebens ist. In seiner Liebe benutzt Gott dabei durchaus Wege für uns, die uns wehtun, die aber unserem Heil dienen.

Hes 7,19: Ihr Silber und Gold kann sie nicht retten. […] Es wird ihre Seelen nicht sättigen.

Hüte dich vor der Liebe zum Besitz: Geldliebe gefährdet den Glauben. Die dahinter stehende Habgier beginnt dort, wo man nicht mit dem zufrieden ist, was man hat. Die Habgier wird zum Göttern, weil sie mein Herz bindet. Niemand kann sich Schätze auf der Erde ansammeln, ohne von ihnen beherrscht zu werden. Jesus warnt uns eindringlich vor Habsucht und vor der Idee, dass es im Leben hauptsächlich um das Materielle geht. Dagegen: Immer dann, wenn wir bewusst unseren Besitz für Gottes Reich einsetzen, wächst unser Schatz im Himmel.

Die Therapie der Habgier besteht aus einer einfachen Handlung: geben. Du musst es lernen, dich von deinem Besitz zu trennen und anderen damit Gutes zu tun.

Hes 11,19: Ich nehme das versteinerte Herz aus ihrer Brust und gebe ihnen ein lebendiges Herz.

Austausch des Herzens: Unser Herz ist hart, wenn es an seinen Neigungen und an seinem Eigenwillen festhält, wenn es die göttlichen Eindrücke nicht leicht aufnimmt, sondern in seinem eigenen Wollen beharrt. Indem Gott uns das Herz aus Stein nimmt, nimmt er diese Hartnäckigkeit von uns. Das lebendiges Herz ist dagegen sanft, empfänglich und lenkbar, so dass wir nach dem Weisungen Gottes leben.

O Herr, nimm dieses Herz von Stein und gib mir ein Herz von Fleisch und Blut: Ein Herz, dich zu lieben und zu verehren, ein Herz, in dir mich zu freuen, dich nachzuahmen und dir zu gefallen um Christi willen. Ambrosius von Mailand 

Hes 13,10: Mein Volk baut sich eine wackelige Mauer aus losen Steinen, und anschließend übertüncht ihr sie mit weißer Farbe.

Auf Gott vertrauen: Das sind mahnende Worte auch an uns.Wenn wir auf etwas anderes vertrauen als auf Gott, bauen wir uns wackelige Mauern, die beim Sturm zusammen brechen. Das Vertrauen auf Gott dagegen ist unsere Stärke, die nicht einstürzt und uns Halt gibt. Wie sollten wir also leben? In lebendiger vertrauender Offenheit gegenüber Gott in allem. Egal wie’s kommt: Er ist da!  Oder wie es ein Wüstenväter-Spruch ausdrückt: Hoffe nie, dass eine Sache so ausgeht, wie es dir am besten erscheint, sondern so, wie es Gott gefällt. Dann wirst du frei von Zwängen sein und darfst Gott im Gebet Dank sagen und in seiner Ruhe wohnen. Dann ist in dir tiefes Gottvertrauen.

Hes 13,11: Eure Wand wird einstürzen!

Hes 16,15: Jedem, der dir über den Weg lief, hast du dich angeboten und dich ihm an den Hals geworfen.

Untreuer Menschen + Treuer Gott: Wir sind Gott gegenüber oft untreu. Wir gehen sozusagen fremd mit Dingen, die uns wichtiger werden als Gott. Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott, schreibt Martin Luther. Das heißt: Wenn uns z. B. das Geld, ein Haus oder ein Hobby das Wichtigste im Leben ist, ist das unser Gott. Dann betrügen wir Gott mit diesen Dingen. Menschlich gesehen könnte Gott sagen: Wenn ihr so mit mir umgeht, will ich mit euch nichts mehr zu tun haben. Aber das tut er nicht. Durch Jesus hat er alle unsere Schuld auf sich genommen. Auch die Schuld unserer Untreue. Von ihm aus bleibt die Beziehung darum bestehen. Er bleibt treu. So groß ist seine Liebe. Wenn er uns fallenlassen würde, würde er diese Liebe verleugnen. Das kann er nicht. Darum sagt er uns zu: Du kannst immer wieder zu mir kommen. Du kannst immer wieder mit mir anfangen.

