Tägliche Andacht mit Wochenthema und Bibelkommentar

Sprüche (Spr) Kapitel 5 bis 10: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch der Sprüche (Spr) Kapitel 5 bis 10

Sprüche Kap. 5

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 5

Spr 5,1: Mein Sohn, sei aufmerksam und hör auf meine Lehre, denn ich weiß, wovon ich rede.

Spr 5,2: Dann lernst du, überlegt zu handeln, und an deinen Worten erkennt man, wie vernünftig du bist.

Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit bedeutet, sich ungeteilt einer Sache, Person oder Situation zu schenken, gesammelt, konzentriert, vertieft, interessiert und wachsam. Zu schnell lassen wir uns ablenken und werden wuschig, weil wir bei zu vielen Dingen gleichzeitig sind. Wir sind aber nicht nur Opfer diverser Umstände, die wir gerne als Ursache benennen. Entscheide bewusst, wem und was du deine Aufmerksamkeit schenkst. Dann handelst du überlegt. Das ist umso wichtiger, weil Gott uns nicht gestern oder morgen, sondern immer nur jetzt und hier begegnet. Darum ist es gut, ganz gegenwärtig zu sein und aufmerksam wahrzunehmen, was Gott mir jetzt schenkt oder zumutet, wo er ruft und wie er mir begegnet, gerade und besonders auch in dem unscheinbaren Einerlei des Alltags.

Wert des Alltags: Tag für Tag vergeht, manchmal auch Trott, scheinbar kaum Fortschritte. Und dennoch: Wir sind eine Perle und werden durch diesen scheinbaren Trott kontinuierlich geschliffen. Wenn wir zurückblicken, erkennen wir, dass uns die tägliche Erfüllung unseres Alltagsprogramms unersetzlich ist. Ich bete um Achtsamkeit für die scheinbar unbedeutenden Momente der Gegenwart. Sie sind in Wahrheit sehr wichtig, eine Perle, etwas Kostbares.

Rudolf Bösinger: Wo andere im grauen Alltag nur Staub sehen, haben wir Schürfrechte auf die Edelsteine Gottes – und wir finden sie. Unser Leben ist ein Diamantenfeld.

Spr 5,3: Die Frau eines anderen Mannes kann nämlich sehr verführerisch sein, wenn sie dich mit honigsüßen Worten betört.

Spr 5,4: Aber glaub mir, am Ende ist sie bitter wie Wermut und tödlich wie ein scharf geschliffenes Schwert.

Umgang mit Versuchungen: Aufmerksam sollen wir alles betrachten, ob es ein wirkliches Gut oder ein Scheingut ist. So gesammelt erkennen wir besser das Ungute oder gar Böse, das sich unter dem Schein des Guten dem Herzen nähert. Wenn wir Wachende statt Schlafende sind, sind wir besser geschützt vor der Versuchung, vor allem vor den unscheinbaren Kleinen. Beispiel meinerseits: Jeden Tag bin ich versucht und reizt es mich wie Honig, möglichst viel zu erledigen. Erliege ich dieser Versuchung, versinke ich dann aber im Sumpf der Hetze und verliere meine Ruhe im Herrn. Bei solchen Versuchungen daher denke an die Schönheit des Gehorsams, sowie an den Nutzen, den er dir bringt. So wirst du wieder Mut fassen und die Schwierigkeit überwinden, eben z.B. der Versuchung zur inneren Hetze zu widerstehen.

Spr 5,5: Sie bringt dich an den Rand des Abgrunds und reißt dich mit in den Tod.

Spr 5,6: Von dem Weg, der zum Leben führt, ist sie längst abgekommen; ohne es zu merken, läuft sie immer weiter in die Irre.

Spr 5,7: Ihr jungen Männer, hört auf mich und vergesst nie, was ich jedem von euch sage:

Spr 5,8: Geh einer solchen Frau aus dem Weg, lass dich nicht einmal in der Nähe ihres Hauses blicken!

Spr 5,9: Sonst ist dein guter Ruf ruiniert, und in der Blüte deines Lebens verlierst du alles an einen Menschen, der sich gnadenlos an dir rächt!

Spr 5,10: Fremde werden deinen Besitz an sich reißen; den Lohn deiner Arbeit genießt dann ein anderer.

Spr 5,11: Schließlich bist du völlig abgemagert, du siechst dahin und stöhnst mit letzter Kraft:

Spr 5,12: Hätte ich doch die Warnungen ernst genommen! Warum habe ich mich nur gegen jede Ermahnung gewehrt?

Buße: In Spr 5,12.13 verwünscht sich der Sohn vier Mal für seine eigene Dummheit. Er war gewarnt worden, aber er hat Unterweisung gehasst und Korrektur verschmäht. Dieser Vers ist ein Ausdruck von Buße, nicht jeder Sünder beurteilt zuletzt sein Leben so klar, wie es der junge Mann tut, dessen Leben von einem Fehltritt ruiniert worden ist. Jürgen Fischer

Spr 5,13: Warum habe ich meinen Lehrern keine Aufmerksamkeit geschenkt und nicht auf sie gehört?

Spr 5,14: Fast hätte ich mich vor aller Augen ins Unglück gestürzt!

Spr 5,15: Trinke Wasser aus deiner eigenen Zisterne und Ströme aus deinem eigenen Brunnen!

Spr 5,15: Freu dich doch an deiner eigenen Frau! Ihre Liebe ist wie eine Quelle, aus der immer wieder frisches Wasser sprudelt.

Zisterne und Brunnen: Während eine Zisterne zum Auffangen von Regenwasser gebaut wurde, enthielt ein Brunnen besseres Wasser, weil er durch unterirdische Zuflüsse (Fließendes) gespeist wurde. Der Vergleich mit der Zisterne und dem Brunnen zeigt den Wert der Frau an, weil Wasserspeicher in dem trockenen Klima Israels von größter Bedeutung sind. Jürgen Fischer

Gott fordert den Gläubigen dazu auf, regelmäßig mit seiner eigenen Frau Sex zu haben. Wie Paulus in 1. Kor 7,2-5 ausführen wird, ist das ein guter Schutz vor Unzucht und ein Form von „Pflicht“, die wir einander schulden.

Spr 5,16: Sollen sich deine Quellen auf die Straße ergießen, deine Wasserbäche auf die Plätze?

Spr 5,16: Willst du sie verlieren, weil du dich mit anderen einlässt?

Spr 5,17: Dir allein soll ihre Liebe gehören, mit keinem anderen sollst du sie teilen!

Spr 5,18: Erfreue dich an deiner Frau, die du als junger Mann geheiratet hast. Lass sie eine Quelle des Segens für dich sein.

