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Vergebung 1

Vergebung


Gott vergibt – Gott sei Dank

Einer von ihnen lief zu Jesus zurück, als er merkte, dass er geheilt war. Laut lobte er Gott. Lk 17:15

Beim Wochenthema “Vergebung empfangen und spenden” spielt Dankbarkeit eine wichtige Rolle. In der ev. Kirche wird nächsten Sonntag die Heilung der 10 Aussätzigen gelesen, von denen nur einer zu Jesus zurück kommt und Gott voll Dankbarkeit lobt. Wer dankbar lebt, der ist nicht nur glücklicher, der lebt auch in Gottes Geist. Dieser ist aber Vergebung. Menschliche Vergebung ist für mich undenkbar ohne den Dank für die Vergebung, die mir Gott zu spricht. “‭Dann werde ich singen und jubeln über deine Vergebung.”‭ (Ps 51,14) Dieser Dank ist das Fundament, das Kraft und Einsicht gibt, dem Nächsten zu vergeben und sei dies noch so schwer. Denken wir heute ganz konkret daran, was uns Gott schon alles vergeben hat.

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Ps 103,2 

 


Vergeben wollen – Wo ein Wille, da ein Weg

Vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.‭ Eph 4:32

Vergeben bedeutet nicht gutheißen, was uns zugefügt wurde. Nur wo etwas schlecht war, ist Vergebung überhaupt angebracht. Doch solange wir nicht vergeben wollen, bleiben auch wir selbst in der Fessel verhaftet, in die uns die Sünde des anderen geschlagen hat. Und wir bleiben darin gefangen. Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man bereit ist, Vergebung zu schenken. Der Anfang ist gemacht, wenn der Wunsch zu vergeben in uns aufkeimt. Er holt uns aus der Passivität und löst die uns angelegte Fessel. Wir beginnen wieder unsere Würde in Anspruch zu nehmen, die der andere verletzt hat. Wir gelangen allmählich wieder zum Eigenbesitz unserer selbst. Achten wir auf unser Herz, dass es die Härte, die der Vergebung oft im Weg steht, überwindet.

Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann. Hildegard von Bingen


Vergebung empfangen

Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst.‭ Kol 3:13

Das eine ist es, jemanden zu vergeben. Das andere ist, jemanden um Vergebung zu bitten. Das empfinden viele als bitter, weil wir uns vor Demütigung fürchten. Wie schwer fällt es uns, aus ganzem Herzen um Vergebung zu bitten! Da gehen wir bildhaft gesprochen in die Knie. Das ist oft schwerer als selbst zu vergeben. Mein Schlüsselerlebnis war folgendes: Streit mit einer Mitarbeiterin. Ein Jahr nicht miteinander gesprochen. Dann die Überwindung: Ich bat um Vergebung. Sie vergab mir und gestand auch ein, selbst nicht ganz unschuldig gewesen zu sein. Damals habe ich mir geschworen: Das passiert mir nie wieder! Wenn es Streit gibt, gehe ich spätestens am nächsten Morgen wieder auf den anderen zu.    


Vergebung: 5 Schritte ( nach A. Grün)

  1. Den Schmerz zulassen: Beleidigung nicht verharmlosen.  

2. Wut zulassen: schafft Distanz, um wieder zu mir zu kommen  

3. Ansehen und verstehen: die Beleidigung, den Beleidiger und mich selbst als Beleidigten verstehen, ohne zu bewerten.  

4. Der Schritt zur Vergebung: aktiv befreie ich mich von der Macht des anderen, der mich beleidigt hat. Und ich befreie mich von der negativen Energie, die durch die Beleidigung des anderen noch in mir ist. Wenn ich nicht vergeben kann, bin ich noch an den anderen gebunden. Ich lasse meine Stimmung noch von ihm bestimmen. In der Vergebung reiße ich mich los von der Bindung an den anderen. Ich lasse ihn sein, wie er ist. Das bedeutet nicht, dass ich ihm gleich um den Hals falle. Es kann durchaus sein, dass ich noch längere Zeit des Abstands brauche, damit die Vergebung sich in mir durchsetzen kann, dass sie nicht nur ein Akt des Willens bleibt, sondern auch in mein Herz dringt.  

5. Die Wunde wird zur Perle: Dort, wo ich verletzt ­worden bin, bin ich auch aufgebrochen ­worden für mein wahres Selbst. Meine Masken und Rollen wurden zerbrochen. Und durch die Wunde hindurch erkenne ich ­meine eigenen Fähigkeiten. Ich mache mich auf den Weg, bewusster zu leben.    


Vergebung – Große Geschichten 1

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute. Röm 12:21

Erino Dapozzo war im KZ. Er litt Hunger und Krankheit. An Weihnachten 1943 ließ ihn der Kommandant zu sich rufen. Dapozzo musste hungernd zusehen, wie der KZ-Leiter üppig speiste und noch die Kuchen aß, die Dapozzos Frau ihrem Mann geschickt hatte. Hass war die naheliegende Antwort. Dapozzo betete gegen den Hass an. Er bat um Liebe und konnte so den Hass überwinden. Nach dem Krieg fand er den Kommandanten nach langem Suchen. Dapozzo berichtet: Ich sagte zu ihm: „‚Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?’ Da bekam er plötzlich Angst. ‚Sie sind gekommen, um sich an mir zu rächen?’ Ja, bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein herrlicher Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir schweigend den Kuchen und tranken Kaffee. Der Kommandant begann zu weinen und mich um Verzeihung zu bitten. Ich erzählte ihm, dass ich ihm um Christi willen vergeben hätte.    


Vergebung – Große Geschichten 2

Vergebung ist kein Gefühl, sondern ein Akt des Willens. Corrie ten Boom

Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete Corrie ten Boom ein Heim für Opfer des Nationalsozialismus. Sie lehrte in der ganzen Welt über Vergebung und erlebte, wie Menschen frei wurden von Bitterkeit und Hass. Doch dann trifft Corrie ten Boom den Mörder ihrer Schwester Betsie und dieser bittet sie um Vergebung. Corrie zögert und spürt, dass sie aus eigener Kraft nicht vergeben kann. Doch sie übergibt sich in ihrer Schwachheit ganz dem Herrn und daraufhin erfährt sie die große Gnade Gottes, dem Mörder ihrer Schwester vergeben zu können. Sie erfährt in ihrer Schwachheit die Kraft unseres Heilandes Jesus Christus. In dem Moment, in dem Corrie die Hand des Mörders ihrer Schwester ergreift, geschieht Unglaubliches: Eine riesige Last fällt von ihren Schultern, ihr ganzes Sein wird von dieser heilenden Wärme durchflutet. Sie hat Tränen in den Augen, als sie sagt: “Ich vergebe dir, Bruder. Ich vergebe dir von ganzem Herzen.” Corrie ten Boom schreibt später in ihrem Buch “Die Zuflucht” unter dieses Zeugnis von unglaublicher Liebe, dass sie niemals die Liebe Gottes so erlebt hatte, wie damals in diesem Moment.