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Stille 2

Stille


Wiederentdeckung der Stille

Nur auf Gott wartet still meine Seele. Ps 62:2

Es ist heute eine der großen Herausforderungen, den Geist der Stille wieder zu erlangen. Wir brauchen einen Ort in uns selbst und immer wieder auch äußere Räume, wo es keinen Lärm gibt, wo der Geist Gottes zu uns sanft und still sprechen kann. Wir brauchen die Fähigkeit, selbst Schweigen zu werden, ein Schweigen, welches das Wort Gottes erfüllen kann. Mehr denn je sollte jeder sich üben, wie ein Mönch inmitten des Alltagslärm zu leben und dennoch die Stille in sich zu haben. Ist nicht immer einfach. Letzte Woche war für mich als Lehrer Schulstart, da ist immer soooo viel los und ich gerade irgendwann in Unruhe. Dennoch: Unsere Herzen sind unsere Klöster und auf dem Grund jeder Aktivität gibt es die Stille, die man nur mit Gott teilt, gerade dann wenn sooooo viel los ist.  

Wo die Stille mit dem Gedanken Gottes ist, da ist nicht Unruhe noch Zerfahrenheit. Franz von Assisi


Gott kommt im Schweigen

Nach dem Feuer der Ton eines dahinschwebenden Schweigens. 1. Kön 19:12

Wir sehnen und danach, Gott zu erfahren. Das Schweigen ist die Voraussetzung, daß wir Gottes Stimme in unserem Herzen vernehmen und ihn so für uns erfahren. Sind wir innerlich voller Lärm und zügeln unser Karussell der Gedanken nicht, so überhören wir die leisen Impulse, durch die Gott in unserem Herzen spricht. Wir haben immer etwas zu tun und sobald so ein zarter Impuls in unserem Inneren auftaucht, schieben wir ihn vielzu häufig weg und wenden uns dem Greifbaren zu. Gerade in unserer lärmenden Welt brauchen wir für unseren Gotteskontakt Stille, denn Gott kommt nicht im Donner, Feuer oder sonst was, sondern Gott kommt im Ton eines dahin schwebenden Schweigens.  

Nur im Schweigen vollzieht sich echte Erkenntnis. Guardini


Stille bewahren bei Ärger

Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles. Lk 10:41

Bereite deine Seele jeden Morgen zur Stille vor. Achte darauf, deine Seele am Tag oft zu dieser Stille zu rufen. Sicher werden Dinge passieren, die dich ärgern. Das ist normal. Mache dir deswegen keine Vorwürfe. Nonstop gelassen geht nicht. Unsere innere Unruhe entspringt dem Wunsch, die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Dabei verschlimmert aber nichts so sehr das Übel wie Unruhe über den Ärger. Und häufig ist es schwer die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Also, so oder so:  

Beruhige vor allem deinen Geist!


Die Wüstenväter zum Schweigen

Der Sieg über jede Plage, die über dich kommt, ist das Schweigen. Abbas Poimen

Innere Stille bedeutet nicht unbedingt, nicht zu sprechen. Es geht vielmehr, um unsere inneren Stimmen und Gedanken, die unentwegt alles beurteilen und oft auch verurteilen wollen. Das innere Schweigen zu kultivieren, ist eine lebenslange Übung. Dieses wird uns durch viele Lebensstürme bringen. Zum inneren Schweigen nochmals Abbas Poimen:  

Da ist ein Mensch, der scheint zu schweigen, aber sein Herz verurteilt andere. Ein solcher redet in Wirklichkeit ununterbrochen. Und da ist ein anderer, der redet von der Frühe bis zum Abend und doch bewahrt er das Schweigen, das heißt, er redet nichts Nutzloses.


Bitten um ein schweigendes Herz

Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach. Ps 102:8

Es ist so schwer mit den Lippen zu schweigen, mit dem Herzen noch viel mehr. In mir geht so viel Gerede vor sich. Es ist, als sei ich innerlich ständig in irgendwelche Auseinandersetzungen verwickelt. Diese innere Diskussion beweist, wie weit mein Herz von dir entfernt ist. Wenn ich mir bewusst wäre, dass ich dir und dir allein gehöre, dann würde ich leicht aufhören können mit all den wirklichen oder vermeintlichen Gesprächspartnern zu diskutieren. Herr gib mir dieses Schweigen in dem ich ganz bei dir sein kann. Nouwen  

Der Sprung aus der Angst zur Ruhe ist der ungeheuerste, den der Mensch tun kann. Jasper


Schnelleritis

Wer zu schnell läuft, geht leicht fehl. Spr 19:2

Stille kommt von stillen, beruhigen, zur Ruhe bringen. Wie häufig geraten wir aber in die Schnelleritis. Ich geh mal schnell. Ich mache mal schnell. Das sind häufige Sätze. Warum schnell? Warum nicht rechtzeitig, in aller Ruhe und langsam, den inneren Raum der Stille hütend? Gerade wenn du viel mit anderen Menschen zu tun hast, wenn viele etwas von dir wollen, wenn Du Dich in intensiven Gesprächen auf sie einläßt, brauchst du diesen inneren Raum der Stille, der dich davor beschützt, dass dich die Probleme der andern bestimmen und überfordern, daß dich der Schmutz, den du im Gespräch oft mitbekommst, innerlich selber beschmutzt. (nach Anselm Grün)


Das dürre Tal

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund. Psalm 84,7

Das dürre Tal ist u.a. dieses Schweigen. Es ist nicht nötig, daß wir angestrengt bemüht sind, in Worten zu beten. Das schweigende Beten, das nur aus dem Hören kommt, kann oftmals förderlicher sein. Das christliche Schweigen ist hörendes und demütiges Schweigen. In dieser Stille liegt eine Macht der Klärung, der Reinigung, der Sammlung auf das Wesentliche und der Gang zum Grund der Quelle. Schweigen heißt hier nichts anderes als auf Gottes Wort warten und von Gottes Wort gesegnet herkommen. Dieses Schweigen wird sich auf den ganzen Tag auswirken. Gerade mitten im Lärm der Welt wirkt und beschützt es uns.  

Gepriesen sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit! Ps 113:2