Anmeldung ->
Anmeldung ->

Inhaltsverzeichnis

Genesis – Auslegungen

Schöpfung und Fall (Kap. 1-3)

Gen 1,1: Im Anfang

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Gen 1,1

Der erste Vers der Bibel führt uns sofort in die Gegenwart Gottes. Jede Einleitung wird ausgelassen. Dieser erste Vers der Heiligen Schrift versetzt uns in die Gegenwart dessen, der die unerschöpfliche Quelle aller wahren Segnung ist. Jedes Schöpfungswerk wird eingeleitet mit: Gott sprach! Dieses gesprochene Wort ist Christus selbst, durch den alles geworden ist, also auch du und ich. Das Johannesevangelium beginnt mit denselben Worten: Im Anfang! Jesus damals, jetzt und immer und ewig! Und dieses Wort wirkt immer machtvoll, gerade auch in deinem Leben: „Er sprach und es geschah, er befahl und schon war es da.“ (Ps 33:9)

Gott ist unser Schöpfer. Vergiss nie, dass du wie der andere aus seiner Liebe heraus erschaffen wurdest.

Gen 1,2: Geist über den Wassern

Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Gen 1,2

Überall herrschte Finsterns. Gott aber ist ein Gott des Lichtes. Nur der Geist konnte die Finsternis erleuchten, Leben hervorbringen und Ordnung an die Stelle des Chaos setzen. In diesem Sinne wirkte er fort bis dahin, wo der Geist Gottes die Menschwerdung Christi vollbrachte. Der Geist, der über Maria kam, so dass das Wort Fleisch wurde in Jesus Christus, ist derselbe Geist, der zu Beginn der Schöpfung über den Wassern schwebte und ist derselbe Geist, der gleichfalls in unserem Leben wirkt. Lasst uns dieses vielfältige Wirken des Geistes in unserem Leben immer tiefer erkennen und rufen wir ihn täglich an: Atme in mir heiliger Geist!

Gen 1,3: Es werde Licht

Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Gen 1,3

Gottes Schöpfung beginnt mit dem Licht. Es tritt noch vor und unabhängig von der Sonne auf. Licht ist das unmittelbarste Abbild Gottes, aus dem alles Lebende hervor geht. Gott bringt so Licht in die Finsternis. Das gilt bis heute. Und es gilt auch für uns persönlich. Setzen wir uns immer wieder diesem Licht aus! Dieser Text wird in der Osternacht gelesen. Warum? In der Auferstehung sagt Gott neu: Es werde Licht. Die Auferstehung Jesu ist ein gewaltiger Ausbruch des Lichts, denn der Auferstandene selbst ist das wahre Licht. Wir aber sind Söhne und Töchter des Lichts.

Gott sah, dass das Licht gut war. Gen 1,4

Gen 1,11: Jeder nach seiner Art

Gott sprach: Die Erde lasse Gras sprießen und Gewächs, das Samen hervorbringt, fruchttragende Bäume auf der Erde, von denen jeder seine Früchte bringt nach seiner Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah so. 1. Mose 1:11

Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art. So gibt er auch uns den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen, jeder nach seiner Art. Das dient uns zum Bild: Es gibt nicht DIE Frömmigkeit. Bei einem Priester sieht sie so aus, bei einem Lehrer so und bei einem LKW-Fahrer wiederrum so. Eines ist aber allen gleich: Die Früchte der Frömmigkeit sind anderen nützlich z.B. in der eigenen Ehe, wo mit wachsender Frömmigkeit man sich umso herzlicher und zärtlicher begegnet oder im Umgang mit dem Nächsten, wo wir schneller als früher Nachsicht und Barmherzigkeit walten lassen oder im Umgang mit Schwächeren, denen wir in Fürsorge zugedacht sind. Was sind die Blüten unseres Herzens anderes als eben dies.

Gen 1,16: Sonne und Mond

Gott schuf zwei große Lichter, die Sonne für den Tag und den Mond für die Nacht, dazu alle Sterne. Gen 1,16

Die Sonne ist ein Bild für Christus. Der Mond kann als Bild für uns selbst gesehen werden. Der Mond hat kein eigenes Licht. So wie in der Nacht die Lichtquelle des Mondes nicht zu sehen ist, so ist auch Christus unserem natürlichen Auge verborgen. Wir haben die Verantwortung die von ihm empfangenen Lichtstrahlen an die Welt weiter zu geben. Wir sind dazu berufen, uns nicht selbst in den Blickpunkt der Welt zu stellen, sondern das Licht zu reflektieren, dass wir empfangen. Nochmals: Wir sind Kinder des Lichts.

Sei ein Mond für deine Mitmenschen!

Gen 1,26: Erschaffung des Menschen

Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. Gen 1,26; 2,7

Gottes Bild sind wir nicht durch äußere Merkmale, sondern durch die Freiheit mit der wir Gott gegenüberstehen als die von ihm Angeredeten und mit der Möglichkeit unserer Antwort. Wir stammen zwar ganz von der Erde, uns wurde aber der Atem Gottes eingehaucht. Wir haben unser Leben nicht aus uns selbst, sondern aus dem Lebenshauch unseres Schöpfers. Ebenso ist es mit dem heiligen Geist. Jesus haucht die Apostel an und beschenkt sie aufs neue, aber noch großartiger, mit Gottes Atem, dem heiligen Geist.

Dann hauchte Jesus sie an und sagte: Empfangt den Heiligen Geist! Joh 20:22

Gen 2,2-3: Der siebte Tag

Er ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn. Gen 2:2‭-‬3

Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche, der Tag der Ruhe. Durch die Auferstehung Jesus ist etwas Unerhörtes geschehen: An die Stelle des Sabbats tritt der erste Tag, der Sonntag. Es ist unmöglich, den Wert und die Wichtigkeit dieses Tages des Herrn, dem ersten Tag der Woche, zu betonen. Am diesem Tag, dem Sonntag, geht es zutiefst um die Begegnung mit dem auferstandenen Christus in Wort und Sakrament. In diesen ersten Tag wurde dann auch immer mehr das Erbe des siebten Tages, des Sabbats, aufgenommen. Wir nehmen teil an der Ruhe Gottes. Benedikt XVI

Wir halten nicht mehr den Sabbat, sondern richten unser Leben nach dem Sonntag. Ignatius von Antiochien

Gen 2,10: Der Strom im Garten

Es ging aber ein Strom aus von Eden, um den Garten zu bewässern. Gen 2,10

Wo Gott wirkt, da spürt man das Fließen dieses Stromes. Jesus selbst spricht, dass wir von ihm trinken sollen und durch den Glauben an ihn werden auch aus dir und mir Ströme lebendigen Wassers fließen. Du und ich sind also ein Kanal dieses Stromes, durch den sich Christus auf diese Welt ergießt. Dies zu begreifen, ist wichtig. Dieser Strom ist und bleibt Christus, wie uns Worte am Ende der heiligen Schrift noch einmal eindrücklich zum Verstehen geben: „Er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes.“ (Off 22,1)

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Joh 7:38

Gen 2,17: Baum der Erkenntnis

Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen. Denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben! Gen 2,17

Das Band, das den Menschen mit Gott verband, war der Gehorsam, der sich auf das Vertrauen zu Gott und seiner Liebe gründete. Gott wollte, dass der Mensch ihm vertraut und gab ihm die Freiheit, sich selbstständig zu entscheiden. Gott lässt uns frei entscheiden, immer wieder aufs neue. Achten und beten wir darum, dass unsere Entscheidungen uns auf Gottes Wegen wandeln lässt und dass wir aus falschen Entscheidungen lernen und daran wachsen. Wir wissen nun, dass die Geschichte nicht gut ausging und es trat das Angekündigte ein: An dem Tag, da du davon isst, musst du sterben. In Christus ist nun aber alles neu und er sagt uns: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben. Heute wie damals besteht aber das Band des Gehorsams, der sich auf dem Vertrauen in Gottes Liebe gründet.

Vertraue zutiefst darauf, dass Gott dich liebt!

Gen 2,18: Frau und Mann

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Gen 2:18

Bei den Schöpfungswerken sah Gott, dass es gut war. Hier nun kommt das erste und einzigste mal ein „nicht gut“. Weil Gott sieht, dass es nicht gut ist, dass der Mensch allein sei, erschafft er dem Menschen aus dem eigenen Fleisch ein Gegenüber und so entstehen Frau und Mann. Der Mensch ist auf Gemeinschaft hin geschaffen. Es ist gut, dass du Gemeinschaft mit Menschen hast, durch die du erst voll und ganz wirst. Der Mensch wird am du zum ich. Welche Menschen hat Gott dir zur Seite gestellt, so dass du nicht allein bist und am Du zum Ich werden kannst?

Ein Irrtum ist, dass die Frau aus der Rippe des Mannes erschaffen wurde. Hier ist eindeutig vom Mensch die Rede ohne geschlechtliche Festlegung. Der Mann wird erst zusammen mit der Frau erschaffen.

Gen 2,20: Namensgebung der Tiere

Da gab der Mensch jedem Vieh und Vogel des Himmels und allen Tieren des Feldes Namen. Gen 2:20

Bemerkenswert ist, dass nun dem Menschen ein erster Akt seiner Autonomie gewährt wird; bzw. der Mensch erhält durch die Benennung der Tiere Teilhabe an der göttlichen Herrschaftsausübung. Die Benennung bedeutet, dass der Mensch seine Welt ordnet.

Gen 2,21: Erschaffung der Dualität

Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen; und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch. Gen 2:21

Nein, dieser Vers beschreibt nicht die erste Anästhesie und chirurgische Operation. Der tiefe Schlaf, der auf den Menschen fällt, ist in anderen Bibelstellen ein Hinweis auf Gottes wunderbares Eingreifen, das dem Menschen verborgen bleibt. Auch ist der Begriff, der hier mit „Rippe“ übersetzt wird, kein rein anatomischer, sondern bedeutet allgemein „Seite“. Es geht darum, dass in der Schöpfung eine enge Verbindung von Mann und Frau angelegt, die zuläuft auf die Aussage in Vers 24: dass Mann und Frau „ein Fleisch“ werden

Der Mensch ist kein Einzelkämpfer. Ja, er ist sogar unvollendet, wenn er allein ist. Aus der Sicht der Bibel findet der Mensch erst in einem ihm gleichwertigen Gegenüber den Beistand, der ihn vollendet. 

Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein. Gen 2:24

Gen 3,1: Schlange der Versuchung

Die Schlange sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? Gen 3,1

Wir leben aus dem Vertrauen auf Gott. Genau hier setzt die Schlange an und sät Mißtrauen: Hat Gott das wirklich gesagt? Als Adam und Eva, verführt durch die Lüge Satans, wider das göttliche Gebot nach der geheimnisvollen Frucht gegriffen haben, setzten sie an die Stelle der Logik der Liebe jene des Misstrauens. Die Schlange, der Satan, versuchte Eva, indem sie ihr Zweifel an Gottes Güte einredete. So erschüttert die Schlange das Vertrauen in die Liebe Gottes und das brachte den Tod in die Welt. Die Erkenntnis Gottes als die Liebe selbst dagegen bringt das Leben. Jesus offenbarte uns, wie Gott ist. Gott ist Liebe! So hängt also alles von dieser Erkenntnis Gottes ab.

Wo erkenne ich Gottes Liebe und Güte in meinem Leben, so dass ich dankbar darüber nachdenken darf?

Gen 3,6: Die Gier nach mehr

Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Es wäre bestimmt gut, von ihm zu essen, dachte sie. Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden!  1. Mose 3:6

Die Gier steht am Beginn unserer Geschichte. Bei Eva im Paradies erwacht ein Begehren nach etwas, das sie nicht braucht und dennoch haben will. Die Lebensbedingungen im Paradies waren vollkommen, und dennoch war alles, was Gott den beiden gegeben hatte, nicht genug. Wirke dem entgegen: Du wirst in deiner Gottverbundenheit wachsen, wenn du das, was du besitzt, nicht als dein Eigentum betrachest, sondern als Geschenk Gottes, das du mit anderen teilen willst und kannst. Die Großzügigkeit bricht die Macht von Gier im Herzen, denn „nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, der viel gibt.“ (E. Fromm)

Gen 3,7: Erkenntnis der Nacktheit

Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Gen 3:7

Dies nun ist die Folge des Abfallens von Gott. Ihr geöffnetes Auge erblickte ihren elenden Zustand. Sie beginnen, sich zu schämen und versuchen, sich zu verbergen. Die Nähe Gottes füllt ihn nicht mehr mit Freude, sondern mit Furcht: Ängstlich versteckten sie sich (Gen 3:8). Aussichtslos! Wir müssen zu unseren Fehltritten stehen. „Die wahrlich gesegneten sind diejenigen, die ihre eigenen Sünden sehen können.“ (Antonius der Große). Nur so kann die Unruhe und der Unfrieden, der damals Adam und Eva überkam und der auch in uns ist, geheilt werden. Nur so wird das Herz wieder Ruhe bei Gott am Kreuz finden, da sich hier die Liebe Gottes offenbart, die uns sagt: Habt keine Angst! Ich habe euch erlöst.

O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! Osterlob in der Osternacht

Gen 3,9: Wo bist du?

Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du? Gen 3:9

Ergreifend! Lesen wir die Bibel mit dem Herzen. Der Mensch ist gefallen und das erste, was Gott tut: er sucht ihn. Nicht physisch sucht der Allwissende ihn, sondern sein Herz sucht er. Gott sucht dich, dein Herz! Täglich! Gott ist ein Vater, der nicht gerne verliert. Er sucht freudig und mit der Schwäche der Liebe. Statt sich nun finden zu lassen und Reue zu zeigen, weist der Mensch aber die Schuld von sich: „Die Frau, die du mir gegeben hast, ist schuld daran!“ (Gen 3:12). Kennen wir das nicht auch von uns? Erstmal die Schuld auf andere schieben.

Glückselig, der seine Schuld erkennt. Glückselig, der achtsam wahrnimmt, wo Gott ihn sucht. Glückselig, wer sein Herz öffnet und sich finden lässt: heute, hier und jetzt!

Gen 3,15: Zertreten des Kopfes

Ich will Feindschaft setzen zwischen dir [Schlange] und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Gen 3:15

Nach dem Fall des Menschen Fall hat Gott ihn wieder aufgerichtet in Hoffnung auf das Heil, indem er die Erlösung versprach. Dieser Vers beinhaltet einen verheißungsvollen Ausblick auf die Erlösung durch die Passion und Auferstehung Jesu Christi. Die Schlange wird ihm in die Ferse stechen. Das ist ein Bild für das Leiden Christi. Das Stechen der Ferse geschah am Kreuz von Golgatha. Er wird der Schlange den Kopf zertreten. Das ist der Sieg Christi am Kreuz über das Böse und den Tod. Durch seinen Tod und seine Auferstehung zertrat Jesus den Kopf des Satans, indem er uns von den Sünden erlöste.

Er hat für uns beim ewigen Vater Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat. Osterlob in der Osternacht

Gen 3,23: Vertreibung aus dem Paradies

So schickte ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden. Gen 3:23

Adam erhob sich, um Gott gleich zu sein und Christus, der Gott war, machte sich selbst zu nichts, um ein Mensch zu sein und wurde gehorsam bis zum Tod, der andere war ungehorsam bis zum Tod. Bei meiner Vorbereitung der Impulse zum Buch Genesis, habe ich immer tiefer erkannt, was Augustinus mit seiner Aussage meint: „Das Neue Testament ist im Alten verhüllt, das Alte im Neuen enthüllt.“ Und so lässt sich das neue nicht ohne das alte Testament begreifen und umgekehrt. Beispielhaft kannst du das an folgenden zwei Versen aus dem Römerbrief (5:18‭-‬19) ersehen:

Durch die Sünde eines einzigen Menschen sind alle Menschen in Tod und Verderben geraten. Aber durch die Erlösungstat eines einzigen Menschen sind alle mit Gott versöhnt und bekommen neues Leben. Durch Adams Ungehorsam wurden alle Menschen vor Gott schuldig, aber weil Jesus Christus gehorsam war, werden sie von Gott freigesprochen.

Kain, Flut und Turmbau (Kap.4-11)

Gen 4,9: Hüter des Nächsten

Soll ich meines Bruders Hüter sein? Gen 4:9

Abel und Kain bringen ein Opfer dar. Das Opfer von Abel sieht Gott an, das von Kain nicht. Kain wird wütend und bringt seinen Bruder um. Der erste Mord der Bibel ist ein Brudermord aus Neid! Kain weicht Gottes Nachfrage mit einer rhetorischen Gegenfrage aus: Soll ich meines Bruders Hüter sein? Keinerlei Reue. Für uns allerdings ist diese Frage ein real dringlicher Auftrag. Ja, wir sollen Hüter unserer Mitmenschen sein (gerade und besonders in der eigenen Familie!).

Dazu Worte von Benedikt XVI: „Auch heute ertönt nachdrücklich die Stimme des Herrn, der jeden von uns dazu aufruft, sich seines Nächsten anzunehmen. Auch heute fordert Gott von uns, Hüter zu sein, Beziehungen zu schaffen, die von gegenseitiger Fürsorge geprägt sind, von der Aufmerksamkeit für das Wohl des anderen und für dessen gesamtes Wohl. Das große Gebot der Nächstenliebe drängt dazu, sich der eigenen Verantwortung gegenüber dem bewußt zu sein, der wie ich Geschöpf und Kind Gottes ist.“

Hüter des Nächsten sein? Ja, das soll ich!  Die Frage der Verantwortung für den nächsten bleibt bis heute, stellt sich immer wieder neu, wenn ich Menschen begegne, ihnen in die Augen schaue, ihre Worte höre, mich von ihnen treffen lasse. Am Ende des Tages frage ich mich: für wen war ich heute ganz konkret verantwortlich, wen habe ich gehütet? Auch: Wo habe ich etwas Gutes auch  unterlassen. Bedenken wir: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ (Molière).

Das wahre Glück besteht nicht in dem, was man empfängt, sondern in dem, was man gibt. Chrysotomus

Sanftmut beinhaltet einen behutsamen Umgang mit dem Nächsten. Diese Behutsamkeit ist vorsichtig, weil sie keinen Schaden an den andern herankommen lassen will. Jede Menschenseele ist kostbar und es wert, dass wir sie behutsam behandeln. Im Wort behutsam steckt das Wort hüten. Wir sind dazu gerufen Hüter zu sein, andere Menschen zu behüten, für sie in welcher Form auch immer verantwortlich zu sein. Damit folgen wir den Spuren Jesus, welcher der oberste Hüter aller Seelen ist. Auf die Frage von Kain „Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders?“ müssen wir also schlicht, kurz und einfach antworten: Ja!

Sanftmütig ist, wer den Nächsten und sich selbst erträgt. Juan de la Cruz

Gen 7,10: Die Sintflut

Es geschah, dass die Wasser der Sintflut auf die Erde kamen. Gen 7:10

Das Bild von der Sintflut offenbart, dass es eines Neuanfangs bedarf, einer neuen Schöpfung, die in Jesus Christus ihre volle Erfüllung finden wird. Die Sinflut ist ein Bild für den Tod Christi. Wie die Erde damals von der Sinflut bedeckt war, so wurde Christus vom Gericht überspült: „Alle deine Wellen und Wogen sind über mich gegangen.“ (Ps 42:8). Christus ging für uns durch Tod und Gericht und machte sich damit selbst zu unserer vollkommenen Arche, zu unserem Bergungsort. Das ist der Friede Christi, indem wir wohnen. Indem wir Jesus nachfolgen, auf seine Worte hören und an ihn glauben, finden wir Gnade beim Herrn, so wie damals Noah.