Hes 16,60: Ich aber werde mich an den Bund erinnern.

Hes 16,63: Ich werde dir alles vergeben, was du getan hast. Das verspreche ich, Gott, der Herr.

Hes 18,23;28: Ich freue mich, wenn er von seinen falschen Wegen umkehrt und lebt! […] Wenn er seine Schuld einsieht und die alten Wege verlässt, wird er nicht sterben, sondern sein Leben behalten.

Umkehr als lebenslanger Prozeß: Gott ist ein Gott der Liebe. Seine vollkommene Liebe lässt ihn gnädig zu dem Sünder sein, der zu ihm zurückkommt. Dies ist ein lebenslanger immer wieder kehrender Prozess, denn wir werden nie im vollkommenen Zustand sein, wo wir keine Fehler mehr machen. Hassen wir unsere Fehler, aber auf ruhige Weise, nicht mit ruhelosen, unerträglichen Hass. Man muss Geduld mit ihnen haben und versuchen, durch allmähliche Verringerung Nutzen aus ihnen zu ziehen. Ohne diese Geduld werden unsere Fehler, anstatt abzunehmen noch wachsen, denn nichts bindet unsere Fehler mehr aneinander als die Ungeduld und der Übereifer, sie ausmerzen zu wollen.

Hes 18,31: Werft alles Böse von euch ab! Ändert euch von Grund auf, ja, erneuert euer Herz und euren Geist!

Hes 20,16-17: Sie folgten den Götzen ihres Herzens nach. Aber mein Auge blickte schonend auf sie. Wieder hatte ich Mitleid mit ihnen.

Schonendes Auge: Wir werfen in diesen Versen einen Blick sowohl in das Herz des Menschen als auch in das Herz Gottes. Das menschliche Herz ist eine Götzenfabrik. Es produziert am laufenden Band Götzenbilder, an die es sich verliert. Auf der anderen Seite sehen wir das Herz Gottes. Wir sehen ein verletztes und ein geduldiges, aber kein gleichgültiges Herz, das immer und immer wieder Gnade vor Recht ergehen lässt. Nirgendwo anders zeigt sich dieses spannungsgeladene Herz Gottes deutlicher als am Kreuz von Golgatha!

Denn es ist die höchste Eigenschaft Gottes, erbarmen, verschonen, gnädig sein, vergeben. Johann Arndt 

Hes 23,35: Du hast mich vergessen und mir den Rücken gekehrt.

Gott nicht vergessen: Dem eben müssen wir entgegen wirken. Darum frage dich: Durch wie viele Stürme deines Lebens hat Gott dich schon getragen? In beunruhigenden Lebenssituationen halte kurz an, besinne dich ganz konkret auf Gottes gute Taten in deinem bisherigen Leben und dann schau auf das, was jetzt vor dir liegt und dich beunruhigt und wiederhole, die Zusage, die Gott uns in der Schrift gegeben hat: Auch hierbei werde ich dir helfen. Vielleicht nicht so wie wir uns das vorstellen, aber er hilft.

Wenn man sich mit emsiger Treue den Gedanken an die Gegenwart Gottes zur Gewohnheit macht, bleibt die Flamme der Liebe immer erhalten. Columba Marmion

Hes 20,41: Ihr selbst werdet dann wie ein wohlriechendes Opfer für mich sein. Ich nehme euch wieder in Liebe als mein Volk an.

