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Sprüche (Spr) Kapitel 15 bis 19: Auslegung und Kommentar

Auslegung und Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch der Sprüche (Spr) Kapitel 15 bis 19

Sprüche Kap. 15

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 15

Spr 15,1: Eine milde Antwort stillt den Zorn.

Mildes Reden: Das Leben mutet uns derweilen einiges zu. Häufig hat das auch mit dem Verhalten anderer Menschen gegen uns zu tun. Verbitterung und Groll können die Folge sein. In unserer Verantwortung und unserem Glauben aber liegt es, ob wir darin auch Lern-Lektionen für uns entdecken können, z.B. indem wir darin unsere Unvollkommenheiten und Schwächen erkennen und annehmen lernen (z.B. dass ich mal wieder gereizt bin aufgrund des Verhaltens einer Person). Erkenne und nehme ich diese meine Schwächen an und darin auch mein Menschsein, stehen die Chancen gut, dass ich auch die Schwächen des anderen erkenne und annehme. Wer hart über andere urteilt, der hat seine Fehler und Schwächen nicht wirklich überwunden.

Spr 15,1: Ein verletzendes Wort aber reizt zum Zorn.

Spr 15,13: Einen fröhlichen Menschen erkennt man an seinem strahlenden Gesicht, aber einem verbitterten fehlt jede Lebensfreude.

Die Kraft des Lächelns: Jeder kann lächeln. Auch du! Es ist eines der schönsten Geschenke, das Gott dir gemacht hat. Ein Lächeln sorgt dafür, dass es Menschen gut geht. Ich hätte nie gedacht, dass Lächeln so eine ernste Sache ist, aber Gott hat mir gezeigt, welche verändernde Kraft ein einfaches Lächeln hat. Freude durch ein ruhiges, vergnügtes Lächeln auszudrücken bringt Gutes in dein Leben und wir teilen so die Freude und das Licht des Herrn mit anderen. Also: Bitte lächeln!

Fang jeden Tag mit einem fröhlichen Gesicht an! Es besteht eine Wechselwirkung zwischen deinem Gesicht und deinem Herzen. Alles verändert sich, wenn sich dein Gesicht verändert. Du wirst nicht so müde bei der Arbeit, wenn du mit einem entspannten, fröhlichen Gesicht loslegst. Die guten und schönen Seiten des Lebens kannst du viel mehr genießen. Für die Menschen um dich geht eine Sonne auf. Und selbst wenn etwas danebengeht, hast du mehr Widerstandskräfte. Ein offenes, lachendes Gesicht ist ein Segen für alle deine Mitmenschen. Darum: Fang mit einem Lächeln an. Phil Bosmans

Spr 15,18: Ein zorniger Mann erregt Streit, aber ein Langmütiger stillt den Zank.

Spr 15,23: Es freut einen Mann, wenn sein Mund eine richtige Antwort geben kann, und wie gut ist ein Wort, das zur rechten Zeit gesprochen wird!

Ein Wort zur rechten Zeit: Eine passende Antwort oder ein rechtzeitiges Wort zu geben, erfordert eine Hörhaltung. Wo kann ich lernen, echtes Interesse zu zeigen und dann mit meinen Worten aufzubauen? Wichtig ist dabei, dass wir in der Liebe und Aufrichtigkeit wohnen. Darum heißt es kurz darauf:

Spr 15,26: Böse Pläne sind dem Herrn verhasst, aber aufrichtige Worte erfreuen ihn.

Spr 15,33: Wer Ehrfurcht vor dem Herrn hat, erlangt Weisheit. Bevor man zu Ehren kommt, muss man Bescheidenheit lernen.

Ehrfurcht vor dem Herrn: Furcht Gottes heißt Gott ernst nehmen. Das ist mehr als Respekt vor einem höheren Wesen. Furcht ist nicht zu verwechseln mit Angst. Wer sich in seiner Geschöpflichkeit erlebt, erfährt Grenzen für sein Wollen und Tun, weiß um die Vergänglichkeit seines Lebens und Handelns. Er anerkennt die Größe und Allmacht des Schöpfers und spürt das tiefe Erschauern vor der heiligen Gegenwart  Gottes. Die ehrfürchtige Schau vor Gottes Heiligkeit und die kindlich vertrauende Liebe zum Vater im Himmel verbinden sich zu einer geistlichen, uns beglückenden Erfahrung. Gottes Geist treibt die Angst aus. Wer Gott fürchtet, braucht sich vor nichts und niemand zu erschrecken.

Sprüche Kap. 16

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 16

Spr 16,3: Vertraue dem Herrn deine Pläne an.

Es kommt wie es kommt: Wir machen uns viele Gedanken, planen, versuchen zu lenken. Das ist zu einem gewissen Grad gut, wir sollen ja nicht planlos leben. Trotzdem merken wir doch häufig, dass wir vieles im Endeffekt nicht in der Hand haben und es auf einmal ganz anders kommt, wie wir gedacht haben. Nachfolge geht nicht ohne Loslassen: Ballast muss abgeworfen werden. Nur so können wir durch die Tür Jesus. Zu viel Gepäck und wir passen nicht durch. Das Gepäck ablegen können wir, wenn wir uns überlassen:

Überlasse alles vertrauensvoll der göttlichen Vorsehung und bleibe in seinem göttlichen Frieden. Franz von Sales

Spr 16,9: Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus, aber der Herr lenkt seine Schritte.

Der Mensch denkt – Gott lenkt: Unser Leben ist keine einfache gerade Linie, die unser Wille zieht, sondern das Leben ist etwas, das aus zwei verschiedenen Kräften besteht: des Menschen Gedanken und Gottes Wege. In Wahrheit gibt es des Menschen Weg allerdings nicht, er ist nur ein Weg in der Illusion. Da ist nur ein wirklicher Weg, den wir unvermeidlich zu gehen haben und das ist Gottes Weg. Der Mensch möchte oft das Ganze seines Lebens auf einmal voraussehen, aber Gottes Weg geht nur Schritt für Schritt. Gott möchte, daß der Mensch Schritt für Schritt geht, nicht von seinen eigenen Ideen über das Leben geleitet, sondern von Gottes Wort, welches bei jedem Schritt zu ihm kommt, wann immer er danach fragt. Es gibt kein Wort von Gott für das Ganze unseres Lebens. Gottes Wort ist neu und frei und es kann nur auf den Augenblick bezogen werden, in welchem wir es hören. Bonhoeffer

Spr 16,18: Hochmut kommt vor dem Fall.

Hochmut und Demut: Strengen dich nicht an, den Hochmut zu zerstören, versuche vielmehr, die Demut durch positive Übung zu sichern. Bedenke: Das Wort ist Fleisch geworden. Und so rührt es uns an, rühren wir es an. Der Demut der Menschwerdung Gottes muß die Demut unseres Glaubens antworten, der den geistigen Hochmut des Besserwissens ablegt und sich in die Gemeinschaft des Leibes Christi hineinbeugt, auf sein Wort achtet und ihm vertraut.

Spr 16,20: Wer auf das Wort achtet, wird Gutes erlangen, und wohl dem, der auf den Herrn vertraut!

Spr 16,28: Ein hinterlistiger Mensch sät Zank und Streit und ein Lästermaul bringt Freunde auseinander.

Gegen Klatsch und Tratsch: Menschen, die dir Klatsch erzählen, klatschen auch über dich! Sei dir dessen bewusst! Wenn du in ein solches Klatschgespräch verwickelt wirst, ziehe dich entweder sofort irgendwie raus oder konfrontiere den anderen mit einer positiven Sicht, indem du z.B. für Verständnis wirbst für denjenigen, über den der andere da „tratschen“ will. Andererseits ertappe ich mich manchmal auch, dass in mir eine Lust aufsteigt, mich an dem Tratsch zu beteiligen, durch das negative Tratschen über andere steigt in mir mein Selbstwertgefühl, wie toll ich doch bin und es schafft Beziehung mit demjenigen, mit dem ich tratsche. Glücklicherweise merke ich diese Lust mittlerweile recht schnell und kann meist auch früh genüg innerlich Stop sagen. Oft entstehen durch Tratsch und Klatsch Probleme an Stellen, an denen keine existieren – das erlebe ich so häufig! Darum: versuchen wir uns jeglichem Tratsch und Klatsch so weit wie möglich zu entziehen – unsere geschenkten Lebensjahre sind dafür einfach zu kostbar!

Spr 16,24: Freundliche Worte sind wie Honigseim , süß für die Seele und heilsam für das Gebein.

