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Demut

Die Wortbedeutung von Demut 

Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Mt 11:29 

Demut bedeutet das gläubige Anerkennen Gottes. Es beinhaltet ein Bewusstsein unendlichen Zurückbleibens hinter der erstrebten Vollkommenheit. Von seiner altdeutsche Herkunft bedeutet Demut dienstwillig zu sein. Demut bedeutet sich in einer dienenden Haltung zu Gott zu befinden. Wir sind seine geliebten Werkzeuge. Von seiner hebräischen Herkunft dagegen bedeutet Demut “sich beugen“. Demut bedeutet, sich vor Gott zu beugen, ihn somit als Gott anzuerkennen und als Herr unseres Lebens. Das lateinische Wort für Demut “humilitas” hat mit Humus zu tun, mit Erdnähe.  Demütige Menschen stehen mit beiden Beinen auf der Erde, um zum Himmel zu blicken. Ein Glauben ohne Demut ist undenkbar. Es ist neben der Tugend der Liebe die Tugend schlechthin. Lernen wir von der Demut Jesus.   

Es ist wirklich nicht gut, weder geistig noch körperlich, auf Zehenspitzen zu gehen. Franz von Sales


Demut als Befreiung von der eigenen Wichtigkeit 

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott? Micha 6:8

Demut bedeutet nicht, sich klein zu machen und seinen eigenen Wert zu leugnen. Falsche Demut ist, wenn man sich selbst nur schlecht macht. Wir Menschen sind Gottes Ebenbild. Wenn wir uns selbst verachten, verachten wir Gott. Demut besteht nicht darin, dass wir uns für minderwertig halten, sondern darin, dass wir vom Gefühl unserer eigenen Wichtigkeit frei sind. Demut bedeutet eine realistische Selbsteinschätzung, bei der man seiner eigenen Geringheit im Vergleich mit der Größe Gottes bewusst wird. Demütige Menschen haben Mut zu dieser ihrer eigenen Wahrheit. Sie wissen, daß alle Abgründe dieser Welt auch in ihnen sind. Daher verurteilen sie niemanden. Stattdessen halten wir unser Herz ganz unten, ganz ruhig, zu Füßen des Kreuzes.


Demut im Betrachten meiner Stärken und Schwächen 

Ich habe dem Herrn gedient in aller Demut. Apg 20:19

Sieh auf deine Fehler und Schwächen und erkenne, dass du ohne Gottes Hilfe überhaupt keine Chance hast. Betrachte ebenso auch deine guten Seiten, deine Fähigkeiten und Stärken, sei dir aber bewusst, dass diese nicht aus dir selbst kommen, sondern Geschenke Gottes sind. Demut ist jene Tugend, die dir die Kraft gibt, dich selbst so anzunehmen, wie du bist: Deine Fehler und Schwächen ebenso wie deine Stärken. Weder vor dir selbst noch vor deinen Mitmenschen und schon gar nicht vor Gott ist es notwendig, irgendwelche Masken aufzusetzen. Der demütige Mensch lebt so wie er ist.    

Wir sind doch alle nur Bettler. Martin Luther


Demut im Betrachten des Nächsten 

Abbas Isaias sagte von der Demut: Sie hat keine Zunge, um von jemandem zu sagen, er sei nachlässig, oder von einem anderen, er sei verachtenswert. Sie hat keine Augen, um die Fehler des anderen zu sehen, noch Ohren, um für die Seele schädliche Dinge zu hören. Sie kümmert sich um nichts anderes als um ihre Sünden. Sie ist friedfertig gegenüber allen Menschen.

Wir reden über die Fehler der anderen. Das wertet uns auf und lenkt von unseren eigenen Fehlern ab. Die Demut dagegen legt erst gar nicht die Vergrößerungslupe auf die Fehler des anderen, sondern betrachtet vielmehr die eigenen. Die Demut ist die Tugend, die es wagt, sich in der eigenen Menschlichkeit und Begrenztheit anzunehmen. Wer das tut, der wird  friedfertiger gegenüber allen Menschen. Er hat ja die gleichen Fehler wie sie. So wünscht er sich und den anderen, dass sie in Frieden kommen mit sich selbst. In ein demütiges Herz zieht Gott ein.

 


Gottes Tun 

Begegnet ihm mit Demut und Verehrung. Ps 22:24 

 Als demütige Menschen bleiben wir geerdet. Das was wir sind, sind wir doch nur Dank Gottes Güte und Gnade und häufig auch durch Menschen, die er uns auf unseren Lebensweg schickt. Der Wunsch, alles durch sich selbst sein zu wollen, ist ein falscher Stolz. Mit Bonhoeffers Worten: Nicht unsere ausgereckte Bettlerhand, sondern das, womit Gott sie füllt, darauf kommt’s an. Und das heißt eben, zunächst nicht wir und unser Tun, sondern zunächst Gott und Gottes Tun.  

Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn. Benedikt XVI 


Demut vertraut auf Gott

Vertraue dem Herrn von jetzt an und für alle Zukunft. Ps 139,3 

Ein demütiger Mensch weiss, dass Gott derjenige ist, der letztlich alle Umstände in seiner Hand hält und vertraut lieber ihm als sich selber. Stolz hält Gott die eigenen Pläne vor die Nase. Demut erwartet hoffnungsvoll Gottes Handeln. Und sie glaubt daran, dass er gut ist, selbst in Momenten, in denen es nicht danach aussieht. Vertrauensvolles Warten, Hoffnung und Ausstrecken nach Gott, das sind Eigenschaften, die einen demütigen Menschen auszeichnen. Demut glaubt, wartet und hofft auf den Gott, der lebt und der eingreifen wird. Zu seiner Zeit.  

Meister mein, ich überlasse das Steuer meiner Seele ganz dir; führe sie selbst nach deinem göttlichen Belieben. Faustina 


Demut gegenüber Gott und dem Nächsten 

In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Phil 2:3 

In Demut unsere eigene Schwachheit zu erkennen und zu empfinden, wie sehr wir Christus benötigen, ist der Anfang des Glaubens. Je stärker uns bewusst wird, dass alles ein Geschenk ist, desto demütiger wird unser ganzer Lebensstil. Demütig vor Gott zu sein fällt uns oft leichter, als dem Nächsten in Demut zu begegnen, denn die Mücke erkennt leicht die Größe des Elefanten und der Tropfen ergibt sich in den großen Ozean, der Funke in die Sonne. Demut gegen den Nächsten fordert uns dagegen oft heraus, dass man sich eben nicht höher schätzt und besser hält als der andere, daß man ebenso auch von anderen nicht höher eingeschätzt werden will.