Wohlriechendes Opfer: Wir müs­sen Opfer brin­gen, unsere Sinn­lich­keit beherr­schen, unsere Bequem­lich­keit besie­gen, unsere Pflich­ten vor Gott und den Men­schen gewis­sen­haft erfül­len. Das ist unser täg­li­cher Opfer­dienst. Wir sind eine Opfer­gabe für Gott. Wir gehö­ren uns nicht mehr selbst, denn wir sind Geop­ferte. Es geht nicht darum, Gott allerlei gute Werke als Opfer darzubringen. Er will uns selbst. Er will unser Herz und unser Leben. Denn wir sollen ihm nicht einen Tempel bauen, sondern ein Tempel für ihn sein.

Deine Predigt möge eine ständige Opferung deiner selbst sein, überall gleich einer zarten Erscheinung, gleich dem Lächeln Gottes. Pater Pio

Hes 33,8: Wenn du nicht redest, um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen, dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben. Sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück.

Den Nächsten ermahnen: Es geht hier darum, dass wir klar benennen sollen, wenn etwas falsch läuft. Haben wir keine Angst davor in Liebe zurecht zu weisen. Auch das ist ein wichtiger Akt der Nächstenliebe. Bedenke aber: wenn eine Zurechtweisung sein muss, dann soll sie ebenso deutlich wie freundlich, manchmal sogar mit einem Lächeln, erfolgen. Niemals oder allenfalls sehr selten im Zorn. Bedenke weiter: auch du kannst dich in deiner Sicht der Dinge irren. Wie gut ist es, wenn man es fertigbringt, die eigene Ansicht zu korrigieren!

Warum wählst du eigentlich unter zehn verschiedenen Arten, Nein zu sagen, immer die unfreundlichste aus? Josemaria

Hes 33,31: Wenn sie auch mit dem Mund ihre Liebe bekunden, so läuft ihr Herz doch hinter dem Gewinn her.

Geteiltes Herz: Diese Menschen kamen zu Hesekiel, um sich von ihm unterhalten zu lassen. Sie hörten sich seine Botschaft an, aber beabsichtigten nicht, sie zu befolgen. Die Menschen schienen äußerlich Gott zu folgen, aber sie liebten ihr Geld mehr als ihn. Man kann nach außen hin sehr religiös erscheinen, doch gleichzeitig innerlich habsüchtig und egoistisch sein. Jesus warnt uns, dass wir nicht gleichzeitig Gott und dem Geld dienen können.

Hes 33,32: Sie werden deine Worte hören, aber sie nicht tun.

Hes Kap. 34-36: Der gute Hirte

Auslegung und Kommentar zum Buch Hesekiel (Hes) Kap. 34-36

Hes 34,11: Von nun an will ich mich selbst um meine Schafe kümmern und für sie sorgen.

Hes 34,15-16: Ich selbst werde ihr Hirte sein und dafür sorgen, dass sie in Ruhe und Sicherheit leben können. Das verspreche ich, Gott, der Herr. Ich suche die verloren gegangenen Schafe und bringe alle zurück, die sich von der Herde entfernt haben. Wenn sich eines der Tiere ein Bein gebrochen hat, will ich es verbinden, und den kranken helfe ich wieder auf. Die fetten und starken Tiere aber lasse ich nicht aus den Augen! Denn ich bin ein Hirte, der gut und gerecht mit seinen Schafen umgeht.

Hes 34,15: Ich selbst will meine Schafe weiden und sie lagern, spricht Gott, der Herr.

Ich will meine Schafe weiden. Der Herr nährt uns als unser Hirte durch sein Wort. Das Wort ist Nahrung für den inneren Menschen. Es kräftigt uns auf dem Glaubensweg. Wir lernen den Herrn selbst und seine Gedanken besser kennen. Unsere Liebe zu ihm wird wachsen. Ja, er selbst ist Nahrung für uns.

Ich will sie lagern. Er möchte uns Zeiten der Ruhe geben. Zeiten der Ruhe möchte uns der Herr geben. Bei allen Aufgaben in irdischen Belangen in Beruf und Familie, bei allem Dienst für ihn, brauchen wir Zeiten, in denen wir bei Ihm Ruhe finden. Wo wir in Ruhe nachdenken über sein Wort.

Hes 34,23: Ich will meiner Herde einen einzigen Hirten geben.

Christus ist unser Hirte: Das messianische Bild des Hirten ist tief im Alten Testament verwurzelt und liegt der christlichen Überlieferung sehr am Herzen. Jesus ist der wahre Hirte Israels, weil er der Menschensohn ist, der die Natur der Menschen annehmen wollte, um ihnen das neue Leben zu schenken und sie zum Heil zu führen. Christus ist der wahre gute Hirt, der sein Leben für seine Schafe – für uns – hingegeben hat, indem er sich am Kreuz geopfert hat. Er kennt seine Schafe, und seine Schafe kennen 

Hes 34,31: Ihr seid meine Herde. […] Ich führe euch auf gute Weide. Darauf könnt ihr euch verlassen!

Hes 36,26: Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.

Neues Herz und Neuer Geist: Gott will immer das Beste für uns und hat einen guten Plan für unser Leben. Eine Begegnung mit Gott wird immer Spuren in unseren Herzen hinterlassen und einen Prozess der innerlichen Veränderung anstoßen. Jede Beziehung, jede Freundschaft prägt unser Leben und beeinflusst uns. So ist es auch im Glauben. Glauben bedeutet, eine lebendige Beziehung zu Jesus zu haben und ihn in unser Alltagsleben mit einzubeziehen. Durch das Gebet, das Lesen im Wort Gottes wird unsere Denkweise verändert und wir lernen Gott immer besser kennen. Sein Wesen, sein Charakter, seine Schönheit, seine Herrlichkeit, seine Güte, seine Gnade, seine Barmherzigkeit, sein Friede wird unser ganzes Herz erfüllen und von innen nach außen sichtbar werden. Gott ist die Liebe selbst, in Person. Schritt für Schritt, in einem Prozess werden wir wachsen und uns im Glauben weiterentwickeln. Gott möchte uns in unsere Bestimmung und Berufung hineinführen. Gottes Liebe wird uns heilen, wiederherstellen, aufbauen, stärken und sein Wirken in uns wird auch nach außen sichtbar werden, sich widerspiegeln und weiterfließen an unsere Mitmenschen. Seine Herrlichkeit in uns wird strahlen und wir können Lichter und Hoffnungsträger in unserer Welt sein. Ulrike Puintner

Hes 36,29: Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen.

Gott sagt: Ich will! Gott will eingreifen. Gott ist entschlossen, sein Volk zu erlösen und ihm Heil zu schaffen. Nein, sein Volk kann es nicht schaffen. Es kann sich kein neues Herz geben. Es kann sich nicht heiligen und reinigen. Es kann seine bedrängende Lage nicht ändern. Es kann sich das Heil nicht verdienen. Gott aber kann und will es. Das ist reines Evangelium. Was für ein Glück, dass Gott sich uns immer wieder so liebevoll entschlossen zuwendet und uns schenkt, was wir nicht schaffen.

Hes 36,29: Ich befreie euch von eurer Schuld, die euch unrein machte.

Hes Kap. 37: Von der Auferweckung

Auslegung und Kommentar zum Buch Hesekiel (Hes) Kap. 37

Hes 37,1: Die Hand des Herrn kam über mich, und der Herr führte mich im Geist hinaus und ließ mich nieder mitten auf der Ebene, und diese war voller Totengebeine.

Hes 37,3: Da sprach er zu mir: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: O Herr, Herr, du weißt es! Hesl 37,3

Hes 37,4: Da sprach er zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Gebeine, hört das Wort des Herrn!

Hes 37,5: So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Seht, ich will Odem in euch kommen lassen, dass ihr lebendig werdet!

Hes 37,6: Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und Odem in euch geben, dass ihr lebendig werdet; und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin!

Hes 37,7: Da weissagte ich, wie mir befohlen war, und als ich weissagte, entstand ein Geräusch, und siehe, eine Erschütterung, und die Gebeine rückten zusammen, ein Knochen zum anderen.

Hes 37,9: Hauche diese toten Menschen an, damit sie wieder zum Leben erwachen!

Hes 37,10: So weissagte ich, wie er mir befohlen hatte. Da kam der Odem in sie, und sie wurden lebendig und stellten sich auf ihre Füße — ein sehr, sehr großes Heer.

Der Herr macht lebendig: Diese Prophezeiung über die Auferstehung wird im Neuen Testament seine Erfüllung finden. Jesus ist auferstanden, um uns zu zeigen, dass die Kraft der Liebe Gottes stärker ist als der Tod. Es gibt Zeiten, da scheint uns alles aussichtslos. Aber das ist nur der Schein. In Wirklichkeit ist Gott uns nahe und er will, dass wir leben. Darum gibt es immer noch einen Grund zur Hoffnung: Gottes Liebe, die uns Leben schenkt. Durch die Auferstehung Jesu hat die Liebe sich stärker gezeigt als der Tod und als das Böse. Die Liebe ließ ihn absteigen, und sie ist zugleich die Kraft, in der er aufsteigt. Und durch die er uns mitnimmt.

Worte von Papst Franziskus: Im Buch Ezechiel wird eine etwas eigenartige, beeindruckende Vision beschrieben, die unseren Herzen jedoch Vertrauen und Hoffnung schenken kann. Gott zeigt dem Propheten eine mit ausgetrockneten Gebeinen übersäte Ebene. Eine trostlose Szene… Stellt euch eine ganze Ebene voller Gebeine vor! Dann bittet Gott ihn, den Geist auf sie herabzurufen. Da bewegen die Gebeine sich, rücken zusammen und vereinigen sich, an ihnen wachsen zuerst die Sehnen und dann das Fleisch, und so bildet sich ein vollständiger Leib, der mit Leben erfüllt ist (vgl. Ez 37, 1-14). Das ist die Kirche! Ich bitte euch: Nehmt heute zu Hause die Bibel, schlagt das 37. Kapitel beim Propheten Ezechiel auf, vergesst das nicht, und lest das: Es ist wunderschön. Das ist die Kirche, sie ist ein Meisterwerk, das Meisterwerk des Geistes, der das neue Leben des Auferstandenen in einen jeden eingießt und uns einander zur Seite stellt, der eine zum Dienst und als Stütze des anderen. So macht er aus uns allen einen Leib, erbaut in der Gemeinschaft und in der Liebe

Hes 37,12: Ich, Gott, der Herr, öffne eure Gräber und hole euch heraus.

Der Herr öffnet die Gräber: Erneuern wir am heutigen Tag die Hoffnung auf das ewige Leben, das wirklich im Tod und in der Auferstehung Christi gründet. Dass Jesus Christus von den Toten auferweckt wurde, ist der einzige Grund meiner Hoffnung, daß auch ich auferweckt werde am jüngsten Tag. Unser Heil ist außerhalb unser selbst, nicht in meiner Lebensgeschichte, sondern allein in der Geschichte Jesu Christi finde ich es. Seine Hand trägt uns. Wo auch immer du fallen magst du wirst in seine Hände fallen und er wird sogar an der Pforte des Todes da sein. Wohin dich keiner mehr begleiten kann und wohin du nichts mitnehmen kannst, dort wartet er auf dich.

Hes 37,13: Wenn ich euch wieder lebendig mache, werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.

Hes 37,14: Und ich werde meinen Geist in euch legen, und ihr sollt leben; und ich werde euch wieder in euer Land bringen; und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe es gesagt und werde es auch tun!, spricht der Herr.

Hes 37,25-27: Ein Nachkomme Davids wird dann über sie herrschen und für immer ihr König sein. Ich schließe einen ewigen Bund mit den Israeliten und gewähre ihnen meinen Frieden. Zu einem großen Volk lasse ich sie werden, und mein Heiligtum soll für alle Zeiten in ihrem Land stehen. Dann werde ich selbst bei ihnen wohnen. Ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.