Sprüche Kap. 17

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 17

Spr 17,3: Der Herr aber prüft die Herzen.

Prüfung der Herzen: Es ist der Vater, der uns das Leben gegeben hat und uns so sehr liebt. Wenn wir Gott nicht mehr auf Abstand halten und in seiner Gegenwart leben, werden wir zulassen können, dass er unsere Herzen prüft, um zu erkennen, ob sie auf dem rechten Weg sind. So werden wir den liebenden und vollkommenen Willen Gottes erkennen und zulassen, dass er uns wie ein Töpfer formt. Wir haben oft gesagt, dass Gott in uns wohnt, aber es ist besser zu sagen, dass wir in ihm wohnen, dass er uns erlaubt, in seinem Licht und seiner Liebe zu leben. Franziskus

Nur mit Gottes Hilfe können wir unser Herz erkennen und wissen, wie es wirklich um uns steht. Es gibt nur einen Prüfer der Herzen und das ist der Herr.

Spr 17,9: Wer Liebe sucht, deckt die Verfehlung zu, wer aber eine Sache weitererzählt, trennt vertraute Freunde.

Verfehlung zudecken: Wer Liebe sucht, hängt es nicht an die große Glocke, wenn sich der Nächste verfehlt. Er macht nicht in schadenfroher Weise viel Aufhebens davon. Stattdessen sucht er durch beschwichtigendes zurechtbringendes, versöhnendes Eingreifen das Übel zu mildern, statt es ärger zu machen. Dem steht der andere gegenüber, der immer wieder Vergehungen und Schwachheiten ausgräbt, statt sie zu bedecken, sie immer wieder hervorholt, statt sie zu verschweigen, der das Feuer anheizt, statt es auszutreten. Dies kann sich erweisen im Umgang mit der Sünde der Mitmenschen, aber auch im Umgang mit der eigenen Lebensschuld, die man beständig neu hervorholt, obgleich sie längst vergeben ist.

Spr 17,14: Einen Streit anfangen ist, als ob man Wasser entfesselt. Darum lass ab vom Zank, ehe er heftig wird!

Spr 17,17: Auf einen Freund kannst du dich immer verlassen. wenn es dir schlecht geht, ist er für dich wie ein Bruder.

Freundschaft: Bei der Freundschaft kommt es nicht auf die Anzahl der. Und sei es nur ein Freund. Diese eine Freundschaft aber gehört dann zu jenen Dingen, die das Leben lebenswert macht. Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden. Das nun ist die Bedeutung von Freundschaft: mit Brüdern und Schwestern durchs Leben zu gehen, einander zu ermutigen, herauszufordern und einander beizustehen.

Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben. Wilhelm von Humboldt

Spr 17,22: Ein fröhliches Herz macht den Körper gesund, aber ein trauriges Gemüt macht kraftlos und krank.

Psychosomatik: Wer positiv, dankbar, gelassen und zuversichtlich ist, unterstützt auch seine körperliche Gesundheit. Gott ruft zum Leben, er ruft zur Freude, zur Fröhlichkeit des Herzens. So einfach ist das und so schwierig zugleich. Denn da treffen uns Schicksalsschläge, da treibt uns die Hetze des Alltages, da rauben uns zwischenmenschliche Konflikte die Kraft. Ein fröhliches Herz bedeutet hier mehr als nur gut drauf zu sein. Ein fröhliches Herz ist hier ein Herz, das sich an Gott und den Dingen des Herrn erfreut. Ein fröhliches Herz bekommt jemand, wenn er trotz aller widriger Umstände in Gott wohnt und ruht.

Das wichtigste Stück des Reisegepäcks ist und bleibt ein fröhliches Herz. Hermann Löns 

Ein fröhliches Herz entsteht normalerweise nur aus einem Herzen, das vor Liebe brennt. Mutter Teresa

Spr 17,27: Ein weiser Mensch ist sparsam mit seinen Worten, denn wer sich selbst beherrschen kann, ist vernünftig.

Achtsamkeit der Sprache: Das bedeutet nicht, dass man wenig reden soll und stumm durch die Welt geht. Es geht vielmehr um Achtsamkeit: Was sage ich? Wie sage ich es? Wo sollte ich besser schweigen? Wo sollte ich aber auch etwas sagen? Es kommt also nicht auf die Anzahl der Worte an, sondern auf deren Inhalt. Vor zwei Übertreibungen soll man sich dabei in acht nehmen. Erstens: den verschlossenen Strengen zu spielen, wortkarg, kühl und distanziert. Das sieht nach Misstrauen, Verachtung oder Interessenlosigkeit aus. Zweitens: unaufhörlich zu schwätzen und zu plaudern, meistens über sich selbst, so dass die anderen überhaupt nicht zu Worte kommen. Echte Kommunikation entsteht aus einem lebendigen Hin und Her. Achte heute bewusst auf die Worte in deiner zwischenmenschlichen Kommunikation.

Sprüche Kap. 18

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 18

Spr 18,12: Vor der Ehre kommt die Demut.

Spr 18,13: Wer antwortet, bevor er zugehört hat, zeigt seine Dummheit und macht sich lächerlich.

Zuhören: Es ist eine Tat der Liebe, zuzuhören. Interessiert es dich, was ein anderer zu sagen hat und willst du seine Sicht der Dinge verstehen? Es braucht nicht gleich eine Antwort. Allein das Zuhören ist so wertvoll. Warren Wiersbe sagt, dass die beste Art, verletzten und entmutigten Menschen zu helfen, ist, ihnen mit dem Herzen zuzuhören und nicht nur mit den Ohren. Zuhören ist tätige Liebe! Zuhören hilft aber auch dem der zuhört. Denn nur wer bereit ist zu hören, besitzt die Freiheit, seine eigene begrenzte und oft unzulängliche Sichtweise zu überdenken. So liegt also im Zuhören ein gegenseitiger Segen.

Wer meint, seine Zeit sei zu kostbar, als dass er sie mit Zuhören verbringen dürfte, der wird nie Zeit haben für Gott und den Bruder, sondern nur immer für sich selbst, für seine eigenen Worte und Pläne. Bonhoeffer 

Spr 18,16: Ein Geschenk öffnet viele Türen.

Sich schenken: Durch Geschenke wird Liebe sichtbar, der Klassiker: ein Blumenstrauß. Wenn ich jemanden beschenke, dann beschäftige ich mich gedanklich mit ihm. Und das Geschenk ist ein Symbol für dieses Gedenken. Es spielt keine Rolle, ob es Geld gekostet hat. Entscheidend ist, dass da jemand an mich gedacht hat. Aber nicht der flüchtige Gedanke selbst zählt, sondern die Tatsache, dass er konkret wird durch die Handlung des Aussuchens und Übergebens. So wird die Liebe sichtbar. Und so öffnet das Geschenk die Tür zum Herzen des anderen. Schenken kann ich nicht nur materielles, sondern auch Zeit, meine Hilfe und letztlich mich selbst auf der Basis dass ich selbst der unendlich beschenkte bin durch Gott.

Spr 18,20: Du musst mit den Folgen deiner Worte leben, seien sie nun gut oder böse.

Achte auf deine Sprache: Immer wieder geht es in dem Buch der Sprüche um unsere Sprache. Man kann es sich nicht häufig genug bewusst machen: unser Worte haben gewaltige Auswirkungen. Unser Wohl und Unwohl ist in der Gewalt der Zunge. Wer klug und einfühlsam redet, der wird gesegnet sein. Dennoch gilt es die Wirklichkeit anzunehmen: Obwohl ich mir wirklich Mühe gebe, vergreife ich mich hin und wieder im Ton und finde nicht die richtigen Worte. Wie damit umgehen? Indem ich mich für meine unguten Worte verantwortlich fühle und dann, wenn möglich, es wieder gut zu machen versuche.

Spr 18,21: Tod und Leben steht in der Gewalt der Zunge.

Deine Worte haben Folgen: Es wird viel, viel geredet. Und obwohl ich mir wirklich Mühe gebe, vergreife ich mich hin und wieder im Ton, finde nicht die richtigen Worte. Mich für diese unschönen oder unnutzen Worte verantwortlich zu fühlen, bedeutet meinen Ausrutscher zu erkennen, ihn zu akzeptieren und dann, wenn möglich, es mit der anderen Person versuchen zu bereinigen. Jesus, lass mich verantwortungsvoll mit meiner Sprache umgehen, genau zu bedenken, was ich wie und wem sage. Viel Streit und Spaltungen rühren daher, dass wir zu schnell etwas sagen, unüberlegt. Gerade in der glühenden Hitze der Wüste verfehlen wir uns sprachlich. Gerade bei emotional aufgeheizten Situationen inne halten, innerlich einen Schritt zurück treten und darüber nachdenken, welche Worte zu wählen sind. Selbstkontrolle ist gefragt. Und dabei immer versuchen, darauf zu hören

Eigene Erfahrung: Ich bin Lehrer, arbeite in einem großen Team, dann natürlich die Schüler, nicht zu vergessen die Eltern: da wird viel, viel geredet. Und obwohl ich mir wirklich Mühe gebe, vergreife ich mich hin und wieder im Ton, finde nicht die richtigen Worte. Mich für diese unschönen oder unnutzen Worte verantwortlich zu fühlen, bedeutet meinen „Ausrutscher“ zu erkennen, ihn zu akzeptieren und dann, wenn möglich, es mit der anderen Person versuchen zu bereinigen. Es stimmt: Nicht das, was in seinen Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen, sondern das, was aus seinem Mund herauskommt.

Gebet: Jesus, lass mich verantwortungsvoll mit meiner Sprache umgehen, genau zu bedenken, was ich wie und wem sage

Sprüche Kap. 19

Auslegung und Kommentar zum Buch Sprüche Kap. 19

Spr 19,2: Wer zu schnell läuft, geht leicht fehl.

Spr 19,2: Wer eilt läuft Gefahr anzustoßen.

Spr 19,2: Wer zu schnell läuft, geht leicht fehl.

Spr 19,2: Wer schnell ist mit Füßen, der tut sich Schaden.

Gegen die Hektik und für die Langsamkeit: Hektik entspringt meistens einer inneren Haltung. Man setzt sich selbst unter Druck, alles möglichst schnell zu erledigen. Hinter diesem Druck steckt die Angst, ich könnte vor den Vorgesetzten nicht gut genug dastehen. Manchmal muss man auch hektisch sein, um zu beweisen, dass man viel tut. Andere wollen mit ihrer Hektik beweisen, dass sie wichtige Menschen sind, dass sie eine wichtige Aufgabe in der Firma haben. Diese Menschen verbreiten um sich herum nur Unruhe. Sobald ich merke, dass ich hektisch werde, sollte ich mich selbst beruhigen: Ich arbeite jetzt. Eins nach dem anderen. Ich denke nicht schon an das Ende der Arbeit oder daran, wann ich fertig sein könnte. Ich lasse mich jetzt ein und gebe mich der Arbeit in aller Ruhe hin. Und ich vertraue, dass ich dann die Arbeit gut verrichte und auch rechtzeitig fertig werde. Anselm Grün

Eile mit Weile: Die Arbeit ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Vor allem hier stehen wir in Gefahr in Eile zu geraten. Versuche stets ohne Unruhe und Hast deine Arbeit zu tun. Denn die Eile hindert uns daran, eine Sache gut zu machen. Nie ward gut getan, was mit Hast und Ungestüm verrichtet wurde. Wir arbeiten rasch genug, wenn wir gut arbeiten. Als Bild: Flüsse, die in der Ebene ruhig dahinfließen, tragen große Schiffe mit reicher Fracht. Ein Regen, der sanft auf das Feld niederrieselt, macht es fruchtbar. Reißende Ströme dagegen überschwemmen das Land und sind für den Schiffsverkehr ungeeignet, wie auch Platzregen und Wolkenbrüche Wiesen und Felder verwüsten. 

Ein Bild: Eine Expedition war durch einen Dschungel unterwegs. Der Leiter der Gruppe wollte in einer bestimmten Zeit die Strecke bewältigen. Nach einigen Tagen des ständigen Marschierens streikten die Träger. Sie luden ihre Lasten ab und setzten sich nieder. Als sie aufgefordert wurden weiterzugehen, meinten sie: Wir bleiben hier, bis unsere Seelen nachgekommen sind.

Worte von Anselm Grün: Ich gehe bewusst langsam, wenn ich zur Toilette oder in ein anderes Büro gehe. In dem langsamen Gehen komme ich wieder zu mir selbst. Ich lasse mich nicht von außen treiben. Ich gehe selber meinen Weg. Das hilft mir, dann auch meine Arbeit als ich selbst zu verrichten und nicht ständig auf die anderen zu starren, die meine Arbeit beurteilen könnten. Durch das langsame Gehen verlangsamt sich mein Leben. Ich gelange dann zu mir selbst. Ich komme bei mir an. Im langsamen Gehen nehme ich wahr, was da in mir geschieht. Ich erkenne das Wesen meiner menschlichen Existenz, die darin besteht, dass ich immer auf dem Weg bin. Ich kann nicht stehen bleiben. Ich muss immer weitergehen auf meinem inneren Weg. Und im Gehen kann ich mich „freigehen“ von vielen Sorgen, die ich mir mache. Im Gehen lasse ich die vielen Gedanken los, die mir durch den Kopf schwirren, die Sorgen, die ich mir um vieles mache. Ich bin einfach im Gehen. Ich genieße es, langsam zu gehen und im Gehen ganz bei mir zu sein. Ich gehe nicht, um an ein äußeres Ziel zu gelangen. Ich gehe vielmehr, um bei mir selbst anzukommen.

Verbanne die Hektik! Hektik ist der Tod des Gebets. Hektik ist der Tod der Zwischenmenschlichkeit. Hektik ist der Tod der eigenen Seele. Warum? Weil Hektik und Liebe zusammen nicht geht. Hektik führt uns langfristig ins seelische Ungleichgewicht mit entsprechenden Symptomen: Reizbarkeit, Überempfindlichkeit, Gefühllosigkeit, Ruhelosigkeit u.v.m. Mit Jesus dagegen zu gehen, bedeutet, in langsamem, ruhigem Tempo zu gehen, aufmerksamer zu werden und so ins Leben zu finden. Worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, entscheidet darüber, was für ein Mensch du wirst. Und Anbetung und Freude beginnen mit der Fähigkeit, die Aufmerksamkeit unseres Geistes auf den Gott zu richten, der immer mit uns im Jetzt ist. Unser bewusstes Wahrnehmen von Gott ist das Problem und es ist akut.

Schnelleritis: Stille kommt von stillen, beruhigen, zur Ruhe bringen. Wie häufig geraten wir aber in die Schnelleritis. Ich geh mal schnell. Ich mache mal schnell. Das sind häufige Sätze. Warum schnell? Warum nicht rechtzeitig, in aller Ruhe und langsam, den inneren Raum der Stille hütend? Gerade wenn du viel mit anderen Menschen zu tun hast, wenn viele etwas von dir wollen, wenn Du Dich in intensiven Gesprächen auf sie einläßt, brauchst du diesen inneren Raum der Stille, der dich davor beschützt, dass dich die Probleme der andern bestimmen und überfordern, daß dich der Schmutz, den du im Gespräch oft mitbekommst, innerlich selber beschmutzt. (nach Anselm Grün)

Spr 19,11: Einsicht macht einen Menschen langsam zum Zorn , und es ist ihm eine Ehre, Vergehungen zu übersehen.

Langsam zum Zorn: Wenn wir Zorn in uns fühlen, ist das noch keine Sünde, denn dafür können wir nichts. Wir bleiben Leidenschaften wie z.B. dem Zorn unterworfen, ob wir wollen oder nicht. Zorn wird dann zur Sünde, wenn er uns zu unbeherrschten Handlungen hinreißt, wenn wir unseren Gefühlen freien Lauf lassen. Aber wenn mein Verstand die Oberhand behält, wird er sich zur Langmut, zur Sanftmut und zur Barmherzigkeit hinwenden. Wir haben uns gewissermaßen im Griff, ohne dabei jedoch unsere Gefühle zu verdrängen bzw. zu leugnen (ganz wichtig!) Dies ist nur möglich, wo es Gemeinschaft mit Gott gibt, der um unsere Not gerade auch im Umgang mit unseren Gefühlen weiß. Er gibt Kraft und Weisheit, das Richtige wohl überlegt zu tun und vor allem: Vergehungen zu übersehen.

Spr 19,16: Wer das Gebot bewahrt, der bewahrt seine Seele, wer aber auf seine Wege nicht achtet, der muss sterben.

Jesus ist unser Polarstern: Fragen wir nach dem Weg, dann sagt der eine: Da, links! der andere: Da, rechts! Und meistens sagt man uns das Falsche. Ihr aber braucht nichts zu tun, als euch tragen zu lassen. Ihr gleicht Reisenden auf dem Meer. Das Schiff trägt sie, sie ruhen aus und kommen doch vorwärts. Nicht einmal um den rechten Weg brauchen sie sich zu kümmern. Das ist Sache des Steuermanns, der immer den Polarstern vor sich sieht und so weiß, dass er die rechte Richtung hat, weshalb er den Fahrgästen zurufen kann: Nur Mut! Ihr seid auf dem rechten Weg. Folgt furchtlos diesem Polarstern, meine lieben Töchter, es ist der Herr. Franz von Sales

Spr 19,20-21: Höre auf Rat und nimm die Züchtigung an, dann bist du am Ende ein weiser Mann. Viele Dinge nimmt ein Mensch sich vor, doch zustande kommt der Ratschluss Jahwes.

Höre auf Rat: Auf Gott hören, mich von ihm leiten und unterweisen lassen, etwas vorschreiben lassen. Klingt im ersten Moment eher einengend, freiheitsberaubend, negativ. Bei näherem Betrachten und Nachsinnen über diesen Vers zeigt Gott jedoch seine Güte und Fürsorge für mich. Warum soll ich auf Gott hören? Damit es mir gut geht. Er hat mich erschaffen und kennt mich am besten, er hat den besten Plan für mein Leben, er führt mich auf einen guten Weg. Er ist der gute Vater, der gute Hirte. Ohne Gott meine Pläne zu schmieden hat mich schon öfter zu Fall gebracht. Gott ´verschliesst mir Türen, um mir etwas zu zeigen oder mich auf einen besseren Weg zu führen. Oder er öffnet Türen, wo ich selbst nicht daran geglaubt habe, dass ich sie öffnen könnte. So kann Gott zu mir reden in meine täglichen Umständen. Ulrike Puintner

Wie kann ich auf Gott hören, seine Stimme erkennen? Folgende Dinge helfen mir dabei: Ich kann in seinem Wort, der Bibel lesen. Sein Wort ist Wahrheit und offenbart mir seinen Willen für mein Leben. Seine Führung wird nie dem Wort Gottes widersprechen und somit kann ich erkennen ob ich nach meinem oder seinen Willen lebe. Ich gehe in die „stille Zeit“, das heisst ich nehme mir einmal am Tag bewusst Zeit für Gott, lese die Bibel, gehe ins Gebet und rede mit Gott. In dieser Zeit werde ich auch still und versuche zu hören ob Gott mir etwas sagen will. Ich höre mir Lobpreislieder an und komme so in die Gegenwart Gottes. Auch Fasten kann mir helfen Gottes Stimme wieder deutlicher zu hören. Bibelgemäßes Fasten vertieft meine Beziehung zu Gott. Dem Körper wird Nahrung entzogen, damit ich Gott näher komme. Wenn ich an Stärke abnehme, nimmt der Geist an Stärke zu. Ich werde gestärkt und erneuert. Ich höre mir Predigten an. Ich tausche mich mit meinen Glaubensgeschwistern aus.

Spr 19,21: Der Mensch macht viele Pläne, aber es geschieht, was der Herr will.

Es kommt wie es kommt: Wir machen uns viele Gedanken, planen, versuchen zu lenken. Das ist zu einem gewissen Grad gut, wir sollen ja nicht planlos leben. Trotzdem merken wir doch häufig, dass wir vieles im Endeffekt nicht in der Hand haben und es auf einmal ganz anders kommt, wie wir gedacht haben. Nachfolge nun geht also nicht ohne Loslassen unserer eigenen Pläne. Ballast muss abgeworfen werden. Nur so können wir durch die Tür Jesus. Zu viel Gepäck, Pläne und eigene Gedanken und wir passen nicht durch. Das Gepäck ablegen können wir, wenn wir uns ganz und gar Gott überlassen.

Überlasse alles vertrauensvoll der göttlichen Vorsehung und bleibe in seinem göttlichen Frieden. Franz von Sales


Das war eine Auslegung und ein Kommentar zu ausgewählten Bibelversen aus dem Buch der Sprüche (Spr) Kapitel 15 bis 19.


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Mein Name ist Joachim Brenner. Ich arbeite als Lehrer für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen Behinderung. Den täglichen christlichen Impuls schreibe ich seit 2014.

Ich in der Wüste