Noah fand Gnade beim Herrn. Er ging seinen Weg mit Gott und hörte auf ihn. Gen 6:8-9

Gen 7,16: Gott schließt die Tür

Der Herr schloss hinter ihm zu. Gen 7:16

Nicht Noah schließt die Tür. Gott schließt die Tür zur Arche. Die Rettung ist Gottes Werk. Dadurch war Noah und seine Familie in der Arche in Sicherheit. Außerdem hatte die Arche oben ein Fenster, das zum Himmel gerichtet war. Dieses Fenster ist ein Bild von der glücklichen Gemeinschaft, die wir mit Gott haben dürfen, wenn wir unsere Augen himmelwärts richten. In der gleichen Sicherheit und Gemeinschaft leben wir in unserem Leben mit Christus, der allein öffnen und schließen kann und der unser Fenster zum Himmel ist, denn wer Jesus sieht, der sieht den Vater: „Wo er aufschließt, kann niemand mehr zuschließen.“ (Offb 3:7)

Eine Lichtöffnung sollst du für die Arche machen. Gen 6:16

Gen 8,18,20-21: Der erste Altar

So ging Noah hinaus. […] Noah aber baute dem Herrn einen Altar […] und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch. Gen 8:18;20-21

Die Wasser gingen zurück. Noahs erste Handlung ist es, Gott für die Rettung zu danken. Er baut einen Altar, um Gott anzubeten. Dies ist die erste Stelle in der Bibel, wo ein Altar erwähnt wird. Auch dies kann als Bild für uns dienen. Wir beten Gott an und danken ihm, nachdem wir in Christus, unserer Arche, unsere Rettung erkannt haben. Wir danken ihm für die vielerlei Liebesbeweise uns gegenüber. Nach Krisen, einer Krankheit, nach einer schweren Entscheidung, Arbeitssuche oder einer Trauerzeit, aber auch für die vielen kleinen unscheinbaren Dinge, sagen wir: Danke Gott! Dieser herzliche und aufwändige Dank rührt Gottes Herz.

Wäre das Wort Danke das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen. Meister Eckhart

Gen 9,13: Bogen in den Wolken

Meinen Bogen setze ich in die Wolken. Er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde. Gen 9,13

Es sind im Leben die Zwischenbereiche, die Übergänge, die Bereiche zwischen Sintflut und Neubeginn, wo wir die Ermutigung, die Zeichen der Hoffnung besonders brauchen. Gottes Bogen in den Wolken – das ist nicht die Verheißung des wolkenfreien Himmels oder eines von Sorge und Leid völlig unberührten Lebens. Da kann Depression den Himmel verdunkeln oder auch der Tod eines Menschen. Der Verlust des Arbeitsplatzes. Eine verlorene Liebe. Aber mit der Zusage des Segens, dass wir diese Welt in Verantwortung gestalten dürfen, lässt es sich leben und die nächsten Schritte wagen. Wir wissen alle um die Begrenztheit unseres Lebens. Der Tod ist mitten im Jetzt gegenwärtig. Das Kreuz ist Teil unserer Existenz. Und doch gibt es in all den dunklen Wolken diese geradezu kindliche Freude an den Farben, an der Liebe, an den Möglichkeiten einer je neu eröffneten Zukunft. Margot Käßmann

Der Regenbogen ist das Zeichen für die göttliche Zusage: Alles wird gut! Pfarrer Daniel Eschbach

Gen 11,4: Turmbau von Babel

Lasst uns eine Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Gen 11:4

Der Turm von Babel ist ein mahnendes Bild für uns, wenn wir in der Gefahr stehen, dem Irrtum zu unterliegen, durch unser Bemühen, durch unsere guten Werke den Himmel zu erreichen, statt die Errettung als freies Geschenk der Gande anzunehmen. Wie häufig versuchen wir alles selbst in die Hand zu nehmen und vernachlässigen dabei die Sehnsucht nach dem Himmel und das Vertrauen auf Gott. Gott zwingen wir nicht durch unsere Taten herab. Er ist immer und in jedem Augenblick das freie Geschenk von oben. Gott lässt den Turmbau scheitern, indem er die gemeinsame Sprache der Menschen verwirrte. So ist es auch ein Akt seiner Liebe wenn er hier und da unser Bemühen scheitern lässt, um uns zum alleinigen Vertrauen auf ihn hin zu führen.

Lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, damit keiner mehr die Sprache des anderen versteht! Gen 11:7‭-‬8

Abraham (Kap. 12-25)

Gen 12,1: Loslassen und vertrauen

Der Herr sagte zu Abram: Geh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat und deine Verwandtschaft und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! Gen 12:1

Zwei Seiten des Loslassens: Loslassen hat meist zwei Seiten – eine schöne und eine schwere. Einerseits kann es befreiend sein, eine grosse Verantwortung abzugeben, etwas Neues zu beginnen, Ballast abzuwerfen; andererseits ist da Ungewissheit, Angst oder der Schmerz des Abschieds.

Vertrauen und Zuversicht: Das was hier gefragt ist, ist Vertrauen. Der Sprung ins Ungewisse, mit der Zuversicht im Rücken: Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe (Ps 68,20). Dann kann Loslassen gelingen. Immer wieder tut es gut, zurück zu blicken, wo dies dir schon gelungen ist. Heute will ich bewusst zurück blicken auf Lebenssituationen, wo mir das Loslassen gelungen ist.

Damals war die Einbindung in die Sippe lebenswichtig. Der Ruf Gottes reißt Abram aus eben dieser Gemeinschaft und macht ihn zum Heimatlosen, allein auf den Beistand Gottes gestellt. Auch der Ruf Gottes an uns ist absolute Wirklichkeit oder gar nichts! Was aber ist im Kern der Ruf Gottes an uns? Der Ruf Gottes an uns ist die  Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus. Abram hatte das noch zu zeigende Land nie gesehen. Ebenso haben wir Christus noch nie leibhaftig gesehen haben. Aber unser Glaube befähigt uns dazu, so wie Abram alles für ihn zu verlassen, auch wenn unsere Zukunft im Dunkeln liegt. Der Glaube sieht in dem Maße, in dem er vorangeht und in den Raum eintritt, den das Wort Gottes aufgetan hat.

Er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen werde. Heb 11:8

Gen 12,2: Ein Segen sein

Du sollst ein Segen sein. Gen 12,2

Segen sein: In der Fürbitte werde ich zum Segen für den anderen. Ein Segen sein, das heißt ich bin jemand, der segnet. Segnen kann jeder, der glaubt. Ziemlich egal, wo und wie uns Gott hingestellt hat, dort wo er uns unseren Platz zugewiesen hat, sind wir Gesandte Gottes und so im innersten durch ihn und in seiner Kraft dazu berufen, zum Segen für den anderen zu werden.

Segnen als Tun: Ein Segensgebet ist ein Gebet, das den Segen Gottes auf uns herab ruft. Von ihm geht aller Segen aus.  „Der Herr segne dich“ ist der kürzteste Segenswunsch und gleichzeitig ein Fürbitt-Gebet. Fürbitte ist der kostbarste Dienst, den ich tun darf:. Wer selbst gesegnet wurde, der kann nicht anders, als diesen Segen weitergeben, ja, er muss dort, wo er ist, ein Segen sein.

Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden. Dieses Unmögliche ist der Segen Gottes. Bonhoeffer

Gen 12,4: Gehorsam

Abram gehorchte und machte sich auf den Weg. Gen 12:4

Von Gehorsam ist hier die Rede. Gehorsam auch dann, wenn nicht alles glatt läuft. Denn als Abram in das verheißende Land kam, waren dort die Kanaaniter. Das war eine Prüfung Abrams, ob er dennoch an der Zusage Gottes festhält. Er tat es. Er richtete seine Gedanken allein auf den Herrn und nicht auf das, was der Zusage des Landes scheinbar entgegenstand. Die Kanaaniter im Land stehen bildlich für alles was uns vom Glauben an Gottes Zusagen an uns abbringen will. Das beste Gegenmittel gegen diesen Zweifel: Anbetung Gottes. Sie stärkt Glauben und Hoffnung. Eben darum baute Abram dem Herrn einen Altar. So lasst nicht nach in der Anbetung Gottes und glaubt an seine Zusagen.

Er baute dort dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar. Gen 12:7

Gen 12,10: Abrahams erster Fehltritt

Im Land Kanaan brach eine schwere Hungersnot aus. Abram zog nach Ägypten, um während dieser Zeit dort Zuflucht zu suchen. Gen 12:10

Abrahams Fehltritt ist, dass er nach seinem Eigenwillen handelt. Kein Wort fällt darüber, dass er Hilfe bei Gott suchte. Die Folge: der Wegzug aus dem verheißenden Land Kanaan führt zu allerlei Schwierigkeiten. Aus Angst vor dem Pharao, gibt Abram seine Frau als seine Schwester aus. Als das ganze rauskommt, schickt ihn der Pharao wieder zurück. Gott hatte Abram in dieser Zeit zwar nicht verlassen, aber er ließ ihn seinen Fehltritt im Glauben spüren, um ihn zu läutern.

Was kann uns dies Geschehen sagen? Die Hungersnot ist ein Bild für unsere Schwierigkeiten und Probleme. Kommt eine Hungersnot in unser Leben, eine Schwierigkeit welcher Art auch immer, dann lasst uns allein Gott vertrauen, anstatt nach Ägypten zu gehen! Wenn uns dann aber ein Fehltritt passiert, dann lasst uns offen sein für Gottes Läuterung, mit der er uns noch fester an sich zieht.

Gen 13,1: Abraham und Lot

Abram kehrte in den Süden des Landes Kanaan zurück und mit ihm seine Frau und sein Neffe Lot. Gen 13:1

Lot war der Neffe Abrahams. Mehrmals heißt es, dass Lot mit Abraham ging. Lot war ein Mitläufer. Abraham hatte einen Altar errichtet. Lot nicht. Die Gemeinschaft mit Gott spielte in seinem Leben kaum eine Rolle. Unsere Beziehung zu und Gemeinschaft mit Gott ist aber immer direkt, nie indirekt. Auch wenn uns andere Menschen positiv auf unserem Leben beeinflussen können, so können nur wir selbst direkte Beziehung zu Gott pflegen. Gott zeigt in seiner Gnade dir und mir den je individuellen Weg, den wir gehen sollen. Höre darauf, was Gott mit dir ganz persönlich vor hat. Pflege die intime Beziehung mit Gott. Dann wirst du hören, welchen Weg er mit dir gehen möchte.

Die Beziehung zwischen Gott und einem Menschen ist privater und intimer als jede mögliche Beziehung zwischen zwei Mitgeschöpfen. Clive Staples Lewis

Gen 13,7-9: Streitschlichtung

Es soll doch nicht Streit sein zwischen mir und dir. […] Denn wir sind Brüder. […] Trenne dich von mir! Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten; und willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken! Gen 13:7-9

Zwischen den Hirten Lots und den Hirten Abrams entstand ein Streit über die Weideflächen. Abram wirkt als Friedensstifter und aus seinem Handeln können wir vier Dinge mitnehmen:

1. Erstens formuliert er den Willen zum Frieden. Wenn wir mit anderen Menschen zusammen leben braucht es zuallerst eben diesen Willen, friedlich miteinander umzugehen.

2. Zweitens formuliert er die Geschwisterlichkeit als gemeinsames Band. Jeder Mensch ist für uns Bruder oder Schwester in der Familie Gottes.

3. Drittens beseitigt Abram die Ursache für den Streit. Es ist gut zu schauen, wie der Streit entstanden ist, um dann eben zu schauen, wie man diese Ursachen beseitigen kann.

4. Viertens lässt er Lot die Wahl, in welches Gebiet er ziehen möchte. Hin und wieder verlangt der zwischenmenschliche Frieden, dass wir etwas loslassen (meist uns selbst und unseren Stolz)

Gen 14,16: Abraham rettet Lot

Lot selbst, die Frauen und alle anderen Gefangenen konnte er befreien. Gen 14:16

Lot trennt sich von Abraham. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen um Sodom wird Lot verschleppt. Abraham hilft ihm und befreit ihn. Trotz allem Vorgefallenen war Lot der Bruder Abrahams und die geschwisterliche Liebe musste handeln. Wir können uns nicht oft genug daran erinnern, dass der wahre Weg mit Gott Wärme und Weitherzigkeit in uns wachsen lässt, die uns aus uns selbst heraustreten lässt in tätiger Liebe und Teilnahme für andere Menschen. Wir müssen soweit wie möglich gleich den Engeln an den Seelen wirken, nämlich durch liebevolle, gütige Anregungen und ohne Gewalt.

Wann werden wir alle unserem Nächsten gegenüber durchtränkt sein von Güte und Milde? Wann werden wir die Seelen unserer Mitmenschen in der heiligen Brust des Heilands sehen? Franz von Sales

Gen 14,18: Melchisedek

Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchs­ten. Gen 14:18

Abraham steht vor einer Auseinandersetzung mit dem König von Sodom. Da begegnet er Melchisedek, der ihn segnet und mit Brot und Wein stärkt. Die Bedeutung Melchisedeks besteht darin, dass er der erste überhaupt in der Bibel erwähnte Priester ist und dass er für sein Opfer Brot und Wein verwendet. Melchisedek bedeutet König der Gerechtigkeit und Salem bedeutet Friede. Er ist ein geheimnisvoller Verweis auf Christus ist, den wahren Hohenpriester, den König des Friedens und der Gerechtigkeit. Mit Brot und Wein wird Abraham gestärkt für den Kampf gegen den König von Sodom. Wie sollten wir da nicht an den Leib und das Blut Christi denken, durch das wir gestärkt werden, um der Versuchung zu widerstehen und den guten Kampf des Glaubens zu führen. Wir stehen unter dem Segen Gottes.

Gott selbst hat ihn für uns zum Hohenpriester eingesetzt, so wie Melchisedek. Heb 5:10

Gen 15,1: Vertrauen auf Gott

Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn! Gen 15:1 

Gott ist unser Schild, das uns schützt. Gott ist unser Lohn. Welcher Lohn könnte wichtiger sein als er selbst? So finden wir unsere Ruhe, unseren Frieden und unsere Sicherheit allein in Christus! Gott verheißt Abram mit dem Blick auf des Himmels Sterne unzählbare Nachkommen. Auch uns fordert Gott täglich auf, den Glaubensblick nach oben zu richten. Bemühen wir uns, nicht mehr ständig die Schwierigkeiten vor Augen zu haben, sondern zu unserem Gott auf zu schauen, der unsere Hilfe ist. Und blicken wir immer wieder darauf, wie und was Gott in unserem Leben schon wirkte, denn dies bestärkt uns, auch im Hier und Jetzt ihm voll und ganz zu vertrauen.

Schau dir den Himmel an, und versuche, die Sterne zu zählen! Genauso werden deine Nachkommen sein – unzählbar! Gen 15:5

Gen 15,6: Gerechtigkeit durch Glauben

Abram glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. Gen 15:6

Abraham wird hier zum Urbild bedingungslosen Glaubens. Ein Glaube als unerschütterliche Gewissheit, dass auf Gottes Zusage Verlass ist. Ein Glaube, für den wir uns bewusst entscheiden. Der Mensch kann nur glauben, wenn er will. Der Glaube ist das unglaubliche Abenteuer des Vertrauens auf Gott. Wenn du nur auf dich selbst vertraust, dann wirst du nie etwas ausrichten. Vertraust du dagegen auf Gott, so vermagst du alles. Also: Vertraue Gott, dem Vater, der uns liebt, dem Sohn, der uns gerecht macht und dem heiligen Geist, der in uns atmet. Vertraue!

Mit Abraham, der unerschütterlich Gott vertraute, werden also alle gesegnet, die ebenso glauben wie er. Gal 3:9

Gen 16,2: Sarais Fehltritt

Sarai sprach zu Abram: Sieh doch, der Herr hat mich verschlossen, dass ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner Magd. Vielleicht werde ich durch sie Nachkommen empfangen! Und Abram hörte auf die Stimme Sarais. Gen 16:2

Sarai wird ungeduldig. Sie greift auf menschliche Mittel zurück und handelt eigenmächtig, indem sie Abram bittet mit seiner Magd ein Kind zu bekommen. Letztlich vertrauen Abram und Sarai nicht mehr auf Gottes Wirken. Sie suchten durch eigene Mittel ein Ziel zu erreichen, das ihnen durch eine Verheißung Gottes fest zugesichert war.

An eine Verheißung zu glauben ist das eine, die Erfüllung geduldig abwarten, das ist noch mal was ganz anderes. Wie häufig möchten wir Gott regelrecht zwingen, schnell so oder so zu handeln? Wie häufig versuchen wir es dann selbst in die Hand zu nehmen? Nur dann, wenn wir uns bewusst auf den lebendigen, allein wahren Gott stützen, sind wir imstande, allein aus Gott und nicht aus Eigenwillen eigenmächtig zu handeln.

Gen 16,5-6: Schuldzuweisung

Da beklagte Sarai sich bei Abram: Jetzt, wo Hagar weiß, dass sie schwanger ist, verachtet sie mich – dabei war ich es, die sie dir überlassen hat! Du bist schuld, dass ich jetzt so gedemütigt werde! In der folgenden Zeit behandelte Sarai Hagar so schlecht, dass sie davonlief. Gen 16:5-6

Schuldzuweisung ist ein wichtiges Thema! Das Fehlverhalten ausschließlich beim anderen zu suchen, ist dekonstruktiv und fördert die Verfestigung eines Konflikts. Auch Sarai ist sich komplett nicht bewusst, dass sie falsch gehandelt hat und gibt allein Abram die Schuld. Mit seiner Erlaubnis demütigt sie nun Hagar. Sie geht durch ihre Uneinsichtigkeit weiter auf dem falschen Weg und macht alles noch schlimmer.

Nehmen wir uns das zu Herzen! Fragen wir uns bei Konflikten in aller Demut auch, wo unser eigener Anteil daran liegt und benennen dies auch vor Gott wie vor dem anderen. Allein diese Demut birgt die Chance in sich, dass auch der andere sich öffnet und sein Fehlverhalten erkennt und benennt. Und nur so kann dann der Konflikt bewältigt werden und ein echter Dialog stattfinden.

Gen 17,1: Vor Gott wandeln

Ich bin Gott, der Allmächtige. Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen. Gen 17:1

Abram war keineswegs vollkommen. Und wir sind es definitiv auch nicht. Die heutige Aufforderung, vollkommen zu sein, ist vielmehr die Aufforderung, alle Hoffnung ungeteilt auf Gott zu setzen, der uns seine Gnade schenkt und uns in Christus gerecht macht. Wenn ich meine Hoffnung auf etwas anderes als Gott setze, so wandle ich nicht vor Gott. Es ist weiter eine Aufforderung an uns im Blick auf Gott auch anderen gegenüber gnädig zu handeln. Es ist zuletzt im kontemplativen Sinne die Gottessuche in allen Dingen, sei es nun im Gebet, der Lektüre, bei der Arbeit, in der Familie …wo und wie auch immer. Das alles aber geschieht im Geist der Demut, denn besteht doch unsere Vollkommenheit darin, zu wissen, dass wir nicht vollkommen sind.

So wandle heute demütig vor Gott, schau seine Gnade an und sei selbst gnädig dem Nächsten gegenüber.

Gen 17,3: Auf sein Angesicht fallen

Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm. Gen 17:3

Es kommt allein auf unsere Haltung des Herzens an und körperliche Gesten können diese Haltung fördern: das Knien beim Morgengebet, das sich Bekreuzigen, das Verbeugen und eben auch das Niederfallen. Dieses Niederfallen ist der schönste Ausdruck echter Demut in der Gegenwart Gottes. Wenn der Mensch niederfällt, sich klein macht, um Gottes Größe zu erkennen, dann kann Gott in Gnade mit ihm reden. Der Mensch fühlt seine Schwachheit und dies geht stets der Offenbarung Gottes voraus. Und in diesem Reden, in dieser Offenbarung Gottes an uns, liegt der große Segen unseres Lebens. Durch dieses Reden macht Gott unser Leben fruchtbar. 

Ich mache dich sehr fruchtbar. Gen 17,6

Gen 17,10: Einführung der Beschneiung

Alle Männer unter euch sollen an der Vorhaut ihres Gliedes beschnitten werden. Gen 17,10

Die Beschneidung war das äußeres Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Im frühen Christentum fällt diese Verpflichtung weg. Das war keine kleine Sache! Heftige Diskussionen gab es darüber. Im neuen Testament bezieht sich die Beschneidung auf den Glauben. Gläubige sind geistlich beschnitten durch ihre Verbindung mit Christus. Wir sind also einfach durch den Glauben an Christus Söhne Abrahams. Paulus spricht weiter von der Beschneidung des Herzens durch den heiligen Geist, die uns völlig verändert und uns hin treibt zum Tun, was Gott will. Eine Beschneidung ist es, weil wir dafür unser eigenwilliges Herz ganz Gott unterordnen. Das aber geschieht täglich neu.

Seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist , nicht dem Buchstaben nach. Römer 2:29

Gen 18,1-3: Gott besucht Abram

Der Herr erschien ihm […] Siehe, da standen drei Männer ihm gegenüber. […] Abram sprach: Mein Herr, habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so geh doch nicht vorüber. Gen 18,1-3

Der Besuch der drei Männer bei Abram ist ein Bild für den trinitarischen Gottesglauben. Berührend ist hier die Nähe, die gemeinsame Tischmgemeinschaft, ein Gott, der sich zu uns herab lässt und mit und Mahl hält. In der Zusage der Nachkommenschaft wird Gott nun konkreter. Er gibt einen Zeitpunkt an: 1 Jahr. Sara lacht darüber. In diesem Lachen liegt Enttäuschung, sie glaubte nicht mehr daran, so alt wie sie war. Trotz ihres Zweifels wiederholt Gott die Zusage und sagt ganz klar: „Für mich ist nichts unmöglich!“ (Gen 18,14) Für uns sollte dies Anlass sein, nie an Gottes Liebe, seiner Nähe und Wirken in unserem Leben zu zweifeln.

Ein weiterer Aspekt dieses Besuches ist, dass der Gastgeber (Abram) zum Beschenkten wird, der Gast (Gott) zum Geber, der er ja sowieso von Ewigkeit her immer ist. Nehmen wir Gott als Gast in unserer Seele auf, so wird er uns segnen und mit allerlei Gaben beschenken. Paul Gerhardt drückt dies in einem Gedicht so aus: Doch was ich dem Heiland schenke gibt er mir verklärt und neu.

Denn weißt du, ob es nicht Gott ist, den du empfängst, während du meinst, es nur mit Menschen zu tun zu haben? Abraham nimmt Reisende auf; doch in Wirklichkeit nimmt er Gott und seine Engel bei sich auf. Auch du, der du einen Fremden aufnimmst, nimmst Gott bei dir auf. Jesus, der Herr, bezeugt es im Evangelium: Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Gen 18,32: Abrams Fürbitte für Sodom

Was wirst du tun, wenn dort nur zehn unschuldige Menschen wohnen? Wieder versprach Gott ihm: Die zehn werden verschont bleiben und ebenso die ganze Stadt. Gen 18:32

Abraham fürbittet für Sodom. Abrahams Gebet ist ein wundervolles Beispiel für die Fürbitte. Er bittet nicht nur um die Rettung der Unschuldigen, sondern um die Vergebung für die ganze Stadt. Er appelliert nicht an jene bestrafende Gerechtigkeit, sondern an eine andere, göttliche Gerechtigkeit, die das Gute sucht, Vergebung hervorbringt, zur Umkehr führt und Menschen verwandelt. Fürbitten wir ebenso und beten wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere. So lösen wir uns vom Kreisen um uns selbst. Sodom allerdings wird vernichtet, weil sich eben nicht zehn Gerechte (Unschuldige) darin finden lassen. 

Gott selbst muß dieser Gerechte werden. Das ist das Geheimnis der Menschwerdung in Christus: Um einen Gerechten zu gewährleisten, wird Gott selbst Mensch. Und aufgrund diesen einen Gerechten in Christus sind wir nun alle gerecht vor Gott in dem Glauben an seinen Sohn. 

Gen 19,26: Zurückblicken von Lots Frau

Lots Frau drehte sich auf der Flucht um und schaute zurück. Sofort erstarrte sie zu einer Salzsäule. Gen 19:26

Lot und seine Frau fliehen aus Sodom. Lots Frau blickte auf der Flucht zurück und erstarrte zur Salzsäure. Lots Frau hielt wehmütig am Alten fest, blickt zurück auf Vergangenes und Vergehendes. Es gibt eine negative, krankmachende Erinnerung, die uns lähmt. Einen Blick zurück, der uns den Blick in die Zukunft versperrt. Um offen zu sein für Neues, müssen wir Altes loslassen. Altes lässt sich nicht mehr ändern, Zukünftiges liegt dagegen in unserer Hand. Jeder Tag ist eine neue Chance, um sich ganz und gar Gott hinzugeben,  an nichts klammernd als an ihn, dem Allmächtigen, der unser Leben bewahrt.

Denkt daran, was mit Lots Frau geschah!  Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben aufgibt, der wird es für immer bewahren. Lk 17:32‭-‬33

Gen 20,10: Abrahams zweiter Fehltritt

Was hast du dir nur dabei gedacht? Gen 20:10

Abraham lässt sich abermals zu verkehrtem Tun fortreißen, weil er sein Auge von Gott abgewandt hat. Abermals gibt er seine Frau als Schwester aus. Der König Abimelech holt sie als Frau in sein Haus und nur Gottes Eingreifen verhindert das Unglück, dass die beiden miteinander schlafen. Auch hier kein Schuldbewusstsein Abrahams. Er versuchte sogar, einen Teil der Schuld Gott zuzuschieben, der ihn  dazu gebracht habe, umherzuirren. Es wäre weiser gewesen, seine Schuld demütig einzugestehen. Uns wird unsere Schuld in Christus nur dann vergeben, wenn wir sie bekennen.

Da gab Abimelech Abraham seine Frau zurück. Gen 20,14

Gen 21,1-2: Geburt des Isaaks

Der Herr suchte dann Sara gnädig heim, wie er verheißen hatte. […] Sara gebar dem Abraham […] einen Sohn zu der Zeit, die Gott ihm im voraus angegeben hatte. Gen 21,1-2

Lange hatten Abraham und Sara auf die Geburt eines Kindes gewartet. Alles hat seine Zeit. Es gibt eine von Gott bestimmte Zeit und auf diese muss der Gläubige geduldig warten können. Niemand wartet vergeblich auf Gott, wenn wir ihm nur vertrauen! Gott selbst ist unser Ruheort in dieser Welt, auf sein Wort dürfen wir uns ein Leben lang stützen. Gott suchte Sara gnädig heim. Das heisst für uns, dass unser Glaube nie ein Verdienst ist, der von Gott belohnt werden müsste. Nein, wir verlassen uns ganz und gar allein auf Gottes Gnade.

Es gehört zur Schule der Demut, dass wir unsere Zeit nicht in eigene Regie nehmen, sondern sie von Gott füllen lassen. Dietrich Bonhoeffer

Gen 21,10: Hagar und Ismael

Jag mir die Sklavin und ihren Sohn weg! Gen 21,10

Ismael, der Sohn von der Sklavin Hagar und Abraham, macht sich über das Kleinkind Isaak lustig. Darauf bittet Sara Abraham die beiden weg zu schicken. Obwohl Abraham das weh tut, macht er es auf Gottes Wort hin. Ismael und Hagar müssen gehen. Paulus deutet dies als Bild für das Gesetz und die Gnade. Es geht um die Frage, wie das Heil zu erlangen ist und diese Frage ist für jeden zentral. Erklärung: Die Skavin Hagar und ihr Sohn stehen für das Gesetz. Die Skavin Hagar und ihren Sohn fort zu treiben, bedeutet dann bildlich. Wir unterstehen nicht mehr dem Gesetz. Konkret: Wir wollen natürlich gute Menschen sein und Gutes tun, aber wir glauben nicht das Leben zu erhalten aufgrund dieser guten Werke. Das wäre ein Glauben und Leben nach dem Gesetz. Sara und Isaak, das Kind der Verheißung Gottes, stehen dagegen für die Gnade, das unverdiente Schenken Gottes. Nur die Kinder der Verheißung, diejenigen, die ihr Vertrauen allein auf Jesus Christus setzen, erfahren die Erfüllung der Zusagen Gottes. 

Deshalb sind wir, liebe Geschwister, nicht die Kinder einer Sklavin, sondern die einer freien Frau. Gal 4:31

Gen 22,2: Prüfung Abrahams Glauben

Geh mit deinem einzigen Sohn Isaak, den du so sehr liebst, in die Gegend von Morija. Dort zeige ich dir einen Berg. Auf ihm sollst du deinen Sohn Isaak töten und als Opfer für mich verbrennen! Gen  22:2

Außer dem Tod Jesus gibt es für mich in der Bibel keine Szene, die so ergreifend ist, wie die Aufforderung an Abraham, seinen geliebten Sohn Isaak Gott als Opfer da zu bringen. Es gibt außerdem keine andere Szene im alten Testament, die eine so klare Vorschattung des Todes Jesus am Kreuz enthält. Interessant: Als erstes Mal kommt hier in der Bibel das Wort Liebe vor. Diese Liebe Abrahams zu Isaak ist ein Abbild der Liebe Gottes zu seinem Sohn Jesus und es ist auch ein Abbild der Liebe Gottes zu uns, die am Kreuz auf Golotha hell aufleuchtet. Als Isaak fragte, wo das Lamm für die Opferung ist, antwortete Abraham, dass Gott für ein Lamm zum Opfer sorgen wird. Diese Verheißung wurde durch Jesus, das Lamm Gottes erfüllt. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.

Gott wird für ein Lamm zum Brandopfer sorgen! Gen 22,8

Gen 22,16: Segnung Abrahams

Weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, nicht verschont hast, darum will ich dich reichlich segnen. Gen 22, 16

Nach der bestandenen schweren Glaubensprüfung segnet Gott Abraham, wie er es auch schon davor getan hat. Der Segen Gottes liegt auf Abraham. Dennoch muss Abraham in seinem Leben so einiges erleiden. Der Segen Gottes bedeutet nicht, dass uns Leid erspart bleibt, er bedeutet, dass er im Leid uns beisteht und uns nahe ist. Es gibt nun allerdings seit der Menschwerdung Jesus und seiner Passion einen gewichtigen Unterschied. Während im alten Testament der Segen auch das Kreuz mit einschloß, liegt im neuen Testament der Segen nun allein im Kreuz Jesus Christi. Einen Menschen zu segnen bedeutet dann, ihn unter das Kreuz Jesu zu stellen, in dem aller Segen und alles Heil enthalten ist.

Das Kreuz ist mein sicheres Heil. Das Kreuz bete ich immer an. Das Kreuz des Herrn ist mit mir. Das Kreuz ist meine Zuflucht. Thomas von Aquin

Gen 23,2-3: Tod Sarah

Sarah starb […] Da ging Abraham hin, um zu klagen um Sarah und sie zu beweinen. Danach stand Abraham auf von seiner Toten. Gen 23, 2-3

Sara stirbt. Abraham kauft eine Höhle als Begräbnisstätte und begräbt Sarah (das erste Begräbnis in der Bibel!). Dass das Grab selbst ist im verheißenen Land lag und übrigens Abrahams einzigster Grunderwerb in seinem Leben war, deutet anfänglich auf den Glauben an die Auferstehung hin. Uns allen begegnet der Verlust von lieben Menschen, doch der Glaube an die Auferstehung schenkt uns Erleichterung. So kann Abraham „von der Toten aufstehen“, denn der Glaube kann nicht lange den Tod vor Augen behalten. Der Glaube sieht stets auf die Auferstehung und in der Kraft dieser Tatsache kann er sich von einem Toten weg erheben. 

Unsere Toten sind nicht abwesend, sondern nur unsichtbar. Sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer. Augustinus

Gen 24,63: Besinnung am Abend

Er machte abends noch einen Spaziergang, um nachzudenken und zu beten. Gen 24:63

Die Gewissensforschung am Abend beinhaltet folgende Dinge: Danke Gott, dass er dich diesen Tag erhalten hat. Prüfe dein Verhalten während des ganzen Tages. Glaubst du etwas Gutes getan zu haben, so danke Gott. Hast du aber in Gedanken, Worten oder Werken gesündigt, dann bitte Gott um Verzeihung und nimm dir vor, es bei der nächsten Gelegenheit besser zu machen. Bitte Gott um seinen Segen und begib dich zur Ruhe, die uns nach seinem Willen notwendig ist.

Gen 24,67: Isaak und Rebekka

Er nahm sie zur Frau und gewann sie sehr lieb. Gen 24:67

Isaak nimmt Rebekka zur Frau. An dieser Stelle wird das Wort Liebe zum zweiten mal benutzt. Die Liebe von Isaak zu Rebekka ist ein Abbild der Liebe von Christus zu seiner Gemeinde. Die Gemeinde ist zutiefst mit Christus verbunden. Die Gemeinde ist die auserwählte Braut. Weil er uns liebte, ging er den Weg des Kreuzes. Gott ist Liebe. Es ist sein Wesen. Was ist unsere Antwort auf diese Liebe? Lieben wir ihn wieder, indem wir ihm gehorsam sind und ihm den Dank und die Anbetung unserer Herzen bringen!

Wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. Eph 5,25

Gen 25,8: Tod Abrahams

Dann starb er nach einem erfüllten Leben. Gen 25:8

Was aber ist ein erfülltes Leben? Ein Leben, in dem Gott den ersten Platz einnimmt. Gewiß ist, daß wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen. Ein Leben, in dem wir uns in Liebe dem Nächsten zuwenden. Ein Leben, in dem wir all unsere Sorgen und Anliegen vor Gott bringen. Ein Leben, in dem wir die Liebe Gottes annehmen, nicht nur floskelhaft, sondern wirklich. Das ist der Sinn deines Lebens: geliebt zu sein und selber lieben in, mit und durch Christus, der das Leben in Fülle ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lange bevor Abraham überhaupt geboren wurde, war ich da. Joh 8:58

Isaak und Jakob (Kap. 25-36)

Gen 27,41: Jakobs Flucht nach Haran

Esau wurde dem Jakob feind wegen des Segens, womit sein Vater ihn gesegnet hatte. Gen 27:41

Während einerseits Jakob anfängt, die bitteren Früchte seines Verhaltens gegenüber Esau zu ernten, sehen wir andererseits, wie Gott sich über alle Schwachheit und Torheit seines Dieners erhebt und in seinen Handlungen mit ihm seine unumschränkte Gnade und seine unendliche Weisheit entfaltet. Er hätte nicht nach Haran zu fliehen brauchen, wenn er es Gott überlassen hätte, für ihn zu handeln. Gott hätte sich sicher mit Esau beschäftigt und ihn das Teil finden lassen, das für ihn bestimmt war, und Jakob hätte den Frieden verspüren können, den eine völlige Unterwerfung unter die Hand Gottes schenkt. Aber gerade hier offenbart sich immer wieder die außerordentliche Schwachheit unserer Herzen. Wir wollen etwas tun, anstatt der Hand Gottes stillzuhalten, und durch unser Handeln hindern wir Gott, seine Gnade und seine Macht für uns verwenden zu können.

Und nun gehorche meiner Stimme, mein Sohn: Mache dich auf und flieh zu meinem Bruder Laban, nach Haran. Gen 27:43

Gen 29,1: Jakob bei Laban

Da machte sich Jakob wieder auf den Weg und ging ins Land der Söhne des Ostens. Gen 29:1

Das ist das wahre Geheimnis vieler Trübsale und Prüfungen in der Welt, die uns begegnen. Wir sind vor Gott nicht wirklich zusammengebrochen, wir haben uns nicht völlig verurteilt und uns selbst nicht aufgegeben, und daher kommt es, dass wir immer wieder unsere Probleme selbst meistern wollen und so mit dem Kopf gegen die Wand rennen. Niemand kann sich wirklich an Gott erfreuen, bevor er mit seinem Ich zu Ende gekommen ist, und zwar einfach deshalb, weil Gott erst da beginnt sich zu offenbaren, wo das Fleisch gestorben ist. Ich muss auf die eine oder andere Weise lernen, was die Natur wert ist, und um mich zu dieser Erkenntnis zu führen, wendet Gott verschiedene Mittel an. Jakob lernte hierdurch nichts, so dass er durch die Zucht einer einundzwanzigjährigen ernsten Schule gehen musste, und selbst diese genügte noch nicht, um ihn völlig in sich zusammenbrechen zu lassen.

Gen 30,22: Geburt von Joseph

Aber Gott gedachte an Rahel, und Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterschoß. Gen 30:22

Das ist gewiss ein Beweis, dass Rahel trotz ihres schwankenden Vertrauens auch zu Ihm gerufen hatte. Ach, Er hört ja so gern! Gewiss steigt auch in unseren Tagen aus tausendfacher Not und Hilflosigkeit mancher Schrei zu Ihm empor, und ebenso gewiss ist, dass Er hört.

Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Gott hat meine Schmach von mir genommen Und sie gab ihm den Namen Joseph. Gen 30:23-24

Gen 32,2-3: Jakobs Pläne

Jakob aber ging seines Weges; da begegneten ihm Engel Gottes. Und als er sie sah, sprach Jakob: Das ist das Heerlager Gottes! Gen  32:2-3

Trotz allem ist die Gnade Gottes mit ihm. Gott liebt mit einer unwandelbaren Liebe. Wen Er liebt, den liebt Er bis ans Ende. Seine Liebe entspricht seinem Wesen, sie ist gestern und heute und in Ewigkeit dieselbe. Aber wie klein war die Wirkung, die das Heerlager Gottes auf Jakob ausübte! Er fühlte sich offensichtlich unbehaglich bei dem Gedanken an ein Zusammentreffen mit seinem Bruder, und das nicht ohne Grund. Er hatte sehr böse mit seinem Bruder gehandelt, und sein Gewissen war unruhig. Aber anstatt sich rückhaltlos in die Arme Gottes zu werfen, greift er von neuem zu seinen gewöhnlichen Mitteln, um den Zorn Esaus abzuwenden. Er macht Pläne. Er versucht Esau zu beschwichtigen, anstatt sich auf Gott zu stützen und seinen Beistand zu erbitten.

Und Jakob sandte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau. Gen  32:4

Gen 32,12: Suche nach Versöhnung

Errette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus. Gen 32:12

Der erste Gedanke Jakobs war immer ein Plan, und darin finden wir ein genaues Bild von dem Herzen des Menschen. Zwar wendet er sich an den Herrn, nachdem er seinen Plan gemacht hat und fleht zu ihm, dass Er ihn von der Hand Esaus retten möge. Doch kaum ist sein Gebet beendet, kehrt er auch schon wieder zu seinen Anordnungen zurück. Man kann nicht beten und gleichzeitig Pläne machen. Wenn ich einen Plan mache, so stütze ich mich mehr oder weniger darauf. Wenn ich aber bete, so sollte ich mich ausschließlich auf Gott stützen. Diese beiden Dinge sind daher völlig unvereinbar. Wenn ich auf meine eigene Tätigkeit blicke, bin ich nicht darauf vorbereitet, Gott für mich handeln zu sehen, und dann ist das Gebet nicht die Äußerung meines Anliegens, so sondern nur eine Verrichtung, die ich tun zu müssen glaube, oder aber ich richte an Gott die Bitte, meine selbst gemachten Pläne zu billigen. Aber Gott will nicht, dass ich ihn bitte, meine Pläne und meine Mittel gutzuheißen und zu segnen, sondern Er will, dass ich mich seinen Händen ganz anvertraue, damit Er für mich alles tut. Wenn der Glaube Gott handeln lässt, wird Gott ohne Zweifel seine eigenen Mittel anwenden, aber das ist etwas ganz anderes als sein Anerkennen und Segnen der Pläne und Anordnungen des Unglaubens und der Ungeduld.

Und er brachte die Nacht dort zu und nahm von dem, was er erworben hatte, als Geschenk für seinen Bruder Esau. Gen 32:14

Gen 32,25: Jakob ist allein mit Gott

Jakob aber blieb allein zurück. Gen 32:25

Das Alleinsein und die Stille der Nacht geben Gott die Möglichkeit, mit Jakob zu handeln. Allein mit Gott, das ist der Weg, uns selbst in seinem Licht zu sehen, ohne Ablenkung durch Gedanken, Meinungen und Urteile von anderen oder unseres eigenen Ichs. Wie wollen wir die Antwort auf die Frage bekommen, wie Gott über uns denkt, wenn wir Ihm nicht die Gelegenheit geben, zu uns zu sprechen. Und dazu braucht es stille Zeit mit Gott. Marco Leßmann

Gen 32,25: Jakob kämpft mit Gott

Da rang ein Mann mit ihm. Gen 32:25

Dann kommt jene Nacht – eine Nacht, die zum Wendepunkt im Leben Jakobs wird. Gott tritt ihm in den Weg, bricht seinen Eigenwillen und seine Kraft, auf die er sich bisher gestützt hatte und zwingt ihn sich ganz auf Ihn zu stützen. Diese Nacht beendet seine Betrügereien und macht ihn zu einem gebrochenen aber gesegneten Mann

Eigentlich ist es Gott, der mit Jakob kämpft. Gott will das Selbstvertrauen Jakobs niederringen, damit das verschüttete Gottvertrauen bei ihm zum Vorschein kommt. Doch Jakob widersteht. Wie ein Bär kämpft er mit seiner ganzen Kraft gegen den geheimnisvollen Mann. Marco Leßmann

Gen 32,26: Jakobs Hüftgelenks

Als dieser sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, sodass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm. Gen 32:26

Plötzlich bekommt das Hüftgelenk Jakobs einen übernatürlichen Schlag. Der Sitz seiner Kraft ist getroffen. Auf einmal ist das weg, worauf Jakob bisher vertraut hatte. Der Widerstand ist gebrochen. Der, der seine Geschicke bisher nie aus der Hand gegeben hatte, klammert sich hilflos an den, der ihn bezwungen hat. Das Eingeständnis der eigenen Kraftlosigkeit ist der erste Schritt zu einem Leben in der Kraft Gottes. Die körperliche Niederlage Jakobs ist sein geistlicher Sieg. Gott prüft ihn noch einmal mit den Worten: „Lass mich los.“ Doch genau das will Jakob nicht mehr. Gott loslassen und es auf eigene Faust probieren, das hatte er lange genug vergeblich versucht. Marco Leßmann

Gen 32,27: Jakob klammert sich an Gott

Der Mann sprach: Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich! Gen 32:27

Bisher hatte Jakob an seinen eigenen Methoden festgehalten. Jetzt aber wird er dahin gebracht zu sagen: Ich lasse dich nicht los! Der Leser muss jedoch beachten, dass er erst dann diese Worte sagte, als sein Hüftgelenk verrenkt war. Wir müssen schwach sein, bevor wir stark sein können. Die Kraft Christi kann nur in Verbindung mit der Erkenntnis unserer Schwachheit in uns sein. Christus kann die Kraft der Natur und ihre Weisheit niemals billigen. Diese Dinge müssen abnehmen, damit Er wachsen kann. Nie kann die Natur in irgendeiner Weise der Entfaltung der Gnade oder der Kraft Christi zur Grundlage dienen.

Gen 33,4: Begegnung mit Esau

Da lief ihm Esau entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn; und sie weinten. Gen 33:4

Gott versöhnte Esau. So findet Gott stets seine Freude daran, unsere Herzen zu beschämen und alle unsere Befürchtungen zu zerstreuen. Anstatt dem Schwert Esaus zu begegnen, findet Jakob die offenen Arme und die Küsse seines Bruders. Anstatt gegeneinander zu streiten, vergießen sie Tränen. Das sind die Wege Gottes. Wer wollte ihn nicht ehren durch volles Vertrauen des Herzens? Woher kommt es, dass wir trotz aller Beweise seiner Treue so leicht geneigt sind, bei jeder neuen Gelegenheit zu zweifeln und Bedenken zu erheben

Gen 34,2: Vergewaltigung von Dina

Als er Dina sah, fiel er über sie her und vergewaltigte sie. Gen 34:2

Als handelnde Figur tritt Dina nur in der Erzählung Gen 34 auf. Die dem Text zugrundeliegende Story erzählt, dass Dina zu den Töchtern des Landes geht und sie von Sichem vergewaltigt wird, der sie anschließend aber heiraten will. Als Bedingung hierfür fordern die Brüder Dinas, dass sich Sichem und alle Männer seiner Stadt beschneiden lassen. Die beiden Söhne Jakobs, Simeon und Levi, nutzen dann aber das Wundfieber der Männer, um die Stadt zu überfallen, alles zu plündern und ihre Schwester zurückzuholen. Maria Häusl

Da nahmen Dinas Brüder Simeon und Levi ihr Schwert und überfielen die Stadt […] Sie brachten alle männlichen Einwohner um. Gen 34:25

Ihr bringt mich ins Unglück dadurch, dass ihr mich verhasst macht bei den Einwohnern des Landes, bei den Kanaanitern und Pheresitern, da ich doch nur wenig Leute habe; sie aber werden sich gegen mich sammeln und mich schlagen, und ich werde ausgerottet werden samt meinem Haus! Gen  34:30

In Wirklichkeit scheint Jakob mehr um sein eigenes Wohlergehen besorgt zu sein als um das schreckliche Unrecht, das den Männern von Sichem angetan wurde. Man beachte, dass er in Vers 30 siebenmal »ich«, »mich« und »mein« verwendet.

Gen 35,1: Jakob geht zurück nach Bethel

Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh wieder nach Bethel! Bleib dort und bau mir einen Altar. Denn an diesem Ort bin ich dir erschienen, als du auf der Flucht vor deinem Bruder Esau warst. Gen 35:1

Gott erinnert Jakob an die Tage seiner Drangsal. Es ist oft gut, in unserer Erinnerung bis zu dem Zeitabschnitt unseres Lebens zurückgeführt zu werden, da wir uns auf der untersten Sprosse der Leiter befanden. Wenn wir klein in unseren Augen sind, stützt sich das Herz wirklich auf Gott.Wenn wir wieder anfangen, uns für etwas zu halten, dann ist der Herr gezwungen, uns von neuem unser Nichts fühlen zu lassen.

Gen 35,3: Das Leben Jakobs

Er ist es, der in der Not meine Gebete erhört hat. Gen 35:3

Wo stehst du, wo stehe ich? Gehen wir noch unbeirrt auf eigenwilligen Wegen? Oder sind wir schon einen Schritt weiter, indem wir die Nutzlosigkeit unserer List und Kraft erkannt haben? Gott möchte uns aber noch weiter führen und uns ein wahres Bethel erleben lassen, wo er sich offenbart.

Josef (Kap. 37-50)

Gen 37,3: Der Vater liebt den Sohn

Jakob liebte Josef. Gen 37:3

Jakob hatte Joseph lieb, weil er seinem Herzen so nahe war. So war auch der Herr Jesus der Sohn der Liebe des Vaters. Schon vor Grundlegung der Welt war Er zur Wonne Gottes, und als Er auf der Erde war, bezeugte der Vater mehrmals, dass dieser sein geliebter Sohn war. Vor allem, weil Er das Herz des Vaters kannte und alle seine Gedanken und Ratschlüsse zur Ausführung bringen wollte, ja vor allem, weil Er sein Leben lassen wollte, liebte Ihn der Vater. sind! Marco Leßmann

Gen 37, 6-7: Ablehnung der Brüder

Hört mal, was ich geträumt habe! Also, wir waren auf dem Feld und banden das Getreide in Garben zusammen. Da richtete meine sich plötzlich auf und blieb aufrecht stehen. Eure dagegen bildeten einen Kreis darum und verbeugten sich tief vor meiner Garbe. Gen 37:6-7

Joseph kam aber auch zu seinen Brüdern mit dem Rechtsanspruch, einmal König über sie zu sein. Gott hatte ihm durch Träume klargemacht, dass er einmal über seine Brüder herrschen würde. Seine Brüder reagierten erstens mit Ablehnung, zweitens mit Eifersucht und drittens mit Verachtung. Der Herr Jesus kam auch als rechtmäßiger König zu seinem Volk. In seiner Person erfüllten sich große Teile messianischer Prophetie, das war seine Legitimation. Doch auch Er musste – und noch viel deutlicher als Joseph – die Ablehnung seiner Brüder erleben: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“, „Hinweg mit diesem“, „Wir haben keinen König.“ Auch Eifersucht schlug Ihm entgegen, denn Pilatus wusste, „dass sie ihn aus Neid überliefert hatten“. Die ganze Verachtung über seinen Herrschaftsanspruch kommt zum Ausdruck, als sie Ihm zum Spott die Dornenkrone aufsetzten, den roten Purpurmantel umlegten und in beispielloser Ironie vor Ihm auf die Knie fielen: „Sei gegrüßt, König der Juden.“ Und auch die Inschrift seines Kreuzes muss als Spott und Verachtung seiner Königswürde aufgefasst werden. Marco Leßmann

Da sprachen seine Brüder zu ihm: Willst du etwa unser König werden? Willst du über uns herrschen? Darum hassten sie ihn noch mehr, wegen seiner Träume und wegen seiner Reden. Gen  37:8

Gen 37,13-14: Gesandt zu den Brüdern

Da sagte Jakob zu Josef: Geh zu deinen Brüdern. Gen 37:13-14

Jakob sandte Joseph zu seinen Brüdern. Gott hat seinen geliebten Sohn nicht nur in die Welt gesandt, sondern auch zu seinen Brüdern, seinem Volk Israel, seinem Weinberg, um nach seinem Wohlergehen zu sehen, um Frucht zu sammeln. Marco Leßmann

Gen 37,15: Josef sucht

Dort irrte er auf den Weideplätzen umher. Gen 37:15

Dann finden wir Joseph auf dem Feld umherirren. Wie sehr erinnert er uns an den Herrn Jesus, der als ein einsamer Fremdling seinen Weg ging. Er suchte seine Brüder, die verlorenen Schafe des Hauses Israel.  Doch Er musste feststellen, dass sie sich noch weiter von ihrem Vater entfernt hatten. Wie hat der Herr Jesus darunter gelitten, dass sein Geschöpf und gerade die Seinigen sich so weit von Gott entfernt hatten. Das hinderte Ihn jedoch nicht daran, ihnen nachzugehen, bis Er sie fand. Ja, als der gute Hirte geht Er auch heute noch dem verlorenen Schaf nach, bis Er es findet. Marco Leßmann

Gen 37,18: Brüder wollen Josef töten

Seine Brüder erkannten ihn schon von weitem. Noch bevor er sie erreichte, beschlossen sie, ihn umzubringen. Gen 37:18

Joseph kam mit der Liebe des Vaters zu seinen Brüdern. Aber gerade deshalb hassten sie ihn. Er trat für die Ehre des Vaters ein und zeugte gegen seine Brüder, als diese böse über den Vater sprachen. So erntete auch der Sohn Gottes Hass für seine Liebe. Er zeugte von der Welt, dass ihre Werke böse waren, und das brachte Ihm den Hass der Welt ein. Er litt darunter, dass sein Gott und Vater in der Welt verachtet wurde. „Die Schmähungen derer, die dich schmähen sind auf mich gefallen“, musste Er klagen. Deshalb sehen wir Ihn immer wieder für die Ehre Gottes eintreten, besonders in den letzten Verhören vor der Kreuzigung, wo Er seinen Mund nur auftat, wenn es um Gottes Ehre ging. Marco Leßmann

Gen 37,24: Josef in die Grube

Sie nahmen ihn und warfen ihn in die Grube; aber die Grube war leer und kein Wasser darin. Gen 37:24

Auch der Herr Jesus kam, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist, aber seine Heilandsliebe traf auf den bitteren Hass der Menschen, die schon von Anfang seines öffentlichen Auftretens an versuchten, Ihn umzubringen. Auch Ihm wurden schließlich die Kleider ausgezogen, und seiner Seele hat man Gruben gegraben. Während der Heiland entblößt in Todesqualen am Kreuz litt, umstand die Menge in beispielloser Gefühllosigkeit und Selbstgerechtigkeit das Kreuz und sah zu, wie die Soldaten um seine Kleidung pokerten. Wie kalt kann das menschliche Herz sein! Geht es uns nicht manchmal ähnlich? Beeindrucken uns die Leiden des Herrn noch? Berührt es noch unser Herz, wenn wir über seine Angst und seine Schmerzen nachdenken? Wie oft ist es uns schon passiert, dass gerade wenn wir zu seinem Gedächtnis zusammenkommen, um an seine Leiden und an seinen Tod zu denken, unsere Gedanken abschweifen und irgendwelchen profanen Dingen nachgehen.  Marco Leßmann

Gen 41,55: Was er sagt, das tut

Wendet euch an Josef und tut, was er euch sagt! Gen 41:55

Das war keine gewöhnliche Beförderung. Die Reihenfolge der Begebenheiten, die zu dieser Erhöhung mitwirkten, zeigt deutlich, dass die Hand Gottes alles leitete. Zugleich sehen wir in allem ein treffendes Bild von den Leiden und der Herrlichkeit des Herrn Jesus Christus. Joseph wurde aus der Grube und dem Kerker, in die ihn die Eifersucht seiner Brüder und das falsche Urteil der Heiden gebracht hatten, herausgenommen, um Herrscher über ganz Ägypten zu werden, und nicht nur das, er sollte auch auf diesem Weg der Segenskanal und der Erhalter Israels und der ganzen Erde werden.

Das alles deutet bildlich auf Christus hin, es könnte wirklich kein besseres Bild geben. Wir sehen, wie ein Mensch durch die Hand des Menschen bis zur Stätte des Todes geführt wird, und dann sehen wir ihn durch die Hand Gottes auferweckt und zur höchsten Würde und Herrlichkeit erhoben.

Gen 41,45: Heirat des Joseph

Und der Pharao gab Joseph den Namen Zaphenat-Paneach und gab ihm Asnath zur Frau, die Tochter Potipheras, des Priesters von On. Und Joseph zog aus durch das ganze Land Ägypten. Gen 41:45

Die fremde Frau ist ein Bild der Versammlung Gottes. Zunächst ist zu beachten, dass Josephs ägyptische Braut innig mit ihm in seiner Herrlichkeit verbunden war. Mit ihm vereinigt teilte sie alles, was sein war. Zudem nahm sie einen Platz der Nähe und Vertrautheit ein, den sie nur allein kannte. Ebenso ist es mit der Versammlung, der Braut des Lammes: Sie wird zu Christus hin gesammelt um, die Teilhaberin sowohl seiner Verwerfung als auch seiner Herrlichkeit zu sein.

Gen 42,21: Eingeständnis der Schuld

Wahrlich, wir sind schuldig wegen unseres Bruders! Denn wir sahen die Drangsal seiner Seele, als er uns um Erbarmen anflehte; wir aber hörten nicht auf ihn. Darum ist diese Drangsal über uns gekommen! Gen 42:21

Gott rief zu seiner Zeit Betrübnis und Gewissensübungen in ihnen wach, und zwar in wunderbarer Weise. Keiner kann unterweisen wie Gott. Er allein kann im Gewissen ein wahres Gefühl von der Sünde wach wachrufen und die Seele zu dem tiefen Bewusstsein ihres Zustandes vor ihm bringen. Der Mensch eilt sorglos in seinen Sünden dahin, bis die Pfeile des Allmächtigen sein Gewissen durchbohren, und dann wird er durch schmerzhafte Übungen geführt, die nur in der Fülle der erlösenden Liebe leichter werden können.

Gen 44,16: Mit Schuld vor Joseph stehen 

Was sollen wir reden, und wie sollen wir uns rechtfertigen? Gott hat die Schuld deiner Knechte gefunden!  Gen 44:16

Wie wunderbar und unergründlich ist die Weisheit Gottes! Die Hungersnot erreicht das Land Kanaan, und der Hunger bringt die schuldigen Brüder nach Ägypten, vor die Füße dessen, den sie misshandelt hatten. Wie deutlich zeigt sich darin die Hand Gottes! Da stehen sie, in ihren Gewissen überführt und von einem tiefen Schuldbewusstsein erfüllt, in der Gegenwart des Mannes, den sie in die Grube geworfen hatten. In der Tat, ihre Sünde hatte sie gefunden, aber gefunden in der Gegenwart Josephs. Gesegneter Platz!

Gen 45,4: Josef vergibt seinen Brüdern

Ich bin euer Bruder Josef, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Ihr braucht euch nicht zu fürchten. […] Nicht ihr habt mich hierhergeschickt, sondern Gott. Gen 45:4-5;8

Diejenigen, die sagen konnten: Wahrhaftig, wir sind schuldig! konnten auch die kostbaren Worte der Gnade verstehen: Nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott. Das ist wirklich Gnade, eine Gnade, die das überführte Gewissen vollkommen zur Ruhe bringt. Da die Brüder sich selbst schon vorbehaltlos verurteilt hatten, konnte Joseph ihren traurigen Herzen wieder Frieden geben. Hier sehen wir ein schönes Bild von dem, was Gott mit Israel tun wird in den letzten Tagen, wenn sie auf ihn blicken, den sie durchbohrt haben und wenn sie über ihn wehklagen werden. Dann werden sie die Wirklichkeit der Gnade Gottes erfahren, sowie die reinigende Kraft des Quells, der dem Haus Davids und den Bewohnern von Jerusalem geöffnet sein wird für Sünde und für Unreinheit.

Er küsste alle seine Brüder und umarmte sie unter Tränen, und danach redeten seine Brüder mit ihm Gen 45:15