Unser König Jesus Christus: Gott hat einen guten Plan. Gott kümmert sich. Er sieht unsere Sorgen, unser Leid, alle Ungerechtigkeit und alle Tränen. Und er wird sie wegwischen und etwas ganz Neues schaffen.  Dieses Neue hat schon begonnen. In Jesus ist Gott auf diese Erde gekommen, um bei uns Menschen zu wohnen. Er will in unserer Nähe sein. Gott will in enger Gemeinschaft mit uns leben. Sind Sie bereit, sich darauf einzulassen? Darf Gott bei Ihnen wohnen? Claudia Schmidt

Hes Kap. 38-47: Weitere Verse

Auslegung und Kommentar zum Buch Hesekiel (Hes) Kap. 38-47

Hes 39,29: Ich will künftig mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen.

Gott der Begegnung: Gott will die Begegnung und die Beziehung. Trotz all der Schuld und der Zerbrochenheit, die ich in mir trage. Seine Güte ist eine Einladung, umzukehren und zu ihm nach Hause zu kommen. Wer sich auf diese Einladung einlässt, kann persönlich erleben: Gott zeigt Gesicht. Und es ist freundlich.

Hes 43,7: Hier will ich für immer wohnen.

Gott wohnt bei uns: Durch Jesus hat Gott genau das getan. Jesus ist uns ganz nahe gekommen. Er hat alles Leiden, was es auf dieser Erde gibt, selbst erlebt. Er wurde allein gelassen. Er hat grausamste Schmerzen erlebt. Er hat einen grausamen Tod erlitten. Darum kann er uns wirklich verstehen. Er kann uns nahe sein, wenn wir schwere Wege gehen müssen. Er möchte bei uns wohnen.

Hes 47,9: Überall wohin der Fluss kommt, da schenkt er Leben.

Wasser des Lebens: Der Fluss steht für das Leben und die Segnungen, die Gott gibt. Von Gott her kommt der Strom des Lebenswassers. Gott lässt das Wasser des Lebens fließen: nicht tropfenweise, sondern als Strom, als tiefen, beständigen Strom. Und der Strom der kraftvollen Liebe Gottes verwandelt alles: Wunden werden heil. Gute Früchte wachsen. Es ist von allem und immer genug da. Gott ist genug. Gott gibt genug. Gott verwandelt. Gott heilt. Aus seinem Herzen fließt der Strom der wunderbaren Gnade.Im Paradies sehen wir den Strom, Psalm 1 besingt ihn und hier bei Hesekiel bricht er wieder hervor. Und dann, am Ende, wird Gott ihn noch einmal in ganzer Fülle und Kraft fließen lassen (Offenbarung 22,1.2). Und heute fließt er für dich und für mich in der Nähe Gottes. Darum geh heute in die Nähe Gottes! Da fließt der Strom. Da finden wir Leben! Wasser! Gott! Jesus! Heiliger Geist!

Hes 47,12: Der Fluss, der ihren Wurzeln Wasser gibt, kommt aus dem Heiligtum.

Lebendige Tempel Christus: In Christus ist diese Vision wahr geworden. Er ist der wahre, der lebendige Tempel Gottes. Und er ist Quell lebendigen Wassers. Von ihm geht der große Strom aus, der in der Taufe die Welt befruchtet und erneuert. Jesus hat prophezeit, dass wer an ihn glaubt, aus dessen Innerem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (vgl. Joh 7, 38). Wir alle kennen solche Menschen, von denen wir irgendwie erfrischt und erneuert weggehen. Von denen etwas ausgeht wie frisches Quellwasser. In der Taufe macht uns der Herr nicht nur zu Lichtmenschen, sondern auch zu Quellen, von denen lebendiges Wasser ausgeht.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch Hesekiel (Hes). Kap. 1 bis 47.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste