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Mäßigung

Mäßigung


Die Tugend der Mäßigung 

Gib mir Liebe zu deinem Wort und lass mich nicht in Habgier verfallen! Ps 119:36

In uns steckt eine Neigung zur Gier immer mehr haben zu wollen. Darum ist es schwer Maß zu halten. Es war noch nie so schwer wie jetzt: die große Fülle an Angeboten und Möglichkeiten reizt unentwegt. Das betrifft alle Lebensbereiche: Essen, Einkauf, Mediennutzung, Gemeinschaft, Arbeit, Sex, Alkohol, Anerkennung, Schokolade, Urlaubstrips. Jeder hat irgendwo seine Punkte, wo er gefährdet ist. Der eine hier, der andere dort. Fakt ist: Die Tugend des Maßhaltens ist heute wichtiger als jemals zuvor! Gerade weil wir wissen, dass tiefe Freude allein im Blick auf Jesus erwächst, denn “das Wesen dieser Welt vergeht.” (1. Kor. 7,31)  

Herr Jesus, führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.


Erkenne und achte dein Maß

Alles steht mir frei, aber nicht alles ist förderlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich darf mich von nichts beherrschen lassen. 1. Kor 6:12

Mäßigung geht auf das griechische Wort Sophrosyne zurück. Dies bedeutet: die eigenen Grenzen erkennen, bejahen und einhalten: begrenzte Kraft, begrenzte Zeit, begrenzte Möglichkeiten. Missachte ich diese Grenzen, verliere ich das gesunde Maß, dann leidet mein Körper, meine Psyche und am Wichtigsten meine Seele und darin meine Beziehung zu Jesus. Im Kern bedeutet die Tugend des Maßhaltens: nicht mehr wollen, als gut für mich ist, als ich vertrage. Ziehe  Grenzlinien: Bis hierhin und nicht weiter. Hier ist meine Grenze, mein Maß. Darüber gehe ich nicht hinaus.  

Aus dieser Grenzziehung heraus dürfen wir Christus in Dankbarkeit begegnen und ihn immer wieder neu bitten:  gib du darin dein Erbarmen dazu.


Mäßige deine Wünsche. Begehre weniger!

Sei zufrieden mit dem, was du hast, und verlange nicht ständig nach mehr. Prediger 6:9

Wenn man begehrt, was man nicht hat, ist man unzufrieden. Und weil man nie alles haben, alles genießen, alles sehen und erleben kann, wird man nie zufrieden sein. „Willst du glücklich werden, vermehre nicht deinen Besitz, sondern vermindere deine Wünsche!“ (Seneca) Wir denken dabei meist an materielle Werte. Schwerwiegender für unsere Seele sind allerdings andere Bereiche z.B. ein überhöhtes Begehren nach Anerkennung und Ehre. Vermindere deine Wünsche. Begehre weniger. Lass den perfektionistischen Anspruch, was du alles haben solltest. Auch wenn dieses Loslassen Kraft und Leiden kosten, am Grund wartet eine stille Zufriedenheit, die unabhängig ist von allem Äußerem.  

Herr, lass dein Licht in unseren Herzen aufstrahlen und führe uns durch das Dunkel dieses Lebens in deine unvergängliche Klarheit.


Es ist genug – die wahre Freiheit

Ihr seid freie Menschen. 1. Petr 2:16

Was ist genug für mich? Wann habe ich genug gearbeitet, Länder besucht, Anerkennung bekommen u.a.? Wann ist es genug? Wo ist die Grenze? Wo ist mein Maß? Wenn ich innerlich spüre, dass ich nicht alles haben muss, entsteht ein Gespür für wahre Freiheit dafür, wann es für mich genug ist. Wer sagen kann „Ich habe genug“ der wird frei von dem Diktat des Immer mehr haben Müssens. Ganz tief leuchtet es plötzlich auf: Gott allein genügt. “Nach was also verlangst du voll Gier? Wenn du nach etwas anderem als dem Heiligen Geist verlangst, was wird dir genügen, wenn Gott dir nicht genügt?” (Augustinus)  

Deine Freiheit beruht weniger auf der Kraft deiner Arme als auf der Mäßigung deines Herzens.


Setze dir in der Mäßigung kleine Ziele

Zu viel Honig essen ist nicht gut, zu viel Ehre bekommt einem nicht . Spr 25:27

Grenzen einzuhalten heißt zu verzichten. So ein Verzicht ist schwer. Das schafft man nur, wenn man sich ein Stück weit selbst unter Kontrolle hat. Daher ist ein Aspekt dieser Tugend die Selbstbeherrschung. Diese lässt sich trainieren. Wie Muskeln durch Training stärker werden, so kann auch die Willenskraft durch regelmäßige Disziplinübungen gesteigert werden. Aber vorsichtig. Nicht übertreiben. Der Wille erschlafft, wenn er lange gefordert ist und bricht dann ein. “Zu viel” ist auch hier nicht gut. Setze dir kleine Ziele. Diese aber setze dann um. Das bringt deiner Seele mehr, als die großen Vorsätze, die morgen schon Vergangenheit sind.  

Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten; aber vor allem führe er uns zu sich.


Den Bogen nicht über das Maß spannen

Alles Übermaß ist von den Dämonen.  Abbas Poimen

Heute gibt es eine Geschichte von den Wüstenvätern, die uns begreiflich machen soll, dass in welchem Bereich auch immer, wir den Bogen nicht überspannen sollen.  

Da war ein Jäger, der sah, wie der Altvater Antonios mit den Brüdern Kurzweil trieb und er nahm Ärgernis daran. Da nun Antonios ihm klarmachen wollte dass man sich zuweilen zu den Brüdern herablassen müsse, sprach er zu ihm: Lege einen Pfeil auf den Bogen und spanne ihn. Er machte es so. Da sagte er zu ihm: Spanne noch mehr! Und er spannte. Abermals forderte er ihn auf: Spanne! Da antwortete ihm der Jäger: Wenn ich über das Maß spanne, dann bricht der Bogen. Da belehrte ihn Antonios: So ist es auch mit dem Werk Gottes. Wenn wir die Brüder übers Maß anstrengen, versagen sie schnell. Man muss also den Brüdern ab und zu entgegenkommen. Als der Jäger das hörte, ging er in sich, und mit großem Gewinn schied er von dem Altvater. Die Brüder aber kehrten gefestigt an ihren Ort zurück.


Maß halten gibt dem Leben eine Richtung

Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen. Phil 3,13

Die Tugend des Maßhaltens bedeutet, Nein sagen zu können. Bildlich gesprochen heißt Maß halten: Dämme aufzurichten. Allerdings nicht Dämme auf vier Seiten, die unser Leben einengen und zum Stillstand bringen, sondern Dämme auf zwei Seiten, damit unsere Energien in eine eindeutige Richtung strömen können, stark, konzentriert und wirksam. Positiv formuliert bedeutet die Tugend des Maßhaltens also die Fähigkeit zur Fokussierung. Fokussierung ist das ruhige, gesammelte Gerichtetsein auf eine Sache. Nur wenn wir zu vielen Dingen Nein sagen, haben wir die Kraft für ein großes Ja. Das ist der Sinn dieser Tugend.