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Wüstenväter: der Nächste

Umgang mit dem Nächsten (Wüstenväter)


Über die Sanftmut

Eure Sanftmut lasst alle Menschen erfahren! Phil 4:5

Einige von den Alten kamen zum Altvater Poimen und sagten zu ihm: Wenn wir beim Gottesdienst Brüder einnicken sehen, willst du, dass wir ihnen einen Stoß geben, damit sie in der Vigil wachen? Er erwiderte: Wahrlich, wenn ich einen Bruder einnicken sehe, dann leg ich seinen Kopf auf meine Knie und lasse ihn ruhen. Apophthegmata    

Das Leben ist immer Entscheidung. Versuche Situationen wahrzunehmen, wo du ganz bewusst sanftmütig reagieren kannst.


Über Splitter und Balken

Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Mt 7:3

In einer Versammlung sprachen die Väter viel über einen Bruder, der versagt hatte. Ein Altvater aber schwieg. Danach nahm dieser Altvater einen Sack, füllte ihn mit Sand und lud ihn auf seinen Rücken. Darauf tat er ein wenig von dem gleichen Sand in ein Körbchen und trug es vor sich her. Und als ihn die Väter fragten, was das bedeuten solle, antwortete er: Dieser Sack mit dem vielen Sand stellt meine Sünden dar, und weil es viele sind, habe ich sie auf meinen Rücken gepackt, damit ich sie nicht anzuschauen brauche. Dies bisschen Sand hier aber sind die Versäumnisse dieses Bruders. Die halte ich mir vor Augen und wühle in ihnen. Aber so soll man es nicht halten, sondern meine grössere Sündenmenge soll mir vor Augen stehen, und ich muss über sie nachdenken und Gott bitten, dass er mir vergibt. Apophthegmata


Über die Vergebung

Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben. Mt 6:14

Ein Bruder hatte sich etwas zuschulden kommen lassen. Als er nun von seinen Brüdern deswegen gescholten wurde, ging er fort. Die Brüder aber folgten ihm nach, um ihn zurückzuholen und begannen, ihm seine Vergehen von neuem vorzuhalten. Er aber bestritt seine Schuld nicht. Da gesellte sich ein Altvater zu ihnen, der erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Ich sah am Flussufer einen Mann bis zu den Knien im Schlamm stecken. Und als einige kamen, um ihn mit hingestreckter Hand herauszuziehen, sanken sie selbst bis zum Halse ein. Betroffen von seinen Worten taten die Brüder Buße und riefen den, der davongegangen war, in ihre Gemeinschaft zurück. Apophthegmata


Über den Zorn gegen den Nächsten

Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. Eph 4:26

Nicht zornig zu werden ist eine gute Sache. Sollte dich der Zorn aber einmal überfallen, dann darf dein Tag, der davon überschattet wurde, nicht in diesem Schatten enden. Denn es heisst: Lass die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn. Sonst könnte es sein, das der Schatten sich über dein Leben verbreitet. Weshalb einen Menschen verabscheuen, wenn er dir weh getan hat? Nicht dieser Mensch ist schuldig, sondern der Teufel. Verabscheue die Krankheit, doch nicht den kranken Menschen. Apophthegmata


Über die Barmherzigkeit

Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist! Lk 6:36

Ein Bruder fragte Altvater Poimen: Ist es recht, den Fall eines Mitbruders, den ich sehe, zu bedecken? Der Altvater sagte: Zu der Stunde, in der wir den Fehler unseres Mitbruders zudecken, deckt Gott auch die unseren zu. Und in der Stunde in der wie den des Bruders aufdecken, offenbart Gott auch den unsern! Apophthegmata  

Vor allem aber habt innige Liebe untereinander; denn die Liebe wird eine Menge von Sünden zudecken. 1. Petr 4:8


Über gutes Reden

Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. Eph 4:29

Wenn ein Bruder von einem andern Übles redet vor dir, hüte dich, dich von ihm einschüchtern zu lassen und zu sagen: Ja, es ist so. Sondern entweder schweige oder sage zu ihm: Bruder, ich bin selbst verdammt und kann einen andern nicht richten. So rettest du dich selbst mit dem andern. Apophthegmata  

Wir geraten häufig in Situationen, in denen ein anderer über irgendjemand etwas erzählt. Wir wissen dann oft nicht, wie wir uns verhalten sollen. Wir wollen nicht urteilen, aber auch den, der uns von anderen Menschen erzählt, nicht bloßstellen. Die Mönche raten, entweder zu schweigen oder aber auf sich selbst zu verweisen: Ich bin selbst schwach. Ich habe den gleichen Fehler wie der andere. Ich kann nicht über andere richten. Dann beschäme ich den anderen nicht. Aber ich ermutige ihn dennoch, vom Reden über andere zu lassen. Ich erweise mir, dem Erzähler und dem, über den gerade geredet wurde, etwas Gutes, etwas, was für heisam ist. Anselm Grün