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Gerechtigkeit

Gerechtigkeit


Sinn für Gerechtigkeit

Wo Menschen gerecht miteinander umgehen und nach Gottes Willen fragen, da bin ich zu Hause. Spr 8:20

Wir haben einen Sinn für Gerechtigkeit. Es ist ein Gespür für das, was recht und unrecht ist. Dieser Sinn reagiert wenn wir sehen, dass Unrecht geschieht, löst evtl. Schmerz und Zorn aus. Dem Herrn sei Dank für dieses Gespür für Gerechtigkeit! Gerechtigkeit als Tugend bedeutet, dass ich Verantwortung dafür trage, dass Recht geschieht und Unrecht benannt wird. Das ist der Wille Gottes. “Der Herr ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb.” (Ps 11,7) Daher: “Bemühe dich um Gerechtigkeit.” (1. Tim 6,11), denn “keine wahre Liebe ohne Gerechtigkeit und keine wahre Gerechtigkeit ohne Liebe.”  (Adolf Kolping)

Sicher kannst du nicht die Welt retten, aber in deinem Alltag kannst du darauf achten gerecht zu handeln und Ungerechtigkeit anzusprechen.


Wortbedeutung von Gerechtigkeit

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31,8

Das hebräische Wort für Gerechtigkeit Zedaka ist ein Beziehungswort, soll heißen, es geht darum sich in konkreten Beziehungen, zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Umwelt, angemessen zu verhalten im Sinne der Gerechtigkeit. Das hört sich schnell abstrakt und fern an, beginnt aber in meinem unmittelbaren Umfeld: evtl. gibt es an der Arbeit jemanden der ungerecht behandelt wird. Gerecht sein heißt da: mich nicht raushalten, sondern den Mund aufmachen, den Konflikt riskieren und mich nicht resignierend darauf zurück zu ziehen, dass man ja doch nichts machen kann. “Die Nächstenliebe ist immer mit der Gerechtigkeit verbunden.” (Vinzenz von Paul)

Wo geschieht bei dir heute in diesem Sinne die Verlebendigung des göttlichen Wortes?


Gefahr der Selbstgerechtigkeit

Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Mt 9,11

Menschen, die sich besonders intensiv bemühen, gerecht zu leben, halten sich schnell für besser als andere. Ich bin schon viel zu oft in diese Versuchung getappt! Was an und für sich gut ist, wird unangenehm, wenn man es den anderen unter die Nase reibt und damit die eigene moralische Überlegenheit hervorhebt. In unserem Bemühen um Gerechtigkeit fixieren wir uns so sehr, dass das  Wesentliche gar nicht mehr wahrgenommen wird: dass es Gott in allen Geboten um die Liebe zu ihm und den Menschen geht. Alle Tugenden aber, die von der Liebe getrennt sind, sind sehr unvollkommen. 

Mische daher deine Worte der Gerechtigkeit stets mit Barmherzigkeit und Milde!


Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung. Thomas von Aquin

Im Zweifelsfall solltest du immer die Barmherzigkeit wählen. Franz von Sales antwortete einmal, als er kritisiert wurde, dass er jenen gegenüber, die die Gebote missachten, viel zu milde sei, mit folgenden Worten: „Mir ist es lieber, ich sündige wegen allzu großer Milde als wegen zu großer Strenge.” Und weiter sagt er: Urteile immer zugunsten des Nächsten, soweit es nur möglich ist. Hätte eine Handlung hundert Gesichter, so sollst du das schönste ansehen.

Sei milde, urteile zugunsten des Nächsten und schärfe deine Wahrnehmung für das Schöne am anderen.


Gefahr des Fanatismus

Sie wollen Blinde führen, sind aber selbst blind. Mt 15:14

Zorn ist eine angemessene Reaktion auf Ungerechtigkeit. Wird er allerdings nicht gezügelt, eskaliert er, wird fanatisch, will sich rächen, wird auf dem Auge der Liebe blind. Um gerecht nach dem Willen Gottes zu sein, darf die Liebe beim Kampf um Gerechtigkeit nie verschwinden. “Man muss lieben lernen, um gerecht sein zu können.” (Guardini). “Wahre Gerechtigkeit empfindet Mitleid, falsche  Gerechtigkeit Entrüstung” (Luther) Mag die Tat böse sein, der Täter ist mehr als seine Tat. In christlicher Perspektive bleibt der Mensch, auch wenn er Böses tut, ein von Gott geliebtes Wesen.


Jesus Christus, der Gerechte

Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen. 1 Petr 3,18

Gerechtigkeit im biblischen Sinne bedeutet, vor Gott bestehen zu können. Nun wissen wir, dass wir selbst nicht in dieser idealen Weise glauben, sondern immer wieder eigene Wege gehen und dabei auch Reinfälle erleben. Zum Glück für uns, vergibt uns Gott aber immer wieder, wenn wir falsche Wege als solche erkennen, von diesen umkehren und um Vergebung bitten. Wir sind hier wie Auszubildende, die nicht perfekt sind sondern Fehler machen. Wichtig ist es, dass wir bei Jesus in der Ausbildung bleiben – und wenn es der Herr schenkt, vielleicht auch Fortschritte machen dürfen – um am Ende aus Gnaden angenommen zu werden.

Gott, ich glaube, dass du hier und jetzt für mich gegenwärtig bist und dass du mich liebst. Gott, du kennst meine Schwächen besser als ich selbst. Hilf mir mit deinem Licht, diesen Tag zu überschauen. Ignatius von Loyola


Dank für deine Gerechtigkeit (Psalm 138)

Herr, von ganzem Herzen will ich dir danken! Ps 138:1

Der Psalm endet im Vers 8 mit “Der Herr wird es für mich vollbringen!” Später wird Jesu am Kreuz sagen: „Es ist vollbracht.” (Joh 19,30). Der Psalm 138 ist ein Danklied für dieses Vollbrachtsein. Dadurch, dass er sich selbst zur Sünde gemacht hat, hat er uns gerecht vor Gott gemacht und diese Gnade währt ewig. “Groß ist die Herrlichkeit des Herrn!” (Ps 138:5). Dieses Gerechtsein vor Gott ist größtes Geschenk, ewige Gnade. “Ich preise deinen Namen für deine Güte und Treue.” (Ps 138,2). Wir sind in Gottes Hand gerade dann wenn’s schwierig wird: “Wenn ich mitten durch die Bedrängnis gehe, so wirst du mich am Leben erhalten.” (Ps 138:7)

An dem Tag, da ich rief, hast du mir geantwortet; du hast mir Mut verliehen, in meine Seele kam Kraft. (Ps 138:3)