Erfreue dich an deiner Frau: Der Sohn soll es lernen, im Blick auf seine Frau, „aus dem Häuschen“ zu sein, eine tiefe Begeisterung zu kultivieren, die sich nach außen hin entlädt. Das Gebot, erfreue dich, lässt es nicht zu, dass ein Ehepaar teilnahmslos nebeneinanderher lebt. Gott würde dieses Gebot auch nicht geben, wenn es nicht lebbar wäre. Ich kann mich anscheinend ein Leben lang an meiner Frau freuen und von ihr begeistert sein. Jürgen Fischer

Spr 5,19: Bewundere ihre Schönheit und Anmut! Berausche dich immer wieder an ihren Brüsten und an der Liebe, die sie dir schenkt!

Spr 5,20: Mein Sohn, willst du dich wirklich mit einer anderen vergnügen und in den Armen einer fremden Frau liegen?

Spr 5,21: Die Wege eines jeden liegen klar vor den Augen des Herrn und er achtet auf alle seine Pfade!

Die göttliche Vorsehung: Steigen wir vertrauensvoll in das Schiff der göttlichen Vorsehung und lassen uns auf den Wellen dahin tragen, sei die See nun ruhig oder stürmisch. Unser Vertrauen muß auf die unendliche Güte Gottes und auf die Verdienste des Leidens und Sterbens Unseres Herrn Jesus Christus gegründet sein. Er möchte das Beste für uns. Er ist Liebe! Unsererseits bedarf es allein des Entschlusses, Gott ganz anzugehören und uns in allem ohne jeden Vorbehalt seiner Vorsehung zu überlassen.

Lehre mich das Geheimnis verstehen, dass ich bin durch dich und vor dir und für dich. Romano Guardini

Spr 5,22: Wer Gottes Gebote missachtet, dreht sich selbst einen Strick und ist gefangen in seiner Schuld.

Spr 5,23: Wer sich nicht beherrschen kann, schaufelt sich sein eigenes Grab, ja, in seiner großen Dummheit läuft er direkt hinein.

Sprüche Kap. 6 

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 6

Spr 6,1: Mein Sohn, hast du dich mit Handschlag dazu verpflichtet, für die Schulden eines Fremden aufzukommen?

Spr 6,2: Bist du an ein Versprechen gebunden, das du gegeben hast? Sind deine eigenen Worte dir zur Schlinge geworden?

Durchdachte Hilfe: Hilf deinem Nächsten aus, so viel du kannst; doch sieh dich vor, dass du nicht selbst darüber zu Schaden kommst. Auch Hilfe will demnach durchdacht sein und kann – obwohl gut gemeint – zum eigenen Ruin führen! Diese Verse warnen vor impulsivem Gutestun, dem es an Unterscheidungsvermögen mangelt. Und deshalb fordert der Vater seinen Sohn zur Vorsicht auf. Jürgen Fischer

Spr 6,3: Dann gibt es nur einen Rat: Versuch so schnell wie möglich, davon freizukommen! Der Gläubiger hat dich in seiner Gewalt – also geh zu ihm und bestürme ihn so lange, bis er dich freigibt.

Spr 6,4: Schieb es nicht auf, gönn dir keine Ruhe!

Spr 6,5: Versuch mit allen Mitteln, dich herauszuwinden wie ein Tier aus der Falle des Jägers!

Spr 6,6: Beobachte die Ameisen, du Faulpelz! Nimm dir ein Beispiel an ihnen, damit du endlich klug wirst:

Spr 6,7: Kein Vorgesetzter treibt sie an;

Spr 6,8: Trotzdem arbeiten sie den ganzen Sommer über fleißig und legen in der Erntezeit ihre Vorräte an.

Spr 6,9: Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?

Warnung vor Trägheit: Jetzt ist die Zeit. Jetzt ist die Stunde. Fang heute an. Laßt uns das Gute tun, solange wir Zeit haben. Gestalter deiner Gegenwart zu sein erfordert eine Haltung der Wertschätzung dem Leben gegenüber. Ein Wort von Augustinus begleitet mich hier schon lange hilfreich: Wir werden nie weise werden, bis wir jeden Tag als unseren letzten rechnen! Das heute ist der einzige Tag, vielleicht der letzte, den du in der Hand hast, um in und für Gott zu leben. Verschlafe ihn nicht. Ja dieser Tag wird dir vom Allmächtigen geschenkt. Wenn das kein Grund zum Dank ist und die gleichzeitige Berufung, ihn entsprechend zu nutzen.

Dich Vater, Sohn und Heiliger Geist voll Freude alle Schöpfung preist, der diesen neuen Tag uns schenkt und unser ganzes Leben lenkt.

Spr 6,10: Lass mich noch ein bisschen schlafen, sagst du, ich will nur noch ein Weilchen die Augen zumachen und kurz verschnaufen!

Gegen die Trägheit: Der Faule will ausruhen, obwohl er genug geschlafen hat. Die Bibel ist nicht gegen ein gesundes Maß an Pausen. In unserer Gesellschaft wird meines Erachtens zu viel gearbeitet und nicht zu wenig. Auch viele engagierte Christen sind eher vom Burn-Out bedroht als von der Faulheit. Die Bibel kennt ein Sabbatgebot, das wir heute dringender denn je als Prinzip göttlicher Weisheit auf unser Leben anwenden sollten. Zu einem ausgeglichenen Leben gehören Pausenzeiten genauso wie Arbeitstage. Wer zu viel arbeitet, sollte sich ernstlich fragen, ob er Gottes Willen für sein Leben erkannt hat. Es lohnt sich nämlich nicht, in jedes Ziel Arbeit und Energie zu stecken! Wir sind nicht zu allen Aufgaben berufen und für alles begabt. Deshalb ist es so wichtig, die aktuellen Prioritäten im Leben zu erkennen und danach zu leben. Jürgen Fischer

Spr 6,11: Doch während du dich ausruhst, ist die Armut plötzlich da, und die Not überfällt dich wie ein Räuber.

Spr 6,12: Einen nichtswürdigen und gemeinen Menschen erkennt man an seinem Verhalten: Er verbreitet Lügen,

Spr 6,13: zwinkert seinen Komplizen vielsagend zu und macht alle möglichen Gesten, mit denen er andere hinters Licht führen will.

Spr 6,14: Sein Wesen ist falsch und heimtückisch, er hat ständig Böses im Sinn und legt es immer auf einen Streit an.

Spr 6,15: Darum wird das Unglück unerwartet über ihn hereinbrechen; er findet plötzlich ein schreckliches Ende – ohne jede Hoffnung auf Rettung!

Spr 6,16: Sechs Dinge sind dem Herrn verhasst, und auch das siebte verabscheut er:

Spr 6,17: Augen, die überheblich blicken; eine Zunge, die Lügen verbreitet; Hände, die unschuldige Menschen töten;

Spr 6,18: ein Herz, das finstere Pläne schmiedet; Füße, die schnell laufen, um Böses zu tun;

Spr 6,19: ein Zeuge, der falsche Aussagen macht; ein Mensch, der Freunde gegeneinander aufhetzt.

Spr 6,20: Mein Sohn, gehorche deinem Vater und deiner Mutter und schlage ihre Weisungen nicht in den Wind!

Spr 6,21: Erinnere dich zu jeder Zeit an ihre Worte und bewahre sie in deinem Herzen!

Spr 6,22: Beim Gehen soll es dich leiten, beim Liegen dich behüten und beim Wachwerden dir raten.

Spr 6,22: Tag und Nacht sollen sie dich begleiten, dich beschützen, wenn du schläfst, und dich beraten, sobald du morgens aufwachst.

Begleitung und Schutz: Der Sohn braucht auf seinem Weg durch die Welt der Versuchung Frau Weisheit, um ihn zu leiten, über ihm zu wachen und mit ihm zu reden. Rund um die Uhr will sie an seiner Seite bleiben, wenn er einhergeht, sich niederlegt und erwacht. Wo das eigene, geistliche Leben unweise geführt wird, bleiben wichtige Elemente des Lebens wie Ruhe, Planung, Erkenntnis, Disziplin, Sexualität, Ermutigung, Genuss oder Geduld auf der Strecke. Jürgen Fischer

Beginnen wir beim Evangelium: Lassen wir es offen auf dem Nachttisch liegen, tragen wir es in der Tasche mit uns, öffnen wir es auf dem Handy, lassen wir zu, dass es uns jeden Tag inspiriert. Das Wort lässt uns Gott nahe sein. Halten wir es nicht fern von uns. Tragen wir es immer bei uns und geben wir ihm einen würdigen Platz in unseren Häusern. Stellen wir die Heilige Schrift auf einen Platz, wo wir daran erinnert werden, sie täglich aufzuschlagen, vielleicht am Beginn und am Ende des Tages. Das Wort Gottes ist ein Liebesbrief, der für uns von dem geschrieben wurde, der uns kennt wie kein anderer.

Spr 6,23: Denn das Gebot ist wie eine Leuchte, die Weisung wie ein Licht und die ermahnende Erziehung ist ein Weg zum Leben.

Spr 6,24: Sie warnen dich vor der Frau eines anderen, vor der Ehebrecherin, die dich mit betörenden Worten lockt.

Spr 6,25: Lass dich nicht von ihren Reizen einfangen, begehre sie nicht, wenn sie dir schöne Augen macht.

Gegen die Begierde: Jakobus spricht davon, dass die Lust, nachdem sie „empfangen“ hat, Sünde hervorbringt (Jak 1,15). Es ist die Lust, die in unserem nicht erlösten Körper steckt, die uns lockt und uns dazu bringen will, Dinge zu tun, die der Lustbefriedigung dienen, aber Sünde sind (Jak 1,14). Es ist die Aufgabe eines Mannes, in seinem Herzen die Schönheit einer fremden Frau nicht zu begehren. Er ist dafür verantwortlich, sein Herz zu bewahren (Spr 4,23). Dieses Bewahren der Gedanken beginnt damit, dass ich meine Blicke beherrsche. Was ich anschaue, wird mich gefangen nehmen. Jürgen Fischer

Spr 6,26: Für eine Hure bezahlst du nur so viel wie für ein Brot, aber wenn du mit einer verheirateten Frau die Ehe brichst, bezahlst du es teuer mit deinem Leben.

Spr 6,27: Kann man etwa Feuer in der Manteltasche tragen, ohne den Mantel in Brand zu stecken?

Spr 6,28: Kann man etwa barfuß über glühende Kohlen gehen, ohne sich die Füße zu verbrennen?

Spr 6,29: Genauso schlimm sind die Folgen, wenn man mit der Frau eines anderen schläft: Keiner, der es tut, bleibt ungestraft.

Spr 6,30: Wer Brot stiehlt, weil er Hunger hat, wird nicht verachtet.

Spr 6,31: Wenn er ertappt wird, muss er es siebenfach ersetzen, aber das kostet ihn höchstens seinen ganzen Besitz.

Spr 6,31: Wer dagegen die Ehe bricht, hat den Verstand verloren und richtet sich selbst zugrunde.

Spr 6,33: Er handelt sich Schläge ein und erntet dazu noch Schimpf und Schande, die er nie wieder loswird.

Spr 6,34: Ein eifersüchtiger Ehemann schnaubt vor Wut, und in seiner Rachsucht kennt er kein Erbarmen.

Spr 6,35: Keine Entschädigung, die du ihm anbietest, kein noch so großes Geschenk wird ihn besänftigen.

Sprüche Kap. 7

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 7

Spr 7,1: Bewahre meine Worte.

Spr 7,1: Mein Sohn, beachte, was ich dir sage, halte unter allen Umständen daran fest.

Pflege die Andacht zum Wort Gottes. Ob du es in der Predigt hörst oder in vertraulicher Zwiesprache mit geistlichen Freunden, höre es immer mit Aufmerksamkeit und Ehrfurcht an. Lass es nicht zur Erde fallen, sondern zieh Nutzen daraus: nimm es in dein Herz auf wie einen kostbaren Balsam, gleich der allerseligsten Jungfrau, die, „in ihrem Herzen sorgfältig die Worte bewahrte“, die man zum Lob ihres Kindes sagte (Lk 2,19). Sei eingedenk, dass der Herr die Worte, die wir in unseren Gebeten an ihn richten, so aufnimmt, wie wir die Worte aufnehmen, die er an uns durch die Predigt richtet. Franz von Sales

Spr 7,2: Wenn du dich danach richtest, so wird dein Leben gelingen. Hüte meine Worte wie deinen Augapfel.

Worte wie den Augapfel hüten: Der Augapfel ist wesentlich zuständig für die Erleuchtung und Leitung eines Menschen. Ohne ihn sind wir blind und sehen nicht, wohin wir gehen. Deshalb sind wir gewohnt, auf ihn aufzupassen. Wer vorsichtig mit seinem Augenlicht umgeht, sollte dieselbe Sorgfalt und Achtsamkeit im Umgang mit Gottes Wort an den Tag legen. Nicht weniger als das Leben hängt davon ab! Jürgen Fischer

Spr 7,3: Denke jederzeit über sie nach und schreibe sie dir ins Herz!

Spr 7,3: Binde sie um deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens!

Die Gebote um den Finger binden: Natürlich kann man im wörtlichen Sinn keine Gebote um die Finger binden, aber gemeint ist damit (auch im Gegensatz zu der Tafel deines Herzens), dass die Finger als handelnde Akteure der Hand das Tun des Menschen bestimmen. Wie die Füße für die Schritte und im übertragenen Sinn für den Lebensweg stehen, so die Finger für das Verhalten eines Menschen. Die Aufforderung binde beschreibt die enge Verbindung zwischen den Gesetzen, die mein Leben prägen, und dem Handeln, das daraus resultiert. Man darf beides nicht voneinander trennen. Was man auf die Tafel eines Herzens schreibt, darüber denkt man viel nach (vgl. Jer 17,1.2). Zusammen genommen beschreiben die beiden Bilder, wie Gottes Gebote Denken und Tun durchdringen und einen geistlichen Charakter formen (wollen). Jürgen Fischer

Spr 7,4: Lass die Weisheit eine Schwester für dich sein, mach dir die Einsicht zur besten Freundin.

Wer die Weisheit Schwester, nennt bringt mindestens eine große persönliche Nähe zum Ausdruck, vielleicht aber auch eine Liebesbeziehung.

Spr 7,5: Das wird dich schützen vor der Frau eines anderen Mannes, vor der Verführerin, die dir mit schmeichelnden Worten den Kopf verdrehen will.

Spr 7,6: Einmal stand ich am Fenster und schaute durch das Gitter hinaus auf die Straße.

Spr 7,7: Dort sah ich eine Gruppe noch unerfahrener junger Männer vorbeikommen. Besonders einer von ihnen fiel mir durch sein kopfloses Verhalten auf.

Spr 7,8: Er lief die Straße hinunter, an deren Ecke eine bestimmte Frau wohnte, und näherte sich ihrem Haus.

Spr 7,9: Inzwischen war die Nacht hereingebrochen, und es war dunkel geworden.

Spr 7,10: Da kam sie ihm entgegen, herausgeputzt und zurechtgemacht wie eine Hure. Sie verfolgte keine guten Absichten – so viel stand fest!

Spr 7,11: Leidenschaftlich und hemmungslos, wie sie war, hielt sie es zu Hause nie lange aus.

Spr 7,12: Man sah sie jeden Tag draußen auf den Straßen und Plätzen, an jeder Straßenecke stand sie und schaute sich nach einem neuen Opfer um.

Spr 7,13: Jetzt ging sie auf den jungen Mann zu, umarmte und küsste ihn. Mit herausforderndem Blick sagte sie:

Spr 7,14: »Heute habe ich ein Gelübde eingelöst und Gott ein Friedensopfer dargebracht. Davon ist noch Fleisch übrig.

Spr 7,15: Also bin ich hinausgegangen, um dich zu suchen. Endlich habe ich dich gefunden!

Spr 7,16: Ich habe mein Bett mit schönen bunten Decken aus Ägypten gepolstert

Spr 7,17: und mit herrlichem Parfüm besprengt.

Spr 7,18: Komm doch mit! Wir wollen uns die ganze Nacht hindurch lieben und uns bis zum Morgen vergnügen!

Spr 7,19: Mein Mann ist nicht da, er macht gerade eine lange Reise.

Spr 7,20: Er hat viel Geld mitgenommen und kommt frühestens in zwei Wochen wieder zurück!

Spr 7,21: Ihre Einladung klang verlockend, und so überredete sie den jungen Mann.

Spr 7,22: Er folgte ihr ins Haus wie ein Ochse, der zum Schlachten geführt wird – nichts ahnend wie ein Hirsch, der in die Schlinge des Jägers gerät:

Spr 7,23: Plötzlich schnappt die Falle zu, und ein Pfeil durchbohrt ihm das Herz! Ohne dass er etwas von der tödlichen Gefahr merkte, hatte sie ihn gefangen wie einen Vogel im Netz.

An dieser Stelle ist es für den Einfältigen zu spät. Die Falle der Ehebrecherin schnappt zu. Wie ein Tier (Ochse, Hirsch, Vogel) lässt er sich abführen und stürzt sich in die Falle. Auf sehr bildhafte Weise führt uns der Vater vor Augen, dass der Lohn der Sünde tatsächlich der Tod ist (vgl. Römer 6,23). Mit der Formulierung auf einmal wird angedeutet, dass der junge Mann ohne langes Nachdenken reagiert. Er lässt sich von seinen Hormonen leiten, folgt seinen Instinkten und nicht seinem Verstand. Er weiß nicht, in welche Gefahr er sich begibt, und deshalb denkt er nicht an Flucht. Jürgen Fischer

Spr 7,24: Darum hört auf meine Warnung, ihr jungen Männer, und befolgt sie!

Spr 7,25: Lasst euch von solch einer Frau nicht verführen, sondern geht ihr aus dem Weg!

Spr 7,26: Denn sie hat schon viele Männer zu Fall gebracht, die Zahl ihrer Opfer ist groß.

Spr 7,27: Ihr Haus steht am Rand des Abgrunds; wer zu ihr geht, den reißt sie mit in den Tod.

Sprüche Kap. 8

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 8

Spr 8,1: Hört! Die Weisheit ruft, und die Einsicht lässt ihre Stimme erschallen!

Spr 8,2-3: Man sieht sie auf allen Straßen und Plätzen, an den Toren der Stadt – dort, wo jeder sie sehen kann – steht sie und ruft:

Die Weisheit will so gut sichtbar und hörbar sein wie nur möglich. Die Weisheit ist leidenschaftlich in ihrer Ansprache und verlässt bewusst den privaten Raum, um sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen.

Spr 8,4: »Hört her, ja, ich meine euch alle!

Spr 8,5: Werdet endlich wach!

Spr 8,5: Nehmt doch endlich Verstand an!

Werde wachsam für das, worauf es ankommt: das ist der Glaube und die Bindung an Christus. Wachsam zu sein, bedeutet, dass du dein ganzes Sein, dich selbst als einzigartige Person hingibst und hinwendest zu ihm, überall, in allen Angelegenheiten und Lebensumständen. Das ist nicht Mystik für ein paar wenig Abgehobene, sondern alltagsrelevant wie es mehr nicht sein kann, z.B. bei mir in der Arbeit mit meinen Schülern, einem Elterngespräch, der Beziehungspflege innerhalb der Familie und noch und noch und noch. In alledem ist es der Mühe wert, das ganze Leben Christus zu widmen, jeden Tag in der Freundschaft zu ihm zu wachsen und sich gerufen zu fühlen, die Schönheit und Güte seines Lebens allen Menschen zu verkünden. 

Spr 8,6: Hört auf mich, denn von mir bekommt ihr guten Rat. Auf meine Worte ist Verlass.

Wieder fordert die Weisheit heraus: Hört! Und sie begründet, warum es sich lohnt, zuzuhören: Der Inhalt dessen, was sie zu sagen hat, ist Vortreffliches.

Spr 8,7: Ich halte mich immer an die Wahrheit, denn gottloses Gerede ist mir zuwider.

Spr 8,8: Alles, was ich sage, ist ehrlich; Hinterlist oder Betrug sind mir fremd.

Spr 8,9: Meine Worte sind klar und deutlich für jeden, der sie verstehen will.

Spr 8,10: Darum nehmt meine Ermahnung an, achtet sie mehr als Silber oder Gold.

Spr 8,11: Weisheit ist wertvoller als die kostbarste Perle, sie übertrifft alles, was ihr euch erträumt.

Wertvoller als Korallen oder alle persönlichen Träume ist der Besitz von Weisheit. Nichts kann einem Menschen so viel Zufriedenheit geben wie ein Leben, das von Weisheit geprägt ist.

Spr 8,12: Ich bin die Weisheit, und zu mir gehört die Klugheit. Ich handle überlegt und besonnen.

Es gibt keine Klugheit ohne Weisheit. Die schlaue Erkenntnis ist eine Mischung aus Einsicht und mentaler Beweglichkeit, die ihren Besitzer dazu befähigt, in unterschiedlichen Lebenslagen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Weisheit ist die Grundlage für schlaue Erkenntnis, weil sie ihr einen Denkrahmen vorgibt. Nur weil unser Denken ein brauchbares Fundament und klare ethische Grenzen besitzt, gelangen wir zu brauchbaren Denkergebnissen. Jürgen Fischer

Spr 8,13: Wer Ehrfurcht vor dem Herrn hat, der hasst das Böse. Ich verachte Stolz und Hochmut, ein Leben voller Bosheit und Lüge ist mir ein Gräuel!

Immer neu verinnerlichen wir: Ich bin nicht selbst Herr meines Lebens. Der Herr meines Lebens ist Gott. Er ist der Schöpfer. Und als solchen nehme ich ihn ernst. Ich anerkenne ihn als den, der mich auf einen guten Weg bringen will. Ich erkenne ihn als den an, der meinem Leben Richtung und Ziel weist. Vor Gott muss ich keine Angst haben. Aber Ehrfurcht vor ihm zu haben ist wichtig. Das beinhaltet, sich von allem Bösen fern zu halten und sein ganzes Leben unter den Gehorsam von Jesus Christus zu bringen. Gerade weil Jesus barmherzig und gnädig ist, möchte er uns völlig rein machen von aller Sünde. Welch ein Trost!

Die Menschen klagen darüber, dass die Zeiten böse sind. Hört auf mit dem Klagen. Bessert euch selber. Denn nicht die Zeiten sind böse, sondern unser Tun. Augustinus

Spr 8,14: Ich stehe euch mit Rat und Tat zur Seite, ich verleihe Klugheit und Macht.

Spr 8,15: Mit meiner Hilfe regieren Könige und erlassen Staatsmänner gerechte Gesetze.

Spr 8,16: Alle Machthaber der Welt, alle, die für das Recht sorgen, können nur durch mich regieren.

Spr 8,17: Ich liebe, die mich lieben und die mich suchen, finden mich.

Was für eine Verheißung! Wie Gott von denen gefunden werden will, die ihn suchen (Jer 29,13; Dtn 4,29), so auch die Weisheit. Sie will zum Suchenden eine Liebesbeziehung eingehen, wenn dessen Eifer von Zuneigung getragen wird. Weisheit ist keine Schönheit, die sich „leicht rumkriegen“ lässt. Sie erwartet Einsatz und Engagement, bevor sie sich auf eine Beziehung einlässt. Jürgen Fischer

Gott lässt sich finden: Wie groß ist die Not, wenn wir einen lieben Menschen verloren haben. Können wir uns den Schmerz Gottes vorstellen, den er hat, wenn er einen von uns verliert. Gott wartet auf meine bewusste Hinwendung zu ihm. Er stülpt mir sein Heil und seine Liebe nicht einfach über. Er wartet auf die Sehnsucht in meinem Herzen. Hermann von Bezzel drückt dies so aus: Herr, gib allen, die dich suchen, dass sie dich finden, und allen, die dich gefunden haben, dass sie dich aufs Neue suchen, bis all unser Suchen und Finden erfüllt ist in deiner Gegenwart.

Wer glaubt, ohne Suchen Gott finden zu können, der glaubt zuviel. Angelus Silesius

Spr 8,18: Ansehen und Reichtum biete ich an, bleibenden Besitz und Erfolg.

Spr 8,19: Was ihr von mir bekommt, ist wertvoller als das feinste Gold, besser als das reinste Silber.

Spr 8,20: Wo Menschen gerecht miteinander umgehen und nach Gottes Willen fragen, da bin ich zu Hause.

Gerecht miteinander umgehen: Gerechtigkeit ist das Gespür für das, was recht und unrecht ist. Dieser Sinn reagiert wenn wir sehen, dass Unrecht geschieht, löst evtl. Schmerz und Zorn aus. Dem Herrn sei Dank für dieses Gespür für Gerechtigkeit! Gerechtigkeit als Tugend bedeutet, dass ich Verantwortung dafür trage, dass Recht geschieht und Unrecht benannt wird. Das ist der Wille Gottes. Daher: „Bemühe dich um Gerechtigkeit.“ (1. Tim 6,11), denn „keine wahre Liebe ohne Gerechtigkeit und keine wahre Gerechtigkeit ohne Liebe.“  (Adolf Kolping) Sicher kannst du nicht die Welt retten im Großen, aber in deinem Alltag im Kleinen kannst du darauf achten, gerecht zu handeln und Ungerechtigkeit anzusprechen.

Spr 8,21: alle, die mich lieben, beschenke ich mit Reichtum; ja, es fehlt ihnen an nichts!

Spr 8,22: Der Herr schuf mich vor langer Zeit, ich war sein erstes Werk, noch vor allen anderen.

Spr 8,23: In grauer Vorzeit hat er mich gebildet; und so war ich schon da, als es die Erde noch gar nicht gab.

Spr 8,24: Lange bevor das Meer entstand, wurde ich geboren. Zu dieser Zeit gab es noch keine Quellen,

Spr 8,25: und es standen weder Berge noch Hügel.

Spr 8,26: Ich war schon da, bevor Gott die Erde mit ihren Wiesen und Feldern erschuf, ja, noch vor dem ersten Staubkorn.

Spr 8,27: Ich war dabei, als Gott den Himmel formte, als er den Horizont aufspannte über dem Ozean,

Spr 8,28: als die Wolken entstanden und die Quellen aus der Tiefe hervorsprudelten,

Spr 8,29: als er das Meer in die Schranken wies, die das Wasser nicht überschreiten durfte, als er das Fundament der Erde legte

Spr 8,30: da war ich ständig an seiner Seite. Tag für Tag erfreute ich mich an Gott und seinen Werken,

Spr 8,31: ich tanzte vor Freude auf seiner Erde und war glücklich über die Menschen.

Spr 8,32: Darum hört auf mich, ihr jungen Männer! Richtet euch nach mir, und ihr werdet glücklich.

Spr 8,33: Nehmt Belehrung an und weist sie nicht zurück, dann werdet ihr klug!

Spr 8,34: Glücklich ist, wer auf mich hört und jeden Tag erwartungsvoll vor meiner Tür steht!

Spr 8,35: Wer mich findet, der findet das Leben, und an einem solchen Menschen hat der Herr Gefallen.

Spr 8,36: Wer mich aber verachtet, der zerstört sein Leben; wer mich hasst, der liebt den Tod.

Sprüche Kap. 9

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 9

Spr 9,1: Frau Weisheit hat ein Haus gebaut und es mit sieben Säulen ausgestattet.

Spr 9,2: Sie hat ein Festessen vorbereitet, Wein mit feinen Gewürzen gemischt und den Tisch gedeckt.

Spr 9,3: Ihren Dienstmädchen befahl sie: »Geht auf den Marktplatz der Stadt und ruft:

Mägde bzw. Dienstmädchen: Die Mägde stehen sinnbildlich für die Weisen, Propheten und Lehrer, die Suchende einladen, am Festmahl von Frau Weisheit teilzunehmen. Göttliche Weisheit will gehört werden und gibt sich richtig Mühe. Das Buch der Sprüche ist ein Ausdruck dieses göttlichen Bemühens um Aufmerksamkeit. Jürgen Fischer

Spr 9,4: Ihr Unerfahrenen – kommt zu mir! Wem es an Vernunft fehlt,

Spr 9,5: den lade ich ein. Kommt, esst euch satt und trinkt meinen guten Wein!

Spr 9,5: Kommt her, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe!

Brot und Wein: Wir empfangen Christus im gewandelten Brot und im gewandelten Wein. Gott ist wirklich Speise für uns geworden. Aus dem Gegenüber zu Gott wird Vereinigung durch die Gemeinschaft mit Jesu Leib und Blut. Diese Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind. Der Empfang von Jesus Leib und Blut zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen. Wir werden ein Leib, eine ineinander verschmolzene Existenz. Gottesliebe und Nächstenliebe sind nun wirklich vereint.

Spr 9,6: Bleibt nicht länger unverständig, sondern werdet reif und besonnen! Dann wird euer Leben gelingen.

Spr 9,7: Wer einen Spötter ermahnt, erntet nichts als Verachtung, und wer einen gottlosen Menschen tadelt, kommt nicht heil davon.

Spr 9,8: Darum weise nie einen Spötter zurecht, sonst hasst er dich. Ermahne lieber einen verständigen Menschen, denn er wird dich dafür lieben.

Jürgen Fischer: Was bei dem Spötter keinen Sinn ergibt, ist im Hinblick auf den Weisen von größtem Wert. Dieser besitzt schon Weisheit, will aber mehr davon (vgl. Spr 4,18), d.h. der Weise ist nicht der Perfekte, der schon alles weiß und alles richtig macht! Die Sprüche richten sich explizit an diese Personengruppe (Spr 1,5). Ihr Leben ist von Gottesfurcht geprägt und sie werden den lieben, der sie unterweist, weil sie um den unschätzbaren Wert von gesunder Lehre (1. Tim 6,3) wissen. Was den Spötter abstößt, das zieht den Weisen an: Korrektur. Damit wird der Umgang mit gut gemeinten und weisen Ratschlägen zum Indiz dafür, ob ein Mensch ein Spötter oder ein Weiser ist.

Spr 9,9: Unterweise den Klugen, und er wird noch klüger. Belehre den, der Gott gehorcht, und er wird immer mehr dazulernen.

Spr 9,10: Alle Weisheit beginnt damit, dass man Ehrfurcht vor dem Herrn hat. Den heiligen Gott kennen, das ist Einsicht.

Ehrfurcht vor dem Herrn: Ohne Gottesfurcht ist es unmöglich, weise zu werden, weil nur der am Tisch von Frau Weisheit Platz nehmen darf, der sich zuvor der höchsten Autorität unterstellt hat. Ohne den Glauben an einen allerheiligsten Gott, den ganz Anderen, der sich außerhalb der Sphäre unseres eigenen Verstehens und klugen Durchschauens befindet und von dem wahre Weisheit in unsere Welt hineinkommt, bleibt uns die Quelle wirklicher Weisheit verschlossen. Wirkliche Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens und der Welt ist untrennbar mit der Erkenntnis des Schöpfers verbunden. Jürgen Fischer

Weisheit will mehr sein als bloße Lebenshilfe. Sie will mich tiefer in die Beziehung zu Gott hineinführen, indem sie mich mit seiner überweltlichen Reinheit konfrontiert und mir erlaubt, das Gefallene der Schöpfung im Licht seiner Heiligkeit zu bewerten. Und indem ich einen unverfälschten Gott-Blick auf diese Welt tue, werde ich gleichzeitig weise im Umgang mit den Anforderungen des Lebens und erstaune über den Gott, der mich so sehr liebt, dass er mich diesen Blick tun lässt. Jede Weisheit und Einsicht, die nicht mit Gottesfurcht beginnt und auf Gotteserkenntnis hinausläuft, ist nicht mehr als Bauernschläue oder Gescheitheit. Sie ermöglicht ihrem Besitzer im besten Fall ein „gutes Leben“, aber sie reicht nicht aus für das „ewige Leben“, zu dem Gott uns berufen hat. Jürgen Fischer

Spr 9,11: Ich, die Weisheit, schenke dir ein langes Leben.

Spr 9,12: Du tust dir selbst etwas Gutes, wenn du weise bist; aber wenn du über alles mit Spott hinweggehst, schadest du dir selbst.

Spr 9,13: Frau Torheit gleicht einer schamlosen Hure, sie ist eine vorlaute Schwätzerin, die sich auf nichts versteht.

Spr 9,14: Sie sitzt vor ihrer Haustür, hoch oben am Marktplatz der Stadt,

Spr 9,15: und ruft allen zu, die vorbeigehen und an nichts Böses denken:

Spr 9,16: »Wer unerfahren ist, den lade ich ein!« Sie beschwatzt die Unvernünftigen:

Spr 9,17: Das Wasser anderer Leute ist ein Genuss, und nichts schmeckt besser als gestohlenes Brot!

Reiz des Bösen: Das Bankett von Frau Torheit fällt mager aus im Vergleich zu dem Brot, Wein und Geschlachteten, das Frau Weisheit vorbereitet hat (Spr 9,2.5). Eigentlich hat sie kaum etwas anzubieten, aber sie verdeckt die Geringwertigkeit, indem sie die Anziehungskraft des Verbotenen und Geheimen ausnutzt. Sünde gewinnt ihren „Kick“ sehr oft aus der Heimlichkeit, in der sie geschieht, zusammen mit dem Gefühl der Anrüchigkeit, die sie umgibt. Wirklich befriedigend oder das Beste für mein Leben ist die böse Tat nie! Jede Sünde verspricht viel mehr Genuss und Befriedigung als sie geben kann. Jürgen Fischer

Spr 9,18: Wer auf sie hereinfällt, weiß nicht, dass es seinen sicheren Tod bedeutet. Alle, die zu ihr gegangen sind, ruhen schon im Totenreich.

Sprüche Kap. 10

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 10

Spr 10,1: Die folgenden Sprichwörter stammen von König Salomo: Ein kluger Sohn macht seinen Eltern Freude, ein uneinsichtiger aber bereitet ihnen Kummer.

Spr 10,2: Unrecht erworbener Besitz ist zu nichts nütze, aber Ehrlichkeit rettet vor dem Verderben.

Spr 10,3: Der Herr lässt niemanden Hunger leiden, der zu ihm gehört. Doch wer von ihm nichts wissen will, dessen Gier stillt er nicht.

Satt werden durch Gott: Die Seele des Gerechten ist Gott wichtig. Er lässt sie nicht hungern, d.h. er gibt ihr, wonach sie im Innersten verlangt, und das ist die Gewissheit, dass der Tod überwunden ist und nicht das letzte Wort hat. Die Gesetzlosen werden von Gier getrieben. Sie folgen den Lüsten und Wünschen ihres bösen Herzens und landen bei Lüge, Bosheit, Betrug, Unmoral, Unterdrückung, Perversion usw. Solche Menschen mögen auf der Erde Erfolg haben, aber sie gehen ewigem Mangel entgegen. Jürgen Fischer

Spr 10,4: Wer nachlässig arbeitet, wird arm; fleißige Hände aber bringen Reichtum.

Spr 10,5: Klug ist, wer im Sommer einen Vorrat anlegt. Wer dagegen die Erntezeit verschläft, bringt sich zu Recht in Verruf.

Spr 10,6: Ein Mensch, der Gott gehorcht, empfängt seinen Segen. Doch wer gottlos daherredet, erntet für seine Worte nichts als Gewalt.

Spr 10,7: An einen aufrichtigen Menschen erinnert man sich auch nach seinem Tod noch gerne; Gottlose dagegen sind schnell vergessen.

Spr 10,8: Ein verständiger Mensch lässt sich belehren, aber ein törichter Schwätzer richtet sich selbst zugrunde.

Sich belehren lassen: Das weise Herz weiß um die eigene Begrenztheit und nimmt Gebote an. Der Erwerb von Weisheit setzt die demütige Einsicht voraus, dass ein anderer mehr weiß als ich und mir besseren Rat geben kann, als es die Ideen sind, die aus mir selbst hervorsprudeln. Besserwisserei, Hochmut oder das falsche Verliebtsein in die eigenen Gedanken sind Gegner echter Erkenntnis und Einsicht. Jürgen Fischer

Spr 10,9: Wer ehrlich ist, lebt sicher und gelassen, wer aber krumme Wege geht, wird irgendwann ertappt.

Pflege dein Herz: Ehrlich zu leben, bedeutet vor allem im Einklang seiner Seele mit Gott zu leben. Dazu ist vor allem die Pflege des eigenen Herzens notwendig. Hier gilt es Stolperfallen wahrzunehmen: Oft beschuldigen wir uns schnell, was uns kleinmütig macht. Oft entschuldigen wir unser Verhalten schnell, was uns stolz macht. Hier gilt es unser Herz an der wahren Quelle wohnen zu lassen: im Herrn lasse dein Herz im Kummer trösten, in Anstrengungen stärken, in Unlust ermuntern, in Ängsten ermutigen u.a. Bedenke, dass dein Herz der Bräutigam Christus erwählt hat, um darin einzukehren. Fürchten wir also nichts, sofern wir fest entschlossen sind, Gott in unserem Herzen herrschen zu lassen. Warum sollten wir uns Sorgen machen? So und nur so werden wir ehrlich leben und darin sicher und gelassen.

Spr 10,10: Ein Betrüger bereitet Ärger und Leid, und ein Schwätzer rennt in sein eigenes Unglück.

Spr 10,11: Wer Gott dient, dessen Worte sind eine Quelle des Lebens. Doch hinter den Worten eines gottlosen Menschen lauert die Gewalt.

Mit Worten dem andern dienen: Wasser ist in der Wüste wertvoll und überlebens notwendig. Wo es hervorquillt versammeln sich die Menschen und ihr Durst wird gestillt. Dasselbe kann man in einem übertragenen Sinn vom Gerechten sagen. Öffnet er seinen Mund, strömen Worte hervor, die den Durst nach Leben stillen. Das richtige Wort zur richtigen Zeit gehört zum Wertvollsten, das man erhalten kann. Es fördert Leben in all seinen Dimensionen – intellektuell, emotional und spirituell. Jürgen Fischer

Spr 10,12: Hass führt zu Streit, aber Liebe sieht über Fehler hinweg.

Liebe ist sanftmütig: Wenn es um das Korrigieren unserer Mitmenschen geht, sind wir immer sehr schnell und sehr genau. Viel Zank und Streit gäbe es nicht, wenn wir die Tugend der Sanftmut folgen würden und nicht jedes Fehlverhalten zu genau benennen und über vieles einfach hinweg sehen würden. Und selbst wenn wir ein Fehlverhalten benennen müssen, so soll unsere Zurechtweisung immer mit dem Herzen und mit milden Worten geschehen. Achte beim Tadeln von Fehlern darauf, dass du den schwachen Menschen entschuldigst und seinen Fehler verkleinerst.

Über Fehler hinweg sehen: Es ist klug, den Mantel des Schweigens und Vergessens über Sünden zu breiten, um nicht unnötig Trennung zu verursachen (vgl. Spr 17,9). Wahre Liebe erträgt (1. Kor 13,5-7) Fehler, dient dem Feind (Spr 25,21.22) und handelt geduldig (Spr 19,11), weil sie um die eigene Fehlerhaftigkeit weiß. Sie hält dem anderen nicht jeden alltäglichen, kleinen Fehler vor. Wer den Streit sucht, ist nicht liebevoll und nicht weise (Spr 20,3). Wenn unsere zwischenmenschlichen Beziehungen von Zank und Streit geprägt sind, ist es gut, dass wir uns fragen, mit welcher Grundeinstellung wir anderen Menschen begegnen. Vielleicht liegt das Problem nicht immer nur bei den Anderen, sondern auch in uns, weil wir ihren Sünden nicht mit Liebe begegnen wollen. Jürgen Fischer

Spr 10,13: Ein vernünftiger Mensch findet das richtige Wort; ein unvernünftiger hat Schläge verdient.

Spr 10,14: Wer klug ist, überlegt sich, was er sagt; aber ein Narr spricht vorschnell und richtet Schaden an.

Achte auf deine Worte: Während im Mund des Narren eine Zeitbombe tickt, die jederzeit hochgehen kann, bewahren die Weisen Erkenntnis. Man kann nur in steter Furcht vor der zerstörerischen Kraft leben, die der Mund eines Narren durch Lüge, Unwissenheit, Provokation oder Betrug zu entfesseln versteht. Es fehlt ihm an Klugheit und so ist er eine dauerhafte Gefahr für sich und die Gesellschaft. Während der Narr dummes Zeug von sich gibt, sorgen die Weisen dafür, dass sie einmal gelernte Einsichten nicht vergessen, um sie zum Wohl anderer einzusetzen (vgl. Spr 12,18). Jürgen Fischer

Spr 10,15: Dem Reichen gibt sein Besitz Sicherheit; wer aber nichts hat, dem bringt seine Armut den Untergang.

Spr 10,16: Wer Gott gehorcht, wird mit dem Leben belohnt; der Gottlose dagegen verstrickt sich in Schuld.

Spr 10,17: Wenn du Ermahnungen annimmst, bist du auf dem richtigen Weg; wenn du dich gegen sie sträubst, läufst du in die Irre.

Spr 10,18: Wer seinen Hass versteckt, ist ein Heuchler, und wer andere hinter ihrem Rücken verleumdet, ist hinterhältig und dumm.

Spr 10,19: Wo viele Worte sind, da geht es ohne Sünde nicht ab. Wer aber seine Lippen im Zaum hält, der ist klug.

Bewusstes Sprechen: Wie viel wird geredet! Wichtiges und Unwichtiges, Oberflächliches und Tiefgründiges! Und häufig übereinander statt miteinander! Wie schnell ist ein falsches Wort gesagt! Es geht nun nicht darum, nonstop zu schweigen, sondern vielmehr darum, bewusst und achtsam, mit Kopf und mit Herz unsere Worte zu wählen. Es geht um ein gesegnetes Reden, ein gutes Wort richtigen Zeit , eine Ermutigung, ein spontanes Lob, ein ehrliches Nachfragen, ein echtes Anteilnehmen u.v.m. Das wiederum setzt aufmerksames, achtsames Hören voraus, auf das jeweilige Gegenüber und auf Gott.

Besser schweigen: Der Weise zügelt seine Lippen und achtet auf die Worte, die er von sich gibt, weil er weiß, dass vielen Worten eine Gefahr anhängt. Es ist die Gefahr, mehr zu sagen, als man eigentlich sagen wollte. Der Schwätzer, der Verleumder, wer Antwort gibt, ohne das Problem zu kennen, oder der Mann, der hastig redet, sie alle kommen in den Sprüchen schlecht weg, weil sie zu viel reden und mit ihren Worten verletzen (Spr 12,18; 16,28; 18,13; 29,20!). Es ist einsichtsvoll, d.h. klug und umsichtig, wenn man den Mund hält und nur dann redet, wenn es sich lohnt und man wirklich etwas zu sagen hat. Jürgen Fischer

Spr 10,20: Wer Gott gehorcht, spricht Worte so wertvoll wie reines Silber; die Gedanken des Gottlosen dagegen sind ohne Wert.

Spr 10,21: Ein rechtschaffener Mensch baut viele auf durch das, was er sagt; ein Narr aber zerstört sich selbst durch seine Dummheit.

Der Weise als Hirte: Ein Weiser kann für viele zum Hirten werden und ihr Leben in die richtigen Bahnen lenken. Ein Hirte sorgt sich, zeigt den Weg, trägt die Schwachen, beschützt vor Gefahren und heilt die Wunden. All das kann ein gutes Wort aus dem Mund eines Gerechten. Während zu viele Worte zur Sünde tendieren (Spr 10,19), können ein paar ausgewählte Worte zur rechten Zeit lebensspendend sein. Jürgen Fischer

Spr 10,22: Reich wird nur, wem der Herr Gelingen schenkt; eigene Mühe hilft dabei nicht weiter!

Spr 10,23: Der unverbesserliche Dummkopf freut sich an bösen Taten; ein Verständiger aber hat Freude an der Weisheit.

Spr 10,24: Wer von Gott nichts wissen will, dem stößt das zu, was er am meisten fürchtet; wer jedoch zu Gott gehört, bekommt, was er sich wünscht.

Spr 10,25: Wenn ein Sturm aufzieht, wird der Gottlose mit fortgerissen; aber wer Gottes Willen tut, der steht auf festem Fundament.

Spr 10,26: Lass niemals einen Faulpelz für dich arbeiten, denn er wird dir schaden wie Essig deinen Zähnen und Rauch deinen Augen!

Spr 10,27: Wer Ehrfurcht vor dem Herrn hat, wird lange leben. Wer sich von ihm lossagt, verkürzt seine Zeit.

Spr 10,28: Wer Gott gehorcht, auf den wartet Freude; wer von ihm nichts wissen will, dessen Hoffnungen zerrinnen.

Spr 10,29: Der Herr beschützt alle, die auf dem rechten Weg bleiben; aber er stürzt den ins Verderben, der Unrecht tut.

Spr 10,30: Wer Gott gehorcht, lebt ruhig und sicher; wer ihn missachtet, wird nicht lange in dem Land wohnen.

Spr 10,31: Wer zu Gott gehört, sagt in jeder Lage das passende Wort; ein Mensch aber, der die Wahrheit verdreht, wird zum Schweigen gebracht.

Spr 10,32: Wer Gott gehorcht, dessen Worte sind wohltuend und hilfreich; aber was der Gottlose von sich gibt, ist trügerisch und falsch.


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch der Sprüche (Spr) Kapitel 5 bis 10.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste