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Sprach-Verletzungen

Verletzungen durch Sprache


Bedeutung sprachlicher Verletzungen

Petrus aber tat den Mund auf und sprach. Apg 10:34

Dass Ablegen des alten Menschen beinhaltet u.a. eine wieder kehrende Reflexion darüber, wie wir mit unserer Sprache umgehen, heilend oder verletzend, aufbauend oder nieder drückend. Für mich ein Dauerbrenner-Thema. Wenn’s bei mir eine Statistik gebe über die Häufigkeit meiner Verfehlungen, so stände definitiv der Mord mit Zähler 0 an letzter Stelle und die sprachlichen Verfehlungen mit Abstand auf Platz 1. Wie ist das bei dir. Sprache kann verletzen. Dabei stehen wir als Verletzte und Verletzende gleichermaßen im Mittelpunkt. Die nächsten Tage werde ich unterschiedliche Arten sprachlicher Verletzungen darstellen.


Verletzungen durch Kritik

Ohne Holz geht ein Feuer aus, und ohne ein Lästermaul legt sich der Streit. Ein streitsüchtiger Mensch lässt den Zank aufflammen wie Kohle die Glut und Holz das Feuer. Sprüche 26:20‭

Kritik an der richtigen Stelle mit den richtigen Worten und stets mit Sanftmut formuliert ist richtig und wichtig. Häufig jedoch schießen wir über das Ziel hinaus, machen manchmal auch aus einer Mücke einen Elefanten. Es hilft häufig einen Schritt zurück zu tretten, die Emotionen abflachen zu lassen und häufig sind dann die kritikwürdigen Probleme doch nicht so dramatisch, wie sie es am Anfang erschienen. Kritik – falsch formuliert – verletzt den anderen und dieser schaltet dann sofort auf den Verteidigungsmodus um. Zwei Menschen streiten sich. Der eine wirft dem anderen eine ärgerliche Bemerkung an den Kopf, und der andere reagiert gleich mit einer scharfen Erwiderung. Keiner von beiden will jetzt mehr aufhören, weil sein Schweigen als Schwäche oder Niederlage gedeutet werden könnte. Gut formulierte Kritik ja – aber es unterliegt weder unser Verantwortung, noch ist es unser Recht, andere mit unseren Urteilen, seien sie zutreffend oder nicht, zu bombadieren. Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Selbstverteidigung, Streiten und heftigen Wortwechseln zu vergeuden.  


Verletzungen durch Beleidigen

Die Worte eines gedankenlosen Schwätzers verletzen wie Messerstiche; was ein weiser Mensch sagt, heilt und belebt. Sprüche 12:18

Abfällige Bemerkungen berauben andere Menschen ihrer Würde und schädigen mit der Zeit auch ihr Selbstwertgefühl. Ich achte stets darauf, positiv über den anderen zu reden, gerade dann, wenn er mir auch nicht so liegt. Das hat heilende Wirkung auf unsere Beziehung. Ich bete stets darum, dass Gott mir hilft, das Schöne in der Seele des anderen wahrzunehmen. Und dennoch, nicht ausgesprochen, sondern in Gedanken, gelingt mir das dann auch wieder nicht. Momente, in denen ich bemerke, wie sehr ich auf Gottes unergründliche Barmherzigkeit angewiesen bin. Ob nun in Gedanken oder in Worten – achten wir darauf, den anderen nicht zu beleidigen, sondern achten wir seine von Gott verliehene Würde, gerade dann, wenn uns dieser Mensch mir auch nicht so liegt.

Herr, halte du selbst meine Zunge im Zaum, damit kein schlechtes Wort über meine Lippen kommt! Ps. 141:3


Verletzungen durch Ignorieren

Man kann nicht nicht kommunizieren. Watzlawick

Mit diesem Watzlawick-Zitat bin ich im Pädagogik-Studium semesterartig bombadiert worden. Und ja, es stimmt! “Nicht-Kommunikation geht nicht”. Man kann den anderen verletzen durch sein Schweigen, indem man ihn bewusst ignoriert. In einer aufgebrausten Situation kann eine kurze Kommunikationspause durchaus sinnvoll sein. Danach aber müssen wir unser Schweigen brechen, weil der Konflikt ansonsten zu einem Geschwür wird: solange wir ihn ignorieren, wird er wachsen und uns und dem anderen Schmerzen bereiten. Ich habe früher häufig, viel zu häufig, geschwiegen. Seitdem ich das geändert habe, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es positiv und mit einiger Übung auch gar nicht mehr so schwer ist, schwierige Dinge direkt anzusprechen.    


