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Buch der Weisheit

Weish 1,3: Warnung vor verkehrten Gedanken

Verkehrte Gedanken trennen von Gott. Weisheit 1,3

Ob nun Klatsch und Tratsch, Ingorieren, Beschimpfen, Kritisieren, alles hat seinen Ursprung in verkehrten Gedanken, die nicht dem Willen Gottes entsprechen. Dem Willen Gottes aber täglich nach zu eifern, das ist unsere Lebensaufgabe. 

Weish 1,5: Warnung vor Falschheit 

Der heilige Geist, der Lehrmeister, flieht vor der Falschheit, er entfernt sich von unverständigen Gedanken. Weish 1,5 

Gewöhne dich daran, niemals bewußt zu lügen, weder um dich zu entschuldigen, noch aus einem anderen Grund. Bedenke immer, daß Gott der Gott der Wahrheit ist. Hast du aus Unachtsamkeit gelogen, dann stelle womöglich sofort durch eine Erklärung oder Zurücknahme deine Behauptung richtig. Eine aufrichtige Entschuldigung wirkt immer besser als eine noch so schöne Lüge. Wenn man auch zuweilen taktvoll und klug die Wahrheit durch geschickt gewählte Worte verschleiern und verbergen darf, so soll das doch nur in ganz wichtigen Dingen geschehen, soweit es die Ehre und der Dienst Gottes offenkundig erfordern; sonst sind solche Kunstgriffe gefährlich, denn wie die Schrift sagt, wohnt der Heilige Geist nicht in einer listigen und doppelzüngigen Seele. Franz von Sales 

Weish 2,1: Frevler und Gerechte 

Sie sprachen miteinander nicht richtig denkend. 2,1 

Die Menschen damals stehen vor der gleichen Bandbreite der Entscheidung wie die Menschen heute. Auf der einen Seite: Sie schauen nur auf die Kürze, Unverfügbarkeit und Flüchtigkeit des Lebens und sehen im Tod das letztgültig und einzig Sichere. Dann gilt es, möglichst viel und intensiv und ungehemmt zu genießen. Aus dieser Haltung wächst Machtanspruch und Gewaltbereitschaft. Auf der anderen Seite: Der Gerechte in seiner Entscheidung für Gerechtigkeit. Er sieht sich als Kind Gottes und ist bereit in Sanftmut und Geduld die verbalen, psychischen und physischen Angriffe der Frevler auszuhalten. Und er nimmt auch in Kauf, dass Gottes Hilfe und damit Gottes Bestätigung für sein richtiges Leben bis zu seinem Tod nicht sichtbar und beweisbar wird. 

Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennen zu lernen, seine Geduld zu erproben. Weish 2,19

Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen. Er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. Weish 2,20 

Ihre hre Schlechtigkeit macht sie blind. Weish 2,21

Weish 3,2: Deutung von Leid 

In den Augen der Toren schienen sie gestorben, ihr Heimgang galt als Unglück. In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit. Weish 3,2;4

Gottes Gerechtigkeit wird damals und heute kritisch hinterfragt, wo Menschen Leid trifft. Manche sehen unerklärliches, unverdientes Leidensschicksal von Menschen als Erweis von Willkür und Ungerechtigkeit Gottes an, oder andersherum: als gerechte Strafe für irgendwelche Vergehen, die aber oft die Betroffenen selbst nicht zu erkennen vermögen. So ist es nicht! Irdisches Leiden ist Erziehung (gezüchtigt) und Prüfung bzw. Erprobung Gottes. So erweisen sich Leidende als würdig. Ein wenig ist das Schmerzliche nur im Vergleich zu dem Frieden, den wir bei Gott dafür erhalten. 

Ein wenig nur werden sie gezüchtigt. Doch sie empfangen große Wohltat. Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig. Weish 3,5

Weish 3,9: Alle, die auf ihn vertrauen

Alle, die auf ihn vertrauen, werden die Wahrheit erkennen und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe. Denn Gnade und Erbarmen werden seinen Heiligen zuteil und Rettung seinen Erwählten. Weish 3,9

Dies ist ein Glaubensbekenntnis: Keiner fällt aus Gottes Hand, im Leiden erst recht nicht. Auch Gerechten bleibt Leiden nicht erspart. Und es ist nicht sinnlos. Am Schluss steht eine Vision vom Leben der Gerechten bei Gott, vom Anteilbekommen an seiner

Herrschaft, seinem Wirken. In Vers 9 sind es lauter Beziehungswörter, die das Sein bei Gott kennzeichnen als Zugewandtheit: vertrauen, Treue, Liebe, Gnade, Erbarmen (wörtlich: mutterschößige Liebe), Rettung, Erwählte. Und dann können Menschen erkennen, was wahr ist, wie Gott wirklich zu ihnen steht. 

Weish 6,12: Suche nach Weisheit 

Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit. Wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie. Weish 6,12

Die Weisheit wird wie eine begehrenswerte Frau dargestellt, die geliebt und gesucht werden soll. Salomo zeichnet diese Suche als müheloses und erfolgsversprechendes Unternehmen. Nicht zuletzt stellt er als Lohn der Suche ein sorgenfreies Leben in Aussicht. Nicht Ermahnung und Verpflichtung, sondern Verlockung und Einladung sind seine Strategie. Die Schönheit und Freundlichkeit der Weisheit, die Leichtigkeit der Suche nach ihr und die positiven Folgen soll es allen unmöglich machen, ihr zu widerstehen. 

Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe, er findet sie vor seiner Türe sitzen. Wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei. Weish 6,14-15

Weish 7,7: Gebet um Weisheit 

Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben. Ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Weish 7,7

Wer Gott um die richtige und gute Bewältigung der Gegenwart bittet, also um Weisheit und Klugheit für die anstehenden Aufgaben, der bekommt von Gott dieses Geschenk und noch viele andere wertvolle Geschenke dazu. Weisheit, die aus dem Glauben an Gott erwächst, macht den Menschen, also jeden von uns so zum glücklichsten Menschen. Wer aus dem Glauben an Gott heraus richtig sehen, unterscheiden, urteilen und handeln kann, der besitzt eine Geisteshaltung, die ihn innerlich so frei, glücklich und zufrieden werden lässt, dass alle anderen Werte relativ gering sind, auf die die Welt so viel Wert legt. Er besitzt das Wichtigste im Leben. E. Kusterer

Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. Weish 7,8

Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor, denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. Weish 7,10

Weish 7,11: Reichtum der Weisheit 

Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen. Weish 7,11

Ist aber die Seele zugleich mit ihrem Leib eine Welt im Kleinen, so ist die Liebe die Sonne, die alles schmückt, alles erwärmt und alles belebt. So ist also die göttliche Liebe, die Caritas, eine Liebe der Freundschaft, eine Freundschaft ganz besonderer Vorliebe, eine Vorliebe unvergleichlicher, über alles erhabener und übernatürlicher Bevorzugung. Sie gleicht einer Sonne, die die ganze Seele mit ihren Strahlen verschönt, die in allen geistigen Fähigkeiten gegenwärtig ist, um sie vollkommen zu machen, in allen Kräften, um sie zu ordnen. Ihr Thron aber ist im Willen, um dort zu herrschen und ihn zu bestimmen, ihren Gott über alles zu lieben.O wie glückselig ist die Seele, in welche diese heilige Liebe sich ergossen hat: Alle Güter erhält sie zugleich mit ihr (Weish 7,11).

Weish 9,13-14: Rettung durch Gottes Weisheit 

Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen und einfältig unsere Gedanken. Weish 9,13-14

Gott ist und bleibt Geheimnis und unbegreiflich, insofern wir seine Gedanken nicht denken können. Es geht um unsere Erdgebundenheit. Unser Denken ist begrenzt. Nicht einmal das sich vor den Augen abspielende, sozusagen auf der Hand liegende, versteht wir nicht vollends. Aber wir dürfen Gott um Weisheit bitten. Die Sendung der Weisheit bedeutet Umkehr, Sündenvergebung, Erkennen des Willen Gottes und Erlösung.

Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast? So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht und die Menschen lernten, was dir gefällt. Weish 9,17-18

 Durch die Weisheit wurden sie gerettet. Weish 9,19

Weish 10,10: Allein Gottes Gnade vertrauen 

Sie machte ihn reich bei seiner harten Arbeit und vermehrte den Ertrag seiner Mühen. Weish 10,10

Du magst wohl die Pflanzen begießen, es wird dir aber nichts nützen, wenn Gott nicht deiner Arbeit seinen Segen gibt. So verdankst du die Ernte nicht deinem Schweiß, sondern seiner Güte. Von ihr mußt du dich also ganz abhängig fühlen. Unsere Pflicht ist es freilich, gut zu arbeiten, der Erfolg unserer Arbeit aber steht bei Gott. Ohne die Gnade können wir nichts. Nur keine aufgeregte Hast bei unserer Arbeit! Sie wird gut ausfallen, wenn wir uns bemühen, sie in aller Ruhe eifrig und gewissenhaft zu tun, nicht von ihr den Erfolg erwarten, sondern von Gott und seiner Gnade.

Weish 11,23: Gott als Freund des Lebens 

Du liebst alles, was ist und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast. Denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Weis 11,23 

Gottes Langmut und Barmherzigkeit wurzeln in seiner Existenz als Schöpfer: Er hat alles, was er erschaffen hat, aus Liebe erschaffen und handelt dementsprechend. Daraus ergibt sich, dass Gott nichts, was existiert, hasst. Im Hintergrund steht die wiederkehrende Aussage im ersten Schöpfungsbericht, dass Gott sah, dass seine Schöpfung sehr gut war. Dr. Till Magnus Steiner

Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Weish 11,25 

Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens. Weish 11,26

In allem ist dein unvergänglicher Geist. Weish 12,1

Weish 12,2: Handlungsprinzip Liebe 

Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach. Du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr. Weish 12,2 

Doch als sein Handlungsprinzip wird die Liebe genannt. Aus Liebe hat er alles geschaffen und aus Liebe hält er alles am Leben. So ist auch sein Strafen zuvorderst eine Pädagogik der Züchtigung, die zu dieser Liebe zurückführen soll. Somit wird Gottes Handeln und auch sein Strafen sozusagen durch seine Liebe eingeklammert. Dieser Gedanke ist die Grundlage für das Verstehen des Kreuzestodes Jesu Christi. Die Allmacht Gottes hätte diesen qualvollen Tod verhindern und die Verantwortlichen bestrafen können. Aber in seiner Liebe geht Gott bis zum Tod am Kreuz. Dr. Till Magnus Steiner

Weish 12,13: Der sich sorgende, milde Gott 

Es gibt keinen Gott, Herr, außer dir, der für alles Sorge trägt. Weish 12,13

Gott sorgt sich liebend um alle, ist gerecht und handelt trotz seiner Allmacht niemals willkürlich. Gott setzt seine Stärke und Macht nicht willkürlich und rücksichtslos ein, sondern unparteiisch, mit Milde und Schonung.

Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Schonung. Weish 12,18

Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte  menschenfreundlich sein muss. Weish 12,19

Weish 14,3: Gottes Vorsehung 

Deine Vorsehung, Vater, steuert es. Weish 14,3

Diese Vorsehung dehnt sich also auf alles aus, herrscht über alles und führt alles zu ihrer Verherrlichung. Es gibt zwar unvorhergesehene und unvermutete Ereignisse, jedoch sind sie nur für uns unvorhergesehen und unvermutet, nicht aber für Gott, der sie vorhergesehen und zum Wohl der Allgemeinheit bestimmt hat. Alles, was Gott gewirkt hat, ist für das Heil der Engel und Menschen bestimmt. Das ist nun in dieser Hinsicht die Ordnung seiner Vorsehung, soweit wir sie an der Hand der Heiligen Schrift und aus den Lehren der Väter zu erkennen und mit unseren beschränkten Fähigkeiten zu beschreiben vermögen. Franz von Sales 

Weish 18,14-15: In der Stille in mir geboren  

Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr, vom Himmel herab, vom königlichen Thron. Weish 18, 14–15

Ich weiß, dass Gott nur in der Stille in mir geboren werden kann. Gott wird nur dann in mein Herz hinabsteigen, wenn es still geworden ist. Die Gottesgeburt geschieht im innersten Raum des Schweigens. Ich kann durch mein Schweigen Gott nicht zu mir herabzwingen. Aber das Schweigen ist die Voraussetzung, dass ich Gott in mir wahrnehme. Im Schweigen steige ich selbst hinab in meine eigene Tiefe. Und der Weg in diese Tiefe geht hindurch durch die Nacht meiner Dunkelheit, durch die Nacht meiner Angst und meiner Einsamkeit. Da verlasse ich meinen königlichen Thron, auf dem ich sicher throne und von dem aus ich das Leben lenke und bestimme. Da neige ich mich hinab bis zum Grund meiner Seele. Denn nur dort kann Gott in mir geboren werden. Nur in der Tiefe meines Herzens, zu der der Lärm der Oberfläche nicht mehr durchdringt, will Gott in mir Mensch werden. Anselm Grün 

Weish 18,7: Rückblick auf den Exodus 

So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde. Weish 18,7

Der große Abschlussteil des Buches (Kapitel 11-19) reflektiert die Befreiungstat Gottes für Israel schlechthin, nämlich den Exodus. Diese Reflexion ist von der Grundüberzeugung getragen, dass Gott auch jetzt angesichts erneuter Erfahrungen von Unterdrückung und Fremdbestimmtheit die Gerechten retten, die Ungerechten, Gottlosen und Unterdrücker jedoch bestrafen wird. Implizit stellt dies eine Mahnung an seine aktuelle Leserschaft dar, es den Vätern gleich zu tun und sich darauf einzustellen, dass Gottes Heilshandeln an ihnen unmittelbar bevorsteht. 

In allem hast du, Herr, dein Volk groß gemacht und verherrlicht. Du hast es nicht im Stich gelassen, sondern bist ihm immer und überall beigestanden. Weish 19,22