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Burnout und Beziehung

Burnout und Beziehung


Burnout kommt nicht nur von Streß

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Mt 19,19

Von Lehrern wusste ich es, zuletzt habe ich es von Priestern gelesen, auch im Privaten bin ich damit konfrontiert: Burnout. Warum brennen wir aus? Bislang dachte ich es sei schlicht der Streß. Dazu hatte ich ja im Januar ein Wochenthema. Streßreduktion ist aber einfach daher gesagt, wenn z.B. Mitarbeiter krank sind und man deren Arbeit auffangen muss. Dieses Jahr habe ich ein tolles Buch von Dr. Mirriam Prieß gelesen: “Burnout kommt nicht nur von Stress.” Lesenswert! Grundthese: Nicht jeder Mensch, der Streß hat, landet im Burnout. Die entscheidende Rolle spielt vielmehr, dass wir die Beziehung zu uns selbst, zur Umwelt und zu Gott verlieren, ein Leben fern unsrer selbst führen. Was das konkret bedeutet, darum soll es die Tage gehen.  


In Beziehung mit Jesus sein

Werdet stark, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid! Eph 6:10

Du bist äußeren Stress-Umständen nie restlos ausgeliefert, sondern kannst deine Widerstandskraft stärken. Klar: Stress kann auftreten, wenn es nicht so läuft, wie ich es will. Aber: nicht immer dann, wenn es nicht so läuft wie ich es will muss Stress unbedingt auftreten!!! Darin liegt unsere Eigenverantwortung. Stärken wir unsere Widerstandskraft, sind wir mit uns selbst und den anderen im echten Kontakt, so gehen wir mit Streß anders um. Darin liegt unsere Kraft und Chance. Neben vielen, vielen anderen Dingen wird unsere Kraft v.a. durch die Beziehung zu Jesus gestärkt. Hören wir ihn, wenn er uns ruft.  


In Beziehung mit sich selbst

Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Joh 14,20

Suche die Beziehung mit dir selbst! Halte inne und frage, wer du bist und was du willst. Der innere Dialog ist unerlässlich. Wenn wir den Kontakt zu uns selbst verlieren, dann funktionieren wir nur noch. Flüchte dich nicht in die Opferrolle, steck den Kopf nicht in den Sand indem du alles auf die Umstände schiebst. Erkenne stattdessen deine Bedürfnisse und vertrete sie. Und erkenne die Krise (z.B. Burnout-Gefährdung) auch als Chance. “Gott spricht zu uns durch Misserfolge und Krisen, um uns aufzuwecken, zur Besinnung zu bringen und vor der Selbstzerstörung zu retten.“ (Faustina). Die Krise als Chance neu zu entdecken, worauf es im Kern ankommt: Beziehung! Die Beziehung zu mir selbst und die Beziehung zu Jesus sind eine Einheit, weil wir in ihm und er in uns ist. Daher: 1. Lebe die Beziehung zu Jesus und 2. Sei im Dialog mit dir selbst  


In Beziehung mit den Anderen

Petrus aber sah ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an. Apg 3:4

Eine wundervolle Stelle für Beziehung in der Apostelgeschichte. Das “Sich anschauen” erzeugt eine Nähe. In dieser Nähe bewegst du dich permanent in einem Spannungsfeld zwischen inneren Bedürfnissen und äußeren Anforderungen. So ist es nicht verwunderlich, dass der meiste Streß Beziehungsstreß ist. Umso mehr müssen wir auf die Qualität dieser Beziehungen achten. Hört sich simpel an, aber ich weiß durch meine Teamarbeit, dass wir oft monologisieren und im scheinbaren Gespräch nicht wirklich beim Nächsten sind. Das lässt uns leer werden und ausbrennen. Wenn mir das passiert, schaue ich dem anderen bewusst in die Augen. Das hilft um wieder ganz bei mir und ganz beim anderen zu sein. Bedenke: Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht.    


Das Käfermodell

Der Herr ist meine Stärke. Ps 28:7

Es gibt sechs entscheidende Lebensbereiche: Beruf, Familie, Gesundheit, soziale Kontakte, Hobbys und Glaube. 1. Achte auf ein Gleichgewicht zwischen allen Lebensbereichen. Nicht nur der Job ist wichtig! 2. Schaue, ob es einem Bereich Konflikte gibt. Diese haben immer Vorrang. Alles andere wäre Flucht oder Verdrängung. 3. Wissenschaftlich nachgewiesen: Ein starker Lebensbereich (z.B. der Glaube) wirkt sich positiv auf die anderen Lebensbereiche aus. Top! Der Herr ist meine Stärke. 4. Bei alledem immer wieder: Vermeide Schuldzuweisungen an dich oder andere. Es ist eine Frage deiner Verantwortung. Es sind nicht die äußeren Bedingungen, über die du dich erschöpfst, sondern es ist dein Umgang damit.  