Verletzungen durch Klatsch und Tratsch

Ein hinterlistiger Mensch sät Zank und Streit, und ein Lästermaul bringt Freunde auseinander. Sprüche 16:28

Menschen, die dir Klatsch erzählen, klatschen auch über dich! Sei dir dessen bewusst! Wenn du in ein solches Klatschgespräch verwickelt wirst, ziehe dich entweder sofort irgendwie raus oder konfrontiere den anderen mit einer positiven Sicht, indem du z.B. für Verständnis wirbst für denjenigen, über den der andere da “tratschen” will. Andererseits ertappe ich mich manchmal auch, dass in mir eine Lust aufsteigt, mich an dem Tratsch zu beteiligen, durch das negative Tratschen über andere steigt in mir mein Selbstwertgefühl, wie toll ich doch bin und es schafft Beziehung mit demjenigen, mit dem ich tratsche. Glücklicherweise merke ich diese Lust mittlerweile recht schnell und kann meist auch früh genüg innerlich Stop sagen. Oft entstehen durch Tratsch und Klatsch Probleme an Stellen, an denen keine existieren – das erlebe ich so häufig! Darum: versuchen wir uns jeglichem Tratsch und Klatsch so weit wie möglich zu entziehen – unsere geschenkten Lebensjahre sind dafür einfach zu kostbar!      


Verletzungen vermeiden – Verurteile niemanden!

Verkehrte Gedanken trennen von Gott. Weisheit 1,3

Ob nun Klatsch und Tratsch, Ingorieren, Beschimpfen, Kritisieren …. alles hat seinen Ursprung in verkehrten Gedanken, die nicht dem Willen Gottes entsprechen. Dem Willen Gottes aber täglich nach zu eifern, das ist unsere Lebensaufgabe. Wenn wir mit anderen Menschen Probleme haben, aus denen klar auch Verletzungen hervorgehen, so ist nie nur der Andere das Problem! Es geht immer und überall um Beziehung und somit auch um mich. In einem Väterspruch wird auf die Frage, warum wir so häufig über unsere Mitmenschen urteilen, folgende Antwort gegeben: “Weil du dich noch nicht selbst kennst. Denn wer sich selbst kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht!” Denn: wer sich selbst kennt, weiß auch um seine eigenen Fehler. Aus der Erkenntnis, dass kein Mensch fehlerfrei und gerecht ist, wächst die Rose der Barmherzigkeit und Milde. Wenn du innerlich weniger über andere urteilst, so wirst du auch seltener mit deiner Sprache andere verletzen, sondern hast für jeden ein Wort des Trostes und der Vergebung.  


Verletzungen vermeiden – Klappe halten!

Lerne schweigen, o Freund. Dem Silber gleichet die Rede, aber zu rechter Zeit Schweigen ist lauteres Gold. Sprichwort

Nicht immer und überall, aber doch häufig ist das “Klappe halten” die simpelste und effektivste Methode, um achtsamer mit seinen Worten umzugehen und andere nicht zu verletzen. Ich habe einen Spruch der Wüstenväter gefunden, der in einem interessanten Bild genau das empfiehlt: “Als David mit dem Löwen zusammengeriet, da packte er ihn an der Kehle und tötete ihn. Wenn wir nun unsere Kehle und unseren Bauch niederhalten, dann werden wir mit Gottes Hilfe den unsichtbaren Löwen bezwingen.” Die “Kehle niederhalten” hört sich evtl. etwas verschroben an, meint aber etwas höchst aktuelles und wichtiges, nämlich seine Zunge, seine Worte und Sprache zu beherrschen, manchmal einfach auch nichts zu sagen.

Zum Ende der Wochenreihe ein Gebet von Faustina: Herr, hilf mir, dass meine Zunge barmherzig wird, dass sie über den anderen nicht abfällig oder boshaft redet, sondern für jeden einen Wort des Trostes und der Vergebung.