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Buch Kohelet – Auslegungen

Prediger – Kapitel 1

Pred 1,2: Vergänglichkeit der Welt

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Pred 1,2

Vom Verständnis dieses ersten Satzes hängt die gesamte weitere Auslegung ab. Und wie unterschiedlich er verstanden wurde und wird, zeigt bereits ein Blick in die gängigen deutschen Übersetzungen: Alles ist Windhauch (EÜ). Im Gegensatz dazu: Völlig sinnlos ist alles, es hat alles keinen Sinn (Gute Nachricht). Ich finde hier die Einheitsübersetzung treffender. Auch wenn alles Windhauch ist, also vergänglich, hat es doch seinen Wert. Keineswegs ist alles völlig sinnlos. Die Welt ist vergänglich. Das soll jedoch nicht zur Verzweiflung führen, sondern dazu, sich am Nicht-Vergänglichen zu orientieren, an Gott. Auf Erden ist alles vergänglich, aber dort im Himmel ist alles ewig. Die Welt ist nur ein vorläufiges, bedingtes Gut, keineswegs letzte und einzige Wirklichkeit. Der angemessene Umgang mit ihr ist die relative Geringschätzung der Welt, genauer gesagt die Höherschätzung Gottes

Pred 1,2: Alles ist Windhauch

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Pred 1,2

Windhauch kommt 37 im Buch Kohelet vor. Der Begriff steht als Bild. Windhauch, der verweht, vorüber ist, hinterher wie eine Täuschung, ja wie Nichts erscheint. Mit dem Bild versucht Kohelet das Vertrauen der Menschen in ihre eigene Leistung und Möglichkeiten zu zerstören, um sie dorthin zu lenken, dass sie sich Gott, dem einzigen Lebenssinn, anvertrauen. Es ist daher wohl beabsichtigt, dass das Wort Gott ebenso 37 mal vorkommt. Wenn wir versuchen, in unseren eigenen Leistungen anstatt in Gott Sinn zu suchen, werden wir niemals zufrieden sein und alles, was wir vollbringen, wird bedeutungslos sein. Nur das Streben nach Gott gibt echte Zufriedenheit. Wir sollen Gott in allem, was wir sagen, denken und tun, ehren.

Seine Liebe ist uns ganz sicher, und das soll uns genügen. Franz von Sales

Pred 1,5: Kreislauf des Lebens

Die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter und sie eilt an ihren Ort, wo sie wieder aufgehen soll. Pred 1:5

Auf den ersten Eindruck können diese Worte deprimierend wirken: immer das Gleiche. Alles Windhauch. Es kann aber auch positiv gedeutet werden. Der Kreislauf des Lebens beschreibt und bestaunt die ewige, beständige Herrlichkeit und Harmonie der Welt. In dieses große Ganze sind wir eingewoben. Es lässt uns spüren, dass wir Teil von Gottes Welt sind. Wenn wir dagegen stets die eigene Person in den Vordergrund stellen, führt das unabänderlich in die Verzweiflung. Die Sonne, die jeden Morgen neu aufgeht und über das Dunkel der Nacht siegt ist wunderbar. Das wurde im Christentum schon von früh an als Bild für die Auferstehung gedeutet.

Ein Geschlecht geht und ein anderes Geschlecht kommt; die Erde aber bleibt ewiglich. Pred 1:4

Pred 1,8: Nichtigkeit des Übermaßes

Das Auge sieht sich niemals satt, und auch das Ohr hat nie genug gehört.Pred 1:8

Du lebst heute in einer Gesellschaft der Mehr-Kultur.  Die Gefahr ist, dass du dich da reinziehen lässt. Bescheidenheit heilt deine Seele von dem Mehr, Größer und Besser. Hüte dich also vor der Übertreibung und dem Übermaß im materiellen, wie auch im geistigen und spirituellen Bereich. Weniger ist mehr. Die Reduzierung auf das Wesentliche lässt uns intensiver leben, lässt uns den Frieden des Herzen bewahren. Jesus ist das Wesentliche, auf den wir uns reduzieren müssen, dann kehrt Ruhe ein. Diese Ruhe meint dabei nicht das Alltagstreiben, da ist schon mal Tobawo und Hektik präsent, sondern eine tiefe Seelenruhe, die bei all dem Treiben auf einem festen Fundament ruht: Jesus Christus!

Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Genüge, sondern das Fühlen und Kosten der Dinge von innen. Ignatius von Loyola

Prediger – Kapitel 2

Pred 2,1: Nichtigkeit irdischer Freuden

Ich dachte mir: Auf, versuch es mit der Freude, genieß das Glück! Das Ergebnis: Auch das ist Windhauch. Pred 2,1

Kohelet versucht sein Glück zunächst in irdischen Freuden zu finden (Reichtum, viele Frauen etc.). Er gönnt sich alles, was sein Auge begehrt und erfüllt sich jeden Herzenswunsch. Die Stelle wirkt wie eine Einladung, den Lebensgenuss maßlos zu genießen. Aber er ist auf eine Illusion rein gefallen, dass Glück machbar sei. Eine Grenze seines Glücksuchens wird sichtbar: Es ist rein individualistisch und selbstbezogen und maßlos. So kommt er wieder zum Ergebnis: „Das ist alles Windhauch.“ (Pred 2,11). Maßlosigkeit ist in allen Bereichen deines Lebens schädlich. Hüte dich davor. Das wirklich einzigste, was nie maßlos sein wird, ist die Liebe. Du kannst nie genug lieben!

Alles Übermaß ist von den Dämonen. Abbas Poimen

Pred 2,14: Nichtigkeit menschl. Weisheit

Beide trifft ein und dasselbe Geschick. Pred 2,14

Kohelet versucht nun sein Glück im Erlangen von Weisheit zu suchen. Aber er erkennt: auch der Gebildete wird all sein Wissen mit ins Grab nehmen. Im Tod sind alle gleich. Kohelet erinnert illusionslos und nüchtern an die Vergänglichkeit des Lebens, an die Vorläufigkeit von allem, was Menschen machen und planen. Angesichts des Todes sind Lebensziele wie Besitz, Reichtum, Karriere und Wissenserwerb eine Illusion, erweisen sich solche Zielsetzungen als kurzschlüssig, wenn man sie der sicheren Tatsache des Sterbens konfrontiert. Könnte dieses nüchterne Wissen um den Tod nicht vieles relativieren und auf wohltuende Weise zurechtrücken? Der Tod trifft alle und relativiert vieles. Die voran gegangenen Erkenntnisse belasten Kohelet:

Da hasste ich das Leben. Pred 2:17

Pred 2,23: Nichtigkeit menschl. Arbeit

Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch. Pred 2,23

Wir müssen arbeiten, um unseren Unterhalt zu verdienen. Arbeiten und schuften wir allerdings nur unter diesem Aspekt besteht die Gefahr, dass wir darin Schafen erleiden. Solche Arbeit ist nichtig. Unsere Arbeit kann und sollte durchaus spirituelle Aspekte beinhalten. Indem ich mich der Arbeit hingebe, gebe ich mich Gott hin, der mich ruft, mein Ego loszulassen und mich einzulassen auf ihn selbst und auf die Menschen und auf das, was das Leben von mir fordert: Und das ist eben die Arbeit.

O Tage der Arbeit und des Einerleis, ihr seid gar nicht so eintönig für mich, denn jeder Augenblick verschafft mir neue Gnaden und neue Möglichkeiten, Gutes zu tun. Faustina

Pred 2,24: Das Leben genießen

Das Beste, was ein Mensch da tun kann, ist: essen und trinken und die Früchte seiner Arbeit genießen. Doch ich weiß: Das kann nur Gott ihm schenken! Pred 2:24

Kohelet ermutigt uns, zu genießen, was wir gerade tun und uns am Leben zu freuen, weil es aus Gottes Hand kommt. Ohne ihn ist die Suche nach Zufriedenheit sinnlos. Diejenigen, die wirklich wissen, was es heißt, das Leben zu genießen, sind Menschen, die das Leben täglich neu als Geschenk Gottes entgegen nehmen, ihm dafür danken und ihm darin dienen. Gott möchte, dass wir uns über das Leben freuen und es genießen. Ich will mich öffnen für die Freude, empfangsbereit machen und gerade inmitten meiner Angst und Unruhe der Freude einen Landeplatz vorbereiten.

Selbst nach dem Glück zu greifen ist so vergeblich, als würde man versuchen, den Wind einzufangen! Pred 2:26

Prediger – Kapitel 3

Pred 3,1: Alles hat seine Stunde

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit. Pred 3,1

Menschliches Leben vollzieht sich in tiefen Gegensätzen mit seinen Höhen und Tiefen. Das „Alles hat seine Stunde“ will uns dahin führen, sich diesen Gegensätzen zu stellen, Schmerz und Verlust an sich heranzulassen, um so auch die Höhepunkte des Lebens als Höhepunkte zu erfahren. Hier und jetzt leben, das Leben in seinem Auf und Ab gehorsam und demütig annehmen, die Gegenwart in all ihren Facetten erleben, darum geht es hier.

Pred 3,2: Geborenwerden und Sterben

Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit, und das Gepflanzte ausreißen hat seine Zeit. Pred 3:2

Wir möchten, dass es auf unserem Weg keine Schwierigkeiten gibt. Wir wünschen uns Freude ohne Rückschlag, immer Gutes ohne Böses, Gesundheit ohne Krankheit, Ruhe ohne Mühen, Frieden ohne Aufregung. Das ist Unsinn! Wir verlangen Unmögliches, denn dies alles gibt es nur im Paradies. In diesem vergänglichen Leben gibt es nichts Gutes ohne das Böses, kein Ruhen ohne Plage, keine Freude ohne Leid, keine Gesundheit ohne Krankheiten. Kurzum, alles ist miteinander vermischt, es ist ein ständiges Auf und Ab, ein Hin und Her. Alles Zeitliche ist ständig im Fluß, den Veränderungen unterworfen. Nicht nur auf die hohen Berge, sondern auch durch die niedrigen Täler gehen wir, stehts mit dem Kreuz in der Hand. Was liegt uns daran, ob Gott aus Dornen oder aus Blumen zu uns spricht? (i. A. an Franz von Sales)

Pred 3,4: Weinen, lachen, klagen, tanzen

Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit. Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit; Pred 3:4

Heute bin ich fröhlich, weil alles klappt. Gleich darauf bin ich traurig, weil mir etwas Unangenehmes widerfährt. Wir ärgern uns sofort, wenn´s nicht so läuft, wie wir es uns wünschen. Heute freut mich das Beten und erfüllt mein Herz, morgen fällt es mir schwer und der ganze Herzensschwung ist weg. Heute sehe ich eine Person etwas tun, was mir an ihr gefällt, ein andermal aber mißfällt es mir derart, daß ich sie kaum mehr anschauen kann. Heute ist mir ein Mensch sehr lieb, ich unterhalte mich gern mit ihm, morgen geht er mir auf die Nerven. Diese unbeständigen Stimmungen dürfen nicht zu machtvoll werden in unserem Tun. Sie sind da und werden immer wieder kommen und wir lassen sie wieder los. Dennoch in allen Stimmungen halten wir Kraft unserer Vernunft daran fest, in der Freude zu leben, am Gebet festzuhalten und allen Menschen in Liebe zu begegnen.

Pred 3,5: Umarmen und loslassen

Zeit, sich zu umarmen und Zeit, sich loszulassen. Pred 3:5

Jeder Tag trägt Situationen des Loslassens in sich, Gefühle, Beziehungen, Verletzungen, sich selbst, den Tag selbst. Die Herausforderung des Loslassens gehört zum Leben dazu, ob es nun kleine oder große Loslass-Herausforderungen sind. Spätestens am Ende unseres irdischen Lebens lassen wir dann alles los. Und es gibt Zeit, sich zu umarmen. Phil Bosmans sagte einmal, dass der Mensch erschaffen wurde mit zwei Armen, die gerade so lag sind, einen anderen zu umarmen.

Laßt los von allem, da findest du wahren Frieden. Meister Eckhart

Pred 3,7: Schweigen und reden

Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit. Pred 3:7

Schweigen, um hörfähig zu werden für Gott und den Nächsten. Reden, um Beziehung aufzubauen und sich mit zu teilen. Es braucht beides. Aber Schweigen und Kontemplation haben ein Ziel: Sie dienen dazu, in der Zerstreuung des täglichen Lebens eine ständige Einheit mit Gott zu bewahren. Das ist das Ziel: daß in unserem Herzen immer die Einheit mit Gott gegenwärtig ist und unser ganzes Sein verwandelt.

Nur wer wesentlich schweigen kann, kann wesentlich reden. Kierkegaard

Pred 3,11: Sehnsucht nach Gott

Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. In das Herz des Menschen hat er den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist. Pred 3:11

Gott hat den Menschen die Aufgabe gegeben, über seine Gegenwart hinauszufragen. Das bedeutet, dass wir mit irdischen Vergnügen niemals vollkommen zufrieden sein können. Weil wir nach seinem Bild erschaffen wurden, haben wir einen geistlichen Durst. Gott hat uns eine rastlose Sehnsucht geschenkt und das ist schön. Sie drängt uns, ihn immer mehr und mehr zu suchen und wir werden dabei an kein Ende kommen. Wir sind nicht in der Lage, das Handeln Gottes in seiner Ganzheit zu erfassen. Gott bleibt der Verborgene, der ganz andere, dessen Wirken dem begrenzten Menschen letztlich immer auch unverständlich bleibt.

Der Mensch kann Gottes Werke nie voll und ganz begreifen. Pred 3:11

Pred 3,12: Gegenwärtig leben

So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen. Pred 3:12

Immer wieder kommt dieser Aufruf im Buch vor. Die Welt hält Glückserfahrungen für den Menschen bereit, die er genießen darf. Sie sind Geschenk Gottes, nicht verfügbar und nicht machbar. Es ist ein Aufruf dazu, gegenwärtig zu leben. Die Gegenwart gilt es ganz ernst zu nehmen. Es gilt, die jetzt geschenkten Möglichkeiten von Glück und Freude wahrzunehmen. Wenn Gott uns die richtige Sicht schenkt, entdecken wir, dass echte Freude darin besteht, alles, was wir haben, als Geschenke Gottes zu genießen.

Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk. Pred 3:13

Pred 3,14: Ehrfurcht vor Gott

Ich begriff, dass Gottes Werk für immer bestehen wird. […] So hat Gott es eingerichtet, damit die Menschen Ehrfurcht vor ihm haben. Pred 3:14

Als Kinder haben wir keine Angst vor dem Vater, wohl aber Ehrfurcht vor Gott, die Sorge, jene Liebe zu zerstören, auf die unser Leben gegründet ist. Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Der Mensch ist geschaffen um Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen.

Ehrfurcht ist der Angelpunkt der Welt,  Ehrfurcht  gegenüber der Natur, dem Mitmenschen und Gott. Goethe

Pred 3,20: Vergänglichkeit des Menschen

Sie alle gehen an denselben Ort: aus dem Staub der Erde sind sie entstanden, und zum Staub der Erde kehren sie zurück. Pred 3:20

Bitten wir Gott, uns die Augen zu öffnen für die Vergänglichkeit alles Irdischen, auch dafür, daß ich selber wie alle Dinge nur ein vorübergehendes Dasein habe. Unsere Vergänglichkeit ruft uns auf, über den Augenblick hinauszuschauen auf ihn hin. Unsere Vergänglichkeit ist zugleich überwunden durch den Tod Christi, der sie in Auferstehung umgewandelt hat. Unsere Vergänglichkeit dürfen wir immer zugleich als Einladung und als Wegweisung zur Auferstehung mit Christus hin sehen.

Prediger – Kapitel 4

Pred 4,4: Achten auf das richtige Maß

Jede Arbeit und jedes erfolgreiche Tun bedeutet Konkurrenzkampf zwischen den Menschen. Auch das ist Windhauch und Luftgespinst. Pred 4,4

Arbeit kann erfüllend sein. Ich möchte meine Arbeit als Lehrer für behinderte Kinder nicht missen und ich bin Gott dankbar, dass er mir diese Arbeit gegeben hat. Trotzdem muss ich und sicherlich auch ihr aufpassen, dass es nicht zu viel wird. Mehr geht immer. Das nennt man dann etwas subtil zusätzliches „soziales Engagement“. Da müssen wir lernen STOP zu sagen. Es muss auch Zeit für die Familie und für Freunde da sein, Zeit für Muße und Erholung, Zeit fur mich. Es geht darum zu arbeiten, aber in Maßen. Wir sollen uns Zeit nehmen, um auch die anderen Gaben zu genießen, die Gott uns gegeben hat.

Besser nur eine Handvoll besitzen und Ruhe genießen als viel Besitz haben und alle Hände voll zu tun. Pred 4:6

Pred 4,9: Der Wert der Gemeinschaft

Zwei haben es besser als einer allein. […] Stürzt einer von ihnen, dann hilft der andere ihm wieder auf die Beine. Pred 4:9-10

Das Leben ist für die Gemeinschaft gemacht. Wir sind nicht auf der Erde, um uns selbst zu dienen, sondern um Gott und anderen Menschen zu dienen. Jede Menschenseele ist kostbar und es wert, dass wir sie behutsam behandeln. Im Wort behutsam steckt das Wort hüten. Wir sind dazu gerufen Hüter zu sein, andere Menschen zu behüten, für sie in welcher Form auch immer verantwortlich zu sein. Es geht hier um geschwisterliche Liebe und um zwischenmenschliche Wärme.

Wenn zwei in der Kälte zusammenliegen, wärmt einer den anderen. Pred 4:11

Prediger – Kapitel 5

Pred 5,1: Achtsames Gebet

Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde – also sei sparsam mit deinen Worten! Pred 5:1

Beginne jedes Gebet damit, dich in Gottes Gegenwart zu versetzen. Dringe beim Beten mit deinem Geist und Herz tief in seine Gegenwart. Bete nicht hastig, um viel zu beten, sondern bemühe dich, von Herzen zu beten. Es sind nicht die schönen und langen Gebete, auf die Gott achtet, sondern jene, die aus dem Herzensgrund kommen, mit Ehrfurcht und Sehnsucht vorgetragen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies der Schlüssel zu einer erfüllenden Gottesbeziehung ist, aus der Glück und Freude hervor quellen! Gott segne dich und diesen Tag und lass dich zum Segen für jene werden, denen du heute begegnest!

Begegne Gott mit Ehrfurcht! Pred 5:6

Prediger – Kapitel 6

Pred 6,9: Zufriedenheit in Bescheidenheit

Sei zufrieden mit dem, was du hast und verlange nicht ständig nach mehr, denn das ist vergebliche Mühe. Pred 6:9

Wenn man begehrt, was man nicht hat, ist man unzufrieden. Und weil man nie alles haben, alles genießen, alles sehen und erleben kann, wird man nie zufrieden sein. „Willst du glücklich werden, vermehre nicht deinen Besitz, sondern vermindere deine Wünsche!“ (Seneca) Wir denken dabei meist an materielle Werte. Schwerwiegender für unsere Seele sind allerdings andere Bereiche z.B. ein überhöhtes Begehren nach Anerkennung und Ehre. Vermindere deine Wünsche. Begehre weniger. Lass den perfektionistischen Anspruch, was du alles haben solltest. Auch wenn dieses Loslassen Kraft und Leiden kosten, am Grund wartet eine stille Zufriedenheit, die unabhängig ist von allem Äußerem. Herr, lass dein Licht in unseren Herzen aufstrahlen und führe uns durch das Dunkel dieses Lebens in deine unvergängliche Klarheit.

Prediger – Kapitel 7

Pred 7,3: Das Gefühl der Trauer

Trauer verändert den Menschen zum Guten. Pred 7:3

Um in der vollkommenen Freude zu leben, ist es enorm wichtig, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen. Trauer ist eines dieser wichtigen Gefühle, dass nicht unterdrückt, sondern gelebt werden muss. Wenn wir berechtigte Trauer über welche Wunde auch immer nicht zulassen, als sei sie nicht da, fängt sie an zu eitern. Ein oberflächlicher Aufruf zur Freude im Sinne von „Lach doch mal“ ist zum Scheitern verurteilt. Es sind oft die schmerzhaften Zeiten, die uns in wahrer Trauer enger zusammenschweißen, die in uns Empathie und Mitgefühl entstehen lassen, die intensive Nähe zu Mitmenschen und zu Gott entstehen lassen und so paradoxerweise die Grundlage tiefer Freude bilden.

Wird die Trauer verweigert, können Menschen innerlich erstarren. Anselm Grün

Pred 7,9: Hüte dich vor dem Zorn

Werde nicht schnell zornig, denn nur ein Dummkopf braust leicht auf. Pred 7:9

Zürne überhaupt nie, wenn es möglich ist. Werden wir einmal aus Schwäche davon überrascht, dann schlage ihn rasch nieder. Nimm schnell aber ruhig deine Kraft zusammen, sobald du ihn aufsteigen fühlst und rufe um Hilfe zu Gott. Er wird unsere Leidenschaft zum Schweigen bringen und es wird eine große Ruhe sein. Wenn wir dagegen heftig gegen den Zorn ankämpfen, machen wir unser Herz oft unruhiger, als es vorher war, so dass es vor Aufregung nicht mehr Herr über sich selbst ist. Hast du im Zorn gehandelt, dann mache den Fehler sofort wieder gut durch einen Akt der Sanftmut gegen jene, über die du in Zorn geraten bist. Es heißt doch, dass frische Wunden am raschesten heilen.

Pred 7,14: Alles von Gott annehmen

Wenn es dir gut geht, dann freu dich über dein Glück und wenn es dir schlecht geht, dann bedenke: Gott schickt dir beides, und du weißt nie, was die Zukunft bringen wird. Pred 7:14

Die Grundhaltung hier ist zum einen die Bereitschaft, auch die schweren Lebenserfahrungen im Vertrauen auf den Schöpfergott anzunehmen. Zum anderen wird immer wieder zum Genuß aufgerufen. Das ist aber kein Aufruf zum oberflächlichen Genußleben. Sein Aufruf zur Lebensfreude ist vielmehr in seinem Schöpfungsglauben verwurzelt. Wer an die Welt als Gottes Schöpfung glaubt, wird ihre Herrlichkeiten dankbar als Gottes Geschenk genießen. Es gilt, das Gegenwärtige zu ergreifen im Blick auf das Zukünftige. Es gilt zu handeln, zuzupacken, die von Gott geschenkten Möglichkeiten zu nutzen und die dunklen Tage, die kommen werden, von vornherein einzuschließen.

Pred 7,22: Hüten vor Übergerechtigkeit

Du weißt genau, dass auch du schon oft über andere hergezogen bist. Pred 7:22

Es gibt keinen Menschen, der ohne Schuld wäre. Im Blick auf die eigenen Grenzen soll man gerade gegenüber dem Nächsten großzügig sein. Das ist eine gottgewollte, menschenfreundliche Haltung. Denn wer dem Nächsten in strenger Weise ständig die vollkommene Gerechtigkeit vorhält, stellt ein Ziel auf, das unerreichbar ist. Man steht dann in der Gefahr übergerecht zu werden. Übergerechtigkeit bestünde dann darin, die Augen vor der eigenen Fehlbarkeit zu verschließen, aber sofort beim Nächsten den Finger in die Wunde zu legen. Solche Übergerechtigkeit kann gegenüber anderen Menschen leicht zur Erbarmungslosigkeit werden

Ein weiser Mensch hat ein freundliches Gesicht, alle Härte ist daraus verschwunden. Pred 8:1

Pred 7,24: Leben mit der Ungewissheit

Was geschieht, kann man nicht ergründen. Es ist tief verborgen und nicht zu verstehen. Pred 7:24

Gott ist der schlechthin Andere, zu dem der Mensch beten, über den er aber nicht durch wortreiches Gebet verfügen kann. Es geht darum, Gott als den ganz Anderen, den Transzendenten zu erfahren, dessen tiefes Geheimnis uns Menschen letztlich entzogen bleibt. Der Mensch kann Gottes Tun nicht finden. Den begrenzten Menschen bleibt es unmöglich, die Fülle der Wirklichkeit restlos zu durchschauen. Der Mensch mag sich noch so sehr mühen und anstrengen, er wird auf Grenzen stoßen, die für ihn unüberschreitbar sind. So weiss er nicht, was auf ihn zukommt, und niemand kann ihm sagen, was die Zukunft bringt.

Was Gott tut und auf der Welt geschehen lässt, kann der Mensch nicht vollständig begreifen. Pred 8:16‭

Prediger – Kapitel 9

Pred 9,7: Aufruf zur Fröhlichkeit

Iss dein Brot, trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! Denn Gott hat schon lange sein Ja dazu gegeben. Pred 9:7

Das Carpe-diem, Genieße den Tag, wird hier in den Horizont der biblischen Schöpfungstheologie gestellt. Eine Genuss-Verweigerung käme der Nicht-Annahme eines Geschenkes gleich und wäre, theologisch gesprochen, eine Form des Unglaubens. Kohelet versteht Freude und Genuss keineswegs bloß als Betäubungsmittel, die dem Menschen helfen, die Erbärmlichkeit seines Lebens zu vergessen. Das fröhliche gemeinsame Essen wirkt vermenschlichend. Dieser humanisierende Akt ist Gott wohlgefällig. Gott freut sich, wenn seine Geschöpfe sich freuen. Essen und Trinken sind ein Geschenk Gottes und ein Recht der Menschen.

Darum empfehle ich allen, das Leben zu genießen. […] Genieße jeden flüchtigen Tag. […] Kein Mensch weiß, wann seine Zeit gekommen ist. Pred 8:15; 9:9; 9:12

Pred 9,7: Eucharistie und Schrift

Iss dein Brot, trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! Denn Gott hat schon lange sein Ja dazu gegeben. Pred 9:7

Es gibt von den Kirchemvätern hier eine christologische Auslegung. Hieronymus sieht in dieser Seelennahrung das Studium der Heiligen Schrift sieht. Aus christlicher Perspektive kommen dann noch die eucharistischen Gaben Brot und Wein dazu. Das Essen und Trinken, an dem man sich erfreuen soll, kann daher, zu Ende gedacht, nur Schrift und Eucharistie sein. So haben wir nur dieses Gut in der gegenwärtigen Welt, dass wir uns von seinem Leib nähren und von seinem Blut trinken, nicht nur im eucharistischen Geheimnis, sondern auch in der Lektüre der Schriften. Denn das wahre Fleisch und Blut, das man aus dem Wort Gottes zu sich nimmt, ist die Kenntnis der Schriften.

Prediger – Kapitel 10

Pred 10,4: Der Nutzen von Gelassenheit

Gelassenheit bewahrt vor großen Fehlern. Koh 10,4

Gelassenheit ist eine wichtige Tugend, die uns ermöglicht in schwierigen Situationen eine innere Ruhe zu bewahren und uns so vor überhitzten Reaktionen und damit einhergehenden Fehlern zu bewahren. Gelassenheit ist eine erstrebenswerte Stetigkeit der Seelenverfassung inmitten der Unbeständigkeit unseres leiblichen wie geistlichen Lebens. Einfach gesagt, schwer umgesetzt. Und dennoch: im Annehmen dessen, dass das Leben mal so und mal so ist, mal hell und mal dunkel, wir aber immer und täglich im Heute dem einen Gott dienen, der uns hier wie dort hält, darin liegt das Eingangstor zur Gelassenheit, in der wir uns nicht mehr vom Auf und Ab unserer Launen beherrschen lassen, was übrigens stressbedingt auch gesundheitliche Folgen hat: Gelassenheit hält auch den Körper gesund, doch Leidenschaft ist Knochenfraß. (Spr 14,30)

Wer eine Grube gräbt, kann hineinfallen. Pred 10:8

Prediger – Kapitel 11

Pred 11,6: Gottes Gaben einsetzen

Am Morgen beginne zu säen. Pred 11,6

Es gilt, die von Gott geschenkten Gaben und Fähigkeiten zu nutzen, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Jeden Tag neu! Alles hängt davon ab, ganz im Jetzt zu leben und im Augenblick tatkräftig zuzupacken, wo es sich mir anbietet. Nütze dein kurzes, vergängliches Leben, koste es aus und beziehe Gott von vornherein in deinen Lebensplan ein.

Tu, was dein Herz dir sagt. Pred 11:9

Pred 11,7: Die Schönheit des Lebens

Wie schön ist es, am Leben zu sein und das Licht der Sonne zu sehen! Pred 11:7

Sich an dem zu freuen, was der Tag bringt, diese Aufforderung zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Die Freude ist es, die den Menschen bei all seiner Mühe begleitet. Sie macht menschliches Leben überhaupt erst sinnvoll, gibt ihm Glanz. Die Lebenstage sind Gottes Geschenk und Gabe. Die schönen Dinge des Lebens als Geschenk Gottes dankbar genießen, immer im Wissen um die Begrenztheit des eigenen Lebens, das ist sicher mehr als ein oberflächliches Genieße den Tag. Kohelet steht hier ganz in der Tradition alttestamentlicher Schöpfungsfreude.

Freu dich über jedes neue Jahr, das du erleben darfst! Pred 11:8

Pred 11,10: Der Umgang mit Sorgen

Lass dich nicht von Kummer und Sorgen beherrschen. Pred 11:10

Krankheit kann man sich auch durch Ärger zuziehen. Seelisches und körperliches Wohlbefinden bedingen einander. Hierzu gibt es einen schönen Text im Buch Sirrach (30,23ff): Überrede dich selbst, und beschwichtige dein Herz, halte Verdruss von dir fern! Denn viele tötet die Sorge, und Verdruss hat keinen Wert. Neid und Ärger verkürzen das Leben, Kummer macht vorzeitig alt. Der Schlaf des Fröhlichen wirkt wie eine Mahlzeit, das Essen schlägt gut bei ihm an.

Prediger – Kapitel 12

Pred 12,1: Ehrfurcht vor Gott

Denk schon als junger Mensch an deinen Schöpfer, bevor die beschwerlichen Tage. Begegne Gott mit Ehrfurcht. Pred 12:1;13

Religiöse Praxis muss so sein, dass etwas von dem tiefen Respekt deutlich wird, mit dem der begrenzte Mensch dem unbegreiflichen Gott entgegentritt, dem Gott, der letztlich der geheimnisvolle, ganz andere bleibt. Bei der Gottesfurcht geht es um eine religiöse Grundhaltung, die Gott als den Schöpfer aller Dinge anerkennt und ganz ernst nimmt. Die Gottesfurcht wird ihm zum Kompass, der hilft, sich bei schwierigen ethischen Entscheidungen zurechtzufinden. Zu ihm werden wir zur bestimmten Zeit heimkehren.

Dann trägt man dich in deine ewige Wohnung. [….] Dann kehrt der Leib zur Erde zurück. Pred 12:5;7

Pred 12,14: Das Gericht

Denn Gott wird Gericht halten über alles, was wir tun, sei es gut oder böse, auch wenn es jetzt noch verborgen ist. Pred 12:14

Das Begegnen mit Christus ist der entscheidende Akt des Gerichts. Vor seinem Anblick schmilzt alle Unwahrheit. Die Begegnung mit ihm ist es, die uns umbrennt und freibrennt zum Eigentlichen unserer selbst. Unsere Lebensbauten können sich dabei als leeres Stroh, als bloße Großtuerei erweisen und zusammenfallen. Aber in dem Schmerz dieser Begegnung, in der uns das Unreine und Kranke unseres Daseins offenbar wird, ist Rettung. Sein Blick, die Berührung seines Herzens heilt uns in einer gewiß schmerzlichen Verwandlung. So wird auch das Ineinander von Gerechtigkeit und Gnade sichtbar: Unser Leben ist nicht gleichgültig, aber unser Schmutz befleckt uns nicht auf ewig, wenn wir wenigstens auf Christus, auf die Wahrheit und auf die Liebe hin ausgestreckt geblieben sind. Im Augenblick des Gerichts erfahren und empfangen wir dieses Übergewicht seiner Liebe über alles Böse in der Welt und in uns. Das Gericht Gottes ist Hoffnung, sowohl weil es Gerechtigkeit wiewohl weil es Gnade ist. Wäre es bloß Gnade, die alles Irdische vergleichgültigt, würde uns Gott die Frage nach der Gerechtigkeit schuldig bleiben. Wäre es bloße Gerechtigkeit, würde es für uns alle am Ende nur Furcht sein können. Die Menschwerdung Gottes in Christus hat beides so ineinandergefügt, daß Gerechtigkeit hergestellt wird

Abschließender Gedanke

Kann man von irgendetwas sagen: Siehe, das ist neu? Pred 1:10

Abschließen möchte ich mit folgendem christologischen Gedanken: im ersten Kapitel stellt Kohelet diese rhetorische Frage: Gibt es etwas Neues? Zur Zeit Kohelets ist die Antwort: nein! In unserer Zeit lautet die Antwort: Ja! Die Frage, ob es auf der Welt etwas Neues geben könnte, können wir seit der Auferstehung mit Ja beantworten. Am Ostermorgen ist alles neu geworden. Eine Neuheit, die das Leben dessen, der sie annimmt, verändert. In der Auferstehung sagt Gott neu: Es werde Licht! Der Auferstandene selbst ist Licht, das Licht der Welt. Er ist das reine Licht: Gott selbst, der eine neue Schöpfung mitten in der alten werden läßt, Chaos zu Kosmos gestaltet.