Störungen haben Vorrang

Geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Mt 18:15

Lerne Störungen in den verschiedenen Lebensbereichen rechtzeitig anzusprechen und zu klären, um so Konflikten vor zu beugen. Wir können deswegen ausbrennen, weil wir Dingen zu lange ihren Lauf gelassen haben. Ergebnis ist oft eine Scheinharmonie und der schwellende Konflikt schlägt später umso stärker zurück. Lösungsorientiertes Denken ist da mein Lieblingswort. Häufig ist es meine eigene Überzeugung, dass eine Lösung unmöglich erscheint. Glaube dennoch an eine Lösung. Der Weg dahin geht nur über echte und klare Kommunikation, ob nun im Beruf, der Beziehung oder sonstwo und über das Gebet zum hl. Geist um Lenkung. Atme in mir heiliger Geist!  


Die Macht der inneren Realitäten (1)

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. 2. Kor 3:17

Seit unserer Kindheit werden wir geprägt. Durch diese Prägung entstehen innere Realitäten, die mächtig sein können. Eigenes Beispiel: In meiner Familie habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Streit/Konflikt häufig nicht ausgetragen wurde, sondern man sich angeschwiegen hat (ist heute Gott sei Dank nicht mehr so). In meinem Erwachsenenleben erkannte ich, dass ich dann gestresst wurde, wenn Konflikte unausgesprochen blieben (Magenkrämpfe!), in unbewusster Erinnerung der alten Ohnmacht. Wenn du diese Prägung erkennst, kannst du dich kraft des heiligen Geistes daraus befreien: Ich habe es mittlerweile gelernt, Konflikte offen anzusprechen. Immer wieder: sehe dich nie als Opfer deiner Kindheit, der Umstände etc. sondern erkenne deine eigene Verantwortung zur Veränderung.  


Die Macht der inneren Realitäten (2)

Durch Christus seid ihr dazu berufen, frei zu sein. Gal 5:13

Das Thema ist mir so wichtig, dass es auch diese Woche nochmals weitergeht: Stress entsteht nie durch eine Situation an sich, sondern durch deren subjektive Bewertung, die wesentlich durch unsere Prägung beeinflusst wird. Darum noch ein persönliches Beispiel: Ich habe im Alter von 15 Jahren ein Jahr meine Oma mit gepflegt. Ich habe dadurch viel Selbstbestätigung durch Übernahme von Verantwortung für die Familie bekommen. Aus dieser Erinnerung ist ist die Selbstdefinition “Ich bin für andere da” entstanden. Ich fühlte mich schnell dazu verpflichtet Aufgaben zu übernehmen und konnte nur schwer nein zu etwas sagen. Wenn du diese Prägung erkennst, kannst du dich in Christus daraus befreien, denn sein nie vergehenden Worte führen in diese Freiheit. Ich habe es mittlerweile gelernt, auch nein zu sagen und mich nicht für alles verantwortlich zu fühlen.  


Fehlender Umgang mit Emotionen

Der Herr gab dem Menschen den Verstand, um seine innersten Gedanken und Gefühle zu durchleuchten. Spr 20:27

Du bist eine tickende Zeitbombe, wenn du nicht in Kontakt mit deinen Gefühlen bist. Tust du es nicht, entsteht ein innerer Konflikt wodurch sich Druck und Anspannung massiv erhöhen. Der innere Konflikt beginnt dort, wo du gegen deinen eigenen Willen handelst. Das brennt dich aus. Es wiegt um so vieles schwerer, mit sich selbst nicht mehr zurechtzukommen, als mit den äußeren Umständen nicht zurechtzukommen. Gefühle zu ignorieren und den inneren Dialog abzubrechen ist ein sicherer Weg in das eigene Aus!    


Lasse los was war.

Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Meister Eckhart

Verarbeite die Vergangenheit, die in der Gegenwart und in der Zukunft ein Hindernis ist, und lasse sie dann ruhen. Verabschiede dich von dem, was nicht war, und ziehe einen Strich unter das Gewesene. Blicke nach vorne und auf das, was jetzt möglich ist. Finde heraus, was du jetzt wirklich brauchst. Du bist immer nur der, der du jetzt bist, und nicht der, der du einmal warst. Jedes Defizit in der Vergangenheit bleibt ein Defizit. Jede Wunde bleibt eine Wunde oder wird bestenfalls zur Narbe. Die einzige Chance, die du hast ist im Hier und Jetzt das voll zu leben, was dir heute entspricht.  


Entspanne regelmäßig

Da sagte Jesus zu ihnen: Kommt, wir gehen an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und wo ihr euch ein wenig ausruhen könnt. Mk 6,31

Sorge für regelmäßige Entspannungszeiten. Mindestens einmal am Tag solltest du das bewusste Gefühl der Entspannung haben. Plane Pausen ein. Sorge für erholsamen und ausreichenden Schlaf. Auch Urlaub muss sein! Und achte auf deine Ernährung. Der Mensch ist, was er isst: Ausgewogen ernähren und die Vitamine nicht vergessen. Durch diese Entspannungsphasen bewahrt Gott dein Leben. Das deutsche Wort bewahren kommt von dem althochdeutschen wara und bedeutet „Aufmerksamkeit, Acht, Obhut, Aufsicht“. Es meint, daß wir aufmerksam und behutsam mit unseren physischen und psychischen Energien umgehen.  


Lerne, nein zu sagen

In jedem NEIN steckt ein JA für den eigenen Freiraum. Anselm Grün

Lerne Nein zu sagen, nicht nur zu anderen, sondern auch zu dir selbst, erkennen deine Grenzen an. Setze Prioritäten und vertrete diese. Ja: Menschen dürfen Erwartungen an mich haben. Aber ich habe die Freiheit, auf die Erwartungen zu reagieren. Ich entscheide, welche Erwartungen ich erfülle und gegenüber welchen ich mich abgrenze. Wenn ich diese innere Freiheit habe, dann werde ich nicht aggressiv sein gegenüber den Menschen, die Erwartungen haben. Ich respektiere ihre Ansprüche. Aber ich muss diese Ansprüche nicht erfüllen. Ich tue das, was ich für richtig halte. Sicher: der Nächste kann dadurch verletzt oder enttäuscht werden, ich selbst kann durch das Nein abgelehnt werden. Nicht die Ansprüche sind das Problem, sondern unsere Reaktion darauf. Wir müssen die innere Freiheit wieder gewinnen. Dann können wir gelassener mit den Ansprüchen umgehen

 


Schluß mit dem Ärger

Du lässt dich vom Ärger mitreißen. Hiob 15:12

Höre auf oder minimiere es zumindest, dich über dich oder andere zu ärgern. Mache dir folgenden Grundsatz zu eigen: keine Energie in die Verärgerung, sondern in die Veränderung! “Dazu ein Wort von Franz von Sales: Alles, was uns da in den Weg kommt, kann uns Anstoß sein, das Gleichgewicht zu verlieren und hinzufallen: bald ist es ein Ärger, bald ein Gerede, bald schlechte Laune, in der uns kein Mensch etwas recht machen kann. Dann wieder ekelt uns der Beruf an, weil wir in einem Anfall von Schwermut glauben, daß wir doch nichts leisten. Kurz, alles Mögliche kommt da in unserer seelischen Kleinwelt vor.” Wenn ich in eine Situation komme, in welcher der innere Impuls des Ärgers in mir aufsteigt, lenke ich diesem Impuls entgegen, entscheide mich bewusst dafür, im Frieden Jesus zu bleiben und überlege, was ich nun tun kann. Das hilft nicht immer, aber sehr, sehr häufig


Lebe, lebe, lebe !

Ich aber bringe Leben und dies im Überfluss. Joh 10:10

Ein Mensch, der gesund bleiben will, muss sich in seinem Leben beheimatet fühlen. Sich mit sich und bei den anderen zu Hause zu fühlen ist das elementare Lebensgefühl. Dann kann ich immer wieder rasten und ruhen, regenerieren und entspannen. Lebe! Denn je mehr du in deinem Leben funktionierst, desto weniger kommst du auf deine Kosten. In dem Moment, in dem du anfängst zu funktionieren, hörst du auf zu leben. Du drehst dir selbst den Lebens-Hahn zu und bewegst dich auf der reinen Ausgabenseite.